Textverständlichkeit. Der Prozess des Verstehens am Beispiel des Wissenschaftsjournalismus


Hausarbeit, 2013

20 Seiten, Note: 2,3

Ariane Bartfeld (Autor)


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Vielfalt des Journalismus

3. Grundlagen der Verständlichkeit
3.1 Überblick zur Verständlichkeitsforschung
3.2 Das Hamburger Verständlichkeitskonzept
3.2.1 Die vier Merkmale der Verständlichkeit
3.2.2 Kritik und Grenzen des Konzepts

4. Prozess der Textverständlichkeit
4.1 Zusammenhang zwischen Textverstehen und journalistischer Arbeit
4.2 Textanalyse nach dem Hamburger Verständlichkeitskonzept
4.2.1  Analyse der medizinischen Studie
4.2.2 Analyse des Onlineartikels
4.3 Allgemeiner Vorgang des Textverstehens

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

7. Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

„Ich verstehe das nicht!“ Täglich hört man diesen verzweifelten Ausruf von Studenten, wenn sie über wissenschaftlichen Texten sitzen und einfach nicht hinter den Sinn ihres Textinhalts gelangen. Doch die Gruppe von angehenden Akademikern bildet dabei keine Ausnahme. Dass Texte nicht richtig oder fast gar nicht verstanden werden, ist der Regelfall und zumeist ist der Inhalt nicht der ausschlaggebende Grund dafür, sondern eher seine sprachliche Verpackung. Die Sprache als wichtigstes Instrument der Informationsvermittlung des Menschen weist also nicht nur in der gesprochenen Version häufig Hindernisse der Verständlichkeit auf, sondern auch in ihrer Schriftlichkeit. Auch bei Friedemann Schulz von Thun war die persönliche Erfahrung der Schwerverständlichkeit mancher Texte der ausschlaggebende Grund, sich nicht nur der Kommunikation und deren Informationsgehalt in Form von gesprochener Sprache zu widmen, so wie er es in seinem bekannten Vier-Ohren-Modell der Nachrichtenvermittlung tat, sondern auch Probleme der sprachlichen Informationsvermittlung in der schriftlichen Variante zu suchen und zu beheben. Daher beteiligte er sich an einer empirischen Untersuchung von Textverständlichkeit und entwickelte zusammen mit einer Forschergruppe das Hamburger Verständlichkeitskonzept.

Doch sind die Aspekte der Sprache wirklich der alleinige Grund für das Zustandekommen von Verständlichkeit? Um diese Frage zu beantworten, widmet sich diese Hausarbeit der Überprüfung folgender These: Wenn ein Text allein durch eine schwierige lexikalische und syntaktische Gestaltung der Sprache geprägt ist, dann erschwert dies den kognitiven Prozess des richtigen Verstehens seines Informationsgehalts.

Zur Veranschaulichung dieser These wird Bezug auf den Journalismus genommen. Denn welches alltägliche Beispiel für die Erklärung von Textverständlichkeit liegt näher als die Arbeit eines Journalisten, die darin besteht Informationen zu komprimieren und für ein heterogenes Publikum verständlich zu machen?

Um das Textverständlichkeitsproblem zu erläutern, wird in dieser Arbeit daher wie folgt vorgegangen: Da die Darlegung des Textverstehens in einem journalistischen Beispiel eingebettet ist, wird zunächst die Vielfalt des Journalismus aufgezeigt. Dabei wird vor allem auf den Wissenschaftsjournalismus als Vermittler des vertikalen Wissens eingegangen. Denn bei der fachlichen Verständigung von wissenschaftlichen Erkenntnissen, die eigentlich der allgemeinen Bevölkerung nützen oder auch zur Meinungsbildung beitragen sollen, bestehen zwischen Experten und Laien aufgrund der sprachlichen Informationsgestaltung oft Kommunikationsbarrieren. Damit diese Barrieren erklärt werden können, wird im nächsten Schritt auf die Verständlichkeitsforschung eingegangen. Den Leitfaden der Argumentation bildet dabei das Hamburger Verständlichkeitskonzept. Im weiteren Verlauf werden die Erkenntnisse dieses Konzepts ausgelegt und beurteilt, um die vertretene These zu unterstützen. Schließlich wird zur Veranschaulichung des Textverstehens, bei der eine erweiterte Version des Hamburger Verständlichkeitsmodells als Grundlage dient, ein Vergleich einer Studie mit dem dazugehörigen Artikel vorgenommen. Das Ziel ist dabei den Vorgang der Verständlichkeit eines Textes aufzeigen, indem versucht wird die Perspektive des Journalisten beim Verfassen des Artikels zu rekonstruieren.

2. Die Vielfalt des Journalismus

Journalismus ist nicht gleich Journalismus[1]. Das Pressewesen kann daher nicht nur nach der Art des Mediums ihrer Publikation, sondern auch nach seinem in den Beiträgen dargestellten Grad der Qualität des spezifischen Inhalts definiert werden. Gewiss ist jeder journalistische Beitrag fachlich fokussiert, jedoch spiegelt sich die Qualität des Themas wiederum in der Recherche und die damit verbundene, zumeist schriftlichen Auslegung in einem Artikel selbst wider. Anhand dieses einen Kriteriums zeigt sich bereits die inhaltliche Ungleichheit im Journalismus auf, sodass zwischen dem üblichen Allround- und dem spezifischen Fachjournalismus unterschieden wird. Die Abgrenzung der beiden Arten kann durch die journalistischen Tätigkeitsfelder sowie der grundlegenden Ausbildung bzw. Wissensbasis des Journalisten selbst verdeutlicht werden (vgl. Tiberius u. Teichmann 2004, S. 17).  Darin spiegelt sich zumeist auch die Breite des Berichterstattungsfeldes wider. Während ein Allrounder über alles schreibt und sein Wissen daher eher „auf Breite und nicht Tiefe“ (ebd., S. 18) angesiedelt sein muss, sodass dieser somit über ein breit gefächertes Allgemeinwissen verfügt, hat sich ein Fachjournalist auf ein bestimmtes Thema oder ein Ressort spezialisiert. Diese fachliche Kompetenz über ein bestimmtes Gebiet erlangt jener nur durch ein Studium. Folglich sind Fachjournalisten hauptberuflich zumeist Wissenschaftler, die ihr Expertenwissen anhand von Beiträgen vor allem in Fach-, aber auch Publikumsmedien publizieren, wie z.B. Fachzeitschriften[2] (vgl. ebd., S. 15-19). Doch bei der Betrachtung der Makroebene bietet sich eine weitaus gedankenreichere Definition des Fachjournalismus durch einen funktional-strukturellen Ansatz der Systemtheorie an. Nach dem Soziologen Niklas Luhmann ist das Sozialsystem der Gesellschaft wiederum in Teilsysteme, wie Wirtschaft, Politik oder Wissenschaft gegliedert, die autopoietisch sind, d.h. die Systeme sind nach innen operativ geschlossen, aber nach außen, zur Umwelt offen. Dadurch verfügen sie auch über eine eigene Kommunikation, die sich an Programmen und binären Codes orientiert. Des Weiteren sind die Teilsysteme untereinander zumeist strukturell oder operativ gekoppelt.[3] Wenn man an dieser Stelle nun die Funktion des Journalismus als Beobachter des gesellschaftlichen Systems mit in diese Reflexion einbezieht, dann bezieht sich der Fachjournalismus als eine Form der Spezialisierung nur auf dessen Teilsysteme (vgl. Dernbach 2010, S. 86-90). Folglich „beobachtet [der Fachjournalismus] ein jeweils autopoietisches gesellschaftliches Subsystem: Wirtschaftsjournalismus die Wirtschaft, Sportjournalismus den Sport“ (ebd., S. 87). Demnach müsste auch der Wissenschaftsjournalismus die Wissenschaft beobachten. Jedoch darf dieser nicht als „ein Spiegel [aufgefasst werden], der eins zu eins zurückwirft, was sich in der ›Welt der Wissenschaft‹ ereignet“ (Lehmkuhl et al. 2008, S. 14). Diese Art des Pressewesens bezieht sich, wie ihre Bezeichnung bereits aufzeigt, auf die Wissenschaft selbst als Gegenstand ihrer Publikation und geht dabei nicht nur auf Ergebnisse, sondern auch auf den Forschungsprozess ein, um einem Großteil der Öffentlichkeit diese Befunde verständlicher zu machen (vgl. ebd., S. 13-23). Mit anderen Worten ausgedrückt: Wissenschaftsjournalisten schreiben für Laien über neue wissenschaftliche Erkenntnisse, die zumeist aus den Bereichen der Naturwissenschaften, Medizin & Gesundheit oder Technik stammen. Dabei spielt vor allem der Faktor, wie diese Themen verständlich umgesetzt werden, eine große Rolle.

3. Grundlagen der Verständlichkeit

3.1 Überblick zur Verständlichkeitsforschung

Die Frage nach der Verständlichkeit von Texten weckt bereits schon seit vielen Jahren das Interesse von Forschern aus den verschiedensten Wissenschaftsdisziplinen. Die häufigsten Ansätze stammen aus dem Bereich der Linguistik, welche den Fokus der Verständlichkeit allein auf den Text setzen. Die Konzepte aus dem Bereich der Psychologie, vor allem aus dem der Kognitionspsychologie, hingegen beschäftigen sich mit dem individuellen Leseverständnis  (vgl. Jahr 1996, S. 22-51). Dennoch sind auch diese Ansätze linguistisch fundiert. Die Verständlichkeitsforschung, welche sich aus der Lesbarkeitsforschung[4] entwickelt hat, ist also als eine interdisziplinäre Forschung zwischen der Psychologie und der Linguistik anzusiedeln. Sie befasst sich vor allem mit den Bedingungen der Verständlichkeit von Texten, indem zumeist linguistische Merkmale für die Struktur und aus den Bereichen der Lexik und des Syntax ermittelt werden, um somit eine verstehbare Verschriftlichung von Sachinhalten zu erreichen (vgl. Klein 1984, S. 7). Folglich bilden diese linguistischen Faktoren die Voraussetzung für den kognitiven Vorgang des Verstehens auf Seiten des Lesers. Um diese Ableitung begreiflicher zu machen, muss nun geklärt werden, welche Bedeutung eigentlich hinter dem Verb „verstehen“ steckt. Wie Jahr (vgl. 1996, S. 6f.) anhand von bisherigen Erkenntnissen deutlich macht, muss auf die Schwierigkeit dieser Bestimmung hingewiesen werden. So kann beim Verstehen zum einen von einer Methode gesprochen werden, bei der nach einer bestimmten Art und Weise zur Verständlichkeit beitragende Teile angeordnet werden, sodass dadurch bereits bisherige neu, oder sogar komplett neue Zusammenhänge geschaffen werden. Andererseits kann unter Verstehen auch die Erfassung von Sinn begriffen werden. Demnach meint Verstehen nur die Sinnfindung. Wenn dieser Sinn schließlich erlangt ist, dann spricht man vom Verständnis. Doch meines Erachtens sollten diese beiden Definitionen nicht getrennt, sondern kombiniert, als eine neue Begriffsbestimmung von „verstehen“ aufgefasst werden. Im Falle des Textverstehens ist dieser Vorschlag dann wie folgt zu begreifen: Die sprachlichen Bausteine des Textes, so wie Vokabular, Gliederung oder die Komplexität des Satzbaus sind als sinnkonstruierende Teile zu verstehen. Durch die Zusammenhänge, die erstellt werden, fügt sich nach und nach der Sinn als Ziel des Verstehens.

[...]


[1] Der Journalismus hat vor allem eine öffentliche Funktion, indem er das Sozialsystem Gesellschaft sowie ihre Teilsysteme beobachtet und somit aktuell relevante Themen selektiert und diese wiederum anhand von unterschiedlichen Berichterstattungen, die vor allem stets faktisch und objektiv sein sollen, bereitstellt. Dabei wird eine Wirklichkeit konstruiert, die der Gesellschaft hilft sich in der komplexen Welt orientieren zu können (vgl. Meier 2007, S. 12-16).

[2] Eine Fachzeitschrift richtet sich nach einem klar definierten Thema aus und wendet sich dementsprechend an ein spezielles Publikum. Dabei wird zwischen wissenschaftlichen Fachblättern, die als wichtiges Forum der Forschung dienen, und nicht-wissenschaftlichen, zumeist berufsbezogenen Zeitschriften, abgegrenzt, welche in der Regel über wichtige Informationen eines gewissen Berufes berichtet (vgl. Mast 1998, S. 21).

[3] Diese äußerst kurze Erläuterung spiegelt keineswegs den komplexen Zusammenhang der funktional-strukturellen Systemtheorie von Niklas Luhmann wider. Es werden hier lediglich einige Aspekte angerissen, um die Position des Fachjournalismus aus dieser Sicht zu definieren.

[4] Die Lesbarkeitsforschung befasst sich mit der Bestimmung des Lesbarkeitsgrades von Texten und versucht dazu allgemein gültige mathematische Formeln zu entwickeln. Als Hauptmerkmale zur Ermittlung dieser Formeln dient die Analyse der Länge von Sätzen oder Wörtern, sowie deren Geläufigkeit. Das Ergebnis dieser Forschung lautet zumeist wie folgt: Je kürzer die Sätze und je geläufiger die Wörter, desto verständlicher die Texte (vgl. Niederhauser 1999, S. 49f.).

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Textverständlichkeit. Der Prozess des Verstehens am Beispiel des Wissenschaftsjournalismus
Note
2,3
Autor
Jahr
2013
Seiten
20
Katalognummer
V270786
ISBN (eBook)
9783656623304
ISBN (Buch)
9783656623298
Dateigröße
423 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
textverständlichkeit, prozess, verstehens, beispiel, wissenschaftsjournalismus
Arbeit zitieren
Ariane Bartfeld (Autor), 2013, Textverständlichkeit. Der Prozess des Verstehens am Beispiel des Wissenschaftsjournalismus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/270786

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