Wirtschaftswachstum um jeden Preis?

Ökologische und soziale Vertretbarkeit geplanter Obsoleszenz


Facharbeit (Schule), 2013

18 Seiten, Note: 15


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Hinführung zum Thema
1.1 Verschiedene Arten geplanter Obsoleszenz
1.2 Entstehung und Geschichte

2. Ökologische Folgen geplanter Obsoleszenz
2.1 Verbrauch von Rohstoffen und Energien
2.2 Folgen für Mensch und Umwelt

3. Soziale Folgen geplanter Obsoleszenz
3.1 Bedeutung für die Gesellschaft
3.2 Veränderung des Konsumverhaltens

4. Fazit
4.1 Lösungsansätze – Wachstum und Umweltschutz
4.2 Stellungnahme

5. Literaturverzeichnis

6. Erklärung

Einleitung

In dieser Facharbeit im Fach Sozialwissenschaften mit dem Thema „Wirtschaftswachstum um jeden Preis? – Ökologische und soziale Vertretbarkeit geplanter Obsoleszenz“ untersuche ich die Auswirkungen, welche sich bei der Durchführung dieser Marketingstrategie auf die Gesellschaft und Umwelt ergeben, und wäge diese gegen das so gesteigerte Wirtschaftswachstum ab. Gewählt habe ich dieses Thema, da es aufgrund des technischen Fortschritts immer mehr Möglichkeiten für Hersteller gibt, Produkte absichtlich frühzeitig verschleißen zu lassen, um so den Kunden zum Kauf neuer Waren zu animieren. Somit hat das Thema eine hohe Aktualität und ist auch wegen der verheerenden Folgen für die Umwelt relevant für die gesamte Gesellschaft. Weiterhin habe ich auch deswegen ein großes persönliches Interesse an der Bekanntmachung oder Aufdeckung solcher Fälle geplanter Obsoleszenz entwickelt, da auch ich bereits Produkte vorzeitig entsorgen und durch neue ersetzen musste, was teilweise auf technische, aber auch auf psychologische Ursachen zurückzuführen ist. Im ersten Kapitel werde ich diese verschiedenen Arten geplanter Obsoleszenz darstellen ; im nächsten Schritt gehe ich dann näher auf die Entstehung und Geschichte der Produktstrategie ein und beziehe mich im Folgenden auch auf ein aktuelleres Beispiel. Kapitel zwei befasst sich mit den Folgen geplanter Obsoleszenz für die Umwelt; daher werde ich gezielt einige Untersuchungen zu dem Verbrauch an Ressourcen und Energien und dem entstehenden Abfall anstellen und die Auswirkungen dessen auf die Umwelt und die Gesundheit des Menschen erläutern. Im dritten Kapitel beziehe ich mich zuerst auf die Bedeutung der geplanten Obsoleszenz für die Gesellschaft in Abhängigkeit von der wirtschaftlichen Situation und erkläre dann, wodurch das Konsumverhalten sich heutzutage auszeichnet und wie es sich verändert hat. Das letzte Kapitel befasst sich mit der Frage, ob Umweltschutz und Wirtschaftswachstum einhergehen können; dazu werde ich einige Konzepte zur Schonung der Umwelt vorstellen und kurz bewerten. Weiterhin werde ich eine Stellungnahme zu der Vertretbarkeit geplanter Obsoleszenz und unserem Wirtschaftssystem generell abgeben.

1.1 Verschiedene Arten geplanter Obsoleszenz

Der Begriff Obsoleszenz lässt sich ableiten aus dem Lateinischen obsolescere und bedeutet soviel wie „sich abnutzen, veralten, Ansehen, Wert verlieren“.[1] Allgemein bezeichnet Obsoleszenz den „natürlichen“ Verlust der Funktionsfähigkeit eines Produktes, welcher durch seine Abnutzung und Veralterung hervorgerufen wird. Wird dieser Verschleiß jedoch vorsätzlich frühzeitig herbeigeführt, spricht man von geplanter Obsoleszenz, einer Geschäftsstrategie bei der Unternehmen aufgrund der resultierenden Beschaffung von Ersatzmaterial einen steigenden Umsatz erzielen können.[2] Nach Packard lässt sich diese in drei unterschiedliche Kategorien unterteilen: Zum Ersten die funktionelle Obsoleszenz, bei der ein bereits vorhandenes Produkt durch die Einführung eines neuen mit Zusatzfunktionen veraltet, auch wenn es noch voll funktionsfähig ist.[3] Ein Beispiel dafür ist der Ersatz von Röhrenfernsehgeräten durch solche mit Flachbildschirm, wobei hier die Lebenserwartung sehr gering ist: bei einem Gebrauch von fünf Stunden täglich soll das Gerät nach drei bis vier Jahren bereits ausgedient haben.[4] Oft geschieht es auch, dass ein Produkt nicht weiter in vollem Maße genutzt werden kann, da es neuen Anforderungen nicht mehr entspricht, wie beispielsweise ältere Betriebssysteme, die den Forderungen neuster Computerspiele nicht entsprechen. Folglich muss der Konsument stets die aktuellste Ware erwerben, um seine Geräte wie gewohnt nutzen können – und der Umsatz der Unternehmen steigt. Unter qualitativer Obsoleszenz versteht man das Versagen eines Produktes an einem bestimmten Zeitpunkt aufgrund technischer Mängel. Diese werden vorsätzlich in das Gerät integriert und sorgen für das frühzeitige Ableben der Geräte.[5] Häufig ist bei Druckern eine sogenannte „Sollbruchstelle“ zu finden: dabei wird ein Chip in den Schaltkreis des Gerätes eingebaut, welcher die Anzahl der Drucke zählt. Nach dem Erreichen einer bestimmten Zahl versagt der Drucker schließlich und ist nicht mehr funktionsfähig. Bringt der Kunde das Gerät zu einem Servicecenter, erfährt er, dass der Neuerwerb eines Druckers preisgünstiger als eine Reparatur sei. Hierbei werden bewusst Falschangaben zur Reparaturmöglichkeit des Produktes gemacht - folgt der Kunde dem Rat des Experten und ersetzt den alten Artikel durch einen neuen, wird auch er ein Opfer des geplanten Verschleißes.[6] Die psychologische Obsoleszenz hingegen lässt sich nicht auf technische Mängel zurückführen. Sie bezeichnet das Unerwünscht-werden eines Produktes aus modischen Gründen, auch wenn es qualitativ noch komplett funktionsfähig ist.[7] Das Verlangen nach immer neueren, schöneren, besseren Gegenständen wird zum Einen ausgelöst durch die ständige Werbung neuer Modeerscheinungen, und zum Anderen durch sogenanntes Facelifting, der meist geringfügigen Veränderung des Äußeren eines Erzeugnisses.[8] Waren Mobiltelefone früher noch ziemlich schwer und robust, so zählt heutzutage vor allem das (möglichst schlanke) Design eines Smartphones. Die Qualität ist hierbei meist nicht so wichtig: nach zwei Jahren schaffen sich viele Konsumenten ohnehin ein neues an. Nachweisen lässt sich die Strategie nur recht selten - auch die Stiftung Warentest erbrachte bis jetzt kaum handfeste Beweise für die Durchführung der Marketingstrategie, da die Beweise seitens des Konsumenten erbracht werden müssten und Hersteller sich stets auf den natürlichen Verschleiß berufen können .[9]

1.2 Entstehung und Geschichte geplanter Obsoleszenz

Ausgeführt wurde die Idee der geplanten Obsoleszenz erstmals im Jahre 1924 in Genf, wo die dominierenden Glühbirnen-Hersteller der Welt das sogenannte Phoebus-Kartell gründeten, unter ihnen auch Osram und Philips. Ihr Ziel war es, die Lebensdauer der Glühbirnen von damals möglichen 2500 Stunden auf maximal 1000 zu beschränken, was den Ingenieuren der beteiligten Unternehmen auch schließlich in den 1940er Jahren gelang. Durch den somit beschleunigten Neukauf von Glühbirnen steigerten Unternehmen ihren Umsatz und maximierten ihre Gewinne. Zwar wurden General Electric und andere beteiligte Unternehmen nach 11 Jahren Gerichtsprozess aufgrund illegaler Preisabsprachen und unlauterem Wettbewerb im Jahre 1953 verurteilt und die Reduzierung der Lebensdauer von Glühbirnen untersagt – die Idee blieb jedoch bestehen.[10] Bernard London beispielsweise sah in der Strategie der geplanten Obsoleszenz einen Ausweg aus der schweren Wirtschaftskrise Amerikas (1929-1941). Er schlug vor, jedes Produkt mit einem Verfallsdatum versehen zu lassen. Der Konsument solle dieses nach dessen „Ablauf“ zu einer Behörde bringen, welche es dann beseitige. In einer Veröffentlichung aus dem Jahre 1932 macht er die Verbraucher für die schlechte wirtschaftliche Lage verantwortlich und plädiert für eine Bestrafung bei zu langer Aufbewahrung von Gütern:

[…] a person who continues to posses and use old clothing, auto- mobiles and buildings, after they have passed their obsolescence

date, as determined at the time they were created, should be taxed for such continued use of what is legally ‘dead’.

Auf diese Art und Weise sollte der Industrie wieder neuer Schwung verliehen und somit mehr Arbeitsplätze geschaffen werden, jedoch wurde das Gesetz nie in Kraft gesetzt.[11] Dass der Vorschlag zu einer Zeit populär wurde, in der das Thema Umweltschutz noch längst nicht so aktuell war wie heute, scheint offensichtlich. Heutzutage wäre eine vergleichbare Idee geradezu undenkbar. Doch was ist mit der sogenannten Umweltprämie des Jahres 2009? Damals zahlte der Staat im Rahmen des Konjunkturpakets II einen Betrag von rund 2500 Euro für die Anschaffung eines Neuwagens an diejenigen aus, welche vorher ihr mindestens neun Jahre altes Kraftfahrzeug verschrotten ließen.[12] Im Gegensatz zum Plan Bernards geschah dies natürlich auf rein freiwilliger Basis, jedoch lassen sich aus den Fällen gewisse Parallelen ziehen. Ebenso wie damals war der Anlass der Aktion die schwere wirtschaftliche und finanzielle Krise, infolge der die Automobilindustrie 2008/2009 einen schweren Einbruch ihrer Konjunktur erlitt. Angesichts dieser Maßnahme sollten die Verkaufszahlen durch erhöhte Nachfrage seitens der Konsumenten wieder in die Höhe steigen und die Wirtschaft angekurbelt werden. Ein weiterer Aspekt war die Reduzierung des Schadstoffausstoßes durch die neuen, effizienteren Kraftfahrzeuge.[13] Zumindest der erste Teil des Plans ging auf: die Ausgaben privater Haushalte in Deutschland zur Anschaffung eines neuen oder gebrauchten Automobils betrugen im Jahr 2009 ca. 73 Milliarden Euro – verglichen mit dem Vorjahr bedeutet das einen Anstieg von rund einem Fünftel. Weiterhin wuchs die Anzahl der Neuzulassungen gegenüber 2008 um 23 Prozent (3,8 Millionen Neuwagen) und war damit so hoch wie seit der Hochkonjunktur 1991/1992 nicht mehr.[14] Folglich erwies sich diese Art der geplanten Obsoleszenz durch den Staat vorläufig als eine gute Möglichkeit, den Konsum zu erhöhen und verhinderte somit den Zusammenbruch einiger Automobilhersteller wie beispielsweise Volkswagen[15]. Darüber hinaus sei der Umweltprämie laut dem damaligen SPD-Kanzlerkandidaten Frank-Walter Steinmeier die Erhaltung von etwa 200.000 Arbeitsplätzen zu verdanken.[16]

[...]


[1] http://de.pons.eu/latein-deutsch/obsolescere (Stand: 10.02.2013).

[2] Vgl. http://universal_lexikon.deacademic.com/50520/Obsoleszenz (Stand: 10.02.2013).

[3] Vgl. Packard 1964:59.

[4] Vgl. http://derstandard.at/1334796849749/Kaputt-Hersteller-beschraenken-Lebensdauer-von- Flachbildfernsehern Stand: 10.02.2013).

[5] Vgl. Packard 1964:59.

[6] Vgl. Kaufen für die Müllhalde 2010.

[7] Vgl. Packard 1964:60.

[8] Vgl. http://universal_lexikon.deacademic.com/50520/Obsoleszenz (Stand 10.02.2013).

[9] Vgl. Frohwein: „Kaputt nach Plan-gibt's das?“,WAZ, 26.01.2013.

[10] Vgl. Kaufen für die Müllhalde 2010.

[11] Vgl. ebd.

[12] Vgl. http://wirtschaftslexikon.gabler.de/Archiv/89412/abwrackpraemie-v7.html (Stand: 12.02.2013).

[13] Vgl. ebd.

[14] Vgl.https://www.destatis.de/DE/PresseService/Presse/Pressemitteilungen/2010/03/PD10_099_811.

html (Stand: 16.02.2013).

[15] Vgl. http://www.spiegel.de/wirtschaft/autoabsatz-abwrackpraemie-rettet-volkswagen-zahlen-a-

639164.html (Stand: 16.02.2013).

[16] Vgl. http://www.focus.de/finanzen/news/auto-steinmeier-abwrackpraemie-rettet-200-000-

jobs_aid_432048.html (Stand: 16.02.2013).

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Wirtschaftswachstum um jeden Preis?
Untertitel
Ökologische und soziale Vertretbarkeit geplanter Obsoleszenz
Note
15
Autor
Jahr
2013
Seiten
18
Katalognummer
V265208
ISBN (eBook)
9783656546801
ISBN (Buch)
9783656547280
Dateigröße
509 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
wirtschaftswachstum, preis, ökologische, vertretbarkeit, obsoleszenz
Arbeit zitieren
Amal Sarhan (Autor), 2013, Wirtschaftswachstum um jeden Preis?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/265208

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