Antisemitismus im Kaiserreich. Entstehung und Auswirkungen


Hausarbeit, 2012
12 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Antisemitismus im Kaiserreich
2.1 Definition des Begriffs ‚Antisemitismus‘
2.2 Entstehung des Antisemitismus
2.3 Auswirkungen des Antisemitismus

3. Schluss

4. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Judenfrage besteht. Es wäre töricht, sie zu leugnen. Sie ist ein verschlepptes Stück Mittelalter, mit dem die Kulturvölker auch heute beim besten Willen noch nicht fertig werden konnten. […] Die Judenfrage besteht überall, wo Juden in merklicher Anzahl leben. Wo sie nicht ist, da wird sie durch hinwandernde Juden eingeschleppt. Wir ziehen natürlich dahin, wo man uns nicht verfolgt, durch unser Erscheinen entsteht dann die Verfolgung. “[1]

Dieser Auszug aus dem Buch „Der Judenstaat. Versuch einer modernen Lösung der Judenfrage“ von Theodor Herzl (1860-1904)[2] beinhaltet Aussagen über den Antisemitismus während der Kaiserzeit, mit dem ich mich in dieser Arbeit näher beschäftigen werde. Ich habe dieses Thema gewählt, da es mich persönlich sehr interessiert. Ich finde es spannend und halte es für meine persönliche Bildung, gerade als Geschichtsstudentin und zukünftige Geschichtslehrerin, auch für sehr wichtig, etwas über die Gründe für das Entstehen einer so großen Judenfeindlichkeit im Deutschen Reich und deren extremen Folgen zu erfahren. In dieser Arbeit will ich hauptsächlich untersuchen, wie es zu einem derartigen Fremdenhass kommen konnte und wieso ausgerechnet die Juden, die 1871 gleichberechtigte Bürger waren, zum meistgehassten Volk im Deutschen Reich wurden.

Zuerst werde ich den Begriff ‚Antisemitismus‘, der bekanntlich im Vordergrund meiner Arbeit steht, definieren und erläutern, um deutlich zu machen, wo dieser Begriff herkommt und was genau er beinhaltet. Dies dient dazu, Verwirrungen, Verständnisprobleme o.ä. von vornherein zu umgehen. Danach werde ich untersuchen, wie es im Kaiserreich überhaupt zu einer so großen antisemitischen Bewegung kommen konnte, also was die Gründe und der Auslöser für den weitverbreiteten Judenhass waren. Als nächstes werde ich die Auswirkungen, die die Judenfeindschaft der Deutschen sowohl auf das Leben der Juden als auch auf das politische Leben des Deutschen Reiches hatte, recherchieren und erläutern.

Zuletzt werte ich die Ergebnisse meiner Arbeit aus, indem ich die wichtigsten Aspekte zusammenfasse und noch einmal kritisch reflektiere und auf eventuell auftretende Probleme eingehe.

Als Hilfsmittel habe ich unter anderem die Bücher „Bankjuden“ von Matthew Lange, „Antisemitenpetition“ von Daniela Kraus und „Reaktionen gegen die Gleichstellung: Die Entstehung des modernen Antisemitismus“ von Peer Jürgens verwendet, da diese detailliert auf den Antisemitismus im Kaiserreich eingehen und einige für mich wichtige Informationen über die Entstehung und Folgen der Judenfeindlichkeit in der Kaiserzeit enthalten.

2.Antisemitismus im Kaiserreich

2.1 Definition des Begriffs ‚Antisemitismus‘

‚Antisemitismus‘ bezeichnet im Allgemeinen die Judenfeindlichkeit, also die Ablehnung alles Jüdischem, sprich der Juden und des Judentums. Hierfür gibt es verschiedene Motive und Ausprägungen. Auf der einen Seite können religiöse Motive der Auslöser für Judenhass sein. Diese Form der Judenfeindlichkeit nennt man ‚Antijudaismus‘. Auf der anderen Seite können sozialökonomische, ethnisch-nationalistische und rassistische Motive zu Judenfeindlichkeit führen. In diesem Fall spricht man von ‚Antisemitismus‘.[3] Judenfeindschaft ist bereits seit etwa 2500 Jahren bekannt.[4] Der Begriff ‚Antisemitismus‘ wurde jedoch erst im Jahre 1879 durch Wilhelm Marr geprägt[5], worauf ich im Abschnitt 2.2 ‚Entstehung des Antisemitismus‘ noch näher eingehen werde.

Das Substantiv ‚Antisemitismus‘ setzt sich aus dem Präfix ‚anti‘, dem Wortstamm ‚Semit‘ und dem Suffix ‚ismus‘ zusammen. Die griechische Vorsilbe ‚anti‘ drückt in Verbindung mit einem Substantiv eine ablehnende Haltung gegenüber einer Person oder Sache aus.[6] ‚Antisemitismus‘ ist also ein Antonym (Gegensatzwort) zu ‚Semitismus‘, somit handelt es sich beim ‚Antisemitismus‘ um eine gegnerische Einstellung gegenüber Semiten. Das Substantiv ‚Semit‘ bedeutet wörtlich ‚Nachfahre des Sem‘. Sem war der erste der drei Söhne Noahs in der Bibel. Von ihm und seinen zwei Brüdern Ham und Jafet stammt laut Gen 9,19 die nachsintflutliche Menschheit ab.[7] 1771 bezeichnete der deutsche Historiker August Ludwig von Schlözer (1735-1809) die Volksgruppe der Hebräer, Araber und afrikanischen Abessinier als ‚Semiten‘.[8] Letztendlich setzte sich der Begriff ‚Semit‘ als Bezeichnung für einen Juden durch. Das griechische Suffix ‚ismus‘ wird verwendet, um aus einem Substantiv oder einem Adjektiv ein Abstraktum zu bilden, zum Beispiel ein Glaubenssystem, eine Lehre oder eine Ideologie.[9] Durch Anhängen dieses Suffix wird das Substantiv ‚Antisemit‘ also zu einer Anschauung, die sich gegen Juden richtet.

2.2 Entstehung des Antisemitismus

Um den Ausbruch der antisemitischen Bewegung im Kaiserreich nachvollziehen zu können, müssen wir zuerst einen Blick darauf werfen, zu welchem Zeitpunkt und aus welchen Gründen der Judenhass zum ersten Mal in der Geschichte Europas aufgetreten ist und wie sich die Judenfeindlichkeit im Laufe der Jahrhunderte entwickelt hat.

Wie in 2.1 bereits erwähnt, existiert der Judenhass seit etwa 2500 Jahren. Als Ursprung der Judenfeindlichkeit gilt die Loslösung des Christentums von seinen jüdischen Wurzeln. Im Laufe der Jahre gerieten das Christentum und das Judentum in eine Konkurrenzsituation. Sie konkurrierten um den wahren Glauben und um Anhängerschaft. Die Juden betrieben erfolgreich Proselytismus[10], das heißt sie missionierten und brachten Christen dazu, zum Judentum überzutreten. Außerdem glaubten die Juden nicht daran, dass Jesus der Messias sei, der in der jüdischen Bibel vorhergesagt wurde. Aus diesem Grund beschuldigten die Christen die Juden, Jesus gekreuzigt zu haben. Sie bezeichneten sie als Christusmörder. Durch diese Rivalitäten mit den Juden war bei den Christen der Grundstein für eine „antijüdische Tradition“ gelegt.

[...]


[1] Herzl, Theodor: Der Judenstaat. 6. Auflage. Jüdischer Verlag. Köln. S. 9.

[2] http://www.bpb.de/internationales/asien/israel/44953/theodor-herzl

[3]http://www.uni-protokolle.de/Lexikon/Antijudaismus.html#Antijudaismus_und_Antisemitismus

[4] http://sunday-news.wider-des-vergessens.de/?p=4713

[5] Ferrari Zumbini, Massimo: Die Wurzeln des Bösen. Vittorio Klostermann GmbH. Frankfurt am Main 2001. S. 169.

[6] http://www.duden.de/rechtschreibung/anti_

[7] http://www.bibelwissenschaft.de/nc/wibilex/das-bibellexikon/details/quelle/WIBI/zeichen/s/referenz/28381/cache/68323021068223f3a51cc86c6ddfae3a/#h2

[8] http://semitistik.uni-hd.de/muenster.html

[9] http://www.wissen.de/fremdwort/ismus

[10] Castritius, Helmut: Zur Konkurrenzsituation zwischen Judentum und Christentum in der spätrömisch-frühbyzantinischen Welt. In: Aschkenas. Band 8, Heft 1, S. 29.

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Antisemitismus im Kaiserreich. Entstehung und Auswirkungen
Hochschule
Universität Paderborn
Note
2,3
Autor
Jahr
2012
Seiten
12
Katalognummer
V266942
ISBN (eBook)
9783656572015
Dateigröße
544 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
antisemitismus, kaiserreich, entstehung, auswirkungen
Arbeit zitieren
Lara Teupe (Autor), 2012, Antisemitismus im Kaiserreich. Entstehung und Auswirkungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/266942

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