Zoon Politikon Wolfgang Koeppen

"Das Treibhaus" als politischer Roman eines politischen Autors wider Willen


Hausarbeit, 2013
15 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Das Treibhaus als politischer Roman und Wolfgang Koeppen als politischer Autor
2.1 Der historische Kontext als Rahmenhandlung eines Schlüsselromans?
2.2 Die Romanfigur als Gegenentwurf des Bonner Politikers
2.3 Zoon Politikon Wolfgang Koeppen

3 Resümee- Ein Kulturkritiker seiner Zeit

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Die Romane Tauben im Gras, Das Treibhaus und Der Tod in Rom des Schriftstellers Wolfgan­g Koeppen gehören zu der sogenannten Trilogie des Scheiterns und zählen zu bedeutenden Werken der Nachkriegsliteratur Deutschlands der 1950er Jahre. Sie befassen sich mit der gesellschaftlichen Gegenwart der noch jungen Bundesrepublik in Bezug auf den zu der Zeit noch nicht lange zurückliegenden 2. Weltkrieg. Die Auseinandersetzung mit der Realität seiner Zeit beschreibt Koeppen in seinen drei Romanen kritisch, sodass seine Werke, insbesondere Das Treibhaus, als Zeugnisse der zeitgenössischen Kulturkritik durch den Schriftsteller gesehen werden können. [1]

Die folgende Arbeit befasst sich mit dem Roman Das Treibhaus von 1953, den ich anführen werde, um herauszuarbeiten, wie Wolfgang Koeppen durch die Hauptfigur seines Buches, Felix Keetenheuve, als politischer Autor seine eigenen kritischen Gedanken zum politischen System der BRD während der sogenannten Adenauer-Ära äußert.

Es wird dargelegt wie seine Romanfigur eine reflexive Auseinandersetzung Koeppens mit sich selbst und seiner Rolle während des Dritten Reiches ist und wie diese Auseinandersetzung den Schriftsteller zu einem „politischen Autor“ oder zum Zoon Politikon macht. Die zugrunde liegende Definition des Zoon Politikon, „[…] daß der Mensch von Natur [aus] ein staatenbildendes Lebewesen ist […]“ [2], entnehme ich dem Werk Der Staat als natürliche Voraussetzung glücklichen Lebens.

Es werden Interviews mit Koeppen angeführt, die er bis zu seinem Tod 1996 geführt hat und die sich explizit auf den Roman Das Treibhaus, seiner Intention und auf die Charakterisierung Keetenheuves beziehen.

Kulturkritische Aspekte, wie sie Tilman Ochs in seiner Dissertation Kulturkritik im Werk Wolfgang Koeppens zusammenstellt, sollen den Zusammenhang zur Figur Keetenheuve und Koeppens empirischen Ich herstellen.

Es werden keine Vergleiche zu den beiden anderen Werken angestellt, sodass die folgende Arbeit ausschließlich von dem erstmals 1953 erschienen Werk über die Politik der Bonner Republik handelt. Die Kritik an der deutschen Gesellschaft bzw. Politik und seiner Akteure sollen Gegenstand einer Analyse des politischen Verständnisses Koeppens sein, in dem er seine fiktive Figur Keetenheuve als einen „Beobachter in der Menge“ [3] konzipiert. Es wird dargelegt, wie dies durch die anfängliche Interpretation des Buches als Schlüsselroman geschieht und warum Das Treibhaus kein authentischer Roman über die junge BRD ist.

Es ist daher erhellend, dass die vorliegende Arbeit Das Treibhaus als politischen Roman behandelt, da das Werk Ereignisse mit kritischer Intention als Gegenstand für aktuelle politische Auseinandersetzungen aufgreift [4], die im folgenden Kapitel erläutert werden. Außerdem ist er „frei von gesellschaftlichen Zwecken“ [5], weil er Kritik an der bundesdeutschen Gesellschaft und Politik äußert und „substantiell antiideologisch“ [6] ist. Damit zählt der Roman eindeutig zur Politischen Literatur.

2 Das Treibhaus als politischer Roman und Wolfgang Koeppen als politischer Autor

2.1 Der historische Kontext als Rahmenhandlung eines Schlüsselromans?

Die Rahmenhandlung des Romans Das Treibhaus ist die Wiederbewaffnung der BRD nach dem 2. Weltkrieg. Die Pläne dazu stießen auf großen Widerstand, da die Menschen zu jener Zeit wegen der Erfahrungen des Dritten Reiches antimilitaristisch eingestellt waren. Vor allem die beiden Volksparteien SPD und CDU waren gegensätzlicher Auffassung über die Frage, ob es moralisch zu verantworten sei, dass die neue Bundesrepublik über eine Armee verfügen sollte. [7]

Diese Frage stellt sich auch Wolfgang Koeppen in seinem Roman. Koeppen, der wie aus dem Roman herauszulesen, gegen eine Wiederbewaffnung Deutschlands war, sah darin eine Gefahr für die junge Demokratie und beschrieb seine Sorge folgendermaßen:

„Ich bin ein Demokrat, aber ich sehe die Zukunft der Demokratie nicht. Sie bringt sich selber um. Und es sind große Gefahren da, daß wieder irgendwo in irgendeinem Land, es muß diesmal nicht Deutschland sein, und ich hoffe, daß es nicht Deutschland ist, wieder die starken Männer auftauchen, die dann das Unglück vollenden und wahrscheinlich die endgültige Zerstörung dessen, was man die abendländische Zivilisation genannt hat.“ [8]

Die Installation eines Heeres sah die Adenauer-Regierung jedoch als weiteren Schritt zur Souveränität gegenüber den Besatzermächten und als Reaktion auf den sich verschärfenden Ost-West-Konflikt der 1950er Jahre; Umstände, denen schließlich auch die SPD, im Roman als Opposition bezeichnet, nachgab und zustimmte. [9]

Generell beschreibt der Autor in seinem Werk die Politik der Regierung unter Konrad Adenauer kritisch. Die Arbeit der Abgeordneten ist von der Bevölkerung abgeschottet. Der Bezugsverlust zur Realität und zum Volk bemerkt Koeppen in seinem Roman kritisch, da seine Romanfigur charakteristisch ein Gegengewicht darstellt.

So weist schon der Titel auf die Arbeit der Politiker im Parlament hin, welches er als „Treibhaus“ bezeichnet, in dem die undurchsichtigen Beschlüsse und Machenschaften „als leere Rituale von Egoismus und Gewinnsucht als Symptome von Intrigen und Korruption“ [10] gekennzeichnet sind.

[...]


[1] Vgl. Tilmann Ochs/Peter J. Brenner (Hg.): Kulturkritik im Werk Wolfgang Koeppens. Münster 2004, S. 226.

[2] Aristoteles: Der Staat als natürliche Voraussetzung glücklichen Lebens. In: Norbert Hoerster (Hg.): Klassische Texte der Staatsphilosophie, München 1976, S.49.

[3] Wolfgang Koeppen/Hans-Ulrich Treichel (Hg.): "Einer der schreibt". Gespräche und Interviews. Frankfurt a.M. 1995, S.132.

[4] Vgl. Metzler Lexikon Literatur. Begriffe und Definitionen. Hg. v. Dieter Burdorf, Christoph Fasbender, Burkhard Moenninghoff. 3. Aufl. Stuttgart, Weimar 2007, S. 597.

[5] Ebd.

[6] Josef Quack nach Karl Heinz Götze: Wolfgang Koeppen: „Das Treibhaus“. Text und Geschichte. München 1985, S. 119.

[7] Vgl. Bernhard Fleckenstein: „50 Jahre Bundeswehr“. In: Aus Politik und Zeitgeschichte. 55. Jahrgang, Heft 21/2005, S. 6.

[8] Koeppen/Treichel: "Einer der schreibt", 1995, S. 52.

[9] Vgl. Fleckenstein: 50 Jahre Bundeswehr, 2005, S. 6f.

[10] Günter Häntzschel/Hiltrud Häntzschel: Wolfgang Koeppen. Leben und Wirkung. Frankfurt a.M. 2006, S. 95.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Zoon Politikon Wolfgang Koeppen
Untertitel
"Das Treibhaus" als politischer Roman eines politischen Autors wider Willen
Hochschule
Bergische Universität Wuppertal
Note
1,7
Autor
Jahr
2013
Seiten
15
Katalognummer
V262904
ISBN (eBook)
9783656517160
ISBN (Buch)
9783656517207
Dateigröße
489 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Wolfgang Koeppen, Nachkriegsliteratur, politischer Roman, politischer Autor, Das Treibhaus, Kulturkritik
Arbeit zitieren
Thomas Bausch (Autor), 2013, Zoon Politikon Wolfgang Koeppen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/262904

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