Standardisierte Kreativität und Individualiät als Marketingkonzept

Eine ethnografische Fallstudie


Bachelorarbeit, 2013

39 Seiten, Note: 1,3

Deborah Falk (Autor)


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Ausgangslage
1.2 Problemstellung und Zielsetzung
1.3 Aufbau und Vorgehensweise

2. Begriffserläuterungen
2.1 Kreativität
2.2 Standardisierung
2.3 Individualität und Individualisierung

3. Standardisierte Kreativität und Individualität als Marketingkonzept
3.1 ”Build-A-Bear Workshop” – Geschichte und Konzept
3.2 Feldzugang und Forschungsmethoden
3.2.1 Wahl der Forschungsmethoden
3.2.2 Ablauf und Durchführung
3.3 Ablauf und Standardisierung
3.4 Zielgruppen-Marketing
3.5 Emotionen und Werte als Marketingstrategie
3.6 Die Abkehr von der Massenproduktion
3.7 Der arbeitende Kunde
3.8 Individualisierung und Kreativität als Marketingkonzept

4. Fazit

5. Quellenverzeichnis

1. Einleitung

Hört man die Bezeichnung „Build-A-Bear Workshop“ zum ersten Mal, dürfte man dazu neigen, sich darunter einen Workshop im klassischen Sinne vorstellen, wobei in diesem Fall ein Workshop über das Selbermachen von Teddybären gemeint sein könnte. Man könnte dabei etwa an ein Atelier oder eine Werkstatt denken, an massive Werkbänke, raschelnde Stoffe, vermutlich auch an das Geratter von Nähmaschinen. Denkbar wäre, dass sich die Kursteilnehmer die benötigten Stoffe und Tierfellimitate bereits im Voraus selbst besorgt haben, während die Nähmaterialien, Füllstoffe, Brummstimmen und Gelenke vielleicht durch den Kursleiter, gestellt werden.

In jedem Fall stellt man sich im klassischen Sinne eines Workshops vor, dass in dessen Rahmen, mit Hilfe eines Experten auf dem jeweiligen Gebiet, Wissen oder Fertigkeiten erworben werden, wobei es sich in diesem Fall um die schrittweise Anfertigung und Gestaltung eines eigenen Teddybären handeln würde, ein Unikat, das schließlich mit nach Hause genommen werden kann.

1.1 Ausgangslage

Umso überraschter dürfte man daher sein, wenn man erfährt, worum es sich bei „Build-A-Bear Workshop“ tatsächlich handelt. Kein Atelier, keine Werkstatt, keine Werkbänke, kein Kursleiter, keine mitgebrachten Stoffe, keine ratternden Nähmaschinen, keine Nähmaterialien, Brummstimmen oder Gelenke.

Tatsächlich entspricht das Konzept von „Build-A-Bear Workshop“ nur in geringem Maße dem Konzept eines klassischen Workshops, in dessen Rahmen etwas erlernt und erarbeitet wird, um schließlich mit nach Hause genommen zu werden.

Das 1997 in den USA gegründete Franchiseunternehmen „Build-A-Bear Workshop“ wirbt mit der Geschäftsidee, als Kunde innerhalb der Geschäftsräumlichkeiten selbstständig ein individuelles Stofftier herstellen und nach Belieben gestalten zu können. Der Kreativität dürften dieser Darstellung nach dabei keine Grenzen gesetzt sein.

Diese Geschäftsidee entspricht einer zunehmend aktuellen Tendenz der spätpostmodernen Dienstleistungsunternehmen, Kunden in Produktionsprozesse mit einzubeziehen und ihnen dabei gegebenenfalls eine gewisse Gestaltungsfreiheit einzuräumen, was nicht zuletzt auch der Kundengewinnung dient.

Die zentralen Begriffe, die, wenn auch nicht explizit, mit der Idee derartiger Geschäftsideen assoziiert werden, stellen Kreativität und Individualität dar, wobei die implizierte Kreativität sich dabei auf die freien Gestaltungsmöglichkeiten bezüglich der Herstellung eines Produktes bezieht, während Individualität insbesondere freie Auswahlmöglichkeiten und die Anfertigung eines nach Belieben gestalteten Unikates meint. Diese beiden Begriffe stellen die beiden zentralen Begriffe der vorliegenden Bachelorarbeit dar.

1.2 Problemstellung und Zielsetzung

Bei genauerem Hinsehen zeigt sich jedoch, dass es sich bei diesen Formen der Kreativität und Individualität um weitestgehend standardisierte Konzepte handelt, die tatsächlicher Kreativität und Individualität nur bedingt Freiraum bieten, teilweise in einem derart geringen Maße, dass sich die Frage aufwirft, ob es sich dabei überhaupt noch um Individualität und Kreativität handelt, oder ob diese Darstellung lediglich eine Art geschickter Marketingstrategie darstellt.

Im Rahmen der vorliegenden Bachelorarbeit soll diese bislang wenig erforschte Tendenz der standardisierten Kreativität und Individualität innerhalb der Erlebnisgesellschaft und Wohlfühlindustrie am Beispiel des Franchiseunternehmens „Build-A-Bear Workshop“ thematisiert werden.

Es soll dabei auf der Basis einer kleinen empirischen Forschung untersucht werden, in wieweit das genannte Geschäftskonzept Raum für Kreativität und Individualität lässt, wobei davon ausgegangen wird, dass es sich dabei um überwiegend standardisierte Formen dieser zentralen Aspekte handelt. Das zentrale Interesse dieser Arbeit liegt aus diesem Grunde auf dem Grad der Standardisierung sowie auf dem Umgang der Mitarbeiter und Kunden des Unternehmens mit dieser Konfektionierung. Die anhand der empirischen Untersuchung gewonnenen Erkenntnisse sollen daraufhin in ihren theoretischen Hintergrund eingebettet und im Rahmen der Kapazität einer Bachelorarbeit ausführlich beleuchtet werden.

Während standardisierte Individualisierung insbesondere im Bereich der Konsum- und Marketingforschung sowie der Kreativwirtschaft bereits thematisiert wird, stellt das Phänomen standardisierter Kreativität bislang keinen Forschungsgegenstand dar. Möge die vorliegende Bachelorarbeit einen kleinen Beitrag dazu leisten, diese zunehmend aktuelle und relevante Tendenz in der deutschsprachigen Wissenschaftsliteratur vorzustellen.

1.3 Aufbau und Vorgehensweise

Für ein besseres Verständnis der Thematik dieser Arbeit sollen im Folgenden zunächst Definitionen der Begriffe „Kreativität“, „Individualität“, bzw. „Individualisierung“ und „Standardisierung“ vorgelegt werden, woraufhin Geschichte und Konzept des Unternehmens „Build-A-Bear Workshop“ kurz erläutert werden soll.

Im Rahmen einer ausführlichen Analyse der Geschäftsidee wird der Ablauf einer Stofftieranfertigung auf Aspekte der Standardisierung hin untersucht, wobei auch der Umgang der Mitarbeiter und Kunden mit dieser Standardisierung von Interesse ist.

Diese Erkenntnisse wurden anhand einer kleinen empirischen Forschung gewonnen, die aus einer teilnehmenden Beobachtung in einer der Münchner Filialen von „Build-A-Bear Workshop“, einer Analyse der Internetpräsenz des Unternehmens sowie der Durchführung leitfadenorientierter Interviews, besteht.

Nach der Betrachtung des Ablaufes und des Grades der Standardisierung, soll auf die angesprochene Zielgruppe des Unternehmens eingegangen werden, woraufhin der Fokus auf den im Hinblick auf die Zielgruppe angewandten Umgang mit Emotionen und Werten als Marketingkonzept gelegt werden soll.

Abschließend soll auf zwei weitere, auch für das Konzept von „Build-A-Bear Workshop“ relevante Tendenzen der spätpostmodernen Dienstleistungsgesellschaft, die als Abkehr der Menschen von der Massenproduktion sowie als Prosuming der Kunden bezeichnet werden können, eingegangen werden.

Als Fazit sollen die gewonnenen Erkenntnisse dieser Bachelorarbeit zusammenfassend dargestellt und ein Ausblick auf mögliche zukünftige Tendenzen sowie ein Ausblick auf sich daraus ergebende interessante Anknüpfungspunkte für weitere Forschungen gegeben werden.

Die zentrale gewählte Forschungsmethode der teilnehmenden Beobachtung bekam dabei den Vorzug vor anderen möglichen Methoden, da mit ihrer Hilfe ein intensiver Eindruck des jeweiligen erforschten Feldes möglich ist, Aspekte des Handelns und der Einstellung von Personen eher beobachtbar sind und relevante Erfahrungen dabei am eigenen Leibe gemacht werden können.

Ermittlung konkreter Meinungen und Erfahrungen der Kunden und Mitarbeiter des Unternehmens, dienten leitfadengestützte Interviews, bzw. Befragungen. Eine Analyse der Unternehmenshomepage brachte darüber hinaus weitere Erkenntnisse bezüglich der Darstellung der im Folgenden beschriebenen Geschäftsidee ein.

2. Begriffserläuterungen

2.1 Kreativität

In der Literatur existieren heute bereits zahlreiche Definitionen des Begriffs der Kreativität. Im Folgenden soll die Definition nach Teresa Amabile näher betrachtet werden, wobei sich in der Regel alle Definitionen lediglich bezüglich der Details und der Anwendungsgebiete der jeweiligen Definitionen unterscheiden.

Amabile versteht unter „Kreativität“ die Erzeugung neuartiger und angemessener Ideen auf jeglichem Gebiet menschlicher Aktivität, wobei mit „neuartig“ solche Ideen gemeint sind, die sich von bisher Geschaffenem unterscheiden. „Angemessen“ impliziert, dass es sich dabei um sinnvolle, nützliche, zumindest nicht absurde Ideen handelt. Um Neuartigkeit handelt es sich dann, wenn Ideen entweder eine Neukombination existierender Merkmale oder die Einführung komplett neuer Merkmale beinhalten. Sie erläutert, dass es sich bei Kreativität um Leistungen auf individueller Ebene handelt, während die Implementierung dieser Ideen auf organisationaler Ebene als Innovation bezeichnet wird.[1]

Amabile unterscheidet in ihrer Komponenten-Theorie drei Komponenten von Kreativität: die Expertise, das kreative Denken bzw. kreative Problemlösefähigkeiten und intrinsische Motivation, wobei Kreativität nach dieser Theorie dann am wahrscheinlichsten ist, wenn sich die Fähigkeiten und Fertigkeiten eines Individuums mit seiner intrinsischen Motivation überlappen. Der Grad der Kreativität ist dabei umso höher, je stärker jede der drei Komponenten ausgeprägt ist.

Unter der Expertise versteht Amabile domänenspezifisches Faktenwissen, wie etwa technisches Können sowie spezielle Talente und Fähigkeiten einer Person, bezogen auf die jeweilige Zieldomäne, während mit dem kreativen Denken ein kognitiver Stil gemeint ist, etwa die Nutzung von Techniken, um neue kognitive Wege einzuschlagen oder ein konstanter Arbeitsstil. Diese zwei genannten Komponenten bestimmten demnach die Handlungsfähigkeiten einer Person in der entsprechenden Situation.

Die dritte Komponente der intrinsischen Motivation hingegen bestimmt, ob eine Person diese Fähigkeiten auch tatsächlich anwenden wird. Laut Amabile kann durch intrinsische Motivation ein Mangel an Expertise oder kreativem Denken kompensiert werden, da ein in hohem Maße motiviertes Individuum große Bemühungen aufbringen wird, um sich die zur Bewältigung einer Aufgabe notwendigen Fähigkeiten anzueignen.

Sowohl Expertise, als auch kreatives Denken können gefördert werden, obgleich intrinsische Motivation stets den Faktor darstellt, der am schnellsten zur Förderung der Kreativität eingesetzt werden kann. Amabile formuliert dies in ihrem „intrinsischen Motivationsprinzip der Kreativität“ und betont gleichzeitig, dass extrinsische Motivation, die als Kontrolle empfunden werden kann, die Kreativität negativ beeinflusst, mit Ausnahme der informationalen und der zulassenden extrinsischen Motivation, in Fällen in denen die intrinsische Motivation hoch ist.

Kreativität umfasst – nach Amabile - des Weiteren intrinsisch motivierende Aspekte, wie herausfordernde Aufgaben, Freiheit im Sinne von Tätigkeitsspielräumen, Unterstützung, etwa durch Arbeitsgruppen sowie ausreichende und angemessene Arbeitsmaterialien.

Neben diesen Aspekten und Erkenntnissen der Kreativitätsforschung, soll in der vorliegenden Bachelorarbeit im Sinne Schwaabs, der erklärt „Kunst ist eine Form der Auseinandersetzung mit der eigenen Existenz als Mensch“[2], Kreativität als Ausdruck eben dieser Auseinandersetzung mit dem eigenen Innenleben, als kreativ-individueller Ausdruck der Persönlichkeit, verstanden werden.

2.2 Standardisierung

Unter Standards können allgemein Institutionen verstanden werden, die systematisch darauf abzielen, mittels formaler oder informaler Regelungen, das individuelle soziale Verhalten, oder aber die Eigenschaften von Produkten, Methoden oder Dienstleistungen zu spezifizieren und darzustellen.[3]

In Anlehnung an Standards versteht man unter Standardisierung eine Vereinheitlichung von Objekten, wie etwa Produkten, wobei sich die Standardisierung vielfältige Bereiche erstrecken kann. Standardisierung zeichnet sich außerdem durch ein hohes Maß an Generalisierbarkeit und Wiederholbarkeit aus.[4]

2.3 Individualität und Individualisierung

Nach Heinz Abels meint Individualität „einerseits das Bewusstsein des Menschen von seiner Besonderheit und das Bedürfnis, diese Einzigartigkeit auch zum Ausdruck zu bringen, und andererseits die von ihm selbst und den Anderen objektiv festgestellte Besonderheit und Einzigartigkeit.“[5]

Diese Definition von Individualität umfasst unter anderem auch das Bewusstsein der Differenz in unterschiedlichen sozialen Bereichen, welches auf individuelle Freiheit zielt. Gewissermaßen ist sich das Individuum dabei seiner individuellen Handlungsfreiheit bewusst, die er gegebenenfalls auch gegen kulturelle Erwartungen durchsetzt.

„Individualisierung“ meint laut Abels unter anderem „die eigene Vorstellung des Individuums von sich selbst und von der sozialen Bedeutung und Relevanz der gesellschaftlichen Verhältnisse.“[6] Das Individuum reflektiert dabei den Sinn der gesellschaftlichen Ordnung und ihrer Institutionen für sich selbst, wobei er sich als besonderes Individuum mit einem spezifischen Platz und einer Funktion in der Gesellschaft wahrnimmt. Individualisierung bedeutet in diesem Sinne, „gegen die Dominanz der Gesellschaft den Anspruch des Individuums auf eigenes Denken und Handeln zu erheben“ und die individuellen Vorstellungen von den richtigen Handlungszielen und -mitteln durchzusetzen.

Im Sinne dieses Durchsetzens der subjektiv richtigen Verhaltensweisen und Wertvorstellungen, soll in der vorliegenden Arbeit unter „Individualisierung“ das Streben des Individuums nach der Anpassung seiner Lebenswelt an die individuellen Bedürfnisse verstanden werden, was sich im Falle dieser Analyse auf die Anpassung der angebotenen Produkte an die eigenen geschmacksbedingten Gestaltungswünsche bezieht.

3. Standardisierte Kreativität und Individualität als Marketingkonzept

3.1 ”Build-A-Bear Workshop” – Geschichte und Konzept

„Unser Unternehmenserfolg basiert auf der universellen Erfahrung früher Freundschaft – zwischen Mensch und Bär! Das Band zwischen Kindern und ihrem allerliebsten Plüschtier ist bärenstark und im Build-A-Bear Workshop® wird es rund um die Uhr aufs Neue geknüpft!“

Das 1997 in den USA von Maxine Clark gegründete Unternehmen „Build-A-Bear Workshop“ hat weltweit bislang über 400 Shops etabliert. Unterschieden werden dabei die unternehmenseigenen Niederlassungen in den USA, Kanada, Großbritannien und Frankreich sowie die Franchise-Geschäfte in zahlreichen Ländern Europas, Asiens, Afrikas und Australiens.[7]

Das Konzept des Unternehmens basiert auf der Idee, Teddybären zum Leben zu erwecken.[8] Hierzu können Bärenliebhaber die Chance ergreifen, innerhalb der Räumlichkeiten einer der zahlreichen Filialen in acht Schritten, bzw. an acht Stationen, nach Belieben ein persönliches Kuscheltier zu gestalten.

Wie man der Homepage des Unternehmens, die auch einen Online-Shop bereitstellt, entnehmen kann, hat der Kunde dabei die Wahl zwischen unterschiedlichen Stofftieren sowie dazugehöriger Accessoires, wie etwa Geräuschbottons oder Anziehsachen. Es stehen hierzu entweder Standardkollektionen, oder regelmäßig wechselnde Sondereditionen zur Auswahl, wobei neben der Selbstanfertigung eines Tieres auch der Kauf fertiger Plüschtiersets möglich ist, bei denen die Tiere bereits gefüllt und mit Accessoires ausgestattet sind. Es werden darüber hinaus Geschenkkarten zum Verkauf angeboten.

Des Weiteren bietet „Build-A-Bear Workshop“ die Möglichkeit, Kindergeburtstage oder ähnliche Feiern innerhalb der Geschäftsräumlichkeiten zu buchen. Nach einer persönlichen Anfrage kann der Kunde aus einer Auswahl unterschiedlicher Party-Pakete je nach Wunsch wählen, Voraussetzung für die Buchung ist dabei die Teilnahme von mindestens 6 Personen.[9]

3.2 Feldzugang und Forschungsmethoden

3.2.1 Wahl der Forschungsmethoden

Zwecks der Gewinnung empirischer Erkenntnisse, wurden in dieser Bachelorarbeit drei gängige Forschungsmethoden angewandt. Es handelt sich dabei um eine Analyse der Internetpräsenz des Unternehmens „Build-A-Bear Workshop“, um auf diesem Wege Erkenntnisse über die Geschichte sowie das Konzept des Unternehmens zu gewinnen. Des Weiteren wurden leitfadenorientierte Interviews, bzw. Befragungen mit Mitarbeitern und Kunden in einer der drei Münchner Filialen durchgeführt, wobei diese Interviews und Befragungen – insbesondere gegenüber der Kunden – nicht immer als solche angekündigt, sondern teilweise in Gesprächsform gestaltet wurden, um eine eher natürliche Gesprächssituation zu schaffen und somit Befangenheit oder Verunsicherung zu vermeiden, die Antworten verfälschen könnte. Diese Verschleierung diente auch dazu, die doch recht abstrakte und komplexe Fragestellung nicht im Detail jedem Befragten erläutern zu müssen, erst Recht wenn es sich um Kinder oder Mütter mit Kindern handelte, die schon genug eingespannt und in Eile waren.

Als zentrale Forschungsmethode diente in dieser Bachelorarbeit jedoch die Königin der Forschungsmethoden, die teilnehmende Beobachtung, die auch als beobachtende Teilnahme bezeichnet werden kann. Diese Methode hat im Vergleich zu Interviews, die vor allem dafür genutzt werden, subjektive Meinungen und Aussagen von Personen auf direktem Wege zu erfahren, den Vorteil, dass mit ihrer Hilfe Abläufe, Handlungen, Kommunikationsprozesse etc. – bei Bedarf unbemerkt – beobachtet und Erfahrungen am eigenen Leibe gesammelt werden können. Auch in dieser Arbeit erwies sich diese Methode als äußerst aufschlussreich.

3.2.2 Ablauf und Durchführung

Die teilnehmende Beobachtung wurde an einem regnerischen Freitagnachmittag in einer der zwei Münchner Filialen von „Build-A-Bear Workshop“ in einem Einkaufszentrum durchgeführt. Das zentrale Anliegen dabei war, den Ablauf der Anfertigung eines Stofftieres persönlich mitzumachen, um Erkenntnisse über den Grad der Standardisierung und der Möglichkeiten der individuellen Kreativität zu gewinnen. Des Weiteren erhoffte ich mir als Forscherin, im Rahmen der beobachtenden Teilnahme leichter Zugang zu Gesprächen mit Mitarbeitern und Kunden zu erhalten. Ablauf des Stofftier-Anfertigungsprozesses und die geführten Gespräche sollen in den folgenden Kapiteln ausführlicher geschildert werden.

An dieser Stelle sollte noch gesagt werden, dass die teilnehmende Beobachtung gegenüber der mich betreuenden Mitarbeiterin bekannt gegeben wurde, dass ihr also der eigentliche Grund meines Daseins erläutert wurde. Lediglich gegenüber der Kunden wurde, wie bereits erwähnt, in den meisten Fällen verschwiegen, dass ich mir durch die Gespräche Forschungserkenntnisse erhoffte.

Insgesamt verliefen sowohl die teilnehmende Beobachtung, als auch die geführten Gespräche reibungslos, wobei die große Offenheit der Beteiligten mit die Arbeit deutlich erleichterte und anfängliche Hemmungen und Blockaden löste.

Lediglich zu Beginn meiner teilnehmenden Beobachtung, nachdem ich mich und mein eigentliches Anliegen erläutert hatte, wurde ich ein wenig dadurch gehemmt, dass ich den Eindruck hatte, die Mitarbeiterin hätte mein Forschungsthema, bzw. Forschungsinteresse nicht wirklich verstanden und sei selbst ein wenig verunsichert. Dieser Gedanke brachte mich vor allem anfänglich und noch eine Weile während des Ablaufes aus dem Konzept, was jedoch durch die überaus freundliche und offene Mitarbeiterin gemildert wurde, die mich während der Stofftierherstellung voller Begeisterung betreute und bereits nach kurzer den Eindruck erweckte, als hätte sie den eigentlichen Grund meines Daseins und die Frage, was ich da überhaupt genau untersuche, längst wieder vergessen. Gerne beantwortete sie Fragen und half mir bei der Beschaffung von Informationen, wenn sie etwas nicht wusste.

Als unangenehm empfand ich außerdem während des gesamten Prozesses die Blicke anderer Kunden oder an der Filiale vorbeigehender Personen, da ich mir selbst immer wieder etwas fehl am Platze vorkam. Wie sich noch zeigen wird, behandelte mich die Verkäuferin – wie jeden Kunden, egal welchen Alters – ebenso wie eines der Kinder, weshalb ich das volle Programm von Hüpfen, bis Singen etc. mitmachen musste und immer wieder verschämt auf die Blicke der Vorbeigehenden achtete. Im Laufe des Prozesses lockerte sich diese anfängliche Anspannung jedoch zunehmend auf, was nicht zuletzt auf die hervorragende Betreuung der Verkäuferin zurückzuführen ist.

Die Fragen für Interviews und Befragung waren dabei teilweise vorbereitet, wobei sich im Laufe der Gespräche einige Fragen erübrigten, während neue hinzukamen und gestellt wurden. Die geplante Struktur löste sich demnach zunehmend auf.

[...]


[1] Herbig, B./Glaser, J.: Kreativität und Gesundheit im Arbeitsprozess, S.12. Online verfügbar unter: http://www.baua.de/de/Publikationen/Fachbeitraege/F1961.pdf?__blob=publicationFile, 12.06.2013

[2] Schwaab, D. (1992): Bilder und Zeichnungen autistisch behinderter, ihre Funktion in der Entwicklung und Biographie. Neustadt: Dorothea-Schwaab-Stiftung, S. 140

[3] Wey, C. (1999): Marktorganisation durch Standardisierung: ein Beitrag zur Neuen Institutionenökonomik des Marktes. Berlin: Edition Sigma, S. 27f.

[4] Wiese, H. (1989): Netzeffekte und Kompatibilität: ein theoretischer und simulationsgeleiteter Beitrag zur Absatzpolitik für Netzeffekt-Güter. Stuttgart: Schäffer-Poeschel Verlag, S. 3f.

[5] Abels, H. (2010): Identität. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften, S. 43

[6] Ebd., S. 183

[7] http://www.build-a-bear.de/www/unsere-firmengeschichte, 15.06.2013

[8] http://www.build-a-bear.de/www/unsere-vision, 15.06.2013

[9] http://shop.build-a-bear.de/data/cms.asp?mid=40&sid=1&wid=1&store=&nav=1&navZuoId=22, 15.06.2013

Ende der Leseprobe aus 39 Seiten

Details

Titel
Standardisierte Kreativität und Individualiät als Marketingkonzept
Untertitel
Eine ethnografische Fallstudie
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Institut für Volkskunde/Europäische Ethnologie)
Veranstaltung
Abschlussmodul
Note
1,3
Autor
Jahr
2013
Seiten
39
Katalognummer
V230624
ISBN (eBook)
9783656464853
ISBN (Buch)
9783656467670
Dateigröße
573 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Build-A-Bear Workshop, Kreativität, Individualität, Emotionen, Prosuming, Massenproduktion, Inszenierung, Marketing, Marketingstrategie, Geschäftskonzept
Arbeit zitieren
Deborah Falk (Autor), 2013, Standardisierte Kreativität und Individualiät als Marketingkonzept, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/230624

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