Die Elemente des Konstruktivismus in der empirischen Sozialforschung


Studienarbeit, 2011

26 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Konstruktivismus
2.1. Historischer Abriss
2.2. Die Nebenströmungen
2.3. Kritik am Konstruktivismus

3. Realismus

4. Solipsismus

5. Beispiel zur Erkenntnistheorie

6. Empirische Sozialforschung
6.1. Forschungsstrategien
6.1.1. Quantitative Forschung
6.1.2. Qualitative Forschung
6.1.2.1. Das Interview
6.1.2.2. Die Gruppendiskussion
6.1.2.3. Die qualitative Inhaltsanalyse
6.1.3. Mischform qualitativ und quantitativ
6.2. Erkenntnismethoden
6.2.1. Die Induktion
6.2.2. Die Deduktion

7. Schlusswort

8. Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Heraklit (540 – 480 v. Chr.)

Abbildung 2: Platon (427 – 347 v. Chr.)

Abbildung 3: Kategorien und Vertreter der Nebenströmungen

Abbildung 4: Übersicht von erkenntnistheoretischen Auffassungen

Abbildung 5: Darstellung des empirischen Forschungsablaufs

Abbildung 6: Verwendung von qualitativen und quantitativen Daten

Abbildung 7: Gegenüberstellung Induktion und Deduktion

Abbildung 8: Induktiver Forschungsansatz

Abbildung 9: Deduktiver Forschungsansatz

1. Einleitung

Wie wirklich ist die Wirklichkeit? Ist ein Abbild der Realität überhaupt möglich? Inwieweit hängt die Realität vom Beobachter ab?

Bis heute versuchen Erkenntnistheoretiker sukzessive ein getreues Abbild der Welt aufzuzeigen.[1] Dafür setzen sie sich mit unterschiedlichsten Fragestellungen zu Realität und Wahrnehmung auseinander.

Die Lehre der Erkenntnistheorie, in der Wissenschaft auch als Epistemologie bezeichnet[2], soll klarstellen, wo die Grenze zwischen „bloßem Glauben“ und „echter Erkenntnis“ ist. Nicht umsonst gelten Erkenntnistheorien deswegen als Begründungsphilosophien. Die Erkenntnistheorien beinhalten nicht nur ein logisches Schema, sondern schließen auch psychologische Auslegungen mit ein. Eine Erkenntnistheorie umfasst demnach sowohl die Logik der Erkenntnis als auch die Psychologie des Erkennens.[3]

Das Ziel dieser Studienarbeit ist die Auseinandersetzung mit dem Konstruktivismus, als Erkenntnistheorie, und der empirischen Sozialforschung, als Mittel zur Gewinnung wissenschaftlicher Erkenntnis.

Dafür geht diese Arbeit zunächst auf die Erkenntnistheorie im Allgemeinen ein. Im darauffolgenden wird der Konstruktivismus als Erkenntnistheorie herausgehoben. Aufgrund der profunden Historie und des bemerkenswerten Gedankenguts, soll der Schwerpunkt auf den Konstruktivismus gelegt werden. Trotzdem sollen die Sichtweisen des Realismus und Solipsismus nicht unerwähnt bleiben. Die Unterschiede zum Konstruktivismus, soll die Erkenntnistheorie klar abgrenzen. Anschließend wird ein Beispiel die Unterschiede der Sichtweisen verdeutlichen.

Nachfolgend wird der zweite Teilbereich, die empirische Sozialforschung, näher beschrieben. Die empirische Sozialforschung ist insofern bedeutsam, da durch diese wissenschaftliche Erkenntnis erst möglich ist. Die Verbindungen zum Konstruktivismus werden sowohl bei den Forschungsstrategien, als auch bei den Erkenntnismethoden geknüpft.

Ein Schlusswort über beide Thematiken, der Konstruktivismus und die empirische Sozialforschung, sowie deren Verbindung zueinander, soll die Arbeit zum Abschluss abrunden.

2. Der Konstruktivismus

Der Konstruktivismus besagt, dass „die Wirklichkeit, die wir mit unseren Sinnesorganen objektiv wahrzunehmen glauben, bloß eine subjektive Konstruktion unseres Gehirns […] ist“[4]. Für Vertreter des Konstruktivismus ist „[…] alles Wissen […] nur in den Köpfen von Menschen“[5].

Dieser Definition zufolge, kann der Mensch auf Basis der Erlebnisse und Erfahrungen sein Wissen selbst erzeugen. Die Erzeugung des Wissens und der Wirklichkeit finden im Gehirn statt, das die Wirklichkeit mittels Abbilder wahrzunehmen glaubt. Auf Basis der angesehenen Realität, trifft man Entscheidungen und führt Handlungen aus, die gänzlich auf eine subjektive Weltanschauung basieren. Diese Unterstellung einer pauschalen Subjektivität stellt das Kernelement des Konstruktivismus dar. Der Konstruktivismus ist ein Bestanteil der Wirklichkeitsforschung, da dieser eine Antwort auf die Frage nach Wahrheit und Wirklichkeit liefert.[6]

Ein treffendes Beispiel, welches den Konstruktivismus im Alltag beschreibt, ist die Situation beim Unterrichten. Manchmal erscheint es einem selbst leicht, jemandem Inhalte zu übermitteln. Es stößt folglich an Unverständnis, wenn die vermittelten Inhalte vom Lernenden nicht verstanden und umgesetzt werden können. Oftmals wird dieser Misserfolg mit mangelndem Interesse oder Begabung des Lernenden begründet, obwohl der Aspekt der unterschiedlichen Wahrnehmungen beider Personen vollständig außer Acht gelassen wird.[7]

Weiters wurde festgestellt, dass der Konstruktivismus bereits Sportveranstaltungen erreicht hat. Beispielsweise erzeugen die Medien bei einem Fußballspiel ein Ereignis, das ohne sie kein Ereignis wäre. Österreichische Medien haben beispielsweise die EURO 2008 in ein wahres Spektakel für Zuseher verwandelt. Die Medien konstruieren ein Ereignis, bei dem sich der Beobachter seine Welt des Sports selbst erzeugt.[8]

2.1. Historischer Abriss

Bereits in der antiken Philosophie wurden konstruktivistische Blickwinkel betrachtet. Neben dem Bedenken über eine objektive Realität, war man von der subjektiven Wahrnehmung jedes Menschen überzeugt. In diesem Zusammenhang ist der griechische Philosoph Heraklit anzuführen. Seine Philosophie lautete, dass man nicht zweimal in denselben Fluss steigen könne. Diese Anschauung kann man mit seinem Ausspruch „Alles fließt“ betrachten, da das Wasser im Fluss immerfort vorbeifließt und sich ändert. Das Wasser, in das man als erstes tritt, ist ein anderes, wenn man danach wieder in den Fluss steigt. Demnach ist Heraklit der Meinung, dass sich die Welt in ständiger Veränderung ohne Anzeichen von Kontinuität befindet (Sommer verwandelt sich in Winter, Geld in Ware, Jugend in Alter, etc.). Folglich nimmt Heraklit an, dass alles, das man als kontinuierlich ansieht, nur eine Sinnestäuschung ist. Dies ist eine Verbindung zum Konstruktivismus, da die wahrgenommene Kontinuität ein selbst erzeugtes Abbild der Realität ist. Die Menschen glauben, dass eine Kontinuität vorherrscht, da sie diese in ihrer eigenen Realität konstruieren. Dies ist jedoch ein Trugbild.[9]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Heraklit (540 – 480 v. Chr)[10] Abbildung 2: Platon (427 – 347 v. Chr.)[11]

Protagoras (486 – 420 v. Chr.), ein Gleichgesinnter Heraklits, trug ebenso zur Ausbreitung des philosophischen Wissens bei. Er formulierte die Anschauung, dass der Mensch das Maß aller Dinge sei, wobei sich dieser Ausspruch nicht auf den Mensch als Gattung, sondern auf den einzelnen Mensch bezieht. Dabei wird impliziert, dass ausschließlich subjektive Wahrheiten und Realitäten existieren, wogegen eine allgemeingültige, universelle Wirklichkeit schlichtweg nicht existent wäre.[12]

Die Gedanken aus der Antike zeigen, dass sich die angeführten Philosophen bereits mit der Wahrnehmung von Realität und Surrealität auseinander gesetzt haben. Im Nachhinein sind diese Sichtweisen als konstruktivistisch anzusehen.

Ende des 16. Jahrhunderts hinterfragten die Forscher Johannes Kepler (1571 – 1630), Galileo Galilei (1564 – 1642) und Francis Bacon (1561 – 1626) die damaligen erkenntnistheoretischen Auffassungen. Aufgrund der damaligen Erfindungen, erlang auch die Sicherung von Wissen für die Zukunft große Bedeutung. Insbesondere verschrieb man sich dem Experiment, da das Beobachtete bzw. die Erkenntnis überprüfbar gemacht werden konnte.[13]

Als Begründer des Konstruktivismus der Neuzeit gilt Humberto R. Maturana (1928), der mit seiner schriftlichen Darlegung „Biology of Cognition“ (1970) erstmals die philosophische Frage des Erkennens der Realität in eine biologische Fragestellung überführte. Er nahm den Philosophen diese Problemstellung ab und eröffnete diese erneut in der Neurobiologie. Seine Absicht in „Biology of Cognition“ ist es, den Beobachter als Wahrnehmer von Realität in den Mittelpunkt der Forschung zu stellen. Der Beobachter ist zudem der Ausgangspunkt des Wissens. In einem späteren Werk Maturanas, formuliert der Autor einen prägnanten Leitsatz: „Alles was gesagt wird, wird von einem Beobachter gesagt.“[14], der das Gedankengut seiner historischen Forschung widerspiegelt.[15]

Desweiteren gelten Francisco Varela (1946 – 2001), Heinz von Foerster (1911 – 2002) und Warren McCulloch (1898 – 1969) als Gründungsväter des konstruktivistischen Gedankengutes.[16] Die Argumente der Konstruktivisten, insbesondere denen Maturanas, basieren auf Ergebnisse der empirischen Forschung, die überwiegend im neurophysiologischen Forschungsbereich erzielt wurden.[17]

2.2. Die Nebenströmungen

Im Laufe der Zeit haben sich Nebenströmungen des Konstruktivismus entwickelt. Ein Grund hierfür ist, dass sich dieser in verschiedenen Wissenschaften wie Psychologie, Soziologie, Neurobiologie, Psychiatrie, Informatik und Pädagogik permanent weiterentwickelt hatte. Die konstruktivistische Denkweise wird deswegen zunehmend nuancierter und unüberschaubarer.[18]

Eine Übersicht der unterschiedlichen Formen des Konstruktivismus mit ihren wichtigsten Vertreter soll folgende Tabelle geben:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Kategorien und Vertreter der Nebenströmungen[19]

(Eigene Darstellung)

Eine Nebenströmung ist der „Radikale Konstruktivismus“ (1998), dessen Begründer Ernst von Glasersfeld (1917 – 2010) war. Diese Strömung basiert auf Forschungen von Jean Piaget (1896 – 1980), welcher besagt, dass die Wahrnehmung von Welt und Wissen als Konstruktionen anzusehen sind. Ernst von Glasersfeld entwickelte die Forschungen von Jean Piaget weiter, und hielt erstmalig fest, dass bei jedem neuronalen Ablauf, bildliche Darstellungen der Wirklichkeit im Gehirn erzeugt werden.[20]

[...]


[1] Vgl. von Foerster, 1995, S. 17

[2] Vgl. Baer/Wermke, 2002, S. 276

[3] Vgl. Hanisch, 2009, S. 21

[4] Hanisch, 2009, S. 19

[5] von Glasersfeld, 2008, S. 22

[6] Vgl. Hanisch, 2009, S. 19

[7] Vgl. Meixner, 1997, S. 9f

[8] Vgl. Schmidt, 2000, S. 14

[9] Vgl. Meixner, 1997, S. 13f

[10] Quelle: www.griechische-kultur.eu, 2011, online

[11] Quelle: www.griechische-kultur.eu, 2011, online

[12] Vgl. Meixner, 1997, S. 14

[13] Vgl. Schneider, 2006, S. 9f

[14] Maturana, 1998, S. 25

[15] Vgl. Pörksen, 2011, S. 13

[16] Vgl. Hanisch, 2009, S. 19

[17] Luhmann, 1993, S. 32

[18] Vgl. Hanisch, 2009, S. 20

[19] In Anlehnung an: Hanisch, 2009, S. 20

[20] Vgl. Hedderich, 2006, S. 15f

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Die Elemente des Konstruktivismus in der empirischen Sozialforschung
Hochschule
Privatuniversität Schloss Seeburg  (Insitut für Betriebswirtschaftslehre)
Veranstaltung
Einführung in das wissenschaftliche Arbeiten
Note
1,3
Autor
Jahr
2011
Seiten
26
Katalognummer
V232873
ISBN (eBook)
9783656498605
ISBN (Buch)
9783656500032
Dateigröße
737 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Schlagworte
elemente, konstruktivismus, sozialforschung
Arbeit zitieren
Barbara Katzdobler (Autor), 2011, Die Elemente des Konstruktivismus in der empirischen Sozialforschung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/232873

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