Der Spendenzweck am Beispiel "Vier Pfoten"


Essay, 2013
23 Seiten

Leseprobe

Das Inhaltsverzeichnis:

1. Der Wandel vom Helfen zum organisierten Handelsmarkt

2. Die Agitation, das direkte Marketing

3. Spenden, Schenken und Steuern sparen

4. Der Spendenmarkt und die Tierschutz-Organisation Vier Pfoten

5. Die Spendensammel-Organisation Vier Pfoten in ihrer Transparenz

6. Tierschutz in seinen Werbe-Grenzen löblich oder verbesserungswürdig

Die Zusammenfassung.

Das volkswirtschaftliche Volumen der in Deutschland gesammelten Spenden ist gewaltig, aber die Effizienz des Werbens, Sammelns und Einsetzen der Mittel scheint weitgehend undurchsichtig; man ist auf das Schätzen von Beträgen und Spendenobjekten angewiesen, obwohl sich gemeinnützige Träger von der Steuer befreien lassen können und somit zumindest beim Finanzamt ein gewisser Daten-Überblick besteht.

Die Vielfalt der Vereine, Stiftzungen usw. ist groß, viele Spenden-Aufforderer arbeiten jedoch im Bereich kleiner Einzelspenden, sie reichen in der Art vom ehrenamtlichen Eintreiben bis zum Nutzen dieses speziellen Geldmarktes. Zumeist verbindet man edle Motive damit, insbesondere wenn die in der Werbung herausgestellten Objekte so gelagert sind, dass sie sofort einer Hilfe bedürfen, was fast immer Mitleid weckt und Hilfsbereitschaft. Leider verliert man bei einzelnen Spendensammel-Organisationen den Überblick, wieweit die erhaltenen Geldmittel am Werbe-Objekt real ankommen. Diese Ungewissheit ist offen-sichtlich sogar weit verbreitet, man weiß zuweilen auch nicht, ob bei großen Hilfsorgani-sationen immer Seriosität vorzufinden ist.

Das Unternehmen Vier Pfoten hat sich seit ihrer Gründung einen besonderen Platz innerhalb der Medien und in der Öffentlichkeit erworben. Es wurde daher Zeit, einmal etwas tiefer in die Geschäftsberichte zu schauen und die verschiedenen Aspekte gegeneinander abzuwägen. Manchen schreckt es ab, wenn er von > 35 % unproduktiven Kosten hört und meint, es müsse doch rationeller und effizienter gehen. Diese Sorge treibt so manchen potentiellen Spender um, denn er möchte handfeste Beweise für seine, möglicherweise aus schmalem Etat geleistete Geldspende sehen. Wenn in Bildern und direkt adressierten Werbebriefen immer neues Leid angeführt wird, stellt man sich die Welt voller Übeltäter vor, warum werden in einzelnen Tierparks Bären schmachvoll gehalten? Das ist der Moment, wo die vorgebliche Einzelmaßnahme des Einsatzes der Spenden sich von dem Zweck eines allgemeinen Öffent-lichkeitsdrucks auf die gesetzgebenden Kräfte wegen ihrer Grundsätzlichkeit unterscheidet. Die Vermengung von einem konkreten Einzel-Objekt mit dem allgemeinen Zweck der Spende als Wachrufer für gravierende Mängel und zugleich der eigenen Imageverbesserung sollte wohl deutlich für alle erkennbar gemacht werden.

1. Der Wandel vom Helfen zum organisierten Handelsmarkt.

Dass das Überleben des Menschen während der Evolution besondere Formen des Zusammenlebens und –arbeitens notwendig machte, weil das einzelne Individuum nicht allein den Gefahren aus der Umwelt Herr sein und werden konnte,[1] wissen wir. Vermutlich kommt dieser Verhaltenseigenschaft des „Einander-„Helfens“ ein gewisser Urinstinkt zu.[2] In dieser Phase entwickelt sich aus dem evolutionären Selbsterhalten ein Helfen in darüber hinausgehender allgemeiner Weise[3], das sichtbar wird im kooperativen Schaffen großer gemeinsamer steinzeitlicher Werke mit Groß-Blocksteinen (Megalithen) und kultureller Kolossalbauten in Zeiten der alten ägyptischen Herrscher und der Römer. Was wir nicht wissen, ist die Stellung der Moral und die ethisch-soziale Bewertung besonders einer individueller Freiwilligkeit von persönlichen Leistungen, denn wir kennen die einzelnen realen Ordnungs- und Organisationssysteme damaliger Zeiten nicht. Wenigstens ist uns nur in etwa bekannt, dass die menschliche Gesellschaft schon vor Jahrtausenden in Herrschende und Leistende gespalten ist, so ist die antike Metallindustrie (Gold/Bronze) nicht ohne eine „Sklaven-Arbeit“ in den Minen etc. realisierbar. Dass machte sich bereits damals auch beim Wegwerfen des Nicht-mehr-benötigten bemerkbar, man entledigte sich einfach dessen, was bis heute in der Abfallwirtschaft fortlebt; so verschenkte man oft das im heutigen Sinne knapper Rohstoffe usw. eigentlich „Noch-Brauchbare“. Die kulturelle Umwelt prägt so im Laufe der Geschichte das, was wir unter den Begriffen Sparen, Schenken und Spenden verstehen. Die Kulturen sind verschieden und so auch das Spenden.

Die in der Vorgeschichte der Menschheit entstehenden Gemeinschaften geben sich wohl eigene Verhaltensregeln, die später in frühreligiösen Anschauungen ihren Platz finden. In der Antike bemächtigen sich Philosophen der zu empfehlenden Sittlichkeit und sie wollen diese Verhaltensweise in die natürliche Ordnung eingliedern und verschaffen so eine gewisse Konkretisierung von Gut und Böse, wobei das Gute das Wertvolle ist. Später halten einige Philosophen das Gut-Sein für eine moralische Pflicht – unabhängig von den jeweiligen Machtstrukturen der Gesellschaft und dem Aufkommen von einer Geldwirtschaft. Bettler und Arme fallen im Mittelalter der jeweiligen Wohngemeinde zur Last, ja man gewährt im 18./19. Jahrhundert solchen „hungerleidenden“ Ausreisewilligen sogar ein (nicht rückzahlbares) „Darlehen“, um sich von dieser Wohltätigkeitslast zu befreien. In dem Licht historischer Wohltätigkeit von „Vermögen Habenden“ und einer gelenkten Mittellenkung von Mäzenaten[4] ändern sich die späteren Begriffe Schenken, .d.h. hergeben von etwas aus seinem „Vermögen“ ohne Gegenleistung, und Spenden[5] fast zwangläufig, weil das kulturelle und kirchliche Umfeld sich wandelt oder gewandelt wird. Bis in das Mittelalter ist ein „Almosen-Wesen“ üblich und die Kirche nutzt sogar „Sündengutscheine“ in der Art eines Ablass-handels, denn ihr ist es gegeben, zu bestimmen, was Sünde und Vergehen ist, und sie entscheidet über Zweck und Einsatz des monetären Aufkommens.[6]

Bereits in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts änderte sich das einzelne Mäzenatentum in ein Stiftungswesen, das Anwendungsfeld umfasst nicht nur mildtätige und Armut beseitigende „ Spenden “, sondern auch kulturelle und soziale übergeordnete Zwecke. Zahlreiche Vereine bemächtigten sich dieser Aufgabe zu einer nicht mehr durchschaubaren Vielfalt von Vereinen und Verbänden. Der gute Zweck war fast immer das Zugmittel für eine Spendenbereitschaft. Nach dem 1. Weltkrieg ging nicht nur die Spendenbereitschaft zurück, sondern der Staat griff mit Kontrollen in diese Verwilderung ein, ja im Dritten Reich wurde das etablierte Spenden-wesen bekämpft, einige Dachverbände wurden sogar verboten. Die NSDAP-Wohltätigkeits-Organisationen übernahmen dann dieses Gebiet, z.B. im Winterhilfswerk mit der Vergabe von germanischen Anhängern. Im sehr ernstzunehmender Notstand in der Nachzeit nach dem Zweiten Weltkrieg war der Spendenmarkt eingeengt, die Umverteilung von oben nach unten war wegen allgemeinen Notleidens weitgehend unmöglich.

Staatliche und kommunale Stellen kontrollierten und versuchten, ein Spendenunwesen zu verhindern. Restriktion und Liberalisierung standen sich dabei gegenüber. Neben kirchlichen Organisationen und anderen Wohlfahrtsverbänden etablierten sich erstmals Nischen-Organisationen mit einem spezifischen Zweck.[7] Interessant ist die Arbeitsorganisation in diesem Markt, zunächst mehr direkt am möglichen Spender wendend, dann zunehmend mit werbetechnischen Maßnahmen. Nun wird um 1960 der Spendenmarkt liberalisiert; der Staat zieht sich von seiner Kontrollfunktion zurück. Möglicherweise durchblickt man den Markt nicht oder man überlässt das soziale Nebenfeld den Mark-Kräften. Das Bundesverfassungs-gericht erklärt 1966 das erstellte Spendengesetz für verfassungswidrig. Allein: als dingliches Vollrecht existiert ein ausdrücklicher genereller Vorteil im PartG § 25, worin Parteien berechtigt sind, Spenden anzunehmen, wenn auch mit einer Spender-Spezifisierung.

Man merkte in dieser Zeit sehr schnell bei den Spenden-Sammelorganisatoren[8], dass man den Bedürfnissen und Motivationen der Spender gerecht werden muss, um Sammel-Erfolg zu haben. So übernahmen professionelle Werber die Gestaltung der Werbemaßnahmen. Man konzentrierte sich auf wirksame Aktionen und Kampagnen, so wandelte sich die Armenhilfe in eine Hilfe für Menschen in Notsituationen. Natur-, Umwelt- und Tierschutz[9] kommen aus einer versteckten Nische heraus ins Hauptfeld. Aber die Vielzahl von Spendensammlern macht es den Menschen schwer, das für sie „rechte Maß“ einer Spende und den ihrer Ansicht nach geeigneten Spendenempfänger zu finden, denn schließlich will man bei seinem eigenen Ich, seiner Psyche etwas bewirken. So spielen immer mehr der vertrauenerweckende Eindruck einer gezielten „Hilfe“ und die sorgsame Werbestrategie eine Rolle. Seltsam bleibt jedoch, dass Aufklärung nach wie vor mangelhaft ist, denn wer weiß schon, dass die Vorstellungen von Gemeinwohl[10] nach dem Gesetz der Besteuerung etwas anderes sind als was man sich gemeinhin denkt. Wer weiß schon, was hinter den Organisatoren steckt, wie die Verwaltung der Mittel funktioniert und ob die Geschäftsberichte wirklich unabhängig und umfassend genug sind? Kirchliche Entwicklungs-Organisationen sind ein Beispiel dafür, dass man auch staatliche Förderungen nicht verschmäht und dafür nicht einmal ausreichende Transparenz über den Einsatz der Mittel liefert. Warum sind wohl Menschen bereit, für gute Zwecke zu spenden – und selbst mit kleinen Geldbeträgen als Rentner? Das sollte ethisch besonders zu denken geben!

[...]


[1] Aus der Verhaltensforschung Primatenzentrum Göttingen. Micheletta, J. u.a. – Antje Engelhardt. Social bonds affect anti-predator behaviour in a tolerant species of macaque, macaca nigra. Proc. Of the Royal Societ<y B, August 2012. Handelsblatt 01.08.2012. Grundlegendes Motiv: gemeinsame Verteidigung gegen Raubfeinde.

[2] Wieviel Primaten sind in uns Menschen? Fischer, Julia. Affengesellschaft. Berlin:Suhrkampt.

[3] Krebs, DL. The evolution of moral dispositions in the human species. Ann.N.Y. Acad.Sci, 2000, April S. 970, 132-148 www.ncbi.nlm.gov./pubmed/10818625?dopt6=Abstract Indexed for MEDLINE.

[4] Abgeleitet von Gaius-Cilnius-Maecenas (-70 bis 8 n.Zr.), beschenkte z.B. Horaz und andere junge Dichter.

[5] Hier in der Absicht, dass dies für einen „guten“ Zweck verwendet wird.

[6] http://de.wikipedia.org/wiki/Ablass. Begriff von Konzil zu Nicäa 325, wonach ein Teil der auferlegten Buße erlassen werden konnte. 08.02.1562 Papst Pius V hebt Almosenablass auf. Aber: hoch heute Ablass.

[7] Vogelbusch, Friedrich. Rezension vom 24.12.2010 zu: Lingelbach, Gabriele. Spenden und Sammeln. Göttingen: Wallstein Verlag. 2009. www.socialnet.de/rezensionen/9082.php Schönhärl, Korinna. Rezension zu: Lingelbach, G. Spenden und Sammeln. Der westdeutsche Spendemarkt bis in die 1980er Jahre. Göttingen. 2009.http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/rezensionen /2010-3-

[8] Non-Profit-Organisationen, jedoch ungeprüft. Ungleich Stiftungen, meist mehr als das. http://scidok.sulb.uni-saarland.de/volltexte/2005/441/pdf/Beate_Paatolla_Fundraising_im_internet.pdf. S. 33ff.

[9] Wellmeyer, Gerhard. Fundraising für Natur und Umwelt. Spendenwerbung unjd Überzeugungsarbeit. S.6 www.fundraisingverband.de/assets/verband/Mitgliederbereich/Publikationen/Magazin/FundraisingProfessionell12006(1).pdf

[10] http://blöog.playandhelp.org/2010/02/24/wann-gefahrden-zu-hohe-Verwaltungskosten-die-Gemeinnützigkeit?

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Der Spendenzweck am Beispiel "Vier Pfoten"
Veranstaltung
Umweltschutz/Tierschutz
Autor
Jahr
2013
Seiten
23
Katalognummer
V263564
ISBN (eBook)
9783656526100
ISBN (Buch)
9783656528258
Dateigröße
576 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Schlagworte
spendenzweck, beispiel, vier, pfoten
Arbeit zitieren
Dr.-Ing. Adalbert Rabich (Autor), 2013, Der Spendenzweck am Beispiel "Vier Pfoten", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/263564

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