Gabriel García Márquez' "La increible y triste historia de la cándida Eréndira y de su abuela desalmada / Muerte constante más allá del amor"

Vergleich der Erzählungen mit dem Film 'Eréndira' von Ruy Guerra


Seminararbeit, 2003
24 Seiten, Note: sehr gut

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Die Entstehungsgeschichte

2. Eréndira/Muerte constante, Vergleich von Erzählungen und Film
2.1 Die unterschiedlichen Erzählperspektiven
2.2 Die Gegenüberstellung der äußeren Form
2.3 Die verschiedene Darstellung der Zeit
2.4 Die Personencharakterisierung und ihre Bedeutung
2.4.1 Die despotische Großmutter
2.4.2 Eréndira, Opfer und Revolutionärin
2.4.3 Macht und Ohnmacht des Senator Onésimo Sánchez
2.4.4 Ulises, Geliebter und Befreier
2.5 Präsentation und Funktion des Wunderbaren
2.6 Die Kritik an den politischen Verhältnissen

3. Ein Blick in die heutigen Zustände Kolumbiens

Anhang
Produktionsdaten
Szenenfolge
Filmografie von García Márquez
Literaturverzeichnis

1. Die Entstehungsgeschichte

Im Jahr 1954 wurde García Márquez Redakteur bei der Zeitung El Espectador in Bogotá. Er verfasste Reportagen und Filmkritiken, in denen er den europäischen Filmen gegenüber der Kommerzware aus Hollywood den Vorzug gab. Im gleichen Jahr entstand sein erstes Drehbuch für den Kurzfilm La langosta azul[1].

Bei seinem Europaaufenthalt 1955, er berichtete unter anderem von der Biennale in Venedig, schrieb er sich in Rom im Centro Sperimentale di Cinematografia für einen Regiekurs[2] ein. Sein Interesse für den Film, besonders die Auseinandersetzung mit dem italienischen Neorealismus, hat sein Schaffen nachhaltig beeinflusst: „[.] el universo imaginario del novelista colombiano se desarrolló en estrecho contacto con la cinematografía[3].

Als Präsident der „Fundación del Nuevo Cine Latinoamericano“ förderte der Autor die Gründung einer Schule für Film und Fernsehen in Kuba, die er 1986 mit Fidel Castro einweihte[4]. Bis 1999 schrieb er zu zehn Spielfilmen und einer Serie des spanischen Fernsehens die Drehbücher, und zu weiteren neun Filmen stellte er die literarische Vorlage.

Im Jahr 1968 schrieb García Márquez ein Drehbuch mit dem Titel: „La increíble y triste historia de la cándida Eréndira y de su abuela desalmada“. Dies ist die Geschichte eines jungen Mädchens, das von seiner Großmutter zur Prostitution gezwungen wird, um deren abgebranntes Haus zu bezahlen und das schließlich mit Hilfe ihres Geliebten Ulises befreit wird. Es kam jedoch aus verschiedenen Gründen kein Film zustande. Einmal hatte García Márquez die Arbeit an seinem Roman „El otoño del patriarca“ begonnen, zum anderen war er nach Barcelona übergesiedelt[5], so dass seine Kontakte zur ihm vertrauten Filmszene in Mexico abgerissen waren.

Vielmehr adaptierte er das Drehbuch literarisch. Unter dem genannten Titel erschien 1972 ein Band[6] mit weiteren Erzählungen, darunter „Muerte constante más allá del amor“, ein intertextueller Bezug zur spanischen Literatur des Siglo de Oro, dem Sonett „Amor constante más allá de la muerte“ von Francisco de Quevedo. Der Protagonist der Geschichte ist der todgeweihte Senator Onésimo Sánchez, der bei seiner letzten Wahlkampagne mit einem jungen Mädchen zusammentrifft. Jahre später entstand ein neues Drehbuch, das dem 1983 realisierten Spielfilm Eréndira zugrunde liegt. Dort wurde die Figur des Senators in die Geschichte Eréndiras mit eingebunden.

Der Regisseur des Films, Ruy Guerra, in Mozambique geboren, war auch als Schauspieler, Cutter und Filmkritiker tätig. Zweimal erhielt er den silbernen Bären der Filmfestspiele Berlin, für Os Fuzis (1964) und A Queda (1978). Er repräsentiert das Cinema Novo, dessen Ziel eine panlateinamerikanische, revolutionäre Sichtweise ist[7].

Ich werde in meiner Arbeit das ursprüngliche Drehbuch nicht in den Vergleich mit einbeziehen, zumal es nur in Ausschnitten veröffentlicht wurde[8], sondern die literarische Vorlage mit der filmischen Umsetzung schwerpunktmäßig vergleichen und die Unterschiede erörtern und kommentieren. Wesentlich erscheinen mir die verschiedenen Erzählperspektiven, die medienspezifische Umgestaltung der äußeren Form, die Variation der Charaktere und die Darstellung der wunderbaren Elemente. Dabei soll immer die politische Intention beachtet werden und wie sie dem Rezipienten vermittelt wird. In der Schlussbetrachtung werde ich anhand eines Spiegel -Artikels die heutige Zustände in Kolumbien schildern.

2. Eréndira/Muerte constante,Vergleich von Erzählungen und Film

2.1 Die unterschiedlichen Erzählperspektiven.

In der Geschichte „La increíble y triste historia de la cándida Eréndira y de su abuela desalmada“ arbeitet García Márquez mit unterschiedlichen Erzählsituationen. Überwiegend wird in der dritten Person im Modus des Showing erzählt. Personen und Handlung, auch märchenhafte oder wunderbare Elemente werden ohne Bewertung präsentiert. Im Erzählprofil finden sich noch weitere Elemente. Gleich im ersten Satz gibt es eine auktoriale Vorausdeutung, „el viento de su desgracia“, die noch mehrfach punktuell wiederholt wird, teils mit Innensicht: „[...] no sintió el mal presagio [...]“[9]. Die ungewisse Bedrohlichkeit steigert die Dramatik des Geschehens.

Die Absicht, die Wirklichkeit des poetischen Universums zu bekräftigen, lässt den Autor eine Icherzählung einfügen, von „Las conocí por esa época [.]“[10], bis „Esa fue la única vez que las ví [.]“[11]. Er tritt als Augenzeuge und Chronist auf. Durch die Einflechtung eines wahren biografischen Details, die in dieser Passage erwähnte Vertretertätigkeit in Riohacha hat García Márquez in den frühen fünfziger Jahren wirklich betrieben[12], wird es fast unmöglich zwischen Tatsachen und Fiktion zu unterscheiden. Darüber hinaus führt er noch zwei weitere Zeugen namentlich auf, seinen Begleiter und einen Liedermacher. Auch entstand die Idee zur Geschichte in ihm, als er in einem Dorf ein ambulantes Bordell mit einer besonders erfolgreichen jungen Prostituierten sah.[13].

Im Film ist in der ersten Szene[14] (Außen, Tag, Wüste, Sturm, Grabsteine der Amadís), die Stimme Eréndiras im Off zu hören:

La abuela se estaba bañando cuando empezó el viento de la desgracia

Hier ist Eréndira die Icherzählerin, eine größere Authentizität ist nicht möglich, zugleich eine bedeutende Aufwertung der Figur gegenüber der literarischen Fassung. Sie ist schon vor Beginn der eigentlichen Handlung nicht mehr die „cándida“, dieses Attribut fehlt auch im Filmtitel, sondern Berichterstatterin ihres Schicksals. Eine zusätzliche Information gegenüber der Geschichte, die zu Beginn nur unbestimmt und bedrohlich vom „viento de su desgracia“ spricht und den Ausgang nicht vorwegnimmt. Das geschieht jedoch im Film. Für den Zuschauer ist von der ersten Szene an schon klar, dass Eréndira diese Episode nicht nur übersteht, sondern auch eine Botschaft weitergibt: Wenn Elend und Erniedrigung bewältigt werden, ist ein guter Ausgang zu erhoffen. Hier ist einmal die politische Absicht von Anfang an eingearbeitet, zum anderen wird die Tradition der oralen Überlieferung aufgenommen.

[...]


[1] Filmografie im Anhang, Seite VI

[2] Ploetz, Dagmar, Gabriel García Márquez, Rowohlt Verlag, Hamburg, 2. Auflage 2000, S.47

[3] Méndez, José Luis , Como leer a García Márquez, Editorial de la Universidad de Puerto Rico, Puerto Rico 1992, S.13

[4] Ploetz, S.113

[5] Ibid. S.78

[6] García Márquez, Gabriel, La increible y triste historia de la cándida Eréndira y de su abuela desalmada, Barral Editores, Barcelona 1972 (Im Folgenden kurz als Eréndira bezeichnet)

[7] Cabezón Doty, Claudia, Literatur und Film Lateinamerikas im intermedialen Dialog, Verlag Lang, Frankfurt/Main, 2000, S.228

[8] Kaiserkern, Babette, Carlos Fuentes, Gabriel García Márquez und der Film, Peter Lang Verlag, Ffm, 1995, S.217

[9] Eréndira, S.99

[10] Ibid., S.145

[11] Ibid. S.148

[12] Ploetz, Dagmar, S.40

[13] Kaiserkern zitiert García Márquez, der in einem Interview den realen Hintergrund der Eréndira-Geschichte beschreibt: „[...] encontré en un pueblo un burdel ambulante [...] (in Kaiserkern, Babette, Carlos Fuentes, Gabriel García Márquez und der Film, Peter Lang Verlag, Ffm, 1995, S.216)

[14] Szenenfolge im Anhang, Seite III

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Gabriel García Márquez' "La increible y triste historia de la cándida Eréndira y de su abuela desalmada / Muerte constante más allá del amor"
Untertitel
Vergleich der Erzählungen mit dem Film 'Eréndira' von Ruy Guerra
Hochschule
Universität des Saarlandes  (Romanistik)
Note
sehr gut
Autor
Jahr
2003
Seiten
24
Katalognummer
V21192
ISBN (eBook)
9783638248631
ISBN (Buch)
9783640257263
Dateigröße
506 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Gabriel, García, Márquez, Eréndira, Muerte, Vergleich, Erzählungen, Film, Guerra
Arbeit zitieren
Eberhard Türk (Autor), 2003, Gabriel García Márquez' "La increible y triste historia de la cándida Eréndira y de su abuela desalmada / Muerte constante más allá del amor", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/21192

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