Kafka und Ödipus. Der Mythos vom König Ödipus in „Das Urteil“


Ausarbeitung, 2013
27 Seiten, Note: 1+

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Thema

Erläuterung
- Erläuterung des Analyseverfahrens sowie wichtige zu berücksichtigende Gesichtspunkte
- Einführung in die Struktur der Analyse

König Ödipus von Sophokles
- Zusammenfassung des König Ödipus
- Die Vorgeschichte von Ödipus
- die Tragödie König Ödipus
- kurze Charakterisierung der Figur Ödipus
- weit verbreitete Interpretationsansätze

Das Urteil von Franz Kafka
- Zusammenfassung von Das Urteil
- Charakterisierungen
- des Protagonisten Georg Bendemann
- des Freundes
- des Vaters
- von Frieda Brandenfeld

Brief an den Vater von Franz Kafka
- Zusammenfassung des Brief an den Vater

Der Ödipus-Komplex nach Sigmund Freud
- Zusammenfassung des Ödipus-Komplex und Analyse der Intertextualität (König Ödipus im Ödipus-Komplex)

Analyse
- Analyse des Brief an den Vater auf Grundlage des Ödipus-Komplexes von Sigmund Freud
- Analyse von Das Urteil auf der Grundlage des Brief an den Vater in Bezug auf den Ödipus-Komplex

Auswertung

- Auswertung: Das Urteil im Vergleich zu König Ödipus
- Handlungsverläufe
- erste Auswertung
- Auswertung: Königs Ödipus, Das Urteil, Ödipus-Komplex und Brief an den Vater im Vergleich
- Beziehungsverhältnisse
- Endauswertung

Literaturverzeichnis

Erläuterung

Erläuterung des Analyse-Verfahrens sowie weitere zu berücksichtigende Gesichtspunkte

Um den Mythos des König Ödipus mit Das Urteil in Bezug zu setzen, muss man sich zunächst einmal über eines klar werden. Kafka selbst schreibt in einem Brief, er habe Das Urteil in einer Nacht durchgeschrieben. Er erwähnt nicht mit einem Wort, dass die Erzählung in irgendeiner Weise von einem Mythos inspiriert sein könnte. Dagegen erklärt er im Brief an den Vater, seine Werke seien Klagelieder über seinen Vater. Das lässt darauf schließen, dass Das Urteil auf autobiographischem Hintergrund beruht. Liest man den Brief an den Vater, wird eindeutig klar, dass ein großer Teil der Erzählung auf Kafkas eigenem Leben basiert.

Auf den ersten Blick sind bereits gewissen Ähnlichkeiten zwischen König Ödipus und Das Urteil zu erkennen, um diese jedoch nicht als gegeben hinzustellen und somit eine nicht fundierte Aussage zu treffen, ist die Ausarbeitung des folgenden recht komplexen Vergleiches für eine substantiierte Schlussfolgerung unumgänglich.

Sigmund Freud erklärt anhand des Ödipus-Mythos seinen bekannten Ödipus-Komplex, der nach seiner Analyse jedem Jungen wiederfährt. Freud behauptet, der Erfolg des Mythos läge darin begründet, dass jeder Mann sich mit dem Schicksal des Ödipus identifizieren könne.

Einführung in die Struktur der Analyse

Um also Das Urteil mit König Ödipus vergleichen zu können, muss man zunächst den Ödipus-Mythos mit dem Ödipus-Komplex in Bezug setzen. Dieser lässt sich dann anwenden auf den Brief an den Vater. Als nächstes wird der Brief mit der Erzählung verglichen und aus der Beziehung Ödipus-KomplexDas UrteilBrief an den Vater lassen sich Rückschlüsse auf die Beziehung des Mythos zur Erzählung schließen. Wird die Vermutung bestätigt, dass Kafka mit Das Urteil eine moderne Nacherzählung des König Ödipus liefert, so lässt sich erstens die bekannte These belegen, dass Mythen die Umfassung von zeitlosen Erzählungen der Menschheitsgeschichte sind, andererseits würde die Behauptung Freuds, jeder Mensch leide unter dem Ödipus-Komplex, gestützt. Die Betrachtung der Intertextualität wird somit zwangsläufig ein Bestandteil der Abhandlung. Um die komplexe Struktur der Analyse zu verdeutlichen, ist hier ein Schaubild beigelegt, welches die Form der Analyse darstellt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

König Ödipus von Sophokles

Zusammenfassung des König Ödipus von Sophokles [1]

Die Vorgeschichte von Ödipus:

Die Tragödie König Ödipus

Der Ödipus-Mythos ist Teil des thebanischen Sagenkreises. Laios, König von Theben, vergeht sich unerlaubt an einem Minderjährigen. Daraufhin wird ihm vom Orakel ein Fluch auferlegt, welcher besagt, dass Laios‘ Frau Iokaste eines Tages einen Sohn gebären werde, der seinen Vater Laios töten und seine Mutter Iokaste zu seiner Frau nehmen werde. Als Iokaste tatsächlich einen Sohn zur Welt bringt, beschließen Laios und Iokaste, den Sohn auszusetzen. Sie durchbohren zuvor seine Füße, damit er nicht davonkriechen kann. Einer von Laios‘ Gefolgsleuten wird beauftragt, den Sohn auszusetzen, dieser empfindet jedoch Mitleid und übergibt den Neugeborenen an einen Schafhirten in Korinth, der ihn wiederum an den König Polybos und die Königin Melope von Korinth übergibt. Dort wird das Kind, genannt Ödipus (zu Deutsch: Schwellfuß) als Sohn aufgezogen. Jahre später hört dieser von einem Betrunkenen, er wäre nicht der leibliche Sohn von Polybos und Melope und beschließt daraufhin, das Orakel nach der Wahrheit zu befragen. Dieses sagt ihm allerdings nur, dass er eines Tages seinen Vater umbringen und seine Mutter heiraten werde. Um diesem Schicksal zu entfliehen, verlässt Ödipus in einem Wagen Korinth und bricht auf nach Theben. Auf seinem Weg stößt er auf den Wagen Laios‘ und gerät mit den Insassen in Streit. Daraufhin schlägt er Laios und dessen Diener tot, nur ein Diener überlebt und flieht. Ödipus setzt seinen Weg fort und befreit Theben von einer grausamen Sphinx, woraufhin er von der Stadt zum neuen König ernannt wird und Iokaste zur Frau bekommt, da Laios tot ist. Er zeugt vier Kinder mit Iokaste.

Sophokles‘ Tragödie beginnt damit, dass König Ödipus von Theben verzweifelt ist, da die Pest in seiner Stadt ausgebrochen ist und der Gott Phoibos befiehlt, zur Rettung des Volkes den Mörder des ehemaligen Königs Laios von Theben zu bestrafen. Man weiß, dass Laios Jahre zuvor von Wanderern in einem Wagen auf einer Reise zum Orakel umgebracht wurde und es gibt nur einen Zeugen, der alles miterlebt und überlebt hat, der aber nicht zu sprechen wagt. Teiresias, der Seher, enthüllt dann, nachdem er selbst als Mörder verdächtigt wird, dass Ödipus die Tat vollbracht haben soll. Ödipus hält dies für eine Lüge. Auch seine Frau Iokaste glaubt nicht an die Worte des Sehers, denn vor langer Zeit habe das Orakel ihr und Laios vorausgesagt, dass Laios eines Tages von seinem eigenen Sohn getötet werden und dann Iokaste zur Frau nehmen sollte. Nun wurde aber Laios von einigen Wanderern umgebracht. Außerdem hätten Iokaste und Laios damals ihren einzigen Sohn, an den Füßen durchbohrt, ausgesetzt. Hier beginnt Ödipus, zu verstehen, dass er vermutlich tatsächlich der Mörder von Laios war. Als dann noch ein Bote vorbeikommt, um Ödipus zu berichten, dass sein Vater Polybos gestorben sei, erzählt der Bote, dass ihm vor langer Zeit von einem von Laios‘ Hirten Ödipus übergeben worden sei. Der Hirte bestätigt dies und erklärt, dass dieser Ödipus Laios‘ Sohn gewesen sei. Somit wird Ödipus auf einmal bewusst, dass er tatsächlich derjenige war, der Laios umgebracht hat, seinen eigenen Vater, und dass er seine eigene Mutter, Iokaste, geheiratet hat. Als Folge erhängt Iokaste sich und Ödipus blendet sich um dann weit entfernt von Theben als armer Mann in den Bergen zu leben.

Kurze Charakterisierung der Figur Ödipus

Ödipus wird in „König Ödipus“ als anerkannter, kompetenter Herrscher dargestellt. Die Rettung Thebens durch seine Hand hat im Volk zu großer Zustimmung geführt. Die Wandlung des großen Herrschers über die Selbsterkenntnis zu seinem Sturz ins Elend zieht sich durch die gesamte Tragödie. Am Ende steht dort die Frage der Schuld, warum sich Ödipus überhaupt selbst bestraft. Aus Ödipus, dem Mächtigen ist Ödipus, der Elende geworden. Seine Frau und, wie sich später auch herausstellt, Mutter Iokaste übernimmt größtenteils die Rolle der Vermittlerin, schlichtet den Streit zwischen ihrem Bruder Kreon und Ödipus und versucht auf vernünftige Weise, Ödipus zu beruhigen. Iokastes Erkenntnis zeigt jedoch ganz andere Wesenszüge in ihr, sie verfällt der Verzweiflung und stürzt sich in den Tod ohne Abschied oder Erklärung Ödipus und den anderen Kindern gegenüber.

Weit verbreitete Interpretationsansätze:

In vielen Interpretationen des König Ödipus geht es um das Schicksal. Es wird als die Geschichte darüber, wie Ödipus zu Beginn der mächtige, angesehene, glückliche Herrscher war und am Ende elendig zugrunde geht verstanden. Der Mensch könne seine Vernunft nicht der göttlichen Macht gleichstellen, denn nur durch Ödipus‘ vernünftige Entscheidung habe sich die Prophezeiung überhaupt erfüllt.

Gegen die Idee der Thematisierung des Schicksals spricht die Tatsache, dass es damals, im 5. Jh. v. Chr. noch keinen extremen Schicksalsglauben bei den Griechen gegeben haben soll.

Auf jeden Fall finden sich Paradoxen in der gesamten Geschichte: einerseits wird das Schicksal von Anfang an festgelegt, andererseits ist Ödipus aber in seinen Handlungen völlig frei.

Die Verse 1524-1530 zeigen: Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben.

Der Mythos wirft die Frage auf: „Was ist der Mensch?“ [2]

Eine weitere deutliche Betonung läge auf der Schuldfrage. Ödipus sei nicht schuldig sondern habe einen Fehler begangen, „eine gleichermaßen furchtbare wie befleckende Handlung ohne subjektive Schuld“. Man könne diesen Sachverhalt vergleichen mit einem Schützen, der richtig ziele, dessen Pfeil aber vom Wind abgelenkt würde. [3]

König Ödipus nimmt sich sein Augenlicht und wird zum Sehenden (Einsicht).

Das Urteil von Franz Kafka

Zusammenfassung von Das Urteil von Franz Kafka

Das Urteil wurde laut Kafka in einem Zug geschrieben in der Nacht vom 22. auf den 23. Dezember 1912.

Die Erzählung beginnt damit, dass der Protagonist Georg Bendemann an seinem Schreibtisch sitzt mit Blick auf einen Fluss und deren Brücke. Er denkt über den Brief nach, den er gerade seinem Freund in Petersburg geschrieben hat. Der Freund hat keinen wirklichen sozialen Kontakt, kommt immer seltener bei Georg zu Besuch, hat keinen geschäftlichen Erfolg und ist Junggeselle geblieben. Georg hingegen ist seit dem Tod der Mutter vor 2 Jahren wesentlich erfolgreicher geworden, noch dazu hat er sich mit Frieda Brandenfeld verlobt. Frieda weiß viel über den Freund, der Freund allerdings weiß nichts über Frieda, denn Georg konnte seinem Freund die erfreulichen Nachrichten nicht mitteilen, da er befürchtete, ihn zu kränken. Seit dem Tod der Mutter hat sich der Vater mehr aus dem Geschäft zurückgezogen, wodurch Georg mehr Möglichkeiten bekam. Er wirft seinem Vater vor, früher nur dessen eigene Meinung gelten gelassen zu haben. Jetzt hat Georg jedoch einen wesentlich größeren Einfluss und das Geschäft selbst ist sehr viel erfolgreicher seit dem Tod der Mutter. Georg berichtet seinem Freund dann doch von der Verlobung und beschließt, seinen Vater, dessen Zimmer nur durch einen kleinen Gang von dem Zimmer Georgs getrennt ist, zu besuchen um ihm diese Nachricht mitzuteilen. Der Vater sitzt im Zimmer und liest Zeitung. Georg erzählt ihm von seiner Berichterstattung an den Freund in Petersburg, der Vater nimmt dies als Anlass, um mit Georg über den Tod der Mutter zu reden, dass dieser den Vater mehr mitgenommen habe als Georg und dass seit dem Tod dem Vater einiges im Geschäft entginge. Besorgt fragt der Vater „Hast du wirklich diesen Freund in Petersburg“, woraufhin Georg den Vater daran erinnert, dass der Freund doch vor drei Jahren zu Besuch gewesen sei. Georg interpretiert die Frage des Vaters als Warnsignal über dessen psychische Verfassung und um ihn zu schonen, zieht Georg dem Vater den Schlafrock, die Hose und die Socken aus, woraufhin er ihn ins Bett trägt. Als der Vater fragt, ob er „gut zugedeckt“ sei und Georg dies bestätigt, wirft der Vater augenblicklich mit einem „Nein!“ die Bettdecke von sich und stellt sich auf das Bett. Der Vater deckt auf, dass er mit dem Freund in viel besserem Kontakt stünde als Georg, kritisiert dessen Verlobung, behauptet, Georg hätte den Freund betrogen, beschuldigt Georg des Verrats an der Mutter, dem Vater und dem Freund. Georg ist währenddessen mehr oder weniger sprachlos und kommt kaum dazu, zu antworten. Das Gespräch endet mit den Worten des Vaters: „Ich verurteile dich jetzt zum Tode des Ertrinkens!“ woraufhin Georg die Treppe hinunter aus dem Haus zum Fluss läuft, sich über das Geländer schwingt und vor seinem Sturz in den Fluss noch leise ruft: „Liebe Eltern, ich habe euch doch immer geliebt“.

Charakterisierungen

Georg Bendemann

Über Georg erfahren wir direkt nur sehr wenig. Wir wissen, dass Georg der Sohn eines Geschäftsleiters ist. Er ist offensichtlich von hoher Bedeutung für die wirtschaftliche Lage des Unternehmens, denn seit Georg mehr im Geschäft zu sagen hat, hat sich „der Umsatz […] verfünffacht“, „das Personal […] verdoppel[t]“ [4]. Des Weiteren wird der Leser darüber unterrichtet, dass sich Georg ein Jahr zuvor mit Frieda Brandenfeld verlobt hat. Am Ende der Erzählung wird lakonisch erwähnt, dass Georg als Jugendlicher seine Eltern mit seinen Turnkünsten erfreute. Besonders interessant ist die Charakterisierung Georgs durch den Vater. Dieser bezeichnet ihn einerseits als „unschuldiges Kind“ und andererseits als „teuflische[n] Mensch[en]“ [5]. Zieht man nun die Beschreibung des Freundes hinzu, ergibt sich ein höchst komplexes und wesentlich informationsreicheres Bild von Georg. Freund und Georg werden beide als „Kind“ [5] bezeichnet

Der Freund und seine Beziehung zu Georg

Der Freund wird zunächst vorgestellt als ein langjähriger Bekannter Georgs mir einem „seit Kinderjahren bekannte[n] Gesicht“ [6]. Einige Zeilen später wird er als „ein altes Kind“ [7] bezeichnet. Der Vater lobt den Freund als „Sohn nach [s]einem Herzen“ [8]. Die Beschreibung sowohl Georgs als auch des Freundes als Kind leitet zu einer These, die die Figurenkonstellation in der Erzählung bedeutend verändert. Die These, die sich aus den angegebenen Informationen heraus formt, sieht den Freund in Petersburg nicht mehr als einzelnes Individuum, sondern als einen Teil von Georgs Persönlichkeit. Gestützt wird diese Interpretation durch die Tatsache, dass der Freund kein einziges Mal beim Namen genannt wird. Er ist ein entfremdeter, zurückgedrängter Teil Georgs. Die folgende Analyse ist nun unter eben diesem Gesichtspunkt zu betrachten.

Das Geschäft des Freundes in Petersburg scheint zu „stocken“ [6]. Er hat keinerlei soziale Kontakte und ist Junggeselle geblieben. Auch, wenn Georg mehrmals Überlegungen anstellt, kommt dieser zu dem Schluss, man könne ihn „bedauern“ „aber nicht helfen“ [7]. Der Freund schreibt, er verstehe die alte Heimat nicht, er hat sich offensichtlich entfremdet und findet nirgends mehr Halt. Aus diesen aussichtslosen Gegebenheiten heraus sieht sich Georg nicht in der Lage, dem Freund Begebenheiten mitzuteilen, die er sonst selbst einfachen Bekannten erzählen würde. Die Situation des Freundes steht im Gegensatz zu der Situation Georgs, welcher eine positive Entwicklung in denselben drei Jahren seit dem letzten Besuch des Freundes erfahren hat.

Das Beileid über den Tod der Mutter zwei Jahre zuvor drückt der Freund trocken aus, Georg interpretiert dies als ein Zeichen dafür, dass die Trauer in der Fremde „unvorstellbar“ [9] zu werden scheint. Der Freund hat Georg zur Auswanderung nach Russland zu überreden versucht. Dies rührte wohl daher, dass Georg ihm nichts über die positiven Veränderungen berichtet hat, wodurch der Freund sich scheinbar Sorgen um Georg gemacht hat. Das Paradoxe an diesem Versuch ist, dass Georg ebenfalls häufig überlegt hatte, ob er nicht den Freund zur Rückkehr überreden sollte.

Georg hatte sich zuvor geweigert, dem Freund seine Verlobung mit Frieda Brandenfeld mitzuteilen, da er befürchtet hatte, sein Glück hätte zu Neid und Unzufriedenheit beim Freund führen können. Diese Bedenken wirft er jedoch wieder fort, als er sich überlegt, es dürfe nicht sein, dass er sich seinem Freund gegenüber verstellen müsse. Dies bekräftigt er in dem Satz „So bin ich und so hat er mich hinzunehmen“ [10]. Um den Freund dennoch zu beschwichtigen verspricht Georg dem Freund in Frieda eine gute Freundin. Georg lädt den Freund zwar aus dem Drängen von Frieda hin zur Hochzeit ein, möchte aber eigentlich nicht, dass dieser kommt. Um dies so schonend, wie möglich auszudrücken, schreibt er, der Freund solle „ohne Rücksicht entscheide[n]“ [11] ob er kommen wolle oder nicht.

Besonders essentiell wird die Rolle des Freundes im Disput Georgs mit dem Vater. Hier wird offenbart, wie ausgeprägt die Identifikation Georgs mit dem Freund ist. „Verloren im weiten Rußland sah er ihn“ [12]. In dem Moment, in dem Georg selbst völlig hilflos und verloren scheint, sieht er sein Ebenbild im Freund. Er vermisst diesen und verflucht ihn für seinen Fortgang: „Warum hatte er so weit weg fahren müssen?“ [12]

Laut dem Vater weiß der Freund „alles hundertmal besser als [Georg] selbst“ [13]. Hier wird klar, dass Georg die Wahrheit verweigert hat, sie verdrängt und verschleiert hat, während der Freund, also der unterdrückte, kindliche Teil von ihm, ehrlich geblieben ist.

[...]

Ende der Leseprobe aus 27 Seiten

Details

Titel
Kafka und Ödipus. Der Mythos vom König Ödipus in „Das Urteil“
Note
1+
Autor
Jahr
2013
Seiten
27
Katalognummer
V213848
ISBN (eBook)
9783656421962
ISBN (Buch)
9783656422563
Dateigröße
1302 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Eine Abhandlung über die Beziehung der Werke „König Ödipus“ von Sophokles und „Das Urteil“ von Franz Kafka unter Berücksichtigung der freudschen Interpretation des Mythos, dem „Ödipus-Komplex“, sowie des „Brief an den Vater“ von Kafka.
Schlagworte
Franz Kafka, Ödipus, Sophokles, König Ödipus, Das Urteil, Brief an den Vater, Sigmund Freud, Ödipuskomplex, Psychoanalyse, Vergleich, Mythos, Arbeit am Mythos, Zusammenfassung, Gegenüberstellung, Max Brod, Felice Bauer
Arbeit zitieren
Naomi Chmielewski (Autor), 2013, Kafka und Ödipus. Der Mythos vom König Ödipus in „Das Urteil“ , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/213848

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