Israel. Liberalisierung des ökonomischen Systems, Motor des High-Tech-Booms

Auswirkungen der Russischen Aliyah der 1990er Jahre auf die Wirtschaft Israels


Magisterarbeit, 2014
99 Seiten, Note: 1.0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Entstehung des israelischen Wirtschaftssystems
2.1. Im Anfang war der Zionismus – Planung und Entstehung einer jüdischen Heimstätte
2.2. Masseneinwanderung – Die Unmöglichkeit vorausschauender Planung
2.3. Das Ende der Rationierung, Beginn landwirtschaftlicher Offensiven und Industriepolitik: Israels Start als Entwicklungsökonomie
2.4. Weiterentwicklung der Wirtschaft: Israels „Neue Wirtschaftspolitik“
2.5. Wirtschaftspolitischer Wandel – Neue Schritte zur Liberalisierung
2.6. Vom Stabilisierungsprogramm von 1985 bis zur russischen Aliyah der 1990er Jahre

3. Die Große Russische Aliyah – Beginn der Liberalisierung des israelischen Wirtschaftsystems?
3.1. Sowjetische Masseneinwanderung ab 1989: Israel vor dem ökonomischen Kollaps
3.2. „Direct absorption“: Bruchstelle der alten staats-zentristisch- zionistischen Wirtschaftspolitik
3.3. Die Arbeitskräftemobilität als Segen für das Gelingen der Integration
3.4. Das neoklassische Basismodell des Arbeitsmarktes als Erklärung für das Phänomen der erfolgreichen Absorption der Großen Aliyah in den Arbeitsmarkt
3.5. Das neoklassische Modell und die sowjetische Aliyah – Eine Überprüfung der neoklassischen Annahmen

4. Die Auswirkungen der Russischen Aliyah der 1990er Jahre auf die israelische Wirtschaft
4.1. Die Ausgangslage: Wirtschaftswachstum um jeden Preis
4.2. Nachfrageschub – Ein Beitrag der Russischen Aliyah zum israelischen "Wirtschaftswunder" der 1990er Jahre
4.3. Konjunkturmotor Hightech – Die Bedeutung der Ressource "Humankapital"
4.4. Eine Aliyah der Hochgebildeten: Die sowjetischen Einwanderer und die israelische High-Tech-Industrie
4.5. Exkurs: Ein Land im Kriegszustand: Die Notwendigkeit einer High-Tech-Industrie für Israel
4.6. Sowjetische Immigranten als Start-Up-Unternehmer?
4.7. Der Boom der israelischen High-Tech-Industrie: gar kein "russischer" Einfluss?
4.8. Massenintegration: Dilemma oder Herausforderung?
4.9. Programme zur Integration der Einwanderer in den Arbeitsmarkt
4.10. Ausschöpfen des eingewanderten Potentials: Die Technologieinkubatoren

5. Die Integration der sowjetischen Juden in den High-Tech-Sektor

6. Der Einfluss der sowjetischen Einwanderer auf den Software-Sektor

7. Schluss

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Gorbatschow-Perestroika, ein Prozess, der grundlegende Reformen zum Umbau und Modernisierung des Sowjetreichs in Staat, Wirtschaft und Gesellschaft ab dem Jahr 1987 vorsah, und eine Demokratisierung des Staates einleiten sollte, endete im August 1991 in der Auflösung der Sowjetunion.[1] Im Zuge der Perestroika und insbesondere nach Auflösung der Sowjetunion, öffnete sich der Eiserne Vorhang und es kam zu einer der größten Migrationswellen, die die Sowjetunion und später ihre Nachfolgeorganisa-tion – die Gemeinschaft Unabhängiger Staaten – jemals erlebt hat. Durch die Tore der neu entstandenen Nationalstaaten strömten ab 1989/90 hunderttausende sowje-tische Juden verschiedener Hautfarben und Nationalitäten „mit einer zerstörten oder nur teilweise vorhandenen jüdischen Identität“[2] per Flugzeug oder Schiff direkt hinein in die Vororte und Innenstädte von Tel Aviv, Jerusalem und Haifa.

Sie verband eine Gemeinsamkeit: sie stammten aus dem untergegangenen Sow-jetreich und sie sprachen eine gemeinsame Sprache – russisch. Deshalb nannte man sie in Israel, den stark vereinfachenden Terminus gebrauchend, einfach „Russen“. Alle diese vormals sowjetischen Juden wurden im Moment ihrer Ankunft zu israelischen Bürgern. Bis 1998 kamen 600 000 der Immigranten aus Russland und der Ukraine und weitere 200 000 aus Zentralasien. Die sowjetischen Juden bildeten 2007 mit 985 400 Menschen bereits 20% der jüdischen und 14% der Gesamtbevölkerung Israels.[3] Die Mehrheit der Einwanderer lebte vor ihrer Übersiedlung nach Israel in kulturellen Bal-lungszentren der Sowjetunion wie St. Petersburg, Riga, Kiew oder Moskau und sie ver-fügten über einen hohen Bildungsgrad – 60% von ihnen besaßen einen Hochschul-abschluss.[4] Der israelische Arbeitsmarkt wurde daraufhin förmlich von zehntausenden Ingenieuren, Ärzten und Wissenschaftlern überschwemmt.[5] Die sowjetischen Juden ver-änderten Israel im Laufe der Zeit so grundlegend und nachhaltig wie keine andere Immigrantengruppe vor ihnen zuvor. Die Autoren eines ZEIT-Artikels über die rus-sischen Einwanderer aus dem Jahr 1999, sprachen sogar davon, dass auch Israel an der Reihe war, seine eigene „Russische Revolution“ zu erleben.[6] Die Masse mache sich stark, doch prägend wirke sie durch ihre Haltung, formulierten die Autoren. „Sie blicken auf die Israelis herab und streben mit Ehrgeiz und Beharrlichkeit nach oben. Sie prägen fast alle Bereiche der Gesellschaft: die Kultur, die Armee, die Politik und vor allem die Wirtschaft.“[7]

Vor der Großen Russischen Aliyah [8] befand sich Israel in einem Prozess öko-nomischer Transformation. Die israelische Regierung (damals als Große Koalition aus Likud und Arbeitspartei) leitete 1985/86 das Stabilisierungsprogramm für die Wirt-schaft ein. Im Rahmen dieses Programms, bekannte sich die Regierung zur Liberal-isierung, Privatisierung staatlicher Betriebe und zur Marktöffnung. Hinsichtlich der Wirtschaftspolitik, vollzog die Regierung eine Wende. In einem kontrollierten Prozess sollten die weitgehende Lenkungs-, Kontroll- und Gestaltungsmacht des Staates über die Wirtschaft zurückgefahren werden. Das angestrebte Ziel war es, in einem Prozess der Deregulierung, die Involvierung des Staates in das Wirtschaftsgeschehen auf ein Minimum zu begrenzen.[9] Der Liberalisierungskurs der Regierung, der auf Reformvor-haben beruhte, geriet ins Stocken: wichtige Reformen wurden kaum oder nur zögernd umgesetzt. Insbesondere Reformen struktureller- und finanzpolitischer Art zum Beispiel, wurden auf ungewisse Zeit verschoben. Der groß angekündigte Prozess der Ent-wicklung Israels hin zu einer vollständig freien Marktwirtschaft wurde gehemmt, weil unter anderem der Kern der Reformvorhaben, der Privatisierungsprozess, von der Histadrut ausgebremst wurde.[10]

Mitten im Prozess der ökonomischen Transformation wurde Israel von einer massiven Einwandererwelle sowjetischer Juden erfasst und der Staat ging trotz groß angekündigter Liberalisierung zunächst zu einem noch stärkeren Eingreifen und Lenken über, um die Eingliederung der Einwanderer zu bewerkstelligen. Nichtsdestotrotz begann die Regierung im Eiltempo, beschlossene Reformvorhaben – die zunächst von einigen Akteuren im Staat verzögert oder behindert wurden – parallel zur Einwanderung der sowjetischen Juden im Laufe der 1990er Jahre peu à peu umzusetzen, unter anderem weil die Einwanderungswelle einen starken Druck auf die Liberalisierungspolitik der Regierung ausübte. Zweifelsfrei darf konstatiert werden, dass die Liberalisierung des Wirtschaftssystems erst parallel zu der Einwanderung der russischen Juden in Gang kam und den entscheidenden Impuls hierzu im Laufe der 1990er Jahre erhielt. Im Zentrum dieser Arbeit steht daher die grundlegende Frage, ob und wenn ja wie, die sowjetischen Einwanderer die israelische Wirtschaft tatsächlich grundlegend verändert haben? Im Rahmen dieser Fragestellung geht die vorliegende Arbeit vor allem zwei wichtigen Fragen nach: (1) Haben ausgerechnet die mit Marx und Lenin sozialisierten Einwanderer aus der ehemaligen UdSSR den Wandlungsprozess des israelischen Wirt-schaftssystems, von einer ehemals stark sozialistisch geprägten Wirtschaft hin zu einem liberalen, kapitalistisch geprägten Wirtschaftsystem, eingeleitet? (2) Welche Aus-wirkungen hatte die Große Russische Aliyah auf die israelische Volkswirtschaft? Welche Prozesse setzte sie in Gang? Waren die sowjetischen Einwanderer gar eine ent-scheidende Triebfeder bei Israels Aufstieg zu der High-Tech-oder Start-Up-Nation, die sie heute ist?

Denn im Zuge der Einwanderung der sowjetischen Juden wandelte sich die Struktur der israelischen Ökonomie, die traditionell auf der Landwirtschaft, Leicht-industrie und arbeitsintensiver Produktion basierte, rapide hin zu einer „wissens-basierten“ Wirtschaft, mit einer starken international wettbewerbsfähigen High-Tech-Industrie. In dieser Umstrukturierung des israelischen Wirtschaftssystems, so postuliert die vorliegende Arbeit, spielten die russischen Juden eine wichtige Rolle. Die Ein-wanderer gewannen mit ihrem immensen Arbeitskräftepotenzial für die High-Tech-Industrie immer mehr an Bedeutung. Der High-Tech-Sektor profitierte in besonderem Maße von den hoch qualifizierten und besonders gut ausgebildeten Einwanderern und wurde im Laufe der 1990er Jahre zum Zugpferd der gesamten israelischen Ökonomie. Viele westliche Zeitungen, unter ihnen die Süddeutsche Zeitung, hatten noch kurz vor der Großen Aliyah berichtet, dass Israel tief im ökonomischen Schlamassel stecke und es auf absehbare Zeit keine Rezepte aus der Krise gebe.[11] Nachdem die Große Aliyah kurze Zeit später eingesetzt hatte, überschlugen sich die Medien dagegen mit Erfolgs-meldungen über den märchenhaften Erfolg der israelischen Wirtschaft. Heute liegt Israel in der Nationenwertung der NASDAQ-Börse auf dem zweiten Platz hinter den USA. Mit knapp acht Millionen Einwohnern zieht Israel mehr Wagniskapital an als Frankreich und Deutschland zusammen. Im Silicon Wadi, einer Hochburg der israelischen High-Tech-Industrie zwischen Tel Aviv und Haifa, werden Jahr für Jahr hunderte Start-ups geboren.[12] Tausende High-Tech-Unternehmen landesweit sorgen dafür, dass Israel seit 2003 permanent Handelsüberschüsse erwirtschaftet. Dank der exportorientierten High-Tech-Industrie wuchs die israelische Bruttoinlandsprodukt seit 2010 um durchschnittlich 4% jährlich.[13]

Die vorliegende Arbeit ist im Groben in zwei Abschnitte unterteilt. Der erste Abschnitt (Kapitel 3 der Arbeit) geht der Frage nach einer möglichen Liberalisierung des israelischen Wirtschaftssystems durch sozialistisch sozialisierte Einwanderern nach. Für das Verständnis der Arbeit ist dabei ein historischer Rückblick über die Entstehung der israelischen Wirtschaft unerlässlich, der dem ersten Abschnitt daher vorangestellt ist. Abschnitt zwei der Arbeit (Kapitel 4, 5 und 6) analysiert dann die direkten Auswirkungen der Großen Aliyah auf die israelische Wirtschaft. Im Zentrum steht dabei vor allem der Einfluss der sowjetischen Einwanderer auf die High-Tech-Industrie Israels.

2. Die Entstehung des israelischen Wirtschaftssystems

2.1. Im Anfang war der Zionismus – Planung und Entstehung einer jüdischen Heimstätte

Die Gründung des Staates Israel wäre absolut nicht zu bewerkstelligen gewesen, wenn sich die jüdischen Einwanderer und Pioniere nach ihrer Ankunft in Palästina nicht un-mittelbar darum gekümmert hätten, sich und kommenden Generationen eine wirtschaft-liche Existenzgrundlage zu schaffen. Um den anvisierten jüdischen Staat tatsächlich bewohnbar zu machen, um wirklich in ihm leben zu können – ohne von den Hilfen der Diaspora abhängig zu sein –, war es unerlässlich, das Land zu kolonisieren.[14] Die „Kolonisierung bildete deshalb einen wesentlichen Bestandteil des politischen Zionismus. Gerade durch die wirtschaftliche Tatkraft wurde der zionistischen Idee zur Realität verholfen.“[15] Ziel der jüdischen Pioniere war es vor allem,[16] sesshaft zu werden – was eine Inbesitznahme des Landes impliziert – mit dem „erklärten langfristigen Ziel der Staatsgründung auf „judaisiertem“ Boden und mit Hilfe „jüdischer Arbeit“.“[17] Für diesen Zweck standen zwar Gelder aus dem Jüdischen Nationalfonds zur Verfügung, es reichte aber nicht diese Böden einfach zu erwerben, vielmehr musste der Boden nach ottomanischem Recht auch bearbeitet werden. Nur so war der Bodenkauf auch besie-gelt[18] – hat doch Theodor Herzl die Idee einer zweckdienlichen Förderung und Be-siedelung Palästinas mit jüdischen Ackerbauern, Handwerkern und Gewerbetreibenden als erstes Mittel zum Erreichen des Ziels einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heim-stätte in den Vordergrund gestellt.[19] Die Juden sollten Herzls Ansicht nach den Beweis erbringen, genauso gute Bauern und Handwerker zu sein wie die Bürger anderer Nati-onen auch. Der neue jüdische Staat sollte diesen Beweis ermöglichen, denn in ihm sollten die Juden Berufe ausüben können, deren Zugang man ihnen in der Diaspora über Jahrhunderte systematisch verwehrt hatte.

Die Vorstellung, ein Volk guter Bauern und Handwerker zu sein und ein Volk „wie jedes andere“ zu werden, reichte den ersten Zionisten nicht, sie wollten eine Muster-gesellschaft sein.[20] Ihre Maxime war die „Eroberung der Arbeit“, der Aufbau genossen-schaftlicher Produktions- und Vertriebsstrukturen, vor allen Dingen aber die Gründung von Kibbuzim. Die Kibbuzim waren keine Kolchosen und bildeten somit auch keine politische Organisationsform. Diese kollektiven landwirtschaftlichen Dörfer bildeten auch „den Grundstock des sozialistischen Zionismus in Palästina“.[21] Die mit Mitteln des Jüdischen Nationalfonds gekauften Böden wurden genossenschaftlich kultiviert, billige arabische Lohnarbeiter kamen für die Bearbeitung der Böden nicht in Frage, da kapital-istische Lohnarbeit bei den überzeugten sozialistischen Pionieren verpönt war.[22] Alles in einem sollte der künftige Staat „planmäßig unter Vermeidung der Fehler anderer Länder aufgebaut werden, zugleich sollte soziale Gerechtigkeit in der altneuen Heimat herrschen“.[23] Es sollte also ein Jüdischer Staat errichtet werden, der auf dem Fundament der Arbeit und des produktiven Schaffens stand. Die Zionisten dachten bereits in der vorstaatlichen Zeit an die Schaffung einer selbstständigen jüdischen Ökonomie. Nicht nur die Ideen aus Theodor Herzls „Altneuland“ oder „Judenstaat“ sollten den Charakter der Wirtschaft des jüdischen Staates prägen, „sondern vielmehr die Vorstellung der zu jener Zeit stärksten zionistischen Strömung, die sich in der Mapei unter David Ben Gurion sammelte, der das Konzept des Mamlachtijut vertrat“.[24] Diese zionistische Strö-mung verfolgte im Konsens mit anderen Strömungen das Ziel, „ein modernes Wirt-schaftssystem“, eine so genannte mixed economy, „mit regulierendem Staatsinter-ventionismus und kooperativen Sektoren, aber auch mit geschütztem Privateigentum und Unternehmertum zu errichten“.[25]

Eine Konzession zum Aufbau Palästinas wurde trotz Anstrengungen Herzls erst 1917 Realität. Mit der Balfour-Deklaration begann auch erst die Zionistische Welt-organisation Pläne für die ökonomische Entwicklung und den Aufbau des jüdischen Nationalheims konkret zu entwickeln,[26] obgleich gleich klar wurde, dass die Spenden von Juden aus aller Welt für den Landesaufbau nicht ausreichen würden. Vielmehr wurde den zionistischen Führern bewusst, dass „Aufbau in großem Stile nur mit Hilfe eines eigenen Staates und eines Verwaltungsapparates mit Zwangsmitteln (Steuern) möglich sein könne“.[27] Doch war die Zeit der souveränen Wirtschaftspolitik nicht gekommen, schließlich war der Staat Israel noch nicht ausgerufen worden. Bis zur Staatsgründung Israels wurde Großbritannien das Mandat über Palästina übertragen. In diesen sechsundzwanzig Jahren der Mandatsverwaltung bestimmte London über die Wirtschaftspolitik Palästinas[28] und den Juden fehlte zunächst der Impuls zum „Aufbau einer eigenen Wirtschaft“.[29] Nach der Staatsgründung im Jahre 1948 wurde in den zuständigen Ministerien dann aber bereits konkrete Wirtschaftspolitik in Form großer Planungsvorhaben betrieben. In erster Linie betrafen diese Planungsvorhaben die physische Landesplanung und die Ausweisung von Gebieten, die sich am besten für Landwirtschaft und Industrie eigneten.

2.2. Masseneinwanderung – Die Unmöglichkeit vorausschauender Planung

In der Gründungszeit des Staates Israel Ende der vierziger Jahre setzte sich die Notwendigkeit durch, die wirtschaftlichen Grundlagen Israels zu verbreitern, die Produktivität zu heben, Beschäftigungsmöglichkeiten für die ständig wachsende Bevölkerung zu schaffen und einen angemessenen Lebensstandard für alle Bürger zu ermöglichen.[30] Vorhaben dieser Art setzen voraus, dass aktive Wirtschafts- bzw. Industriepolitik betrieben wird,[31] dass Regierung, Gewerkschaften und der private Wirt-schaftssektor harte Anstrengungen unternehmen. Eine auf die Zukunft gerichtete und konstante Planung des Landesaufbaus war allerdings in der Gründungszeit des Staates Israel nicht denkbar gewesen.[32] Trotz der Schaffung eines Arbeitsministeriums, das Entwicklungspläne ausarbeitete, um die Industrie und Landwirtschaft planmäßig zu ent-wickeln und auszubauen, konnte die Regierung und die Planungsstellen in den Ministerien äußere Störfaktoren nicht außer Kraft setzen, die die wirtschaftliche Ent-wicklung und vor allem eine zielgerichtete Wirtschaftspolitik des Landes behinderten, ohne die der junge Staat in der Zeit seiner Gründung aber keine Basis für seine weitere Existenz gehabt hätte. Folgende Momente waren als „planstörend“ anzusehen: (1). „die außenpolitischen Bedingungen, (2). die Einwanderung und (3). die Abhängigkeit von ausländischen Finanzquellen“.[33]

Zu 1. Die Israelische Regierung bemühte sich, wirtschaftlichen Problemen mittels vorausschauender Planung gerecht zu werden, jedoch scheiterten diese Bemühungen an äußeren Bedingungen. So war das britische Mandatsgebiet Palästina stets von Zuschüssen der britischen Regierung und von Juden aus aller Welt abhängig, ohne die das Mandatsgebiet nicht überlebensfähig gewesen wäre. Insbesondere waren die Importe stets größer als Exporte gewesen. Dies änderte sich auch nach der Staats-gründung nicht. Noch im Jahr 1949 betrugen die Exporte 28,6 Millionen Dollar, wohingegen sich die Einfuhren auf mehr als 253 Millionen Dollar summierten.[34] Was das Handelsbilanzdefizit anging, war der junge Staat negativer Weltrekordhalter, und diese Tragik veranlasste E. S. Hoofien, den Vorsitzenden der Anglo-Palestine Bank, zu folgender Warnung: „Wir haben wie durch ein Wunder auf dem Schlachtfeld gesiegt, und unsere Feinde liefen davon, aber in der Wirtschaft gibt es solche Wunder nicht. Ihre Gesetzte bleiben bestehen, und sie laufen nicht davon“.[35] An eine Verringerung oder vorübergehende Einschränkung der Einfuhren war nicht zu denken, weil wegen der arabischen Bedrohung gewaltige Summen für Sicherheitszwecke, Brotgetreide und Ein-wanderung ausgegeben werden mussten.[36]

Zu 2. In der Zeit nach der Staatsgründung kam es zu einer unübersehbaren Zahl[37] neuer Einwanderer. Die Einwanderer verdoppelten in wenigen Jahren die Bevölkerung Israels. Diese ungeheure Masse der neu zugewanderten Menschen musste integriert werden und die Mittel dazu konnten ausschließlich aus Kapitalimporten wie Spenden und Anleihen gedeckt werden.[38] Schließlich galt es, die Neuankömmlinge schnell mit Unterkünften, Lebensmitteln – die sich schnell erschöpften –, Bekleidung etc. zu versorgen.

Schwierigkeiten unmittelbar nach der Staatsgründung riefen die Regierung erneut auf den Plan, vorausschauend zu planen und für die kommenden Jahre einen Wirtschaftsplan aufzustellen, der das Defizit in der Zahlungsbilanz auf ein erträgliches Maß drücken sollte. Die Regierung wollte wirtschaftspolitisch also planvoll und zukunftsweisend vorgehen, um die Entwicklung des Landes voranzutreiben, um eine ertragreiche Industrie und Landwirtschaft ins Leben zu rufen.[39] Palmon zufolge machte die israelische Regierung dabei die Erfahrung, „dass in einem demokratischen Staate, der nicht die Zwangsmittel des Ostens benutzen wollte, Planung viel schwieriger war“.[40] Die wirtschaftliche und soziale Wirklichkeit wichen an vielen Punkten von den sorgsam erarbeiteten Plänen ab. Vor allem die massenhafte Einwanderung jüdischer Flüchtlinge stellte eine solche Abweichung von der Praxis dar. Um diese erst einmal auch nur halbwegs aufzufangen, hatte der junge Staat immense Summen aufzubringen. Die israelische Regierung kümmerte sich daher um die Mobilisierung des benötigten Kapitals, um so die Einwanderer und die Bevölkerung mit Mitteln des Grundbedarfs zu versorgen, die Rationierung derselben aufzuheben und die Institutionalisierung eines eigenen Wirtschaftssystems voranzutreiben.[41] Vorrangig wurde aber die Kapitalauf-bringung zum allerdringlichsten Ziel.

Zu 3. Für die Finanzierung des Aufbauwerks waren immense Summen vonnöten, die größtenteils aus Geldsammlungen der in aller Welt lebenden Juden beruhten. Für diese Aufgabe wurden zwei wichtige große Institutionen gegründet: der Jüdische National-fonds und der Palästina-Aufbaufonds.[42] Große Anstrengungen unternahm auch die israelische Regierung. Im Jahr 1948 erklärte Finanzminister Eliser Kaplan, dass die Beschaffung von Devisen zur Durchführung der benötigten Importe die allerwichtigste Aufgabe der Regierung sei. Golda Meir wurde als Vertreterin der Regierung Israels in den USA aktiv, um die in den Vereinigten Staaten lebenden Juden zu animieren, den jungen jüdischen Staat mit Spenden zu unterstützen bzw. die Summe der Spenden in die Höhe zu treiben.[43] Dies reichte allerdings nicht, und so suchte die Regierung Israels nach weiteren Kreditgebern. Dieses Ziel wurde ehrgeizig von Ministerpräsident David Ben Gurion in Angriff genommen. Er bemühte sich direkt nach der Staatsgründung unter anderem darum, mittels einer „Unabhängigkeitsanleihe“ in den USA Mittel in Höhe von fünfhundert Millionen Dollar zu organisieren, verteilt über fünf Jahre.[44] Die Beschaffung von Geld blieb in den folgenden Jahren ein zentrales Anliegen der Regierung.

2.3. Das Ende der Rationierung, Beginn landwirtschaftlicher Offensiven und Industriepolitik: Israels Start als Entwicklungsökonomie

Das Jahr 1948 stellte die Regierung Israels vor folgende Aufgaben: die Existenz des Staates zu sichern, den Aufbau des Staatsapparates voranzutreiben und vor allen Dingen die Wirtschaft am Leben zu erhalten. Ferner hatte sie in erster Linie für die Versorgung der Bevölkerung mit Mitteln des Grundbedarfs zu sorgen. Bis zum Jahr 1949 war deshalb kaum an die „Einhaltung einer wirtschaftspolitischen Linie oder gar an einen planmäßigen Aufbau nicht zu denken; Improvisation, oft recht weitgehender Art, musste an ihre Stelle treten“[45]. In den ersten Jahren nach der Staatsgründung, die im Zeichen des Unabhängigkeitskrieges und der Masseneinwanderung standen, wurde die Regierung veranlasst, nach einem Notstandsprogramm zu arbeiten[46], das drastische Sparmaßnahmen, Rationierung und Preiskontrollen beinhaltete. Dennoch gelang es der Regierung nicht, der steigenden Arbeitslosigkeit und Inflation beizukommen.[47] Mit In-krafttreten der „Neuen Wirtschaftspolitik“, die einen signifikanten Wandel in der Wirtschaftspolitik darstellte, wurde ab 1952 von der Regierung das Ziel in Angriff genommen, die Rationierung und Preiskontrolle Schritt für Schritt zu beseitigen, das israelische Pfund abzuwerten und der Wirtschaft damit eine neue Entwicklungs-richtung[48] zu geben.[49] Den Schwerpunkt dieser neuen Entwicklungsrichtung bildete vor allem der extensive und intensive Ausbau der Landwirtschaft.

Der hundertprozentige Bevölkerungsanstieg,[50] bedingt durch die Einwanderung der Jahre 1948 bis 1951, zwang das Landwirtschaftsministerium Israels, eine rasche Aus-dehnung der Landwirtschaft anzugehen.[51] Die Regierung und die Siedlungsabteilung der Zionistischen Organisation verfolgten jede Option, um die Bevölkerung mit Lebensmitteln zu versorgen. Ihre Parole lautete „Lebensmittel aus dem eigenen Boden“.[52] Ein Plan zur Entwicklung der Landwirtschaft wurde 1958 veröffentlicht, und Ziel bis zum Jahr 1968 war es, „die Elastizität der landwirtschaftlichen Produktion insgesamt zu erhöhen, und zwar durch Vergrößerung der Erzeugungsmengen, durch Verbreitung des Sortiments und durch den Anbau neuer Pflanzen“.[53] Die Ausdehnung der Landwirtschaft zeigte Wirkung und führte dazu, dass bereits im Jahr 1963 Produkte aus der Landwirtschaft zu einem sehr wichtigen Exportfaktor wurden. Nach wiederholt aufgetretenen Überproduktions-Krisen sah sich die Regierung gezwungen, Produktions-begrenzungen einzuführen.[54] Die Zeit der landwirtschaftlichen Offensive ging dem Ende zu, weil der Markt gesättigt wurde und nicht zuletzt, weil einer Ausdehnung der Landwirtschaft geografische Grenzen gesetzt waren. Mit diesem dirigistischen Eingriff in die Wirtschaft, der landwirtschaftlichen Offensive, hatte die Regierung das Funda-ment ihres wirtschaftlichen Planens geschaffen, denn mit der entwickelten Landwirt-schaft konnte die Wirtschaft weiter geplant werden. Für die weitere Expansion der Wirtschaft suchte die israelische Regierung fortan nach anderen Möglichkeiten, die mit dem Ausbau der Industrie auch gefunden wurden.

Mit der Gründung des Staats Israel wurde ein neues Kapitel der Industrialisierung eingeleitet. Die Regierung begann damit, die wirtschaftlichen Grundlagen Israels zu verbreitern, „die Produktivität zu heben, Arbeitsmöglichkeiten für die ständig wach-sende Bevölkerung zu schaffen und einen angemessenen Lebensstandard für alle Bürger zu ermöglichen“.[55] Mit dem Aufbau einer zukunftsträchtigen Industrie wollte die Regie-rung vorrangig einem zentralen Problem der israelischen Wirtschaft begegnen: „näm-lich die Zahlungsbilanz in fremder Währung allmählich ausgeglichener zu gestalten, das heißt: zu produzieren, um weniger einzuführen, oder um mehr auszuführen.“[56]

Bereits nach der Staatsgründung bemühte sich die Regierung um Förderung und Ausbau der Industrie. Die erste amerikanische Anleihe über 100 Millionen Dollar stand überwiegend der Entwicklung der Industrie zur Verfügung.[57] Nicht zuletzt dank der deutschen „Wiedergutmachungsleistungen“ ab 1954 gelangte die israelische Industrie an Maschinen, die die jeweiligen Industriezweige benötigten. Neben den amerika-nischen Beihilfen, Spenden und dem regulären Staatsbudget wurde ein zusätzlicher Ent-wicklungs-Etat von der Regierung aufgestellt, der zusätzliche Mittel in die Industrie-entwicklung pumpte. Hinzu kam, dass der Staat auch selbst Kredite für bestimmte Industrieprojekte vergab, später wurde diese Aufgabe durch die „Bank für Industrie-Entwicklung“ übernommen, die der Staat selbst gründete.[58] So verfügte die israelische Regierung über zwei Institutionen, um die Förderung der industriellen Entwicklung zu betreiben. Zum einen die Industrial Development Bank of Israel und zum anderen die Planungsabteilung des Ministeriums für Handel und Industrie.[59] Über den Entwick-lungsetat und die Bank für Industrie-Entwicklung bestand die Möglichkeit zur „geo-graphischen Lenkung“ der Industrie. Diese Möglichkeit nutzte die Regierung auch, um „Industrieunternehmen in den Entwicklungsgebieten im Norden des Landes (Galiläa) und im Süden (insbesondere im Negew) entstehen zu sehen“.[60] In diesen Gebieten hatte die Regierung seit der Staatsgründung sehr viele Einwanderer angesiedelt, „ohne sich eine rechte Vorstellung über die Sicherung von Existenzgrundlagen für die Neu-ankömmlinge zu machen“[61]. Dies hatte weitreichende Folgen: in erster Linie nämlich Massenarbeitslosigkeit. Durch eine gezielte Ansiedelung der Industrie sollte dem Problem Einhalt geboten werden.[62] Im gesamten Land wurden bestehende Anlagen und Industriezweige ausgebaut und viele neue Industriezweige angesiedelt. Besonders ge-fördert wurden die Textil- und Lederindustrie, die Lebensmittelindustrie, die Metall- und die pharmazeutische Industrie.[63]

Im Großen und Ganzen lässt sich zusammenfassend sagen, dass die Wirt-schaftspolitik der Regierung darauf hinauslief, das Land wirtschaftlich rapide zu ent-wickeln und auf das Niveau der westlichen Länder zu heben. Hierzu wurde im Jahr 1962 die zweite Phase der „Neuen Wirtschaftspolitik" eingeleitet. Erneut ging man daran, Israels Währung abzuwerten, alle Exporthilfen zusammenzustreichen (die den-noch ab 1966 wieder eingeführt wurden) und sämtliche Importzölle zu senken.[64]

2.4. Weiterentwicklung der Wirtschaft: Israels „Neue Wirtschaftspolitik“

Nach dem Krieg von 1967 fand eine verstärkte Extensivierung israelischer Wirt-schaftsstrukturen statt. Die Marktbeziehungen wurden speziell auf die okkupierten Ter-ritorien ausgeweitet und in diesen israelische Produkte abgesetzt. Palästinensische Arbeitskräfte wurden in körperintensiven Wirtschaftsbereichen eingesetzt und israe-lische Unternehmen begannen die Auslagerung bestimmter Produktionsabschnitte an palästinensische Subvertragspartner im Westjordanland und Gazastreifen.[65] Die Regierung begann auch verstärkt die Rüstungsindustrie zu fördern, nachdem Frankreich 1968 ein Waffenembargo[66] über Israel verhängt hatte. Dies hatte den positiven Effekt, dass die Rüstungsindustrie ab den 1970er Jahren zum wichtigsten Exportbereich Israels avancierte.[67] Die Rüstungsexporte konnten aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass ab Mitte der 1970er Jahre das Handelsbilanzdefizit kontinuierlich stieg, eine Entwicklung, die durch den Jom-Kippur-Krieg nur noch verstärkt wurde, da der Verteidigungshaus-halt ungebremst in die Höhe schnellte. Die Regierung leitete eine Abwertung des Isra-elischen Pfunds ein, erhöhte Kapitalertragssteuern und Importzölle, verringerte Zuwen-dungen für Mittel des Grundbedarfs und erhöhte nicht zuletzt die Preise für staatliche Dienstleistungen, – alles mit dem Ziel, den Inflationsschub zu verlangsamen.[68] Dies gelang jedoch nicht, die Inflation begann zu galoppieren (etwa 50% im Jahr 1978)[69], das Zahlungsbilanzdefizit des Landes erreichte im selben Jahr 25% des Bruttosozial-produkts.[70] 1977 kam erstmals eine Regierung an die Macht, die nicht der zionistischen Arbeiterbewegung entstammte. Die „Neue Wirtschaftspolitik“ der Likud-Regierung sollte der Inflation Einhalt gebieten und die Liberalisierung der Wirtschaft nach einem radikalen Programm vorantreiben.[71] In kürzester Zeit wurden von Finanzminister Simha Ehrlich Devisenkontrollen abgeschafft und der Geld- und Kapitalverkehr mit dem Ausland liberalisiert.[72] Mit anderen Worten versuchte die Regierung, die Wirtschaft nach monetaristischen Gesichtspunkten zu dirigieren. Sie richtete die Wirtschaftspolitik auf die Ideologie des klassischen Liberalismus[73] aus, deren wichtigster Vertreter Milton Friedman war. Ehrlichs Versprechen nach sollte die Liberalisierung „den Export beschleunigen und die Inflation zügeln (…) tatsächlich ging es andersherum: Beschleu-nigt[74] wurde die Inflation und gezügelt die Ausfuhr“.[75] Niedrig waren die Wachstums-raten, rasant gestiegen war die Staatsverschuldung. Finanzminister Ehrlich sah sich als-dann gezwungen, seinen Liberalisierungs-Kurs zurückzunehmen. Abgesehen von der Liberalisierung des Wechselkurses und dem Verkauf einiger staatlicher Firmen (2 Banken) blieb von der groß angekündigten Liberalisierung jedoch wenig übrig. Gegenüber den Arbeitnehmern ebenso wie den Arbeitgebern war diese Politik ohnehin schwer durchzusetzen.[76] Der Versuch den Kapitalverkehr zu liberalisieren, hatte sich somit als Fehlschlag erwiesen.

2.5. Wirtschaftspolitischer Wandel – Neue Schritte zur Liberalisierung

Nach 1979 bemühte sich der neu ernannte Finanzminister Hurowitz weiterhin, die Infla-tion[77] zu bekämpfen, indem er versuchte, die Staatsausgaben radikal zu verringern. Seine Kabinettsmitglieder stimmten der Idee zu, solange ihr eigenes Haus von der Etat-kürzung nicht betroffen war, schließlich war das Land dem wirtschaftlichen Kollaps nahe. Als Folge konnte der Finanzminister keine Kürzungen durchsetzten, um wirksam die Inflation zu bekämpfen.[78] 1981 wurde Hurowitz von Joram Avidor als Finanz-minister (der Herut in der Likud-Regierung) abgelöst. Dieser setzte das Sparprogramm fort und schaffte als erstes die Preissubventionen für Lebensmittel ab. Produkte wie Zucker, Milch oder Öl wurden um bis zu 100% teurer. Von dem Sparprogramm waren auch Sozialleistungen betroffen, medizinische Untersuchungen oder Studiengebühren wurden nicht mehr in vollem Umfang subventioniert.[79] Trotz der galoppierenden In-flation und der gestrichenen Subventionen sank der Lebensstandard der Israelis in keiner Weise, da ihre Löhne zu einem großen Teil an die Inflationsrate gekoppelt waren, ein Verdienst der Histadrut. Die Löhne stiegen sogar real um 7%.[80] In der Folgezeit wurden von der Regierung direkte und indirekte Steuern gesenkt und die Abwertung der Landeswährung gestoppt, was dazu führte, dass der Verbrauch stieg und als Folge dessen, die Inflation noch mehr an Fahrt aufnahm.[81] 1982 wurden wegen des Libanon-Krieges zusätzliche Steuern auferlegt und erneut Subventionen für Grundnahrungsmittel reduziert. So wurden „zwischen 1981 und 1982 der Volkswirtschaft ‚Wechselbäder’ verordnet, die ihr schlecht bekamen und die Popularität der Wirtschaftspolitik nicht förderten“[82].

2.6. Vom Stabilisierungsprogramm von 1985 bis zur russischen Aliyah der 1990er Jahre

Die Likud-Regierung leitete im Jahr 1985 ein ernsthaftes Wirtschaftsstabilisierungs-programm ein, das die Gesundung der israelischen Wirtschaft einleiten sollte. Um kurz-fristige Erfolge herbeizuführen, wurde „kosmetisch“ eine Währungsreform durchgeführt, fortan bekam man für 1000 alte Schekel einen neuen.[83] Erst im Jahr 1986 kam die Ernsthaftigkeit der Reformvorhaben dann aber zum Vorschein. Und wieder wurde ein neuer Wirtschaftsplan vorgestellt. Zum Maßnahmenkatalog gehörte dieses Mal die Streichung von Subventionen für öffentliche Dienstleistungen, ein Lohnstop, Haus-haltskürzungen – insbesondere im Verteidigungsetat –, der Wegfall von Steuerver-günstigungen für Unternehmen sowie eine Senkung des Spitzensteuersatzes auf 45%. Eines der wichtigsten Vorhaben war zudem die Liberalisierung der Deviseneinfuhr.[84] Der Wirtschaftsplan war jedoch, „abgesehen von steuerpolitischen Neuerungen, eher ein alt-neues Programm“.[85] Weiterhin enthielt der Maßnahmenkatalog die Intensivie-rung des Privatisierungsprozesses, der für die Entwicklung Israels zu einer freien Markt-wirtschaft unerlässlich war. Privatisiert werden sollten staatliche Unternehmen, „um wirtschaftlichen Wettbewerb zu fördern und das Haushaltsdefizit zu finanzieren“.[86] Auch diese Maßnahme war im Katalog der „Neuen Wirtschaftspolitik“ von 1977 aufge-führt, sie war also älteren Datums. Eine wirkliche Neuerung hingegen stellte die Tat-sache dar, „dass die Liste der Firmen, die verkauft werden sollten, auch Betriebe der Rüstungsindustrie enthielt“.[87]

Die Umstrukturierung der israelischen Wirtschaft und der Kurs der Liberalis-ierung waren weiteren Störfaktoren ausgesetzt. Mit dem Ausbruch der ersten Intifada 1987 blieben Touristen und ausländische Investoren aus, die Wirtschaft Israels ging auf Talfahrt.[88] Zum letzten Mal in diesem Jahrzehnt wurde ein neues Programm zur Belebung der Wirtschaft vorgestellt. Finanzminister Shimon Peres machte sich daran, abermals Subventionen zu streichen und den Verteidigungshaushalt zu verkleinern. Er setzte auf Zollsenkungen[89], die Zollfreiheit auf Waren aus EG-Staaten und die Senkung der Reallöhne, ferner auf Preiskontrollen und auf Steuererhöhungen.[90] Als nach dem Fall des Eisernen Vorhangs im Jahr 1989 – und verstärkt ab dem Jahr 1990 – Hun-derttausende sowjetischer Einwanderer nach Israel strömten, schienen die wirtschaft-lichen Probleme des Landes unüberwindbar. Abermals wurden 1990 Steuererhöhungen beschlossen, ferner weitere Maßnahmen wie Lohnkürzungen, die Liberalisierung der Einfuhren, reduzierte Staatsbeteiligung an Unternehmen und am Kapitalmarkt sowie im Jahr 1991 die völlige Abschaffung staatlicher Lebensmittelsubventionen. All diese Maßnahmen konnten jedoch nicht verhindern, dass es in den ersten Jahren 1991/92 zu einer drastischen Zuspitzung der Wirtschaftskrise gekommen war.[91]

Grob skizziert ergibt sich folgendes Bild über die Entwicklung der Israelischen Wirtschaft bis 1989, ihrer Etappen und der Rolle des Staates in der Ausgestaltung der Wirtschaft: Der israelische Staat war zunächst der wichtigste Impulsgeber für die ökonomische Entwicklung des Landes gewesen. In der vorstaatlichen Zeit und auch während der Staatsbildung haben die politischen Institutionen der zionistischen Be-wegung die Mobilisierung des Kapitals übernommen, das sich überwiegend aus Spenden der Juden aus aller Welt zusammensetzte. Die Privatwirtschaft war in ihrem Maßstab zu klein, um über hinreichend politischen Einfluss verfügen zu können, was die Ausgestaltung der Wirtschaftspolitik betraf; diese wurde deshalb von den kollektiv-istischen Institutionen der zionistischen Bewegung dominiert. Großen wirtschaftspoli-tischen Einfluss hatte die 1920 gegründete Histadrut, die größte Gewerkschaft des Landes, die sich schon in der vorstaatlichen Zeit zum „eigentlichen Zentrum politischer Macht im Jischuw[92][93] entwickelt hatte. Die Histadrut war weit mehr als eine Gewerk-schaft, die Arbeitnehmer vertrat. Sie übte nicht nur gewerkschaftliche Funktionen aus, sondern betrieb eine eigene Krankenkasse, Altenheime, gründete Banken und zahlreiche Unternehmen.[94]

Die Staatsgründung im Jahr 1948 versetzte den Staat als „Erbe“ der zionis-tischen Institutionen in eine dominante Position, was die Wirtschaftspolitik anging. Die Dominanz des Staates über verschiedene Wirtschaftssektoren ist darauf zurückzuführen, dass der Staat die großen Einwanderungswellen und deren Eingliederung und Versorgung mit Arbeit, ferner die Verteidigung und die Bewaffnung des Landes „steuerte“ und die Infrastruktur des Landes aufzubauen hatte. Zudem verwaltete er die Finanzhilfen, Darlehen und Spenden der Juden aus aller Welt, die zum Aufbau des Landes bereitstanden. Aus dieser starken strategischen Position heraus ist es nicht ver-wunderlich, dass der Staat über die Parteipolitik die Wirtschaftspolitik des Landes ent-scheidend gestalten konnte. Die Parteipolitik war die entscheidende Variable für die Ausgestaltung des israelischen Wirtschaftssystems bzw. der Wirtschaftspolitik. Das Ergebnis war:

„a highly politicized and closely regulated economy with partially competing blocs of public, private, and Histadrut capital. Both the state and the Labor Party that dominated it had the capacity to steer business interests and civil society rather than be steered by them. In economic terms the dominance of the state translated into high levels of government expenditure and employment relative to the economy’s level of development, extensive state control of savings, invesment and foreign currency, and modest public ownership, alongside a high degree of public subsidy of private and Histadrut-owned business. Overall, the position of the state can be compared to other developmental states with a centralized economy. Through differential customs duties and other barriers to curtail imports the government protected local produce and import substitutes and encouraged export, Israel followed other newly industrializing countries in establishing a highly protective trade regime.”[95]

Der Prozess der ökonomischen Liberalisierung, der ab 1977 mit der Wahl des Likud begann, verhieß eine Wende in der bisherigen Wirtschaftspolitik. Fortan war ein Rück-zug des Staates aus dem Wirtschaftsgeschehen als Ziel anvisiert, ferner „a larger role for markets in economic management, namely, privatization, government expenditure reduction, tax cuts, and deregulation“.[96] Bis Ende der 1980er Jahre hatte sich trotz aller Bemühungen des Likud um eine neue Wirtschaftspolitik und mehr Liberalisierung am israelischen Wirtschaftssystem wenig geändert. Die Wirtschaft stagnierte, und der Staat spielte nach wie vor eine zentrale Rolle im israelischen Wirtschaftsleben. Trotz radikaler Versuche um Liberalisierung wurde die israelische Wirtschaftspolitik von vier Faktoren geprägt:

„1. High levels of government expenditure and employment (biased by commitments to defense and immigrant absorption), relative to the economy’s level of development. 2. Extensive state control of savings, investment, and foreign currency. 3. Modest public ownership alongside a high degree of public subsidy of private and Histadrut-owned business. 4. Corporatist delegation of state functions to the Histadrut, with the state trading subsidies for policy cooperation and legitimation”.[97]

Das Wirtschaftsstabilisierungsprogramm von 1985 brachte die Hyperinflation unter Kontrolle, jedoch ist die strukturelle Veränderung, die dieser Stabilisierungsplan nach sich zog, von weitaus größerer Bedeutung: Es war „the contemporary liberalizing shift in Israel’s political-economic regime“[98].

„The most compelling interpretation of the stabilization plan is (...) to regain autonomy by strengthening market discipline. The plan and the structural reforms temporarily hidden in its shadow constituted a frontal attack on mechanisms that had previously protected societal interests, directly or indirectly at the expense of the state: devaluations, protectionism, wage indexation, unlinked public lending, and diffuse investment incentives”.[99]

3. Die Große Russische Aliyah – Beginn der Liberalisierung des israelischen Wirtschaftsystems?

3.1. Sowjetische Masseneinwanderung ab 1989: Israel vor dem ökonomischen Kollaps

Mitten im Prozess der ökonomischen Transformation wurde Israel von einer massiven Einwandererwelle sowjetischer Juden erfasst. Allein zwischen 1989 und 1998 wan-derten 800 000 sowjetische Juden aus der ehemaligen UdSSR ein.[100] Auf das Ausmaß der Einwanderung war weder die Regierung, noch die Bevölkerung vorbereitet: „The massive immigration which started in the end of 1988 caught Israel by a „surprise“.[101] Ab Ende Dezember 1990 gab die Jewish Agency eine Vorhersage heraus, dass täglich bis zu 1500 Einwanderer einreisen würden, eine Zahl, die in den vergangenen Jahren ein Monatspensum an Einwanderern darstellte. Dieser Wert wurde schnell in den Schat-ten gestellt, als Ende Dezember an nur einem Wochenende tatsächlich mehr als 7000 russisch-jüdische[102] Einwanderer kamen. Die Jerusalem Post bezeichnete diesen Vor-gang wie folgt: „this exodus (is) unprecedented in its dimensions in Jewish history“.[103] Der Vorsitzende der Jewish Agency, Simcha Dinitz, verkündete, Israel sei in seiner Ge-schichte niemals besser für die Aufnahme der Einwanderer gewappnet gewesen als jetzt.[104] Die darauf folgenden Monate zeigten allerdings ein anderes Bild. Die Zahl der Einwanderer schwoll permanent an, die Aufnahmezentren waren nicht nur überfordert, sie konnten ihre Arbeit der schieren Masse an Einwanderern wegen fast nicht mehr fort-setzen.[105] Israel stand vor immensen Herausforderungen, die niemand vorhersehen konnte und die das wirtschaftliche und soziale System Israels einer gewaltigen Belas-tungsprobe unterzog:

[...]


[1] vgl. Altrichter, Helmut, Kleine Geschichte der Sowjetunion, München 2007, S. 191.

[2] Bradenstein, Eli, Russische Einwanderer: Perestroika im Land der Sabras, http://israel.nahost-politik.-

/israel-nachrichten/news/perestroika.htm, 2006.

[3] vgl. Glöckner, Olaf, Russische Juden in Israel, http://www1.bpb.de/themen/QP1NM5,0,0,Russische_Juden_in_Israel.html, 2008.

[4] vgl. ebd.

[5] vgl. Cohen-Goldner, Sarit, Macroeconomic and Labor Market Impact of Russian Immigration in Israel,

www.hiebs.hku.hk/working_paper_updates/pdf/WP1014.pdf, 2000, S. 8.

[6] vgl. Dachs, Gisela/Thumann, Michael, Israels russische Revolution, in: ZEIT Online, 06.5.1999.

[7] ebd.

[8] Aliyah (Alija) bezeichnete originär den Aufstieg der frommen Juden zum Tempel in Jerusalem. Später erlebte der Begriff eine Bedeutungsverschiebung. Heute wird Aliyah als Rückkehr in die "altneue" Heimat der Juden verstanden, die seit dem 19. Jahrhundert in großen Einwanderungswellen erfolgte. Vgl. Tworuschka, Monika/Tworuschka, Udo, Die Welt der Religionen, München 2006.

[9] vgl. Hofmann, Sabine, Wirtschaft Israels, www.bpb.de/internationales/israel/45097/waft?p=all, 2008.

[10] vgl. Ben-Porat, Guy, Political Economy: Liberalization and Globalisazion, in: Israel since 1980, World since 1980, hrsg. von: Cambridge University Press, Cambridge 2008, S. 97.

[11] vgl. Münch, Peter, Das israelische Wunder, in: Süddeutsche.de , www.sz.de/w-isr/905, 21.03.2010.

[12] ebd.

[13] vgl. Hilloo, Vardina, Israels Wirtschaftsboom, in: German Israeli Economy Online News, www.isra-

focus.com/index.php?option=com_content&view=article&id=132, 2010.

[14] Vgl. Ahorni, Yair, The Israeli Economy. Dreams and Realities. London 1991, S. 56.

[15] Meissner, Hans Günther, Wirtschaft Israels. Aufbau - Struktur - Entwicklung, in: Außenhandel und Weltwirtschaft - Schriften der Bundesstelle für Außenhandelsinformation, hrsg. von: Prof. Dr. Karlrobert Ringel, Heft 7, Köln 1962, S. 15.

[16] gemeint sind zionistische Juden, überzeugte Sozialisten die der ersten (1882) und der zweiten (1904) Einwanderungswelle.

[17] Ruf, Werner, Das zionistische Projekt, www.friedenfuerpalaestina.org/grundlagen/zionismus.htm, 2005.

[18] vgl. ebd., S. 16.

[19] vgl. Bein, Alex, Die Judenfrage: Biographie eines Weltproblems, Stuttgart 1980, S. 291.

[20] vgl. Kloke, Martin, Die Entwicklung des Zionismus bis zur Staatsgründung Israels, www.ieg-ego.eu/de/threads/transnationale-bewegungen-und-organisationen/internationale-organisationen-und-kongresse/martin-kloke-die-entwicklung-des-zionismus-bis-zur-staatsgruendung-israels-1914-1948, 2010.

[21] vgl. ebd.

[22] vgl. ebd.

[23] Palmon, Jaakow Erwin, Israel sucht den Weg in die Zukunft. Wirtschafts- und Gesellschaftsprobleme des Staates der Juden, in: Schriftenreihe der Niedersächsischen Landeszentrale für Politische Bildung, Probleme des Judentums - 5 , hrsg. von: Niedersächsische Landeszentrale für Politische Bildung, Leer 1966, S. 40.

[24] Hofmann 2008.

[25] ebd.

[26] vgl. Rosenzweig, Rafael N., The economic consequences of Zionism, Leiden 1989, S. 26.

[27] Palmon 1966, S. 41.

[28] vgl. Shinnar, F. E., Entwicklung und Stand der Wirtschaft Israels, Bonn 1958, S. 5.

[29] ebd.

[30] vgl. Meissner 1962, S. 18.

[31] Seit Ausbruch des Zweiten Weltkrieges und insbesondere in der Nachkriegszeit (1945 -1948) erlebte Palästina große wirtschaftliche Erschütterungen bedingt unter anderem durch Kriegswirtschaft. Die Briten hinterließen nach der Staatsgründung Israels eine unentwickelte und chaotische Wirtschaft mit stark inflationistischen Erscheinungen. Diese Wirtschaft bot keine Perspektive für eine Weiterentwicklung. Shinnar 1958, S. 6.

[32] vgl. Aharoni 1991, S. 72ff.

[33] Palmon 1966, S. 41.

[34] vgl. ebd., S. 5.

[35] ebd., S. 6f.

[36] vgl. Wolffsohn, Michael/Bokovoy, Douglas, Israel. Geschichte, Politik, Gesellschaft, Wirtschaft. 5. A., Opladen 1996, S. 408.

[37] Zwischen 1948 und 1952 kamen über 600.000 jüdische Immigranten nach Israel. Vgl. Schneider, Jan, Fokus Migration: Israel, http://neu.hwwi.de/typo3_upload/groups/3/ focus_Migration_Publikationen/ Laenderprofile/LP_13_Israel.pdf, 2008.

[38] vgl. Aharoni 1991, S. 71f.

[39] vgl. Abed, George T., Israel in the Orbit of America: The Political Economy of a Dependency Relationship, in: Journal of Palestine Studies, hrsg. von: University of California Press, Band 16, Nr. 1, Berkeley 1986, S. 38.

[40] Palmon 1966, S. 9.

[41] vlg. Hofmann 2008.

[42] vgl. Münch, Thomas, Wiederherstellung Israels und der Völker im Licht der jüdisch-biblischen Prophetie, Norderstedt 2008, S. 75f.

[43] vgl. Palmon 1966, S. 10.

[44] vgl. ebd.

[45] Shinnar 1958, S. 7.

[46] vgl. Gross, Nachum T., Israeli Economic Policies, 1948–1951: Problems of Evaluation, in: The Journal of Economic History, hrsg. von: Cambridge University Press, Band 50, Nr. 1, Cambridge 1990, S. 68f.

[47] vgl. Wolfsohn/Bokovoy 1996, S. 408.

[48] Mit der “Neuen Wirtschaftspolitik” wurde die Liberalisierung der “israelischen Außenhandelspolitik, man könnte sagen der Wirtschaftspolitik ganz allgemein, fast ohne Unterbrechung“ vorangetrieben. „Die Likudregierung versuchte vergeblich von 1977 bis 1979 die Liberalisierung zu beschleunigen, rückte aber spätestens 1981 unter Finanzminister Aridor grundsätzlich von ihr ab“. Ebd.

[49] vgl. Hofmann 2008.

[50] Während der Staatsgründung lebten etwa 650000 Juden Israel, in den ersten drei Jahren danach wanderten 688000 weitere Juden aus Europa ein. Vgl. Kaplan, Jonathan, The Jewish Agency for Israel. The Mass Migration of the 1950s, www.jafi.org/JewishAgency/English/Jewish+Education/Compelling +Content/Eye+on+Israel/Society/4)+The+Mass+Migration+of+the+1950s, 2013.

[51] vgl. Palmon 1966, S. 18.

[52] ebd.

[53] Meissner 1962, S. 35.

[54] vgl. Palmon 1966, S. 23.

[55] Meissner 1962, S. 18.

[56] Shinnar 1958, S. 10.

[57] vgl. Palmon 1966, S. 25.

[58] vgl. ebd., S. 26.

[59] vgl. Meissner 1962, S. 38.

[60] Palmon 1966, S. 26.

[61] ebd.

[62] Um die Industrialisierung in diesen Entwicklungsgebieten voranzutreiben, versuchten Vertreter der Regierung zusammen mit dem Industrieminister Investoren aus dem Ausland anzuwerben. Investoren wurden mit folgenden Vergünstigungen angelockt: „Die Regierung übernahm es, für die Erschließung des Geländes, für Straßenbau, für Wasser- und Stromanschluss und für die Errichtung der Fabrikgebäude auf eigene Kosten zu sorgen. Dann wurden für die eigentliche Investition bis zu 70% der erforderlichen Summen Kredite aus dem Entwicklungsbudget gewährt. Schließlich wurde vom Arbeitsministerium ein Anlernzuschuss gewährt.“ Palmon 1966, S. 27.

[63] vgl. ebd., S. 29.

[64] vgl. Wolffsohn/Bokovoy 1996, S. 408f.

[65] vgl. Hofmann 2008.

[66] vgl. Shalev 2010, S. 125f.

[67] vgl. Hofmann 2008.

[68] vgl. Wolffsohn, Michael, Ungeliebter Markt: Staat und Wirtschaft in Israel. Köln 1987, S. 112.

[69] vgl. Meshel, Yerucham, Israels Gewerkschaften im Kampf gegen die Wirtschaftspolitik der Regierung Begin, www.textverzeichnisse.ch/Portals/7/Gewerkschaften%20Israel. %201979-06-01.pdf, 1979, S. 181.

[70] vgl. Wolffsohn 1987, S. 112.

[71] vgl. Shalev 2010, S. 124.

[72] vgl. Preuss, Teddy, Mit Witzen gegen steigende Preise. Israels Finanzminister kämpft gegen eine Geldentwertungsrate von hundert Prozent, in: DIE ZEIT, 21.12.1979.

[73] Zur Erklärung des Begriffs: „The term liberalization is typically applied to reforms of countries’ trade policies (removing barriers to imports and ending preferential treatment of exports) and their foreign currency regimes (eliminating restrictions on inward and outward flows of foreign currency and letting exchange rates float more freely). From broader perspective, the principal goal of liberalizing economic reforms in Israel and elsewhere has been state contraction, a fundamental alteration of the division of labor between markets and the state by means that include privatization, expenditure, and tax cuts, sectoral “deregulation,” etc. To the extent that this aim is achieved, the state’s ownership, regulatory, and distributional roles are diminished in favor of the market ans the private sector". Shalev 2010, S. 127f.

[74] Die galoppierende Inflation lässt sich anhand zweier Faktoren erklären: erstens das Staatsbudget (1978 mit einem Defizit von 1900 Millionen Dollar) mit Ausgaben, die das Bruttosozialprodukt überschritten; und zweitens der ungehinderte Kapitalimport als Folge der Reformvorhaben. „Die israelischen Unternehmer haben nämlich schnell bemerkt, dass importierte Kredite billiger sind als Darlehen der heimischen Institute, die zu vierzig Prozent verzinst werden müssen. Schulden im Ausland zu machen, lohnte sich“ (…) „daher strömten im Jahr 1978 600 Millionen US-Dollar aus dem Ausland hinein. Unliebsame Folge: Die in Israel-Pfund umgewechselten Devisen trieben das lokale Preisniveau weiter in die Höhe“. Preuss 1979.

[75] ebd.

[76] vgl. Wolffsohn 1987, S. 112.

[77] Die Inflationsrate beträgt im Jahr 1979 einhundert Prozent. Preuss 1979.

[78] vgl. ebd.

[79] vgl. ebd.

[80] vgl. ebd.

[81] vgl. Wolffsohn 1987, S. 114.

[82] ebd.

[83] vgl. Wolffsohn/Bokovoy 1996, S. 413.

[84] vgl. Deutsch-Israelische Industrie- und Handelskammer, www.israel.ahk.de/israel/2352wirtschaft, 2013; Wolffsohn/Bokovoy 1996, S. 413.

[85] Wolffsohn 1987, S. 116.

[86] Deutsch-Israelische Industrie- und Handelskammer 2013.

[87] Wolffsohn 1987, S. 116.

[88] vgl. Betz, Daniela, Ölzweig und Gewehr, Marburg 2003, S. 144.

[89] Erst im Jahr 1998 haben die Importzölle mit acht bis zwölf Prozent das Zollniveau entwickelter Industriestaaten erreicht. Vgl. Deutsch-Israelische Industrie- und Handelskammer 2013.

[90] vgl. Wolffsohn/Bokovoy 1996, S. 414.

[91] vgl. ebd.

[92] Mit Jischuw wird diejüdischeBevölkerung inPalästinavor derStaatsgründung Israels bezeichnet. Vgl. Weinzierl, Erika/Kulka, Otto, Vertreibung und Neubeginn, Wien 1992, S. 341.

[93] Wolffsohn/Bokovoy 1996, S. 351.

[94] Maschke, Manuela, Die israelische Arbeiterorganisation Histadrut. Vom Staat im Staate zur unabhängigen Gewerkschaft, Frankfurt a. M. 2003, S. 11.

[95] Ben-Porat 2008, S. 93f.

[96] ebd.

[97] Shalev, Michael, Have globalization and liberalization “normalized” Israel's political economy?, in: Israel Affairs, hrsg. von: Institute of Government Studies University of California at Berkeley; Center for Middle Eastern Studies Association of Israel Studies, Volume 5, Issue 2-3, Berkeley 1998, S. 124f.

[98] ebd., S. 126.

[99] ebd.

[100] vgl. Geva-May, Iris/Dean, James W., Absorption of Immigrants to Israel, in: Journal of Policy Analysis and Management, hrsg. von: Wiley on behalf of Association for Public Policy Analysis and Management, Band 17, Nr. 4, Washington D.C. 1998, S. 698.

[101] Shafir, Israel, The effects of the immigration of Soviet Jews to Israel on Israel's economy and human resources, www.archive.org/stream/effectsofimmigra00shaf#page/n9/mode/2up, 1993, S. 70.

[102] Ich werde an dieser Stelle oft von russisch-jüdischen oder einfach nur russischen Einwanderern sprechen. Der Präzision halber sind damit die sowjetischen Juden gemeint.

[103] Reich, Bernard/Dropkin, Noah/Wurmser, Meyrav, The Impact of Soviet Jewish Immigration on Israeli Politics and Policy, www.dtic.mil/dtic/tr/fulltext/u2/a248185. pdf, 1991, S. 2.

[104] vgl. ebd., S. 5.

[105] vgl. Feldman, Jacob, Economic Liberalization Under Russian Mass Immigration: Shifting from State-Centrist Zionist Policies to a Post-Zionist State, papers.ssrn.com/sol3/papers.cfm?abstract_id=1832945, 2011, S. 7.

Ende der Leseprobe aus 99 Seiten

Details

Titel
Israel. Liberalisierung des ökonomischen Systems, Motor des High-Tech-Booms
Untertitel
Auswirkungen der Russischen Aliyah der 1990er Jahre auf die Wirtschaft Israels
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Note
1.0
Autor
Jahr
2014
Seiten
99
Katalognummer
V273908
ISBN (eBook)
9783656657712
ISBN (Buch)
9783656657675
Dateigröße
849 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Liberalisierung des ökonomischen Systems Israels, Israel Liberalisierung, Israel Wirtschaft, Israel Russsische Einwanderer, Motor des israelischen High-Tech-Booms, High-Tech-Boom Israel, Russische Aliyah der 1990er in Israel, Russischen Aliyah der 1990 Wirtschaftswachstum, Wirtschaft Russen Israel, Russsische Einwanderer Israel
Arbeit zitieren
Maxim Kimerling (Autor), 2014, Israel. Liberalisierung des ökonomischen Systems, Motor des High-Tech-Booms, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/273908

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