Krieg in Echtzeit? Eine diskurstheoretische Annäherung an die Darstellung „neuer Kriege“ im Web 2.0.


Masterarbeit, 2011
114 Seiten, Note: 2.0

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1. Einleitung.
1.1 Relevanz, Fragestellung, Theorie

I UNTERSUCHUNGSGEGENSTAND UND FORSCHUNGSSTAND

2. Neue Kriege
2.1 Virtual War
2.2 Visual War

3. Was ist Web 2.0?
3.1 Weblogs
3.2 Wikis
3.3 Social Media

II FALLBEISPIELE AUS DEM IRAK-KRIEG 2003 UND

4. Fallbeispiel 1: Krieg und Alltag
4.1 “Salam Pax - The Baghdad Blogger”
4.2 Vor dem Krieg
4.3 Bagdad unter Bombardements
4.4 Vom Warblog zum The Guardian
4.5 Virtuelle Autorenschaft, Authentizität, Watchdog

5. Fallbeispiel 2: Krieg und Kollateralschäden
5.1 “Collateral Murder” - Das Intro.
5.2 Im Visier „keep shoot’n“
5.3 Der Abspann
5.4 Vom Original zur „Short Version“
5.5 Ein Fall für die Öffentlichkeit

III SCHLUSS

6. Exkurs: Partizipation und Social Media
6.1 Das Live-Tagebuch: Ein Selbstversuch in Echtzeit
6.2 Reflexion des Selbstversuchs

7. Fazit

8. Literaturverzeichnis
8.1 Internetquellen

IV ANHANG

1. Screenshots 1. Analyse
1.1 Screenshots 2. Analyse

2. Video-Protokoll: Short-Version „Collateral Murder“

1. Einleitung

Was bedeutet es, das Grollen fallender Bomben zu hören? Vor einem Kugelhagel wegzurennen, dem Krieg in all seiner Grausamkeit ausgeliefert zu sein? Wie fühlt es sich an, wenn Krieg zum Alltag und der Verlust von Menschenleben als „Kollateralschaden“ deklariert wird? Die Bandbreite an Verbrechen gegen die Menschlichkeit ist groß und Bilder die diese Verbrechen bezeugen finden sich täglich in den Nachrichten. Das öffentliche Bedürfnis nach authentischen Berichten wird durch die Flut an Informationen und Bildern des Schreckens aus der ganzen Welt immer größer. Die Folgen eines Krieges erschließen sich nicht zuletzt durch die Berichte jener Menschen, welche unmittelbar betroffen sind: der Augenzeugen. Die Glaubwürdigkeit und Authentizität der Informationspolitik von Regierungen und Medien hat Risse bekommen, nicht zuletzt durch die Erfahrungen aus dem so genannten dritten Irak- Krieg. Die Reden von George W. Bush 2002 und 2003, in denen er den Irak-Krieg als schnellen und sauberen Krieg gegen die „Achse des Bösen“ verteidigte, sollten spätestens mit der Veröffentlichung der Bilder aus Abu Ghuraib 2004, als hochmütig und irreführend entlarvt werden. Kritik gab es an dem Vorhaben Iraqi Freedom allerdings schon vor den Folter-Bildern und den ersten Kampfhandlungen. Weltweit fanden Massendemonstrationen gegen den Krieg statt und ein Bruch zwischen den USA und dem „alten“ Europa ließ die Bush-Administration auch ohne Unterstützung der einstigen Bündnispartner in den Irak marschieren. Die Professionalisierung im Informationsmanagement der Kriegsakteure konnte nicht verhindern, dass über das Internet, jene Informationen zutage gebracht wurden, welche im Interesse der intervenierenden Parteien wie so oft im Schatten des Kriegsgeschehens blieben: die Kriegsrealität abseits der Militärpropaganda und Nachrichtenagenturen, auch jenseits der Genfer Konvention. Das Internet sollte sich seit 2003 als wichtiger, weitestgehend freier Raum der Berichterstattung erweisen, während nicht wenige klassische Massenmedien dem Modell der Embedded Journalists (in die Informationspolitik der US-Regierung eingebettete Journalisten) freiwillig und gutgläubig folgten. Zwar basiert die Arbeit der Embedds auch auf Augenzeugenschaft, findet aber in einem gelenkten Rahmen statt, der politischen und militärischen Interessen gemäß gesetzt wird. Die komplementäre Seite zu den Embedded Journalists, die medial unabhängige Berichterstattung (zumeist durch Augenzeugenschaft) im Web 2.0, soll in der vorliegenden Arbeit fokussiert werden. Diese Sphäre des Internets macht deutlich, dass es nicht nur entscheidend sein kann, wer was gesehen hat, sondern wie es gesehen und dargestellt wird. In Bezug auf die Darstellung neuer Kriege im Web 2.0 ist dabei auch entscheidend, durch welche Faktoren ein Kriegs- und Krisenereignis glaubwürdiger und nachvollziehbarer für InternetnutzerInnen1 wird.

1.1 Relevanz, These und Fragestellung, Theorie Relevanz

Untersuchungen zur Darstellung des Irak-Kriegs in den Medien sind in der Medien-, und Kommunikationswissenschaft bereits kurz nach Ende der Hauptkampfhandlungen im Irak erschienen; wie z.B. von Kocks (2003), Jahrmarkt (2004) und Dirks (2010). Stefan Krempel (2003/2004) ist mit seinen Publikationen und Analysen zum Verhältnis von Krieg und Internet einer der wenigen AutorInnen, die sich mit den unmittelbaren Wirkungsweisen der Berichterstattung von Krisen und Kriegen im Internet beschäftigen. Allerdings ist die Verstrickung und Wechselwirkung von Web 2.0 Anwendungen und Krieg in Bezug auf Wirklichkeitsdarstellungen und dessen Wirken in der Öffentlichkeit, in seinem Kontext noch offen. Die Ergebnisse der vorliegenden Arbeit sollen einen ersten Eindruck geben, inwieweit die Wirklichkeitsdarstellungen von neuen Kriegen im Web 2.0 einen Mehrwert gegenüber der Berichterstattung in klassischen Medien bilden könnten und wie Wirklichkeit in konkreten Beispielen generiert wurde. Das Bestreben der vorliegenden Masterarbeit liegt im Besonderen darin, eine tiefere Betrachtung in der Medienwissenschaft, Kommunikationsforschung und Kulturwissenschaften zu diesem Thema anzuregen.

These und Fragestellung

Meine aufgestellte These ist, dass die Motivation und Möglichkeit des Internetnutzers, Informationen, Bilder und Videos über Kriegsgeschehen online via Web 2.0 bereitzustellen, diese Anwendungen zur neuen Quelle für den Journalismus und neuer Parameter für gesellschaftliche Wahrheitsfindung werden lässt. Die zentrale Fragestellung die sich aus der These heraus stellt ist, inwiefern generiert das Web 2.0 mit seinen Anwendungen eine neue Wahrnehmung von Kriegswirklichkeit?

Zentrales Anliegen ist demnach zu analysieren, wie Wissen über „die“ Wirklichkeit von neuen Kriegen im Web 2.0 hergestellt wird und was daran sagbar, sichtbar und wesentlich für die Aushandlung dessen ist. Dies unterstreicht die Wahl der Foucaultschen Diskursanalyse, die es ermöglicht die Aushandlungsprozesse der Kriegswirklichkeit in politischer, medialer und ziviler Rahmung und Wechselwirkung darzustellen und zu analysieren.

Für die Fallanalysen wurden zwei Beispiele ausgesucht die zum Teil echtzeitbasierend2 im Web 2.0 publiziert wurden. Bei dem ersten Fallbeispiel handelt es sich unter Punkt 3. Krieg und Alltag 2003 um ausgewählte Einträge aus dem Warblog des Irakers Salam Pax, in denen er von seinen persönlichen Erlebnissen und Eindrücken vor und während der Bombardierung von Bagdad im Jahr 2003 berichtete. Dieser Warblog wurde für die Analyse ausgewählt, da eine nachhaltige Wechselwirkung mit klassischen Medien erkennbar ist und die Position der Augenzeugenschaft im Besonderen sichtbar macht. Zudem sind die Inhalte des Warblogs zu einer Zeit entstanden, zu der Warblogs im Web 2.0 gerade entstanden sind und der Irak-Krieg 2003 begann. Das zweite Fallbeispiel wird unter Punk 4. Krieg und „ Kollateralschäden “ 2010 dargestellt und behandelt ausgewählte Sequenzen aus dem Video „Collateral Murder“, das im Jahr 2007 im Original entstanden und 2010 von der Wistleblower3 Plattform WikiLeaks veröffentlicht wurde. Das Video, von einem Hubschrauber der US-Armee heraus gefilmt, zeigt, wie Zivilisten durch Soldaten auf offener Straße erschossen wurden, ohne eine erkenntliche Gefahr darzustellen. Dieses Beispiel wurde für die Analyse ausgewählt, da die Besatzungszeit nach dem Ende der offiziellen Kriegshandlungen im Irak und dessen Wirken nach Abzug der Truppen 2010 beleuchtet werden kann. Mit dieser Videoanalyse soll vor allem der Blick auf die visuellen Wirklichkeitssphären des Krieges gelenkt werden und jene Bedingungen im Web 2.0, die festlegen was als Wahrheit gilt und was nicht. Darauf folgend wird die Informationspolitik von WikiLeaks und die Folgen der Bereitstellung dieser nicht für die Öffentlichkeit bestimmten Bilder und deren Evidenz diskutiert. Im Schlussteil folgt mit dem 5. Exkurs: Partizipation und Social Media, ein Blick auf die aktuellen Umbrüche in der arabischen Welt und die Nutzung der Web 2.0 Anwendungen Twitter und Facebook. Hierfür habe ich in Form eines Selbstversuches die Revolution in Ägypten im Februar 2011 via Twitter und Facebook mitverfolgt und meine Teilnahme am Geschehen als „Echtzeit-Tagesbuch“ dokumentiert und werde meine Wahrnehmung der Geschehnisse reflektieren.

Theorie

Für die Auseinandersetzung mit den Fallbeispielen im Hauptteil orientiere mich an diskurstheoretische Überlegungen im Anschluss an Foucault. Die diskurstheoretische Annäherung in Bezug auf die vorliegenden Arbeit wird mittels Sekundärliteratur von Mills (2007), Jäger (2009) und Kammler et al. (2008) über die „Archäologie des Wissens“ von Foucault (1981) vorgestellt. Zunächst sollte kurz zusammengefasst werden, was einen Diskurs ausmacht. Jäger formuliert: „Der Diskurs ist, ganz allgemein formuliert, ja nichts anderes als der »Fluß von ›Wissen‹ durch die Zeit«; und wenn dies so ist, dann ist davon auszugehen, dass der Diskurs immer schon mehr oder minder stark strukturiert und also »fest« und geregelt (im Sinne von konventionalisiert bzw. sozial verfestigt) ist. Da dieses »Wissen« zudem als jeweils richtiges Wissen gilt und als solches (hegemonial und daher immer nur zeitweise) verfestigt ist, gleichviel, ob auf der Ebene der Wissenschaften oder auf der des Alltags, hat die Diskursanalyse die Möglichkeit, dieses »Wissen« und die Institutionen und Regelungen, die es stützen, kritisch zu hinterfragen.“ (2009: 129). Die Diskursanalyse, so Jäger weiter, erfasse somit auch das jeweils Sagbare sowie jene „Strategien, mit denen das Feld des Sagbaren ausgeweitet oder auch eingeengt wird, etwa Verleugnungsstrategien, Relativierungsstrategien etc.“ (2009: 130). Jäger bringt an, dass der Diskurs als Ganzes eine regulierende Instanz sei und Bewusstsein forme (vgl. ebd.). Mills betont, dass keine eindeutige Definition möglich und der Diskurs ein Geflecht an Bedeutungen sei (vgl. 2007: 6ff). In diesem von Foucault als „Archäologie des Wissens“ benannten Schema herrschen diskursive Regeln, welche allein durch die eigenen inneren Mechanismen gestaltet werden. Kammler et al. beschreiben diese „Archäologie des Wissens“ als „eine Praxis des Denkens, Schreibens, Sprechens und auch Handelns, die diejenigen Gegenstände von denen sie handelt, zugleich selbst systematisch hervorbringt.“ (2008: 234). Die Untersuchung eines Diskurses ist demnach nicht einfach die Untersuchung von Aussagen und Meinungen, sondern die Untersuchung der Strukturen und Regeln des Diskurses, und meint damit „Aussagesysteme“. Dabei wird nicht der Anspruch verfolgt, die Wahrheit oder den Ursprung einer Aussage aufzudecken, sondern vielmehr versucht, jene Mechanismen zu entdecken welche eine Aussage oder Meinung an ihren Platz halten. Diese Mechanismen sind dem Diskurs teilweise immanent, aber existieren nicht isoliert. Sie sind also durch Strukturen befähigt, „Sinn zu machen“ und eine Wirkung zu entfalten (vgl. Mills 2007: 52).

Wenn über Diskurse im Hinblick auf ihre Wirkung nachgedacht wird, sind die verhandelten Gegenstände Wahrheit, Macht und Wissen von besonderer Bedeutung.

Die Darstellung neuer Kriege im Web 2.0 ist geprägt durch solche Faktoren, die sich untereinander bedingen und formen. Die im Folgenden dargestellten Diskursstränge (geformt durch beinhaltende Diskursfragmente also bspw. Texte, Dokumente eines Themas, Bilder, Videos etc.), bilden den zu untersuchenden Diskurs:

1. Krieg
2. Politik/ Macht
3. Wirklichkeit
4. Web 2.0
5. Informationen/Wahrheiten und dessen Verbreiter

Macht stellt einen wichtigen Begriff in der folgenden Diskursdiskussion dar. Interessant sind Foucaults Ansichten zum Subjekt an diesem Punkt: Er versteht das Subjekt nicht als einzigartiges und geschlossenes „System“, sondern als „Machteffekt“ (vgl. Mills 2007: 37). Jäger greift in diesem Zusammenhang auf: „Wo es Macht gibt, gibt es Widerstand. Und doch oder gerade deswegen liegt der Widerstand niemals außerhalb der Macht.“ (2009: 153). Jäger führt weiter aus, dass für Foucault der Diskurs Macht befördere und produziere, dabei verstärke er sie, aber unterminiere sie auch (vgl. ebd.). Diskursive Ereignisse (bspw. die aktuelle Diskussion in Deutschland um einen raschen Atomausstieg nach der Reaktorkatastrophe in Fukushima) sind hier maßgeblich; Sie verleihen dem Realen eine Struktur und sind zugleich ein Produkt und ein Moment sozialer Strukturen. Diskurse sind damit formendes Element der Strukturierung von Machtverhältnissen in einer Gesellschaft. Die Herausbildung und Generierung von Wirklichkeit im Diskurs selbst, steht im Mittelpunkt der Untersuchung. Es geht darum zu erfassen, welche Beständigkeit und Wahrhaftigkeit die verschiedenen „Wirklichkeiten“ im Diskurs haben. So stellt auch Foucault klar: „[…] Jede Gesellschaft hat ihre Wahrheitsordnung, ihre allgemeine Politik der Wahrheit: das heißt Diskursarten, die sie annimmt und als wahr fungieren lässt; die Mechanismen und Instanzen, die es gestatten, zwischen wahren und falschen Aussagen zu unterscheiden, die Art und Weise, wie man die Einen und die Anderen sanktioniert; die Techniken und die Verfahren, die wegen des Erreichens der Wahrheit aufgewertet werden; die rechtliche Stellung derjenigen, denen es zu sagen obliegt, was als wahr fungiert“ (zit. n. Mills 2007: 37)4. Wahrheit kann eher als etwas gesehen werden, an dem die Gesellschaften arbeiten müssen um sie zu produzieren. Foucault interessiert vor allem, durch welche diskursiven Praktiken (wie bspw. Regeln, Bezugspunkte und Verschränkungen)

Wirklichkeit oder Wahrheit erzeugt wird. Dadurch kann die Produktion oder Generierung von Wirklichkeit oder Wahrheit als ein diskursiver Effekt angesehen werden. Darüber hinaus ist anzumerken, dass Diskurse mehr umfassen als nur Rede und Schrift: „Zwar bestehen diese Diskurse aus Zeichen; aber sie benutzen diese Zeichen für mehr als nur Bezeichnung der Sachen. Dieses mehr macht sie irreduzibel auf das Sprechen und die Sprache. Dieses mehr muss man ans Licht bringen und beschreiben.“ (Foucault 1981: 74). So verhält es sich auch mit der von mir gestellten Frage, deren Klärung offen legen wird, ob es das Web 2.0 aus dem eigenen System heraus schafft, mit sozio-kulturellen sowie politischen Kontexten zu interagieren und „die“ Kriegswirklichkeit aus dem eigenen Rahmen heraus zu generieren. Wie sich diese Wirklichkeitsstruktur auf die weiteren Fragmente des Gesamtdiskurses (z.B. klassische Medienberichterstattung) überträgt und auswirkt steht genauso im Fokus wie Darstellungen verschiedener Positionen, die aus diversen Blickwinkeln unterschiedliche Behauptungen aufstellen. Dies verlangt nach einer Analyse der diskursimmanenten Konflikte, die aufklärt, was zu sehen gegeben wird und was nicht; was gezeigt wird, und was es ergeben kann. Zentral ist hier die Frage: Von wem wird „Wahrheit“ oder „Wirklichkeit“ generiert und gegen was gesetzt?

Das jeweilige „Wissen“ der verschiedenen Diskursfragmente ist mit dem des jeweiligen anderen verbunden - entweder als Wirkung, Kritik oder Effekt dessen. „Wissen“ ist sozialen und institutionellen Gegebenheiten unterworfen, theoretisches Wissen ist hiervon nicht ausgenommen. Die verschiedenen Anwendungen des Web 2.0 werden von den verschiedenen AkteurInnen (die aus dem Diskurs heraus agieren) genutzt, um die jeweilige Sicht des Kriegsgeschehens und dessen Einschätzung/Wertung zu publizieren. Hierbei sei festgehalten, dass keine Machtbeziehung in diesem Diskurs völlig einseitig und eindeutig dominant ist. Macht ist immer „bezogen“ auf etwas oder jemanden. Diese „Beziehung“ beinhaltet die Kraft die sie herausfordert oder umstürzt. Sprache sei für Foucault „Ort“ und „Kampfplatz“ für Auseinandersetzungen, dasjenige, worum und womit man kämpft (vgl. Mills 2007: 46). Als dieser Ort der Auseinandersetzung kann das Web 2.0 durch die sprachlichen, aber auch ergänzend durch nicht-sprachliche Aspekte (Visualität/Design der Web 2.0 Anwendungen; Fotografien und Videos) beispielhaft angesehen werden. Die Darstellung der Wirklichkeit im Gesamtdiskurs der neuen Kriege im Web 2.0 wird von dieser Vielzahl an Diskurssträngen durchzogen.

Wie Kammler et al. betonen hat Foucault in seinen Publikationen keine dezidierte Methodologie seines Vorgehens bei Diskursanalysen entwickelt (vgl. Kammler et al. 2008: 236). Meine Vorgehensweise in den Analysen orientiert sich an der Klärung der Diskursmodalitäten, des Sichtbaren und Nicht-Sichtbaren sowie der Abgrenzung zu anderen Diskursen. Die Interpretationsarbeit in den Analysen wird mit den Datengrundlagen des Diskurses selbst und denen der angrenzenden Diskurse geprüft, um die Bedeutung des immanenten Sinns und die zentrale Frage und These in Bezug auf die Fallbeispiele zu klären. Die Offenlegung zielgerichteter Strategien in der Generierung von Wirklichkeitsdarstellungen der einzelnen AkteurInnen ist primäres Anliegen der Analysen. Daraus folgend gilt es, die Kontextualisierung dieser Wahrheitsgenerierung und den Verlauf der Machtstrukturen im Web 2.0 herauszuarbeiten. Die Verflechtungen und Mechanismen, die für eine maßgebliche Veränderung der visuellen Konfrontation mit Krieg verantwortlich sind, möchte ich anhand der diskurstheoretischen Annäherung in den Analysen darlegen und im Fazit diskutieren. Hierfür erfolgte die Wahl der Fallbeispiele aus dem Irak-Krieg 2003 und in der darauf folgenden Besatzungszeit bis 20105, der Warblog von Salam Pax sowie ferner die Veröffentlichung des bearbeiteten Militärvideos „Collateral Murder“ von WikiLeaks. Ergänzend wird der Exkurs und Selbstversuch zu den aktuellen Umbrüchen in der arabischen Welt, die Diskursposition von Facebook und Twitter in Bezug auf die Wirkungsweisen einer aktiven Nutzerschaft auf die Wirklichkeitssphäre im Web 2.0 beleuchten.

I UNTERSUCHUNGSGEGENSTAND & FORSCHUNGSTAND

Das folgende Kapitel beschäftigt sich mit dem Forschungstand zu den neuen Kriegen und Web 2.0, der anhand von historischen und aktuellen Beispielen verknüpft dargestellt wird. Hier sollen die Funktionalitäten und Nutzungen der diskursrelevanten Internetstrukturen und Anwendungen dargestellt werden. Einleitend unter Punkt zwei wird die Definition neuer Kriege dargelegt; unter Punkt drei werden jene Rahmen vorgestellt, die das Web 2.0 ausmachen.

2. Neue Kriege

Die folgende Begriffsdefinition der neuen Kriege orientiert sich hauptsächlich an den Arbeiten von Mary Kaldor (2007) und Herfried Münkler (2002), die sich in ihren Beschreibungen in Bezug auf die heutigen Kriege ergänzen und mit ihren Theorien ein Feld in der Politikwissenschaft bedienen, das hochaktuell ist und Forschungslücken aufweist. Kaldor beschreibt die Mechanismen neuer Kriege und stellt die Schwachstellen der internationalen Staatengemeinschaft und deren Unvermögen, eine kosmopolitische Politik zu fördern dar. Kaldor führt die Errichtung von legitimen politischen Autoritäten als Schlüssel zur Lösung der neuen Kriege an. In ihrem Modell agieren lokale und internationale Institutionen gleichermaßen und legitimieren den Zusammenschluss von Politik, Zivilgesellschaft und Institutionen, um so einer top- down6 Kommunikation entgegen zu wirken. Münkler beschreibt die Asymmetrie der heutigen Konflikte und wendet den Blick auf jene Verhältnisse, die aufzeigen, dass der Staat nicht mehr Monopolist des Krieges ist. Die Privatisierung und Ökonomisierung von Kriegen seien für ihn das besondere Charakteristikum neuer Kriege (vgl. Münkler 2002: 7ff). Bezug nehmend auf Münklers Äußerungen kann festgehalten werden, dass der klassische Staatenkrieg und Szenarien des kalten Krieges der Vergangenheit angehören: „In den letzten Jahrzehnten zeigten Kriege wie der im Kosovo, in der Kaukasus-Region und Afghanistan, dass die neuen Kriege aufgrund von ethnischen und religiösen Gegensätzen zustande gekommen sind.“ (Münkler 2002: 8). Die asymmetrisch geführten Kriege hätten keine Fronten mehr, die Gewalt die stattfindet, sei selten auf großen Schlachtfeldern zu finden. Münkler führt weiter an, dass die Auseinandersetzung in neuen Konflikten gegen das „Gleichartige“ den AkteurInnen meist fremd sei und dass im Zuge dessen die Konturen des Krieges zusehends verloren gingen sowie kriegerische Gewalt und organisierte Kriminalität immer häufiger ineinander übergingen (vgl. ebd.). „Die neuen Kriege werden von einer schwer durchschaubaren Gemengelage aus persönlichem Machtstreben, ideologischen Überzeugungen, ethnischen-kulturellen Gegensätzen sowie Habgier und Korruption am Schwelen gehalten und häufig nicht nur um erkennbare Zwecke und Ziele willen geführt.“ (Münkler 2002: 16). Weiter betont er in diesem Zusammenhang, dass ethnische wie religiöse Gegensätze meist nicht die Ursache eines Konflikts seien, sondern diesen lediglich verstärken würden. Die neue Ökonomisierung der Kriege sei ein wichtiger Grund dafür, warum es in den heutigen Kriegsregionen so schwierig sei, einen Krieg zu beenden und dauerhaften, stabilen Frieden zu schaffen (vgl. ebd.). „Als eine der wichtigsten Ursachen für dieses Scheitern muss der Mangel an integren und korruptionsresistenten politischen Eliten genannt werden, die im Zugriff auf den Staatsapparat nicht die Möglichkeit zur persönlichen Bereicherung, sondern Aufgabe und Pflicht sehen.“ (Münkler 2002: 16). Laut Kaldor müssen die neuen Kriege auch im Kontext des Globalisierungsprozesses7 gesehen werden. So spielen die politischen Positionen einer Nation, einer religiösen Gemeinschaft oder eines Clans im Lokalen ebenso eine Rolle wie Politik im Globalen. Diese unterschiedlichen politischen Akteure, bedienen sich auch der neuen Technologien, um die Bevölkerung zu beeinflussen. Vermehrt wird mit Destabilisierungstechniken gearbeitet: „Man will die Bevölkerung kontrollieren, indem man alle Personen mit einer abweichenden Identität (ja, mit einer abweichenden Meinung) aus dem Weg räumt.“ (Kaldor 2007: 26). Die verschiedenen politischen AkteurInnen - seien es Paramilitärische Einheiten, Warlords, Banden, Clans, Polizeikräfte oder Söldnergruppen, agieren im Gegensatz zu hierarchisch organisierten Kampfverbänden dezentral. Die unterschiedlichen KriegsakteurInnen kommunizieren ohne feste Hauptquartiere zwischen den Schlachtfeldern via Internet und über den Mobilfunk; so verhält es sich auch in der neuen Kriegswirtschaft, statt autark und zentralisiert wie bspw. noch im zweiten Weltkrieg, sind die AkteurInnen zumeist von Ressourcen aus dem Ausland abhängig. Münkler führt immer wieder die Ökonomisierung der Kriege an und verweist dabei auf die Kriegstechnik, die sich in zwei Richtungen entwickelt habe: zum Einen seien Mittel wie die Satellitentechnik, Kommunikationsmittel wie das Internet und Spähprogramme mit Drohneneinsätzen kostentechnisch explodiert (dies erspart allerdings den umfangreichen Einsatz von Soldaten) - und zum Anderen sei die Kriegsführung durch leichte Waffen (automatische Gewehre, Sprengsätzen wie Landminen und Mehrfachraketenwerfern) und zivile Transportwagen als „billig“ gekennzeichnet (vgl. Münkler 2002: 132). Zu Einsätzen mit Panzern oder einem großen Armeeaufgebot kommt es in neuen Kriegen weniger: „[…] es handelt sich nicht um Kriege gegen einen entsprechend gerüsteten Gegner, sondern vielmehr um auf Dauer gestellte Gewalt gegen große Teile der Zivilbevölkerung. Für die Kombination von Massaker und Scharmützel sind leichte Waffen und ungepanzerte Transportmittel völlig ausreichend.“ (ebd.). Die Überschwemmung von billigen Waffen, die noch von dem Wettrüsten des Kalten Kriegs auf den legalen wie illegalen Märkten zu finden sind, sichert die kurzfristige Bewaffnung von Rebellengruppen, terroristischen Vereinigungen und Clans. Münkler verweist auf die gefährliche Spirale der asymmetrischen Kriege, durch die das Prinzip entstehe, in dem der Krieg den Krieg ernähren müsse und Erpressung, Plünderung und Raub den Unterhalt dessen sichere (vgl. Münkler 2002: 132.). Ein ergänzender Aspekt der Politik in den neuen Kriegen ist, wie bereits angemerkt, die Globalität. Die neuen Formen des Machtkampfes würden, so Kaldor, durchaus in Gestalt eines traditionellen Nationalismus, Tribalismus oder Kommunalismus erscheinen (vgl. 2007: 121). Ergänzend anzuführen ist bei dieser Sicht Kaldors der Neokolonialismus (geprägt durch das Bestreben „reicher Länder“ Kontrolle über die Ressourcen, Finanz- und Warenmärkte „ärmerer Länder“ zu erlangen), der gerade in den afrikanischen und arabischen Ländern in den jüngsten Konflikten zu bemerken ist. Spätestens seit den Anschlägen auf das World Trade Center in New York am 11. September 2001 kann nicht mehr eindeutig gesagt werden, was als Krieg zu bezeichnen ist und was nicht. „[…]Den Terrorismus muß man als eine Variante der ‚neuen Kriege’ verstehen - er ist die logische Folge der in gegenwärtigen Konflikten entwickelten Taktik.“ (Kaldor 2007: 10). Kaldor beschreibt weitere Taktiken in heutigen Kriegen: „Die Entwurzelung von Menschen (Flüchtlingen und Heimatvertriebenen) bleibt ein konstantes Zeichen zeitgenössischer Konflikte, sei es in Folge absichtlicher ethnischer Säuberungen oder materieller und körperlicher Unsicherheit. Haft, Folter und Vergewaltigung, sowohl als Mittel der Kriegsführung wie als Nebeneffekt des Krieges, sowie die Zerstörung historischer Gebäude und Symbole sind in heutigen Konflikten Gang und Gebe.“ (2007: 9). Diese Merkmale aus „alten Kriegen“ haben einen neuen Status in der Betrachtung von heutigen Konflikten bekommen, nämlich den der Medienpräsenz: Ankündigungen oder Geständnisse per Videobotschaft nach Terroranschlägen und dessen Verbreitung in den klassischen Massenmedien sowie dem Internet ermöglichen eine breitere Rezeption der Terrorgewalt und steigern die Wahrnehmung derselben. Dies würde ich durch die Unberechenbarkeit der medialen Verbreitung als asymmetrischen Effekt bezeichnen, auch da es der angegriffenen oder oppositionellen Partei quasi vorweggenommen wird, diese Konflikte oder Terroranschläge selbst medial an die Bevölkerung zu vermitteln und damit ein gelenktes Wahrnehmungsfeld zu schaffen. Kaldor sieht den von den USA angeführten Krieg im Irak, ihrer Definition gemäß, als einen technologieintensiven „alten Krieg“ (vgl. 2007: 229), also einen aktualisierten Krieg. Zwar seien technologische Neuerungen erheblich in den Kriegsverlauf eingebunden worden, allerdings sei die politische Verantwortlichkeit nicht dem Charakteristikum der neuartigen Kriege angepasst worden: „Das mangelnde Einfühlungsvermögen der Vereinten Staaten in die Realität des Irak und die hypertrophe Überzeugung von der Richtigkeit der eigenen Kriegsführung haben sich als außerordentlich gefährlich erwiesen. Das hat im eigentlichen Sinne neuen Krieg geschürt, der nun droht, zu einem Selbstläufer zu werden.“ (Kaldor 2007: 229). Das Unvermögen der USA und den Bündnispartnern, wahrzunehmen, dass allein die technologische Vorherrschaft es nicht schaffen würde, den Krieg schnell und sauber zu beenden, wie es Präsident Bush jun. nach Ende der Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 verkündete, sollte erst nach Jahren der verheerenden Selbstmordanschläge am Tigris klar werden. Was 2003 noch als neue Kriegführung äußerst präzise, schnell und wenig verlustreich gefeiert wurde, sollte erst im September 2010 als offiziell beendet gelten. „Der Irak-Krieg ist ein gutes Beispiel dafür, wie man die neue Informationstechnologie den herkömmlichen Auffassungen vom Krieg lediglich überstülpte - wodurch die wirklichen Ereignisse im Irak verschleiert wurden.“ (Kaldor 2007: 233).

2.1 Virtual War

Unter dem Begriff Virtual War können neue Kriegsvarianten wie der Infowar sowie Hacker- und Cyberwar zusammengefasst werden. Die folgenden Definitionen der neuen technologie-intensiven Kriegsführung orientieren sich an den Darlegungen von Seeßlen (2002) und Krempl (2004). Mit dem Einmarsch der USA in den Irak 2003 zur Operation Iraqi Freedom kam es zu einer ungleich hoch technisierten Kriegsführung seitens der Busch-Administration, um einem guerillaartigen Krieg aus dem Weg zu gehen. Die Iraker wurden mit geringer Truppenstärke rund um die Uhr Angriffen mit „intelligenter“ Munition ausgesetzt, wie bspw. Drohnen, die zur Aufklärung über Satellit digitale Livebilder in die Zentralen schickten und Bomben, die mit Sendern ausgestattet sind und mit „Live-Programmierung“ die Zielerfassung stützten (vgl. Krempl 2004/1: 64). Das Eindringen in Computersysteme, bekannt als so genannte Hacker- oder Cyberkriege, ist eine Variante des Infowar. Dieser ist ein prägnantes Merkmal der Virtual Wars geworden und „[…] soll dem Feind klar machen, dass der Krieg noch vor der Kampfhandlung gewonnen ist.“ (Krempl 2004/1: 59). Eine wesentliche Unterscheidung zwischen klassischer Propaganda und Infowar ist die immanente Wendung zum Cyberkrieg, „der sich stärker auf das Militär selbst und auf Angriffe auf die Infrastrukturen des Gegners bezieht (der »Blitzkrieg des 21. Jahrhunderts«).“ (Krempl 2004/1: 59). Der Infowar wird von der digitalen Kriegsführung unterstützt: „Der Cyberwar erweitert die klassische elektronische Kriegsführung um neue technische Möglichkeiten, mit dem Ziel, die Zahl der eingesetzten eigenen Soldaten zu verringern und dem Feind größtmöglichen Schaden anzudrohen.“ (Seeßlen 2002: 128). Die SoldatInnen, die tatsächlich feindlichen Boden betreten, greifen auf eine umfangreiche Ausrüstung zurück. Ausrüstungssysteme wie das „21th Century Land Warrior System“ der US-Armee machen mit Minicomputern zur Unterstützungen der Sinneswahrnehmung, integrierten Waffensystemen, Panzerungen, Funkgeräten und Echtzeit-Videokommunikation aus SoldatInnen wandelnde Kampfmaschinen deren körperlichen Fähigkeiten durch Technik verbessert werden sollen (vgl. Seeßlen 2002: 129). Der Informationskrieg nährt mit seinen technologischen und virtuellen Komponenten die Utopie von einem „unblutigen Krieg“ (vgl. Seeßlen 2002: 122). „Der Informationskrieg rechnet das komplexe System Krieg herunter in ein nur noch kompliziertes und damit beherrschbares System.“ (ebd.). Theoretisch unblutig, bleiben Kriege auch im Rahmen der Virtual Wars dennoch Kriege die Opfer fordern.

2.2 Visual War

„ Fotos von einer Greueltat k ö nnen gegensätzliche Reaktionen hervorrufen. Den Ruf nach Frieden. Den Schrei nach Rache. “

Susan Sontag, 2003 8

Ein und dasselbe Bild kann in unterschiedliche Richtungen interpretiert werden, bestimmt durch den Rahmen, in den es gesetzt wird. Bildunterschriften und Titel spielen eine genauso wichtige Rolle wie die Menschen, die sie in einem bestimmten, ausgewählten Rahmen publizieren. Durch gelenkte Rezeption können Bilder politische Ansichten verändern und das Handeln der Politik beeinflussen. Der Vietnamkrieg wurde der erste Krieg, der es regelmäßig in die Tagesschau und amerikanische Nachrichtensendungen schaffte. „Die Bilder des Krieges flimmerten täglich in die Wohnzimmer der Bürger im Westen und suggerierten ein bislang unbekanntes Maß an Unmittelbarkeit und Nähe“ (Paul 2005: 83). Diese Form der Berichterstattung und Rezeption „zuhause“ entwickelte sich zum so genannten „Living-Room-War“9. Dieser Entwicklungsprozess der Medien und gerade der des Fernsehens ermöglichte es, eine Berichterstattung zu verfolgen, die nicht nur diplomatische Bemühungen und Regierungserklärungen sendete, sondern Kampfaktionen und deren Folgen in der Landschaft, Stadt und lokalen Bevölkerung. Die unzensierte Korrespondenz zwischen Medien und Öffentlichkeit veränderte den militärischen und patriotischen (Zweiter- Weltkriegs-Heroisierten) Blick auf den Krieg und änderte so die kollektive Wahrnehmung des amerikanischen Einsatzes in Süd-Ost-Asien zu einer kritischeren Öffentlichkeit. Die daraus entstandene Anti-Kriegs-Bewegung und die Weiterentwicklung des Fernsehjournalismus’ spiegelte den Umbruch im kollektiven Umgang und Diskussionen über die Rolle der USA im Vietnamkrieg wieder. Ob in diesem Sinne allerdings von einer „Macht der Bilder“ gesprochen werden kann, wird im Folgenden diskutiert. Für die Auseinandersetzung mit der Wirkung von Kriegsbildern, werden vor allem die jüngsten Ansichten von Susan Sontag (2003) und Judith Butler (2009) aufgegriffen, da sich deren Thesen zum Teil ergänzen oder konstruktiv erweitern. Beide Autorinnen stehen mit Ihren Ansichten gerade zur Evidenz der Bilder nah am Thema der vorliegenden Masterarbeit, daher werden ihre Thesen im Besonderen dargestellt.

Susan Sontag vertrat in ihrem Aufsatz „Über Fotografie“ (1978) die Auffassung, dass Fotografie niemanden mehr entrüsten könne; visuelle Repräsentation von Leid sei zum Klischee geworden und die Überflutung mit sensationslüsternen Bildern hätte unsere ethische Empfänglichkeit für Leid sogar vermindert und die Aussage von Fotografie sei eine Funktion des Zwecks (vgl. 1978: 104). In Sontags Buch „Das Leiden anderer betrachten“ (2003), ist ihre Haltung zur Wirkung der Fotografie nicht mehr so eindeutig. Die Bilder, so Sontag, können und müssen menschliches Leid darstellen, um Nähe zu erzeugen: „Sie zeigen wie der Krieg die gebaute Welt entleert, zertrümmert, einreißt, einebnet. […] Zwar besteht eine Stadt nicht aus Haut, Fleisch oder Knochen. Doch aufgeschlitzte Häuser sind fast genauso beredt wie die Leichen auf den Straßen.“ (2003: 14). Bilder des menschlichen Schreckens, des Leides müssten nicht nur schockieren, sondern auch an unseren Sinn für Moral appellieren und uns sozusagen in die Pflicht nehmen (vgl. ebd.). Sontag bleibt dennoch bei der Position, dass es der Fotografie an narrativer Kontinuität fehle, das Foto sei nicht so wirksam wie eine Erzählung. Judith Butler entgegnet in „Raster des Krieges“ (2009) Sontags Argument, dass uns Erzählungen durchaus mobilisieren, aber es seinen interessanterweise Fotografien, die als Beweise für Kriegsverbrechen benötigt würden (vgl. 2009: 70). Butler analysiert Sontags Ansichten und führt an, dass das Foto Bestandteil des Wahrheitsnachweises sei und ohne das Foto könne es keine Wahrheit geben (vgl. ebd.). Es sollte festgehalten werden, dass Fotografien nicht nur Beweise, sondern auch Behauptungen sein können: „Schließlich verweist die Fotografie nicht bloß auf Greueltaten, sondern sie hält diese fest und bekräftigt sie für diejenigen, die diese Greueltaten beim Namen nennen wollen.“ (Butler 2009: 71). Hier stellt sich die Frage: kann das Foto oder das Video an die Stelle des Ereignisses treten? Die Befürchtung Sontags, dass die Fotografie die Erinnerung eher strukturiert als Erzählungen dies tun, finde ich nicht unbegründet - auch im Hinblick auf andere Bildmedien wie bspw.

Videos. Gerade der Einsatz und das Handeln der Embedded Journalists erzeugt Bilder, die (lediglich) eine Interpretation darstellen. Durch die Berichterstattung und Verwendungsweisen von Bildern durch Medien und Politik bekommen diese einen Rahmen gesetzt, der die kollektive Wahrnehmung und Erinnerung beeinflusst und vielleicht sogar dominiert. Aber der Rahmen, in dem das Foto oder auch das bewegte Bild gesetzt wird, kann auch ohne Bildunterschrift lesbar sein. Wichtig ist nicht nur was von wem gezeigt wird, sondern auch wie etwas gezeigt wird. Die Gestaltung und Generierung unserer Kriegswahrnehmung kann durch die Perspektive der Staatsmächte in dessen interpretativen Rahmen aufgezwungen werden (vgl. Butler 2009: 72). „Das Foto ist nicht bloß ein visuelles Bild, das auf seine Interpretation wartet, es interpretiert selbst schon, und das manchmal auch mit Ausübung von Zwang.“ (ebd.). Von diesem Punkt können sich die Fotografie und das bewegte Bild auch entfernen und der Rahmen, in dem sie gefasst sind, selbst Teil der visuell erzählten Geschichte werden. Zensur ist hier eine ständige Gefahr. Unter restriktiven Regierungen kommt es oft dazu, dass z. B. die Staatsmacht es nicht zulässt, dass der Rahmen abgebildet wird (damit sind die Bedingungen oder Handhabungen operierender Einheiten oder Institutionen gemeint, die nicht uneingeschränkt dargestellt oder zur Überprüfung offen gelegt werden). Selbst wenn der Rahmen offen dargelegt würde, könnte dies immer noch heißen, „dass die Repräsentation als staatsgefährdend eingestuft und staatlicher Kontrolle und Sanktionierung ausgesetzt wird.“ (Butler 2009: 73). Ein bekanntes Beispiel aus dem Irak-Krieg für den von Butler ins Sichtfeld geratenen Rahmen, sind die Fotografien und Videos von Gefangenen unter Folter, Misshandlungen und unmenschlichen Haftbedingungen im Gefangenenlager Guantanamo auf Kuba und Abu Ghuraib im Irak. Vor allem die von und mit der Soldatin Lynndie England und dem Soldaten Charles Graner inszenierten Aufnahmen aus Abu Ghuraib schockieren nicht nur aufgrund der furchtbar zugerichteten Gefangenen, sondern durch die Selbstinszenierung der SoldatInnen und der bewussten Verbreitung des Materials unter Freunden und Kollegen. Die Bilder sind gezeichnet von Brutalität, Vergewaltigung, Erniedrigung und Mord. Als die einzelnen Fälle im April und Mai 2004 an die Öffentlichkeit kamen, wurden die Bilder und Videos in der breiten Öffentlichkeit als Beweise für Kriegsverbrechen und Verstöße gegen die Genfer Konvention verstanden. Selbst die US-Regierung versuchte erst gar nicht, die Schuld ganz von sich zu weisen. Zwar wurde im Sprachgebrauch eher von Misshandlungen gesprochen als von Folter, dennoch räumte der damalige US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld den Folter Bildern eine ungeheure Macht ein. Er bemerkte, so schildert es Butler, wenn die Veröffentlichung all dieser Fotos zugelassen werden würde, bedeutete dies auch, dass zugelassen werden würde, dass die Fotos von Folter, Demütigung und Vergewaltigung „die“ Amerikaner definieren (vgl. nach Butler 2008: 212). Der Verteidigungsminister hatte mit diesen Worten den Bildern eine Macht zugesprochen, welche die Generierung von einer negativen Außenwahrnehmung nationaler Identität mit sich bringen würde. Das Verhalten des Pentagon, welches bis 2006 versuchte, den bis dahin noch unveröffentlichten weiteren Bilderpool von Folter und Misshandlungen durch Soldaten per Gerichtsurteil zu verbieten (mit der Begründung, gegen die des Fehlverhaltens entlarvten Armeeangehörigen Rechtsmittel eingeleitet zu haben und einer Gefährdung der Streitkräfte durch Veröffentlichung weiterer Bilder entgegenzuwirken), würde dieser Machteinschätzung entsprechen. Ich denke, dass die Bildwirkungen gerade durch die Aussage Rumsfelds und die Unter-Verschluss-Haltung der Bilder durch das Pentagon potenzierten. Visuelle Vorherrschaft oder Kontrolle ist demnach ein immer wichtiger werdendes Mittel heutiger Konflikte: „Es geht in den Bilderkriegen der Gegenwart immer auch darum, was sichtbar gemacht werden darf und was nicht. Ökonomische und militärische Hegemonie müssen von kultureller Hegemonie gestützt werden.“ (Wenk 2008: 32). Eine bedeutende Neuerung in der Bilderpolitik ist ergänzend dazu, dass die westliche Hegemonie nicht mehr Monopolist der visuellen Politiken ist. Zum Einen durch die Entwicklung der Technologien und Informationspolitik weltweit (vgl. Wenk 2008: 34) und zum Anderen durch die Asymmetrie der Kriegsführung. Bilderpolitik wird in heutigen Konflikten und Kriegen von allen Seiten und AkteurInnen betrieben. Im Mittelpunkt steht dabei wer diese „Visuelle Macht“ einsetzt und von welcher Position aus sie generiert, gesteuert oder praktiziert wird.

3. Was ist Web 2.0?

Die Bezeichnung Web 2.0 ist seit 2004 als Begrifflichkeit für die „neuen“ Internetanwendungen gängig. Im Jahr 2005 machte der Verleger Tim O’Reilly in seinem Artikel „What is Web 2.0?“10 den Begriff mit seinen Charakteristiken erstmals einen breiteren Publikum zugänglich. Das Web 2.0 ersetzt das Internet als solches nicht, sondern ist eher als Ergänzung und Weiterentwicklung zu verstehen. Die Begrifflichkeit Web 2.0 beschreibt die Entwicklung des Internets zum dynamischen und interaktiven Medium. „Wenn wir den gegenwärtigen Entwicklungsstand des Webs mit der Versionsnummer 2.0 versehen, dann konnte die Version 1.0 nicht fehlerfrei laufen, weil die Systemanforderungen dieser Version nicht erfüllt worden waren. Die Systemanforderungen an das Web 2.0 waren der Benutzer 2.0, der selbst Zugangsgeschwindigkeit 2.0 und Zugangskosten 2.0 erforderte.“ (Alby 2008: 2). Dies beschreibt nicht nur die technischen und wirtschaftlichen Veränderungen im Netz, es beschreibt viel spezifischer Phänomene des Internets wie soziale Netzwerke und Partizipation und Emanzipation der Nutzerschaft. Die InternutzerInnen stehen im Web 2.0 im Mittelpunkt, sei es wirtschaftlich oder sozial. Die Begrifflichkeit des Web 2.0 bleibt als ungeschütztes Phänomen kontrovers und wird von den einen als MarketingSchlagwort verwendet und von den anderen als demokratisches Mittel angesehen, indem alle teilhaben und zu dem alle beitragen.

Die wirtschaftlichen und technischen Veränderungen, die das Internet betreffen sind nicht weniger wichtig: Die Einführung von ISDN und den darauf folgenden DSL- und WLAN Leitungen machte das schnelle Surfen im Netzt einfacher und billiger. Daten können durch diese Entwicklung in der Kommunikationstechnik schnell und einfach hochgeladen und runtergeladen werden. Die Thematisierung von Partizipation und Profession im Internet wurde in den letzten Jahren durch die deutschen Medienforscher Christoph Neuberger (2000/2008) und Andreas Hutter (2009) sowie Tino Seeber (2008) untersucht. Bei diesen Autoren sind interessante Fortschritte in der Forschung zu bemerken, deren Erkenntnisse in den folgenden Auseinandersetzungen einfließen werden. Die nächsten Abschnitte klären die Begrifflichkeiten und Nutzungsweisen der ausgewählten Web 2.0-Anwendungen für die Analysen im Hauptteil.

3.1 Weblogs

Der Blog (abgekürzte Version von Weblog) ähnelt einem Tagebuch, das wie ein Journal von den AutorInnen benutzt und im Internet veröffentlicht wird. Blogs sind Websites mit chronologisch sortierten Einträgen, mit dem aktuellsten Beitrag auf der Startseite. Es gibt verschiedene Bloghosts11, die es mit einfacher, freier und kostenloser Software jedem mit Internetzugang ermöglichen, einen eigenen Blog zu führen. Inhaltlich ähneln diese Seiten den konventionellen Tagebüchern eher weniger. Die Blogosphäre12 bietet mit weltweit bis 75.000 (vgl. Alby 2008: 28) neu entstehenden Blogs pro Tag eine breite Themenvielfalt. Die Funktion der Blogs sind umfangreicher als die einer einfachen Homepage, können von einer Person oder einer Gruppe von Personen geführt werden.

Partizipatorische Faktoren sind unverzichtbar: Die LeserInnen sollen in Kontakt mit den AutorInnen treten, sie verbessern, auf weitere Themen hinweisen, an Diskussionen teilnehmen. Dabei obliegt es den BloggerInnen, die inhaltliche Richtung zu bestimmen: „The best bloggers talk in their own voice, celebrate their unique identity and tell the stories that are real to them”.13 Des Weiteren spielt die visuelle Ebene der Blogs eine wichtige Rolle. Neben dem Seitendesign, das individuell verändert werden kann, sind auch die Upload-Möglichkeiten von Bildern, Videos und Audiodateien sowie das Nutzen von Links wichtige Elemente für das Bloggen.

Seit den Anschlägen vom 11. September 2001 kann von einer Politisierung der Blogosphäre gesprochen werden (vgl. Hutter 2008: 25). So genannte Watchblogs und Warblogs haben einen wichtigen Stellenwert innerhalb der Bloggosphäre und in den klassischen Medien bekommen. Nach den Angriffen auf das World Trade Center und das Pentagon in den USA veröffentlichten AugenzeugInnen ihre Erfahrungsberichte, Bilder und Videos in solchen Weblogs. In Deutschland wurde dieses Phänomen erst nach dem Irak-Krieg 2003 zum Thema in den Medien (vgl. Hutter 2008: 26).

Watchblogs14 werden von BloggerInnen geführt, die Unternehmen, Institutionen, PolitikerInnen und JournalistInnen in ihrem Handeln kritisch hinterfragen und beobachten (vgl. Hutter 2008: 29). Von diesen Blogs15 wird bereits, wie bspw. in der Untersuchung von Tino Seeber (2008), als kritische Gegenöffentlichkeit im Sinne der 5. Gewalt16 gesprochen.

Warblogs werden sowohl von SoldatInnen, JournalistInnen als auch zivilen Personen aus den Krisengebieten heraus geführt. Die Augenzeugenschaft ist das wichtigste Charakteristikum der Warblogs. Seit dem Beginn des Irak-Kriegs 2003 haben solche Blogs eine breite Leserschaft aufgebaut und berichten von den aktuellen Kriegsgeschehen vor Ort. Es kamen auch Blogs hinzu, welche die Berichterstattung der klassischen Medien beobachten und mögliche Propagandainformationen entlarven (vgl. Hutter 2008: 33). Gerade in den Regionen, in denen die freie Meinungsäußerung unterdrückt wird, verbreiten sich die Warblogs schnell und sind oft die einzigen unabhängigen Informationsgeber für die Öffentlichkeit.17 BloggerInnen können, so der Online-Forscher Neuberger, eine Komplementärrolle zu den professionellen JournalistInnen einnehmen und können als Quelle oder Rezipienten fungieren (vgl. 2008: 32). So können JournalistInnen in Weblogs recherchieren und von dort Informationen übernehmen und andersherum greifen BloggerInnen journalistische Themen auf, kritisieren und lassen diskutieren: „[…] sie sind ein Resonanzraum der Massenmedien.“ (ebd.). Zusätzlich findet eine Kommunikation auf der Metaebene statt, auf der sich JournalistInnen und BloggerInnen wechselseitig thematisieren und kommentieren. Der Blogger und diplomierter Medienwirtschafter Tino Seeber (2008) schließt mit seiner Untersuchung zum emanzipatorischen Gebrauch von Weblogs eine theoretische Lücke hinsichtlich einer Weiterentwicklung der Eigenverantwortung von RezipientInnen, bis hin zum emanzipatorischen Mediengebrauch; allerdings ohne ein repräsentatives Ergebnis präsentieren zu können. Für Seeber bestätigt sich die These, dass Weblogs für die NutzerInnen als Alternative zu den klassischen Massenmedien wahrgenommen werden ebenso wie die Tatsache, dass BloggerInnen den traditionellen Medien kritisch gegenüber stehen. Auf diese Erkenntnisse, wenn auch nicht auf die Grundgesamtheit erforscht, können folgende Untersuchungen, auch die vorliegende, aufbauen.

3.2 Wikis

Zu dem Begriff Wikis zählen Websites wie Wikipedia und WikiLeaks. Sie gehören zu der Social Software mit so genanntem User generated Content,18 bei der die interaktive Kommunikation im Vordergrund steht. Der Begriff grenzt auch das Feld der netzbasierten Anwendungen zum Informations-, Identiäts- und Beziehungsmanagement zu den einfachen Foren und Chats ab (vgl. Pentzold 2007: 16). Ein wichtiger Unterschied zur Software, die für Chats und Foren genutzt wird, sind die partizipatorischen Faktoren der gemeinsam generierten Informationen auf diesen Seiten. Das kollaborative Handeln ist ohne Hierarchien zugänglich und prinzipiell für jeden offen. Die, den Wikipedias immanente, so genannte Wisdom of Crowds19 (die kollektive Intelligenz) zeichnet sich dadurch aus, dass jede/r BesucherIn an der Wikipedia mitarbeiten kann und somit selbstregulierende Mechanismen entstehen.

WikiLeaks ist die jüngste Internetplattform innerhalb des Web 2.0, die in dieser Arbeit analysiert wird. Laut eigenen Angaben ist die Non-Profit-Organisation der Sunshine Press www.wikileaks.org durch eine unabhängige, internationale Gruppierung von JournalistInnen, Software-ProgrammiererInnen, Netzwerk-AdministratorInnen, MathematikerInnen und anderen VerfechterInnen der freien Presse und VertreterInnen für soziale Transparenz in der Öffentlichkeit 2006 gegründet und 2007 öffentlich geworden.20 Wenige WikiLeaks -AkteurInnen sind in der Öffentlichkeit bekannt, einzig der Australier Julian Assange21 und der Deutsche Daniel Domscheit-Berg (alias Daniel Schmitt) waren bisher in der Öffentlichkeit zu sehen. Letzterer verließ WikiLeaks allerdings im September 2010. Der Name WikiLeaks stellt sich aus dem Grundgedanken des User Generated Content der Wikis und dem englischen Wort Leaks (zu Deutsch „Leck“) zusammen. Anonym können Dokumente und Informationen an die Internetplattform gesendet oder in deren verschlüsselte Dropbox22 geladen werden, die für das öffentliche Interesse relevant sind. Die Organisation orientiert sich hierfür an journalistischen Prinzipien. Mit einem unbekannten Serverstandort und anonymen Upload-Verfahren sei WikiLeaks nach eigenen Aussagen unzensierbar. Des Weiteren formuliert WikiLeaks: „The broader principles on which our work is based are the defence of freedom of speech and media publishing, the improvement of our common historical record and the support of the rights of all people to create new history. We derive these principles from the Universal Declaration of Human Rights.”23 Die Organisation übt, nach eigenen Angaben, das Grundrecht der Freien Meinungsäußerung stellvertretend für jene Menschen aus, denen die Wahrheit nicht zugänglich ist und sieht sich als wichtiges gesellschaftliches Instrument: „Publishing improves transparency, and this transparency creates a better society for all people. Better scrutiny leads to reduced corruption and stronger democracies in all society's institutions, including government, corporations and other organisations. A healthy, vibrant and inquisitive journalistic media plays a vital role in achieving these goals. We are part of that media.“24

Ein wichtiger Unterschied zu Wikipedia ist, dass zwar jeder auf die Dokumente zugreifen, aber nicht jeder diese auch verstehen kann. Deshalb veröffentlicht WikiLeaks parallel zu den Originaldokumenten journalistische Texte, die sich mit den Daten auseinandersetzen. Die britische Tageszeitungen The Guardian, das deutsche Magazin Der Spiegel und die amerikanische Tageszeitung The New York Times wurden sogar 2010 in die Auswertung der Dokumente involviert. In dem Jahr hatte WikiLeaks unter anderem mit der Veröffentlichung der Afghanistan War Diarys, der Iraq War Logs und Cable Gate (interne Papiere des US-Außenministeriums) weltweit für Schlagzeilen gesorgt. Zum Einen halten DatenschützerInnen das Handeln der Organisation für fragwürdig und für die internationalen Konflikte bedenklich, da diese durch die Veröffentlichung eher verschärft als gelöst würden; zum Anderen wird die investigative Arbeit von WikiLeaks als neuer Impuls für den Journalismus und als Paradebeispiel für die „Revolution 2.0“ das „Internet als unzensierbares Medium“ gefeiert. In der Medienforschung hat über das Phänomen WikiLeaks bisher keine Untersuchung stattgefunden. Die Spiegelredakteure Stark und Rosenbach sowie das ehemalige WikiLeaks -Mitglied Daniel Domscheid-Berg brachten 2011 Publikationen über die Organisation heraus, die zum Teil in die Analyse mit einbezogen werden.

3.3 Social Media

Zum Begriff Social Media werden jene sozialen Netzwerke gezählt, die zum Ziel haben, Menschen miteinander zu verbinden und im ständigen Informationsaustausch zu halten. Der Datenfluss ist enorm: Menschen sind in der ganzen Welt vernetzt und tauschen Ideen, Meinungen, Daten und Bilder in Echtzeit miteinander aus. Es gibt in der öffentlichen Auseinandersetzung mit den Anwendungen zwar journalistische Artikel und Essays, unabhängige Forschungsberichte sind jedoch weniger zu finden. Die Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen veröffentlichte im November 2010 erstmals einen Forschungsbericht über den Einfluss von Twitter auf die Nachrichten. Die Studie ergab, dass zwischen Twitter und professionellem Journalismus vielfältige Komplementärrollen bestehen und es eher zu einer Anschlusskommunikation statt Exklusivberichterstattung komme (vgl. LfM 2010: 87). In der öffentlichen Kritik steht vor allem der Verlust der real-sozialen Welt. Anstatt Gespräche in der Realität zu führen, stehen Kommunikation und Austausch im Online-Netzwerk für viele bereits im Vordergrund. Als Gegenargument wird oft der Verweis auf eine lediglich veränderte Lebensform, wie Phänomene in der Mode oder Musik verwiesen (vgl. Alby 2008: 117). Die Internetplattform www.facebook.com wurde 2004 als Online-Netzwerk für StudentInnen der Harvard University von drei Studenten25 gegründet. Die Community- Website ermöglichte es den StudentInnen, sich untereinander zu vernetzen und Fotos auszutauschen. Im Jahr 2007 erweiterte sich Facebook von seiner internen Präsenz zu weltweit kostenlos zugänglichen Netzwerk mit dem Motto „Facebook helps you connect and share with the people in your life“26. NutzerInnen können Fotos und Videos hochladen, miteinander chatten, Nachrichten schreiben, sich gegenseitig kommentieren und eigene Applikationen27 erstellen. Jede/r NutzerIn hat die neuesten Meldungen seiner „Freunde“, Gruppen, Firmen etc. mit denen er befreundet ist oder den „like“-Button (ein Icon mit einen Daumen, der nach oben zeigt) ausgewählt hat, auf der Startseite eingeblendet und kann diese wiederum kommentieren oder „like“ auswählen. Die Sicherheitseinstellungen von Facebook überlassen es den NutzerInnen, festzulegen, wie viel sie anderen NutzerInnen vom eigenen Profil anzeigen. Die Grundeinstellungen sind sehr locker und ohne größere Ansichts-Einschränkungen. Freunde von Freunden werden über Facebook trotz hoher Sicherheitseinstellungen als möglicherweise bekannt angezeigt. Per „Friendfinder“ kann das eigene Netzwerk jederzeit erweitert werden. Mit über 500 Millionen MitgliederInnen28 und Übersetzungen in mehr als 70 Sprachen ist Facebook zum weltweit größten Social Network avanciert. Viele Firmen haben das enorme Marketing-Potenzial auf Facebook für sich erkannt und eigene Profile angelegt. Die meist offen zugänglichen Daten der NutzerInnen und deren Bereitschaft, sich weitläufig zu vernetzen, ermöglicht es Firmen und Organisationen, umfangreiche Werbestrategien anzuwenden. Es werden Gewinnspiele veranstaltet und aktuelle Nachrichten zum Produkt gepostet, die eine engere Bindung zur Marke erhöhen sollen und eine kostengünstige Verbreitung der eigenen Angebote29 versprechen.

Der Micro-Blogging-Service www.twitter.com wurde 2006 von der Firma Obvious LLC, in den USA gestartet. Basierend auf dem Open Source Programm „Ruby on Rails“ wurde Twitter als Plattform geschrieben, die Freunde auf schnelle Art und Weise „auf dem Laufenden“ halten soll. Auf Twitter können MitgliederInnen Nachrichten mit bis zu 140 Zeichen via SMS, Email oder Instant Message an die Seite senden. Diese Nachrichten werden Updates genannt und erscheinen auf der Profilseite der NutzerInnen und können je nach Einstellung von jedem oder nur von dem eigenen „Freundeskreis“ eingesehen werden. Die Nachrichten von abonnierten Twitter -Profilen erscheinen ebenfalls auf der eigenen Startseite. Die Kurznachrichten werden Tweets genannt, die AbonentInnen von Profilen Follower. Antworten oder Nachrichten, die an andere NutzerInnen gerichtet sind, werden mit einem @ Symbol vor dem Nutzernamen versehen. Außerdem lassen sich Stichworte jeder Art als so genanntes Hashtag mit dem # Symbol kennzeichnen. Wenn solch ein Hashtag in die Suchmaske eingegeben wird, erschienen alle Tweets mit demselben Stichwort in einer Liste. Inhaltlich gibt es keine Grenzen, es wird zu jeder Tageszeit, überall auf der Welt über privates, öffentliches, „banales“ und „wichtiges“getwittert. Interessanterweise werden die meisten Einträge via Handy oder anderer Dienste an Twitter gesendet, statt auf der Seite selbst eingestellt. Die Notwendigkeit des Computers zum Bloggen entfällt (vgl. Alby 2008: 114). Wie bereits bei Facebook angemerkt, kommt es verstärkt zu einer Nutzung des Dienstes durch Firmen für Marketingzwecke.

II FALLBEISPIELE AUS DEM IRAK-KRIEG 2003 UND 2010

Der Diskurs neuer Kriege am Beispiel des Irak-Krieges und dessen Darstellung im Warblog von Salam Pax 2003, und dem Video „Collateral Murder“ von WikiLeaks 2010, sollen im Folgenden analysiert werden. Die diskurstheoretische Annäherung (wie unter 1.1 Theorie beschrieben) wird ermöglichen, die Praktiken, wie etwa Regeln, Bezugspunkte und Verschränkungen in den Beispielen, zu fokussieren. Auch die Darlegung der Diskursmodalitäten, etwa das Erscheinen der einzelnen AkteurInnen, die Mechanismen derer sie sich bedienen, eine bestimmbare Position im gemeinsamen Rahmen, Korrelationen und die Zwischenräume die sie trennen sollen in den Analysen ausgemacht und diskutiert werden. Die zwei Fallbeispiele aus dem so genannten dritten Irak-Krieg, werden unter Punkt 4. Fallbeispiel 1: Krieg und Alltag und 5. Fallbeispiel 2: Krieg und Kollateralschäden analysiert und mit einer Auswahl an klassischen Leitmedien (die als „meinungsführende Qualitätspresse“ bekannt sind) verglichen. Ausgewählt wurden hauptsächlich Online-Datenbanken mit crossmedialen Inhalten30. Darunter fallen die New York Times (USA) und The Guardian (UK); diese sind zudem Leitmedien aus zwei Ländern der so genannten Koalition der Willigen31 die den Krieg im Irak führten. Hinzu kommen die deutschen Medien Der Spiegel und Tagesschau. Die Berichterstattung des arabischen TV-Senders Al Jazeera wird zusätzlich eine Rolle spielen; ein Fernsehsender, der unter anderem durch die Ausstrahlung von Bildern getöteter SoldatInnen und Zivilisten32 in die internationalen Schlagzeilen geraten ist. Dieser sendet allerdings erst seit 2006 mit einem englischsprachigen Kanal und kann für die erste Analyse nicht als Quelle zitiert werden, sondern nur über die Rezeption von Salam Pax einbezogen werden.

4. Fallbeispiel 1: Krieg und Alltag

Was bedeutet es, in einem Land, in einer Stadt zu leben, die unter ständigen Bombardements steht? Krieg bedeutet für Zivilisten Angst, Flucht oder Isolation, Verwandte und Freunde sterben in zerbombten Häusern oder in ihren Autos während der Besorgung von Lebensmitteln mitten auf der Straße. Es bedeutet auch, warten zu müssen, sich ausgeliefert zu fühlen; und die Konfrontation mit den alltäglichen, beinahe banalen Dingen des Lebens. Die Tagebücher der Anne Frank sind die wohl bekannteste Beschreibung aus solchen Situationen. Mehr als 60 Jahre später brauchen wir für diese Informationen nicht auf das Kriegsende zu warten. Die Echtzeitkommunikation des Internets macht es möglich, an jedem Tag, aus jedem Kriegs- oder Krisengebiet der Welt den Alltag der Kriegbeteiligten, ob Opfer oder Täter, mitzuverfolgen.

In diesem Kapitel unter Punkt 4.1 werden Einträge aus den Warblogs des unabhängigen „Salam Pax - Baghdad Blogger“ analysiert (Anhang: Screenshot 1, S. 4). In den Jahren von 2003 bis 2010 berichtete dieser von seinem Alltag im Irak-Krieg und der langen Zeit der Besetzung durch die Alliierten bis 2010 und erhielt internationale Aufmerksamkeit und Anerkennung in den Medien. In der folgenden Analyse werden Blog einträge aus den Jahren 2002 bis 2003, kurz vor dem Krieg sowie während der direkten Invasion der US-amerikanischen und britischen Truppen in den Irak einbezogen. Dieser Zeitraum ist besonders spannend, da sich die Warblogs und die Wahrnehmungen dieser außerhalb des Internets, mit dem Beginn des Irak-Krieges 2003 entwickelten und schnell verbreiteten. Zudem sind die ausgewählten Blogs in die Aufarbeitung des Kriegsgeschehens der klassischen Massenmedien mit eingeflossen.

4.1 “Salam Pax - The Baghdad Blogger”

“ I absolutely had to stay. This is your country, this is your place. I had to see what was going to happen. “

Salam Pax, 200333

Bevor die britische Tageszeitung The Guardian den Autoren Salam Pax recherchiert hatte, wurde spekuliert, dass der Blog eine Täuschung des amerikanischen Geheimdienstes sei. Hinter Salam Pax, einem Pseudonym, welches sich aus dem echten Vornamen des Autors sowie aus den lateinischen und arabischen Worten für Frieden zusammensetzt, verbirgt sich laut The Guardian ein irakischer Architekt, der zusammen mit seinem Bruder in Bagdad bei den Eltern lebt und zum Zeitpunkt des Irak-Krieges 29 Jahre alt war. Salam Pax bloggte in den Jahren von 2002 bis 2009 aus seiner Heimatstadt Bagdad.34 E habe während seiner Kindheit, so berichtet The Guardian weiter, zwei längere Phasen in Wien gelebt, wo er auch Architektur studierte. Der Iraker führt mehrere Blogs, der bekannteste darunter ist „Where is Read?“, dieser wurde mit weiteren seiner Weblogs unter „Salam Pax - The Baghdad Blogger“35 zusammengebracht. Wenn Pax selbst nicht in der Lage war zu bloggen, sendete er die gesammelten Tagebucheinträge an die wenigen Freunde, wie die Bloggerin Diana Moon aus New York, die seine wahre Identität kannten und die Einträge für ihn in den Blog kopierten. Der eigentliche Grund für Pax, den Blog einzurichten, war der Versuch, Kontakt zu seinem Freund Read, der in Jordanien seinen Master absolvierte, herzustellen. In den ersten Wochen 2002 existierte dieser Blog als privates Kommunikationsmittel für Salam Pax und seine Freunde. Nachdem Pax sich intensiver mit anderen BloggerInnen aus dem arabischen Raum beschäftigte, bemerkte er, dass insbesondere jene, die auf Englisch posteten, mit religiösem Pathos sprachen.36 Daraufhin gab er seine Inhalte für die Blogger.com Homepage frei, um publik zu machen, dass es auch Iraker gibt, die ohne religiösen Eifer schreiben. Dazu schrieb Pax offen über seine Homosexualität.

[...]


1 Im Folgenden werde ich zur besseren Lesbarkeit die Abkürzung der weiblichen Schreibform wie bspw. „NutzerInnen“ statt der Dopplung „Nutzer und Nutzerinnen“ verwenden.

2 Echtzeit/Echtzeitbasierend = Diese Begrifflichkeit meint ein Maximum an Aktualität. In Bezug auf Internetanwendungen meint diese, die Vorhersehbarkeit eines Vorgangs, die als besonders schnell und zeitnah zu einem Ereignis oder technischen Datenfluss in die Anwendung eingepflegt wurde und „sofort“ rund um die Uhr ohne Zeitverzögerung abrufbar ist. Siehe auch Heise Online: Themenseite Echtzeit. http://www.heise.de/thema/Echtzeit abgerufen am 21.06.11.

3 Wistleblower stammt von der englischen Phrase to blow the wistle zu Deutsch die Pfeife blasen und wird im umgangssprachlichen Englisch als Ausdruck für InformantInnen und HinweisgeberInnen die Unrechtmäßigkeiten offen legen und Missstände anprangern, benutzt. Siehe auch bspw. www.whistleblower-net.de

4 Original: Foucault (2003), dits et ecris, Schriften 3, 1976-1979.

5 Am 19. August 2010 verließen die letzten Kampftruppen der USA den Irak. Allerdings sind immer noch an die 50.000 SoldatInnen im Land geblieben, die für die Ausbildung der irakischen Polizei und Armee eingesetzt werden; diese sollen voraussichtlich Ende 2011 abgezogen werden. Siehe Spiegel Online: „Abzugsshow an der Grenze zu Kuwait“ http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,712625,00.html abgerufen am 06.12.10 und US Department of State: Background Note Iraq, http://www.state.gov/r/pa/ei/bgn/6804.htm#defense abgerufen am 09.03.11.

6 top-down = Diese Begrifflichkeit meint, dass Internationale Institutionen vor allem mit den Eliten und Kriegsführenden Parteien verhandeln. Informationen werden selten vor Ort gesammelt und einheimische Quellen nicht miteinbezogen.

7 Globalisierung meint die internationalen, wechselseitigen Verflechtungen im Wirtschaftlichen, Politischen, Militärtischen und Kulturellen. Laut Kaldor ist diese auch bedingt durch die „[…] Revolution in der Informationstechnologie und der atemberaubenden Fortschritte in Kommunikationstechnologie und Datenverarbeitung.“ Siehe Kaldor (2007: 19). Siehe auch weiterführend: Bundeszentrale für politische Bildung: Zahlen und Fakten Globalisierung http://www.bpb.de/wissen/Y6I2DP abgerufen am 03.07.11.

8 Siehe Sontag (2003: 20).

9 Die Begrifflichkeit „Living-Room War“ wurde durch Michael J. Arlen und dessen gleichnamiger Publikation 1969 bezüglich der Fernsehberichterstattung über den Vietnamkrieg geprägt und bspw. auch von Gerhard Paul (2005) aufgegriffen.

10 vgl. O’Reilly (2005): http://www.oreilly.de/artikel/web20.html abgerufen am 22.11.2010.

11 Hosting (engl.) = meint die Speicherung von Websites auf einem Server der an das Internet angeschlossen ist. Zu den wohl bekanntesten Bloganbietern gehören Webhosts wie blogspot.com, blogger.com und wordpress.com.

12 So wird die Blog-Gemeinschaft von den NutzerInnen genannt.

13 Siehe PDF, ROG: Handbook for Bloggers and Cyber Dissidents (S. 34) http://en.rsf.org/IMG/pdf/guide_gb_md-2.pdf abgerufen am 25.11.10.

14 Dieser Begriff entwickelte sich in Anlehnung an den englischen Begriff „Watchdogs“, eine sinnbildliche Beschreibung für die Arbeit der JournalistInnen als „Wachhunde der Gesellschaft“.

15 Die wohl bekanntesten Watchblogs in Deutschland sind der BILDblog, der NPD-Blog und der Stoppt Merkel!-Blog.

16 Die so genannte 5. Gewalt (keine im Grundgesetz verankerte, sonder umgangssprachliche Wortbildung) obliegt dem Journalismus als prüfendes und mahnendes Organ in der Gewaltenteilung demokratischer Staaten.

17 Siehe PDF, ROG: Handbook for Bloggers and Cyber Dissidents (S. 5) http://en.rsf.org/IMG/pdf/guide_gb_md-.pdf abgerufen am 25.11.10.

18 Zu Deutsch: Durch NutzerInnen gestalteter Inhalt.

19 Wortbildung durch James Surowiecki (2004) in seiner Publikation „The wisdom fo crowds: Why the Many Are Smarter Than the Few and How Collective Wisdom Shapes Business, Economies, Societies and Nations”.

20 5 2 Siehe About WikiLeaks http://wikileaks.org/media/about.html abgerufen am 30.11.2010.

21 Der 39 jährige Assange gilt in der Öffentlichkeit als umstrittene Persönlichkeit. Am 1.12.2010 wurde er auf die Internationale Fahndungsliste von Interpol gesetzt. Der Grund sei, so berichtet CNN, dass Assange seiner Aussagepflicht in einem Prozess der gegen ihn in Schweden, wegen Vergewaltigung sowie sexueller Belästigung läuft, nicht nachkomme. Julian Assange verteidigte im arabischen TV-Sender Al Jazeera indes seine Unschuld- es handle sich um eine Verleumdungskampagne. Im Februar 2011 musste sich Assange in England unter Hausarrest dem Gericht gegenüber verantworten, welches die Auslieferung an Schweden verfügte. Assange nutze sein Widerrufsrecht und die Auslieferung wird erneut am 12. Juli 2011 verhandelt; derzeit ist der WikiLeaks Gründer auf Kaution frei. Siehe CNN Wire Staff: http://edition.cnn.com/2010/WORLD/europe/11/30/sweden.interpol.assange/index.html?hpt=T1 abgerufen am 1.12.2010 sowie ZDNet http://www.zdnet.de/news/41551448/britisches-gericht-legt- anhoerungstermin-fuer-julian-assange-auf-12-juli.htm abgerufen am 14.06.2011.

22 Eine Dropbox ist Online-Netzwerk-Dateinsystem, dass es mehreren NutzerInnen gleichzeitig ermöglicht Dateien online zu synchronisieren, zu speichern und zu verwaltet. Die Dateien werden auf einem zentralen Server gespeichert und können über den eigenen Dropbox -Order auf dem PC angesehen und geändert werden. Siehe http://wikileaks.ch/Submissions.html sowie http://www.dropbox.com/ abgerufen am 14.06.2011.

24 Siehe About WikiLeaks http://WikiLeaks.org/media/about.html abgerufen am 30.11.2010.

25 Die Gründungsrunde soll aus drei Studenten bestanden haben, darunter Mark Zuckerberg, der mittlerweile alleiniger Unternehmenschef ist und dessen Werdegang im Kinofilm „The Social Network“ 2011 zum Kassenschlager wurde.

26 Siehe http://www.facebook.com/, abgerufen am 29.11.2010.

27 Hier kommt das Aal-Prinzip (Andere arbeiten lassen) zum Tragen, welches die Erstellung von Inhalten und Funktionalitäten durch die NutzerInnen auf Facebook meint (vgl. Alby 2008: 105).

28 Statistiken siehe http://www.facebook.com/press/info.php?statistics abgerufen am 29.11.2010.

29 Als Beispiel für dieses Muster kann bspw. das Stadtportal www.bremen.de gesehen werden, welches via Facebook die Produkte der Homepage, Gewinnspiele usw. etabliert. Siehe http://www.facebook.com/Bremen abgerufen am 29.11.2010.

30 Crossmediale Inhalte sind Online-Präsenzen mit Videobeiträgen, Texten und Bildern sowie Podcasts.

31 Zu der Koalition gehörten außerdem Spanien, Polen, Italien und Australien (vgl. Dirks 2010:122).

32 Die PR-Organe der US-Administration versuchten die Ausstrahlung von gefallenen US- oder britischen SoldatInnen weitestgehend aus der Presse auszuschließen. Die Bilderpolitik in den neuen Kriegen zeichnet sich im Wesentlichen dadurch aus, dass die Macht der Medien oder die Machthabe durch Medien genutzt wird, um zu entscheiden was gezeigt werden darf und was nicht: „Westliche Hegemonie musste zur Absicherung ihrer militärischen Übermacht stets auch auf visuelle Politiken bauen und konnte dies, solange sie die Technologien der Informationsvermittlung überlegen war.“ (Wenk 2008:34). Al Jazeera versperrte sich diesem symmetrischen Prinzip der Bilderpolitik und brachte die Kriegsakteure dadurch in Rechtfertigungs-Bedrängnis. Dschihad Ali Ballut, der Sprecher des arabischen Senders Al- Jazeera, beschreibt die schwierigen Rechercheumstände während des Irak-Kriegs wie folgt: „Wir arbeiten in einer Welt von Desinformationen. Von allen Seiten. […] Wir zeigen alles, was wir bekommen.“ (Krempel 2004/2: 82). Zudem wurde der Sender durch den amerikanischen Außenminister Colin Powell während des Irak-Feldzuges als Sprachrohr des irakischen Regimes dargestellt und habe die arabischen Massen aufhetzen wollen.

33 Interview mit Salam Pax in: McCarthy, Rory: Salams Story, siehe http://www.guardian.co.uk/world/2003/may/30/iraq.digitalmedia abgerufen am 30.11.2010.

34 vgl. ebd..

35 Siehe Salam Pax: Startseite http://salampax.wordpress.com/ abgerufen am 30.11.2010.

36 McCarthy, Rory, siehe http://www.guardian.co.uk/world/2003/may/30/iraq.digitalmedia abgerufen am 30.11.2010.

Ende der Leseprobe aus 114 Seiten

Details

Titel
Krieg in Echtzeit? Eine diskurstheoretische Annäherung an die Darstellung „neuer Kriege“ im Web 2.0.
Hochschule
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg
Veranstaltung
Kunst- und Medienwissenschaft
Note
2.0
Autor
Jahr
2011
Seiten
114
Katalognummer
V268689
ISBN (eBook)
9783656589150
ISBN (Buch)
9783656589143
Dateigröße
5009 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Bitte die Danksagung weglassen - letzte Seite.
Schlagworte
krieg, echtzeit, eine, annäherung, darstellung, kriege
Arbeit zitieren
Janine Behrens (Autor), 2011, Krieg in Echtzeit? Eine diskurstheoretische Annäherung an die Darstellung „neuer Kriege“ im Web 2.0., München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/268689

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