In The Name Of The Father - Realität und Fiktion


Seminararbeit, 2004
23 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Historischer Hintergrund
2.1 Von den Anfängen bis Mitte des 20. Jahrhunderts
2.2The Trouble’
2.3 Konflikttheoretische Überlegungen

3. Filmanalyse
3.1 Sozilogische Filminterpretation
3.2 Filmindustrie (Nord)Irlands
3.3 Der Regisseur Jim Sheridan
3.3.1In the name of the father”
3.3.1.1 Filminhalt und Hintergrundinformationen
3.3.1.2 Darstellungen des Konflikts/ der Konfliktparteien
3.3.1.3 Realität und Film

4. Ausblick

1. Einleitung

In unzähligen Büchern, Aufsätze und Hausarbeiten wurde der Nordirlandkonflikt bereits umfassend, auf eine bestimmte Fragestellung fokussiert, zusammenfassend oder anderweitig dargestellt. Daher wollte ich mich nicht ausschließlich mit der Darstellung des Konflikts in meiner Arbeit befassen. Da ich in meinem Hauptfach Kommunikationswissenschaften studiere, interessieren mich insbesondere mediale Aspekte des Nordirlandkonflikts: zum Beispiel Wie wird der Konflikt in den Medien behandelt ? Da eine ausführliche Inhaltsanalyse den Rahmen dieser Hausarbeit bei weitem überschreiten würde, habe ich mich schließlich einem Medium, dem Spielfilm zugewandt. Ein weltweit erfolgreicher Film Anfang der Neunziger Jahre war In the name of the father von Jim Sheridan. Der Film basiert auf einer wahren Begebenheit und handelt von einem zu unrecht verurteilten Iren, dem ein IRA-Attentat im Jahr 1974 angelastet wird. Der vielfach ausgezeichnete irische Regisseur Jim Sheridan ist für seine kritischen Filme, die in Nordirland spielen bekannt.

Ziel dieser Arbeit ist die Darstellung des Nordirlandkonflikts in dem Film In the name of the father herauszuarbeiten: kritisiert der Film bestehende Herrschaftsverhältnisse, welches Verhältnis besteht zwischen Fiktion und Realität, liegt dem Film eine Botschaft zugrunde, die sich auf den Nordirlandkonflikt bezieht, welche öffentliche oder politische Bedeutung kann dem Film zugesprochen werden?

Die Filminterpretation folgt keiner intensiven Inhaltsanalyse, die beispielsweise Sequenzprotokolle einschließt und auf ästhetische Aspekte eingeht. Vielmehr wird der Film, angelehnt an den soziologischen Zugriff als Methode[1], untersucht.

Zunächst erfolgt ein historischer Abriss des Nordirlandkonflikts, daran schließt sich ein kurzer Abschnitt mit einigen konflikttheoretischen Überlegungen an. Den zweiten Teil der Arbeit bildet ein Überblick über die Filmindustrie (Nord)Irlands, die Vorstellung des Regisseurs Jim Sheridan und schließlich die Analyse des Films: nach Filminhalt und einigen Hintergrundinformationen, werden die filmische Darstellung des Nordirlandkonflikts und schließlich das Verhältnis von Realität und Fiktion untersucht.

2 Historischer Hintergrund Nordirlandkonflikt

2.1 Von den Anfängen bis Mitte des 20. Jahrhunderts

Die Wurzeln des Nordirlandkonflikts reichen bis ins 12. Jahrhundert zurück, als die anglo-normannischen Eroberer und die englischen Siedler nach Irland kamen. Der entscheidende Moment war damals die britische Präsenz in Nordirland, die mit der Krönung Heinrichs VIII. zum König von Irland und der damit verbundenen normannischen Invasion Mitte des 12. Jahrhunderts ihren Anfang nahm. In den folgenden Jahrhunderten scheiterten zahlreichen Befreiungsversuchen von Seiten der irischen Bevölkerung.

Zu Beginn des 18. Jahrhunderts erließen die regierenden Protestanten im Dubliner Parlament die so genannten Penal Lawl, die auch unter dem Namen Penal Cod bekannt wurden und ein apartheid-ähnliches System in Irland etablierten. Die Gesetze zielten darauf, den Einfluss der katholischen Kirche zu beschränken und den politischen sowie wirtschaftlichen Einfluss der Katholiken einzugrenzen:

„Es wurde ihnen untersagt, ein Parlamentsmandat auszuüben und Ämter in Regierung und Verwaltung zu besetzen. Auch der Zugang zur Armee und den juristischen Berufen blieb ihnen verwehrt, da diese den Eid auf die protestantische Staatskirche voraussetzten.“[2]

Den irischen Katholiken wurde die Übernahme protestantischen Besitzes nach einer Heirat oder Erbschaft verwehrt. Im Todesfall musste das Land unter den Söhnen der katholischen Eltern aufgeteilt werden. Dies zog eine fortschreitende Zersplitterung des Landes in immer kleinere unrentable Einheiten nach sich.[3] In allen Jahrhunderten, vor allem im 19. und 20. Jahrhundert, gab es zahlreiche Befreiungsversuche der irischen Bevölkerung, die jedoch alle, abgesehen vom englisch-irischen Krieg 1919-1921, scheiterten.

Arthur Griffith gründete Anfang des 20. Jahrhunderts die Partei Sinn Féin (Wir allein). Bei den britischen Unterhauswahlen im Jahr 1918 konnte Sinn Féin die meisten der irischen Sitze einnehmen. 1919 konstituierten sich die für das englische Parlament gewählten Abgeordneten der Sinn Féin Partei ohne Anerkennung Großbritanniens als irisches Parlament und riefen die Republik aus. Die Unabhängigkeitserklärung führte schließlich zum Ausbruch des englisch-irischen Krieges. Der Krieg dauerte 3 Jahre, erst im Jahr 1922 schloss Großbritannien im Dáil Eireann, dem irischen Parlament, den anglo-irischen Friedenvertrag. Das seit Juli 1921 bestehende nordirische Parlament in Belfast sprach sich im Dezember 1922 für den Verbleib bei Großbritannien aus. Im Jahr 1923 wurde dem Freistaat Irland die eingeschränkte Souveränität zugestanden. Die vorläufige Grenze zu Nordirland wurde 1925 von den beteiligten Parteien anerkannt. Der Staat Nordirland war damit quasi künstlich geschaffen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Staatsgrenze wurde so festgelegt, dass eine protestantische Bevölkerungsmehrheit innerhalb Nordirlands gegeben war. [4] Im neu gegründeten Nordirland gab es von Anfang an kein normales Parteienspektrum und keine integrierte Gesellschaft. Das neue Stormont-System[5] war nur formal-demokratisch mit freien Wahlen. Aufgrund der festgelegten protestantischen Mehrheit gab es faktisch jedoch einen Einparteienstaat. Nordirland wurde gegründet, um den Unionisten[6] einen eigenen Staat innerhalb des UK zu geben und ihre Vorherrschaft gegenüber den irischen Nationalisten zu sichern. Die Segregation der Gesellschaft war bereits seit 1921 gefestigt: Von Anfang an galt die katholische Bevölkerung als potentiell nationalistisch eingestellt und damit als staatsfeindlich[7]

Die katholische Bevölkerung Nordirlands wurde fortan von der Regierung unterdrück: seit den Zwanzigerjahren besaßen die Unionisten in allen Wahlkreisen die Mehrheit, was auf ein bestimmtes Mehrheitswahrecht und die Festlegung der Wahlkreise zurückzuführen war. Ferner wurden den Katholiken der Zugang zu einer höheren Bildung versagt. Die neue Nordirische Polizei, die fast ausschließlich aus Protestanten bestand (Royal Ulster Constabulary/RUC), schützte die katholische Bevölkerung nur zögernd vor loyalistischen Übergriffen; Sie versteht sich bis heute noch als Einheit zum Antiterrorismus.[8]

Nachdem sich Irland im Jahr 1949 mit dem Ausscheiden aus dem Commonwealth von dem UK endgültig trennte, sichert die britische Regierung den Unionisten in Nordirland ihre politische Unterstützung (Republic of Ireland Act) zu.[9]

2.2 ‘The Troubles’

Um ausländische Investitionen in die nordirische Wirtschaft anzuwerben, entschärfte der liberale Unionist Terence O’Neill, Premierminister Nordirlands 1963, die offensichtlichen Diskriminierungen gegen die katholische Bevölkerung und leitete die ersten Schritte zur Reform des Stormont-Systems ein. Dies geschah jedoch gegen den Willen einiger Unionisten und führte schließlich zur Spaltung O’Neills Partei: Ian Paisley gründete die extremistische Democratic Unionist Party (DUP), die den Ängsten der Loyalisten Ausdruck gab. In der katholischen Bevölkerung wuchs derweilen der Unwillen: Protestbewegungen mit der Forderung nach Gleichberechtigung konnte nicht mehr unterdrückt werden. 1967 formierte sich die Northern Ireland Civil Rights Association (NICRA), die forderte, das Wahlrecht minderheitengerecht zu reformieren und die Diskriminierungen gesetzlich zu bekämpfen. Bei den Unionisten rief dies einen heftigen Widerstand hervor. Die nun einsetzende Phase des Nordirlandkonflikts wird heute als „The trouble[10] bezeichnet.

Viele Protestmärsche der katholischen Bürgerrechtler wurden durch Loyalisten und die RUC in den folgenden Jahren verboten, während es den Unionisten jederzeit erlaubt war zu demonstrieren. Zum Ausbruch der Troubles kam es schließlich im Oktober 1968, als das Fernsehen zum ersten Mal die gewaltsame Auflösung eines katholischen Protestmarsches sendete, bei der sich die aufgestaute Wut beider Seiten entlud. Die Situation geriet in den kommenden Monaten immer weiter außer Kontrolle, so dass der Premierminister O’Neill im April 1969 von den Loyalisten zum Rücktritt gezwungen wurde und die neue radikale Stormont-Regierung an die Macht kam. In dieser Zeit beginnt die bis heute ungebrochene ‚Tradition‘ der Straßenkämpfe zur Marschsaison.[11]

Seit Anfang der Siebzigerjahre übernahm die Irish Republican Army (IRA)[12] langsam die Polizeifunktionen in den katholischen Ghettos größerer Städte. Ziel war damals vorerst die Bevölkerung vor den Übergriffen radikaler Loyalisten zu schützen. Zur gleichen Zeit wurde die erste moderate nationalistische Partei des nordirischen katholischen Mittelstands, die Social Democratic and Labour Party (SDLP), gegründet. Die Ulster Defence Association der Loyalisten, wurde indessen als eine Art Bürgerwehr gegen die IRA ins Leben gerufen.

Als Bloody Sunday[13] ging der 30. Januar 1972 in die Geschichte des nordirischen Konflikts ein. An diesem Tag eskalierte die Gewalt während eines ungenehmigten Bürgerrechtsmarsches der Katholiken.

Vergeblich bemühten sich die Parteien in den darauf folgenden Jahren um eine Entspannung des Konflikts; immer wieder scheiterten die Friedenspläne am Widerstand der Hardliner aus beiden Lagern. Den Alltag bestimmte die Gewalt auf den Straßen und der neu hinzugetretene organisierte und politische Terrorismus. Auch Great Britain wurde vor allem um 1976 zum Ziel von Terroranschlägen der IRA, die das Bild Nordirlands in der internationalen Presse zukünftig dominieren sollten.[14]

Protestaktionen inhaftierter IRA-Aktivisten, wie z.B. der tödliche Hungerstreik von Bobby Sands, erregen internationales Aufsehen Anfang der Achtzigerjahre. Der Status der IRA Gefangenen als Kriegsgefangene sollte kurze Zeit zuvor aberkannt werden. Mit ihrem Hungerstreik wollten die Protestler die Wiedereinführung des Status als politische Gefangene aufrechterhalten. Untersuchungsberichte decken indessen Entwürdigung und Folter in den Diplock Courts[15] auf. Weitere Justizskandale prägten das Ende der Achtzigerjahre, welche wiederum Gewaltausbrüche auf den Straßen und Terroranschläge nach sich zogen.

Im November 1993 bot die IRA dann überraschend einen Waffenstillstand an, um die Teilnahme der Sinn Féin, politischen Flügel der IRA, an den beginnenden Verhandlungen zwischen Großbritannien, Irland und allen nordirischen Parteien (Three Strands Talks) zu erwirken. Mit Beginn der Gespräche, einschließlich Sinn Féin, ruft die IRA im August 1994 erstmals einen Waffenstillstand aus.

Der Friedensprozess konnte in den folgen Jahren jedoch keine Erfolge verzeichnen. Erst als der britische Premier Tony Blair dem Sinn Fein-Vorsitzenden Adams 1997 symbolisch die Hand reichte, wurden die Friedensgespräche im Januar 1998 wieder aufgenommen und mit einem ersten Allparteien-Abkommen (Good Friday Agreement) abgeschlossen. Dieses enthielt umfassenden Regelungen über die Beziehungen innerhalb Nordirlands, zwischen Nordirland und Irland, sowie zwischen Irland, Nordirland und dem UK.[16]

[...]


[1] Werner Faulstich stellt in seinem Werk „Die Filminterpretation“ sechs Methoden der Filminterpretation vor, wobei die sozilogische Filminterpretation den Film in seinen gesellschaftlichen Kontext setzt.

[2] Schulze-Marmeling, Dietrich (Hrsg.) 1996: Nordirland: Geschichte, Landschaft, Kultur, Touren, Göttingen: Verlag die Werkstatt, S. 26.

[3] vgl.: http://www.derriere.de/Irland/Irland_1.2.htm

[4] vgl: http://www.derriere.de/Irland/Irland_7.htm

[5] Schloss Stormont in Belfast war bis 1972 Sitz der Regierung und des Parlaments von Nordirland. Das Stormont-System war Ausdruck uneingeschränkter protestantischer Vorherrschaft.

[6] Politische Tendenz, die für die Union Nordirlands mit England und die Erhaltung der Teilung Irlands eintritt

[7] vgl: http://www.histinst.rwth-aachen.de/default.asp?documentId=118

[8] Bis heute ist keine andere Polizeistreitmacht in Europa so häufig von der Europäischen Kommission für Menschenrechte und dem Europäischen Gerichtshof verurteilt und für schuldig befunden worden, gegen Menschenrechte verstoßen zu haben, wie die RUC.

[9] vgl: http://www.histinst.rwth-aachen.de/default.asp?documentId=118 (Historisches Institut der RWTH Aachen)

[10] 1968 Beginn der Unruhen (“The troubles”) in Nordirland

[11] vgl: http://www.histinst.rwth-aachen.de/default.asp?documentId=118

[12] Irish Republican Army: Bis 1922 wesentliche Kraft im militärischen Kampf um die Unabhängigkeit Irlands. Danach Weiterführung des Kampfes mit militärischen Mitteln. 1969 Spaltung in Official und Provisional IRA.

[13] 1972 'Bloody Sunday' im nordirischen Derry: Britische Truppen erschießen 14 unbewaffnete Demonstranten. Das Belfaster Parlament wird aufgelöst, Nordirland wurde seitdem von London aus direkt regiert.

[14] vgl.: http://www.histinst.rwth-aachen.de/default.asp?documentId=118

[15] Diplock Courts: Sondergerichte, in denen ein Einzelrichter ohne eine Jury von Geschworenen Urteile fällt.

[16] vgl.: http://www.histinst.rwth-aachen.de/default.asp?documentId=118

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
In The Name Of The Father - Realität und Fiktion
Hochschule
Universität Erfurt  (Staatswissenschaftliche Fakultät)
Veranstaltung
Konflikte, Krisen, Kriege
Note
1,0
Autor
Jahr
2004
Seiten
23
Katalognummer
V24178
ISBN (eBook)
9783638271073
ISBN (Buch)
9783656447580
Dateigröße
692 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Ziel dieser Arbeit ist die Darstellung des Nordirlandkonflikts in dem Film In the name of the father zu analysieren. Zunächst erfolgt ein historischer Abriss des Nordirlandkonflikts, daran schließen einige konflikttheoretischen Überlegungen an. Den zweiten Teil der Arbeit bildet ein Überblick über die Filmindustrie (Nord)Irlands und schließlich die Analyse des Films, insbesondere des Verhältnisses zwischen Realität und Fiktion.
Schlagworte
Name, Father, Realität, Fiktion, Konflikte, Krisen, Kriege
Arbeit zitieren
Nadine Urban (Autor), 2004, In The Name Of The Father - Realität und Fiktion, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/24178

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