Veränderungen der Mutterschaft in Deutschland unter dem Einfluss der Geburtenkontrolle


Hausarbeit, 2014

15 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

GLIEDERUNG

1. Einführung

2. Das Rollenverständnis über die Frau in  Bezug auf ihren familiären Kontext

3. Zur Geschichte der Verhütung

4. Das sich wendende Blatt

5. Empfängnisverhütung – Pro und Contra in divergenter Betrachtung

6. Zum Geburtenverhalten der Deutschen

7. Zu guter Letzt

8. Literaturverzeichnis

1. Einführung

Im Evolutionsprozess kommt dem Körper der Frau durch seine Fähigkeit, Kinder zu gebären seit Menschengedenken eine unersetzliche Rolle zugute. Was ebenso Wunder wie Grundlage unser aller Existenz ist, scheint für Frauen von heute Fluch und Segen zugleich darzustellen. Auch die Männerwelt blickt dem Thema Elternschaft gespalten entgegen. Trotzdem scheint ein Kind ihnen meistens eine ergänzende Bereicherung des eigenen Daseins zu bedeuten, während es für die Frau den angeblich drastischeren Einschnitt in die persönliche Lebensgestaltung verheißt:  Sei es zum einen aufgrund der körperlichen Veränderungen während und nach einer Schwangerschaft oder aber zum anderen bedingt durch den hohen Fürsorgebedarf der Kleinen, der die Verwirklichung von privaten Vorhaben der Mutter, sowie das Umsetzen ihrer persönlichen Interessen und beruflichen Chancen über Jahre hinweg massiv behindern kann - nur um hier einige Beispiele zu nennen.

Festzustellen bleibt, dass seit dem Ende der 1960er Jahre – im Anschluss an den sogenannten „Baby-Boom“ der 50er – die Geburtenrate in Deutschland einen einigermaßen dramatischen Rückgang erlebte. (Beck-Gernsheim, 1984, S. 10 f) Der „Demographische Wandel“ scheint in aller Munde und die „Überalterung“ unserer Republik wird mitunter von Wirtschaft und Politik kritisch beobachtet.

Welche Rolle nun den Methoden der Geburtenkontrolle in Bezug auf diese gesellschaftsstrukturelle Veränderung zuzuweisen ist und inwiefern andere Facetten unserer „modernisierten“ Gesellschaft dahingehend Einfluss nahmen, soll im Folgenden ein wenig näher geklärt werden.  Dabei bezieht sich die Schilderung im Sinne der besseren Überschaubarkeit weder auf Maßnahmen, die einen Schwangerschaftsabbruch herbeiführen, noch auf die der pränatalen Diagnostik, sondern lediglich auf Mittel der Empfängnisverhütung, die eine Befruchtung und Einnistung verhindern.

2. Das Rollenverständnis über die Frau in  Bezug auf ihren familiären Kontext

Um einem Versuch gerecht zu werden, der den Wandel von Mutterschaft unter dem Einfluss der Geburtenkontrolle begründen könnte, muss zunächst einmal rückblickend die Geschichte weiblicher Rollenzuweisungen innerhalb deutscher Familien betrachtet werden.   So finden wir historisch gesehen deutliche Unterschiede im herrschenden Geschlechterverständnis und der damit verbundenen Differenzierung von  „Aufgabenfunktionen“, verändert vor allem durch den revolutionären Gesellschafts-wandel im Rahmen der Industrialisierung. Dementsprechend  lebte Deutschland bis gegen Ende des 18. Jahrhunderts ein anderes Familienkonzept, nämlich das des „Ganzen Hauses“: (Lempp, 1986, S. 12) Vorindustrielle Gegebenheiten etablierten das eigene Heim als Fusionsstätte von Produktion und Erholungsraum. Das „Ganze Haus“ diente sowohl der Herstellung von Nahrungsmitteln und Tauschgütern, als auch dem praktizierten Familienalltag – diverse Generationen lebten unter dem einen Dach, das Arbeit und Leben für lange Zeit vereinte. Um ihre Existenz zu sichern, wurden in dieser Epoche beiden Geschlechtern beinahe dieselben  Aufgaben zuteil, in die auch die Kinder schon früh mit einbezogen werden mussten.

Mit der Auflösung des Konzeptes durch die Industrialisierung entstanden neue Leitbilder. Während ganze Familien des Proletariats aus finanzieller Not nun außerhalb des eigenen Hauses arbeiteten, entsandte die besser gestellte, bürgerliche Familie nur ihre Männer in die neu erbauten Fabriken der moderneren deutschen Industriekultur. Daran orientiert, entstanden in der Folge geschlechtsspezifische Rollenmodelle, die bis heute lediglich teilweise verändert werden konnten: Fortan war die deutsche Frau alleine oder unter Zuhilfenahme von Dienstpersonal für die Pflege des Eigenheims, sowie für die Versorgung der Kinder und die Haushaltsführung verantwortlich, während dem außerhäuslich arbeitendem und Geld verdienendem Manne die Funktion des Ernährers zugestanden wurde. (Lempp, 1986, S. 12) Als finanzieller Alleinversorger war er zwar überwiegend vom Familienleben separiert, funktionierte aber dennoch entsprechend seiner monetären Macht als Oberhaupt der Familie. (Beck-Gernsheim, 1984, S. 44)

Einschneidende Veränderungen hinsichtlich der Rollen- und Aufgabenverteilungen zeigten sich erst durch die Notwendigkeit des Wiederaufbaus von Deutschland als Folge des Zweiten Weltkriegs, in dem tragischer Weise viele Männer ihr Leben lassen mussten. Die so genannten „Trümmerfrauen“  nahmen zwangsläufig wieder vermehrt am außerhäuslichen Arbeitsleben teil.  (Beck-Gernsheim, 1984, S. 63)

Während in ihnen ein wachsendes Bedürfnis nach Gleichberechtigung auch hinsichtlich des Zugangs zu Bildung entstand, verwies die konservative Familienideologie sie schon bald zurück an den Herd  und appellierte  auch lange nach dem Nationalsozialismus noch an ihre  „Reproduktionsfunktion“.

Doch der Rollenwandel ließ sich nicht aufhalten: Erste frauenpolitische Bewegungen  gediehen auf dem Boden der Geschlechterdifferenzen.  Bereits 1865 wurde der Allgemeine Deutsche Frauenverein (ADF), der für die Rechte der Frauen im Kampf um Bildung und Erwerbstätigkeit eintrat, unter großem öffentlichen Protest gegründet und schrie nach Emanzipation. (Frohnhaus, 1994, S. 92 ff) Ein erster, kritischer Aufschrei der Unterdrückten, der hin zu einer individuellen, selbstbestimmten Lebensführung des weiblichen Geschlechts führen  sollte. Die Vorstellung von der deutschen Frau als autonomen Wesen trat in den Vordergrund des sozialen Bewusstseins und veranlasste die weibliche Gesellschaft zu einem Versuch, sich  von tradierten Stereotypen loszulösen.

Mitunter wurde dies möglich durch bahnbrechende Weiterentwicklungen der Medizin, die mit der Verbesserung von Verhütungsmethoden neue familiäre Optionen offenbarte und den Frauen des Landes hinsichtlich ihres Kinderwunsches mehr Selbstbestimmungsrecht verschaffte. Als unweigerliche Konsequenz dieser Fortschrittlichkeit änderte sich die Struktur von Familie: So zeigt sich unter deutschen Frauen heute der Trend zur niedrigen Kinderzahl bis hin zur bewusst gewünschten Kinderlosigkeit, eingebettet in eine Vielfalt von Partnerschaftskonstellationen. (Lempp, 1986, S. 57)

Doch kann ein solcher Zustand allein Verschulden der Empfängnisverhütung sein  oder obliegt dieses Ergebnis doch eher einem multifaktoriellen Geschehen?  Um diese Frage klären zu können, müssen zunächst weitere Details beleuchtet werden – etwa wie und warum Frauen früher eine Schwangerschaft zu vermeiden versuchten und was sie heute dazu motiviert.

[...]

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Veränderungen der Mutterschaft in Deutschland unter dem Einfluss der Geburtenkontrolle
Hochschule
Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt
Note
1,3
Autor
Jahr
2014
Seiten
15
Katalognummer
V271121
ISBN (eBook)
9783656631187
ISBN (Buch)
9783656631170
Dateigröße
504 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
veränderungen, mutterschaft, deutschland, einfluss, geburtenkontrolle
Arbeit zitieren
Diana Safar (Autor), 2014, Veränderungen der Mutterschaft in Deutschland unter dem Einfluss der Geburtenkontrolle, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/271121

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