Die Systemtheorie von Niklas Luhmann

Führt der heutige Wohlfahrtsstaat in eine Sackgasse?


Essay, 2005

8 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Niklas Luhmann – Systemtheorie

Führt der heutige Wohlfahrtsstaat in eine Sackgasse?

Niklas Luhmann gehört zu den bekanntesten deutschen Soziologen. Der Begründer der Systemtheorie hat Gedankenmodelle entwickelt, wie die moderne Gesellschaft auf systemische Weise arbeitet. Das hat er in seinem Buch „Politische Theorie im Wohlfahrtsstaat“ eingehend erforscht.

Luhmanns Überlegungen zielen u.a. auf die Frage ab, inwieweit die gesellschaftlichen Systeme einander bedingen und welche Rolle die Kommunikation dabei spielt. Einzelne Systeme bestimmen in ihrer Gesamtheit zweifellos das Schicksal des modernen Wohlfahrtsstaates, wie er den meisten Demokratien von heute gemein ist. Im Folgenden soll anhand der Theorien Luhmanns dargelegt werden, welche systemimmanenten Schwierigkeiten sich im 21. Jahrhundert für den Wohlfahrtsstaat ergeben – für die Politik einerseits und die Gesellschaft andererseits.

Komplexe Systeme statt simpler Hierarchien

Lange Zeit war es relativ einfach, wie herrschende Klassen ihren Willen durchsetzen konnten. In starren Monarchien und später totalitären Diktaturen wurden Anordnungen stets von oben nach unten durchgereicht und gegen den Willen des Herrschers gerichtete Interessen konnten von diesem meist ignoriert werden. Der Entscheidungsprozess und sein Weg zum Adressaten, dem Untertan, war einfach und überschaubar.

Im pluralistischen Gewand der Demokratie, die sich innerhalb der letzten Jahrzehnte wellenförmig in der Welt ausbreitet, funktioniert die politische Willensbildung komplett anders. Die zahlreichen Partikularinteressen, die den politischen Prozess einer Demokratie erst ausmachen, setzen eine hochkomplizierte soziale Struktur voraus. Niklas Luhmann erkennt, dass die Gesellschaft von heute in Systeme unterteilt ist. Das politische System ist demnach nur eines ihrer Teilsysteme. So gibt es z.B. auch ein eigenes für Wirtschaft, Justiz, Wissenschaft, Kultur etc. Diese Systeme interagieren und stehen in Interdependenz zueinander. Das politische System als Teil des Gesamtsystems Gesellschaft wäre hoffnungslos überlastet, wollte es sämtliche Detailfragen allein lösen. Daher fallen spezifische Aufgaben ihren zugehörigen Teilsystemen zu. Das politische System stellt dabei die institutionellen Rahmenbedingungen (Parlament, Verfassung etc.), innerhalb der die anderen Teilsysteme frei handeln können.

Damit das geht, ist laut Luhmann für die moderne Zivilisation „ein Resultat der Ausdifferenzierung menschlicher Kommunikationsleistungen“ (Luhmann,1981:21) nötig. Die Systeme tauschen sich, abstrakt gesehen, gegenseitig ständig in Form von gewaltigen Wissensverteilern aus und kanalisieren so ihre Forderungen und Leistungen. Dies geschieht durch input und output.

Ein System ist klar von der „Außenwelt“ abgegrenzt (System/Umwelt-Differenz). Wird etwas über Systemgrenzen kommuniziert, ist dieses System offen, ansonsten geschlossen. Denn: Systeme sind generell auf sich selbst bezogen. Luhmann nennt das selbstreferentiell. Jene Selbstreferentialität heißt in diesem Zusammenhang, dass politische Entscheidungen bestehen, selbst produzieren und reproduzieren. Das System bezieht also die Elemente, aus denen es besteht, nicht aus seiner Umwelt, sondern aus sich selbst (vgl. Luhmann,1981:33f).

Kommunikation als störungsanfälliger Motor der Gesellschaft

Damit Entscheidungen fallen können, müssen sie vorher diskutiert werden. Kommunikation ist somit als treibende Kraft für den politischen Entscheidungsprozess anzusehen. Luhmann konstatiert, dass statt einem ehemals hierarchischen „Oben“ und „Unten“ jetzt drei grundlegende „Intersystemverhältnisse“ erkennbar seien: Die (Macht)-Beziehungen zwischen Publikum und Politik, zwischen Verwaltung und Politik und zwischen Verwaltung und Publikum.

Dabei kommt den Massenmedien eine wichtige Rolle als Vermittler von Informationen zu, heute weit mehr als früher, als die interpersonale Kommunikation zwischen Mensch zu Mensch noch für den einzigen Austausch sorgte. Die Medien setzen bestimmte Punkte auf die Tagesordnung, die die öffentliche Meinung mitbestimmen (vgl. Luhmann,1981:63) und zugleich bestimmte Themen hoch- oder runterspielen – unabhängig von ihrer tatsächlichen Wichtigkeit. Politik, Publikum und Verwaltung reagieren wiederum darauf, so dass die Medien zu einer Verzerrung der sozialen Wirklichkeit beitragen können.

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Ende der Leseprobe aus 8 Seiten

Details

Titel
Die Systemtheorie von Niklas Luhmann
Untertitel
Führt der heutige Wohlfahrtsstaat in eine Sackgasse?
Hochschule
Universität Augsburg
Note
2,0
Autor
Jahr
2005
Seiten
8
Katalognummer
V214208
ISBN (eBook)
9783656426462
Dateigröße
455 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
systemtheorie, niklas, luhmann, führt, wohlfahrtsstaat, sackgasse
Arbeit zitieren
Christian Minaty (Autor), 2005, Die Systemtheorie von Niklas Luhmann, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/214208

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