Remarque, Jünger und der Erste Weltkrieg. Literatur der Schützengräben


Fachbuch, 2013
225 Seiten

Leseprobe

Inhalt

Stefan Lochner (2004): Erinnerung an den Ersten Weltkrieg in der Literatur der Weimarer Republik. Am Beispiel von Ernst Jüngers „In Stahlgewittern“ (1920) und Erich Maria Remarques „Im Westen nichts Neues“ (1929)
Einleitung
Erinnerung an den Ersten Weltkrieg in der Literatur der Weimarer Republik
Schluss
Bibliographie

Georg Fichtner (2006): Ernst Jünger - Ausbruch aus dem ennui
Einleitung
Biographie Ernst Jüngers
Der „ennui“
Die Zerstörung der alten Ordnung
Gibt es Werte für Ernst Jünger?
Die Abgrenzung vom „normalen“ Soldaten
Objektivität im Krieg
Der Sieg ist unwesentlich
Fazit
Quellenangaben:

Reinhard Kessler (2004): Beobachtung und Verarbeitung –Der Widerspruch zwischen Erwartung und Realität in Ernst Jüngers „In Stahlgewittern“
Einleitung
Ernst Jünger im Widerstand gegen die bürgerliche Gesellschaft
Die Perspektive des Beobachters
Die Perspektive der Verarbeitung
Schlussbetrachtungen
Literaturangaben

Marlon Drees (2004): Archaismus und Aufklärung in Ernst Jüngers „In Stahlgewittern“
Jünger und „Jünger“
Die kollektiven Körper
Natur und Technik
Orientierung im Labyrinth der Gräben
Die bare Existenz des Einzelnen
Schlusswort
Literatur

Andrea Benesch (2012): Die Inhumanität des Krieges in der Literatur. Analyse des Romans „Im Westen nichts Neues“
Einleitung
Analyse des Romans „Im Westen nichts Neues“
Fazit
Literaturverzeichnis

Rebekka Gruppe (2007): Der Wandel von Männlichkeit im Ersten Weltkrieg. Am Beispiel von Remarques „Im Westen nichts Neues“
Einleitung
Im Westen nichts Neues - eine historische Quelle?
Idealtypus des Mannes? Männlichkeiten im Wandel
Neue Männer nach der Front? Der Roman „Im Westen nichts Neues“
Fazit
Literaturverzeichnis

Julia Altmann (2008): Im Westen nichts Neues - Wirklich ein Antikriegsbuch?
Einleitung
Kriegs- oder Antikriegsbuch – Der Versuch einer Grenzziehung
Im Westen nichts Neues und das Konzept der Leerstelle
Fazit
Literaturangaben

Einzelpublikationen

Stefan Lochner (2004): Erinnerung an den Ersten Weltkrieg in der Literatur der Weimarer Republik. Am Beispiel von Ernst Jüngers „In Stahlgewittern“ (1920) und Erich Maria Remarques „Im Westen nichts Neues“ (1929)

Einleitung

Der Erste Weltkrieg, die „Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts“, nahm in der Erinnerungskultur der Weimarer Republik den zentralen Stellenwert ein. Der Schrecken des Kriegserlebnisses, die ungeheure Anzahl von Toten und Kriegsversehrten, die Entbehrungen der Bevölkerung, die totale militärische Niederlage mit der daraus folgenden Novemberrevolution und der Untergang der Monarchie bedurften einer Auseinandersetzung, Deutung und auch Sinngebung – sei es auf der politischen Ebene, in sozialen Bewegungen wie den Veteranenverbänden und Kriegsopferverbänden, in Denkmälern oder in der bildenden Kunst. Ein anderes zentrales Medium, um Sinngebungsfunktionen und die daraus folgenden gesellschaftlichen Orientierungen zu analysieren und zu verstehen, stellt die Literatur dar. Besonders gegen Ende der zwanziger Jahre wurde durch die Kriegsliteratur und dem sich auf sie beziehenden privaten oder literarisch-gesellschaftlichen Diskurs der Sinn des verlorenen Krieges neu erschlossen und scharf ausgefochten. Aus diesem Grund versuche ich die Erinnerung an den Ersten Weltkrieg am Beispiel der Kriegsliteratur der Weimarer Republik anhand einer Interpretation der Werke „In Stahlgewittern“ (1920) von Ernst Jünger[1], und „Im Westen nichts Neues“ (1929) von Erich Maria Remarque[2] darzustellen. Dabei werde ich mich vor allem auf die jeweilige Darstellung des Kriegserlebnisses beziehen, um dann die dem Text immanenten und intendierten Sinngebungen zu erläutern.

Schon während des Krieges, und im Besonderen in den folgenden Jahren der Weimarer Republik, herrschte ein enorm großes Bedürfnis der „Daheimgeblieben“ und der „Teilnehmer“ nach „authentischen“ und „wahrheitsgemäßen“ Kriegsschilderungen. Dieses Bedürfnis war nicht allein durch ein anfängliches Informationsinteresse oder Sensationslust zu erklären, sondern ist in erster Linie als ein Verlangen nach Interpretations- und Einordnungshilfe zu deuten. Es half, die Erlebnisse und Erfahrungen an der (Heimat)Front zu verarbeiten, ihnen einen individuellen Sinn zu geben und sie schließlich einem übergeordneten sinnvollen Ganzen zuzuordnen.[3] Welche Art von Kriegsliteratur schließlich von der Leserschaft zur Sinngebung „gewählt“ wurde, hat Helmut Müssener zusammengetragen, indem er die deutsprachige Kriegs- und Antikriegsliteratur anhand ihrer Auflagenhöhe, im Zeitraum von 1914 bis 1939 verglichenen hat. Er kam zu dem Ergebnis, dass zum großen Teil eine affirmative oder verherrlichende Literatur überwog und eine kriegskritische dagegen extrem unterrepräsentiert war. Geht man von einer Gesamtauflagenhöhe von 10.560.000 Büchern aus, die sich direkt mit dem Ersten Weltkrieg auseinandersetzten, stellte die bejahende Kriegsliteratur ungefähr 88%. Unter einer anderen Perspektive wird dies noch deutlicher, so waren gerade vier Autoren mit fünf Büchern in der Bestsellerliste von 66 Werken mit einer Mindestauflage von 50.000 vertreten, die Abstand vom verlorenen Krieg nahmen.[4] Natürlich ist diese Subsumierung allein unter den Kriterien „positiv-glorifizierend“ und „negativ-abwertend“ etwas zu vereinfachend und undifferenziert, um eine so große Anzahl von Werken adäquat zu fassen. Als erste Orientierung zeigen diese Zahlen jedoch sehr deutlich, dass der Krieg grundlegend bejaht, und damit eine positive Sinngebung, die im Detail natürlich variierte, aus dem Krieg gezogen wurde. Versucht man eine verkürzte Periodisierung bzw. Typisierung der episch-literarischen Auseinandersetzung mit dem Ersten Weltkrieg vorzunehmen, unter Verwendung eines weit gefassten Literaturbegriffs, ergibt sich folgendes Bild: In den Anfangsjahren herrschten Feldbriefpostanthologien und im besonderen die (zumeist tagebuchähnliche) Kriegsberichte vor, um den anfänglichen Bevölkerungswunsch nach „authentischen“ Nachrichten über das Kriegsgeschehen und den Kriegsverlauf zu befriedigen. Hier wären vor allem die Werke von Laienautoren der Reihe „Ullstein Kriegsbücher“ zu nennen, von denen die meisten eine enorm hohe Auflage erzielten und die sich später oftmals als „Jugendliteratur“ weiterhin größter Beliebtheit erfreuten, wie z. B. „Der rote Kampflieger“ (1917) von Manfred Freiherr von Richthofen.[5] In dieser „Tatsachenliteratur“ wurde der Krieg überwiegend als unentwegtes heroisches Abenteuer geschildert, in dem die Protagonisten „frisch-fromm-fröhlich-frei“ ihren Heldentod starben.[6] Ab 1918 ließen jedoch die Realitäten, die schon mit Beginn des Stellungskrieges diese Art von Kriegsdarstellung hätten hinfällig machen müssen, das Interesse an der berichtenden Kriegsliteratur endgültig erlöschen, mit dem militärischen Zusammenbruch, dem Ende der Monarchie und der Novemberrevolution versiegte es. Den Hauptteil machten nun bis zur beginnenden (scheinbaren) Stabilisierung der Weimarer Republik Ende 1923 die sog. Rechtfertigungsschriften aus, welche sich aus Offiziersmemoiren der hohen Offiziere des Generalstabes bzw. der Obersten Heeresleitung, wie z. B. „Aus meinem Leben“ (1920) von Paul von Hindenburg, den Regimentsgeschichten und den Offiziersmemoiren der Frontoffiziere zusammensetzten. Sie verfolgten die allgemeine Intention, im Nachhinein den Sinn des verloren Krieges zu retten und militärische Handlungen und Entscheidungen zu rechtfertigen.[7] Ging es bei den zuerst genannten in erster Linie um Legitimation, Exkulpation und Wiederherstellung von Reputation – durch die Negation persönlicher Schuld an der Art der Kriegsführung und militärischen Niederlage, durch das Nichteingestehen des militärischen Zusammenbruchs, durch eine Schuldzuweisung an die politische Ebene der Regierung, insbesondere an die SPD („Im-Felde-unbesiegt“ Mythos und „Dolchstoßlegende“) –, verfolgte die unübersehbare Zahl von Regimentsgeschichten eine kollektive militärische Traditionspflege.[8] Die Offiziersmemoiren der Frontoffiziere stellten wiederum andere Absichten in den Mittelpunkt, da sie keine strategische Gesamtverantwortung für den Krieg getragen hatten, konnten sie sich allein mit ihren Erfahrungen, Erlebnissen, Erfolgen und ihrem militärischen Aufstieg auseinandersetzen, ohne auf den objektiven Kriegsverlauf einzugehen.[9] Und so deuteten und mystifizierten sie den Krieg als Feld der Selbstverwirklichung zu einem höheren Dasein mit dem Leitbild des todesmutigen Frontoffiziers der durch den heroischen Kampf gestählt und gehärtet zum „neuen Menschen“ wurde, der Anerkennung verdiene, und, oftmals indirekt, im politisch-gesellschaftlichen Leben eine Vorbildfunktion einnehmen und den Wiederaufbau Deutschlands intensiv mitgestalten sollte.[10] Unter diesen Gesichtspunkten könnte man Ernst Jüngers „In Stahlgewittern“ grundlegend als Rechtfertigungsschrift eines Frontoffiziers sehen[11], da Jünger sein 1920 in Eigenvertrieb veröffentlichte Werk in der ersten Auflage noch folgendermaßen betitelte und damit eindeutig in diesen Kontext einordnete: „In Stahlgewittern. Aus dem Tagebuch eines Stoßtruppenführers. Von Ernst Jünger, Kriegsfreiwilliger, dann Leutnant und Kompanieführer im Füs. Rgt. Prinz Albrecht von Preußen (Hannov. Nr. 73)“[12]. Ab 1924 ging das allgemeine gesellschaftliche Interesse an Kriegsliteratur verhältnismäßig stark zurück, da die bisherige eher berichtende und darlegende Darstellung des Gegenstandes der Kriegstagebücher, Kriegsberichte, oder Offiziersmemoiren als Problemorientierung und Lösung für die neu aufkommenden Sinnfragen und Sinndeutungen immer weniger geeignet war.[13] An diese Stelle trat eine eher literarischere bzw. poetischere Bearbeitung des Kriegserlebnisses und eine verstärkte Reinterpretation aus der Perspektive des etwa zehnjährigen Abstandes vom Kriegsende. Diese Interpreationen lieferten, natürlich ebenso wie die vorangehenden Typen, für die Gegenwart „wahre Aussagen“ über den Krieg, wollten jedoch in erster Linie Krieg und Nachkriegsexistenz miteinander verbinden, um somit eine sinnstiftende Kontinuität zwischen diesen beiden Erlebnisbereichen herzustellen.[14] In dieser Verbindung zwischen der Vergangenheit des Krieges und der oftmals als problematisch empfundenen Gegenwart kam nun verstärkt die Absicht der zukünftigen gesellschaftlichen Antizipation zum tragen.[15] Der Kriegsroman fungierte nun am Ende der Weimarer Republik kurzfristig als ein entscheidendes Medium für die Darlegung weltanschaulicher, ideologischer und politischer Orientierungen.[16] Als Ausgangspunkt und entscheidender Durchbruch ist dabei die Veröffentlichung von Erich Maria Remarques Werk „Im Westen nichts Neues“ (1929)[17] anzusehen. Von Anfang an löste es, durch die propagierte Resignation und Sinnentleerung als Folge des Kriegerlebnisses der „verlorenen Generation“, eine enorm starke Diskussion in allen gesellschaftlichen Schichten und Kreisen der Weimarer Republik aus.[18] Eine Vielzahl von neuen Kriegsromanen entstand als Reaktion, wie die Werke von Verfechtern der „Konservativen Revolution“ bzw. des „Soldatischen Nationalismus“[19], die in dem Roman eine Provokation sahen, da sie das Kriegserlebnis zur sinnvollen Stiftung, und damit als Basis und Grundvoraussetzung, eines neuen (national-sozialistischen) Staates verwendeten: den Tod von Millionen, das Ausharren der Überlebenden, die aus ihrer Sicht darauf fußenden Werte wie Kameradschaft, Brüderlichkeit und Gemeinschaft[20]. Bei den sozialistischen bzw. marxistischen „Linken“ wurde Remarques Werk ebenfalls negativ bewertet, wenn auch nicht in der Schärfe und Polemik wie bei den „Rechten“. Er erntete Kritik von linker Seite, weil sein Konzept der Resignation, Sinnentleerung und des davon abgeleiten Pazifismus der linken Ideologie nach ins Leere lief. Die wahren Ursachen des Krieges, der Besitz des Bürgertums an den Produktionsmitteln in der kapitalistischen Produktionsweise wurden hierbei nicht berührt und kritisiert.[21] Als einer der ersten, aber vor allem als der marxistisch-proletarisch Kriegsroman schlechthin, ist in diesem Zusammenhang Adam Scharrers „Vaterlandslose Gesellen“[22] (1930) zu sehen.

Erinnerung an den Ersten Weltkrieg in der Literatur der Weimarer Republik

Ernst Jünger (1895-1998): „In Stahlgewittern“ (1920)

Die Darstellung des Kriegserlebnisses

Ernst Jünger meldete sich am 1. Oktober 1914 als Kriegsfreiwilliger. Wie Tausende anderer auch führte er „ein schmales Büchlein“ mit, um die „Dinge“, die er mit „höchster Neugier“ erwartete und „unwiederbringlich“[23] waren, aufzuschreiben und festzuhalten. Am Ende sollten diese Notizen und Aufzeichnungen, welche den Zeitraum vom Dezember 1914 bis September 1918 umfassten, auf 14 Hefte anwachsen und ihm als Basis von „In Stahlgewittern“ dienen. Die 20 chronologisch aufgebauten Kapitel, die zum größten Teil in einem dokumentatorischen und teilweise stakkatohaften Stil verfasst wurden und nur in kurzen Passagen epische Poetisierungen enthalten, folgen in ihrer inneren Struktur der Kreisbewegung des Kriegsalltags: Einsatz an der vordersten Linie, nach einigen Tagen Zurückversetzung in die Reserve, erneute Vorverlegung und wieder Einsatz im Gefecht oder in vorderster Linie[24], mit Unterbrechungen wie Ausbildungslehrgängen, Lazarettaufenthalten und kleineren abenteuerlich-komischen Anekdoten. Die Erzählperspektive ist durch einen „radikalen Subjektivismus“ gekennzeichnet, in der die individuellen Stationen des Kriegserlebnisses an der Westfront als die alleinigen Ausgangs- und Bezugspunkte für das Dargestellte dienen. Politische Deutungen und Reflektionen, wie z. B. über die Ursachen des Kriegsausbruches oder Kriegsziele und ihre Chance der Realisierbarkeit, oder Aussagen über die Heimatfront fehlen fast vollständig, ebenso wie Einschätzungen militärischer Strategien übergeordneter Wertigkeit. Im Zentrum steht allein das isolierte Individuum in Person Jüngers, welches die objektive Wirklichkeit des Krieges als gegeben und unangreifbar annimmt. In einem Prozess der Auseinandersetzung mit den An- und Herausforderungen dieser a-normischen Realität versucht es, ihnen gerecht zu werden und wächst an ihnen, um schließlich durch sie zu einer fast übermenschlichen Hybris zu gelangen. Am Ende steht der glanzvolle militärische Aufstieg eines mehrfach verwundeten kriegsfreiwilligen Soldaten zum Leutnant, Kompanieführer, bis hin zum Träger des höchsten Kriegsordens, des „Pour le Mérite“, als exemplarische Herausbildung eines Führertums.[25] Versucht man auf biographischer Ebene die individuelle Motivation für die freiwillige Verpflichtung Jüngers zu skizzieren kommt man vor allem auf die Stichworte: „Abenteuer“ und „Heroismus“. Getragen von einer auf Schul- und Elternhauskonflikten fußenden Jugend versuchte Jünger der Enge der als überkommen angesehenen bürgerlichen Gesellschaft und Normenwelt zu entfliehen – mit dem Ziel eines autonomen, abenteuerlichen und heroischen Lebensweges. Nachdem sein erstes Intermezzo bei der Fremdenlegion in einem Desaster endete, welches er nur dank der väterlichen Intervention überstand, ermöglichte der Ausbruch des Ersten Weltkrieges eine neue Bewährungsprobe.[26] So schreibt Jünger im ersten Kapitel von „In Stahlgewittern“:

„Wir hatten Hörsäle, Schulbänke und Werktische verlassen und waren in den kurzen Ausbildungswochen zu einem großen, begeisterten Körper zusammengeschmolzen. Aufgewachsen in einem Zeitalter der Sicherheit, fühlten wir alle die Sehnsucht nach dem Ungewöhnlichen, nach der großen Gefahr. Da hatte uns der Krieg gepackt wie ein Rausch. (...). Der Krieg musste es ja bringen, das Große, Starke, Feierliche. Er schien uns männliche Tat ... . „Kein schönrer Tod ist auf der Welt ...“ Ach, nur nicht zu Haus bleiben, nur mitmachen dürfen!“ (7)

Diese romantisch-idealistische Vorstellung wird jedoch schon im ersten Kriegstag teilweise desillusioniert, nachdem nach einem plötzlichen Granatenangriff mehrere Menschen getötet werden. Der Krieg hat „seine Krallen gezeigt und die gemütliche Maske abgeworfen“ (9). Diese unpersönliche Anonymität des modernen Krieges und die prinzipielle Zufälligkeit macht dieses „völlig außerhalb der Erfahrung liegendes Ereignis“ (9) zu einer „gespenstischen Erscheinung“ (9). Auch ist der eintönige Alltag des einfachen Soldaten kein „fröhliches Schützenfest auf blumigen, blutbetauten Wiesen“ (7), sondern ein „Maulwurfleben“ (12) in den Gräben voller „endlosen, ermüdenden Nachtwachen“ (13), Schmutz, Kälte, Nässe, Graben- und Schanzenarbeit und die zermürbende „Langeweile, die für den Soldaten entnervender als die Nähe des Todes ist“ (16) und die Sinne einschlafen lässt. Diese anfängliche Desillusionierung führt jedoch nicht zu einer Revidierung seines Heroismuskonzepts, der Realisierungswunsch des Traums eines heldenhaften Lebens in der Ausnahmensituation des Krieges bleibt, nur die romantischen Versatzstücke werden partiell ad acta gelegt, und an diese Stelle tritt eine realistischere und objektivere Einschätzung des Krieges.[27] Dies findet auch ihren Ausschlag in einer deskriptiven Genauigkeit, sei es bei den Beschreibungen des Stellungskampfes, der Materialschlachten, der Darstellung der prinzipiellen Zufälligkeit des Überlebens, der Verletzungen und des Todes. Um Letzteres zu illustrieren möchte ich auf eine kleinere Stelle, die leicht zu überlesen ist, hinweisen:

„Ein junger Mensch wälzte sich in einem Trichter, die gelbliche Vorfarbe des Todes auf den Zügen. Unsere Blicke schienen ihm unangenehm; mit einer gleichgültigen Bewegung zog er sich den Mantel über den Kopf und wurde still“. (27)

Für Remarque war Jüngers „wohltuende Sachlichkeit“[28] Vorbild für die Kriegsdarstellungen in „Im Westen nichts Neues“ und sogar marxistisch orientierte Schriftsteller wie Johannes R. Becher lobten das Werk als das „unbarmherzigste, das brutalste und nackteste Kriegsbuch“[29]. Dennoch ist das Werk voller Passagen, in welchen Jüngers romantisch-pathetischen Sichtweise weiterhin verstärkt vorherrschen, so z. B. in dem Kapitel „Gegen Inder“, in welchen in einer durch Kämpfen zerstörten Landschaft der Krieg dieser „heroische und schwermütige Lichter aufgesetzt“ (161) hat, „ohne seine Lieblichkeit zu zerstören“ (161). Des Weiteren verschiebt sich zum Teil seine subjektivistische Orientierung und wird um das übergeordnete Motiv der „Heimat“ erweitert, als ihm in einem Genesungsurlaub beim Anblick einer Landschaft „ein starkes Heimatgefühl“ (38) überkommt und resümiert: „Wie schön war doch das Land, wohl wert, dafür zu bluten und zu sterben“ (38). Auch scheint die als zu eng empfundene Wertewelt des Bürgertums weiterhin eine wichtige Rolle zu spielen. So dient die Frontgemeinschaft bzw. Kameradschaft zur Kompensation des Kriegsalltags. Das „Gefühl behaglicher Geborgenheit“ in Stellung mit Karten spielen, Rauchen, Essen, und Zechgelagen, „diese gemütlichen Stunden“ (71) wiegen in Jüngers „Erinnerung manchen Tag voll Blut, Schmutz und Arbeit auf “ (71). Mithin reicht dies auch in chauvinistische Dimensionen, wenn z. B. „nach glücklich bestandener Schlacht“ (159) den Toten „Trankopfer“ (159) zum Gedenken gebracht, und „scherzend die gemeinsamen Erlebnisse“ (159) besprochen werden. Als schließlich der „ersehnte Befehl“ (26) endlich in den Kampf zu ziehen, um die „Feuertaufe“ (27) bestehen zu können, erfolgt, wird dies folgendermaßen eingeleitet: „Ein Hurra flammte auf. Draufgängerstimmung erwachte“ (26). Nachdem ein erfahrener Soldat ihm bestätigt in ein „wirkliches Gefecht“ (33) beizuwohnen, empfindet er eine kindische „närrische Freude“ (33). Dieser erste Kampfeinsatz ermöglicht jedoch nicht die erhoffte Umsetzung von Heldenhaftigkeit, da er „keinen Gegner zu Gesicht bekommen“ (38) hat. Dem Zweikampf als höchste Form bzw. als „Gipfelpunkt des Kampfes“ (38) sieht er im „Erscheinen der Sturmwellen auf freien Felde“ (38) oder im Stoßtruppenunternehmen. Einerseits wird in dieser Situation des Angriffs der Zweikampf durch eine rationale und pragmatische Haltung der Anerkennung der grundlegendsten Realität des Kampfes, des Töten, jedoch unter dem Blickwinkel eines heroisch-tugendhaften Kampfethos, anerkannt, und gegen die Realitäten des modernen Krieges verteidigt. So schreibt er im Kapitel „Vom täglichen Stellungskampf“:

„Ich war im Kriege immer bestrebt, den Gegner ohne Haß zu betrachten und ihn als Mann seinem Mute entsprechend zu schätzen. Ich bemühe mich, ihn im Kampf aufzusuchen, um ihn zu töten und erwarte auch von ihm nichts anderes. Niemals habe ich niedrig von ihm gedacht.“ (65)

Andererseits charakterisiert er die Psyche des (Zwei)Kampfes mit unheldenhaften Worten aus dem Jägerjargon: „Man zittert unter zwei gewaltigen Gefühlen: der gesteigerten Aufregung des Jägers und der Angst des Wildes“ (80). Einhergehend damit ist die Suche von exstatischen Gefühlsirrungen, die nur in der Extremsituation des Kampfes, dieser „mit Leidenschaft erlebte[n] Wirklichkeit“ (214) zu finden sind. Am Ende der Auseinandersetzung des Krieges, als persönliches Kampferlebnis, in der „Großen Schlacht“ der Märzoffensive wird auch diese Deutung hinfällig, und der Prozess der „Übermenschwerdung“ hat die Qualität eines todestrieb- und instinktgesteuerten „Bersekergang[s] (240) erreicht, in welchem der „übermächtige Wunsch zu töten“ (261) waltet.

Sinnkonzeptionen

Das Kriegserlebnis nahm in Jüngers Frühwerk den zentralen Stellenwert ein, ob in essayistischer Form in „Der Kampf als inneres Erlebnis“ (1922), in dem Romanfragment der „Sturm“ (1923) oder in den Kriegsbüchern „Das Wäldchen 125“ (1924) und „Feuer und Blut“ (1925). Einher ging mit diesen vielfältigen Auseinandersetzungen eine andauernde Revidierung der Sinnzuschreibungen bzw. Sinnkonzeptionen, welche ihren Ausdruck auch in einer Bearbeitungsmanie von „In Stahlgewittern“ fand, welches insgesamt in 6 teilweise sehr unterschiedlichen Fassungen veröffentlicht wurde[30], die jeweils den veränderten autobiographischen Problemsituationen angepasst wurden.[31] Im Vorwort zur ersten Auflage legte Jünger explizit seine ursprüngliche Veröffentlichungsintention dar:

„Möge dieses Buch dazu beitragen, eine Ahnung zu geben von dem, was ihr geleistet. Wir haben viel, vielleicht alles, auch die Ehre verloren. Eins bleibt uns: die ehrenvolle Erinnerung an euch, die herrlichste Armee, die je die Waffen trug und an den gewaltigsten Kampf der je gefochten wurde. Sie hochzuhalten inmitten dieser Zeit weichlichen Gewinsels, der moralischen Verkümmerung und des Renegatentums ist die stolzeste Pflicht eines jeden, der (...), sondern auch mit lebendigen Herzen für Deutschlands Größe kämpfte.“[32]

Konzipiert als ein apologetisches Werk in Frontstellung gegenüber des allgemeinen Zeitgeists der Ernüchterung und Resignation nach der militärischen Niederlage[33], sollten in erster Linie die Leistungen der deutschen Armee bzw. der Frontsoldaten, und insbesondere die beispielhafte Leistung eines Kriegsleutnants, durch subjektiv und ideologisch einseitige Beschreibungen von Kriegserlebnissen anerkannt und geehrt werden. Jedoch wird dabei der objektive Kriegsverlauf wie bereits erwähnt weitgehend ausgeblendet und der subjektive Kriegsverlauf klafft ihm gegenüber in grotesker Weise auseinander. So werden z. B. eine Kriegsmüdigkeit oder das seit dem Scheitern der Märzoffensive 1918 verstärkt auftretende Desertieren in Jüngers Perspektive nicht angedeutet, in jeder Phase des Krieges finden sich z. B. kriegsbegeisterte Freiwillige für Stoßtrupp oder Erkundungsunternehmen. An der unter militärischen Gesichtspunkten wenig erfolgversprechenden Frühjahrsoffensive von 1918 bestand nie Zweifel, dass „der große Plan gelingen würde“ (250), ja sie wird als national-mystischer „Endkampf“ (260) überhöht, in der das „Schicksal von Völkern zum Austrag gebracht“ (260) wird und in der es um „die Zukunft der Welt“ (260) geht. Das Buch schließt mit dem Glückwünschtelegramm zur Verleihung des Ordens „Pour le merite“ von 22. 9. 1918, sieben Tage bevor die Oberste Heeresleitung den sofortigen Waffelstillstand ersucht. Zweifel an der Daseinsberechtigung des Krieges kommen dagegen nur einmal auf, als der „Sinn, mit dem man ausgezogen war, sich verzehrt hatte und nicht mehr zureichte“ (292) und der Krieg „seine tiefen Rätsel“ (292) aufwarf. Jedoch wird diese „seltsame Zeit“ (293), als ein Moment der Schwäche abgetan, welche automatisch durch die „ungeahnte Dauer des gesteigerten Lebens am Abgrund“ (292) kurzzeitig auch bei heldenhaftesten Soldaten auftritt. Mit Hinzunahme einer autobiographisch orientierten Interpretation, welche vor allem Jüngers Konzept eines heroischen Lebensplans auf Basis der Integration des Kriegserlebnisses zentriert, ergibt sich infolgedessen die Struktur eines doppelten Rechenschaftsberichts. Dabei geht es ihm in der hier vorliegenden ersten Fassung, ganz im Gegensatz zu den späteren, nicht direkt um eine zukunftsorientierte politisch intendierte Rechtfertigung, ob für das Kaiserreich, Reichswehr oder im Dienste der Konservativen Revolution.[34] Nur mit Bezugnahme von nachfolgenden Fakten, sei es das biographischen Wissen, dass Jünger z. B. eine Zeitlang als eine Art Stahlhelm Ideologe[35] fungierte und als Vertreter des „Soldatischen Nationalismus“[36] anzusehen war, und unter Verwendung anderer Schriften des Frühwerks und Fassungen von „In Stahlgewittern“ kann man seine früheste Auseinandersetzung mit dem Kriegserlebnis als Ausgangspunkt und Grundlegung seiner späteren ideologischen Konzepte ansehen. Verwendet man dies Wissen nicht und interpretiert das Werk allein aus sich selbst heraus, ist es als Produkt eines 25 Jähriger hochdekorierter Frontsoldaten anzusehen, der in einer Situation der „völligen geistigen Verlassenheit“[37] an konservativ-rechten Mythen und Haltungen partizipiert, den Krieg und die gesellschaftlichen und politischen Bedingungen unreflektiert als gegeben annimmt, um fast trotzig einerseits die Verwirklichung seines antibürgerlichen, heroischen Lebenskonzeptes und anderseits die Anerkennung der militärischen Leistungen zu rechtfertigen versucht, um den Sinn des verlorenen Krieges zu retten. So zum Beispiel der „Im Felde unbesiegt Mythos“ in Verbindung mit dem Typus des „Neuen Kriegers“, der wie angedeutet, an dieser Stelle noch nicht direkt instrumentalisiert wird. Dieser setzt sich zum einen aus den kühnen und mutigen Frontsoldaten zusammen und zum anderen aus dem Frontoffizier, „den Fürsten des Grabens“ (244). Diese erscheinen, trotz einer Charakterisierung mit veralteten und überholten Ehrvorstellungen, nach welchen „die sachliche Freude an der Gefahr“ (159) und „der ritterliche Drang zum Bestehen eines Kampfes“ (159) in ihnen lebendig sind, „wie ... Bewohner einer fremden und härteren Welt“ (104). Durch das „Feuer“ (159) des Krieges seien „im Laufe von vier Jahren“ (159), „ein immer reineres, ein immer kühneres Kriegertum (159) herausgeschmolzen. Trotz der gewaltigen „Menschen- und Materialmengen“ (196) innerhalb des Krieges „wurde die Arbeit an den entscheidenden Punkten“ (196) nur von diesen „wenigen Kämpfern vollbracht“ (196). „Worte wie Ausweichen“ (102) sind diesen Soldaten unbekannt, in Verbindung mit Kadavergehorsam und Nibelungentreue werden „die Stellungen, die ihnen anvertraut“ (103) wurden, erst preisgegeben, „wenn der letzte Verteidiger gefallen war“ (103). Aufgrund dieses Kriegertypus wird Jünger „von einem Gefühl der Unverletzbarkeit“ (113) erfüllt, zwar wird schon in der Somme Schlacht eine „Ungleichheit der [kriegerischen] Mittel“ (114) konstatiert, doch fatalistisch wird resümiert „Wir konnten zermalt, aber nichts besiegt werden (113). Erst Ende 1918, in „der Großen Schlacht“, wird fast beiläufig die sich anbahnende Niederlage zugegebnen: „Jeder musste, dass wir nicht mehr siegen konnten.“, jedoch wiederum mit der trotzigen Schlussfolgerung, „Aber wir würden standhalten“ (311).

Erich Maria Remarque (1898-1970): „Im Westen nichts Neues“ (1929)

Die Darstellung des Kriegserlebnisses

Anders als Remarque selbst, meldet sich der Held seines Romans – Paul Bäumer – ebenso wie seine gesamte Gymnasialklasse freiwillig zum Kriegsdienst. Als Repräsentanten des mittelständisch-akademischen Bürgertums wussten sie in der „Oktoberbegeisterung“, im Gegensatz zu den „armen und einfachen Leute“ (16), die „den Krieg gleich für ein Unglück“ (16) hielten, „vor Freude nicht aus noch ein“ (16). Sie waren erfüllt von „ungewissen Ideen“, die „dem Kriege in unseren Augen einen idealisierten und fast romantischen Charakter verliehen“ (25). Die Ursachen für diese Euphorie sieht Remarque einerseits in der Schule, dargestellt an der Person des Klassenlehrers Kantorek, dem Vertreter des wilhelminischen Obrigkeitssystems, „der so lange Vorträge“ (15) hielt, bis auch die wenigen Zweifler überzeugt waren, und andererseits im Druck des Zeitgeists und gesellschaftlichen Umfelds, so z. B. in den Elternhäusern, in welchem das Wort „feige“ (16) sehr schnell fiel. Eine erste Desillusionierung erfolgt schon im Ausbildungslager durch Drill, Unmenschlichkeit, Beschimpfungen, stupides Exerzieren, Schikanen – symbolisiert in der Person Himmelstoß – und „Aufgeben der Persönlichkeit“ (25). Dennoch wird dies rückblickend als notwendig betrachtet, um auf den Krieg vorbereitet zu sein: „Wir wurden hart, misstrauisch, mitleidlos, rachsüchtig, roh - und das war gut; denn diese Eigenschaften fehlten uns gerade“ (29). Die endgültige Desillusionierung tritt an der Front ein, in welcher „das erste Trommelfeuer ... uns unseren Irrtum“ zeigte (17), in Verbindung mit einer Anklage gegenüber dem „Bankrott“ (17) der gesellschaftlichen Autoritäten, den „Tausende[n] von Kantoreks“ (17/18) und der Erwachsenengeneration, die im Zusammensturz der bürgerlich-nationalen und auch kulturellen „Weltanschauung“ (18) mündet. Bäumers Generation findet sich in einem Zustand völliger Isolation und Orientierungslosigkeit. Dies führt jedoch nicht zu einem aktiven Bruch der Verneinung:

„Wir wurden darum keine Meuterer, keine Deserteure, keine Feiglinge -...-, wir liebten unsere Heimat genauso wie sie, und wir gingen bei jedem Angriff mutig vor; -aber wir unterschieden jetzt, wir hatten mit einem Male sehen gelernt. Und wir sahen, daß nichts von ihrer Welt übrig blieb. “ (17).

Der Krieg wird als Faktum und alles beherrschende Wirklichkeit hingenommen, in der es sich zu behaupten gilt, um zu überleben. Jedoch ist es kein Feld der Bewährung oder Heldenwerdung wie bei Jünger. Er erscheint nur als destruktiv gewaltsame Macht, als Verhängnis welches hereingebrochen ist durch Versagen des Staates, der Kultur und der Gesellschaft, in diesem „unheimlichen Strudel“ (54), welchem der einzelne willenlos ausgeliefert ist und dem man nicht entfliehen kann. Die Wirklichkeit des Krieges wird in erster Linie als Ertragen, Erdulden und vor allem Erleiden geschildert[38], die „Front ist ein Käfig, in dem man nervös warten muß auf das, was geschehen wird“ (96), „wir kämpfen nicht, wir verteidigen uns vor der Vernichtung“ (108). Die Jüngerische Fokussierung auf Vormarsch, Sturmangriff und Zweikampf spielt hier kaum eine Rolle. Dennoch muss auch Remarque der Logik des Krieges folgen, wie zum Beispiel in Regression „von den Menschen angemessenen Handlungsweisen auf antihumane Reaktionsmechanismen“[39]. Sobald die Soldaten an die Front kommen stellt sich „ein stärkeres Wachsein, eine sonderbare Geschmeidigkeit der Sinne“ ein (53), mit der eine zwangsläufige Verwandlung zu instinktgesteuerten „Menschentiere[n]“(55) einhergeht:

„Wir schnellen mit einem Ruck in einem Teil unseres Seins beim ersten Dröhnen der Granaten um Tausende von Jahren zurück. Es ist der Instinkt des Tieres, der in uns erwacht, der uns leitet und beschützt. Er ist nicht bewusst, er ist viel schneller, viel sicherer, viel unfehlbarer als das Bewusstsein.“ (55)

Eindrucksvoll schildert Remarque, wie der psychische Druck sich nach tagelangem Trommelfeuer, dem Ausharren im Bunker, mit Hunger und Erschöpfung, ungewollt, wie in einem Rausch, entlädt.

„... wir können uns seit drei Tagen zum ersten Mal wehren gegen ihn, wir haben eine wahnsinnige Wut, wir liegen nicht mehr ohnmächtig wartend auf dem Schafott, wir können zerstören und töten, um uns zu retten und zu rächen.“ (108)

„Wären wir keine Automaten in diesem Augenblick, wir blieben liegen, erschöpft, willenlos. Aber wir werden wieder vorwärts gezogen, willenlos und doch wahnsinnig wild und wütend, wir wollen töten, denn das dort sind unsere Todfeinde jetzt, ihre Gewehre und Granaten sind gegen uns gerichtet, vernichten wir sie nicht, dann vernichten sie uns!“(109)

In den realistischen, detaillierten und bildhaft anschaulichen Darstellungen von Kriegsgreuel, Tod oder Verletzungen sind einerseits enge Gemeinsamkeiten mit Jünger zu finden, auch unter formellen Gesichtspunkten, wie z. B. in den „syntaktischen Zusammenballungen“[40], um das Unbeschreibbare fassbar zu machen: „Granaten, Gasschwader und Tankflottillen – Zerstampfen, Zerfressen, Tod. Ruhr. Grippe, Typhus-Würgen, Verbrennen, Tod. Graben, Lazarett, Massengrab – mehr Möglichkeiten gibt es nicht“ (252). Andererseits erzeugt aber Remarque – im Gegensatz zu Jünger, bei dem dieses nur verschwindend gering erfolgt – durch eine weitaus höher zu bewertende emotionalisierende Darstellung des Sterbens, Mitgefühl und Mitleid für die Opfer und vor allem Abscheu vor dem Krieg[41], wie z. B. beim langsamen Dahinsiechen Kemmerichs, in der Duval Episode oder in den Lazarettszenen. Neben der Regression als von selbst eintretende Schutzfunktion kann man das Konzept der Frontgemeinschaft, die bei Remarque weitaus stärker vorzufinden ist als bei Jünger, ebenso unter diesem Gesichtspunkt betrachten. Die Gemeinschaft dient den Repräsentanten des Kleinbürgertums, der Arbeiter, der Bauern und der akademischen Mittelschicht, allen voran der Schuster Katczinsky als Vaterfigur, der Schlosser Tjaden, der Torfstecher Westhus, der Bauer Detering sowie seine Schulkameraden Kopp, Müller und Leer, der Erhaltung der seelischen Integrität[42]. Bäumer bewertet das Phänomen der Kameradschaft als kriegsbedingt, als ein „Solidaritätsgefühl von Sträflingen“ (244) und „verzweifelten Einanderbeistehen von zum Tode Verurteilten“ (244). Es ist ein „festes, praktisches Zusammengehörigkeitsgefühl“ (24), mit der Funktion des gegenseitigen Helfens und Achtgebens, sei es das physische Wohlbefinden, wenn z. B. ein „Idyll des Fressens und Schlafens“ (210) geschaffen wird, oder die gegenseitige Unterstützung im Kampf. Ein anderes Moment ist, dass nur in dieser Gruppe, die auf gemeinsamen grundlegenden Erfahrungen und Realitäten beruht, eine lebensnotwendige Integration in eine Sozietät erfolgen kann, welche die völlige Vereinsamung, den „Abgrund der Verlassenheit“ (245) und der endgültigen menschlichen Verrohung entgegenwirken kann. Im Gegensatz zu den nationalistischen Werken am Ende der Weimarer Republik erfolgt hier keine Überhöhung als idealtypische Gemeinschaft und auch keine politische Instrumentalisierung. Die Gemeinschaft von Todgeweihten verliert ihre Existenzgrundlage ohne den Krieg und die teilweise verklärte Darstellung Remarques, wie z. B. in den vielen Essensepisoden oder bei den französischen Mädchen, erscheint allein unter literarischen und konzeptionellen Motiven. Eine letzte Möglichkeit, dem Grauen des Krieges standzuhalten, bezieht sich allein auf psychische Komponenten. Diese Überlebensstrategie beinhaltet Verdrängung und Überspielen. So sagt Bäumer: Der Krieg „lässt sich ertragen, solange man sich einfach duckt; aber es tötet, wenn man darüber nachdenkt“ (130). Jedes tiefere Nachdenken über den Krieg würde zu Zweifeln, Gewissenskonflikten und schließlich Wahnsinn führen.[43] Auch dieser Abwehrmechanismus ergibt sich allein aus der zu zerstörerischen Realität des Krieges, dennoch ist Bäumer bewusst, dass die psychische Verarbeitung nur verschoben wird:

„Aber wir vergessen nicht! (...) Und ich weiß: all das, was jetzt, solange wir im Kriege sind, versackt in uns wie ein Stein, wird nach dem Kriege wieder aufwachen, und dann beginnt erst die Auseinandersetzung auf Leben und Tod.“ (131)

Sinnkonzeptionen

Remarque leitet den Roman mit folgendem Motto ein, mit dem Ziel seine „unpolitisch[en]“[44], „unprogrammatisch[en]“[45] und untendenziösen[46] Intentionen darzulegen, und den Fokus in erster Linie allein auf die Darstellung der Auswirkungen des Krieges auf die Teilnehmer zu lenken.

„Dieses Buch soll weder eine Anklage noch ein Bekenntnis sein. Es soll nur den Versuch machen, über eine Generation zu berichten, die vom Kriege zerstört wurde - auch wenn sie seinen Granaten entkam.“

Dementsprechend sind kaum „politische, soziale, religiöse oder sonstige Stellungnahmen“[47] oder rationale Analysen in dem Werk zu finden. Die wirklichen Ursachen und Mechanismen bleiben für den einfachen Soldaten undurchschaubar und grundlegend unangetastet: „Besser ist, über den ganzen Kram nicht zu reden. (...) Wird ja auch nicht anders dadurch“ (187). Dennoch gibt es einige Stellen, in denen zumindest in Umrissen das gesellschaftlich-kulturelle Versagen und vor allem die politischen Dimensionen des Geschehens ins Blickfeld geraten, in dem der Krieg als Wirken politischer Faktoren gesehen wird.[48] So zum Beispiel in der Szene im russischen Gefangenlager, in welcher Bäumer sagt:

Ein Befehl hat diese stillen Gestalten zu unseren Feinden gemacht; ein Befehl könnte sie in unsere Freunde verwandeln. An irgendeinen Tisch wird ein Schriftstück von einigen Leuten unterzeichnet, (...), und jahrelang ist unser höchstes Ziel das, worauf sonst die Verachtung der Welt und ihre höchste Strafe ruht.“ (176)

Remarque selber verstand sich als Vertreter dieser „Verlorenen Generation“, und er legte die Entstehung des Werkes als einen Akt der Befreiung, als einen selbsttherapeutischen Versuch, durch den er das Trauma des Krieges überwinden wollte[49], in seinen – wenn auch sehr spärlichen – öffentlichen Stellungnahmen zu dem Werk dar. So äußerte er sich in einem Interview von 1929 folgendermaßen:

„Ich litt unter ziemlich heftigen Anfällen von Verzweiflung. Bei dem Versuche, sie zu überwinden, suchte ich allmählich ganz bewusst und systematisch nach den Ursachen meiner Depression. Durch diese absichtliche Analyse kam ich auf mein Kriegserlebnis zurück. Ich konnte ganz Ähnliches bei vielen Bekannten und Freunden beobachten. Wir alle waren - und sind oft noch - unruhig, ziellos, bald exaltiert, bald gleichgültig, im tiefsten Grund aber unfroh. Der Schatten des Krieges hing auch und gerade über uns, wenn wir gar nicht daran dachten“.[50]

Remarque verwendet bei der Darstellung des Konzepts der „Verlorenen Generation“ einen engen und einen weiten Generationsbegriff.[51] Einerseits gilt dieser explizit nur für den Jahrgang 1896, die beim Ausbruch des Krieges also „Achtzehnjährigen“ (17), mit ähnlicher sozialer Herkunft aus der akademisch-bürgerlichen Mittelschicht, die direkt von der Schulbank eingezogen wurden; exemplarisch vorgestellt an den Personen Bäumer, Kropp, Müller und Leer. Die besonderen Auswirkungen des Krieges werden mit Hilfe einer Baummetaphorik erläutert. Die Repräsentanten des Kleinbürgertums, der Arbeiterklasse und der Bauern – Katczinsky, Tjaden, Westhus und Detering – sind „fest mit dem Früheren verbunden, sie haben Grund, sie haben Frauen, Kinder, Berufe und Interessen“ (23), sie sind also mit und in ihrem Vorkriegsleben fest verankert, der Krieg erscheint als eine „Unterbrechung“ (24) und die Rückkehr in das alte Leben möglich. Dieser Ausweg ergibt sich für Bäumer und seine Gruppe nicht, sie sind „noch nicht eingewurzelt“ (24). Der Krieg hat sie vom früheren „Leben abgeschnitten“ (23), sie auf „eine sonderbare und schwermütige Weise verroht“ (24). Die Aussichten der bürgerlichen Welt, „diesen ganzen Betrieb mit Beruf und Studium und Gehalt“ (83), erscheint als verlogen und „widerlich“ (83). Die Kriegserlebnisse haben sie „für alles verdorben“ (84), Töten war ihr „erster Beruf im Dasein“ und ihr „Wissen vom Leben beschränkt[e] sich auf den Tod“ (237). All dies hat sie „vom Tätigen, vom Streben, vom Fortschritt“ (84) abgeschlossen, und resignierend stellt Bäumer fest, „ich glaube wir sind verloren“ (116). Sehr gut wird dies im Heimaturlaub Bäumers deutlich, die gesellschaftlichen Verhältnisse sind für ihn „eine fremd Welt“ (155) geworden, in der er sich „nicht mehr zurecht“ (155) findet, und von der er „ausgeschlossen“ (159) ist. Auch auf der kulturellen Ebene folgt ein völliger Bruch mit der humanistischen Bildungstradition, welche den Krieg nicht verhindern konnte, und für Bäumer in totaler Resignation mündet:

„Wie sinnlos ist alles, was je geschrieben, getan, gedacht wurde, wenn so etwas möglich ist! Es muß alles gelogen und belanglos sein, wenn die Kultur von Jahrtausenden nicht einmal verhindern konnte, daß diese Ströme von Blut vergossen wurden, dass dieser Kerker der Qualen zu Hundertausenden existieren.

Versucht man die psychische Zerstörung der „Verlorenen Generation“ zusammenzufassen, ergeben sich folgende Felder: Einerseits erfolgt ein Abbruch der Beziehungen mit der öffentlichen Welt, d. h. mit Kultur, Werten und Normen der Heimat, der mit einem Versiegen der sozialen und kommunikativen Beziehungen einhergeht und Perspektivlosigkeit, Zukunftsangst und Resignation zur Folge hat.[52] Anderseits tritt bei Remarque auch eine Bedeutungserweiterung des Generationsbegriffs ein, in dem er die Auswirkungen des Krieges auf die Psyche für die gesamten Kriegsteilnehmer, wie bereits im vorigen Teil angedeutet, schildert, – für die der Krieg nicht „abgelaufen [war] wie eine Dusche“ oder die ohne ihn „gar nicht mehr auskamen“ –, für all die „zahllosen Zerrissenen, Getroffenen, Erlebnisfähigen, die dem Erlebnis Ausgelieferten“.[53] Remarque versuchte sich, wie bereits angesprochen, mehrfach als Mitglied der „Verlorenen Generation“ zu positionieren, im Sinne eines überlebenden Bäumers, der in den Realitäten der Weimarer Republik nicht zurechtkam, bis er „Im Westen nichts Neues“ schrieb. Einher damit gingen Legendenbildungen in Bezug auf die Entstehung und Veröffentlichung des Werkes, die ich versuche, im Folgenden etwas aufzudecken und die Äußerungen Remarques zu relativieren, um den Fokus auf eine allein textliche Interpretation zu lenken, welche in der allgemeineren Literatur über „Im Westen nichts Neues“ oftmals nicht geschieht und ebenso ein einseitiges Remarquebild zur Folge hat. So gibt er im weiteren Verlauf des Interviews mit Eggebrecht an, den Roman ohne größere Vorbereitung in sechs Wochen nach der Arbeit ohne Veröffentlichungsintention geschrieben zu haben, dass das fertige Manuskript ein halbes Jahr in seinem Schreibtisch lag und dass er nie auf Geheiß eines Verlages auch nur eine Zeile geändert hat.[54] Einher mit dieser Selbstdarstellung ging die Ullsteinsche Veröffentlichungsstrategie, wie z. B. in der Voranzeige vom 8. November 1928 in der „Vossischen Zeitung“, in welcher er unter anderem als Laienschriftsteller charakterisiert wird, der „plötzlich ... den Drang und Zwang empfunden“ hat, „das in Worte zu fassen, und innerlich zu überwinden, was ihm (...) geschehen war“[55]. Wie Thomas F. Schneider gezeigt hat, entsprach dies jedoch nicht der Wahrheit; der Text war in langwieriger Arbeit wohldurchdacht und bis ins Detail konzipiert worden, und er wurde in beiderseitigem Einverständnis entschärft, indem noch kriegskritischere und desillusionierende Passagen verändert oder gestrichen wurden.[56] Die Gründe für diese Widersprüchlichkeiten und teilweise Legendenbildungen, die noch an einer Vielzahl von anderen Stellen tradiert wurden, müssen dabei in den Verknüpfungen, einerseits im Anspruch des Werkes selbst, „in der Spannung zwischen dem gestellten Thema, der gewählten Form und dem Stoff“[57] und andererseits in den angesprochenen Ullsteinschen Prämissen der Vermarktung gesehen werden. Remarque führte in seinem Motto an, dass er in einem „Bericht“ die psychischen Auswirkungen des Krieges über eine gesamte Generation schildern will, und stellt sich somit ausdrücklich formell – und nicht intentional – in die Reihe der literarischen Form des Kriegsberichts, wie z. B. Flex, Jünger, Canossa etc., die in ihrem streng subjektiven Blickwinkel das Erlebte auf Basis (auto-)biographischer Erfahrungen darlegen.[58] Remarque gab dementsprechend mehrmals an, dass das Geschilderte „wahr und erlebt“[59], und dass er „lange genug an der Front“ war, „um selbst alles erlebt zu haben“[60], um den autobiographischen Charakter herauszustellen, der in dieser Art von Literatur von Nöten war, und somit auch dem Anspruch gerecht werden zu können, stellvertretend für die Kriegsgeneration, der „Jugend von 1914“ zu berichten. Seine Biographie konnte dies jedoch nicht stützten. Er wurde am 26. November 1916 von der Schulbank eingezogen, und kam nach der Ausbildung am 12. Juni 1917 in einer Schanztruppe nach Flandern an die Front, wo er bereits am 31. Juli 1917 durch mehrere Granatsplitter verwundet wurde.[61] Dieses allein aus dem Werk selbst entstandene autobiographische Dilemma verstärkte sich noch durch die Marketing-Strategie des Ullstein Verlages, welche dies aufgriff und das Werk sogar als dokumentarisch bezeichnete. Des Weiteren wurde dieser Zwiespalt erweitert durch das Konzept des Schreibens als Selbstheilungsprozess, einhergehend mit textlichen Veränderungen, um das Werk zu entpolitisieren und es sowohl für Kriegsgegner als auch -befürworter akzeptabel zu machen. Remarques widersprüchliche öffentliche Darstellungen in Selbstaussagen und Interviews erscheint dabei dementsprechend als Folge des äußeren Dilemmas, den Vorgaben des Verlags zu folgen[62], und des auf den Anspruch des Werkes fußenden autobiographischen Dilemmas.

Schluss

Ernst Jünger und Erich Maria Remarque verfolgen mit ihren beiden sehr unterschiedlich intendierten Werken grundsätzlich voneinander abweichende Erinnerungskonzepte an den Ersten Weltkrieg. Die Gemeinsamkeiten der deskriptiven Ebene bei der Beschreibung der Kriegsrealität spielen unter diesem Gesichtspunkt eine untergeordnete Rolle. Für Jünger ist das Kriegerlebnis ein außergewöhnliches Feld der Herausforderung und Selbstbehauptung, in welchem das Individuum – insbesondere der Frontoffizier – in der heroischen Auseinandersetzung wächst. Dementsprechend ist der Fokus in erster Linie auf Sturmangriff und Zweikampf gerichtet. Moralische, humanistische oder emotionale Auseinadersetzungen mit dem Krieg entfallen völlig, ebenso anklagende Momente, Fragen nach dem Sinn oder Stellungnahmen zu den psychischen Auswirkungen. Für Remarque ist der Krieg in erster Linie Erleiden von Gewalt und Schrecken, einhergehend mit Entmenschlichung und psychischer Zerstörung. Es steht eine emotionalisierende Darstellung im Vordergrund, um Abscheu zu erwecken, und es findet sich zu Genüge ein anklagender Gestus. Sein Fokus liegt zehn Jahre nach Kriegsende in erster Linie auf der „Verlorenen Generation“, deren gesamtes Leben durch die Kriegerlebnisse geprägt war. Gerade durch diese generalisierende Orientierung und unpolitische Herangehensweise, frei von ideologischen Grundlegungen, in Verbindung mit einer humanistischen Perspektive, bot das Buch für die Leserschaft genügend Identifikationsmöglichkeiten. Diese konnten jedoch für Remarque meines Erachtens nur in eine Sinngebungsfunktion münden: in Pazifismus mit dem Ziel: „Es darf nie wieder geschehen“ (204). „In Stahlgewittern“ fungiert dagegen als apologetische Rechtfertigungsschrift des Frontoffiziers Jünger zwei Jahre nach der militärischen Niederlage, einerseits für sein antibürgerliches Heroismuslebenskonzept und andererseits im Besonderen für die Leistungen der deutschen Armee, personifiziert und exemplarisch vorgeführt in seiner Person. Direkte Intentionen hinsichtlich eines politischen Wirkens, wie zum Beispiel das Einfordern einer gesellschaftlichen Sonderolle, lassen sich meines Erachtens in dieser Fassung noch nicht konstatieren.

Bibliographie

Primärliteratur

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Richthofen, Manfred Freiherr von Richthofen: Der rote Kampfflieger (1917). Eing. u. ergänz. v. Bolko Freiherr von Richthofen m. e. Vorwort v. Hermann Göring. Berlin: Ullstein 1933.

Scharrer, Adam: Vaterlandslose Gesellen (1929). Berlin (West): Oberbaumverlag 1973.

Sekundärliteratur

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Georg Fichtner (2006): Ernst Jünger - Ausbruch aus dem ennui

Einleitung

George Kennan sagte über den Ersten Weltkrieg von 1914-1918, er sei die „Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts“. Guido Knopp schrieb in seinem eher populärwissenschaftlichen Buch „Unser Jahr 100“ vom „Sündenfall“.[63] Auf jeden Fall war der Erste Weltkrieg eine Zäsur von historischer Bedeutung. Wie konnte es soweit kommen, dass sich technisch hochentwickelte Völker mit großer kultureller Tradition in mörderischen Schlachten gegenüberstanden? Was führte zu einer Entindividualisierung des Menschlichen, so dass nur noch die Masse und der Sieg im Vordergrund standen? Mit Sicherheit spielten übersteigerter Nationalismus, Großmannssucht[64], politische Fehler und persönliche Abneigungen der Herrscherhäuser eine wichtige Rolle. Ein Aspekt der jedoch nicht zu unterschätzen ist, ist eine schwer zu fassende weit verbreitete psychologische Komponente innerhalb der Bevölkerung. Ein Gefühl, welches erstmals Ende des 18. Jahrhunderts in Frankreich beschrieben wird. Eine Art innerer Leere, eine lähmende Gleichgültigkeit, eine Unlust zu leben. Im Französischen wird dies mit dem Begriff „ennui“ beschrieben. Dieses Gefühl war auch im wilhelminischen Kaiserreich bekannt und verbreitet. Die These dieser Arbeit ist, dass auch der deutsche Autor Ernst Jünger unter dem „ennui“ litt. Um dieses Gefühl zu kompensieren, stürzte er sich mit Eifer in das Abenteuer und verarbeitete seine Erfahrungen später literarisch. So wurde Ernst Jünger neben Ernst Maria Remarque („Im Westen nichts Neues“) zu einem der bedeutendsten Kriegsautoren der jungen Weimarer Republik. Ernst Jünger war zeit seines Lebens einer der umstrittensten Autoren. Kritiker werfen ihm vor, er sei ein „Kriegsverherrlicher“[65], andere beschreiben seine Kriegwerke als vollständig, gutgläubig, wahrheitsgemäß und ehrlich.[66] Aufgabe dieser Arbeit soll es nicht sein, ein Urteil über Ernst Jünger zu fällen, sondern vielmehr die Gründe herauszuarbeiten, wie ein gebildeter, finanziell gesicherter und intelligenter Mensch wie Ernst Jünger zum Abenteurer wurde, der Erlösung im Kriege suchte. Zu Beginn wird hierbei auf die Begriffe „ennui“ und „politischer Existenzialismus“ eingegangen, da diese für die Politikwissenschaft von primärer Bedeutung sind. Was den Aufbau betrifft, wird im ersten Teil der Arbeit eine kurze Biographie Ernst Jünger gegeben, da sein schriftstellerisches Wirken nicht abgekoppelt von seinem Vita gesehen werden kann. Dann werden die philosophisch- politiktheoretischen Begriffe „ennui“ und „politischer Existenzialismus“ definiert, um im Hauptteil auf Ernst Jüngers Antwort auf den „ennui“ einzugehen: Den Krieg und seine Einstellung zu diesem. Die Arbeit wird sich hauptsächlich auf Primärliteratur Jüngers zum Krieg stützen. Von besonderer Bedeutung sind folgende Schriften: „In Stahlgewittern“ (1920), „Der Kampf als inneres Erlebnis“(1922) und „Das abenteuerliche Herz“ (1929).

Biographie Ernst Jüngers

Ernst Jünger wird 1895 in Heidelberg geboren. Er entstammt einer bürgerlichen und wohlsituierten Familie. Sein Vater war promovierter Chemiker und arbeitete später als Apotheker, die Mutter versorgte die sechs Kinder. Die Familie repräsentierte das aufgeklärte und kultivierte Bürgertum. Ernst Jünger war ein schlechter Schüler, im Rückblick sieht er sich selbst als „verträumten Außenseiter, auf den der prosaische Lehrbetrieb mit Unverständnis reagiert.“[67] Diese Selbstcharakterisierung findet sich im gesamten Werk. Letztlich erscheint Ernst Jünger als Träumer, der nach dem Abenteuer dürstet und der Enge der Bürgerlichkeit entfliehen will, aber echte inhaltliche Fragen nach einer Ordnung bleiben äußerst vage.

Die Welt seiner Eltern hatte dem sprachlich talentierten und ehrgeizigen jungen Mann nichts zu bieten. Nahezu exemplarisch für diese Einstellung steht seine Meldung zur Fremdenlegion. "Afrika war für mich der Inbegriff des Wilden und Ursprünglichen, der einzig mögliche Schauplatz für ein Leben in dem Format, in dem ich das meine zu führen gedachte; und es stand für mich fest, dass, sowie ich freie Verfügung besaß, ich mich dorthin zu wenden hatte."[68] Dementsprechend meldet er sich im Jahre 1913 mit 18 Jahren zur Fremdenlegion. Doch das Abenteuer wird ein Eklat. Der Vater interveniert beim Auswärtigen Amt und Ernst Jünger kehrt nach Deutschland zurück. Doch das Schicksal beschert ihm ein viel größeres Abenteuer: Im August 1914 bricht der erste Weltkrieg aus. Ernst Jünger legt sein Notabitur ab und schreibt sich am 1. Oktober 1914 beim Füsilier-Regiment 73 ein, bei dem er von Oktober bis Dezember eine zweimonatige militärische Grundausbildung ableistet. Am 27. Dezember 1914 schließlich wurde Ernst Jünger an die Front, in die Champagne verlegt. Während der nächsten knapp vier Jahre dient Ernst Jünger an verschiedenen Kampfplätzen der Westfront in der deutschen Armee. Er erlebte dabei alle Formen des ersten voll technisierten Krieges der Weltgeschichte hautnah mit: die Grabenkämpfe in der Champagne, den Stellungskrieg in Flandern und im Artois, die großen Materialschlachten an der Somme sowie die letzte große deutsche Offensive im Frühjahr 1918. Ernst Jünger nimmt damit besonders an denjenigen Schlachten teil, welche die höchsten Verlustraten und die konzentrierteste Feuerkraft des gesamten Krieges aufwiesen.[69] Ernst Jünger fällt durch besondere Tapferkeit auf. Er macht relativ schnell militärische Karriere, bekommt diverse Orden verliehen: 1916 das eiserne Kreuz erster Klasse, im Dezember 1917 das Ritterkreuz des Hausordens der Hohenzollern und 1918 den höchsten preußischen Orden, den „pour le mérite“ verliehen.

Das Kriegsende erlebt Jünger nicht mehr an der Front, sondern nach einer schweren Verwundung vom August 1918 im Militärlazarett. Nach dem Krieg blieb Jünger bei der Reichswehr und 1920 erscheint eine Erstausgabe von „In Stahlgewittern. Aus dem Tagebuch eines Stoßtruppführers“. Neben Jüngers Tätigkeit in der Reichswehr als Verfasser von Gefechtsvorschriften beginnt er politische Publizistik im Sinne der konservativen Revolution zu verfassen. So erscheint 1922 der Essay „Der Kampf als inneres Erlebnis“ Am 31.8.1923 tritt Jünger aus der Reichswehr aus und immatrikuliert sich für ein Studium der Zoologie. Offensichtlich bietet ihm die Anstellung in der Reichswehr nicht ausreichend Abenteuer und heroische Existenz. Dementsprechend schreibt er an seinen Bruder: "Übrigens fühle ich mich in der Tat bei dem, was ich treibe, nicht recht am Platz. [...] Auf der anderen Seite fehlen mir zur geistigen Übung vierundzwanzig Stunden am Tag. Der Offizier genießt nur scheinbar einen Überfluß an Zeit, denn dieser geht im Gesellschaftlichen, das heißt heute, im Belanglosen auf."[70] Kurz nach Beginn seines Studiums im Herbst 1923 folgte die Hinwendung Jüngers zum "neuen Nationalismus", einer losen Verbindung sendungsbewusster, radikalnationalistischer, junger Frontoffiziere. Ernst Jünger betätigt sich in den folgenden Jahren umfangreich publizistisch im nationalrevolutionären Sinne. Er verfasst zahlreiche Artikel, unter anderem für den "Arminius. Kampfschrift für deutsche Nationalisten" und für "Die Standarte. Beiträge zur geistigen Vertiefung des Frontgedankens", als deren Mitherausgeber Jünger 1926 sogar zeitweise fungiert. Seine politischen Ordnungsvorstellungen bleiben jedoch vage und unkonkret. Über den neuen Staat sagt er nur, dass dieser national, sozial, wehrhaft und autoritär gegliedert sein soll.[71] 1924 arbeitet Jünger die "Stahlgewitter" in erheblicher Weise um und erweitert sie vor allem um explizit nationalistische Passagen. In den beiden nachfolgenden Jahren erscheinen mit dem "Wäldchen 125" (1925) und "Feuer und Blut" (1926) zwei weitere Kriegsbücher Jüngers, die nun deutlich von der apodiktischen Zuschreibung eines nationalistischen Kriegssinnes gekennzeichnet sind. Eine Untersuchung jener "nationalrevolutionären Phase" Jüngers muss jedoch weiterführenden Arbeiten vorbehalten bleiben. 1939 wird Jünger zur Wehrmacht eingezogen und nach Paris versetzt. Er ist dort für die Briefzensur zuständig. 1942 wird Jünger in den Kaukasus versetzt, um die Truppenmoral zu untersuchen. Aufgrund seiner Verbindungen zu den Attentätern des 20.Juli 1944 und seiner kaum verschleierten Kritik am Hitlerregime in der Erzählung „Auf den Marmorklippen“ (1939) wird Jünger im September 1944 aus der Wehrmacht entlassen. Ernst Jüngers Sohn wird nach kritischen Bemerkungen in ein Strafbataillon versetzt und fällt 1944 in Italien.

Nach dem Krieg reist Jünger viel und verfasst zahlreiche Werke. Er erhält zahlreiche Auszeichnungen u. a. das große Bundesverdienstkreuz oder den Goethe Preis der Stadt Frankfurt. 1984 nimmt er in Verdun an der Seite von Helmut Kohl und Francois Mitterand an einer Feier zur Ehrung der Gefallenen des ersten Weltkriegs teil. 1996 trat Jünger der römisch-katholischen Kirche bei. Ernst Jünger stirbt 1998 im Alter von 103 Jahren.

Der „ennui“

Eine Aufgabe der Politikwissenschaft soll und muss es sein, Krieg zu verhindern. Dazu ist es notwendig, die Voraussetzungen für Kriege zu kennen. Der „ennui“ ist eine Geisteshaltung, die zwar nicht per se aggressiv auftritt, aber dennoch geistige Vorbedingungen für einen Krieg liefern kann. Der Begriff taucht erstmals in den Briefen des französischen Schriftsteller Benjamin Constant auf, der von einer „mélancholie habituelle“[72] schreibt. Constant (1767-1830) entstammte einer wohlhabenden Familie und musste niemals wirklich arbeiten.[73] Die vielen Aufzeichnungen Constants lassen den Schluss zu, dass das Schreiben Constant Erleichterung, von seiner Unlust zu leben und der inneren Leere, liefert.[74] Hier lässt sich eine Analogie zu Ernst Jünger ziehen, der sich auch in Traumwelten zurückzieht. Jünger schreibt: „Bücher waren es auch, die meiner Phantasie den Rückhalt einer festen Reservestellung boten. Auf ihre Hilfe war schon früh Verlaß gegenüber den Zugriffen des Alltäglichen."[75] Der Rat, den die Adressatin der Briefe Constant liefert, ähnelt dem Verhalten Jüngers. Sie schlug dem Leidenden vor, sich geistige Interessen zu schaffen.[76] Ob und wieweit Constant diesem Vorschlag folgte, ist nicht bekannt. Auf jeden Fall verarbeitete er seinen „ennui“ in zahlreichen literarischen Werken. Auch Jünger schuf sich geistige Interessen, wie das Schreiben, aber er begnügte sich nicht damit. Er war kein Mensch, der sich in den „Elfenbeinturm“ zurückzog. Dieser Autor suchte bewusst die Gefahr, wie seine Biographie zeigt. So schreibt Rüdiger Safranski zutreffend über Jünger: „Zu begreifen, was einen ergreift – darum geht es. So hat Ernst Jünger Fühlung mit Daseinsmächten, die den meisten verschlossen bleiben. Wie sonst hätte ein solches Leben, das die gefährlichen Zonen suchte, überleben können. Da wirkt ein Glutkern im Lebensentwurf und im Schreiben, der den Autor offenbar katastrophenresistent gemacht hat.“[77] Zurück zum „ennui“: Peter Bürger schreibt, dass der „ennui“ in einer Gesellschaft entsteht, „[...] in der die einzelnen weder durch kollektiv geteilte religiöse Glaubensvorstellungen noch durch eine als substanziell erfahrene Gruppenidentität mehr miteinander verbunden sind [...]“[78] Der „ennui“ ist also ein Ausstoß der individualisierten Gesellschaft, die nicht mehr durch verbindende Elemente zusammengehalten wird. Interessante Parallelen finden sich zwischen dem Frankreich des 18 bzw. 19 Jahrhunderts und dem Deutschland des beginnenden 20. Jahrhunderts. Frankreich war zur Zeit des Schreibens von Constant keine homogene, friedliche Gesellschaft. Die französische Revolution 1789, die die alte Ständeordnung auflöste, konfessionelle Streitigkeiten und nicht zuletzt der Stadt-Land Gegensatz prägten und zerrütteten das Land.

Genauso war Deutschland zu Beginn des 20 Jahrhunderts von starken Gegensätzen durchzogen. Auf den ersten Blick erscheint die Gesellschaft des Kaiserreichs zwar homogen, wenn man aber hinter die Fassaden blickt, fand man vor dem ersten Weltkrieg wenig Einigendes: Katholiken gegen Bismarck, Sozialdemokraten gegen Konservative, Monarchisten gegen Demokraten, souveräne Kleinstaaten gegen den Kaiser, traditionelle Vorstellungen gegen die Moderne, Arm gegen Reich, Rechts gegen Links, Bürgertum gegen Revolutionäre Strömungen. Auf Neudeutsch würde man sagen: Die Menschen waren bereits damals „cross pressure“[79] ausgesetzt. Sowohl Frankreich des beginnenden 19. Jahrhunderts als auch Deutschland des beginnenden 20. Jahrhunderts waren pluralistische, heterogene Staaten. Für Deutschland brachte der Weltkrieg kurze Einigung, den sogenannten Burgfrieden. Das Gefühl der notwendigen Zusammengehörigkeit, um den Krieg zu gewinnen, überwand den „ennui“. In der Ethnologie spricht man bei derartigen Phänomenen von einem „Wir-Gruppe“ Gefühl. Die „Wir Gruppe“ schöpft ihre Identität aus einer Abgrenzung zu andern. „Das Erreichen eines kollektiven Ziels, das mit Stabilisierung oder Re-Definition des eigenen Gruppenzusammenhangs verbunden wird, rückt in den Vordergrund öffentlicher Kommunikation“.[80] Genau dies geschah in Deutschland während des Krieges, der Verlauf des Krieges wurde ständig diskutiert. Dem Erreichen des kollektiven Ziels, opferten Menschen viel Energie und materielle Güter. Aussprüche wie „Gold gab ich für Eisen, dass ich ein Depp war, kann ich beweisen“, stehen exemplarisch für die damalige Bereitschaft des Volkes alles zu geben, um den Krieg zu gewinnen. Durch den Krieg erhielt das Leben wieder einen Sinn. Diesen Sinn konnte gewöhnliche bürgerliche Arbeit nicht bieten. So ist eine Antwort des politischen Existenzialismus auf die Sinnkrise des „ennui“ der Weg der extremen Härte und Schwere. Auf den Begriff politischer Existenzialismus soll nun eingegangen werden.

Existenzialismus

Jean Paul Sartre gibt folgende Definition des Existenzialismus: „Der Mensch ist, wozu er sich macht. Das ist der erste Grundsatz des Existenzialismus“. Mit dieser Bestimmung wird Existenzialismus als ein Konzept definiert, welches individuelle Präferenzen hervorhebt. Die Auslegung Sartres impliziert, dass es keine allgemein gültigen Werte und Normen gibt. Jeder Mensch hat für sich selbst, für seine Existenz, zu sorgen. Er kann sich dabei an Werten und Tugenden orientieren, muss es aber nicht. Die Existenz erhält also den Vorrang vor dem Inhalt. In Konsequenz ist der Existenzialismus eine relative Philosophie. Absolute Werte werden negiert. Bezogen auf das „Seelenbefinden“ des Menschen hat dies schwerwiegende Folgen. Wenn keine Werte mehr als Maßstäbe fungieren bzw. negiert werden, kann der Mensch in eine tiefe Existenzkrise geraten. Gleich zum oben erörterten Konzept des „ennui“ fehlen Bindung und Halt, eine tiefe innere Lehre kann sich breit machen.

Wie erwähnt, gab es gegen Ende des 19. Jahrhunderts und Anfang 20. Jahrhunderts wenig bindende Elemente. In großen Kreisen des Bürgertums machte sich Dekadenz, „fin de siecle“ und kulminierend eine „fin du globe Stimmung“ breit. Viele Menschen sahen sich großer inneren Leere gegenüber. Die Kirchen hatten an ihrer Bindungskraft stark verloren und der Kaiser diente kaum als Integrationsfigur. Die Technisierung ermöglichte großen Wohlstand, aber die gesellschaftliche Entwicklung war nicht fähig, mit diesem Tempo mitzuhalten.

Viele Menschen konnten den neuen Umständen wenig abgewinnen. Die Welt änderte sich. Der Mensch wurde auf sich allein gestellt.

Politischer Existenzialismus

Auf diese neue Freiheit, resultierend aus dem Verlust des traditionellen Bindungsgeflecht, reagierten die Menschen äußerst unterschiedlich. Für viele brachte die Freiheit des Existenzialismus „Existenznöte“ im Sinne von Bindungsverlust mit sich. Die These dieser Arbeit ist, dass der junge Ernst Jünger im „ennui“ gefangen war und seine „entfremdete Subjektivität“[81] (an dieser Stelle gleichzusetzen mit innerer Lehre) im Erleben des totalen Ausbruchs aus der Routine kompensiert hat. „Von politischen Existenzialismus soll dann die Rede sein, wenn die Bewältigung jener Krise, die die entfremdete Subjektivität im menschlichen Selbstverständnis hervorgerufen hat, auf dem Feld des Politischen angestrebt wird und dies häufig im Handstreich, mit Entschlossenheit und ohne Geduld.“[82]

Inwieweit man den Krieg als „politisches Feld“ ansehen kann, ist fraglich. Folgt man dem berühmten Zitat des preußischen Generals von Clausewitz, so ist er die Fortführung der Politik mit anderen Mitteln. Das heißt im Gegenschluss, dass Krieg Politik ist. Andererseits kann man sagen, dass sobald Krieg herrscht, die Politik im Sinne einer friedlichen Konfliktlösung versagt hat. Letztlich ist der politische Existenzialismus ein Konzept, welches einer normativen Ordnung diametral gegenübersteht. Eine kosmologisch „gute“ Ordnung wie bei den Philosophen der Antike ist ihm fremd. Aus dieser Basisannahme resultiert ein „Haltungsverlust“ des Individuums. Mit den Worten von Heidegger gesprochen: Der Mensch ist geworfen in das „Dasein“. Auf der anderen Seite ist dies eine Ausgangslage, die jedem Subjekt einen enormen Freiraum ermöglicht. Jeder kann sein Leben gemäß seiner subjektiven Vorstellungen gestalten und so versuchen, der „Existenzkrise“ zu entgehen. „Was für Heidegger die Not und der Schrecken sind, ist für Schmitt das Auftauchen des Feindes, für Jünger das Abenteuer und der Schmerz. Alles das sind Gelegenheiten, in denen plötzlich einsetzende personale Regression die Tendenz zur endlosen personalen Emanzipation aufhebt, und dem Subjekt wieder ein unverfügbares und damit gefestigtes Sosein verschafft, wenn auch nur für eine gewisse Zeit.“[83] Der Freiburger Philosophieprofessor Michael Großheim kategorisiert die politischen Existentialisten in drei Gruppen:

[...]


[1] E. Jünger: In Stahlgewittern (1920). Stuttgart 2003.

[2] E.M. Remarque: Im Westen nichts Neues (1928). Köln 1997.

[3] Th. F. Schneider: Endlich die „Wahrheit“ über den Krieg. In: Text + Kritik. Hrsg. v. Heinz Ludwig Arnold. Heft 124: Literaten und Krieg (1994), S. 47.

[4] H. Müssener: Deutschsprachige Kriegs- und Antikriegsliteratur in Deutschland und Schweden 1914-1939. Einige Beobachtungen. In: Anti-Kriegsliteratur zwischen den Kriegen (1919-1939) in Deutschland und Schweden. Hrsg. v. Helmut Müssener. Stockholm 1987, S. 11. Diese Werke waren Erich Maria .Remarque: „Im Westen nichts Neues“ (1929) u. „Der Weg zurück“ (1931); Ludwig Renn: „Krieg“ (1928); Leonhard Frank: „Der Mensch ist gut“ (1919); Karl Bröger: „Bunker 17“ (1929), wobei letzterer in der Forschung auch als kriegsbejahend eingeordnet wird. Vgl.: M. Gollbach: Die Wiederkehr des Weltkrieges in der Literatur. Kronber/Ts. 1978, S. 264/265. Als Basis der Quantifizierung diente dabei Donald Ray Richards Werk „The German Bestseller in the 20th Century. Berne 1968“.

[5] H. H. Müller: Der Krieg und die Schriftsteller. Der Kriegsroman der Weimarer Republik. Stuttgart 1986, S. 12/13.

[6] Müssener: Deutschsprachige Kriegs- und Antikriegsliteratur. S. 12. Vgl.: Manfred Freiherr von Richthoffen: Der rote Kampfflieger. Berlin 1933. Erst im letzten Kapitel „Gedanken im Unterstand“ erfolgt bei Richthoffen teilweise eine Revidierung seiner Wahrnehmung vom Krieg als Abenteuer: „ es ist nichts mehr übriggeblieben von diesen frischen, fröhlichen Krieg (S. 203) oder „es ist nicht so, wie die Leute in der Heimat sich das vorstellen, mit Hurra und Gebrüll, es ist alles viel ernster, verbissener“ (204).

[7] Müller: Der Krieg und die Schriftsteller. S. 20/21. Vgl. auch Ebd., S. 23/24: Die zu dieser Zeit ebenfalls verstärkt aufkommenden antimilitärischen Schriften der politischen Linken, welche als Enthüllungsberichte z.B. militärische Fehler anprangerten oder eine Art Antimemoiren darstellten, erlangten nicht die Verbreitung und den Stellenwert im gesellschaftlichen Diskurs, außer H. Wandts „Etappe Gent“ (1920), welches bis zum Ende der zwanziger Jahre eine Auflage von einer Viertelmillionen erreichte.

[8] Ebd., S. 22/23.

[9] Ebd., S. 26/27.

[10] W. J. Mommsen: Kriegsalltag und Kriegserlebnis im Ersten Weltkrieg. In: Ders., Der Erste Weltkrieg. Anfang vom Ende des bürgerlichen Zeitalters. Frankfurt am Main 2004, S. 150.

[11] Müller: Der Krieg und die Schriftsteller. S. 25.

[12] zit. n. J. Volmert: Ernst Jünger „In Stahlgewittern“. München 1985, S. 15.

[13] Müller: Der Krieg und der Schriftsteller. S. 35.

[14] Ebd. 39.

[15] Th. Bartz, ´Allgegenwärtige Fronten` - Sozialistische und linke Kriegsromane in der Weimarer Republik 1918-1933. Motive, Funktion und Position im Vergleich mit nationalistischen Romanen und Aufzeichnungen im Kontext einer kriegsliterarischen Debatte. Frankfurt am Main u.a. 1997, S. 14.

[16] H.-H. Müller: Kriegsroman und Republik. Historische Skizze mit einer Interpretation von Adam Scharrers proletarischen Antikriegsroman „Vaterlandslose Gesellen“. In: Der deutsche Roman im 20. Jahrhundert. Bd. II. Analysen und Materialien zur Theorie und Soziologie des Romans. 2. Aufl. Hrsg. von Manfred Brauneck. Bamberg 1986, S. 223.

[17] Wichtige Vorläufer Remarques sind Georg von der Vring: „Soldat Suhren“ (1927); Arnold Zweig: „Der Streit um den Sergeanten Grischa“ (1927) Ernst Glaeser: „Jahrgang 1902“ (1928) und vor allem Ludwig Renn „Krieg“ (1928).

[18] Vgl. Th. F. Schneider: „Die Meute hinter Remarque“. Zur Diskussion um Im Westen nichts Neues 1928-1930. In: Jahrbuch zur Literatur der Weimarer Republik. Hrsg. v. Sabina Becker. Bd. 1 (1995), S. 143-170.

[19] Vgl. K. Prümm: Die Literatur des Soldatischen Nationalismus der 20er Jahre (1918-1933).Gruppenideologie und Epochenproblematik 1. Kronberg 1974, S. 1-10.

[20] Schneider: Endlich die „Wahrheit“ über den Krieg. S. 46. Beispiel wären Franz Schauwecker: „Aufbruch einer Nation“ (1930); Werner Beumelburg: „Die Gruppe Bosemüller“ (1930); Hans Zöberlein „Der Glaube an Deutschland“ (1931); Edwin Erich Dwinger: „Wir rufen Deutschland“ (1932).

[21] Schneider: Endlich die „Wahrheit“ über den Krieg. S.46.

[22] A. Scharrer, Vaterlandslose Gesellen (1930). Berlin (West) 1973. Aus der Perspektive des Protagonisten Hans Betzholdt, als Repräsentant der „Fraktion Liebknecht“/“Gruppe Internationale“ bzw. der „Spartakusgruppe“, wird der Krieg bei Scharrers stark autobiographischem Roman als „nichts weiter als die Fortsetzung der kapitalistischen Politik mit anderen Mitteln“ (S. 187) gesehen. Von Anfang an gehört er zu denen, „die gegen den Krieg demonstrieren“ (9). Der Krieg wird als endgültiger Schlussakt des sich anbahnenden Untergangs des Bürgertums gedeutet. Der Militarismus wird verhöhnt, wie in den Schilderungen der Ausbildung, in der die „Menschen zu solchen Idioten“ gemacht werden, damit ihnen „später das Verbrechen ihres Tuns nicht zum Bewusstsein kommt“ (49). Das heroische Kampferlebnisse wie bei Jünger existiert nicht, auch herrscht die grundlegend akzeptierte Pflichterfüllung der Akteure Remarques nicht vor: „Keiner will vorgehen, keiner will der erste sein, keiner als Deckung für den anderen dienen“ (69/70). Ebenso wird die in beiden Romanen propagierte Frontkameradschaft - auch zwischen den Klassen - aus der proletarischen Sicht nicht geteilt, sie ist „die größte Lüge, die je erfunden wurde“ (67). Ein Soldat bringt Betzholt Ansichten auf den Punkt: „Der Krieg ist eine ekelhafte Sauerei“ (130). Einen größeren Raum im Roman nehmen jedoch dagegen die intensiven Schilderungen der Entbehrungen der Heimatfront, des „Antlitzes des Krieges in Zivil“ (91), mit Hunger und Schwerstarbeit ein, welche endgültig „die Geister des Umsturzes“ (203) alarmieren. In Gegensatz zu Jünger, bei dem keine wirkliche Desillusionierung eintritt, und auch zu Remarque, bei dem sie zu passiver Resignation führt, nimmt Scharrers Protagonist im Verlauf des Romans immer mehr aktiv politisch Stellung. Nach nur anfängliche Opposition erfolgt bei Betzholt sein politisches Erwachen, gleichgesetzt mit dem der radikaleren revolutionären Arbeiterklasse, deren Kräfte allmählich unterirdisch zusammenwachsen, um „die trügerische Oberfläche“ (111) der bestehenden Verhältnisse zu sprengen, bis der Roman mit den Worten endet: „Auf den Schloß weht die rote Fahne“ (271).

[23] zit. n. S. Martus: Ernst Jünger. Stuttgart/Weimar 2001, S.16.

[24] Volmert: Ernst Jünger „In Stahlgewittern“. S. 41.

[25] K. Prümm: Die Literatur des Soldatischen Nationalismus der 20er Jahre (1918-1933). Gruppenideologie und Epochenproblematik 1. Kronberg/Ts. 1974, S. 101-105.

[26] Vgl. Müller: Der Schriftsteller und der Krieg. S. 211-220, sowie Ders.: „Im Grunde erlebt jeder seinen eigenen Krieg“. Zur Bedeutung des Kriegserlebnisses im Frühwerk Ernst Jüngers. In: Ernst Jünger im 20. Jahrhundert. Hrsg. v. Hans-Harald Müller u. Harro Segeberg. München 1995, S. 15-24.

[27] Müller: Der Krieg und der Schriftsteller. S. 224.

[28] zit. n. W. Kunicki: Erich Maria Remarque und Ernst Jünger. Ein unüberbrückbarer Gegensatz? In: Kriegserlebnis und Legendenbildung. Das Bild des „ modernen“ Krieges in Literatur, Theater, Photographie und Film. Bd. 1. Vor dem Ersten Weltkrieg; der Erste Weltkrieg. Hrsg. v. Thomas F. Schneider. Osnabrück 1999, S. 292.

[29] zit. n. Müller: Der Krieg und der Schriftsteller. S. 235.

[30] vgl.: H. Mühleisen: Bibliographie der Werke Ernst Jüngers. Stuttgart 1995. Die von Jünger veränderten Fassungen stammen aus den Jahren 1922, 1924, 1934, 1935 und 1961.

[31] Müller: Der Krieg und der Schriftsteller. S. 212.

[32] zit. n. Müller: Der Krieg und der Schriftsteller. S. 220.

[33] Prüm: Die Literatur des Soldatischen Nationalismus der 20er Jahre. S. 102.

[34] Müller: Der Krieg und der Schriftsteller. 221.

[35] Vgl.: Volmert: Ernst Jünger „In Stahlgewittern“. S. 11-13.

[36] Vgl.: Prümm: Die Literatur des Soldatischen Nationalismus der 20er Jahre. S. 82-91.

[37] Müller: Der Krieg und der Schriftsteller. S. 221.

[38] H. Rüter: Erich Maria Remarque: Im Westen nichts Neues. Ein Bestseller der Kriegsliteratur im Kontext. Paderborn u.a.1980, S. 90.

[39] M. Gollbach: Die Wiederkehr des Weltkrieges in der Literatur. Zu den Frontromanen der späten zwanziger Jahre. Kronberg/Ts. 1978, S. 52.

[40] Rüter: Erich Maria Remarque: Im Westen nichts Neues. S. 96

[41] Ebd., S. 97.

[42] Ebd., S. 133.

[43] Gollbach: Die Wiederkehr des Weltkrieges in der Literatur. S. 56.

[44] A. Eggebrecht: Gespräch mit Remarque (1929). In: Erich Maria Remarque. Ein militanter Pazifist. Texte und Interviews 1929-1966. Hrsg. v. Thomas F. Schneider. Köln 1994, S. 43.

[45] Ebd., S.50.

[46] Vgl. E. M. Remarque: Haben meine Bücher eine Tendenz ? (1931/32). In: Erich Maria Remarque. Ein militanter Pazifist. Texte und Interviews 1929-1966. Hrsg. v. Thomas F. Schneider. Köln 1994, S. 62/65.

[47] Eggebrecht: Gespräch mit Remarque. S.45

[48] Rüter: Erich Maria Remarque: Im Westen nichts Neues. S. 85.

[49] Ebd., S. 43.

[50] Eggebrecht: Gespräch mit Remarque. S. 47/48.

[51] Rüter: Erich Maria Remarque: Im Westen nichts Neues. S. 106.

[52] Ebd., S. 110.

[53] Eggebrecht: Gespräch mit Remarque. S. 46.

[54] Ebd., S. 48/49.

[55] zit. n. Rüter: Erich Maria Remarque: Im Westen nichts Neues. S. 40.

[56] Th. F. Schneider: „Krieg ist Krieg schließlich“. Erich Maria Remarque: Im Westen nichts Neues (1928). In: Von Richthofen bis Remarque: Deutschsprachige Prosa zum I. Weltkrieg. Hrsg. v. Thomas F. Schneider u. Hans Wagener. Amsterdam/New York 2003, S. 219

[57] Rüter: Erich Maria Remarque: Im Westen nichts Neues. S. 45.

[58] Ebd., S. 45.

[59] Eggebrecht: Gespräch mit Remarque. S. 46

[60] zit. n.F. Baumer: Erich Maria Remarque. Berlin 1994, S. 29.

[61] Ebd., S. 28/30.

[62] Th. F. Schneider: Einleitung. Ein militanter Pazifist ? Erich Maria Remarques Schriften und Interviews. In: Erich Maria Remarque. Ein militanter Pazifist. Texte und Interviews 1929-1966. Hrsg. v. Thomas F. Schneider. Köln 1994, S. 12.

[63] Knopp, Guido: Unser Jahr100. Deutsche Schicksalstage. 1.Auflage. München: Bertelsmann, 1998 S.21

[64] So forderte bereits 1897 Reichskanzler von Bülow für Deutschland einen Platz an der Sonne. Die Rede ist im Auszug abrufbar unter: http://de.wikisource.org/wiki/Deutschlands_Platz_an_der_Sonne

[65] Johann Kresnik 1994 über Ernst Jünger URL.: http://de.wikipedia.org/wiki/Ernst_J%C3%BCnger

[Stand: 13.7.06]

[66] Gide, André: Journal (1.12.1942). In: Gide, André: Journal 1942-1949, Paris 1950, S. 45

[67] Martus Steffen.: Ernst Jünger. Stuttgart: Metzler Verlag, 2001 S. 15

[68] Jünger, Ernst: Das Abenteuerliche Herz. Erste Fassung. Aufzeichnungen bei Tag und Nacht (1929), Stuttgart: Klett-Cotta 1987. S.32

[69] King, John: "Wann hat dieser Scheißkrieg ein Ende?". Writing and Rewriting the First World War, Schnellroda 2003.S. 114.

[70] Brief an Friedrich Georg vom 22. 11. 1921: vgl. Schwilk, Heimo: Ernst Jünger. Leben und Werk in Bildern und Texten, Stuttgart 1988. S. 92.

[71] Jünger, Ernst : Schließt euch zusammen ! (3.Juni 1926) In: Berggötz, Sven (Hrsg.) Politische Publizistik 1919-1933. Stuttgart 2001

[72] Constant, Benjamin. Œuvres hrsg. v. A.Roulin. in: Bürger, Peter: Das Verschwinden des Subjekts. Eine Geschichte der Subjektivität von Montaigne bis Barthes. Der Ursprung der ästhetischen Moderne aus dem ennui. Frankfurt am Main 1998 S.132

[73] ebd. S.135

[74] ebd. S.133

[75] Das Abenteuerliche Herz , S. 28/29.

[76] Der Ursprung der ästhetischen Moderne aus dem ennui. S.134

[77] Safranski, Rüdiger 1995 über Ernst Jünger URL.: http://de.wikipedia.org/wiki/Ernst_J%C3%BCnger [Stand: 13.7.06]

[78] Der Ursprung der ästhetischen Moderne aus dem ennui. S.135

[79] „Cross pressure, bezeichnet eine Situation, in der sich eine Person hinsichtlich ihrer Werte, Einstellungen und, Motive Verhaltensbereitschaften oder Glaubensvorstellungen zwei oder mehreren gegensätzlichen Richtungen der Beeinflussung ausgesetzt sieht.“ Schäfer-Walkmann, Susanne: „Cross pressure“. In: Nohlen/ Schultze (Hrsg.): Lexikon der Politikwissenschaft. 3 Auflage. München, 2005. S.114

[80] „Wir Gruppe“. In: Wörterbuch der Völkerkunde. Berlin: Dietrich Reimer Verlag, 1999 S. 414

[81] Großheim,Michael:“Politischer Existenzialismus. Versuch einer Begriffsbestimmung“. In: Meuter/Otten (Hrsg.): Der Aufstand gegen den Bürger. Tübingen. 2002. S. 152

[82] ebd.

[83] ebd. S162 f.

Ende der Leseprobe aus 225 Seiten

Details

Titel
Remarque, Jünger und der Erste Weltkrieg. Literatur der Schützengräben
Autoren
Jahr
2013
Seiten
225
Katalognummer
V263195
ISBN (eBook)
9783656520214
ISBN (Buch)
9783956870958
Dateigröße
1098 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
remarque, jünger, erste, weltkrieg, literatur, schützengräben
Arbeit zitieren
Stefan Lochner (Autor)Georg Fichtner (Autor)Reinhard Keßler (Autor)Marlon Drees (Autor)Andrea Benesch (Autor)Rebekka Grupe (Autor)Julia Altmann (Autor), 2013, Remarque, Jünger und der Erste Weltkrieg. Literatur der Schützengräben, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/263195

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