Soziokulturelle Zusammenhänge von Tourismus und Globalisierung am Beispiel Südafrika


Essay, 2012
7 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Dass der Tourismus heute, im "Zeitalter der Globalisierung", weltweit zu den wichtigsten Wirtschaftsfaktoren zu rechnen ist, ist nichts Neues. Auch Afrika, das bislang häufig als touristisches Sorgenkind bezeichnet wurde, zieht zunehmend Reisende aus Übersee an – vor allem für die Republik Südafrika ist der Tourismus mit einem BIP-Anteil von etwa 8% zu einem wesentlicher Wirtschaftsfaktor geworden. Abgesehen von seiner ökonomischen Bedeutung stellt sich aber auch die Frage nach den soziokulturellen Bedingungen und Auswirkungen des globalisierten Tourismus. Welche Wechselwirkungen und Zusammenhänge bestehen zwischen den Vorstellungen, die Überseetouristen mit Afrika verbinden, und den touristischen Angeboten, zum Beispiel in Südafrika?

"Was wir über […] die Welt […] wissen, wissen wir durch die Massenmedien", schrieb einmal der Systemtheoretiker Niklas Luhmann. Medien, seien es Bücher, Filme, Zeitungen oder das Internet, beliefern uns mit Bildern und Vorstellungen über "die Welt da draußen". Ohne je in China gewesen zu sein, haben wir ein Bild der Chinesischen Mauer vor Augen, ja, wir wissen, dass sie sogar vom All aus gesehen werden kann. Weltweit wird die Imagination von Menschen durch die Medien angeregt, so dass Kulturen nicht mehr an bestimmte Orte gebunden zu sein scheinen, sondern sich in unseren Köpfen vermischen und zum Träumen anregen. Abgesehen von physischen Reisen in andere Weltteile besteht dank der Massenmedien auch die Möglichkeit, virtuell, das heißt mit Kraft der Imagination zu reisen .

Diese Loslösung von der Zeit- und Ortsgebundenheit von Kulturen spiegelt sich im Konzept der scapes, das der indische Ethnologe Arjun Appadurai entwickelt hat. Diese scapes, abgeleitet vom englischen landscape, stellen globalisierte, deterritorialisierte Räume dar, die durch den Austausch von Menschen, Bildern oder Ideen neue Verknüpfungen herstellen und die globale Kultur prägen. Während mediascapes für die globale Vernetzung von Medien und beispielsweise die damit einhergehende mediale Verbreitung von Bildern stehen, kann der Tourismus zum Konzept der ethnoscapes gezählt werden: Touristen gehören (zum Beispiel neben Migranten oder Flüchtlingen) zu "mobilen Ethnien", die sich in der Welt bewegen und diese dadurch in vielfältiger Weise beeinflussen.

Der (Fern-)Tourismus ist also an Mobilität gekoppelt; er wäre ohne sie undenkbar. Mobilität wie wir sie heute kennen, vor allem die Bewegung über weite Distanzen in relativ kurzer Zeit, ist aber ein vergleichsweise junges Phänomen. Seit 1970 Großraumflugzeuge eingeführt wurden, nahm die weltweite Erschließung von Reisezielen rasant zu – so auch die Südafrikas. In den Siebziger- und frühen Achtzigerjahren war Südafrika besonders bei deutschen und US-amerikanischen Touristen ein beliebtes Reiseland, das über organisierte Rundreisen erschlossen wurde. Überwiegend Fernreisen-erfahrene Reisende aus der oberen Mittelschicht nahmen an solchen Rundreisen teil, die den "touristischen Trampelpfad" zwischen Kapstadt, Durban und dem Krüger Nationalpark beinhalteten, aber häufig auch andere Orte, die aufgrund ihrer besonderen landschaftlichen und kulturellen Reize ausgewählt wurden, miteinschlossen. Beliebt waren damals Aufenthalte auf Farmen und in Wildreservaten. Der Kontakt mit der einheimischen schwarzen Bevölkerung war kaum vorhanden. Aufgrund mangelnder Einblicke nahmen viele Touristen an, ihre negativen Vorstellungen bezüglich der Apartheidpolitik des Landes seien unzutreffend.

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Ende der Leseprobe aus 7 Seiten

Details

Titel
Soziokulturelle Zusammenhänge von Tourismus und Globalisierung am Beispiel Südafrika
Hochschule
Universität Konstanz
Note
1,7
Autor
Jahr
2012
Seiten
7
Katalognummer
V213234
ISBN (eBook)
9783656414247
Dateigröße
426 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
soziokulturelle, zusammenhänge, tourismus, globalisierung, beispiel, südafrika
Arbeit zitieren
B.A. Stefanie Eck (Autor), 2012, Soziokulturelle Zusammenhänge von Tourismus und Globalisierung am Beispiel Südafrika, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/213234

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