Architektur in der Zeit des 3. Reichs. Ordensburg Vogelsang und Seebad Prora im Vergleich


Hausarbeit, 2012

8 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

1.0

Zuerst sollte man den politischen Zusammenhang mit dem Seebad in Prora verstehen. Es sollte dazu dienen während des Nationalsozialismus in Deutschland 20.000 Menschen die Möglichkeit zu bieten kostengünstig an das Meer in den Urlaub zu fahren. Allerdings nicht ohne politischen Hintergrund. Der Urlaub sollte dazu dienen auch dort die Menschen politisch zu beeinflussen. Das Konzept war letztendlich nicht schlecht, hätte es keine politisch motivierende Hintergründe gehabt. Schließlich war das Ziel im zwei Wochentakt 20.000 Menschen „zu beurlauben“. Jeder hatte Blick auf das Meer von seinem Zimmer aus, es hätte genügend kulturelle und sportliche Angebote gegeben. Über die Massenunterbringung kann man streiten. Betrachtet man das Seebad als Zweckbau, ist er im Endeffekt gelungen. Das Gesamtkonzept wurde letztendlich nach dem Krieg im kleinen Format mehrmals kopiert.

1.1

Bei dem KdF-Seebad Prora handelt es sich fast um einen einzigartigen Bau. Zumindest was die Größe und Ausmaße betrifft. Bezüglich der Form ist es schwierig zu bewerten da es sich um einen Komplex handelt. Schaut man sich ein Segment des Komplexes an besteht es aus einem Querriegel der durch Segmente bzw. Erschließungskuben gerastert wird. Die ist sehr ähnlich wie bei dem IG- Farben Haus das bereits ein paar Jahre zuvor von Hans Poelzig gebaut wurde. Wobei beim IG- Farbenhaus der Riegel eine leichte Rundung darstellt, im Gegensatz zu den Riegeln beim Seebad auf Prora die gerade gebaut sind. Betrachtet man hingegen den Gesamtkomplex auf Prora stellt auch er eine leichte Rundung dar1.

Nach dem KdF-Seebad wurde keine ähnliche Anlage mehr gebaut. Jedoch wurde mit dem Seebad auf Prora der „Grundstein“ zum Massentourismus gelegt. Zuvor waren riesige Hotelanlage eher selten2. So riesige Anlagen mit eigenem Postamt, Gärtnerei, Bahnhof, Mitarbeiter Wohnungen, eigenen Werkstätten usw. wurden in Deutschland und auch im Ausland nicht wieder verwirklicht weil es vermutlich zu unwirtschaflich ist und es finanziell nur in einem totalitärem System verwirklicht werden kann.

Ein passendes Objekt zum Vergleich ist die Ordensburg Vogelsang3, die ebenfalls von Robert Ley beaufragt und von Clemens Klotz entworfen wurde wie das Seebad Prora. Auch die Bauzeit beschränkt sich auf eine fast identische Zeit4 5. Beide Ensembles wurden Kriegsbedingt nicht fertiggestellt6 7.

1.2

Die NS-Ordensburg in Vogelsang hat optisch und konstruktiv eher wenig bis keine Gemeinsamkeiten, außer das beides ein Ensemble ist. Setzt man im Seebad mehr auf Funktion ist der Ordensburgbau auch ein Repräsentativbau. Sowohl die Ordensburg als auch das Seebad sprechen keine typische repräsentative Nationalsozialistische architektonische Sprache. Das Seebad ist ein reiner Funktionsbau bis auf die Festhalle die das Zentrum bildet die im Neoklassizismus hätte errichtet werden sollen. Die Ordensburg sollte wie man im Namen schon erahnen kann eine Burg eines Deutschen Ordens darstellen. Das NS Monatshef 1936: „Die Ordensburg verkörpere jetzt >>von den jetzt neu erbauten Burgen am stärksten den harten Kampfgeist der Bewegung<<.“ Hier sollte die Nationalsozialistische Elite des Staates herangezogen werden. Die Modernen Ritter des Deutschen Reiches. Dazu verwendete der Architekt Clemens Klotz Bruchstein aus der Eifel für die Fassade und Schiefer für die Dachdeckung. Die Konstruktion bestand wie in Prora aus Stahlbeton und Mauersteinen8 9.

1.3

Die Ordensburg Vogelsang war terrassiert10 im Gegensatz zu dem Seebad. Das Seebad beeindruckte durch seine Länge von über 4km, die Ordensburg spiegelte den architektonischen Gigantismus wieder in dem ein Ensemble an einem Hang entstand. Legte man bei der Ordensburg großen Wert auf das detaillierte äußerliche Erscheinungsbild war dies in Prora eher unwichtig. Klare Linien, so geneigte Sattelwalmdächer das es den Eindruck machte es sind Flachdächer und immer wiederholende Elemente die immer gleich waren. Bei so einem Bauprojekt ist das Einheitsfenster, die Einheitstür usw. auch mehr als Sinnvoll, so konnte man keine Elemente verwechseln und die Fertigung in Werkstätten war wesentlich einfacher, günstiger und schneller. Bei beiden Projekten wurde in die Landschaf stark eingegriffen, dennoch passt sich in Prora das Bauwerk besser den Gegebenheiten an. In Vogelsang musste der Hang erst durch Sprengung terrassiert werden11. Ebenfalls gab es bei beiden Komplexen eine Symetrieachse mit „Ausreißenden Gebäuden“ die die Achse verließen. In Vogelsang mehr als in Prora, dort bebaute man den Hang von zwei Seiten. Auch in Vogelsang sollte ein Hotel entstehen, in dem 2000 Menschen Platz fanden, aber dazu kam es nie12.

2.0

Auch bei der Umnutzung gibt es große Parallelen beide Komplexe wurden nach dem Krieg von den Alliierten Streitkräfen eingenommen und als Truppenübungsplatz verwendet. Das Seebad von den russischen Alliierten und Vogelsang zuerst von den Amerikanern, dann von den Briten und die längste Zeit von den Belgiern13. Während dieser Zeit wurden auf beiden Arealen Veränderungen vorgenommen. Die leicht beschädigten Gebäude instand gesetzt oder fertiggestellt und militärisch z.B. als Unterkunf genutzt. Ruinen dienten als Übungsfläche für den Häuserkampf oder Sprengübungen. In Prora sind mittlerweile alle Häuser verkauf und werden zukünfig umgebaut. Ein Beispiel Modell ist die Jugendherberge in Prora, die einen Teil eines Segmentes von einer Flügelbaute belegt. Diese Sanierung ist vorbildlich verlaufen. Der Gebäudeteil ist soweit nach dem Denkmalschutz saniert. Man kann innen wie außen noch sehr gut das Grundkonzept ablesen. Nur die Räume innen haben sich leicht verändert, dort hat man zwei Zimmer zu einem gefügt. Das war allerdings auch in der Planung durch eine Verbindungstür bedacht. Die Ordensburg in Vogelsang war auch nach der Wende weiterhin ein Nato Stützpunkt, erst 2005 wurde das Grundstück an das Land übergeben14. In den letzten Jahren wurde auch dort viel Instand gesetzt und der Nationalpark Eifel „neu“ entdeckt.

2.1

In Prora kam es nach der Wende zu ersten Veränderungen. Vorübergehend befand sich dort die größte Jugendherberge der Welt. Ansonsten dauerte es aber noch fast zwanzig Jahre bis die ersten Räume saniert und ordentlich genutzt wurden. Die Suche nach Investoren für die riesigen, denkmalgeschützten, heruntergekommenen Gebäude, allerdings in einer fantastischen Lage war nicht einfach. Die ersten umbauten fanden direkt nach dem Krieg von den russischen Alliierten bzw. der NVA statt. Die umbauten waren allerdings nur notdürfig und mangelhaf und absolut nur funktionell und nicht architektonisch. Der Ordensburg erging es ähnlich. Der Vorteil in Vogelsang war der, das dort schon mehr ausgebaut war und dort bereits 4 Jahre lang Junker ausgebildet wurden und wohnten. Somit hatte die Ordensburg bessere Voraussetzung zur Nutzung und das Instandhalten war nicht so aufwendig, zusätzlich hatte man dazu im Westen und für einen Natostützpunkt mehr Mittel. Die zukünfige Nutzung von der Ordensburg ist noch nicht klar, da erst seit kurzem darüber beratschlagt wird. Klar ist das wie in Prora ein Dokumentationszentrum über den Ort und den Komplex entstehen wird.

2.2

Die Ordensburg wurde nach dem Krieg stark verändert. Leider legten die Besatzer keinen großen Wert darauf die Grundsubstanz zu erhalten bzw. die ordnungsgemäß instand zu setzen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 8 Seiten

Details

Titel
Architektur in der Zeit des 3. Reichs. Ordensburg Vogelsang und Seebad Prora im Vergleich
Hochschule
Frankfurt University of Applied Sciences, ehem. Fachhochschule Frankfurt am Main
Note
2,0
Autor
Jahr
2012
Seiten
8
Katalognummer
V271873
ISBN (eBook)
9783668095533
ISBN (Buch)
9783668095540
Dateigröße
11238 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Prora, Vogelsang, 3. Reich, Rügen, KDF, Eifel, Ordensburg, Urlaub, Koloss
Arbeit zitieren
Danny Alexander Lettkemann (Autor), 2012, Architektur in der Zeit des 3. Reichs. Ordensburg Vogelsang und Seebad Prora im Vergleich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/271873

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