Geerbt oder Gelernt? Chomskys nativistische und Piagets kognitivistische Position zum Erstsprachenerwerb im Vergleich


Hausarbeit, 2013

12 Seiten, Note: 1,3

Saskia Millrose (Autor:in)


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Chomskys nativistisches Spracherwerbsmodell
2.1 Prinzipien-und Parametermodell (im Folgenden: P&P)
2.2 Problematik und Modifikationen

3. Piagets kognitivistisches Erklärungsmodell zum Spracherwerb
3.1 Piagets Spracherwerbsmodell
3.2 Ausdifferenzierungen

4. Evaluationen beider Modelle
4.1 Evaluation des nativistischen Spracherwerbsmodells
4.2 Evaluation des kognitivistischen Spracherwerbmodells
4.3 Die Gegenüberstellung beider Evaluationen

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Der Spracherwerb ist in vielen angewandten wissenschaftlichen Disziplinen ein kontrovers diskutierter Forschungsgegenstand.

Aus diesem Grunde setzt sich die Hausarbeit kritisch mit Chomskys Nativismus und Piagets Kognitivismus auseinander, da sie zu den bekanntesten Theoretikern auf diesem Gebiet zählen.

In der vorliegenden Hausarbeit werden Chomskys und Piagets Spracherwerbsmodelle miteinander verglichen um festzustellen, welche der beiden Theorien, die für den Spracherwerb plausibelste Erklärung bietet.

Zunächst wird sich die Hausarbeit mit Chomskys Nativismus beschäftigen indem sein Modell vorgestellt wird, sowie auch dessen Problematik und Modifikationen.

Das gleiche Prinzip wird auch auf Piagets Modell angewendet. Dadurch wird eine Übersicht über beide Modelle erarbeitet, bevor man jene in der Evaluation betrachtet.

2. Chomskys nativistisches Spracherwerbsmodell

Nach Chomsky handelt es sich beim Spracherwerb:„<...> something that happens to you. Learning is something like undergoing puberty,“[1] und Sprache an sich , ist ein mentales , abstraktes Kenntnissystem. Es beinhaltet für Sprache spezifische Regeln und ist zudem von allgemeinen kognitiven Fähigkeiten unabhängig.

Der von Chomsky vertretende Nativismus geht davon aus, dass sich die Sprache und ihre Grundstrukturen aus einem bereits vorhandenen Wissen, sprich angeborenem Wissen entfaltet.[2]

Um diese Annahme zu begründen, entwickelte Chomsky ein Spracherwerbsmodell, das im Folgendem erklärt werden soll.

2.1 Prinzipien-und Parametermodell (im Folgenden: P&P)

Diesem Modell zufolge verfügt ein jedes Kind über die genetische Ausstattung einer Universalgrammatik (im Folgenden: UG)

Die UG ist eine „<...> characterization of these innate, biologically determined principles, which constitute one component of the human mind- the language faculty,“[3] und enthält abstrakte, allgemeine Prinzipien, welche für alle Sprachen gelten, wie z.B. eine Wortfolge. Außerdem verfügt sie über Parameter, welche „eine beschränkte Menge von Wahlmöglichkeiten oder Optionen“[4] innerhalb eines Prinzips, z.B. Subjekt-Objekt-Verb oder Subjekt, Verb-Objekt, beschreibt.

Zu lernen sind folglich die Struktureigenschaften aller natürlichen Sprachen die zufällig sind und deren Bereiche nicht in die UG fallen.[5]

Dementsprechend muss das Kind nur noch aus dem Input die entsprechenden Parameter der Muttersprache erkennen und festsetzen , was als triggern bezeichnet wird. Auch die lexikalischen Einheiten und deren Eigenschaften muss sich das Kind aus dem Input erschließen.

Diese Prozedur jedoch spielt einer eher unwichtige Rolle, da : „ Ein zentrales Argument in dieser ( nativistischen) Position ist, dass Sprache aus dem Umweltangebot nicht gelernt werden kann <...> weil aus dem Umweltangebot nicht hervorgeht, welche Äußerungen der Kinder grammatisch korrekt und welche inkorrekt sind. Da Kinder aber, trotz der Unzulänglichkeiten des Sprachangebots, in der Umwelt eine Grammatik erwerben, muss ein grammatisches Wissen angeboren sein.“[6]

Demnach erzeugt die UG nur zulässige Grammatiken, sodass das Kind gar keine Möglichkeit hat eine falsche Grammatik aufzubauen und der Input verfügt über eine rein auslösende Rolle.

Trotz dieser Argumentationen bleibt die Frage nach dem konkreten Vollzug des Spracherwerbsprozesses offen.

2.2 Problematik und Modifikationen

Im P&P Modell gibt es noch zahlreiche offene Fragen und Unklarheiten.

Die erste Schwierigkeit erweist sich bereits bei der Behauptung Chomskys, dass die UG genetisch verankert ist. Als Argument für diese These nahm man an, „dass der Grammatikerwerb bei allen Kindern gleich und innerhalb einer sensiblen Phase verläuft, dass er relativ fehlerfrei verläuft und keiner besonderen Instruktion bedarf.“[7] Nicht beachtet wird bei dieser Erklärung allerdings der Aspekt, dass der Spracherwerb individuell unterschiedlich verlaufen kann.

Des Weiteren weist das P&P Modell Lücken bezüglich des Entwicklungsprozesses auf und bietet Möglichkeiten zur Modifikation.

Im Nativismus werden zwei Hauptansätze vertreten, um dieses Problem zu lösen. Der Erste befasst sich mit dem des lexikalischen Lernens, welcher vertritt, dass die Prinzipien der UG bereits von Geburt an vorhanden sind und die Veränderungen der kindlichen Syntax vor allem darauf zurückzuführen ist, „dass Kinder zunehmend mehr Wörter mit den für sie typischen Eigenschaften erwerben“[8], wobei von einem Reifungsprozess abgesehen wird.

[...]


[1] Klann_Delius,G.: Spracherwerb.Stuttgart,2008.S.57.

[2] Vgl. Szagun,G. :Sprachentwicklung beim Kind.München,1980.S.52.

[3] Chomsky,N. : Knowledge of Language.New York,1986.S.24

[4] Klann-Delius,G. : Spracherwerb.Stuttgart,2008.S.56.

[5] vgl. Klann-Delius,G. : Spracherwerb.Stuttgart,2008.S.57.

[6] Szagun,G. Sprachentwicklung beim Kind.Weinheim,2006. S.267

[7] Szagun,G. Sprachentwicklung beim Kind.Weinheim,2006. S.271

[8] Klann-Delius,G. : Spracherwerb.Stuttgart,2008.S.63.

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Geerbt oder Gelernt? Chomskys nativistische und Piagets kognitivistische Position zum Erstsprachenerwerb im Vergleich
Hochschule
Freie Universität Berlin
Note
1,3
Autor
Jahr
2013
Seiten
12
Katalognummer
V263823
ISBN (eBook)
9783656526360
ISBN (Buch)
9783656527275
Dateigröße
455 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
geerbt, gelernt, chomskys, piagets, position, erstsprachenerwerb, vergleich
Arbeit zitieren
Saskia Millrose (Autor:in), 2013, Geerbt oder Gelernt? Chomskys nativistische und Piagets kognitivistische Position zum Erstsprachenerwerb im Vergleich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/263823

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