10 Jahre Arbeitsmarktreform in Deutschland


Hausarbeit, 2012
25 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Arbeitslosigkeit
2.1 Definition
2.2 Ursachen
2.2.1 Saisonale Arbeitslosigkeit
2.2.2 Friktionelle Arbeitslosigkeit
2.2.3 Konjunkturelle Arbeitslosigkeit
2.2.4 Strukturelle Arbeitslosigkeit
2.3 Reformbedarf

3. Das „Agenda 2010“ Konzept
3.1 Maßnahmen
3.1.1 Arbeitsmarkt
3.1.2 Wirtschaft
3.1.3 Tarifrecht
3.1.4 Ausbildung
3.1.5 Reform des Gesundheitswesens

4. Hartz Gesetze als „Moderne Dienstleistungen am Arbeitsplatz“
4.1 Hartz Gesetz I
4.2 Hartz Gesetz II
4.3 Hartz Gesetz III
4.4 Hartz Gesetz IV

5. Kritik über Reformgesetze und Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt und Sozialwesen

6. Fazit und Beurteilung

Literaturverzeichnis

Internetquellen

1. Einleitung

Seit Einführung des Euros, also ab 2000, hat sich die deutsche Wirtschaft stark geändert und die Arbeitslosigkeit sich erhöht. Um diesen negativen Aspekten vorzubeugen wurde vom damaligen Bundeskanzler ein neuer Reformpaket vorgestellt und verabschiedet. Nun ist es mehr als 10 Jahre her seit diese Vorfälle passiert sind.

Diese Arbeit beschäftigt sich mit der Situation der Arbeitslosigkeit und der Veränderung der letzten 10 Jahren. Zunächst einmal wird die Arbeitslosigkeit mit einigen ihrer Ursachen definiert und erklärt. Anschließend schildert sie die wirtschaftliche Situation vor der Reform Einführung. Als folgendem wichtigen Punkt wird das "Agenda 2010 Konzept",mit ihren beinhaltenden einzelnen Maßnahmen und die vier Hartz Gesetze vorgestellt.

Fast jede Veränderung ist mit Kritik verbunden. Auch hier wurde das neue Reformpaket sowohl positiv als auch negativ kritisiert. Einige wichtige Kritiken werden als letztes wiedergegeben.

2. Arbeitslosigkeit

2.1 Definition

Es gibt verschiedene Definitionen der Arbeitslosigkeit. Allgemein definiert ist es das Ungleichgewicht am Arbeitsmarkt, dass durch Überschreitung der Menge der erwerbsfähigen und arbeitswilligen Erwerbspersonen ohne Beschäftigung entsteht.[1]

Laut dem deutschen Sozialgesetzbuch sind Arbeitslose Personen, die wie beim Anspruch auf Arbeitslosengeld vorübergehend nicht in einem Beschäftigungsverhältnis stehen, eine versicherungspflichtige Beschäftigung suchen und dabei den Vermittlungsbemühungen der Agentur für Arbeit zur Verfügung stehen und sich bei der Agentur für Arbeit arbeitslos gemeldet haben. Teilnehmer an Maßnahmen der aktiven Arbeitsmarktpolitik gelten als nicht arbeitslos.[2]

Die Arbeitslosigkeit ist in der Volkswirtschaft als, fehlende Beschäftigungsmöglichkeit für einen Teil der arbeitsfähigen und beim herrschenden Lohnniveau arbeitsbereiten Arbeitnehmer, definiert.[3]

Angebot und Nachfrage auf den Märkten kann nicht automatisch zu einem gesamtwirtschaftlichen Gleichgewicht führen. Das wiederlegt das berühmte Theorie von Keynes (Allgemeine Theorie der Beschäftigung, des Zinses und des Geldes).

Danach gibt es also auch in marktwirtschaftlichen Wirtschaftsordnungen häufiger Arbeitslosigkeit, ohne dass die Marktkräfte allein einen Aufschwung bewirken können und zum Beispiel über Lohnsenkungen die Arbeitslosigkeit beendet und Vollbeschäftigung erreicht wird. Die Ursache dafür ist laut Keynes, dass für konjunkturelle Einbrüche begleitet von Arbeitslosigkeit in einer zu geringen Nachfrage nach Gütern, deren Nachfrage wiederum von den zukünftigen Gewinnerwartungen der Unternehmen abhängig ist.[4].

Der Keynesianismus sieht das Problem der Arbeitslosigkeit in einem Nachfragemangel. Um dieses Problem zu lösen muss also die Nachfragepolitik geändert werden. Das Ziel einer nachfrageorientierten Politik ist es, das Vertrauen der Wirtschaftssubjekte in die Wirtschaft wieder herzustellen und die Zukunftsaussichten der Unternehmen zu stärken.[5]

2.2 Ursachen

Für das steigen und sinken der Arbeitslosigkeit gibt es mehrere Ursachen. Zur Bestimmung der Ursachen von Arbeitslosigkeit und ungleichen Erwerbschancen wurden zahlreiche Theorien entwickelt. Hier werden vier wesentliche Arten von Arbeitslosigkeit gegliedert und näher beschrieben. Diese sind die saisonale, friktionelle, konjunkturelle und strukturelle Arbeitslosigkeit.

2.2.1 Saisonale Arbeitslosigkeit

Der unterschiedliche Bedarf an Arbeitskräfte, bedingt durch die Jahreszeit, also letztlich von dem Klima, führt zur saisonalen Arbeitslosigkeit. Sie kann auch als Wetterarbeitslosigkeit bezeichnet werden.[6] Die Erfahrung zeigt, dass die saisonale Arbeitslosigkeit ihren Höhepunkt in den ersten zwei Monaten des Jahres (Januar und Februar)[7] hat, weil zum Beispiel im Bau und Landwirtschaftssektor die Arbeitskräfte und Maschinen bei zu hohen Minusgraden nicht eingesetzt werden können. Der niedrigste Stand ist im Sommer, weil die Nachfrageerhöhungen in diesem Zeitraum zum Beispiel in der Tourismusbranche die Arbeitslosigkeit verringern.

Zur Unterstützung der o.g. Aussagen, zeigt eine Studie von der Bundeszentrale für politische Bildung, dass im Winter die Arbeitslosigkeit stark ansteigt und dass die sinkende Tendenz zwischen Frühjahr und Spätherbst im Hochsommer kurzzeitig unterbrochen wird.[8]

2.2.2 Friktionelle Arbeitslosigkeit

Die Friktionelle Arbeitslosigkeit kann auch als Fluktuations-oder Sucharbeitslosigkeit bezeichnet werden. Sie ist Bestandteil der Arbeitslosigkeit, dass meistens aufgrund von Arbeitsplatzsuche, Arbeitsplatzwechsel und Auszeit auftritt.[9] Zum Beispiel kündigt ein Arbeitnehmer seinen Arbeitsplatz und kann nicht übergangslos an einem anderen Platz einer Lohnarbeit nachgehen, so entsteht dem gekündigten und einem möglichen neuen Arbeitsverhältnis ein zeitlicher Verzug. Diese ist dann die friktionelle Arbeitslosigkeit.[10]

2.2.3 Konjunkturelle Arbeitslosigkeit

Die Konjunkturelle Arbeitslosigkeit entsteht, wie auch der Name sagt, wenn die Konjunktur schwächer wird, die Nachfrage zurück geht und die Produktion zurückgefahren wird. Durch den Produktionsrückgang werden von den Unternehmen Arbeitsplätze abgebaut. Je besser die wirtschaftliche Entwicklung, desto mehr Arbeitskräfte werden eingestellt und je schlechter die Konjunktur wird, desto mehr Arbeitskräfte werden entlassen und somit steigt die konjunkturelle Arbeitslosigkeit. Die konjunkturell bedingte Arbeitslosigkeit verläuft entlang der Konjunktur bzw. Entwicklung des Wirtschaftswachstums, gemessen am Bruttoinlandsprodukt. Die Folge vom Nachlassen des Wachstums führt meistens zu zunehmender Arbeitslosigkeit.[11]

2.2.4 Strukturelle Arbeitslosigkeit

Diese Art von Arbeitslosigkeit entsteht, wenn die Struktur der Arbeitsnachfrage nicht zum Arbeitsangebot passt oder umgekehrt.[12] Häufig tritt der Fall auf, dass die vermittlungsrelevanten Merkmale wie zum Beispiel Alter, Qualifikation, Gesundheit, Beschäftigungsgrad und Standort unterschiedlich zusammengesetzt sind und nicht den Anforderungen der Unternehmen, bei der Personalsuche, entsprechen. So kann es zu

einer strukturellen Arbeitslosigkeit kommen.[13] Sie kann nach sektoralen, regionalen, technologischen oder qualifikationsspezifischen Ursachen differenziert werden.[14]

2.3 Reformbedarf

Die deutsche Arbeitslosigkeit hat im Laufe der Jahre unterschiedliche Zeiten erlebt. Seit mehr als zehn Jahren ist die deutsche Volkswirtschaft deutlich langsamer gewachsen als die der meisten internationalen Konkurrenten. Mehrmals landete Deutschland bei der Wachstumsrate des Bruttoinlandsproduktes (BIP) auf dem Letzten Platz der EU- 15. Seit der Gründung der Bundesrepublik war vom Herbst 2000 bis Ende 2003 die längste Stagnation.[15] Dabei betrug nach offiziell registrierten Angaben in diesen Jahren die Arbeitslosigkeit auf einem Niveau von 4 Millionen Personen im Jahresdurchschnitt. Im Vergleich zum internationalen war die Zahl der Langzeitarbeitslosen, also den Menschen, die länger als ein Jahr ohne Beschäftigung waren, mit mehr als 40 % überdurchschnittlich hoch.[16]

Diese hohen Arbeitslosenzahlen führten auch zu erheblichen Aufwendungen des Staates. So zahlte die Bundesagentur für Arbeit mittlerweile jährlich mehr als 30 Milliarden Euro an Versicherungsleitungen an die Anspruchsberechtigten aus. Zusätzlich wurden 18 Milliarden Euro Arbeitslosenhilfe von ihr aus Steuermitteln allein zur Bekämpfung der Langzeitarbeitslosigkeit gezahlt. Zudem hatte die Arbeitslosigkeit erhebliche Steuerausfälle des Staates (ca. 20 Mrd. €/ Jahr) sowie den Verlust von Beitragseinnahmen der Sozialversicherung (27 Mrd.) zur Folge.[17]

Aus diesen vielen Gründen, die dem Staat geschadet haben, stellte der frühere Bundeskanzler Gerhard Schröder im Jahre 2003 unter dem Namen "Agenda 2010" in einer Regierungserklärung sein Reformprogramm vor.

[...]


[1] Vgl. Budde, Sebastian: Arbeitslosigkeit und ihre Auswirkungen auf die Gesellschaft. Studienarbeit. 1.Auflage, GRIN Verlag, Norderstedt 2008, S.4.

[2] Vgl. §16 SGB III

[3] Vgl. Wirtschaftslexikon: Arbeitslosigkeit. o.J., URL: http://wirtschaftslexikon.gabler.de/Definition/arbeitslosigkeit.html (Stand: 05.09.2012)

[4] Vgl. BPB (Bundeszentrale für politische Bildung): Keynesianismus. o.J., URL: http://www.bpb.de/nachschlagen/lexika/lexikon-der-wirtschaft/19777/keynesianismus (Stand: 05.09.2012).

[5] Vgl. Petzold, Jane: Arbeitslosigkeit in Deutschland – Ursachen und Lösungsmöglichkeiten. Diplomarbeit. GRIN Verlag, 1.Auflage, Norderstedt 2008, S.12.

[6] Vgl. Wildmann, Lothar: Wirtschaftspolitik. Module der Volkswirtschaftslehre Band III. Oldenbourg Verlag, München 2007, S.29.

[7] Vgl. Lachmann, Werner: Volkswirtschaftslehre I. Grundlagen. 5.Auflage, Springer Verlag. Berlin u.a., S.208.

[8] Vgl. Oschmiansky, Frank/ Bundeszentrale für Bildung: Arten der Arbeitslosigkeit. 01.06.2010, URL: http://www.bpb.de/politik/innenpolitik/arbeitsmarktpolitik/54892/arten-der-arbeitslosigkeit (Stand: 07.09.2012).

[9] Vgl. Wildmann 2007 S.28.

[10] Vgl. Arbeitslosigkeit.com: Friktionelle Arbeitslosigkeit. o.J., URL: http://www.arbeitslosigkeit.com/friktionelle-arbeitslosigkeit.html (Stand: 07.09.2012).

[11] Vgl. Wildmann 2007, S.29.

[12] Vgl. Petzold 2008, S.17.

[13] Vgl. Wirtschaftslexikon: Arbeitslosigkeit. o.J., URL: http://wirtschaftslexikon.gabler.de/Definition/arbeitslosigkeit.html?referenceKeywordName=strukturelle+Arbeitslosigkeit (Stand: 07.09.2012).

[14] Vgl. Oschmiansky, Frank/ Bundeszentrale für Bildung: Arten der Arbeitslosigkeit. 01.06.2010, URL: http://www.bpb.de/politik/innenpolitik/arbeitsmarktpolitik/54892/arten-der-arbeitslosigkeit (Stand: 07.09.2012).

[15] Vgl. Hüther Michael/ Scharnagel Benjamin/ Bundesagentur für Arbeit: Die Agenda 2010. Eine wirtschaftspolitische Bilanz. 31.07.2005, URL:

http://www.bpb.de/apuz/28920/die-agenda-2010-eine-wirtschaftspolitische-bilanz?p=all Stand: 11.09.2012).

[16] Vgl. Weyand, Joachim/ Düwell, Franz Josef: Das neue Arbeitsrecht. Hartz-Gesetze und Agenda 2010 in der arbeits- und sozialrechtlichen Praxis. Nomos Verlag, Baden-Baden 2005, S.23.

[17] Vgl.ebd. S. 25.

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
10 Jahre Arbeitsmarktreform in Deutschland
Hochschule
Universität Augsburg
Autor
Jahr
2012
Seiten
25
Katalognummer
V214352
ISBN (eBook)
9783656426790
ISBN (Buch)
9783656435310
Dateigröße
620 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
jahre, arbeitsmarktreform, deutschland
Arbeit zitieren
Mehmet Atalar (Autor), 2012, 10 Jahre Arbeitsmarktreform in Deutschland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/214352

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