Lippensynchronität in Musikvideos in Abhängigkeit von Geschwindigkeitsvariationen


Studienarbeit, 2012

28 Seiten, Note: 90%


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Zeitlupe
2.1 Voraussetzungen und Bedingungen
2.1.1 Höhere Framerates
2.1.2 Sprechgeschwindigkeit
2.1.3 Audioanpassung an die gew ä hlte Framerate
2.2 Vor- und Nachteile
2.3 Effekte und Wirkung

3. Zeitraffer
3.1 Voraussetzungen und Bedingungen
3.1.1 Niedrigere Framerates
3.1.2 Audioanpassung an die gew ä hlte Framerate
3.2 Vor- und Nachteile
3.3 Effekte und Wirkung

4. Freeform
4.1 Voraussetzungen und Bedingungen
4.2 Vor- und Nachteile

5. Rückwärts
5.1 Voraussetzungen und Bedingungen
5.2 Effekte und Wirkung

6. Synchronisierung in der Postproduktion
6.1 Umwandlung auf die Zielframerate
6.2 Hilfsmittel zur Synchronisierung

7. Fazit

8. Endnoten

1. Einleitung

In zahlreichen Musikvideos lässt sich das Phänomen der Geschwindigkeitsvariati- on erst feststellen, wenn man auch wirklich darauf achtet. Die Regisseure nutzen dabei oft dezente Zeitlupen, die nicht auffallen, sondern einer Szene bloß mehr visuelle Ästhetik verschaffen sollen. Andere Musikvideos scheinen hingegen expli- zit darauf abzuzielen, mit dem Effekt einer starken Zeitlupe, eines starken Zeitraf- fers oder eines Rückwärtslaufens der Zeit in Szenen mit Lippensychronität beim Zuschauer eine bestimmte Frage aufzuwerfen: „Wow Wie machen die das?“.

Generell sind Geschwindigkeitsvariationen in Video und Film mittlerweile schon lange keine Effekte mehr, die großes Erstaunen hervorrufen, da sie schon von An- beginn der Filmgeschichte verwendet wurden. In Kombination mit der Lippensyn- chronität der Künstler in Musikvideos bringt das den ein oder anderen Zuschauer jedoch durch die Erkenntnis zum Staunen, dass mehr dahinter stecken könnte als bloß einfache Kameraeinstellungen. Auch als Unkundiger weiß man grob darüber Bescheid, was heutzutage filmtechnisch möglich ist oder wie viel CGI in den meis- ten Hollywoodfilmen steckt und stellt sich dann zurecht die Frage, wie das wohl gemacht wurde.

Und genau da setzt diese Facharbeit an. Ich möchte, aufgeteilt in die verschiedenen Arten von Geschwindigkeitsvariationen, erläutern, welche Voraussetzungen getroffen werden müssen, welche Probleme dabei aufgeworfen werden können, welches technische Grundwissen dafür von Nöten ist und inwiefern sich die erzielten Effekte auf den Zuschauer auswirken.

Dabei werde ich lediglich auf Videos eingehen, in denen die Lippenbewegungen zusammen mit dem Rest aufgenommen wurden und nicht auf die, wo Material mit verschiedenen Geschwindigkeiten zusammengesetzt wurde, wie etwa im Video zu „Stranger in Moscow“ von 1996, in dem Michael Jackson in Echtzeit vor einem Blue-/Greenscreen aufgenommen und mit Zeitlupenaufnahmen von verschiedenen Hintergründen kombiniert wurde.

2. Zeitlupe

2.1 Voraussetzungen und Bedingungen

2.1.1 Höhere Framerates

„Artists also sometimes move their lips at a faster speed from the track, to create videos with a slow-motion effect in the final clip, which is widely considered to be complex to achieve.“1

Diese beschriebene Komplexität mag zwar nicht zu leugnen sein, ist jedoch von den unterschiedlichsten Faktoren abhängig.

Um zu erreichen, dass die gefilmten Elemente im Musikvideo langsamer als in Echtzeit ablaufen, kann man die Länge eines Clips in nahezu jedem professionel- len Editingprogramm zwar einfach auf eine bestimmte Zeitdauer oder einen be- stimmten Prozentwert ausdehnen, jedoch kann es dabei sehr aufwändig werden, ansehnliche Ergebnisse zu erzielen, wenn man nicht vorher in einer höheren Framerate, d.h. mit einer höheren Anzahl Bilder pro Sekunde als der Zielframerate des Videos aufgezeichnet hat.

Ansonsten müssen nämlich neue Zwischenframes vom Programm generiert wer- den, was je nach Verschlusszeit der Kamera und Geschwindigkeit der sich von Frame zu Frame verändernden Elemente zu mehr oder weniger starken Artefak- ten im Bild führen kann. Im einfachsten Fall werden regelmäßig einzelne Frames wiederholt oder es wird ein neues Frame erstellt, indem zwei aufeinanderfolgende Frames mit jeweils halber Deckkraft übereinander gelegt werden. Komplexere Plug-Ins gehen hingegen so weit, dass aus den aufeinanderfolgenden Frames al- lein die sich unterscheidenden Pixel miteinander verrechnet werden und somit ein relativ realitätsnahes Zwischenbild ohne Ruckler oder Überblendungen entsteht. Jedoch können auch in diesem Fall starke Artefakte bei schnellen Bewegungen auftreten.

Daher ist es allgemein empfehlenswert, eine Kamera zu verwenden, die mehr als die üblichen 24, 25 oder 30 Vollbilder aufzeichnen kann. Hochgeschwindigkeits- kameras bzw. -kamerasysteme, die mehrere Hunderttausend oder sogar mehrere Millionen2 Frames pro Sekunde aufnehmen, können zwar erstaunliche Aufnahmen von Ereignissen liefern, die mit dem menschlichen Auge bei Weitem nicht erfass- bar sind, sind jedoch für Musikvideos mit lippensynchroner Performance in den Zeitlupenszenen uninteressant, da sie meist nur wenige Mikro- bis Millisekunden aufzeichnen können und viele performende Künstler ohnehin schon bei Ge- schwindigkeitsraten von ca. 300% (mehr dazu in 2.1.2) an ihre Grenzen stoßen, da sie es schließlich schaffen müssen, den Text des Songs in einer höheren Ge- schwindigkeit als gewohnt mitzusingen, damit beim späteren Verlangsamen der Aufnahmen mit höherer Framerate auf die Zielframerate die Lippensynchronität erhalten bleibt.

Dabei verhält sich die Erhöhung der Framerate proportional zu der Geschwindigkeitserhöhung des Songs, der während der Aufnahme als Playback zur Orientierung abgespielt wird.

Demnach fallen Framerates über ca. 100 fps in den meisten Fällen aus dem für dieses Thema relevanten Bereich.

2.1.2 Sprechgeschwindigkeit

Zwei Faktoren sind maßgeblich für eine Beschränkung der Sprechgeschwindigkeit verantwortlich. Zum einen ist es das Gehirn, das beim normalen Reden nur bis zu 5 Silben pro Sekunde bereitstellt, bei geübten Sprechern bis zu 9, da dann abge- speicherte Redewendungen und Satzkombinationen schneller aufgegriffen werden können und beim Lesen sogar bis zu 12, weil die Verzögerung durch das Suchen nach und Bilden von Worten dabei komplett entfällt. Zum anderen liegt diese Be- schränkung am Aufbau der Muskelfasern in der Zunge. Dort existieren zwei Arten von Fasern. Rote Fasern, die aufgrund ihrer Struktur langsam aber ausdauernd sind und weiße Fasern, die schneller aber dafür weniger ausdauernd sind.3 Ab- hängig von der Verteilung dieser beiden Faserarten bestimmt sich die individuelle Eignung bzw. Nicht-Eignung, um besonders viele Silben pro Sekunde artikulieren zu können.

Der spanische Rapper Chojin hält seit dem 23.12.2008 den Guinness Weltrekord als Schnellster Rap MC mit durchschnittlich 15,35 Silben pro Sekunde.4 Entscheidend für die Vorbereitungen auf eine Szene mit Lippensynchronität und Zeitlupe ist dabei zwar nicht die durchschnittliche Sprech- bzw Gesangsgeschwindigkeit, sondern die Höchstgeschwindigkeit.

Beispiel: Hodgy Beats, Domo Genesis & Tyler The Creator - Rella5

Kurz vor der Bridge von Hodgy Beats, bei ca. 01:53, beginnt im Video eine Sequenz mit Zeitlupenszenen mit Lippensynchronität. Dabei lässt sich ein Höchstwert an Silben pro Sekunde von ca. 4,66 feststellen: Die Passage „point me to a nigger I should prove it to“ wird im Originalton innerhalb eines Zeitraums von 2,36 Sekunden gerappt. Bei einer Gesamtzahl von 11 Silben ergibt das eine Geschwindigkeit von ca. 4,66 Silben pro Sekunde.

Wenn man bedenkt, dass der Weltrekord bei 15,35 Silben pro Sekunde liegt, lässt sich somit von einer maximalen Erhöhung der Songgeschwindigkeit und somit von einer maximalen Erhöhung der Framerate von 329% ausgehen. Das entspricht dann einer Framerate von ca. 78 fps bei einer Zielrate von 24 fps, 82 fps bei 25 fps oder 98 fps bei 30 fps.

2.1.3 Audioanpassung an die gewählte Framerate

Grundsätzlich ist es im Bezug zum Thema empfehlenswert, mit Kameras zu arbei- ten, die variable Framerateeinstellungen bieten, um die Möglichkeiten zu haben, auch auf sehr präzise Vorstellungen des Regisseurs einzugehen oder dem Künst- ler vor dem Dreh verschiedene beschleunigte Versionen des Songs zu senden, damit er sich auch auf die ungewohnten Drehbedingungen einstimmen und gege- benenfalls eine Rückmeldung geben kann, bis zu welcher Beschleunigung er mit der Audiospur mithalten kann.

Die von der für den Dreh gewählten Framerate abhängige Anpassung der Songgeschwindigkeit ergibt sich aus folgender Formel:

Ausgewählte Framerate / Zielframerate * 100 = Geschwindigkeitsrate

Die meisten professionellen Audiobearbeitungsprogramme verfügen über Funktio- nen, mit denen man einen Song oder einen Teil des Songs leicht um diese prozentuale Geschwindigkeitsrate beschleunigen kann. Bei manchen Programmen lässt sich nicht die Geschwindigkeit anpassen, sondern stattdessen die Dauer bzw . die Dehnung der Zeit. In diesem Falle, muss man mit dem prozentualen Kehrwert der Geschwindigkeitsrate arbeiten.

Beispiel:

Bei einer Geschwindigkeitsrate von 175% (z.b. Ausgewählte Framerate 42 fps, Zielframerate 24 fps) geht man von einem Wert von 175/100 aus. Der Kehrwert beträgt dann 100/175, was gerundet 0,571 ergibt. Mit diesem Kehrwert der Geschwindigkeitsrate ließe sich dann die passende Dehnung berechnen.

In folgender Tabelle wird deutlich, dass sich bei vielen Frameratekonstellationen Änderungswerte ergeben, die in der Audiobearbeitung auf- oder abgerundet werden müssen, was bei längeren Einstellungen zu sichtbaren Synchronitätsabweichungen führen kann. Generell sind längere Einstellungen aber nicht zu empfehlen, da sie auch eine höhere Konzentration vom Künstler erfordern, der dann längere Textpassagen fehlerfrei mitsingen muss, weswegen somit auch nur mit geringeren Audiogeschwindigkeiten gearbeitet werden kann.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

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Ende der Leseprobe aus 28 Seiten

Details

Titel
Lippensynchronität in Musikvideos in Abhängigkeit von Geschwindigkeitsvariationen
Hochschule
SAE Institute Köln
Note
90%
Autor
Jahr
2012
Seiten
28
Katalognummer
V274014
ISBN (eBook)
9783656664314
ISBN (Buch)
9783656664413
Dateigröße
574 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Film, Musikvideo, Lippensynchronität, Zeitlupe, Zeitraffer, Slowmotion, Timelapse, Musik Video, Video
Arbeit zitieren
Marc Wildschütz (Autor), 2012, Lippensynchronität in Musikvideos in Abhängigkeit von Geschwindigkeitsvariationen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/274014

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