Bahrain: Akteure und Verlauf des arabischen Frühlings


Essay, 2013
10 Seiten, Note: unbenotet

Leseprobe

1. Einleitung: Das Königreich Bahrain und seine Bevölkerung im Wandel des arabischen Frühlings

Das Königreich Bahrain (DMG: Mamlakat al-Baḥrayn) verfügt über eine Einwohnerzahl von etwa 1,2 Millionen Menschen, von denen jedoch nahezu die Hälfte aus ausländischen Zuwanderern bzw. Gastarbeitern besteht.

Bahrain gilt als konstitutionelle Monarchie, allerdings sind die Machtbefugnisse des Königs kaum durch die Verfassung begrenzt.

Šaīḫ Ḥamad bin ʿĪsā al-Ḫalīfa regiert das Land seit 1999; zuerst als Emir von Bahrain, rief er sich im Jahre 2002 zum König aus.

Das Königshaus Bahrains ist sunnitisch, die Bevölkerung – die vielen Gastarbeiter außer Acht gelassen – aber mehrheitlich schiitischen Glaubens (65-70%), was einen deutlichen Unterschied zu den anderen benachbarten Golfstaaten ausmacht.

Diese Tatsache macht Bahrain auch für die verschiedensten ausländischen Akteure sehr bedeutend, worauf im Verlauf dieses Essays noch genauer eingegangen wird.

Die immer weiter um sich greifenden Proteste, die seit Beginn des arabischen Frühlings im Jahr 2010 immer mehr Staaten erfassten, erreichten Bahrain im Februar des Jahres 2011.

Die Gründe der Proteste, die sich gegen das Königshaus richteten und noch immer richten, liegen vor allem auf der empfundenen Benachteiligung und Diskriminierung der schiitischen Bürger unter anderem hinsichtlich politischer, finanzieller und sozialer Gegebenheiten. So sind die schiitischen Bürger Bahrains zum Beispiel in staatlichen Berufen, bei der Polizei oder in der Armee so gut wie gar nicht vertreten. Als Begründung hierfür wird ihnen eine zu große Sympathie zu den Staaten Iran und Irak vorgeworfen und somit quasi eine mangelnde Loyalität zum Mutterland Bahrain unterstellt.

Michael Schmidmayr bezeichnet die Einstellung der schiitischen Bürger als einen massiven Vertrauensmangel in die politische Elite bzw. das Herrscherhaus und als eine „politische Entfremdung der Bevölkerung von den Regierenden.“[1]

Weitere Anhänger der Demonstrationen sind neben der schiitischen Bevölkerung aber auch weitere benachteiligte Gruppen, vor allem bestehend aus ehemals eingewanderten Bürgern anderer Golfstaaten, denen ebenfalls viele Privilegien versagt bleiben bzw. die sich ebenfalls einer Diskriminierung ausgesetzt sehen.

Eine Forderung der Demonstranten ist auch eine Reform der Wahlen. So wird verlangt, künftig die Regierung und den Ministerpräsidenten direkt wählen zu können.[2]

Dass sich der regierungsnahe, sunnitische Teil der Bevölkerung nicht an Antiregierungsdemonstrationen beteiligt oder – im Gegenteil – Proregierungs-demonstrationen organisiert, was ebenfalls zu Zusammenstößen führt, liegt auf der Hand.[3]

Während der Fokus der westlichen Medien zu Beginn des arabischen Frühlings hauptsächlich auf den Umbrüchen in Tunesien, Ägypten, Algerien und Libyen lag, erhielten im Vergleich hierzu die Proteste in Bahrain oft in vielen Medien nur eine geringe Beachtung.

Mittlerweile dauern die Proteste seit über zwei Jahren an, führten bislang aber zu keiner Lösung, die für eine der beiden inländischen Parteien – auf der einen Seite die Großteils schiitischen Demonstranten, auf der anderen Seite das sunnitische Königshaus – als Erfolg zu werten sein kann. Auch die ausländischen Akteure, wie zum Beispiel Iran auf der einen und Saudi-Arabien auf der anderen Seite, konnten ihre jeweiligen, ideologischen Vorstellungen seither nicht vielversprechend umgesetzt sehen.

2. Verlauf der Proteste in Bahrain und Maßnahmen der Regierung

Die ersten Proteste begannen am 14. Februar 2011 zunächst mit nur einigen hundert Demonstranten auf dem zentralen „Perlenplatz“ der Hauptstadt Manama. Dieser Platz und der sich darauf befindende „Perlen-Turm“ wurden zum Symbol der künftigen Demonstrationen, woraufhin nach kurzer Zeit der Platz gesperrt und der Turm niedergerissen wurde.[4]

Genau einen Monat nach Beginn der Demonstrationen, ersuchte das Königshaus Bahrains das benachbarte Saudi-Arabien um Hilfe, welches am 14. März 2011 zum ersten Mal Truppen über die König-Fahd-Brücke entsandte, die die beiden Länder miteinander verbindet.

Gerechtfertigt wurde dies über den Kooperationsrat der Arabischen Staaten des Golfes (DMG: Maǧlis at-taʿāwun li-duwal al-ḫalīǧ al-ʿarabiyya). Aufgabe dieses Staatenbundes, dem neben Bahrain und Saudi-Arabien auch Qatar, Kuwait, der Oman und die Vereinigten Arabischen Emirate angehören, ist es unter anderem, die Außen- und Sicherheitspolitik der Mitgliedsstaaten zu gewährleisten. Dies schließt im Notfall auch militärische Hilfen ein, etwa vergleichbar mit dem militärischen Bündnis der NATO.

[...]


[1] Vgl. Schmidmayr, Michael: Politische Opposition in Bahrain – Stabilität und Wandel in einem autoritären Regime. Tübingen 2011: S.52.

[2] Vgl. Ebd. S.50ff.

Und

Vgl. Lejeune, Martin: Schüsse auf dem Perlenplatz. AG Friedensforschung.

http://www.ag-friedensforschung.de/regionen/Bahrain/proteste2.html

(Letzter Abruf: 18.05.2013)

[3] Vgl. AFP - Manama gripped by pro- and anti-regime protests. 02. März 2011.

http://www.google.com/hostednews/afp/article/ALeqM5jVnZgGfwSnqrvUHHiUq5kSREUAKQ

(Letzter Abruf: 18.05.2013)

[4] Vgl. Süddeutsche Zeitung: Tödliche Schüsse am Jahrestag der Aufstände in Bahrain. 14. Februar 2013.

http://www.sueddeutsche.de/politik/2.220/politicker-toedliche-schuesse-am-jahrestag-der-aufstaende-in-bahrain-1.1600033

(Letzter Abruf: 20.05.2013)

Ende der Leseprobe aus 10 Seiten

Details

Titel
Bahrain: Akteure und Verlauf des arabischen Frühlings
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum  (Seminar für Orientalistik und Islamwissenschaft)
Veranstaltung
Inländische, einheimische und ausländische Akteure des arabischen Frühlings
Note
unbenotet
Autor
Jahr
2013
Seiten
10
Katalognummer
V263645
ISBN (eBook)
9783656526414
ISBN (Buch)
9783656527053
Dateigröße
492 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bahrain, arabischer Frühling, Revolution, Golf, Golfstaaten, Iran, Saudi Arabien, Schia, Schiiten, Sunniten, Bürgerkrieg, Demokratie, Diktatur, Monarchie, Menschenrechte, Demokratisierung, Reformen
Arbeit zitieren
Aiko Gastberg (Autor), 2013, Bahrain: Akteure und Verlauf des arabischen Frühlings, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/263645

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