Gefühlsarbeit und Emotionsarbeit

Eine Belastung für Geist und Körper


Essay, 2013

7 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Im Laufe der vergangenen Jahrzehnte hat das Feld der Pflege damit begonnen, sich als eigenständiges gesellschaftliches Funktionssystem zu konstituieren. Erklären lässt sich diese Entwicklung unter der Betrachtung jüngster demografischer und gesellschaftlicher Trends: Während sich die Anzahl der Pflegebedürftigen in Deutschland Ende 2011 auf rund 2,5 Millionen Menschen belief, von denen rund 30 Prozent vollstationär in Pflegeheimen versorgt wurden, könnte die Zahl der Pflegebedürftigen laut einer Prognose des Statistischen Bundesamtes bis 2030 auf 3,4 Millionen Menschen ansteigen[1] (vgl. Bundesministerium für Gesundheit und Pflege 2013). Neben den damit verbundenen ökonomischen Konsequenzen für Staat und Bürger muss zusätzlich noch ein drohender Fachkräftemangel bewältigt werden. Rund eine halbe Million Vollzeit-Pflegekräfte könnten laut Untersuchung der Bertelsmann Stiftung im Jahr 2030 fehlen (vgl. Bertelsmann Stiftung 2012).

Es stellt sich nun die Frage, wie sich ein derart hoher Mangel an Fachkräften im Pflegesektor erklären lässt. Neben finanziellen Aspekten dürfte vor allem die hohe emotionale Belastung, denen Pflegerinnen und Pfleger oftmals ausgesetzt sind, als Abschreckung für die Erlernung und Ausübung des Berufs dienen. Die Praxis zeigt, dass die Schwierigkeit für Pflegekräfte weniger in den zu verrichtenden Pflegetätigkeiten an sich, sondern eher in den Verhaltensweisen und Reaktionen der zu pflegenden Menschen liegt (vgl. Giesenbauer / Glaser 2006: 60). Aus diesem Grund soll im Folgenden ein Blick auf die Belastungen geworfen werden, welche durch Gefühls- und Emotionsarbeit im beruflichen Kontext entstehen können. Auch die Bedeutung der Körper der interagierenden Personen soll in diesem Zuge herausgearbeitet werden. Bevor jedoch auf die empirischen Aspekte des Themas eingegangen wird, muss eine Definition der grundlegenden Begriffe vorgenommen werden. Dies geschieht, um etwaige Unschärfen bei der Trennung von semantisch ähnlichen Begriffen auszuschließen.

Zunächst soll auf den Begriff der Gefühlsarbeit[2] eingegangen werden. Unter diesem Terminus bezeichnet man den Versuch, auf den emotionalen Zustand des Gegenübers einzuwirken, um ein erwünschtes Ziel, also einen bestimmten Gefühlszustand, beim Klienten zu erreichen (vgl. Giesenbauer / Glaser 2006: 61). Demnach ist Gefühlsarbeit diejenige Arbeit, die „speziell unter Berücksichtigung der Antworten der bearbeiteten Person oder Personen geleistet wird und die im Dienst des Hauptarbeitsverlaufs erfolgt“ (Strauss et al. 1980: 629). Sie ist somit unweigerlicher Bestandteil in „jeder Art von Arbeit, bei der das bearbeitete Objekt lebend, empfindungsfähig, reagierend ist“ (Strauss et al 1982: 254) Gefühlsarbeit wird demzufolge als funktional für das Erreichen der Kernaufgaben verstanden. Fehlleistungen im Bereich der Gefühlsarbeit werden erkennbar, wenn Patienten ein Gefühl von Erniedrigung und Beleidigung empfinden. Auch das Gefühl von physischer und geistiger Unbehaglichkeit sowie das Gefühl einer Verletzung der Privatsphäre deuten darauf hin, dass es zu einer inadäquaten Verrichtung von Gefühlsarbeit gekommen sein könnte. Als praktisches Beispiel für die Aufbringung von Gefühlsarbeit sei hier auf den Chefarzt verwiesen, welcher dem Patienten im Rahmen einer Operation nicht nur die einzelnen Vorgehensschritte erklärt, sondern ihn auch verbal auf potentielle Schmerzen während des Eingriffs vorbereitet. Auch die Frage nach dem Empfinden des Patienten stellt eine wichtige Komponente der Gefühlsarbeit dar.

[...]


[1] Begründet wird diese Prognose anhand der kontinuierlich höher werdenden Lebenserwartung bei gleichzeitigem medizinischen Fortschritt.

[2] engl. sentimental work.

Ende der Leseprobe aus 7 Seiten

Details

Titel
Gefühlsarbeit und Emotionsarbeit
Untertitel
Eine Belastung für Geist und Körper
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Institut für Soziologie)
Veranstaltung
Soziologie der Berührung
Note
2,3
Autor
Jahr
2013
Seiten
7
Katalognummer
V231025
ISBN (eBook)
9783656465669
ISBN (Buch)
9783656467946
Dateigröße
551 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Schlagworte
emotionsarbeit, gefühlsarbeit, hochschild, emotional labour, emotional care, body work, emotional work
Arbeit zitieren
Sebastian Hauser (Autor), 2013, Gefühlsarbeit und Emotionsarbeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/231025

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