Gestalttherapie und ihre psychoanalytischen Wurzeln


Seminararbeit, 2000
16 Seiten, Note: Mit Erfolg

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

1.0 Geschichtlicher Hintergrund
1.1 Kunstverständnis des 19. und 20. Jahrhunderts
1.2 Entstehung der Psychoanalyse

2.0 Psychoanalyse und Gestalttherapie
2.1 Zusammenhang beider Therapiesysteme
2.2 Abgrenzung der Gestalttherapie von der Tiefenpsychologie

3.0 Modelle und Methoden
3.1 Zentrale Methoden
3.2 Gestalt- und Symbolbildung

Schlusswort

Literaturverzeichnis

Vorwort

Mit dieser Studienarbeit möchte ich einen, stark vereinfachten und gekürzten, Überblick über die "Therapie mit den bildenden Künsten" geben.

Die Ursprünge meiner Interesse für dieses Thema liegen nun zwei Jahre zurück, als ein Kunstlehrer der Fachoberschule mich und meine Klasse des öfteren im Kunstunterricht mit Bildern von geisteskranken Patienten konfrontierte. Herr Schönleber war an einer psychatrischen Anstalt als Kunsttherapeut tätig und löste in meiner Klasse häufig eine Diskussion über diese Behandlungsmethode aus.

Später beeinflusste mich diese Vorliebe für Kunst und Therapie bei der Wahl meines Studiums.

In diesem Semester bin ich durch die Vorlesung bei Frau Kilgert "Einführung in Malen und Zeichnen" erneut auf diese, in unserer Region nicht sehr verbreitete, Behandlungsmethode gestoßen. Das konkrete Thema dieses Referats war "die Farben der Seele", Kranker oder Künstler, oder die Ästhetik der Bilder.

Das ließ mich weiter nachforschen und als ich überraschenderweise sehr viel Literatur darüber entdecken konnte kam mir die Idee, dieses sehr breitgefächerte Thema der Gestalttherapie mit meinem ursprünglich gewählten Thema der Studienarbeit „die Psychoanalyse nach S. Freud" zu verbinden und somit gleichzeitig einzugrenzen. Allerdings muss ich darauf hinweisen, dass das große Angebot an Fachbüchern hauptsächlich in den Siebziger und Achtziger Jahren entstand und Zitate aus diesem Kontext von diversen Therapeuten sogar bis zu einem Jahrhundert zurückliegen können.

Aus der Gliederung geht schon hervor, dass ich nicht ausschließlich auf die psychoanalytisch orientierte Kunsttherapie eingehen, sondern sie auch im allgemeinen Kontext betrachten möchte.

Im allgemeinen ist noch hinzuzufügen, dass ich keine, bzw. nur sehr vereinfachte Erfahrungen mit dieser Behandlungsmethode gemacht habe und mich deshalb ausschließlich auf die von mir gewählte Fachliteratur berufen muss.

1.0 Geschichtlicher Hintergrund

1.1 Kunstverständnis des 19. Und 20. Jahrhunderts

Für die Entstehung von Symbolen, die in der Kunsttherapie von großer Bedeutung sind und im Kontext noch geklärt werden, ist die Entwicklung der bildenden Künste der letzten zwei Jahrhunderte ausschlaggebend.

Um 1800 kam es zu einer Wende in der Kunstgeschichte. Nicht mehr das perfekte kopieren des Realen war gefragt, vielmehr eine Idealisierung der Wirklichkeit. Diese Ansätze waren sogar in der Erziehung wieder zu finden. So war Friedrich Fröbel (1782-1852) der Auffassung, dass jeder Edukand von einem pietistisch[1] gereinigten Vorbild erzogen werden sollte (vgl. Menzen 1992, 43).

Es stand nun nicht mehr ausschließlich die Natur im Vordergrund der Bilder, sondern auch die Emotionen eines jeden einzelnen Künstlers. Daher spricht Menzen auch von einer „ästhetischen Gefühlserziehung". Durch die voranschreitende Industrialisierung werden auch in der Kunst andere Maßstäbe gesetzt. Neben dem handwerklichen Geschick bei bestimmten künstlerischen Techniken natürliche Gegebenheiten so umzusetzen wie sie sind, ist nun auch die (individuelle) Gefühlseinbindung bei Kunstwerken erwünscht, um dadurch neue, bzw. andere Sichtweisen bestimmter Thematiken zu vermitteln (vgl. Menzen 1992, 41).

Trotz der Verlagerung des Schwerpunktes ist in Bildern des 19. Jahrhunderts meist die Natur zu sehen. Der Drang sich die Umwelt untertan zu machen spiegelt sich in Kunstwerken aus dieser Zeit wider und man spricht daher vom sogenannten Realismus[2]. In Frankreich spaltete sich davon damals der Impressionismus[3] ab, der von Claude Monet geprägt ist (vgl. Meyer 1986, 301-304).

Um die Jahrhundertwende trat erstmals der Expressionismus[4] auf. Er stellt die Gegenform des Impressionismus, der farbenfrohen frühlinghaften Bilder dar.

Eine Art Protest sollte es sein, von einer Generation die mit ihrer Umwelt nicht mehr zufrieden war. Vor allem unmittelbar vor und nach dem ersten Weltkrieg entwickelte sich diese Kunstrichtung am extremsten. Franz Marc (1880-1916) beispielsweise zählt zu den bekanntesten deutschen Expressionisten (vgl. Meyer 1986, 308-311). „Man glaubte, in der Kunst der Neger, der prähistorischen Völker, aber auch der Kinder und der Geisteskranken solche elementare Lebensäußerungen zu sehen, und so vereinfachte man nur an Hand solcher Vorbilder die Formen und Farben bis ins Fetischmäßige, das Bild sollte schreien, das Krasse, Brutale, Stoßende galt für vital." (Meyer, 1986, 308).

In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ist die freie Entwicklung der Kunst zumindest in Deutschland nur sehr beschränkt vorangeschritten, sie wurde kontrolliert, unterdrückt und stand unter nazistischem Einfluss. Doch nicht nur die Weltkriege und der Totalitarismus, auch die Bildung der Großstädte und das explosionsartige Bevölkerungswachstum beeinflußten die Kunst (vgl. Meyer 1986, 316).

Somit entwickelte sich in den Zwanziger Jahren der Surrealismus[5]. Angeführt von der damals „modernen" Tiefenpsychologie, beabsichtigt er in die Gründe des Bewußtseins, bzw. des Unterbewußtseins zu gelangen. Es mögen wohl alles Abbilder der Wirklichkeit sein, und doch sind sie verzerrt und entfremdet, manchmal ironisierend und dämonisierend (vgl. Meyer 1986, 343).

Seit den Fünfziger Jahren kann keine einheitliche Kunstrichtung mehr angegeben werden. Es tritt eine Art Individualisierung auf, die Künstler versuchen ihr eigenes Ich zu finden, sich in ihren Kunstwerken zu verwirklichen. Somit etablierten sich Aktionskünstler wie z.B. Joseph Beuys und auch Pop – Art – Künstler wie z.B. Andy Warhol.

Heute hat sich der Kunstbegriff hauptsächlich auf Gebrauchsgegenstände verlagert und ist nun zum Beispiel auch für Schaufensterdekorationen und Verpackungen zu verstehen (Meyer 1986, 351).

1.2 Entstehung der Psychoanalyse

Die Psychoanalyse[6] wurde erstmals von Sigmund Freud (1856-1939) ins Leben gerufen. Sein Werk war in den Anfängen natürlich nicht so konkret wie es heute ist. Es entwickelt sich sogar über ein Jahrhundert später noch weiter.

Das grundlegenste aber waren für Freud die Schichten des Bewußtseins. Sie bestehen aus dem Bewußten, Vorbewußten und Unbewußten. Mit bewußt sind Vorstellungen, Gedanken und Wahrnehmungen gemeint, die eine Person bemerkt, bzw. zu der sie unmittelbaren Zugang hat. Vorbewußt sind seelische Vorgänge die man nicht spontan weiß, aber durch Bemühungen wieder bewußt werden können. Unbewußt sind seelische Vorgänge dann, wenn sie nicht mehr bewußt gemacht werden können, aber trotzdem das Verhalten und Erleben eines Menschen beeinflussen.

Bis ca. 1915 erforschte Freud Träume, Fehlleistungen, aber auch Neurotische Erkrankungen und entwickelte die Therapieform der „Bewußtmachung des Unbewußten". Heute spricht man von der präpsychoanalytischen Periode da dies den Ausgangspunkt der Psychoanalyse bedeutete (vgl. Kraft 1984, 12 f.).

Ein weiter bedeutender Schritt in der Entwicklung der Psychoanalyse waren die Basisannahmen der Persönlichkeitstheorie die dadurch begründet ist, dass menschliches Verhalten durch Triebe erzeugt und gesteuert wird. Neben Eros[7] und Thanatos[8] streben alle Triebwünsche nach Lustgewinn, bzw. Spannungsreduktion.

Des weiteren resultierten daraus der Sexualtrieb und der Aggressionstrieb. Die Theorie des Sexualtriebs wird im Phasenmodell der psychosexuellen Entwicklung des Menschen genauer erläutert ( vgl. Kraft 1984, 13).

Die Orale Phase durchläuft der Mensch etwa im ersten Lebensjahr. Dabei stellt der Säugling über den Mund (Saugen, Nahrungsaufnahme) und die Haut erste Beziehungen zur sozialen Umwelt her. Das Urvertrauen, bzw. das Urmisstrauen entsteht.

[...]


[1] Pietismus: „seit dem 17.Jhdt eine evangelische Bewegung zur Erneuerung der Kirche und des religiösen Lebens im Sinne einer gefühlsbetonten Frömmigkeit und der Nächstenliebe" (Hermann 1996, 734)

[2] Realismus: „wirklichkeitsgetreue Darstellungsweise" (Hermann 1996, 777)

[3] Impressionismus: „...Stilrichtung der bildenden Kunst, der Literatur u. der Musik um 1900, deren

Vertreter persönliche Eindrücke und Stimmungen[...] wiedergeben." (Drosdowski 1989, 756)

[4] Expressionismus: „[...] im Gegensatz zum Impressionismus stehende (Stil)richtung der Literatur, bildenden Kunst und Musik ..." (Drosdowski 1989, 474)

[5] Surrealismus: „... künstlerische Richtung, die das Überwirkliche, Traumhafte, Unbewußte darzustellen sucht." (Hermann 1996, 904)

[6] Psychoanalyse: „(griech.Seelenzergliederung), galt als Bezeichnung für ein Heilverfahren bei seelischen Störungen. Heute steht dieser Begriff für eine umfassende Persönlichkeitstheorie, die das menschliche Verhalten und Erleben aufgrund unbewußter seelischer Kräfte und Antriebe erklären will." (Wörner 1998)

[7] Eros: Lebenstrieb

[8] Thanatos: Todestrieb

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Gestalttherapie und ihre psychoanalytischen Wurzeln
Hochschule
Fachhochschule Regensburg  (Sozialwesen)
Veranstaltung
Einführung in das Studium der Sozialen Arbeit - Anleitung zum wissenschaftlichen Arbeiten
Note
Mit Erfolg
Autor
Jahr
2000
Seiten
16
Katalognummer
V23798
ISBN (eBook)
9783638268424
Dateigröße
429 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Gestalttherapie, Wurzeln, Einführung, Studium, Sozialen, Arbeit, Anleitung, Arbeiten
Arbeit zitieren
Iris Hackermeier (Autor), 2000, Gestalttherapie und ihre psychoanalytischen Wurzeln, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/23798

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