Vergleichende Mythologie bei Freidrich Max Müller


Hausarbeit, 2012

18 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung 3

2. Friedrich Max Müller

3. Vergleichende Mythologie
3.1. Definition: Müllers Konzept der Mythologie
3.2. These: Mythologie als Krankheit der Sprache
3.3. Beispiel: Der philologische Vergleich

4. Kritik und Rezeption
4.1. Die Anfänge der Vergleichenden Religionswissenschaft
4.2. Andrew Lang
4.3. Wirkung zu Lebzeiten
4.4. Zeitgenössische Kritik
4.5. Seminarkontext

5. Schlussbetrachtungen

6. Literaturverzeichnis

1.Einleitung

Friedrich Max Müller ist vielen Personen, die sich mit Religionsgeschichte befassen, wegen seinerEinteilung der Sprach- und Religionsfamilien, seiner Beschäftigung mit Indien oder der 50-bändigen Reihe „Sacred Books ofthe East“, vor allem aber als Begründer der Religionswissenschaft, ein Begriff. In dieser Hausarbeit möchte ich mich jedoch nicht mit diesen Aspekten seiner Forschung beschäftigen, sondern eine weniger bekannte Theorie thematisieren. Ich werde auf Müllers Beitrag zur Vergleichenden Mythologie eingehen und mich dabei insbesondere auf seine kontroverse Beschreibung der Mythologie als Krankheit der Sprache und das damit zusammenhängende Konzept der Wortstämme konzentrieren. Dabei werde ich herausarbeiten, wie Müller komparatistische Methoden einsetzte, um seine Theorie zu entwickeln.

Zu Beginn der Arbeit werde ich auf die wesentlichen biographischen Daten aus Müllers Leben und seine bekanntesten Werke eingehen, um den Leser mit seiner Person vertraut zu machen. Darauffolgend werde ich Müllers Konzept der Vergleichenden Mythologieumreißen und auf seine wichtigsten Forschungsergebnisse auf diesem Gebiet hinweisen. Anschließend werde ich zu Müllers Theorie der Mythologie als Krankheit der Sprache, dem Kern meiner Hausarbeit, übergehen und anhand verschiedener wissenschaftlicher Quellen einige zentrale Aspekte dieses Konzeptes aufzeigen.Dabei werde ich mich vor allem an Max MüllersWerken zum Thema Vergleichende Mythologie orientieren. Die Darstellung dieser Forschungsarbeit werde ich durch zahlreiche andere wissenschaftliche Beiträge und Informationen aus der Sekundärliteratur ergänzen, um einen differenzierten Überblick über das Thema zu geben. Hierwerde ich vor allem auf das Werk „Friedrich Max Müller: A Life DevotedtotheHumanities“ von Lourens P. van den BoschBezug nehmen, da es meiner Meinung nach besonders interessant und aufschlussreich ist.Zudem werde ich mein eigenes Wissen aus der Vorlesung und dem Proseminar zur religionswissenschaftlichen Komparatistik einbringen. In „Kritik und Rezeption“ werde ich Müllers Vergleichende Mythologie aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachten, damit sich der Leser ein umfassendes Bild von der These machen kann. Zur Abrundung der Arbeit werde ich ein kurzes Fazit anführen.

2. Friedrich Max Müller

Friedrich Max Müller kam am 6. Dezember 1823 in Dessau zur Welt. Er ging von 1836 bis 1841 in Leipzig zur Schule und studierte nach seinem Abschluss Philologie an der Universität Leipzig, wo er im September 1843 seine Doktorarbeit schrieb. In Leipzig gab es zu dieser Zeit bereits einen Lehrstuhl für Indologie, wodurch Müllers Interesse für Indien geweckt wurde. Das Indienbild der deutschen Gelehrten dieser Zeit war von der Romantik geprägt und Müller entwickelte aus diesem Grund selbst eine romantische Begeisterung für Indien.Ab 1844 lebte Müller in Berlin und erweiterte dort seine Kenntnisse über die indogermanische Philologie und die Literatur des Orients.Er zog im folgenden Jahr nach Paris um, wo es bis 1846 lebte. Anschließend verbrachte er zwei Jahre in London und ging schließlich im Mai 1848 nach Oxford, wo er zunächst an der Universität Oxford als Professor für Moderne Europäische Sprachen tätig war. Am 3. August 1859 heiratet er die Engländerin Georgina GrenfallofMaidenhead und bekam mit ihr zwei Töchter. 1868 wurde er Professor für die eigens für ihn eingerichtete Vergleichende Mythologie und Vergleichende Philologie. Er beschäftigte sich in Oxford vor allem mit der sanskritischen Sprache und setzte sich für die Etablierung komparatistischer Disziplinen ein. Sein Fokus lag hierbei auf der Vergleichenden Mythologie, Philologie und Religionswissenschaft. Obwohl er selbst nie in Indien war, begeisterte er sich sein Leben lang für das Land und besonders für das indische Altertum. Müller starb nach einer schweren Erkrankung, am 28. Oktober 1900, in Oxford.[1]

Seine bekanntesten Werke sind der 1856 erschienene „Essay über Vergleichende Mythologie“, die sechsbändige Rigveda -Übersetzung, an der er 25 Jahre lang arbeitete, und seine „Einführung in die Religionswissenschaft“, die 1873 publiziert wurde. Zudem war er der Begründer und Herausgeber der Reihe „Sacred Books ofthe East“.Es handelt sich dabei um die Übersetzungzentralerheiliger, orientalischer Schriften in die englische Sprache. Müller arbeitete von 1875 bis zu seinem Tod an diesem monumentalen Werk. Außerdem wurden vieleseiner Vorlesungen in gedruckter Form publiziert, wie beispielsweise die „Vorlesungen über Sprachwissenschaft“die „Vorlesungen über Religionswissenschaft“, die Hibbert- und Giffordvorlesungen,sowie seineVorträge über Indien mit dem Titel „India – What Can itTeachUs?“.[2] Diese Vorlesungen wurden größtenteils durch Gelder finanziert, die vermögende Personen den Universitäten nach ihrem Tod zukommen ließen, und förderten das Interesse des breiten Publikums an der Religionswissenschaft.[3]

3. Vergleichende Mythologie

Friedrich W. Schellings Publikation „Philosophie der Mythologie“ war der Auslöser für Müllers intensive Beschäftigung mit der Mythologie. Schelling betrachtete Mythologie als besondere Denkform. Seine Überlegungen beruhten Müller jedoch zu sehr auf unkritischen Vermutungen. Aus diesem Grund fasste er den Entschluss, ein Werk über seine eigene Auffassung von Mythologie zu verfassen und die Etymologie als zentrale, interpretative Methode zu postulieren.[4]

3.1. Definition: Müllers Konzept der Mythologie

Nachdem Müller sich eingehend mit dem Thema Mythologie befasst hatte, veröffentlichte er 1856 seine erste Arbeit darüber, deren Titel „Essay über Vergleichende Mythologie“ lautet. Diese Studie war bahnbrechend und begründete die Vergleichende Mythologie in England.[5] Er beschrieb die Mythologie in dem „Essay über Vergleichende Mythologie“folgendermaßen:

Mythology, though chiefly concerned with nature, and here again mostly with those manifestations which bear the character of law, order, power, and wisdom impressed on them, was applicable to all things. Nothing is excluded from mythological expression; neither morals nor philosophy, neither history nor religion, have escaped the spell of that ancient sibyl. But mythology is neither philosophy, nor history, nor religion, nor ethics. It is, if we may use a scholastic expression, a quale, not a quid – something formal, not something substantial, and, like poetry, sculpture, and painting, applicable to nearly all that the ancient world could admire or adore.[6]

Nach diesem Essay veröffentlichte Müller noch weitere wissenschaftliche Beiträge über die Vergleichende Mythologie, beispielsweise das 1897 erschienenezweibändige Werk „Contributionstothe Science ofMythology“.[7]

Müller Konzept der Mythologie ist sehr umfangreich und komplex. Ich möchte in dieser Arbeit nicht im Detail darauf eingehen, da es nicht der eigentliche Kern meiner Hausarbeit ist und eine ausführliche Darstellung für meine Hausarbeit nicht relevant ist. Ich möchte lediglich die wesentlichen Merkmale des Konzeptes kurz zusammenfassen.

Allgemein kann festgehalten werden, dass Mythologie für Müller primär ein Komplex mündlich und schriftlich überlieferter heiliger Geschichten war. Er betrachteteMythologie zudem als ein natürliches und unumgängliches Phänomen, das die Machtausübung der Sprache über das Denken darstellte, wobei Sprache als Ausdruck des Denkens zu betrachten war. Außerdem stand sie auf formaler Ebene mit Metaphern in Verbindung. Mythologie war für ihn eine Denkweise, die einem frühen Stadium des menschlichen Denkens entsprach.Müllers evolutionistischer Ansicht zufolge, fanden in dieser Frühzeit das Hervortreten und die Verbreitung zahlreicher Mythen statt.[8] Mythen entstanden „zu einer Zeit, als die Menschen zwar denken konnten, aber noch kein großes Abstraktionsvermögen besaßen.“[9] Siewaren einVersuch, „Naturphänomene zu erklären, und diese Erklärungsversuche stellen umgekehrt auch die zentrale Aussage des Mythos dar.“[10] Die Entstehung der Mythen war laut Müller darauf zurückzuführen, dass es in den Sprachen der Antike kaum abstrakte Substantive und kein Neutrum gab. Die Menschen bezeichneten aus diesem Grund abstrakte Konzepte oder Dinge als Personen.[11]

[...]


[1] Vgl. Chaudhuri, Nirad Chandra: Friedrich Max Müller: Ein Außergewöhnliches Gelehrtenleben im 19. Jahrhundert, Heidelberg: Draupadi, 2008, S.391 (im Folgenden: Chaudhuri: Friedrich Max Müller). und Klimkeit, Hans-Joachim: „Friedrich Max Müller (1823-1900)“, in: Axel Michaels (Hrsg.): Klassiker der Religionswissenschaft: Von Friedrich Schleiermacher bis Mircea Eliade, München: Beck, 22004, S.29-32 (im Folgenden: Klimkeit: „Friedrich Max Müller“).

[2] Vgl. Chaudhuri: Friedrich Max Müller, S.389-390. und Vgl. Klimkeit: „Friedrich Max Müller“, S.31-32.

[3] Vgl. Kippenberg, Hans Gerhard und Stuckrad, Kocku von: Einführung in die Religionswissenschaft: Gegenstände und Begriffe, München: Beck, 2003, S.16 (im Folgenden: Kippenberg: Einführung in die Religionswissenschaft).

[4] Vgl. Bosch, Lourens Peter van den: Friedrich Max Müller: A Life Devoted to the Humanities, (Numen Book Series, Studies in the History of Religions; 94), Leiden u.a.: Brill, 2002, S.62 (imFolgenden: Bosch: Friedrich Max Müller).

[5] Vgl. Ebd., S.62.

[6] Müller, Friedrich Max: Comparative Mythology: An Essay, New York: Arno Press, 1977, S.178 (imFolgenden: Müller: Comparative Mythology).

[7] Vgl. Macdonell, Arthur Anthony: „Friedrich Max Muller: Born 6th December 1823, Died 28th October 1900”, in: Man 1, 1901, S.20 (imFolgenden: Macdonell: „Friedrich Max Muller”).

[8] Vgl. Bosch: Friedrich Max Müller, S.258-261.

[9] Mader, Elke: Anthropologie der Mythen, Wien: Facultas WUV, 2008, S.32.

[10] Ebd., S.33.

[11] Vgl. Segal, Robert Alan, Mythos: Eine Kleine Einführung, Stuttgart: Reclam, 2007, S.33 (im Folgenden: Segal: Mythos).

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Vergleichende Mythologie bei Freidrich Max Müller
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
Note
1,3
Autor
Jahr
2012
Seiten
18
Katalognummer
V275763
ISBN (eBook)
9783656689348
ISBN (Buch)
9783656689300
Dateigröße
381 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Vergleichende Mythologie, Philologie, Vergleichende Religionswissenschaft
Arbeit zitieren
Véronique Becker (Autor), 2012, Vergleichende Mythologie bei Freidrich Max Müller, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/275763

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