Die Massenmedien nach Niklas Luhmann


Hausarbeit, 2012

13 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Darstellung von Niklas Luhmanns Begriffen

3. Definition der Massenmedien und ihre Funktion

4. Darstellung und kritische Hinterfragung der Hauptthesen
4.1 These: All unsere Erkenntnis wird durch die Massenmedien generiert. (Luhmann 2004: 9)
4.2 These: Das System der Massenmedien beinhaltet zwei unterschiedliche Realitäten. (Luhmann 2004: 11)
4.3 These: Die Anpassung sozialer Systeme an ihre Umwelt findet nicht allein über Kognition statt (Luhmann 2004: 117)
4.4 These: Ohne Verstehen der Differenz von Information und Mitteilung kann das System die Autopoiesis nicht fortsetzen und die Kommunikation wird unterbrochen (Luhmann 2004: 117)
4.5 These: Eine Gesellschaft benötigt für das Beobachten ihrer selbst eine zeitliche Doppelorientierung. (Luhmann 2004: 122)

5. Weitergehende Fragen zu Luhmanns Medientheorien und Fazit

6. Quellenangaben

1. Einleitung

Die vorliegende Arbeit wurde im Rahmen der Vorlesung „Medientheorie“ erstellt. Im kritischen Auseinandersetzen mit Medien und ihrer Wirkungsweisen spielt der Begrün­der der soziologischen Systemtheorie Niklas Luhmann eine entscheidende Rolle.

Der Soziologe Niklas Luhmann wurde 1927 in Lüneburg als Sohn eines Brauereibesit­zers geboren. Von 1946 bis 1949 studierte er Rechtswissenschaften an der juristischen Fakultät der Universität Freiburg. Später arbeitete Luhmann im Oberverwaltungsgericht Lüneburg als Assistent des Präsidenten für den Aufbau einer Bibliothek nichtveröffent- lichter Entscheidungen, beispielweise von Präzedenzfällen, als sozialdemokratischer Beamter am Verwaltungsgericht Niedersachsen und siedelte dann im Jahr 1960 in die Vereinigten Staaten von Amerika über (Horster 2005: 31). Dort arbeitete er bei Talcott Parsons und kam erstmals mit dessen systemtheoretischen Ansätzen in Kontakt. Nach­dem Luhmann einige Jahre an verschiedenen Universitäten tätig war, promovierte er 1966 mit der Publikation „Funktionen und Formen formaler Organisation“ (Luhmann 1966) und lehrte ab 1968 an der Universität Bielefeld an der ersten Fakultät für Soziolo­gie im deutschsprachigen Raum (Horster 2005: 38). Luhmann verstarb 1998, sechs Jahre nach seiner Emeritierung, in Oerlinghausen bei Bielefeld.

In der vorliegenden Arbeit sollen nach einer anfänglichen Klärung der verwendeten Be­griffe Luhmanns, seine medientheoretische Thesen vorgestellt, diskutiert und kritisch hinterfragt werden.

2. Darstellung von Niklas Luhmanns Begriffen

Um sich Luhmanns medientheoretischen Thesen anzunähern, ist es wichtig, vorerst ei­nige von ihm verwendete Begriffe zu klären, beziehungsweise die von ihm aufgestellten Definitionen zu veranschaulichen.

Die Differenzierung der beiden Begriffe System und Umwelt kann als Ausgangspunkt der Theorien Luhmanns angesehen werden. Luhmanns Systemtheorie ist nicht eine Theorie, die sich mit System und Umwelt als Objekten beschäftigt, sondern ist als eine Theorie der Differenz von System und Umwelt angelegt. Grundsätzlich ist ein System die Ganzheit einer Menge von Elementen und deren Relationen zueinander (Kneer 2000: 25). Kein System kann ohne Umwelt, von der es sich unterscheidet, existieren und be­stimmt werden. Systemeigene Operationen ziehen eine Grenze und somit kann ein Sy­stem nicht außerhalb seiner Grenzen operieren. Das System ist die Innenseite und die Umwelt ist Außenseite der festgelegten Form (Krause 2005: 245).

Luhmanns Auffassung nach ist das System der Medien ein autopoiesisches. Der Begriff der Autopoiesis bezeichnet die Fähigkeit eines Systems, die Elemente, aus denen es be­steht, selbst zu produzieren und zu reproduzieren. Darüber hinaus kann es sich selbst als Einheit definieren und ist autonom (Kneer 2000: 56). Autopoiesische Systeme sind ge­kennzeichnet durch eine operationale Schließung. Die Operationen sind voneinander abhängig, die Selbstreferenz ermöglicht gleichzeitig die Abgrenzung von der Umwelt (Krause 2005: 233).

Innerhalb eines Systems können sogenannte Operationen und Beobachtungen stattfin­den. Die Differenzierung der beiden Begriffe ist die Grundlage des konstruktivistischen Ansatzes von Luhmann. Operation bezeichnet eine Reproduktion der Elemente eines autopoiesischen Systems unter Rückgriff auf dieselben. An jede Operation schließt sich eine neue an und erhält dadurch die operationale Schließung aufrecht. Eine Operation ist der „Vollzug einer augenblicklichen und als solcher nicht wiederholbaren Unterschei­dung“ (Krause 2005: 201), somit also ein Ereignis. Eine Beobachtung ist eine spezifi­sche Operationsweise auf der Grundlage einer Unterscheidung. Es kommt dann zu einer Beobachtung, wenn ein System aufgrund von Unterscheidungen operiert und Informa­tionen gewinnt und verarbeitet. Die Beobachtung bezieht sich nicht auf den Vorgang des Sehens sondern meint ein logisches Kalkül: jeder Konstruktion liegt eine Anfangsunter­scheidung (distinction) zugrunde, die den Raum in zwei Seiten aufteilt (z.B. Sy­stem/Umwelt) und gleichzeitig eine der beiden Seiten bezeichnet (indication). Es ist unmöglich, ohne diese Bezeichnung des Unterschieds eine Unterscheidung zu treffen (Krause 2005: 129). Gleichzeitig ist die Beobachtung jedoch eine spezifische Operati­onsweise und kann deshalb ihre eigene Reproduktion nicht beobachten. Die Anfangsun­terscheidung ist demnach ihr blinder Fleck (Kneer 2000: 110).

Selbstreferentielle Systeme unterscheiden das, was zum System gehört (systeminterne Operationen) von dem, was zur Umwelt gehört. Selbstreferenz bezeichnet also eine Ope­ration, die etwas bezeichnet, dem sie zugehört, oder: „ [...] die unterscheidende und Un­terschiedenes bezeichnende Bezugnahme eines Selbst auf sich selbst.“ (Krause 2005: 221).

Der von Luhmann dargestellte systemtheoretische Konstruktivismus beschreibt die An­nahme, dass Erkenntnis auf der Konstruktion eines Beobachters beruht und nicht auf der Korrespondenz mit der Wirklichkeit. Das zentrale Prinzip des Konstruktivismus ist die Autopoiesis. Jede Erkenntnis ist gleichzeitig eine innere Konstruktion des Systems (Krause 2005: 181).

Im Zusammenhang mit Luhmanns Medientheorie ist der Begriff der Kommunikation zentral. Kommunikation ist eine spezifische Operation sozialer Systeme und findet nur in ihnen statt. Zwischen sozialen Systemen und ihrer Umwelt kann keine Kommunikati­on existieren. Jedoch öffnet sich das System gegenüber der Umwelt, indem es beobach­tet und Umwelt kommunikativ als Information konstruiert; alles was keine Kommunika­tion ist, wird im System beobachtet, wenn es Thema der Kommunikation wird (Krause 2005: 173f). Kommunikation besteht aus der Synthese von Mitteilung und Information und dem Verstehen der Differenz von Mitteilung und Information (Baraldi 1997: 89). Sie bildet also eine dreistellige Einheit aus den Komponenten Information, Mitteilung und Verstehen (Kneer 2000: 95). Das System der Kommunikation realisiert sich nur in einem Kommunikationsprozess, in dem auf Kommunikation weitere Kommunikation folgt. Diese dauernde Fortsetzung der Kommunikation bedeutet eine Fortsetzung der Autopoiesis.

3. Definition der Massenmedien und ihre Funktion

Luhmann bezeichnet mit dem Begriff Massenmedien „alle Einrichtungen der Gesell­schaft [...], die sich zur Verbreitung von Kommunikation technischer Mittel der Verviel­fältigung bedienen.“ (Luhmann 2004: 10). Vor allem sind hiermit Bücher, Zeitschriften oder Zeitungen gemeint, aber auch alle photographischen oder elektronischen Kopier­verfahren. Jedoch macht Luhmann die Einschränkung, dass dies nur gilt, sofern sie „Produkte in großer Zahl mit noch unbekannten Adressaten erzeugen.“ (Luhmann 2004: 10). Um die Definition der Massenmedien zu erfüllen, muss das Medium allgemein zu­gänglich sein. Dies veranschaulicht Luhmann mit dem Beispiel von Theateraufführun­gen, Konzerten oder Vorträgen. Diese sind als solche kein Massenmedium, werden es aber, sobald sie auf Diskette oder Film aufgezeichnet Verbreitung finden (Luhmann 2004: 10).

Ein weiteres Kriterium für Massenmedien ist, dass zwischen Empfänger und Adressat keine Interaktion stattfinden kann. Diese wird durch eine Zwischenschaltung von Tech­nik ausgeschlossen. Die Wirkungsprämisse ist, ähnlich wie beim Buchdruck, eine Asymmetrie in der Kommunikation (Krause 2005: 235). Die Massenmedien sind ein in sich geschlossenes System und operieren abgeschottet. Insgesamt sind die Massenmedi­en einerseits mit einem hohen Freiheitsgrad an Kommunikationsmöglichkeiten ausge­stattet, auf der anderen Seite sind sie auf Vermutungen über Zumutbarkeit und Akzep­tanz angewiesen (Luhmann 2004: 11).

Die Funktionen der Massenmedien liegen laut Luhmann „in der Bereitstellung einer Öffentlichkeit repräsentierenden formbaren Hintergrundsrealität für Kommunikation bzw. eines entsprechenden Beitrags zur Konstruktion der Realität von Gesellschaft.“ (Krause 2005: 235). Massenmedien sollen die Selbstbeobachtung des Gesellschaftssy­stems dirigieren, im Rahmen einer universalen Beobachtung. Diese fußt auf der Unter­scheidung zwischen System und Umwelt (Luhmann 2004: 118).

[...]

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Details

Titel
Die Massenmedien nach Niklas Luhmann
Hochschule
HafenCity Universität Hamburg  (Kultur der Metropole)
Veranstaltung
Medientheorie
Note
1,3
Autor
Jahr
2012
Seiten
13
Katalognummer
V213669
ISBN (eBook)
9783656420156
ISBN (Buch)
9783656421009
Dateigröße
602 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Niklas Luhmann, Systemtheorie, Medien, Massenmedien, Gesellschaft, Soziale Systeme, Realitäten, Umwelt, Kognition, Kommunikation, Autopoiesis
Arbeit zitieren
Janina Waschkowski (Autor), 2012, Die Massenmedien nach Niklas Luhmann, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/213669

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