Wirtschaftlicher Strukturwandel und die Rolle der Außenwirtschaft in Malaysia, 1957 - 1997

Volkswirtschaftliche Länderanalyse


Hausarbeit (Hauptseminar), 2014
23 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Historische, soziale und ökonomische Voraussetzungen
2.1 Briten in Malaysia
2.2 Ende der Kolonialzeit und die Unabhängigkeit 1957

3. Wirtschaftlicher Strukturwandel
3.1 Wandel nach der Unabhängigkeit
3.2 Umbruch 1970
3.3 Neue Wirtschaftskonzepte nach 1970
3.4 Wirtschaftskrise 1985
3.5 Industrialisierungsprozess bis 1997

4. Außenwirtschaft und wirtschaftlicher Strukturwandel
4.1 Die Industrialisierung der ostasiatischen NICs
4.2 Der Industrialisierungsprozess in Malaysia

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

1957 erlangte Malaysia seine Unabhängigkeit von Großbritannien und doch hat das koloniale Erbe die Entwicklung des Landes, bis an den Status einer Industrienation heute, maßgeblich beeinflusst. Von einer im Wesentlichen nur zwei Rohstoffe exportierenden Kolonie, hat sich Malaysia in 40 Jahren zu einer den Weltmarkt mit Industriegütern befriedigenden Nation gewandelt. Dabei musste das Land sowohl auf starke äußere Einflüsse reagieren, als auch tiefgreifende innere Probleme lösen.

Der schnelle wirtschaftliche Strukturwandel in Malaysia hing stark von den sozialen und politischen Begebenheiten ab, deren Grundlagen durch die Kolonialisierung der Briten gelegt wurden und wirtschaftspolitische Entscheidungen bis heute beeinflussen. Der erste Teil dieser Ausarbeitung befasst sich deshalb mit der Schaffung der sozialen und ökonomischen Voraussetzungen durch die Briten und ist eine wichtige Verständnisgrundlage.

Anschließend wird der wirtschaftliche Strukturwandel von der Unabhängigkeit bis zur Asienkrise 1997 chronologisch analysiert. Dabei sollen sowohl historische als auch soziale Umstände behandelt werden, um die von der Regierung getroffenen strukturpolitischen Maßnahmen zu verstehen.

Bei der Industrialisierung der Wirtschaft verfolgte Malaysia eine Politik die sowohl stark export-orientiert war, als auch protektionistische Phasen aufwies. Damit orientierte sich das Land an der Vorgehensweise anderer ostasiatischer Länder, allen voran Japan. Die hier beschriebene Politik und eine Analyse wie sie in Malaysia Anwendung fand, sollen Bestandteil des dritten Teils dieser Ausarbeitung werden.

2. Historische, soziale und ökonomische Voraussetzungen

2.1 Briten in Malaysia

Das Gebiet des heutigen Malaysia wurde bereits im frühen 16. Jahrhundert von Europäern beeinflusst. Zunächst begründeten die Seefahrernationen Holland und Portugal hier ihren territorialen Einfluss. Die Briten beschränkten ihr Engagement zunächst auf Indien und weiteten ihren Einfluss erst im späten 18. Jahrhundert aus. Erst mit der voranschreitenden Industrialisierung insbesondere in Großbritannien (GB) und dem gestiegenen Bedarf an Rohstoffen und festen Absatzmärkten intensivierten die Briten ihren Einfluss durch die Kolonialisierung der malaysischen Sultanate um 1870 (Vgl. Schwinghammer 1997: 48f).

Einerseits verfolgten die Briten den Freihandel im Sinne ihres Nationalökonomen Adam Smith. Doch um eine zuverlässige Rohstoffversorgung (insb. Zinn) zu gewährleisten und einen Absatzmarkt für ihre Fertigwaren zu halten, nahmen sie auch politischen Einfluss. Dieser zeichnete sich durch indirekte Einflussnahme aus. So gab ein britischer Gesandter in den Sultanaten politische und wirtschaftliche Anweisungen, sodass die britische Verwaltung zwar überregional wirkte aber nicht bis auf die Dorfebene vordrang und die lokalen Autoritätsstrukturen somit unangetastet blieben (Vgl. Schwinghammer 1997: 49f).

Um 1900 waren die einzelnen Staaten zu den Federated Malay States (FMS) zusammengefasst und entsprachen in etwa dem heutigen malaysischen Territorium. Folglich wurden die Auswirkungen der britischen Kolonialherrschaft deutlich. Neben einem wirtschaftlichen Dualismus war auch ein regionaler Dualismus entstanden. Ersterer war gekennzeichnet durch großflächige Plantagen und kapitalintensive Produktion von Exportprodukten wie Zinn und Kautschuk einerseits und regionale kleinbäuerliche Landwirtschaft im Reisanbau andererseits. Der regionale Dualismus zeigte sich durch die Ansiedlung der modernen und kapitalintensiveren Produktion an der Westküste, von der die Nord- und Oststaaten unberührt blieben (Vgl. Schwinghammer 1997: 50f).

Insgesamt war die Kolonialzeit geprägt von einem starken Bevölkerungswachstum. Allein zwischen 1891 und 1901 wuchs die Bevölkerung um ein Viertel (Lim 1977: 28f). Begünstigt wurde es durch die allgemein stabilere politische Situation und den Rückgang der Sterblichkeitsrate. Viel stärker jedoch durch die Land- und Beschäftigungspolitik der Briten. Um die Produktion in den FMS zu erhöhen, unterstützten sie die Einwanderung indischer und chinesischer Arbeitskräfte. Diese Entwicklung zeigt sich noch heute in der ethnischen Zusammensetzung Malaysias und ist Ursache für jahrzehntelange Ungleichheiten und die spätere Wirtschaftspolitik. 1947 war das Pro-Kopf-Einkommen der Chinesen 2,5mal und das der Inder fast doppelt so hoch wie das der Malaien (Vgl. Jomo 1990: 1ff; Schwinghammer 51ff).

Die britische Kolonialregierung reagierte auf das Ungleichgewicht mit sogenannten Special Rights für die Malaien, die sie in Bildung, Staatsdienst und bei Lizenzvergaben bevorzugten. Diese Maßnahmen griffen nur begrenzt, doch reichten sie aus, um den sozialen Frieden zwischen den Ethnien zu wahren. Die gute englische Ausbildung der in der kolonialen Verwaltung tätigen Malaien und die Entstehung Chinesischer und Indischer Schulen, verhalf jeder Ethnie zu einer sehr gut ausgebildeten Elite. Ihrer Kooperation und wahrscheinlich auch ihrer gegenseitigen Verstrickung ist es zu verdanken, dass Malaysia auf einem relativ gesitteten Verhandlungsweg seine Unabhängigkeit erlangte (Vgl. Jomo 1990: 6; Schwinghammer 1997: 54f).

Der intensive koloniale Handel brachte den FMS die beste Infrastruktur der britischen Kolonien. Zum Erliegen kam der Handel im 2. Weltkrieg während der Besetzung durch Japan 1941. Entgegen der britischen Kolonialpolitik verfolgten die Japaner eine stärkere innenpolitische Einmischung und provozierten damit einen erbitterten Widerstand. Nach der Rückkehr der Briten setzte sich dieser auf politischer Ebene, vor allem durch die Forderungen der ersten politischen Partei Malaysias, der Communist Party of Malaysia (CPM), in einem 8-Punkte-Plan fort (Vgl. Jomo 1990: 5f).

2.2 Ende der Kolonialzeit und die Unabhängigkeit 1957

Die Jahre des Wiederaufbaus nach dem 2. Weltkrieg und das Streben nach Unabhängigkeit haben die Entwicklung Malaysias in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts maßgeblich beeinflusst.

Nach der Rückkehr der Briten hatte der Wiederaufbau des zivilen Lebens und die Versorgung mit Primärprodukten Priorität. Koordiniert wurde er von der British Military Administration (BMA), die vor der Herausforderung stand, die Interessen der verschiedenen Ethnien, der Produzenten und der Briten zu verbinden. Beeinträchtigt wurde die Situation vor allem durch GB, das nach dem Krieg in Europa die Einnahmen aus dem Rohstoffhandel in ihrer profitabelsten Kolonie für sich beanspruchten. So mussten die FMS bis 1949 fast vollständig auf Kapitaleinfuhren verzichten und waren auf die indirekten Steuern der stark schwankenden Importe und Exporte angewiesen (Vgl. Drabble 2000: 154ff).

Abbildung 1 vermittelt einen Eindruck vom Außenhandel zu dieser Zeit. Besonders interessant erscheint zudem ein Blick auf die Wirtschaftssektoren Ende der 1940er Jahre. Die Hälfte des Bruttoinlandsprodukts Malaysias kam aus dem Primärsektor, während nur 6% aus dem Sekundärsektor und wiederrum 44% aus dem Tertiär- und Servicesektor kamen (Vgl. Drabble 2000: 157f).

Abb. 1: Wert des Außenhandels Malaysias in Mio. US-Dollar, 1947-63

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(Quelle: Drabble, J., H., (2000): An Economic History Of Malaysia, c. 1800 – 1990 – The Transition To Modern Economic Growth, S. 157, Macmillan, Hampshire)

Die Zeit nach der Rückkehr der Briten war vor allem geprägt durch die Frage nach der Unabhängigkeit der malaysischen Territorien. Doch dieser Schritt setzte stabile soziale, politische und wirtschaftliche Gegebenheiten voraus, von denen das Land noch weit entfernt war. Um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen und die Briten zu vertreiben wurde die CMP zusehends militant und versuchte mit Guerillataktik die Übergangsregierung zu schwächen. Zu Gute kam dieser der Koreakrieg ab 1950, der die Nachfrage und den Preis von Kautschuk und Zinn enorm steigen ließ (siehe Abb. 1: Exporte 1951). Die Einnahmen ermöglichten es, effektiver gegen den Widerstand vorzugehen und das Land zu stabilisieren (Vgl. Jomo 1990: 7f).

Um die radikalen Nationalisten im Land zu verdrängen, die Kolonialgegner zu besänftigen und gleichzeitig den Einfluss auf das Land aufrecht zu erhalten, unterstützen die Briten die Gründung der (UMNO), eine Repräsentanz der malaysischen Elite. Wenig später wurde ebenfalls die Gründung der Malayan Chinese Association (MCA) und des Malayan Indian Congress (MIC) unterstützt, die sich 1952 mit der UMNO zu einer Allianz zusammenschlossen (Vgl. Jomo 1900: 7).

Die bisher genannte Entwicklung bezog sich vor allem auf Peninsular Malaya (malaysische Halbinsel). In den Gebieten im Norden der Insel Borneo sah die Situation gänzlich anders aus. Wenngleich die Region Sarawak im Nordwesten der Insel weiterentwickelt war. Das britische Kolonialbüro sah die Entwicklung politischer und sozialer Organisationen sowie die wirtschaftlichen Standards auf dem Niveau von 1881. Da das Kolonialbüro die politischen Parteien im Land noch nicht als stark genug ansah, erließ es eigenmächtig Gesetze für die Borneo Region und schuf damit die Grundlage für einen umfangreichen Aufbauplan, der bis 1955 52 Millionen US-Dollar auszahlte und das Fundament für eine Industrialisierung legte, wie sie in den 20er und 30er Jahren in Malaya begann (Vgl. Drabble 2000: 153 / 59).

Mit der Umsetzung der ersten beiden Entwicklungspläne der 1950er Jahre wurde eine lange Tradition in der wirtschaftspolitischen Steuerung des Landes begonnen. Die hohen Einnahmen aus dem Koreakrieg begünstigten den Aufbau einer besseren Infrastruktur, weiterer Landerschießung für den Agrarsektor und eines Bildungswesens. Summa summarum konnten so 123% der Ziele der ersten beiden Pläne erfüllt werden. Zurückzuführen sind die Erfolge unter anderem auf eine verbesserte Gesundheitsversorgung und einen stark gewachsenen Staatsapparat und die Bürokratie im Land, die beinahe eine einengende Dimension erreichte. Allein zwischen 1948 und 1959 wuchs er um das Dreifache (Vgl. Drabble 2000: 162-5).

Ein großes Problem zu Beginn der 1950er war noch immer die ungleiche Einkommensverteilung zwischen den ethnischen Gruppen in den malaysischen Teilregionen, was jedoch zunächst nichts an der wirtschaftlichen Stärke der Föderation änderte. 1950 lag das Pro-Kopf-BIP bei $1828 (gemessen an 1885 int. Dollar) und war somit das höchste in Asien. Zurückzuführen ist diese auf das hohe Exportlevel und die relativ geringe Bevölkerungszahl, bei gleichzeitig hohen Rohstoffpreisen. Die Kehrseite zeigte sich in der Handelsbilanz. Ein Preisverfall auf den Rohstoffmärkten wirkten unmittelbar restriktiv in der Kapitalversorgung, schmälerten somit die Nachfrage und folglich die Importe. Das exportorientierte Land war somit ein Spielball des weltweiten Rohstoffmarktes (Vgl. Drabble 2000: 160f).

Aufgrund der außenwirtschaftlichen Verflechtung des Landes und den damit verbundenen Schwankungen war eine konsistente Ausgabenpolitik der Übergangsregierung nicht möglich. Die Folge war eine steigende Staatsverschuldung. Zu diesem Ergebnis kam 1955 auch eine Studie der IBRD (heute Weltbank), die ein Programm auferlegte und der Föderation langfristige Investitions-möglichkeiten in Aussicht stellte. (Vgl. Drabble 2000: 161f)

1954-55 fanden offizielle Wahlen statt, bei denen die Allianz aus UMNO, MCA und MIC in der Euphorie der Unabhängigkeitsbewegung 81,7% der Stimmen erlangte. In der Übergangsphase bis zur Unabhängigkeit 1957 beschloss die Allianz einen moderaten Nationalismus, mit dem Ziel ausländisches Kapital ins Land zu holen. Qualifizierten Nicht-Malaien wurde die Staatsbürgerschaft angeboten, wirtschaftliche Freiheiten eingeräumt und dem Privatsektor eine starke Laissez-faire Politik gewährt. Mit etwas mehr als 6 Millionen Einwohnern von denen 49,8% Bumiputra (Urbevölkerung Malaysias), 37,2% Chinesen und 13% Andere (hauptsächlich Inder) waren, wurde das Land mit einer pluralen Gesellschaft in die Unabhängigkeit entlassen. (Vgl. Drabble 2000: 152/165; Schwinghammer 1997: 52/75)

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Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Wirtschaftlicher Strukturwandel und die Rolle der Außenwirtschaft in Malaysia, 1957 - 1997
Untertitel
Volkswirtschaftliche Länderanalyse
Hochschule
Hochschule Bremen
Note
1,0
Autor
Jahr
2014
Seiten
23
Katalognummer
V275918
ISBN (eBook)
9783656683537
ISBN (Buch)
9783656683674
Dateigröße
1050 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Malaysia, Länderanalyse, Volkswirtschaftliche, Kuala Lumpur, Adam Smith, Friedrich List, Flying Geese, Akamatsu, Gänseflugmuster, Schutzzoll, Malaya, GB, Industrialisierung, Kaname Akamatsu, NICs, Ausländische Direktinvestitionen, Association of Southeast Asian Nations, British Military Administration, Communist Party of Malaysia, Export Oriented Industrialization, Freihandelszone, Federated Malay States, General Agreement on Tariffs and Trade, Großbritannien, Heavy Industries Cooperation of Malaysia, Investment Act, Industrial Incentive Act, Industrial Master Plan, Import Substituting Industrialization, Kleine und mittlere Unternehmen, Malayan Chinese Association, Malayan Indian Congress, New Development Policy, New Economic Policy, Newly Industrialising Country, National Operation Council, Second Outline Perspective Plan, Privatization Masterplan, United Malay National Organisation, World Trade Organisation
Arbeit zitieren
Johannes Arndt (Autor), 2014, Wirtschaftlicher Strukturwandel und die Rolle der Außenwirtschaft in Malaysia, 1957 - 1997, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/275918

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