Pseudocleft-Konstruktionen im Französischen in Ko-Okkurrenz mit den Diskursmarkern "donc" und "alors"


Seminararbeit, 2013

17 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Theorie
2.1 Pseudoclefts, donc und alors in der französischen Standardgrammatik
2.2 Pseudoclefts, donc und alors in der Interaktion

3 Empirie und Analyse
3.1 Formulierung der Fragestellung
3.2 Datengrundlage
3.3 Analyse
3.3.1 Sequenz 1: Gesprächseröffnung und Rederecht
3.3.2 Sequenz 2: Rederecht, Verständnissicherung und Rekapitulation
3.3.3 Sequenz 3: Konsequenz, Schlussfolgerung, Reformulierung und „back to topic“
3.3.4 Sequenz 4: Problematische Aspekte

4 Konsolidierung
4.1 Zusammenfassung der Ergebnisse
4.2 Ausblick

5 Literatur

1 Einleitung

Gegenstand der vorliegenden Arbeit ist die Beschäftigung mit dem kombinierten Auftreten der französischen Pseudocleft-Konstruktionen mit den Konjunktionen donc und alors. Der Themenschwerpunkt ist folgender Tatsache geschuldet: Bei der Sichtung der empirischen Ergebnisse bezüglich der Pseudocleft-Konstruktionen – die Gesprächsausschnitte stammen aus der moca -Datenbank – war frappierend, wie häufig die Pseudoclefts ko-okkurent mit den genannten Konjunktionen auftraten.

Bisher wurden Pseudocleft-Konstruktionen im gesprochenen Französisch noch nicht allzu ergiebig, bei Günthner / Hopper (2010) immerhin im Englischen und Deutschen analysiert. Meine Arbeit verfolgt zweierlei Ziele: Zum einen soll mithilfe von authentischen Gesprächsausschnitten ein Transfer der von Günthner / Hopper gemachten Ergebnisse aufs Französische unternommen werden. Gleichzeitig und vor allem soll die Arbeit verdeutlichen, warum die Pseudocleft-Konstruktionen derart oft in Kombination mit den Diskursmarkern donc und alors auftreten; bezeichnend ist, dass bislang weder diese Frage aufgeworfen, noch diese Beobachtung in der Forschung überhaupt gemacht wurde. Meine Arbeit wird sich aus folgenden zwei Gründen lediglich auf die beiden Marker donc und alors konzentrieren: Erstens haben beide, wie es M. Hansen (1997) feststellt, vergleichbare Funktionen im Diskurs. Zweitens sind sie bei meinen empirischen Untersuchungen am häufigsten zusammen mit den Pseudoclefts aufgetreten.

Meine darauf aufbauende Ausgansfrage ist: Wie kommt es zu dem regelmäßigen gemeinsamen Auftreten? Ist es insofern zu erklären, als dass beide Ressourcen in der mündlichen Kommunikation ähnliche Funktionen erfüllen, so gesehen eine gewisse Schnittmenge bezüglich ihres Verwendungszwecks haben und somit häufig in ähnlichen Kontexten verwendet werden? Oder ist die Ko-Okkurrenz eher zufällig und damit zu begründen, dass einige SprecherInnen des Französischen Vorlieben für Konjunktionen wie donc und alors haben?

Ausgehend von einer Zusammenfassung der theoretischen Annahmen (Kapitel 2) wird aufbauend auf meiner Fragestellung eine empirische Untersuchung durchgeführt (Kapitel 3). Zuletzt findet eine Auswertung der Analyse statt (Kapitel 4).

2 Theorie

2.1 Pseudoclefts, donc und alors in der französischen Standardgrammatik

Beschäftigen wir uns zunächst mit der traditionellen Sichtweise auf die Pseudocleft-Konstruktionen. Deren Bezeichnung ist abgeleitet von den sogenannten Cleft-Konstruktionen, die im Deutschen alternativ als Spaltsätze (Stein 2010:65) bezeichnet werden. Strukturen wie diese helfen uns in Äußerungen, ein Satzelement besonders hervorzuheben oder zu betonen. Im Französischen geschieht dies durch die mise en relief, welche durch Präsentativa, also durch bestimmte syntaktische Wendungen (Dethloff / Wagner 2007:666), eingeleitet werden.[1] Cleft-Konstruktionen folgen allgemein der Form „C’est sa maison de Bretagne qu ’il a vendue, et non celle de Paris.“ Bei den Pseudocleft-Konstruktionen – auch Sperrsätze genannt (Stein 2010:65) – wird die Reihenfolge der Cleft-Konstruktionen umgekehrt. Es ergibt sich somit folgende Anordnung: „Ce qu ’il a vendu, c’est sa maison de Bretagne, et non celle de Paris.“, beziehungsweise: „Ce qui a été vendu, c’est sa maison de Bretagne, non celle de Paris.“

Zu tun haben wir es hier, laut den Standardgrammatiken, mit einem festen „biklausale(n) Satzmuster“ (Günthner / Hopper 2010:5). Dieses bestehe aus einem w(h)-Teil[2] (im Französischen durch einen Relativsatz ausgedrückt, der mit ce eingeleitet wird) und aus einem Folgesyntagma (mit c’est gekennzeichnet). Auch die Informationsstruktur richte sich nach einer festen Form: Kontextuell-pragmatisch betrachtet beinhaltet der w(h)-Teil eine präsupponierte Information, das Folgesyntagma die „Fokusphrase“ (vgl. Günthner / Hopper 2010:5). Günthner / Hopper (2010:6f) machen zudem deutlich, dass nur diejenigen Pseudocleft-Konstruktionen in den gängigen Grammatiken als vollständig gelten, die der kanonischen Realisierung [w(h)-Teilsatz + Kopula + NP / Komplementivsatz / Infinitivsatz] folgen.

Kommen wir nun zu den beiden Diskursmarkern und deren Darstellung in der Standardgrammatik des Französischen: donc ist vom lateinischen dunc bzw. tunc abgeleitet (vgl. Bon Usage 2008:1313).[3] Im Altfranzösischen wurde donc in vierfacher Ausführung benutzt: Neben einer temporalen Funktion[4] wurde donc auch in hypothetischen si -Konstruktionen gebraucht. Außerdem wurde es eingesetzt, um eine Schlussfolgerung einzuleiten. Und schließlich findet man donc als empathische Partikel verknüpft mit Imperativen vor (M. Hansen 1997:168)[5]. In den Standardgrammatiken ist donc unter die Wortart der Konjunktionen kategorisiert, mit denen wir Satzglieder oder Haupt- und Nebensätze miteinander verbinden können (vgl. Dethloff / Wagner 2007:608). Als beigeordnete (koordinierte) Konjunktion verknüpft donc „Wörter, Hauptsätze und Nebensätze mit gleicher / gleichrangiger grammatischer Funktion“ (Dethloff / Wagner 2007:608) und wird der Untergruppe der folgernden (konsekutiven) Konjunktionen zugeordnet.[6]

Auch alors hat seine Ursprünge im Lateinischen, und zwar im Ausdruck illa hora, was im Deutschen so viel wie zu jener Zeit bedeutet (vgl. M. Hansen 1997:163). Auffällig ist, wie ähnlich die „Einsatzgebiete“ der beiden Partikel im Altfranzösischen waren: Wie donc wurde alors dafür verwendet, eine Gleichzeitigkeit, mitunter auch eine „with a sense of duration“ (M. Hansen 1997:164) auszudrücken.[7] Grevisse / Goosse (2008:1260) fügen passend zu dieser zeitlichen Komponente hinzu: „Alors indique un fait contemporain par rapport à un autre fait passé ou futur.“ Außerdem trete alors häufig zusammen mit der koordinierenden Konjunktion ou auf (Grevisse / Goosse 2008:1392). Bemerkenswert ist die Tatsache, dass alors abgesehen von diesen Bemerkungen und im Vergleich zu donc relativ wenig Aufmerksamkeit in den Standardgrammatiken geschenkt wird.

2.2 Pseudoclefts, donc und alors in der Interaktion

Wie Selting / Couper-Kuhlen (2000:77) verdeutlichen, stellt die interaktionale Linguistik ein neues und noch längst nicht flächendeckend analysiertes Forschungsgebiet dar – insbesondere die Grammatik des gesprochenen Französisch wartet auf eine umfassende Erforschung. Die Folge daraus ist oft, dass wir Ergebnisse, die in anderen Sprachen gemacht wurden, auf unsere Zielsprache übertragen und diese dann prüfen müssen.

Einen solchen Transfer müssen wir bei der Beschäftigung mit den Pseudocleft-Konstruktionen leisten; deren Emergenz wurde im Französischen noch kaum, bei Günthner / Hopper (2010) zumindest im Englischen und Deutschen untersucht. Die Autoren stellen dabei fest, dass in authentischen Interaktionen sowohl formale Abweichungen von der kanonischen Form als auch funktionale Besonderheiten auftreten. In formaler Hinsicht war ad eins: das Folgesyntagma häufig komplex und syntaktisch nicht integriert, ad zwei: die strikte Einordnung in präsupponierte Information und in Fokus nicht möglich, und ad drei: oftmals überhaupt kein Folgesyntagma existent (Günthner / Hopper 2010:8). Ebenso sind durch die interaktionalen Analysen bisher nicht erkannte Funktionen aufgefallen: In den w(h)-Teilen unternahmen die SprecherInnen gerne Bewertungszuschreibungen („you know what’s funny is“, Günthner / Hopper 2010:16), Klassifikationen von Ereignissen oder Handlungen (im Englischen mit do und happen) und schließlich metakommunikative Rahmungen („was ich eigentlich damit sagen wollte“, Günthner / Hopper 2010:16). Schließlich lieferten die Autoren eine Erklärung dafür, warum die Pseudoclefts eine derart beliebte Ressource in der mündlichen Interaktion sind: Aufgrund der Speicherbeschränkungen unseres Gehirns haben sowohl Produzent als auch Rezipient einen enormen Zeit- und Handlungsdruck (Günthner / Hopper 2010:4). Um den Druck abzubauen, so die Autoren weiter, orientieren wir uns an „musterhaft vorgeprägten Strukturen“, also an festen Konstruktionen, welche die zeitgebundene Produktion und Rezeption erleichtern. Ein damit verbundener Vorzug besteht bei den Pseudocleft-Konstruktionen darin, dass die SprecherInnen durch den w(h)-Teil die Aufmerksamkeit der RezepientInnen wecken und sich damit das Rederecht sichern (Günthner / Hopper 2010:11).

Die Pseudoclefts im gesprochenen Französisch wurden bisher also eher vernachlässigt. Als Gegenbeispiel dafür ist auf die inzwischen zahlreichen Untersuchungen zu den Konjunktionen donc und alors zu hinzuweisen.[8] Klar wird dabei, dass die vorgestellten „Aufgabengebiete“ im mündlichen Diskurs weit über jene hinausgehen, die in den Standardgrammatiken dargelegt wurden. Um einen pointierten Überblick zu geben, möchte ich im Folgenden hauptsächlich auf die Ausführungen von Bolly / Degand (2009) eingehen, deren Aufsatz bietet nämlich eine übersichtliche Synthese des aktuellen Forschungsstandes.

Als Konjunktion besitzt donc zwar auch in der mündlichen Sprache die in den gängigen Grammatiken betonten syntaktisch-semantischen Funktionen (vgl. Bolly / Degand 2009:7f): Syntaktisch betrachtet ist donc ein Satzadverbial, das sich durch einen großen Spielraum bezüglich seiner Positionierung auszeichnet. Seine semantischen Eigenschaften hat donc darin, diskursive Einheiten in kausalen oder konsekutiven Bezug zu setzen und dem Redebeitrag so eine gewisse Kohärenz zu verleihen (vgl. Bolly / Degand 2009:15). Besonders ist nun aber, dass in der mündlichen Interaktion diese syntaktisch-semantischen Eigenschaften ergänzt werden (Bolly / Degand 2009:11), und zwar von den diskursiven Funktionen, welche donc besitzt: So wird donc erstens als Marker für Wiederholungen – sei es, um etwas zu rekapitulieren[9] oder sei es, um etwas zu reformulieren[10] –, zweitens als Marker für Turn-Wechsel[11] und drittens als Marker für Strukturierungen[12] gebraucht. Bolly / Degand (2009:13) merken dabei an, dass die aufgeführten Funktionen natürlich nicht trennscharf zu separieren und deshalb durchaus Überschneidungen möglich sind. Festhalten können wir: donc wird im gesprochenen Französisch multifunktional und vielseitig eingesetzt, die tatsächlichen Anwendungsgebiete gehen über diejenigen, die in den Standardgrammatiken präsentiert wurden, deutlich hinaus. donc ist insofern eher als Diskursmarker zu verstehen, der einzelne Diskurssegmente miteinander verbindet (Bolly / Degand 2009:3).

[...]


[1] Im Deutschen dagegen geschieht das in der geschriebenen Sprache einerseits durch eine leicht veränderte Satzstellung, in der gesprochenen Sprache andererseits mit einer verstärkten Intonation.

[2] Die Bezeichnung w(h)-Teil ist dem Englischen entlehnt, da hier der erste Teil des Satzes durch what, where oder who eröffnet wird; als Beispiel (nach Lambrecht 2001:467): „What I like is champagne.“

[3] Beide wurden sowohl als temporale Partikel wie auch als subordinierende Konjunktionen gebraucht, die als solche auf die Gleichzeitigkeit zweier Situationen hinweisen und eine gewisse Dauer zum Ausdruck bringen (M. Hansen 1997:163).

[4] Donc wurde auch synonym für alors und puis verwendet (vgl. Bon Usage 2008:1313).

[5] Als Beispiel nennt Hansen (1997:168): „Allons donc !“

[6] donc wird an dieser Stelle in einer Reihe mit konjunktionalen Ausdrücken wie beispielsweise par conséquent oder c’est pourquoi genannt.

[7] Zudem tritt alors häufig als alors que auf, durch welches der Sprecher sowohl eine Gleichzeitigkeit als auch eine gewisse Opposition impliziert (vgl. Le Bon Usage 2008:1482) – auf diese Erscheinungsform soll in unserer Betrachtung aber nicht weiter eingegangen werden.

[8] Zu nennen sind hier etwa Vincent (1993), M. Hansen (1997), Bolly / Degand (2009) und Pfänder (2010).

[9] donc kann in der Funktion beispielsweise ersetzt werden durch en bref oder durch en conclusion.

[10] In diesem Fall ist donc bedeutungsgleich mit Ausdrücken wie pour m’exprimer autrement oder pour être plus explicit.

[11] Diese Form ist prosodisch markiert, zum Beispiel in Form einer Gesprächspause.

[12] Alternativen für donc in dieser Funktion wäre pour parler d’autre chose, puis – und nicht zuletzt alors !

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Pseudocleft-Konstruktionen im Französischen in Ko-Okkurrenz mit den Diskursmarkern "donc" und "alors"
Hochschule
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg  (Romanisches Seminar)
Veranstaltung
Proseminar: Grammatik im Gespräch
Note
1,0
Autor
Jahr
2013
Seiten
17
Katalognummer
V233544
ISBN (eBook)
9783656505266
ISBN (Buch)
9783656505914
Dateigröße
596 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
pseudocleft-konstruktionen, französischen, ko-okkurrenz, diskursmarkern
Arbeit zitieren
Philipp Freyburger (Autor), 2013, Pseudocleft-Konstruktionen im Französischen in Ko-Okkurrenz mit den Diskursmarkern "donc" und "alors", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/233544

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