Flauberts "Madame Bovary". Die literarische Darstellung der gefühllosen Beziehung zwischen Emma und Berthe


Hausarbeit, 2012
10 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Hauptteil
2.1 Flauberts literarische Darstellung der Vorbereitung auf ein ungeliebtes Kind aus der Perspektive von Charles
2.2. Flauberts literarische Darstellung der Vorbereitung auf ein ungeliebtes Kind aus der Perspektive von Emma

3. Fazit

4. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In seinem Buch Mimesis. Dargestellte Wirklichkeit in der abendländischen Literatur. hat Erich Auerbach über einen ausgewählten Absatz des ersten Teils von Madame Bovary geschrieben: „Sie (Madame Bovary) hat lange auf ein plötzliches Ereignis gehofft, das diesem Leben ohne Eleganz, Abenteuer und Liebe,[…]eine neue Wendung geben würde; sie hat sich sogar darauf vorbereitet, sich und ihr Haus gepflegt, gleichsam um jene Wendung des Geschicks zu verdienen und um ihrer würdig zu sein; als sie nicht eintrifft, ergreift sie Unruhe und Verzweiflung“ (vgl. E. Auerbach, 2001, S. 429). Bezieht sich dieses Zitat Auerbachs zwar nicht auf die Szene, welche ich im Folgenden analysieren werde, so passt es doch ebenso auf die dort beschriebene Situation Emmas. Ihr trostloses, durchschnittliches, fades Leben wird begleitet von ihrer permanenten Unzufriedenheit mit ihrem Leben und den sich ihr stellenden Lebenssituationen. Der deutsche Romanist Hans-Jörg Neuschäfer fasst Emmas Leben ebenso als eine „Lebensgeschichte der Frustration“ zusammen. Immer wieder wird sie mit der Realität konfrontiert, die aufgrund ihrer unerreichbaren Phantasievorstellungen nichts anderes können, als sie zu enttäuschen. Das ist der Grund für ihren zunehmenden inneren Zusammenbruch und ihre Lebensmüdigkeit. Die Schwangerschaft und ihre Vorstellungen über das Mutterdasein sind nur weitere Bestandteile in diesem wachsenden Frustrationsprozess. Wie Flaubert stilistisch vorgeht, um sowohl aus der Perspektive des Charles, als auch aus Emmas Sicht deutlich zu machen, dass Berthe ein ungeliebtes Kind sein wird, beziehungsweise schon von Anfang an war, soll anhand der Szene analysiert werden, in der sich Emma zum ersten Mal über etwaige Schwangerschaftsvorbereitungen Gedanken macht. Es handelt sich hierbei um einen Absatz aus dem dritten Kapitel des zweiten Teils von Madame Bovary.

2. Hauptteil

2.1 Flauberts literarische Darstellung der Vorbereitung auf ein ungeliebtes Kind aus der Perspektive von Charles

Für Charles ist die Geburtserwartung seiner Frau ein Lichtblick in seinem sonst recht ereignislosen Alltag.

Charles était triste: la clientèle n'arrivait pas. Il demeurait assis pendant de longues heures, sans parler, allait dormir dans son cabinet […].Un souci meilleur vint le distraire, à savoir la grossesse de sa femme. (II, 3; S.404f)

Flaubert wählt hier bereits das Wort « souci », um das noch ungeborene Kind zu definieren und verbindet es mit dem positiven Komparativ « meilleur ». Dieses Qxymoron zeigt auf der einen Seite Charles einfältigen Charakter lässt sich andererseits auf das spätere Leben von Berthe im Haus Bovary übertragen. Sie bleibt für Emma im Laufe des Romas eher ein « souci » und nur wenn es ihrer Mutter passt, wird sie beachtet oder anderen präsentiert. Diese Situationen wenden sich jedoch immer schnell ins Negative und Berthe wird wieder zu einem « souci ». So wird sie beispielsweise später, während eines Besuchs bei der Amme, von ihrer Tochter angespuckt.

Puis elle recoucha la petite, qui venait de vomir sur sa collerette. La nourrice aussitôt vint l’essuyer, protestant qu’il n’y paraîtrait pas. (II, 3; S. 409)

Flaubert bleibt bei der Beschreibung der Vorfreude auf Berthe seinem nüchternen, emotionslosen Schreibstil treu. Laut Hugo Friedrich wird dieser Stil unter anderem durch die „reine Aussage des Wirklichen“ (vgl. H. Friedrich,1960, S. 119) gebildet. Für Flaubert gibt es keine Synonyme. Flauberts Werk bzw. seine aufwendige Stilarbeit besteht darin für jede Tatsache, für jede von ihm beschriebene Situation das eine gültige, zutreffende Wort zu finden. Auerbach nennt es eine „sorgfältig verwendete Sprache“ (vgl. E. Auerbach, 1994, S. 432), Friedrich ein „Aufsuchen des einmaligen Wortes, das dem einmaligen Objekt entspricht“ (vgl. H. Friedrich,1960, S. 115). Scheinbar war eines der ersten Worte, welches die Existenz von Berthe oder was sie selbst darstellt « souci », was sich später des Öfteren bestätigt. Berthe wird in dieser Szene nicht als ein freudig erwartetes „Geschenk des Himmels“ oder „Wunder der Natur“ beschrieben. Von solchen romantischen Ausdrücken und illusionären Beschreibungen wendet sich Flaubert in Madame Bovary, wie auch in vielen anderen seiner Werke bewusst ab. Von Friedrich als „Akt der Entromanisierung“ (vgl. H. Friedrich,1960, S. 108) bezeichnet, sieht Flaubert seine Aufgabe darin, die Realität als nüchterne Sachlage darzustellen, mit dem Ergebnis einer „fortwährenden Beseitigung von Phantasiekräften und Trivialvorstellungen“ (vgl. H. Friedrich,1960, S. 108). Ein weiteres Mittel, dessen sich Flaubert gerne bedient, ist die wissenschaftliche Darstellung oder auch „wissenschaftliche Objektivität“. So sieht Charles, als Mediziner, Berthe zudem lediglich als ein Objekt aus sich neu zusammensetzendem Fleisch.

[...]

Ende der Leseprobe aus 10 Seiten

Details

Titel
Flauberts "Madame Bovary". Die literarische Darstellung der gefühllosen Beziehung zwischen Emma und Berthe
Hochschule
Universität zu Köln  (Romanische Seminar)
Veranstaltung
Französisch Literaturwissenschaft - Grundlagenseminar B
Note
2,0
Autor
Jahr
2012
Seiten
10
Katalognummer
V272049
ISBN (eBook)
9783656636601
ISBN (Buch)
9783656636670
Dateigröße
519 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
flauberts, madame, bovary, darstellung, beziehung, emma, berthe
Arbeit zitieren
Maria Betsch (Autor), 2012, Flauberts "Madame Bovary". Die literarische Darstellung der gefühllosen Beziehung zwischen Emma und Berthe, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/272049

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