Arthurs Schnitzlers "Traumnovelle". Albertines Traum


Hausarbeit (Hauptseminar), 2012

20 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Der Inhalt des Stücks

3 Das Verhältnis von Schnitzler und Freud

4 Wie der Traum zur Literatur kam

5 Die Deutungsmöglichkeiten

6 Die Untersuchung von Albertines Traum

7 Schluss

8 Bibliografie

1 Einleitung

Im Laufe unseres Hauptseminars Doppelgänger-Figuren in der Literatur haben wir uns mit verschiedenen Lektüren befasst. Eine von diesen Lektüren war Arthur Schnitzlers Traumnovelle, mit der ich mich in dieser Arbeit beschäftigen werde.

Während wir das Buch auf die Doppelgängerthematik untersucht haben, sind wir auch auf die im Buch verankerten Träume gestoßen. Die Fragen wurden aufgeworfen, was in diesem Buch Träumerei und was Wirklichkeit sei? Ob die Übergänge nicht doch eher schwammig seien? Und ob der Traum als Solches nicht einen tieferen Sinn in diesem Buch hätte?

Da mich diese Thematik sehr interessiert hat, bin ich zu dem Entschluss gekommen an dieser Stelle eine Untersuchung aufzuführen, die sich mit dem Traum in der Literatur befasst. Hier explizit mit dem Traum Albertines. Da ich der Meinung bin, dass ihr Traum ganz klar zu erkennen ist und er nicht etwa aus einer Laune des Schriftstellers heraus entstanden ist, sondern genau so konzipiert ist, wie er tatsächlich stattgefunden haben könnte und Schnitzler ihn an dieser Stelle so gewollt hat.

Ich möchte herausstellen, dass der Traum eine ganz essentielle Rolle in dieser Handlung spielt und das sein Verstehen dazu beiträgt sich einerseits besser in Albertine hineinzuversetzen und dass man dadurch andererseits allgemein die Handlung besser verstehen kann.

Um meiner Behauptung Nachhaltigkeit zu verleihen, werde ich wie folgt vorgehen: Zunächst werde ich kurz auf den Inhalt des Stückes eingehen, da dieser für das Verständnis auf jeden Fall im Hinterkopf gehalten werden sollte, da die Untersuchung auf einen Teil des Inhalts, den Traum von Albertine abzielt.

Des Weiteren erscheint es mir wichtig aufzuzeigen, in welchem Verhältnis, der Autor, Arthur Schnitzler zu dem wohl bekanntesten Traumforscher seiner Zeit, Sigmund Freud steht. Da es heutzutage schon fast undenkbar ist, sich mit einem Traum zu befassen ohne dabei auf Sigmund Freuds Untersuchungen einzugehen, wird es sich zeigen, dass auch Schnitzler nicht unbefangen von Freud war. Bei der Verfassung der Traumnovelle insbesondere Albertines Traum daher sehr gut anhand dessen, was im Vorfeld angeführt wird, interpretiert werden kann, was dann zu einem späteren Zeitpunkt auch passieren wird um abschließend zu unterstreichen, welche prägnante Rolle ihr Traum in diesem Stück spielt.

Davor werde ich den Weg des Traums in die Literatur anführen, um zu verdeutlichen, dass der Traum schon lange einen gewissen Stellenwert in der Gesellschaft und der Forschung besaß und er es auch geschafft hat, von der Forschungsliteratur in die Literatur der Schriftsteller zu gelangen.

Von dort aus wird es mich automatisch noch einmal zu Freud führen, wo dann seine Deutungsansätze, zum besseren Verständnis meiner nachfolgenden Untersuchung, den direkten Weg zu dieser ebnen.

Am Schluss meiner Arbeit werde ich noch einmal meine Untersuchungen zusammenfassend darstellen und damit aufzeigen, dass meine aufgestellte Behauptung durch diese Untersuchung gestützt wird.

2 Der Inhalt des Stücks

Die Traumnovelle erzählt von einem verheirateten Paar, Fridolin und Albertine, die eine nach außen scheinende gute Ehe führen. Die beiden leben in ordentlichen Lebensumständen mit ihrer kleinen Tochter in Wien.

Dieser Schein, dass alles in Ordnung sei, trügt jedoch. Sowohl Fridolin als auch Albertine erzählen sich bereits am Anfang der Geschichte, dass sie sich von anderen Menschen angezogen fühlen. Dieses Geständnis führt bei beiden zu Phantasien, die sie jeder für sich vor dem anderen geheim halten.

Das Geheimnis oder die geheime Phantasie Fridolins zeigt sich, als er als Arzt nachts zu einem Notfall bestellt wird. In dieser Nacht deuten sich einige Abenteuer erotischer Art für ihn an. Er lässt es allerdings nicht so weit kommen, als dass er seiner Frau fremdgehen würde. Aber er hegt immer mehr Abneigung gegenüber Albertine. Als er jedoch durch mehrere Zufälle zu einem Haus gelangt in dem ein mysteriöser Maskenball mit einer Orgie stattfindet und er dort auf eine ihm unbekannte, nackte Frau trifft, die ihm sehr gefällt, würde er seine Grenzen überschreiten und Untreu werden.

Dazu kommt es nicht, da ihn die Frau schützt in dem sie sagt, dass er nicht dableiben dürfe, andernfalls käme es zu einem schlimmen Vorfall.

Es kommt also zu keinerlei Kontakt zwischen den beiden, dies wird zudem durch seine Enthüllung und der bevorstehenden Strafe unterbunden. Die unbekannte Frau hält für Fridolin ihren Kopf hin und er kann der Situation entfliehen.

Zurück zu Hause legt er sich neben Albertine und baut darauf, dass diese nichts mitbekommen hat.

Diese träumt in jener Nacht ihren Traum, in dem sie ihren Fridolin betrügt. Zudem träumt sie, dass Fridolin davon erfährt, sich aber aus Liebe quälen und umbringen lässt. Später in der Nacht berichtet Albertine Fridolin was sie geträumt hat. Ohne es so recht begriffen zu haben, deckt auch Fridolin sein nächtliches Treiben vor ihr auf. Ihre Ehe droht an dieser Stelle am Ende zu sein.

Aber im Gegensatz zu dieser Vermutung wendet sich das Blatt und Albertine und Fridolin finden wieder zu einander und beginnen von diesem Augenblick an eine neue Ehe.

Durch die Reisen in das jeweilige Ich, begeben sich die beiden unbewusst, gesteuert durch ihre Psyche, zunächst in schwierige Situationen für sich und ihre Ehe, die sie aber nach einer Analyse des Erlebten, durch ihr Gespräch am Ende der Nacht zu deuten wissen und somit einen neuen Start wagen können.

Dass die Traumnovelle solch einen Tiefgang beweist, liegt sehr wahrscheinlich nicht zuletzt daran, dass Arthur Schnitzler sich auch mit Sigmund Freud beschäftigt hat, als er die Traumnovelle verfasste.

Somit werde ich nun kurz auf das Verhältnis der beiden eingehen.

3 Das Verhältnis von Schnitzler und Freud

Dass sich beide Männer, die beide Mediziner waren, im Laufe ihres Lebens mit Träumen beschäftigt haben, muss an dieser Stelle nicht noch einmal gesondert angeführt werden. Über Jahrzehnte hinweg führten Schnitzler und Freud ihre Leben neben einander. Beide waren Mitglieder im Kreis der Wiener Gesellschaft, der zu dieser Zeit gar keine so hohe Mitgliederzahl hatte. Jedoch kam es nie zu mehr als nur kurzen unbedeutsamen Begegnungen.

Erst als Schnitzler anlässlich zu Freuds fünfzigsten Geburtstags einen Brief an Freud schreibt, entsteht durch eine Antwort von Freud, ein erster ernsthafter Kontakt durch einen regen Briefverkehr. Sechzehn Jahre später entsteht durch ein erneutes Gratulationsschreiben, dieses Mal von Freud an Schnitzler zu seinem sechzigsten Geburtstag, der erste persönliche Kontakt der beiden. Dass die beiden Männer nicht schon vorher miteinander in engeren Kontakt traten, soll daran gelegen haben, dass sie wohl so etwas wie eine Doppelgängerscheu vor einander hatten.[1]

Die beiden Ärzte waren also durch ihr Interesse am Menschen auf der selben Wellenlänge und beide verpackten ihr Wissen in schriftlichen Texten. Freud tat dies sachgebunden als Forschungsgegenstand und Schnitzler tat dies, indem er es in sein literarisches Schaffen einband.

Wie es also dazu kam, dass die Träume ihren Weg in die Literatur fanden, werde ich nun in einem kurzen Überblick aufführen.

4 Wie der Traum zur Literatur kam

Um den Weg der Träume in die Literatur zu beschreiben muss man weiter zurückgreifen als bis in die Zeit Freuds. Er war somit also nicht der erste der sich mit Träumen auseinandergesetzt hat. Er konnte später seine Forschungen auf das bereits zu seiner Zeit erforschte aufbauen und dieses Wissen erweitern. Daher wird hier nun aufgezeigt, wie sich die Traumforschung im Laufe der Jahre, beziehungsweise sogar im Laufe der Jahrhunderte verändert hat und wie diese Veränderungen Einfluss auf die Träume nahmen, die dann auch in der Literatur vorkamen.

Die Anfänge der Traumforschung reichen weit zurück. Schon vor der Zeitrechnung nach Christus hatte der Pharao Merikera das Buch der Träume verfasst. Träume waren nach seiner Ansicht Omen, guter oder böser Absicht. Der Einfluss desjenigen, der den Traum geträumt hatte, wurde außen vor gelassen.[2]

Nach dieser Auffassung kam der Traum in der Zeit der Antike anders zur Geltung. Man hielt den Traum für eine Art Plattform auf der, dem Träumer Nachrichten von Gott übermittelt werden konnten. Man nahm an, der Träumer könne so auch an spirituelle Weisheiten gelangen. Die Deutung der Träume übernahmen darauf spezialisierte Leute, die einem Auftrag Gottes folgten, und damit ihr Geld verdienten. Andere Gelehrte wie beispielsweise Mediziner betrachteten den Traum ausschließlich im Bezug auf die Wissenschaft vom Menschen, um somit Krankheitsbilder aufklären zu können.[3] In der Antike verfasste Artemidor von Daldis eine Sammlung über das bisherige Wissen der Traumforschung.[4]

Mit Artemidor von Daldis kommt man in der Traumforschung von der Antike zum Mittelalter, da sich in dieser Zeit, die Auflagen zur Traumdeutung auf das eben genannte Buch bezogen und keine großartigen Neuerungen hinzu kamen.[5]

Auch noch später, in der Renaissance wird der Sammlung Artemidors noch immer großes Ansehen beigepflichtet. Bei der Übersetzung des Buches fielen allerdings Abschnitte, die für die Verhältnisse damaliger Zeit Tabuthemen waren, wie beispielsweise Ehebruch und Prostitution, weg. Zu jener Zeit vertrat man die Meinung, eine übersinnliche oder natürliche Tiefe in den Träumen zu finden.[6]

In Zeiten der Entwicklung und des Fortschritts, während des siebzehnten Jahrhunderts, wurden alte Annahmen den neuen Forschungsgegenständen gegenüber gestellt. Mit der Kritik von Kopernikus galt die bisherige Auffassung von Träumen als veraltet. Noch entstand allerdings kein neuer Deutungsansatz für die Träumerei.[7]

Dies geschah in der nächsten Epoche, die einiges er- und aufklärte. Hier wurde der Traum als Bestandteil der Person gesehen, die ihn geträumt hatte und wurde der Psyche des jeweiligen Träumers näher gebracht. Beispielsweise galten göttliche Bestimmungen, die der Traum haben sollte, als nicht wissenschaftlich.[8] Die Aufklärer hatte aber Probleme mit dem Traum, da er nun als eine Zeit der Abwesenheit des Verstandes hingestellt wurde und dies nicht ganz konform mit den Ansichten ihrer Zeit war. Die Träume und ihre Auffassungen spalteten die Gelehrten in ihren Ansichten. Bei den Medizinern kamen Theorien hinzu, dass Träume beeinflusst von Leibreizen wären, oder zum Beispiel unter dem Einfluss der Triebwelt stünden.

Daraus resultierten im neunzehnten Jahrhundert die unterschiedlichsten Auffassungen, mit denen sich Freud vertraut machte und diese für seine Forschungen nutze.[9]

Womit ich nun an dieser Stelle im zwanzigsten Jahrhundert angekommen wäre und sich der Kreis hier schließt, da ich wieder bei Freud angelangt bin.

Nun haben es die Träume also durch die Jahre hinweg geschafft, dass über ihr Vorkommen Texte verfasst wurden. Freud bemerkte, dass der Traum aus dem Unterbewusstsein kommt und der Mensch somit Begierden und verstecktes Verlangen andeutet. Diese Feststellungen revolutionierten auch die Medizin.

Wichtiger noch als das, ist für die Untersuchung von Albertines Traum und der Frage, wie der Traum in die Literatur kam, dass mit diesen Erkenntnissen (dass Träume die Sprache des Unterbewusstseins seien) der Weg zur Sprache und Schrift in die Literatur geebnet war. Man findet seid jeher das Sprechen in den Träumen, aber auch Träume in der verschriftlichten Sprache, damit also in der Literatur.[10]

[...]


[1] www.kerber-net.de/literatur/deutsch/prosa/schnitzler/mat_schnitzler_freud.pdf

[2] Vedfelt, 1997, S. 415

[3] Alt, 2002, S. 22

[4] Ebd., S. 41

[5] Vedfelt, 1997, S. 416

[6] Alt, 2002, S. 56

[7] Alt, S. 75

[8] Ebd., 2002, S. 75

[9] Vedfelt, 1997, S. 417

[10] Alt, 2002, S. 330

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Arthurs Schnitzlers "Traumnovelle". Albertines Traum
Note
2,3
Autor
Jahr
2012
Seiten
20
Katalognummer
V230207
ISBN (eBook)
9783656454311
ISBN (Buch)
9783656455769
Dateigröße
527 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
arthurs, schnitzlers, traumnovelle, albertines, traum
Arbeit zitieren
M. H. (Autor), 2012, Arthurs Schnitzlers "Traumnovelle". Albertines Traum, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/230207

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