Die Elitenentwicklung in Island


Seminararbeit, 2011
19 Seiten, Note: 1,8
Anonym

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Geographie und Geschichte

3. Staatspräsident, Parlament und Regierung
3.1 Der Staatspräsident
3.2 Das Parlament
3.3 Die Regierung

4. Gewerkschaften und Parteien

5. Gesellschaft und politische Kultur

6. Zusammenfassung und Bewertung

7. Quellenverzeichnis

1. Einleitung

Ziel dieser Arbeit ist es dem Leser einen Einblick in die Geschichte des Inselstaates Island, sein politisches System, die Gewerkschaften und Parteien, sowie die Gesellschaft und politische Kultur zu geben. In diesem Rahmen werden auch Bildungssystem und Rekrutierungswege der Politiker begutachtet. Besonderes Augenmerk wird dabei auf die Entwicklung der Gesellschaft in Richtung Eliten, deren Aufbau und Zusammensetzung gelegt. Die primären Fragen hierbei sind: a) ob sich in diesem kleinen Land, in dem die Bevölkerung größtenteils aufeinander angewiesen ist und sehr homogen zu sein scheint, eine differenzierte Elitenlandschaft in den Bereichen Politik, Wirtschaft, Recht und Wissenschaft entwickeln konnte, b) wie diese Eliten entstanden, ob es einen vorgezeichneten Bildungsweg oder ein Karrieremuster gibt und c) ob es sich bei den Entwicklungen um Zirkulation oder Reproduktion der Eliten handelt und wie diese entstehen.

Durch die geringe Bevölkerungszahl und seine Peripherielage erweckt Island kein großes Interesse bei Politwissenschaftlern. Aus diesem Grund ist auch die Literaturlage etwas dürftig. In folgender Analyse der Eliten in Island, wird deswegen auch auf Zeitungsartikel und Webseiten zurückgegriffen.

2. Geographie und Geschichte

Island ist ein kleiner Staat mit der Größe von 103.500 Quadratkilometern[1] und einer Einwohnerzahl von knapp 310.000[2]. Er ist dünn besiedelt und in seiner Hauptstadt Reykjavík leben Eindrittel der Gesamtbevölkerung. Island ist eine Insel und liegt im nördlichen Teil des Atlantischen Ozeans, zwischen den Faröer Inseln und Grönland.[3] Das Land stand ab der Machtübernahme der Norweger 1262 unter norwegischer und dann von 1380 bis zum 19. Jahrhundert unter dänischer Herrschaft.[4]

Das isländische Parlament Alþingi (Althing) wurde 930 gegründet und ist damit die älteste Volksvertretung der Welt. Es existierte seit seiner Gründung fast durchgehend bis in die heutige Zeit hinein. Im Jahre 1800 wurde das Parlament von den Dänen abgeschafft und erst durch den intensiver werdenden Selbstständigkeitskampf 1845 wieder eingerichtet. Jedoch behielt das Alþingi nur seinen alten Namen, seine alten Rechte wurden ihm aberkannt. Nun hatte es nur noch Rat gebende Funktion und keine eigene Macht mehr. Der isländische Selbstständigkeitskampf setzte sich allerdings auch weiter fort. Um dem Druck zu vermindern entstand nach dänischem Vorbild 1974 die erste isländische Verfassung, die der Alþingi wieder mehr Macht gewährte. Der dänische König konnte jedoch durch sein Vetorecht die Entscheidungen des Parlaments zunichte machen, außerdem lag die Exekutive auch weiter in dänischer Hand. Deswegen entwickelte sich der Kampf für einen selbstständigen Staat zu einem Bestreben für eine Revision der Verfassung. Diese Anstrengungen wurden 1904 damit belohnt, dass Island eigene Minister und das Selbstbestimmungsrecht in eigenen Angelegenheiten bekam.[5] Am 1. Dezember 1918 wurde Island dann zum souveränen Staat, den jedoch eine Personalunion mit Dänemark verband.[6] So wurden die beiden Länder von einem gemeinsamen König regiert und die Entscheidungen in der Außenpolitik lagen auch weiterhin bei Dänemark. Im zweiten Weltkrieg wurden in Island Luft- und Meerstützpunkte angelegt und amerikanische und britische Truppen stationiert. Nach dem Ende des Krieges kündigte Island die Personalunion mit Dänemark auf und wurde am 17. Juni 1944 zu einer parlamentarischen Demokratie. Der erste Ministerpräsident war Sveinn Björnsson.[7] Das Besondere an dieser Entwicklung zur isländischen Autonomie ist, dass sie gänzlich ohne Blutvergießen ablief.[8]

Island schloss sich kurz nach dem Krieg 1946 der UN an und war 1949 Gründungsmitglied der NATO. [9] Eine weitere Eigenart der Insel, von denen sie einige besitzt ist, dass der Staat seit 1869 keine eigenen Streitkräfte hat. Die außenpolitische Sicherheit wurde durch ein Verteidigungsbündnis mit den USA[10] bis 2006[11] sichergestellt. Deswegen entstand auch 1951 die Militärbasis in Keflavík.[12] Eine Mitgliedschaft in der Europäischen Union war bis 2009[13] kein großes Thema in der Bevölkerung, und auch die Parteien nahmen Abstand davon. Einerseits haben die politischen Führungskräfte Angst vor der Aufgabe der Souveränität und des Arbeitskräfteaustausches, andererseits haben sie bereits eine Annäherung an die EU durchgeführt, denn etwa 80% des Europarechts wurden bereits in isländisches Recht übernommen.[14] Nach der Finanzkrise stellte Island dann den Antrag zu Aufnahme in die EU, und ist seit 2010 offizieller Beitrittskandidat.[15] Der Grund für die zögerliche Annäherung kann in wirtschaftlichen Aspekten gesehen werden, die sich jedoch mit der Zeit sukzessive abbauten: Island trat 1967 in die GATT ein, 1970 der EFTA bei und schloss sich 1993 dem Europäischer Wirtschaftsraum (EWG) an.[16] Der Antrag zur Aufnahme in die EU vervollständigt diesen Prozess. Exportwaren Islands bestehen aus Fisch, Wolle, Fleisch, Pferden und Daunen.[17] Neben der wichtigen Fischindustrie gibt hat es einen ausgeprägten Finanz- und Energiesektor und im Dienstleistungsbereich sind anteilsmäßig mehr Menschen beschäftigt als in Deutschland.[18]

Island kann zu den modernen Industriestaaten und der skandinavischen Länderfamilie gezählt werden. In der Nachkriegszeit entwickelte es sich zu einem modernen und hocheffizienten Wohlfahrtsstaat.[19] Es gehört zu den demokratischsten Ländern der Erde und steht auf dem Demokratie-Index von The Economist auf Platz 2.[20] Auch die letzen Wahlen vom 25. April 2009 mit einer Wahlbeteiligung von 85% und die Tatsache,[21] dass die Wahlbeteiligung mindestens so hoch, wenn nicht noch höher ist (die Wahlbeteiligung lag seit der Gründung des Staates 1944 sieben Mal über 90%)[22] rechtfertigen diese Einstufung. Island ist ein hochentwickelter Sozialstaat in der Weltspitzengruppe[23], in dem ein hohes Bruttosozial- produkt, die höchste Alphabetisierung, die geringste Geschlechterungleichheit,[24] die geringste Säuglingssterblichkeitsrate und die höchste Lebenserwartung in den europäischen Staaten besteht.[25] Das Land bietet seinen Einwohnern europaweit sehr gute kinder- und familienfreundliche Rahmenbedingungen, was auch durch die steigende Entwicklung der Bevölkerungszahlen verdeutlicht werden kann. So waren es 1950 noch etwa 141.000 Einwohner[26], heute sind es, wie oben erwähnt, bereits 310.000 und die Tendenz ist steigend.

3. Staatspräsident, Parlament und Regierung

Die obersten politischen Machthaber sind in Island der Staatspräsident, das Parlament und die Regierung. Dieses werde im Folgenden einzeln betrachtet und ihr Einfluss und ihre Einflussmöglichkeiten aufgezeichnet.

3.1 Der Staatspräsident

Der parteipolitisch neutrale Staatspräsident wird in Island alle vier Jahre direkt vom Volk mit einer relativen Mehrheit gewählt. Er hat laut Verfassung weitreichende Kompetenzen: Er ist für die Regierungsbildung verantwortlich und muss alle Gesetze unterzeichnen. In der Praxis verzichtet das Staatsoberhaupt jedoch auf die zugeschriebene Machtausübung und übernimmt Großteils repräsentative Aufgaben. Aber bereits die Verweigerung der Unterzeichnung von Gesetzen stellt ein Machtpotenzial dar. Dies belegt das Beispiel von 2004, als der amtierende Staatspräsident Ólafur Ragnar Grímsson dem Gesetz zu den Eigentumsverhältnissen in der Medienbrache nicht zustimmte. Dieses Veto hätte zur Realisierung des Gesetzes eine Volksabstimmung nach sich gezogen, was die Regierung damals nicht versuchte, sondern lieber das Gesetz zurückzog.[27]

In der über 60jährigen Geschichte gab es insgesamt fünf Präsidenten[28]: Sveinn Björnsson (1944-1952), der noch von der Mehrheit des Parlamentes gewählt wurde, Ásgeir Ásgeirsson (1952-1968), Kristján Eldjárn (1968-1980), Vigdís Finnbogadóttír (1980-1996) und Ólafur Ragnar Grímsson seit 1996. [29] Eine Besonderheit ist, dass in den frühen Jahren (von 1944 bis 1988) gegen die amtierenden Staatspräsidenten keine Kandidaten antraten[30] und damit die Wahlen zu stillen Wahlen wurden, also entfielen, wenn der Amtierende die „Wahl“ annahm. 1980 wählte Island als erster Staat in der Welt eine Frau als Staatsoberhaupt: Vigdís Finnbogadóttír wurde aus vier Kandidaten ausgewählt und behauptete sich 1988 gegen ihren Gegenkandidaten (den ersten Gegenkandidaten eines Staatspräsidenten) mit fast 95% der Wählerstimmen. Auch der jetzige, amtierende Präsident Ólafur Ragnar Grímsson wurde 2004 mit einer großen Mehrheit von 85% im Amt bestätigt[31] und nahm 2008, mangels Gegenkandidaten, die stille Wahl an.[32] Damit bleibt er bis 2012 Staatspräsident.

Grímsson war, wie erwähnt, der erste isländische Staatspräsident der mit der Nichtunterzeichnung eines Gesetzes ein Veto einlegte. Er gestaltet sein Amt etwas politischer als seine Vorgänger. Das zeigt sein Vorgehen nach der Finanzkrise: im Februar 2009 sprach er sich gegen die Entschädigung deutscher Kunden der Kaupthing Bank aus[33] und verweigerte 2010 seine Unterschrift unter das sogenannte Icesave-Gesetz, das die Rückzahlung ausländischer Spareinlagen an Großbritannien und Holland gewährleisten sollte.[34]

[...]


[1] Vgl. Németh (2006), Seite 327

[2] Vgl. Eythórsson / Jahn (2009), Seite 195

[3] Vgl. Németh (2006), Seite 327

[4] Vgl. Eythórsson / Jahn (2009), Seite 196

[5] Vgl. Eythórsson / Jahn (2009), Seite 196

[6] Vgl. Németh (2006), Seite 127

[7] Vgl. Németh (2006), Seite 127

[8] Vgl. Eythórsson / Jahn (2009), Seite 196

[9] Vgl. Németh (2006), Seite 327

[10] Vgl. Eythórsson / Jahn (2009), Seite 214

[11] Vgl. Eythórsson / Jahn (2009), Seite 196

[12] Vgl. Eythórsson / Jahn (2009), Seite 214

[13] http://www.auswaertiges-amt.de/DE/Aussenpolitik/Laender/Laenderinfos/Island/Innenpolitik_node.html (25.10.2011)

[14] Vgl. Eythórsson / Jahn (2009), Seite 215

[15] http://www.bundesregierung.de/Content/DE/Magazine/MagazinEuropapolitik/067/th-2-island.html (25.10.2011)

[16] Vgl. Eythórsson / Jahn (2009), Seite 215

[17] Vgl. Németh (2006), Seite 127

[18] Vgl. Eythórsson / Jahn (2009), Seite 195

[19] Vgl. Eythórsson / Jahn (2009), Seite 195

[20] http://www.laenderdaten.de/indizes/demokratieindex.aspx (26.10.2011)

[21] http://www.auswaertiges-amt.de/sid_07306656241C0ED805B23156C3E0666B/DE/Aussenpolitik/Laender/ Laenderinfos/Island/Innenpolitik_node.html (25.10.2011)

[22] Vgl. Rubart (2004), Seite 31

[23] Human Devolopment Index von UNDP, http://hdr.undp.org/en/ (26.10.2011)

[24] http://www.auswaertiges-amt.de/DE/Aussenpolitik/Laender/Laenderinfos/Island/Innenpolitik.html?nn =382590 (25.10.2011)

[25] Vgl. Eythórsson / Jahn (2009), Seite 195

[26] http://island.ahk.de/info-island/land/ (26.10.2011)

[27] Vgl. Eythórsson / Jahn (2009), Seite 197

[28] Vgl. Eythórsson / Jahn (2009), Seite 197

[29] Vgl. Eythórsson / Jahn (2009), Seite 198

[30] Vgl. Eythórsson / Jahn (2009), Seite 197

[31] Vgl. Eythórsson / Jahn (2009), Seite 198

[32] http://www.spiegel.de/lexikon/57083538.html (26.10.2011)

[33] http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,606563,00.html (26.10.2011)

[34] http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,669728,00.html (26.10.2011)

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Die Elitenentwicklung in Island
Hochschule
Andrássy Gyula Budapesti Német Nyelvü Egyetem
Note
1,8
Jahr
2011
Seiten
19
Katalognummer
V267499
ISBN (eBook)
9783656582021
Dateigröße
506 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Schlagworte
elitenentwicklung, island
Arbeit zitieren
Anonym, 2011, Die Elitenentwicklung in Island, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/267499

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