Einfluss von Computernutzung auf die soziale Entwicklung von Kindern im Vorschulalter


Hausarbeit, 2013

28 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Entwicklungspsychologische Grundlagen der emotionalen und sozialen Entwicklung von Kindern
2.1 Sozial - emotionale Entwicklung
2.2 Die Sozialkompetenz
2.3 Empathie und prosoziales Verhalten
2.4 Spielend lernen
2.4.1 Lernen am Modell (Bandura)
2.4.2 Die soziale Entwicklung aus Sicht der Hirnforschung

3. Medienpädagogik, Medienkompetenz und Medienbildung, Begriffsbestimmung und Theorien
3.1 Medienkompetenz nach Dieter Baacke
3.2 Medienkompetenz nach Heinz Moser
3.3 Was sind digitale Medien?

4. Mediennutzung/Computernutzung mit Kindergartenkindern
4.1 Mediennutzung aus Sicht von Gerd E. Schäfer
4.2 Mediennutzung aus der Sicht von Norbert Neuß
4.3 Medieneinsätze in Kindertagesstätten

5. Fazit/Hypothese

Literatur

Abbildungen

1. Einleitung

Heute wachsen Kinder mit einer enormen Vielfalt an neuen Medien auf. Diese technischen Geräte dominieren in der heutigen Alltagswelt und in vielen Familien. Die Kinder erleben in ihren ersten 6 Lebensjahren vorrangig den Medienalltag ihrer Eltern und Geschwister. Sie erfahren, dass bestimmte Medien den Alltag strukturieren und wichtige Rollen im Familienleben spielen. Kinder erleben zum Beispiel ihre Mutter beim Bügeln mit dem laufenden Fernseher als Beschäftigung, den Vater mit dem Tablet PC zur Entspannung auf der Couch oder den großen Bruder konzentriert beim Spielen am Computer. Neben dem Fernseher ist der Computer das wichtigste Medium.

In den Bildungsplänen unserer 16 Bundesländer wird der Bereich „Medien“ in sieben Ländern erwähnt, wenn auch in unterschiedlichen Ausführungen.

Auch in den Kindertagesstätten gibt es immer häufiger einen oder sogar mehrere Computer. Viele Erzieher(innen) beschäftigen sich mit dem Thema „neue Medien“ und deren Einsatz in der Kita. Es werden Computerprojekte in den Kitas angeboten oder im täglichen Gruppengeschehen mit einbezogen.

Medienpädagogen sehen die Medienkompetenz als einen wichtigen Teil der kommunikativen Kompetenz eines Menschen. In der heutigen digitalen Welt der „neuen Medien“, die auf Partizipation, Kommunikation und Selbstdarstellung ausgerichtet ist und in der eine one-to-many-Kommunikation (Ein Sender, viele Empfänger) nicht mehr nur Einzelnen vorbehalten ist, wie noch vor einigen Jahren, spielt die Sozialkompetenz als Teilbereich der Medienkompetenz eine immer wichtigere Rolle.

Es gibt aber auch Stimmen die vor den neuen Medien, insbesondere den Computer, warnen und den täglichen Gebrauch sogar als höchst gefährlich für die kindliche Entwicklung erachten. Da diese verschiedenen Ansichten in der pädagogischen Praxis immer wieder zur Diskussion stehen, stellt sich folgende Frage:

Welchen Einfluss hat die Computernutzung auf die soziale Entwicklung von Kindern im Vorschulalter? Um eine Hypothese als Antwort auf diese Frage zu erhalten wird im weiteren Verlauf der Arbeit insbesondere die soziale Entwicklung der Kinder betrachtet und Theorien des sozialen Lernens. Im zweiten Teil wird dann auf die Medienpädagogik und deren Theorien eingegangen. Zum Schluss ergibt sich daraus eine Zusammenfassung der Ergebnisse.

2. Entwicklungspsychologische Grundlagen der emotionalen und sozialen Entwicklung von Kindern

„Emotionen als Ich-Zustände, bestimmen wesentlich das Sein eines Menschen. Es sind psychische Kräfte, die sich auf das Verhalten und Erleben auswirken, den Menschen zufrieden oder ärgerlich, traurig oder glücklich, einsam oder gesellig, ihm andere Menschen sympathisch oder unsympathisch erscheinen lassen. […] In den ersten Lebensjahren erfährt das Kind mitunter mächtige, sowohl positive, als auch negative emotionale Eindrücke, die im zeitlebens im Gedächtnis, in der Erinnerung haften, ohne dass er sich deren als Erwachsener immer bewusst ist.“

(Blank-Mathieu, M., Gebhardt, W., Kocs, U., Metzinger, A., Rümmele, A., Stockert, D., Weßbecher-Wenz, M. (2001), S.139).

Bei der Interaktion mit den Bezugspersonen erfährt das Kind so genannte emotionale Lektionen noch lange bevor es sich sprachlich ausdrücken kann. Aus den gemachten Sinneseindrücken entsteht ein sensorisches Muster das auf die Gefühlswelt und das Verhalten Auswirkungen haben.

2.1 Sozial - emotionale Entwicklung

Eine Emotion ist beispielsweise die Freude. Wenn ein Mensch sich freut, fühlt er sich gut (Gefühl), z.B. weil er gelobt wurde (Anlass), das erlebte wird dann bewertet. Diese Bewertung zeigt sich dann z.B. in einem Kribbeln im Bauch (körperliche Reaktion) und einem Lächeln (Emotionsausdruck). (vgl. Friedlmeier, W., Holodynski, M. (1999). Die Emotionen wirken sich auf unser Leben aus, indem sie unseren Gefühlsausdruck steuern, die sozialen Interaktionen regulieren und unser Denken und Handeln beeinflussen. Aus diesem Grund ist es wichtig, die emotionale Entwicklung eines Kindes von Geburt an zu begleiten und das Kind bei seinen Schritten in der Entwicklung zu unterstützen. Man darf nicht vergessen, dass die emotionale Entwicklung eng mit der kognitiven, sozialen und sprachlichen Entwicklung eines Kindes zusammenhängt und daher ihr Einfluss auf diese nicht unterschätzt werden darf.

Die Leidenschaften (Emotionen) verglich bereits Platon ca. *428 – †347 v. Chr. (antiker griechischer Philosoph) mit wilden Pferden, die durch den Verstand gezügelt werden müssen.

Doch die immerwährenden Gegenpole von Denken und Fühlen (Gefühlen), Vernunft und Leidenschaft, von Kognition und Emotion führten zu einer Abwertung der Emotionen. Emotionen wurden als hinderlich, hemmend und blockierend angesehen.

Erst Friedrich Nietzsche *1844 – †1900 (Philosoph und klassischer Philologe) wertete Emotionen sehr auf und schrieb diesen sogar die Intelligenz zu. Diese damals neue Ansicht legte die Grundlage für die heutigen Erklärungen und Forschungen der Neurowissenschaften.

Daniel Goleman, ein amerikanischer Psychologe, der als Wissenschaftsjournalist bekannt wurde, entwickelte ein Modell der Emotionalen Intelligenz.

„Emotionale Intelligenz setzt seinen Schwerpunkt auf die Betrachtung der Gefühlswelt und versucht die Beziehung zwischen den Fähigkeiten Selbstwahrnehmung, Selbstbeherrschung, Empathie (Einfühlungsvermögen) und sozialer Kompetenz herauszustellen. […] Voraussetzung für soziale Kompetenz sind ein genügend hohes Maß an Selbstregulierung und Empathie, die als Fundament der Menschenkenntnis zu betrachten sind. Denn wer hier Defizite aufweist, wird weniger gut in der sozialen Umwelt zurechtkommen und immer wieder in Konfliktsituationen gelangen.“ (Hauer, C. (o.J.) www.berlinbrandenburg24.de).

Diese „emotionale Intelligenz“ ermöglicht einen Zugang zu den eigenen Gefühlen aber auch das Einfühlen in die Gefühlswelt Anderer, um diese in sozialen Interaktionen besser wahrnehmen und deuten zu können.

Das Kind beginnt schon vor der Geburt emotional zu Lernen. Dieses Lernen macht in den ersten sechs Lebensjahren die größten Fortschritte und setzt sich ein Leben lang fort. Zuerst lernt ein Kind den Emotionsausdruck. Das heißt, es muss erst lernen mit seiner Mimik und Gestik (später dann auch sprachlich) seine Emotionen auszudrücken. Dazu braucht es Vorbilder, die ihm zeigen wie man den Gefühlen Ausdruck verleihen kann. Mit dem Emotionsausdruck ist auch das Emotionsverständnis verknüpft. Schon Babys können z.B. an der Stimme erkennen ob die Mutter positiv oder negativ gestimmt ist. Emotionsregulation ist die nächste Stufe, bei der es darum geht mit den Eigenen und den Emotionen anderer angemessen umgehen zu können.

(vgl. Frech, V. (2008) www.kindergartenpaedagogik.de).

Ein Kind benötigt, insbesondere in den ersten Lebensjahren eine verlässliche, feste und vor allem eine liebevolle Beziehung zu einer konstanten Bezugsperson.

Dies ist die Voraussetzung für eine gesunde Entwicklung, sowohl physisch als auch physisch.

Eine sichere Bindung an eine oder auch mehrere Personen (Vater und Mutter) festigen im Kind das „Urvertrauen“. Dieses ist die Basis für eine positive Lebenseinstellung zu sich selbst und anderen Menschen gegenüber.

Wächst ein Kind mit harmonischen, intakten Bezugspersonengruppen auf und empfindet es sich dort erwünscht und anerkannt, so lernt es soziale Beziehungen zu pflegen und wertzuschätzen. Sozialkompetent wird das Kind künftig schwierige und krisenhafte Lebenssituationen besser meistern.

2.2 Die Sozialkompetenz

Für diesen Begriff gibt es viele Definitionen. In den Bildungsplänen der Bundesländer für die frühe Bildung in Kindertageseinrichtungen, wird die Sozialkompetenz unter den Punkten: soziale Beziehungen, soziale und kulturelle Umwelt, Emotionale Entwicklung und soziales Lernen, soziales Leben und soziale Bildung aufgeführt. Unter den aufgeführten Punkten werden grundlegende Kenntnisse und Fähigkeiten eines Kindes beschrieben, die es in den ersten sechs Lebensjahren benötigt um erfolgreich seinen weiteren Lebensweg beschreiten zu können. Die Kinder sollen in diesen Bereichen in der Kindertagesstätte gefördert werden.

Hier eine Definition aus der Wirtschaft, aus dem Buch „Soft Skills für Young Professionals“:

„Die Soziale Kompetenz ist die Fähigkeit, einfühlsam, fair und konstruktiv mit den Mitmenschen umzugehen. Dazu gehören die Fähigkeit zu Empathie, d.h. sich in andere hineinzuversetzen und einzufühlen, sowie das konstruktive Lösen von Konflikten. Zu sozialer Kompetenz gehört die Bereitschaft zu Kooperation mit Menschen, Rücksicht auf Ihre Umwelt und Mitmenschen zu nehmen sowie ehrlich und verlässlich gegenüber anderen aufzutreten und zu handeln. Entscheidend ist der emotional intelligente Umgang mit Gefühlen und Stimmungen […] [diese] wahrnehmen und auf sie eingehen zu können.“ ( Moritz, A., Rimbach, F. (2006) www.soft-skills.com).

An anderen Stellen bezieht sich soziale Kompetenz auf die direkte Kommunikation und Kooperation mit anderen, schließt aber gleichzeitig auch den Bereich der Telekommunikation und Telekooperation mit ein. Unter Voraussetzung der Teil-fertigkeiten, wie eine differenzierte soziale Wahrnehmung, eine komplexe soziale Urteilsfähigkeit und ein umfassendes Repertoire an sozialen Handlungs-weisen ist die soziale Kompetenz für ein zufriedenstellendes Zusammenleben erforderlich. (vgl. Jugert, G. (2001) S. 9).

Nur in einem stabilen sozial-emotionalen Umfeld können Kinder ihre Entwicklungs-aufgaben bewältigen. In den ersten Lebensjahren müssen Kinder Kompetenzen erwerben, die in sozialen Bezügen wichtig sind und die sie selbst-ständig und handlungsfähig machen.

(vgl. (Roux, S. (2013) www.kindergartenpaedagogik.de).

2.3 Empathie und prosoziales Verhalten

„Bereits das neugeborene Kind bringt die fundamentalen Voraussetzungen dafür mit: Es ist nämlich bereits auf sozialen Austausch ausgerichtet, es ist ein von Geburt an soziales und sozial-aktives Wesen (Schmidt-Denter 2005, S. 1) und wirkt selbst aktiv auf seine soziale Umwelt ein - zum Beispiel indem es den Kopf dreht, verstärkt saugt oder mit den Beinen tritt. Geht seine Mutter auf solche ersten sozialen Signale ein, antwortet das Kind schon bald mit Lächeln oder Gurrlauten. Interessanterweise scheinen Neugeborene soziale Stimuli besonders zu bevorzugen.“ (Roux, S. (2013) www.kindergartenpaedagogik.de).

Empathie als Fähigkeit, sich in die Gefühlswelt anderer hinein zu versetzen, etwa mitzuleiden oder sich mitzufreuen, erhöht auch die Hemmschwelle für aggressives Verhalten und begünstigt prosoziales Verhalten. Prosoziales Verhalten ist, „Ein Handeln, dem die Absicht zugrunde liegt, einem anderen Menschen etwas Gutes zu tun, [dies] wird als altruistisch, prosozial oder hilfreich bezeichnet.“ (Hartung, J. (2006), S. 166).

Intuitive Formen emphatischen Mitempfindens findet man bereits bei Babys, sie reagieren auf das Schreien anderer Babys mit Weinen. Wenn sie traurige Gesichter bei ihren Bezugspersonen sehen oder andere Signale von Unwohlsein erkennen, zeigen sie oft Unruhe oder beginnen zu weinen. Im zweiten Lebensjahr sind dann fürsorgliche Initiativen zu beobachten, wie streicheln, Tätscheln, oder Berühren der traurigen Person. Mit zwei Jahren versuchen Kinder dann aktiv Hilfe zu leisten.

Sie versuchen der traurigen Person Gegenstände zu bringen die diese schön finden könnte, versuchen andere Hilfe zu holen (Erwachsene), sie bekunden Sympathie ( z.B.: „oh du armer!“) oder sie verteidigen die leidende Person. Zwischen Kindern einer Altersstufe besteht bezüglich ihres prosozialen Verhaltens eine hohe Variabilität.

Die kognitive Fähigkeit sich in die Perspektive einer anderen Person hinein-zuversetzen, ihr Verhalten, Erleben und ihre Erwartungen wahrzunehmen, zu verstehen, ist in Ansätzen im zweiten Lebensjahr zu beobachten. Diese Fähigkeit führt nicht immer notwendig zu Kooperation und prosozialen Verhalten, sondern kann auch für rivalisierende Interaktionen oder Wettbewerbe untereinander genutzt werden.

Ob dieses intuitive Verhalten/Mitempfinden bleibt, sich weiterentwickelt, differenziert und später zu tatsächlichem Hilfehandlungen führt, hängt auch stark von der sicheren Bindung des Kindes zu seinen Bezugspersonen ab.

Der englische Kinderpsychiater und Psychoanalytiker John Bowlby begründete in den 1950er Jahren die Bindungstheorie. Der Begriff Bindung bezieht sich in Anlehnung an Bowlby auf das sozial-emotionale Beziehungssystem zwischen dem Kind und seinen frühen Bezugspersonen. Eine Bindung entwickelt sich zunächst in zahlreichen Interaktionen zwischen dem Kind und seiner Bezugsperson. Die Bindung kann von unterschiedlicher Intensität sein. Sicher gebundene Kinder erleben die Unterstützung und den Schutz, den die Beziehung bietet, als verlässlich und vorhersehbar. Empirische Studien weisen darauf hin, dass sicher gebundene Kinder im weiteren Verlauf ihrer Entwicklung über ein breites Spektrum kommunikativer Fähigkeiten, über ein positives, den eigenen Fähigkeiten angemessenes Selbstbild verfügen, Konfliktsituationen positiver wahrnehmen und weniger aggressives Verhalten zeigen. Die Weiterentwicklung des Mitgefühls wird gefördert durch ein einfühlsames, emotional zugewandtes Erzieherverhalten, die Vermittlung prozozialer Normen und die Sensibilisierung des Kindes für die Folgen seines Verhaltens. (vgl. Hartung, J. (2006), S. 161 ff).

2.4 Spielend lernen

Wenn man Kinder im Alter zwischen drei und sechs beobachtet, findet man sie oft hoch konzentriert in ein Spiel vertieft. Diese Fähigkeit, sich in ein Spiel, in einer Tätigkeit konzentriert zu verlieren, ist ein wesentlicher Aspekt erfolgreichen, frühkindlichen Lernens. Maria Montessori erklärte das Spielen sogar zum zentralen Aspekt des frühkindlichen Lernens. „Als »Polarisation der Aufmerksamkeit« und »absorbierenden Geist« hat sie ihn als eine spezifische Möglichkeit des Kindes herausgehoben, zu der Erwachsene (angeblich) keinen Zugang mehr hätten.“ (Schäfer, E., Gerd (Hrsg.) (2005) S. 24).

Das Spiel ist ein sehr allgemeiner Oberbegriff für eine Fülle von Tätigkeiten, die das Kinderleben durchziehen. Im Spiel eignen sich die Kinder ihre Welt an. Besonders bedeutsam ist das Spiel für die kognitive, emotionale und soziale Entwicklung. Frei von äußeren Zwängen und ohne bestimmtes Ziel bildet es einen eigenen Verhaltensbereich. „Der Spielbereich grenzt sich von anderen Verhaltensbereichen ab; man betritt ihn, wenn man sagt: „Ich spiele!“, man verlässt ihn, wenn man etwas anderes macht. […] Das Spiel hat einen Anfang und ein Ende.“ (Schäfer, E., Gerd (Hrsg.) (2005) S. 107).

Das Spiel der Kinder ist mit Vorstellungen aus der Wirklichkeit gefüllt. Sie spielen etwas was sie kennen und erlebt haben. Diese Wirklichkeit können sie aber auch im Spiel nach ihren Vorstellungen und Wünschen ändern. Weil ein Spiel keine Wirklichkeit ist, sondern eine Simulation dessen, also ein So-tun-als-ob, können sie mit ihren Wünschen die Wirklichkeit verändern und Neues entstehen lassen.

Das Spielen hat auch eine emotionale Bedeutung. Es steht die Möglichkeit im Vordergrund, im Spiel emotionale Beziehungen zu vergegenwärtigen, zu strukturieren und zu bewältigen.

Im Spiel können die Kinder sich erstens der Wirklichkeit hinwenden ohne ihr gleich realistisch gerecht werden zu müssen. Zweitens tragen sie ihre Wünsche in die Wirklichkeit und verändern sie danach. Drittens probieren sie die neu entstandenen Wirklichkeiten in der Simulation aus, stellen spielend fest, welche Konsequenzen aus ihren Veränderungen ergeben könnten. Das Spiel ist also das wichtigste Lernfeld in der frühen Kindheit. Kinder können nicht sinnlos spielen, sie verbinden immer einen Sinn im Spiel. „Im Spiel gebrauchen Kinder alle Formen körperlich-sinnlicher Erfahrung, szenischer oder bildhafter Vorstellungen, subjektiver Fantasien, sprachlichen oder nichtsprachlichen Denkens sowie des sozialen Austauschs und der Verständigung.“ (Schäfer, E., Gerd (Hrsg.) (2005) S. 115).

2.4.1 Lernen am Modell (Bandura)

Albert Bandura (geb. 1925), Professor an der Stanford Universität USA berücksichtigt im Gegensatz zu den traditionellen behavioristischen Theorien, Denk- und Wahrnehmungsprozesse in seinem wissenschaftlichen Ansatz.

„Behaviorismus ist die Theorie der Wissenschaft des menschlichen und tierischen Verhaltens. Das Gehirn wird dabei als “Black Box” angesehen, deren innere Prozesse nicht von Interesse sind. Verhalten wird als Ergebnis von verstärkenden und abschwächenden Faktoren aufgefasst.“

(Tahmina/Sebastian (o.J.) www.lernpsychologie.net).

Bandura sieht den kindlichen Lernprozess als aktives Nachahmen dessen, was es an anderen Menschen wahrnimmt und beobachtet.

Vornehmlich erweitern Kinder ihr Verhaltensrepertoire durch Sehen und Hören. Sie bemühen sich das beobachtete Verhalten zu reproduzieren. Durch Banduras Forschungsarbeiten konnte er nachweisen, dass Kinder nicht nur durch unmittelbare Verstärkung des gewünschten Verhaltens lernen, sondern dass auch indirekte Verstärkung Lernprozesse fördert. Demnach kann nicht angenommen werden, dass Kinder nicht gelernt hätten, wenn sie das neue Verhalten nicht unmittelbar zeigen. Es wird nochmals in Kompetenz und Performanz unterschieden. Das „Modell“ muss nicht ausschließlich von Personen leibhaftig gezeigt werden, um nachgeahmt zu werden. Gleiche Wirkung haben Medien wie Bilder, Film- und Fernsehszenen, Geschichten, Computerbilder, Comic Figuren etc. Dabei wird sowohl Einzel- als auch Gruppenverhalten gelernt. Besondere Bedeutung hat die soziale Interaktion der „Modellfiguren“ (z.B. Eltern, Gleichaltrige). Das Kind muss jedoch eine gewisse kognitive und emotionale Struktur haben und Begriffe kennen, um beispielsweise Wert- und Normvorstellungen die ein „Modell“ vermittelt erfassen zu können.

Das „Model“ muss folgende Kennzeichen aufweisen um wirksam zu werden:

- Häufig werden Modelle mit höherem Sozialstatus (in Relation zum Lernenden) imitiert (z.B. Mutter und Vater).
- Wenn das Modell viel Ähnlichkeit mit dem Lernenden hat, ist es wahr-scheinlicher dass dieses nachgeahmt wird (z.B. Gleichaltrige).
- Beobachtetes Verhalten, das von anderen belohnt oder geduldet wird, wird schneller übernommen.
- Kinder mit geringem Selbstvertrauen neigen häufiger dazu, ein Modellverhalten zu übernehmen (z.B. Ein Kind orientiert sich am Gruppen-clown, weil dieser Anerkennung erhält).

Kinder steuern ihr Lernen weitgehend selbst. Sie beobachten das Verhalten anderer Menschen und entwickeln so ihr eigenes Verhaltensrepertoire.

Dieses Beobachtungslernen ist aber keinesfalls schlichtes Kopieren von Verhaltensweisen. Ein Model beeinflusst die kindlichen Lernprozesse direkt oder indirekt. Welches Verhalten ein Kind letztlich entwickelt, hängt jedoch entscheidend von den ihm zu Verfügung stehenden Modellen ab.

2.4.2 Die soziale Entwicklung aus Sicht der Hirnforschung

Unser Gehirn ist ein soziales Gehirn. Den Menschen interessiert nichts so sehr wie andere Menschen und das von klein auf. Wir orientieren uns an anderen, Bezugspersonen/Freunde geben uns Sicherheit und die zwischenmenschlichen Beziehungen sind gut für körperliche und psychische Gesundheit.

Manfred Spitzer (ein deutscher Psychiater, Psychologe, Hirnforscher und Hochschullehrer, unter anderem Autor des Buchs "Digitale Demenz") beschreibt unser Gehirn als ein soziales Gehirn. Er ist einer der führenden Kritiker, wenn es um Mediennutzung im Kindesalter geht. Der viel publizierend Psychiater Spitzer hat z.B. schon 2005 in seinem Buch "Vorsicht Bildschirm" vor der krank machenden Wirkung des Fernsehens gewarnt.

In den genannten Büchern beschreibt er auch die Zusammenhänge von Gehirngröße und Gruppengröße. Das Leben in einer größeren Gruppe steigert die soziale Kompetenz und führt zu einer Größenzunahme der Gehirnregionen, die diese geistigen sozialen Funktionen leisten.

Dabei geht es um die Größe von bestimmten Bereichen der Gehirnrinde, des Neocortex.

[...]

Ende der Leseprobe aus 28 Seiten

Details

Titel
Einfluss von Computernutzung auf die soziale Entwicklung von Kindern im Vorschulalter
Hochschule
Hochschule Koblenz (ehem. FH Koblenz)
Veranstaltung
Pädagogik der frühen Kindheit
Autor
Jahr
2013
Seiten
28
Katalognummer
V276100
ISBN (eBook)
9783656691556
ISBN (Buch)
9783656692010
Dateigröße
555 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
einfluss, computernutzung, entwicklung, kindern, vorschulalter
Arbeit zitieren
Jessica Eichenauer (Autor), 2013, Einfluss von Computernutzung auf die soziale Entwicklung von Kindern im Vorschulalter, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/276100

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