Gemeinsamkeiten und Unterschiede in den gesellschaftstheoretischen Konzeptionen von Hobbes, Locke und Rousseau


Hausarbeit, 2012
24 Seiten, Note: 1,5

Leseprobe

Gliederung

1. Vorbemerkung

2. Vergleich der Konzeptionen im Dreischritt-System
2.1. Vergleich der Naturzustandsphilosophien
2.2. Vergleich derVertragstheorien
2.3. Vergleich der Staatsmodelle

3. Resümee

4. Quellenangaben

1. Vorbemerkung:

Thomas Hobbes, John Locke und Jean-Jacques Rousseau stellten Philosophien über den Naturzustand des Menschen auf und entwickelten darauf Bezug nehmende Staatstheorien. Ziel ihres Schaffens war es, die Entstehungsmöglichkeit einer vertraglich fixierten politischen Ordnung eines Gemeinwesens, durch das Übereinkommen seiner Individuen aufzuzeigen.[1] Ihre Werke entstanden in der Epoche der Frühen Neuzeit, für die eine aufgrund Blutlinie vollzogene Herrschaft prägend war, welche als Gott gegeben legitimiert wurde.[2] Um den Wandel der Zeit und die historischen Einflüsse auf die Gedankenwelt der drei nachvollziehen zu können, erfolgt einleitend eine kurze Zeitreise.

Gemäß der historischen Überlieferungen bescherten einschneidende Geschehnisse den Menschen der Frühen Neuzeit große Veränderungen. Durch den Fall des Byzantinischen Reichs, kamen griechische Gelehrte in den Okzident, samt dort verschollen geglaubtem Bildungsgutes der Antike.[3] Der davon inspirierte Renaissance-Humanismus verbreitete die Idee eines neuen Menschenbildes, demnach der Mensch nicht mehr zu Demut verpflichtet sei, sondern sich seiner natürlichen Fähigkeiten besinnen und durch Bildung als Selbstzweck seine wahre Bestimmung finden sollte.[4]

Im selbem Zeitraum ermöglichte die Entwicklung des Drucks mit beweglichen Metall-Lettern eine weite Literatur-Verbreitung und eine dementsprechend rapide Wissensakkumulation.[5] Diese Vorgänge ermöglichten einen folgenschweren Bruch und Wandel. Der Humanismus­Gelehrte Theologe Erasmus von Rotterdam, nutzte wiederentdeckte Manuskripte der griechischen Neuankömmlinge, zur Erstausgabe des vollständig gedruckten griechischen Textes des Neuen Testaments, dessen zweite Auflage in England den Übersetzern der King-James-Bibel und vordem Luther bei der Bibelübersetzung ins Deutsche, als Ausgangstext diente.[6]

Diese Entwicklungen verstärkten die Reformationsbewegung. Die später resultierende, jedoch ursprünglich nicht angestrebte, Glaubensspaltung wurde zum Vorwand für kriegerische Machtkämpfe, Vertreibung, Verfolgung und Hinrichtungen missbraucht. Positive Aspekte waren die Abkehr vom Ablasswesen, eine staatliche Loslösung von kirchlicher Bevormundung und auch Rechte größererGlaubensfreiheit.[7]

Um den blutigen religiösen Machtkämpfen Einhalt zu gebieten, postulierte Jean Bodin (bedeutender Staatstheoretiker der Frühen Neuzeit, der als Begründer des modernen Souveränitätsbegriffs gilt und u.a. an einem humanistisch orientierten Institut studierte) eine religiös neutrale Erb­Monarchie zum souveränen Träger aller Gewalt im Staate.[8]

Hobbes, Locke und Rousseau nahmen sich dem Thema der höchsten Hoheitsgewalt eines Gemeinwesens an. Hobbes' „Leviathan“, Lockes' „Zwei Abhandlungen über die Regierung“ und Rousseaus' „Vom Gesellschaftsvertrag oder Prinzipien des Staatsrechtes“ beruhen auf die gleiche Herangehensweise, dem Argumentation-strategischen Dreischritt vom Naturzustand des Menschen, einem dem geschuldeten theoretischen Vertrag zum Entstehen beziehungsweise der Erhaltung eines Gemeinwesens und einen dadurch möglichen Gesellschaftszustand[9] - im Rahmen theoretischer Ausgestaltung ihrer Staatsmodelle. Diese Strategie kann global als sinnvoll und zeitlos modern angesehen werden, da sie keiner besonderen Gesellschaftsform beziehungsweise Kulturzu Grunde liegt.

Um die Systemrelevanz verstehen zu können untersucht diese Hausarbeit die Gemeinsamkeiten und Unterschiede in den gesellschaftstheoretischen Konzeptionen von Hobbes, Locke und Rousseau in ihren jeweiligem Argumentation-strategischem Dreischritt. Dementsprechend erfolgt ein Vergleich ihrer Naturzustandsphilosophien, ihrer Vertragstheorien und ihrer Staatsmodelle, um schließlich im Resümee die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu beleuchten.

2. Vergleich der Vertragstheorien in ihrem Dreischritt-System 2.1. Vergleich der Naturzustandsphilosophien

Thomas Hobbes (geb.1 588, |1679) war ein englischer Mathematiker, Staatstheoretiker und Philosoph. Sein staatstheoretisches Hauptwerk „Leviathan“ veröffentlichte er 1651 - zwei Jahre nach Ende des Englischen Bürgerkriegs und der Hinrichtung von König Karl I.[10]

Diese Erfahrungen dürften Hobbes maßgeblich beeinflusst haben bei seiner Deskription des menschlichen Naturzustandes. In diesem würden die Menschen schließlich aufgrund einer natürlichen Neigung zur Herrschaft und Freiheit, im gegenseitigem Kriegszustand verharren;[11] da es im Naturzustand an einer beständigen Obermacht mangeln würde, die die Menschen in ihrem ständigen Wetteifer um Ehre, Würde und Besitz zu Gerechtigkeit maßregelt.[12] In solch Zustand der Zügellosigkeit würden schreckliche menschliche Eigenschaften grassierend zu Tage treten und schließlich Krieg entstehen. Hobbes erwähnt aber auch das natürliche Gesetz der Gerechtigkeit und natürliches Rechtsempfinden, wonach der Mensch, seiner selbst wegen, anderen Gutes zu tun vermocht ist; mangels einer die Allgemeinheit zügelnden Zwangsmacht, könnten aber weder Gesetze und Verträge allein, noch mit Hilfe von Waffen, den Kriegszustand aller gegen alle beenden.[13]

John Locke (geb.1632, |1704) war ebenfalls Engländer. 1689, dem Jahre in dem infolge der Glorreichen Revolution Englands die Königsgewalt zu Gunsten des Parlaments beschränkt wurde,[14] veröffentliche er „Zwei Abhandlungen über die Regierung“ anonym.[15]

Lockes zu Folge können Menschen von Natur aus grundsätzlich frei über ihr Individuum und ihren Besitz bestimmen.[16] Da die Menschen schließlich ein und derselben Gattung angehören und somit Geschöpfe des gleichen ursprünglichen Potenzials sind, sollten sie untereinander auch gleiches Recht und Möglichkeiten haben. Die Freiheit im Naturzustand umfassejedoch auch die Möglichkeit Herrschaftsmacht auszuüben, unabhängig der Zustimmung der Beherrschten.

Locke definiert solch Begebenheiten aber nicht als zügellos und grausam, da das natürliche Gesetz der Vernunft jeden verpflichte und somit davon abhalten sollte, anderen Schaden zuzufügen; im eventuellen Verbrechensfall hätte jedes Individuum jedoch das gleiche willkürliche Recht, jedes Mittel einsetzen, um zu richten[17] - und somit die völlig unabhängige Freiheit eines willkürlichen Herrschers.

Diese Problematik könne gemäß Locke gelöst werden, sofern Menschen per Vertrag das gegenseitige Übereinkommen beschließen, sich zu einer Gemeinschaft zu verbünden und einen politischen Körper zu errichten;[18] welcher jedoch eine ausnahmslose Zustimmung nötig hätte,[19] damit die Menschen nicht im Naturzustand verbleiben.[20]

Jean-Jacques Rousseau wurde 1712 in der unabhängigen Stadtrepublik Genf (heutiger Hauptort des Schweizer Kanton Genf) geboren und ist 1778 in dem Pariser Vorort Ermenonville verstorben. Sein Werk „Vom Gesellschaftsvertrag oder Prinzipien des Staatsrechtes“ wurde 1762 in Amsterdam veröffentlicht und direkt danach in den Niederlanden, in Frankreich, in Bern und in Genf verboten.[21] Obwohl seine Apperzeptionen die Verhältnisse ferner Vergangenheit reflektieren, sind sie im übertragenem Sinn immer noch hochaktuell.

Rousseau beschreibt das Dilemma der Entstehung und Aufrechterhaltung gesellschaftlicher Ungleichheit durch die Privatinteressen der Starken zu Lasten der Schwachen. Demnach würden einzelne Menschen bis hin zu ganzen Staaten unter dem Deckmantel von Wohlwollen und Gnade durch Stärkere in Abhängigkeiten gezwängt, um sie zu Diener ihrer Interessen zu machen,[22] für die sie im Schlimmsten Fall gar ihr Eigen aufopfern müssten.[23] Wie die Entschlüsselung kleingedruckter Klauseln ungerechter Verträge, formuliert Rousseau den Zustand wie folgt: „Ich schließe mit dir eine Übereinkunft, die dir allen Nachteil und mir allen Vorteil bringt, eine

Übereinkunft, die ich halten werde, solange es mir gefällt, und die du halten musst, solange es mir gefällt.“[24]

Rousseau gelangte zu der Erkenntnis, dass bevor eine Bevölkerung durch Wahlen Macht veräußert, es situationsgerecht wäre zu prüfen, ob die Vertreter der Bevölkerung auch die gleichen Interessen wie die ihren verfolgen.[25] In einer politischen Gesellschaft ungleich verketteter Abhängigkeiten würde sich die Masse einer Bevölkerung schließlich an Potentaten verschenken. Wer sich indes dennoch selbst veräußern würde, habejedoch nicht das Recht seine Kinder zu verschenken. Daher müsste eine Bevölkerung stets das freie Recht besitzen, eine Regierung anzunehmen und vor allem auch verwerfen zu können.

Gemäß Rousseaus Naturzustandsphilosophie besteht die einzig natürliche Gesellschaftsform aus Selbstbestimmten Zwei-Generationen-Kernfamilien.[26] In solchen sei die Freiheit für alle im beständigen Kreislauf verhältnismäßig gleich, da einzig das Naturgesetz der Selbsterhaltung die Menschen verpflichten würde. Die Freiheit aller würde einzig solange durch die erzieherischen Verpflichtungen und der Gehorsams-Abhängigkeit der Kinder eingeschränkt sein, bis die Kinder sich frei und unabhängig selbst erhalten und somit auch über sich selbst bestimmen können. Durch die Unabhängigkeit aller Familienglieder würde die Voraussetzung entstehen, die Verbindung der Familien-Gesellschaft fortan freiwillig, in Übereinkommen zu erhalten. Geschehe dies, befände sich die Familie nicht mehr im Naturzustand - schließlich könnte der gemeinsame Schutz, auf der Grundlage ihres vereinigtem Wissens und ihrer vereinten Kraft, alle bestmöglich vor dem Kreislauf der Natur schützen. Somit würde schließlich das wesentliche Interesse jedes Einzelnen, durch das Naturgesetz der Selbsterhaltung verbunden sein.

[...]


[1] Vgl. http://www.uni-protokolle.de/Lexikon/Vertragstheorie.html (Stand 20.05.2013)

[2] Vgl.http://www.schuelerlexikon.de/SID/5c15376c3863f1665700a7f1d74b4999/lexika/geschichte/cont/cont0 200/cont0205/full.htm (zuletzt abgerufen am 20.05.2013)

[3] Vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Fr%C3%BChe_Neuzeit (Stand 19.05.2013)

[4] Vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Renaissance-Humanismus (Stand 19.05.2013)

[5] Vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Fr%C3%BChe_Neuzeit (Stand 19.05.2013)

[6] Vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Erasmus_von_Rotterdam (Stand 06.05.2013)

[7] Vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Reformation (Stand 14.05.2013)

[8] Vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Jean_Bodin (Stand 14.04.2013)

[9] Vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Vertragstheorie#cite_note-1 (Stand03.04.2013)

[10] Vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Thomas_Hobbes (Stand 30.04.2013)

[11] Vgl. Hobbes, Leviathan, übers. undhrsg. vonJ.P. Mayer 1974, S. 95

[12] Vgl. Hobbes, Leviathan, übers. undhrsg. vonJ.P. Mayer 1974, S. 96

[13] Vgl. Hobbes, Leviathan, übers. undhrsg. vonJ.P. Mayer 1974, S. 95

[14] Vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Glorious_Revolution (Stand31.03.2013)

[15] Vgl. http://de.wrkipedia.org/wiki/Zwei_Abhandlungen_%C3%BCber_die_Regierung (Stand 05.04.2013)

[16] Vgl. z. ganzen Abschn., Locke, Zwei Abhandl. ü. die Regierung, übers. Hoffmann, hrsg. Euchner 1967, §4

[17] Vgl. Locke, Zwei Abhandlungenüber die Regierung, übers.v. H.J. Hoffmann, hrsg. v. W.Euchner 1967, §6

[18] Vgl. Locke, Zwei Abhandlungenüber die Regierung, übers.v. H.J. Hoffmann, hrsg. v. W.Euchner 1967, §14

[19] Vgl. Locke, Zwei Abhandlungenüber die Regierung, übers.v. H.J. Hoffmann, hrsg. v. W.Euchner 1967, §119

[20] Vgl. Locke, Zwei Abhandlungenüber die Regierung, übers.v. H.J. Hoffmann, hrsg. v. W.Euchner 1967, §15

[21] Vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Vom_Gesellschaftsvertrag_oder_Prinzipien_des_Staatsrechtes (St.11.5.13)

[22] Vgl. Rousseau, Der Gesellschaftsvertrag o. D.Grundsätze d.Staatsrechtes, http://www.textlog.de/2341.html

[23] Vgl. Rousseau, Der Gesellschaftsvertrag o. D.Grundsätze d.Staatsrechtes, http://www.textlog.de/2341-2.html

[24] Rousseau, Der Gesellschaftsvertrag o. Die Grundsätze des Staatsrechtes, http://www.textlog.de/2341-2.html

[25] Vgl. zum ganzen Abschnitt, Rousseau, Der Gesellschaftsvertrag oder Die Grundsätze des Staatsrechtes, http://www.textlog.de/2341.html

[26] Vgl. zum ganzen Abschnitt, Rousseau, Der Gesellschaftsvertrag oder Die Grundsätze des Staatsrechtes, http://www.textlog.de/2343.html

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Gemeinsamkeiten und Unterschiede in den gesellschaftstheoretischen Konzeptionen von Hobbes, Locke und Rousseau
Hochschule
Hochschule Bremen  (Gesellschaftswissenschaften)
Veranstaltung
Begriff und Theorie der Bürgerlichen Gesellschaft
Note
1,5
Autor
Jahr
2012
Seiten
24
Katalognummer
V263958
ISBN (eBook)
9783656529651
ISBN (Buch)
9783656533795
Dateigröße
445 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
gemeinsamkeiten, unterschiede, konzeptionen, hobbes, locke, rousseau
Arbeit zitieren
Patrick Köpke (Autor), 2012, Gemeinsamkeiten und Unterschiede in den gesellschaftstheoretischen Konzeptionen von Hobbes, Locke und Rousseau, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/263958

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