Bedeutung und Konsequenzen der neuen Institutionenökonomik für die Wirtschaftsethik im Gesundheitswesen


Bachelorarbeit, 2013
52 Seiten, Note: 1,0
Anonym

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Historie der Institutionenökonomik
2.1 Alte Institutionenökonomik
2.2 Entwicklung der Neuen Institutionenökonomik

3 Die Neue Institutionenökonomik
3.1 Grundlagen der Neuen Institutionenökonomik
3.2 Informelle Institutionen
3.3 Formelle Institutionen
3.4 Bausteine der Neuen Institutionenökonomik
3.4.1 Die Prinzipal-Agent-Theorie
3.4.2 Die Governancekostentheorie

4 Wirtschaftsethik
4.1 Grundlagen der Wirtschaftsethik
4.2 Wirtschaftsethik als Institutionenethik
4.3 Wirtschaftsethik im Gesundheitswesen

5 Ausgewählte institutionenethische Normen und deren Auswirkungen auf die Wirtschaftsethik im Gesundheitswesen
5.1 Artikel 1 des Grundgesetzes
5.1.1 Einführung und Hintergrund
5.1.2 Auswirkungen auf die Wirtschaftsethik
5.2 Der Corporate Governance Kodex Beispiel Rhön Klinikum AG
5.2.1 Einführung und Hintergrund
5.2.2 Auswirkungen auf die Wirtschaftsethik
5.3 Unternehmensleitbild Beispiel Rhön Klinikum AG
5.3.1 Einführung und Hintergrund
5.3.2 Auswirkungen auf die Wirtschaftsethik

6 Fazit und Ausblick

Literaturverzeichnis

Bücher:

Internetquellen:

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Entwicklungsstränge der Neuen Institutionenökonomik

Abbildung 2: Ebenen der Wirtschaftsethik

Abbildung 3: Wahrnehmung von Merkmalen einer 2-Klassen-Medizin

Abbildung 4: Leistungsausgaben der GKV

1 Einleitung

Do Institutions really matter? 1

Auf der einen Seite stellen sich Philosophen und Theoretiker seit der Antike die Frage, inwieweit Regeln und festgelegte Handlungsweisen das Verhalten von Menschen beeinflussen. Erst in der Neuzeit jedoch wurden dazu komplexe Theorien aufgestellt, in denen versucht wurde dies in der Ökonomie zu erklären.

Auf der anderen Seite unterliegt das Gesundheitswesen in Deutschland strengen Regeln und Normen. Auch hat sich durch stetigen medizinischen Fortschritt und die Steigerung der Behandlungsqualität die Gesundheitslandschaft sehr verändert. Während immer mehr Gesundheitsbetriebe privatisiert werden, rückt die Profitorientierung in diesem wichtigen Sektor immer mehr in den Vordergrund. In Zeiten der globalisierten Wirtschaft ist es somit immer wichtiger geworden das Gleichgewicht zu wahren und neben wirtschaftlichen auch ethische Gesichtspunkte in individuelle Entscheidungsprozesse mit einfließen zu lassen. Da sich jede Entscheidung im Gesundheitswesen unmittelbar auf den individuellen Menschen und seine Zukunft auswirkt, ist es nötig, der Wirtschaftsethik im Gesundheitswesen eine besondere Bedeutung zu verleihen.

Um hier klare ethische Grundlagen zu haben, werden Regeln aufgestellt. Es ist folglich nicht verwunderlich, dass aufgrund der gesellschaftlichen Brisanz Gesundheitsthemen momentan durch ethische Diskussionen dominiert werden, welche meist mit einer Forderung nach Verschärfung der Gesetze einhergehen.

An diesem Punkt setzt die vorliegende Arbeit an und stellt die eingangs erwähnte Frage in den Mittelpunkt: Inwieweit wird die Vereinbarung des offensichtlichen Widerspruchs von Ethik und Wirtschaft im Gesundheitswesen durch die Wirtschaftstheorie der neuen Institutionenökonomik beeinflusst.

Dabei geht diese Arbeit jedoch noch weiter und fragt:

Why do Institutions matter? 2

Demzufolge wird auch untersucht, warum gerade im Gesundheitswesen eine von der Neuen Institutionenökonomik abgeleitete Institutionenethik notwendig ist.

Dazu beschäftigt sich diese Arbeit eingangs mit dem Ursprung der neuen Institutionenökonomik sowie deren Vorgänger, der alten Institutionenökonomik, und stellt diese Wirtschaftstheorie in den verschiedensten Facetten dar.

Darauf folgen und eine Charakterisierung der Ausprägung als Institutionenethik. Diese Erklärung der Grundlagen dient im folgenden Kapitel dem Zweck die besondere Bedeutung einer Wirtschaftsethik im Gesundheitswesen herauszustreichen.

Im Hauptteil der Arbeit werden verschiedene Elemente der Institutionenethik hinsichtlich ihrer Bedeutung für die Wirtschaftsethik im Gesundheitswesen untersucht. Dabei wendet sich die Arbeit dem Artikel 1 des Grundgesetzes, dem Corporate Governance Kodex und dem Leitbild der Rhön Klinikum AG zu.

Der letzte Teil dieser Arbeit fasst schließlich die gewonnenen Erkenntnisse in einem Fazit zusammen und liefert einen kurzen Ausblick, inwiefern sich das Spannungsfeld Wirtschaft und Ethik vor dem Hintergrund der Institutionen weiter entwickelt und welche Bedeutung den Institutionen zukünftig zukommt.

Ziel dieser Arbeit ist es, die Bedeutung der Neuen Institutionenökonomik, und davon abgeleitet der Institutionenethik, hinsichtlich einer Wirtschaftsethik des deutschen Gesundheitswesens herauszuarbeiten und Konsequenzen sowie Lösungsansätze für die Wirtschaftsethik von Unternehmen im Gesundheitswesen festzustellen. Außerdem wird charakterisiert, welche Bedeutung einzelnen Institutionen im Spannungsfeld der Wirtschaftsethik zukommt und wie diese, eine in sich geschlossene Wirtschaftsethik beeinflusst.

2 Historie der Institutionenökonomik

2.1 Alte Institutionenökonomik

Seit dem Altertum gibt es Menschen, die sich mit ökonomischen Konzepten beschäftigten. Dazu gehören insbesondere theoretische Konzepte von Volkswirtschaften, die sich umfassend mit der Rolle von Institutionen befassen.

Zwei der scheinbar wichtigsten wirtschaftlichen Theorien, die Neoklassik und der Keynesianismus, liefern jedoch keine Diskussionsansätze für die Einbindung und Auswirkungen von Institutionen auf die Marktwirtschaft und das Zusammenleben von Menschen in einem Staat. Sie beschäftigen und unterscheiden sich damit und der dementsprechenden Rolle, die dem Staat damit zufällt.3 So wird durch die Konzentration auf bestimmte Kriterien und die Eingrenzung auf konkrete Prämissen, die Wirtschaftstheorie in der Praxis erklärbarer, einfacher und auch mathematisch logischer. Durch die Fokussierung der Neoklassik und des Keynesianismus auf formale Kennzeichen eines Wirtschaftsmodells üben gerade diese Theorien wegen ihrer Einfachheit eine große Anziehungskraft auf die Wissenschaftler vieler Generationen aus.4

Gerade diese Fokussierung auf die rein formalen Merkmale hat jedoch Kritik hervorgerufen. So vernachlässigen diese Theorien die Einbindung und Auswirkung von Institutionen auf gesellschaftliche und wirtschaftliche Prozesse. So wird immer wieder Kritik an der Realitätsferne dieser Konzeptionen geübt. Ausgehend davon gibt es verschiedene Theorien, die sich auf einen institutionsorientierten Ansatz stützen oder diesen in den Mittelpunkt stellen. Dies lässt sich bis in das 18. Jahrhundert zu Adam Smith (1723-1790) in konkreten Ansatzen zuruckverfolgen. Dieser erwahnt in seinem Werk „An Inquiry into the sich an Moral, Sitten und Traditionen halten muss.5 Dies markiert den Startpunkt eines Kapitels in der Wirtschaftstheorie, das bis heute offen ist und ständig weiterentwickelt wird.6 Nach Adam Smith gelangt das große Thema der Institutionen und deren Einfluss erst im 19. Jahrhundert wieder in das Blickfeld einer größeren Öffentlichkeit der Wirtschaftstheoretiker.

Dabei kristallisieren sich drei Richtungen heraus, die maßgeblich an der Institutionentheorie beteiligt waren, die deutsche historische Schule, die Österreichische Schule und die Freiburger Schule des Ordoliberalismus.7

Die deutsche historische Schule lässt sich in zwei Strömungen unterteilen, die ältere und die jüngere deutsche historische Schule. Die Basis dieser Schule besteht aus der Annahme, dass ökonomische Handlungen immer vor dem Hintergrund der sozialen Schicht zu betrachten sind. Folglich geht diese Theorie im Besonderen darauf ein, wie sich die Institutionen auf die Handlungen von Subjekten in der Wirtschaft auswirken. Da sich die Institutionen und die Gesellschaft und damit das soziale Umfeld stetig verändern, ist es ein Merkmal dieser Schule Daten zu erfassen, zu sammeln und im Hinblick auf die Folgen für das Handeln zu untersuchen. Ein Hauptvertreter dieser Schule ist Gustav von Schmoller (1838-1917). Dieser und seine Mitstreiter lehnen die deduktive Vorgehensweise der Klassik ab und haben sich vielmehr auf eine induktive Arbeit konzentriert, um sich an den konkreten Problemen einer realen Wirtschaft zu orientieren. Die jüngere historische Schule konzentriert sich in besonderem Maße auf das Gesamtsystem von Wirtschaft, Gesellschaft und Staat unter der speziellen Berücksichtigung von Institutionen. Dazu werden unter anderem das Recht sowie die Kultur und die traditionellen Handlungsweisen gezählt. Wirtschaftlicher Fortschritt wird dabei hauptsächlich als Verbesserung von Institutionen gesehen. Wirtschaftlich hat diese Schule einen erheblichen Einfluss auf die deutsche Politik und Wirtschaft gehabt. So ist ihr ein wesentlicher Part an den sozialpolitischen Reformen um den Jahrhundertwechsel zugekommen, bevor sie mit dem Tode von Schmollers an Einfluss verlor.8 Der österreichischen Schule liegt gemeinhin das Werk von Carl Menger, die / 0 (1871) zu Grunde. Menger konzentriert sich in seinen Ausführungen auf zwei Hauptpunkte. Da ist zum einen die subjektive Wertelehre, die er mitentwickelt hat und zum anderen die Betrachtungsperspektiven von Institutionen. Auf dem Feld der Institutionen widmet sich Menger hauptsächlich der Theorie von der Evolution derselben. Ausgehend von der Sichtweise der Österreichischen Schule verringern Institutionen die Unsicherheiten bei dem Tauschhandel und somit auch die Transaktionskosten. So setzt sich Menger auch mit den Grundprinzipien des Tauschhandels auseinander.9

Abgrenzend zu den Ideen der deutschen historischen Schule bezieht sich Menger auf Wilhelm Roscher um verstärkend dafür einzutreten, dass auch eine empirisch historische Wirtschaftsforschung theoretisch betrieben werden kann. Dabei verlagern sich die Gemeinsamkeiten in den Hintergrund, denn sind sich doch beide Schulen über die inhaltliche Kritik an der Neoklassik hinsichtlich der Ausgrenzung von Institutionen einig, so ziehen sie doch unterschiedliche Schlüsse, was das wissenschaftliche Arbeiten angeht. Diese Auseinandersetzung von Menger und Schmoller ist in de . 1 2 - hem es hauptsächlich um die Frage gegangen ist, ob eine zwingend induktive Vorgehensweise (Schmoller) ausreichend ist oder ob Abstraktionen zugelassen sind um dann deduktiv abzuleiten (Menger).10 Letztendlich wird von diesem Methodenstreit der eigentliche Kernpunkt der Gemeinsamkeiten überdeckt. Die wichtigste Erkenntnis beider Schulen ist die, dass Institutionen als unbedingtes Element in die Wirtschaftstheorie Einzug halten. Wie auch die Deutschen, beziehen sich die Österreicher unter Menger auf einen Fortschritt der Institutionen, der einen besseren Gütertausch und damit einen höheren Wohlstand zur Folge hat.

Die Freiburger Schule ist im Gegensatz zu den vorher beschriebenen Theorien schon ein Schritt weiter. Sie versucht nicht weitere Theorien zu entwickeln, sondern konzentriert sich auf handlungskanalisierende Regeln und die Wirkungsweise verschiedener Regelsysteme. Diese Schule wird also sehr konkret.11.Anfuhrer" der ordoliberalen Bewegung ist Walter Eucken (1891- 1950). Eucken bezieht sich in seine % 7 auf den großen Methodenstreit zwischen Schmoller und Menger. Dabei akzeptiert Eucken die Grenzen nicht, welche Schmoller und Menger zwischen der wirtschaftlichen Theorie und der wirtschaftlichen Wirklichkeit ziehen. Schlussendlich realisiert Eucken und damit die Freiburger Schule seine Institutionentheorie auf zwei Ebenen. Zum einen ist dies die Ebene der Ordnungspolitik, welche die Spielregeln beschreibt (beispielsweise Wettbewerbsgesetze) und zum anderen ist das die Prozesspolitik, die in den Spielzügen ihre Ausprägung findet. Dieses resultiert später praktisch in der sozialen Marktwirtschaft. Weil der Privatwirtschaft nicht beide Felder überlassen werden können, da es sonst zu einem Ethikverlust kommt und diese auch nicht beide in staatlicher Hand liegen können, da es sonst zu einem Verlust der Funktionsfähigkeit des Gebildes kommt (Planwirtschaft), muss ein Mittelweg gefunden werden.12 Alle diese Schulen können unter dem Oberbegriff der alten Institutionenökonomik zusammengefasst werden.

2.2 Entwicklung der Neuen Institutionenökonomik

Aus dem alten Oberbegriff der Institutionenökonomik ist nun ein spezialisiertes Feld entstanden, das sehr viel spezifischer ist, als die verschiedenen alten Schulen. Dabei wird die Arbeit in diesem Punkt zunächst die Entstehung der neuen Institutionenökonomik vertiefend behandeln.

Wie im Punkt 2.1 Alte Institutionenökonomik deutlich wurde, gibt es seit langer Zeit das erhebliche Interesse von Wirtschaftstheoretikern sich mit der Entstehung und dem Einfluss von Institutionen zu beschäftigen. Da die vielen verschiedenen Ansätze in der Historie jedoch oft nicht über ein Randdasein in ihrer Erklärung herausgekommen sind, gibt es das Bedürfnis ein geschlossenes Konzept zu entwickeln, welches weniger Modell- und mehr realen Charakter hat, um alle Kriterien der wirtschaftlichen Wirklichkeit zu umfassen.13 Als jedoch Mitte des 20. Jahrhunderts die keynesianische Revolution ihren damaligen Siegeszug angetreten hat, haben die institutionsorientierten Ansätze weiter an Bedeutung verloren. Der Keynesianismus vertritt die Ansicht, dass der Staat bzw. die Staatenlenker offensiv, aktiv und korrigierend in das Wirtschaftsgeschehen eingreifen dürfen um Missstände zu beheben.14 Obwohl diese Ansicht eine große Angriffsfläche für Institutionstheoretiker bot, konnten sich diese zunächst nicht aktiv an den wirtschaftstheoretischen Diskussionen beteiligen.

Die Grundlage für das Entstehen eines neuen Forums für institutionsbasierte Diskussionen ist in einem Aufsatz von Ronald Coase aus dem Jahr 1937 mit dem Titel „The Nature of the Firm" zu finden. Die moderne „neue" Institutionenökonomik beschäftigt sich so mit

(negativ) von handlungskanalisierenden Institutionen menschlichen ! 15

Der Grundgedanke lässt sich auf zwei Ideen zurückführen. Als erstes ist dies die spezifische Analyse von Institutionen im Marktgeschehen und als zweites die Erweiterung ökonomischer Analysen auf Bereiche außerhalb des Marktes. Letztendlich lässt sich so die Neue Institutionenökonomik in zwei Bereiche unterteilen. Auf der einen Seite steht der Markt und auf der anderen Seite die Politik.

Ronald Coase führt diese Grundgedanken nun auf die einfache Frage zurück inwiefern es Unternehmen als solche überhaupt geben kann, wenn doch die Wirtschaftstheorie davon ausgeht, dass Märkte dezentral sind und der Preis als Regulator wirkt, wogegen in Unternehmen doch zentral geplant wird:

,An economist thinks of the economic system as being coordinated by the price-mechanism and society becomes not an organization but an organism. The economic system works16

Er beantwortet diese Fragestellung auch, indem er postuliert, dass die Kosten, die aufzubringen sind um den Markt zu benutzen, ausschlaggebend sind. Diese sind die Transaktionskosten. Damit ist er einer der Väter der modernen Transaktionskostentheorie. In die Fachwelt ging dieser Begriff 1969 durch Kenneth. J. Arrow ein. Im Mittelpunkt der neuen Institutionskostenökonomik stehen somit zwei Bereiche. Zum einen ist dies die Principal-Agent-Problematik, bei der die Zielfunktionen des Prinzipals (Auftraggeber) mit den Zielfunktionen des Agent (Auftragnehmers) kollidieren.17 Zum anderen ist dies die Fortsetzung der Transaktionskostentheorie. Diese beiden Bereiche werden folgend im Punkt 2.3 Ansätze der Neuen Institutionenökonomik näher erläutert.

Nachdem nun der gedankliche Ursprung von Institutionen im Markt geklärt ist, lohnt es sich, kurz einen Blick auf den politischen Sektor zu werfen. Auch im politischen Bereich taucht die Prinzipal-Agent-Problematik auf. Grundlegend lassen sich Institutionen im politischen Sektor in die neue politische Ökonomik und die Verfassungsökonomik teilen. Diese wurden, in verschiedenen Studien18 anhand der Wähler (Prinzipal) und der Politiker (Agent) oder auch der Politiker (Prinzipal) und der Bürokraten(Agent), untersucht und analysiert. Die folgende Abbildung verdeutlicht vereinfacht die verschiedenen Ursprünge und Theorien der Neuen Institutionenökonomik.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Entwicklungsstränge der Neuen Institutionenökonomik19

3 Die Neue Institutionenökonomik

3.1 Grundlagen der Neuen Institutionenökonomik

Um klären zu können, was die Neue Institutionenökonomik darstellt und inwiefern sie verschiedene Ausprägungen hat, ist es wichtig vorab zu konstatieren, dass die Neue Institutionenökonomik stetig in Veränderung begriffen ist. Sie ist noch keine allgemeingültige Theorie und nicht abgeschlossen, sondern vielmehr eine Theorie, die in ihren verschiedensten Ausprägungen durch die heutigen Theoretiker immer spezifischer analysiert wird.

Das Leitbild der neuen Institutionentheorie ist der methodische Individualismus. Folglich wird immer vom handelnden Individuum selbst ausgegangen, welches in diesem Fall der homo oeconomicus ist, aus denen sich die verschiedenen Organisationsformen zusammensetzen. Ergänzt wird dieses durch das REMM- Modell (Resourceful, evaluating, maximizing man). Dieses sagt aus, dass die Handlungen des homo oeconomicus in der Institutionentheorie begrenzt rational und nutzenmaximierend sind. Dies ist nicht zuletzt wichtig, da die Nutzenmaximierung auch opportunistisch gilt: Da wo betrogen werden kann, wird auch betrogen bzw. um des eigenen Vorteils willen, wird eine bewusste Schädigung des Vertragspartners in Kauf genommen.20 Damit wird klar, dass Institutionen in der Wirtschaft eine besonders wichtige Rolle spielen. Praktisch spiegelt dies auch den Misserfolg vieler Volkswirtschaften wieder. So wird in diesen bis hin zu Korruption oder Erpressung opportunistisch gehandelt um den eigenen Vorteil zu maximieren. Dort sind die institutionalisierenden Elemente noch nicht sehr etabliert.

Dem Gedanken von Ronald Coase folgend, entsteht so die Neue Institutionenökonomik erst aus der Annahme heraus, dass in einer Wirtschaft bei Transaktionen Kosten anfallen.21 Dies verändert das Modell der Institutionenökonomik grundlegend im Gegensatz zu früheren Modellen, denn dabei kann nicht mehr davon ausgegangen werden, dass die Handelnden ein unbegrenztes Wissen zur Verfügung haben oder als umfassend informiert gelten dürfen, denn aufgrund der Transaktionskosten wird der Wissenserwerb schlichtweg zu teuer.22 So werden die Institutionen zu einem unabdingbaren Erfolgsfaktor. Sie sind also im Sinne der Neuen Institutionenökonomik formelle und informelle Regeln, die von den homines oeconomici eingehalten werden müssen um die Wirtschaftsabläufe zu regeln. Dies schließt auch die Regeln ihrer Durchsetzung mit ein. Sie wirken als Kanal um die Handlungsabläufe von Individuen in einheitliche Bahnen zu lenken. Folglich wird unter einer Institution ein Regel- oder Vertragssystem verstanden. Das können zum Beispiel Traditionen oder Sitten sein, genauso wie die Regeln des öffentlichen Rechts oder der deutschen Verfassung.23

Die Institution ist immer zusammen mit einer Organisation zu betrachten. Diese schafft erst den Rahmen für institutionalisierende Elemente. Sie drücken sich so also fast immer in der Struktur einer Organisationsform aus, dies kann zum Beispiel ein Unternehmen oder die Bundesrepublik Deutschland sein.

Natürlich gibt es auch Verbindungen zwischen einzelnen Institutionen. Beispielsweise schafft eine Institution Voraussetzungen, die von einer anderen eingehalten werden müssen. So gibt es gesetzliche Institutionen die natürlich von Unternehmen befolgt werden. In deren Rahmen bewegen sich demnach die Regeln eines Unternehmens. Es gibt also übergeordnete Regelsysteme, welche die Nachfolgenden einschränken.

Um die verschiedenen Ausprägungen weiter zu charakterisieren, werden im folgenden Teil die verschiedenen Arten von Institutionen dargestellt.

3.2 Informelle Institutionen

Nach Douglass C. North, dem Preisträger des Nobelpreises für Wirtschaft, sind informelle Regeln formlose Beschränkungen des Zusammenlebens einer Gesellschaft oder einer sozialen Gruppe.24 Beschränkungen beschreibt er als Regeln nach denen wir in einer Gesellschaft leben. Es ist keinesfalls so einfach diese Regeln zu identifizieren wie die Formgebundenen, da sie oft seit langer Zeit feststehen und ein wesentlicher Teil unserer Kultur sind. North stellt die Theorie auf, dass informelle Institutionen die Transaktionskosten einer Gesellschaft erheblich senken, da diese Regeln die Unsicherheit im Gesellschaftsablauf verringern. Im Antagonismus zu den formgebundenen Regeln, die nur einen geringeren Teil der Institutionen ausmachen, sind die informellen Institutionen ein wesentlich bedeutenderer Teil, der das Zusammenleben der Menschen regelt.

Informelle Institutionen sind seit Generationen weitergebene Verhaltensweisen, Traditionen, Sitten und Bräuche welche die menschlichen Verhaltensweisen in einer Gesellschaft kanalisieren. Diese Institutionen sind meist nicht festgehalten, existenziellen Wert für eine Gesellschaft, denn in ihnen werden die Harmonie und das gemeinschaftliche Zusammenleben einer Gesellschaft geregelt. Außerdem können zu diesen beispielsweise auch die Religion, die Sprache oder die gemeinsame Geschichte zählen.25 Im Normalfall werden Verstöße nicht in gesetzlicher Hinsicht verfolgt, sondern es erfolgt eine soziale Sanktionierung. Diese kann sich zum Beispiel in der Vermeidung von bestimmten Personen, die Verstöße begangen haben oder in dem Ausschluss von bestimmten Personen aus der Gruppe äußern. Gemeinhin haben diese Regeln jedoch auch ohne Sanktionierungen eine sehr hohe Bindungskraft. Die Hauptfunktion von informellen Regeln besteht in der Sicherung der sozialen Ordnung und Struktur einer Gruppe. Erst wenn diese Funktion erfüllt ist, gestatten diese Institutionen dem Menschen die Tätigung von Transaktionen.26 Existenziell für die Erlangung solcher informellen Institutionen durch eine Gesellschaft ist, dass diese die formlosen Regeln legitimiert.

[...]


1 vgl. North, Douglas C. , Institutions, The Journal of Economic Perspectives, Vol. 5., 1991, unter http://www.econ.uchile.cl/uploads/documento/94ced618aa1aa4d59bf48a17b1c7f605cc9ace73.pdf, am 05.08.2013, S. 2

2 vgl. North, Douglas C. , Institutions, The Journal of Economoic Perspectives, Vol 5., 1991, unter http://www.econ.uchile.cl/uploads/documento/94ced618aa1aa4d59bf48a17b1c7f605cc9ace73.pdf, am 05.08.2013, S. 2

3 vgl. Erlei, Mathias/Leschke, Martin/Sauerland, Dirk, Neue Institutionenökonomik, 2. Auflage, Stuttgart, 2007, S.26

4 Göbel, Elisabeth, Neue Institutionenökonomik, Stuttgart, 2002, S. 48 f.

5 vgl. Bendixen, Peter, Die unsichtbare Hand, die Freiheit und der Markt, Wien, 2009, S. 39 f.

6 vgl. Erlei, Mathias/Leschke, Martin/Sauerland, Dirk, Neue Institutionenökonomik, 2. Auflage, Stuttgart, 2007, S. 27

7 vgl. Erlei, Mathias/Leschke, Martin/Sauerland, Dirk, Neue Institutionenökonomik, 2. Auflage, Stuttgart, 2007, S. 28

8 vgl. ders., a.a.O., S. 28 f

9 vgl. Menger, Carl, Grundsätze der Volkswirtschaftslehre, unter http://docs.mises.de/Menger/Menger_Grundsaetze.pdf, am 15.07.2013, S. 153

10 vgl. Erlei, Mathias/Leschke, Martin/Sauerland, Dirk, Neue Institutionenökonomik, 2. Auflage,

Stuttgart, 2007, S. 32

11 vgl. Konrad-Adenauer-Stiftung, Freiburger Schule, unter http://www.kas.de/wf/de/71.10193/, am 15.07.2013

12 vgl. Erlei, Mathias/Leschke, Martin/Sauerland, Dirk, Neue Institutionenökonomik, 2. Auflage, Stuttgart, 2007, S. 36

13 vgl. ders., a.a.O., S. 38

14 vgl. Wienert, Herbert, Grundzüge der Volkswirtschaftslehre, Band 2: Makroökonomie, 2. Auflage, Stuttgart, 2008, S. 54 ff.

15 vgl. Erlei, Mathias/Leschke, Martin/Sauerland, Dirk, Neue Institutionenökonomik, 2. Auflage, Stuttgart, 2007, S. 40

16 Williamson, Oliver E./Winter, Sydney G., The Nature of the Firm - Origins, Evolution and Development, New York, 1993, S. 19

17 vgl. Erlei, Mathias/Leschke, Martin/Sauerland, Dirk, Neue Institutionenökonomik, 2. Auflage, Stuttgart, 2007, S. 41

18 Beispielsweise die .Okonomische Theorie der Demokratie" von Anthony Downs aus dem Jahr 1957

19 vgl. Erlei, Mathias/Leschke, Martin/Sauerland, Dirk, Neue Institutionenökonomik, 2. Auflage, Stuttgart, 2007, S. 43

20 vgl. Dallmeier-Tießen, Kay-Ute, Neue Institutionenökonomik Internationaler Transaktionen, 1. Auflage, München; 2006, S. 1

21 vgl. Richter, Rudolf/Furubotn, Eirik G., Neue Institutionenökonomik, 3. Auflage, Tübingen, 2003, S. 3

22 vgl. Richter, Rudolf/Furubotn, Eirik G., Neue Institutionenökonomik, 3. Auflage, Tübingen, 2003, S. 4

23 vgl. Erlei, Mathias/Leschke, Martin/Sauerland, Dirk, Neue Institutionenökonomik, 2. Auflage, Stuttgart, 2007, S. 23

24 North, Douglas C., Institutionen, institutioneller Wandel und Wirtschaftsleistung, 1. Auflage, Tübingen,1992, S.43

25 vgl. Erlei, Mathias/Leschke, Martin/Sauerland, Dirk, Neue Institutionenökonomik, 2. Auflage, Stuttgart, 2007, S. 24

26 vgl. Institut für Mittelstandforschung, Tauschinstitutionen, unter http://www.leuphana.de/fileadmin/user_upload/Forschungseinrichtungen/imf/files/lexikon/tausch/Ta uschinstitutionen.pdf, am 17.07.2013

Ende der Leseprobe aus 52 Seiten

Details

Titel
Bedeutung und Konsequenzen der neuen Institutionenökonomik für die Wirtschaftsethik im Gesundheitswesen
Hochschule
bbw Hochschule
Note
1,0
Jahr
2013
Seiten
52
Katalognummer
V271298
ISBN (eBook)
9783656683407
ISBN (Buch)
9783656683322
Dateigröße
699 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Gesundheitsmanagement, Wirtschaftsethik, Institutionenökonomik, Gesundheitswesen, Zweiklassenmedizin
Arbeit zitieren
Anonym, 2013, Bedeutung und Konsequenzen der neuen Institutionenökonomik für die Wirtschaftsethik im Gesundheitswesen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/271298

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