Paul Virilio: Von der Fassade zum Interface


Hausarbeit, 2009

17 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Die Auflösung des Stadtbildes

2 Fassade und Interface im Vergleich
2.1 Surface-limite: Die oberflächliche Begrenzung
2.2 Ort und Dimension
2.3 Gesicht und Einschreibungsfläche

3 Auflösung der Fassade im Interface
3.1 Die „Interfassade“: eine Topologie der Zeitlichkeit
3.2 Die Überbelichtung der Stadt
3.3 Ästhetik des Verschwindens

4 Zusammenfassung und Ausblick

Literaturverzeichnis

1 Die Auflösung des Stadtbildes

Der zentrale Begriff im Denken von Paul Virilio ist die Geschwindigkeit.[1] Ihr widmet er sogar eine eigene Disziplin, die „Dromologie“ nach dem griechischen „dromos“ für Lauf. Für Virilio ist die Geschwindigkeit nicht bloß eine physikalische Größe, sondern der entscheidende Faktor aller gesellschaftlichen, historischen und politischen Entwicklungen. Sie setzt Raum und Zeit in Relation und bestimmt damit das menschliche Bewusstsein. Die Produzenten der Geschwindigkeit sind die Medien, angefangen mit dem menschlichen Körper und seinen Sinnesorganen.

Diese grundlegende Rolle der Medien verdeutlicht Virilio anhand der „Revolution des Transportwesens“ seit dem 19. Jahrhundert. Maschinen wie Eisenbahn, Automobil und Flugzeug dienen ausschließlich dazu, Geschwindigkeit zu produzieren und zu kontrollieren. Sie ermöglichen es, einstige Tagesmärsche in wenigen Stunden oder gar Minuten zu überwinden, so dass der Raum förmlich zusammen schrumpft.

Die „Revolution der elektromagnetischen Übertragungsmedien“[2] nimmt der Position eines Körpers im Raum schließlich jede Relevanz. Telekommunikation, Fernsehen oder Video machen es möglich, auf jeden Ort und jede Information zuzugreifen, ohne sich dazu selbst fortbewegen zu müssen. Wenn die Datenübertragung Lichtgeschwindigkeit erreicht hat, weicht die räumliche Dimension einem Zustand der absoluten Geschwindigkeit, der „Echtzeit“.

Das Verschwinden des Raums hat für den Architekten und Urbanisten Virilio dramatische Auswirkungen auf die Stadt. In seinem Aufsatz „Die Auflösung des Stadtbildes“[3] prognostiziert er der Metropole eine düstere Zukunft als „'Monument Valley' einer Pseudo-Steinzeit, nichts weiter als eine gespenstische Landschaft oder des Fossil von vergangenen Gesellschaften […]“[4].

Wenn alles von überall her über Bildschirme übertragen werden kann, dann wird die Stadt in ihrer historisch gewachsenen Form überflüssig: Bereits die neuen Transportmittel hatten sie als Zentrum infrage gestellt und ihre Ränder ausfransen lassen.[5] Die Datenübertragung ersetzt nun ihre Straßen und Verkehrswege und das Sozialleben verlagert sich in virtuelle Netzwerke.

Im Extremzustand der „Echtzeit“ besteht die Stadt schließlich nicht mehr aus architektonischen Körpern, sondern ist nur noch als „Verplanung der Zeit“[6] erfahrbar, die die Menschen von jeder sinnlich-materiellen Realität isoliert.[7]

[...]


[1] Zu den Grundlagen der „Dromologie“ vgl. Kloock 2007, S.133ff

[2] Vgl. Kloock 2007, S.136

[3] Ich beziehe mich auschließlich auf die gekürzte Übersetzung des Textes, die unter dem Titel „Die Auflösung des Stadtbildes“ in Dünne/Günzel: Raumtheorie. Frankfurt/M: Suhrkamp, 2006 erschienen ist.

[4] Vgl. Virilio 2006, S.272

[5] Vgl. Virilio 2006, S.261ff

[6] Vgl. Virilio 2006, S.263

[7] Vgl. Kloock 2007, S.136f

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Paul Virilio: Von der Fassade zum Interface
Hochschule
Universität Hildesheim (Stiftung)  (Institut für Philosophie)
Veranstaltung
Probleme der Kulturphilosophie: Stadt als Landschaft
Note
1,0
Autor
Jahr
2009
Seiten
17
Katalognummer
V211801
ISBN (eBook)
9783656404248
ISBN (Buch)
9783656405504
Dateigröße
504 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
paul, virilio, fassade, interface
Arbeit zitieren
Katharina Stockmann (Autor), 2009, Paul Virilio: Von der Fassade zum Interface, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/211801

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Paul Virilio: Von der Fassade zum Interface



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden