Die drei Wellen Samuel Huntingtons. Eine kritische Betrachtung


Seminararbeit, 2011

8 Seiten, Note: 1

Anonym


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Huntingtons These
2.1 Die drei Wellen und ihre Gegenwellen
2.2 Huntingtons Fazit

3. Kritik an Huntington

4. Literatur

1. Einleitung

Das vielzitierte Werk von Huntington über die Wellen der Demokratie geht davon aus, dass sich Demokratie in verschiedenen Zeitepochen wellenförmig verbreitet hat oder durch Gegenbewegungen verschwunden ist. Nach einem gewissen Punkt soll sich die letzte Welle auf den gesamten Globus ausweiten, und Demokratie wird das vorherrschende politische System der Welt. Diese Arbeit versucht diesen Ansatz zu beleuchten und seine eventuellen Fehler aufzuzeigen.

Laut Huntington gibt es politische Systeme mit demokratischem Charakter nicht nur seit der Moderne, sondern diese existierten schon viel früher. Bereits die Wahl der Stammesführer oder die politischen Institutionen im antiken Griechenland und Rom haben seiner Meinung nach demokratische Züge. Allerdings darf man dabei nicht vom Verständnis des heutigen Demokratiebegriffs ausgehen, sondern man muss das antike Verständnis zu Grunde legen: In der griechischen Polis, dem Stadtstaat oder bei den Wahlen im alten Rom waren bestimmte Schichten und Gruppen von Menschen, wie Sklaven, Frauen und Ausländer von der politischen Teilnahme ausgeschlossen. (1991:13) Der heutige Begriff und die Entwicklung der Demokratie sind eng mit dem Nationalstaat und dessen Entstehen verknüpft. Huntingtons Definition von Demokratie ist einfach, aber auch sehr weit gefasst: „ The central procedure of democracy is the selection of leaders through competitive elections by the people they govern. “ (1991: 6) Damit ist Demokratie für ihn also die Auswahl von Regierungsmitgliedern durch kompetitive Wahlen durch das regierte Volk.

2. Huntingtons These

Der erste Schub in Richtung Demokratie findet bereits in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts statt, denn demokratische Ideen und Bewegungen sind ein wichtiger Bestandteil der Englischen Revolution. Jedoch existierte 1750 in der westlichen Welt keine einzige demokratische Institution auf nationalem Level. (1991:13) Das änderte sich bis 1900, wo schon in vielen Ländern solche Institutionen zu finden sind, die sich bis zu den späten 20. Jahrhundert als demokratisch etablierten. Diese Institutionen lösten die Wellen der Demokratie aus. (1991:15)

Eine Welle der Demokratisierung definiert Huntington als „ a group of transitions from nondemocratic to democratic regimes that occur within a specified period of time and that significantly outnumber transitions in the opposite direction during that period of time." (1991:15)1 Diese Wellen umfassen auch die Liberalisierung und partielle Demokratisierung in nicht komplett demokratisch werdenden Systemen. Aufgeteilt wird die Entwicklung in drei Wellen, wobei jede einzelne davon eine relativ kleine Anzahl von Nationen beeinflusst, und begleitet wird von der Entstehung nichtdemokratischer Regime. Außerdem entstanden auch nicht alle Transformationen zur Demokratie während der demokratischen Wellen. In Huntingtons Theorie werden nur die ersten beiden Wellen von einer Art Rückkopplung beeinflusst (1991:15) während derer Staaten, die vorher demokratisch waren, zu nicht demokratischen Staatsformen zurückkehrten. Den bestimmten Anfangs- und Endpunkt jeder Welle festzulegen ist so gut wie unmöglich, wie Huntington selbst zugibt, trotzdem legt er die drei Wellen wie folgt fest: Die erste, lange Welle der Demokratisierung beginnt 1828 und endet 1926, gefolgt von der ersten Rückwelle, die bereits 1922 einsetzt und bis 1942 dauert. Die zweite kurze Welle setzt 1943 ein, und hält bis 1962 an, wobei die zweite Rückwelle schon 1958 ihren Anfang nimmt und bis 1975 anhält. Die für Huntington letzte und dritte Welle beginnt 1974 und hält bis heute an. (1991:16)

2.1 Die drei Wellen und ihre Gegenwellen

Die Wurzeln der ersten Welle (1828-1926) liegen in der Amerikanischen und Französischen Revolution und bei der Entstehung der Nationaldemokratie im 19. Jahrhundert. Durch die fortschreitende Entwicklung ist der genaue Zeitpunkt schwer festzulegen, allerdings folgt Huntington dabei den Kriterien von Jonathan Sunshines für minimale demokratische Merkmale: Erstens dürfen 50 Prozent der Männer wählen und zweitens muss es eine verantwortliche Exekutive geben, die entweder die Mehrheit in einem gewählten Parlament hat oder in regelmäßig stattfindenden Wahlen gewählt werden muss. Dies trifft auf die Präsidentschaftswahlen von 1828 in den Vereinigten Staaten von Amerika zu, denn dort durften über 50 Prozent der weißen, männlichen Bevölkerung zur Wahlurne schreiten. Es fand auch in anderen Ländern eine Entwicklung zu allgemeinem Wahlrecht, geheimen Wahlen und der Verantwortung des Ministerpräsidenten und der Minister gegenüber dem Parlament statt. (1991:16) Vor der Jahrhundertwende etablierten sich demokratische Systeme in einigen britischen Überseegebieten, in der Schweiz, Frankreich, Großbritannien und mehreren kleineren europäischen Ländern. In etwa hundert Jahren entstanden in über 30 Staaten Nationaldemokratien, die allerdings manchmal nur den Mindestanforderungen genügten. Bereits im Jahre 1830 wurde dieser Trend von Alexis de Tocqueville vorausgesagt, und noch 1920, kurz vor dem Ende der ersten Welle, meinte James Bryce, dass der „ trend towards democracy now widely visible, is a natural trend, due to a general law of social progress. “2 (1991:17)

Die erste Rückwelle (1922-1942) begann zwischen den 1920er und 30er Jahren, als Bryce noch von einer „natürlichen Entwicklung“ zur Demokratie hin sprach. In dieser Zeit wendeten sich demokratische Staaten wieder von der Demokratie ab und kehrten zu alten autoritären Systemen oder neuen, auf Massen basierenden Systemen zurück, die eine pervertiertere und brutalere Form des Totalitarismus darstellten. Die ersten Veränderungen fanden in den Ländern statt, wo Demokratie und oft auch die Nation etwas ganz neues war und zum Teil erst kurz vor dem ersten Weltkrieg eingeführt worden war. Von den Staaten, die vor 1910 demokratisch geworden waren, fallen nur zwölf in das alte System zurück. Bei den 17 Staaten, die zwischen 1910 und 1931 ein demokratisches System aufbauten, blieben nur ganze vier dabei. Der erste Rückschritt war der Marsch nach Rom von Mussolini 1922 und die Übernahme des zerbrechlichen und korrupten demokratischen Systems. (1991:17) Militärdiktaturen entstanden in Polen, Portugal, Spanien, Griechenland, Japan, im Baltikum und einigen Lateinamerikanischen Ländern. Der Aufstieg Hitlers in Deutschland setzt der deutschen, österreichischen und tschechischen Demokratie ein Ende. Diese Regime reflektierten den durchschlagenden Erfolg von Kommunismus, Faschismus und Militärideologien, die sich auch in den noch demokratischen Ländern, unterstützt durch die Weltwirtschaftskrise, in antidemokratischen Bewegungen manifestieren. (1991:18)

Die kurze zweite Welle (1943-1962) wurde nach dem Ende des zweiten Weltkriegs durch die Alliierten Mächte initiiert: In Westdeutschland, Italien, Österreich, Japan und Korea entstanden Demokratien, und bald folgten auch die Türkei und Griechenland, sowie eine Vielzahl von Lateinamerikanischen Ländern. Der Druck von sowjetischer Seite merzte allerdings in Ungarn und der Tschechoslowakei alle Anfänge von Demokratie aus. (1991:18)

[...]


1 Eine Gruppe von Transformationen von nichtdemokratischen zu demokratischen Regimes, die innerhalb einer bestimmten Zeit erfolgen und die entgegengesetzte Entwicklungen während dieser Zeit zahlenmäßig übertreffen.

2 Der Trend zur Demokratie, der inzwischen überall sichtbar ist, ist ein natürlicher Trend und entspricht dem Gesetz der sozialen Entwicklung.

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Details

Titel
Die drei Wellen Samuel Huntingtons. Eine kritische Betrachtung
Hochschule
Andrássy Gyula Budapesti Német Nyelvü Egyetem
Note
1
Jahr
2011
Seiten
8
Katalognummer
V267559
ISBN (eBook)
9783656581949
Dateigröße
458 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Schlagworte
wellen, samuel, huntingtons, eine, betrachtung
Arbeit zitieren
Anonym, 2011, Die drei Wellen Samuel Huntingtons. Eine kritische Betrachtung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/267559

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