Das „Iudicium Iovis“ des Paulus Niavis als Unterrichtslektüre in der neunten Klasse


Seminararbeit, 2011
49 Seiten, Note: 2,0

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Inhaltsverzeichnis:

Einleitung

Das Judicium lovis" des Paulus Niavis als Unterrichtslektüre in der neunten Klasse

1. Autor und literaturhistorischer Hintergrund

2. Eignung des Textes als Unterrichtslektüre in der neunten Klasse- Lerndidaktische Ziele und mögliche Textstellen

3. Stilistische und inhaltliche Analyse und Interpretation der gewählten Textstellen
1) Spezifika der Rede Merkurs
2) Spezifika der Rede des Menschen
3) Spezifika des Urteils der Fortuna

4. Mögliche Thematisierungen der kulturellen Vorstellungen
4.1. Auf den Text projizierbare Metainformationen
4.2. Dem Text entnehmbare Informationen und mögliche Erweiterungen
a) Wandel der Naturvorstellungen
b) Gründe für den Umweltschutz und Prinzipien des Umweltschutzes
c) Gründe und Folgen der Umweltzerstörung
d) Fachterminologie zum Bergbau

Fazit

Quellenverzeichnis

Anhang:

1) Informationsquellen zu Umweltschutz und Bergbau in Europa

2) Handout und Erwartungshorizont

3) Illustrationen

4) Text des ludicium lovis

Zur Lektüre im Rahmen des Themenblocks „Europa" bietet sich eine Erzählung aus dem Erzgebirge von 1492 an. Es ist eine Erzählung, deren lateinische Fassung noch nicht ediert worden ist. Gleichwohl ist sie von hoher Aktualität, weil sie Gründe für und gegen den Bergbau darstellt und dabei auf die Umweltzerstörung Bezug nimmt.

Das „ludicium lovis" des Paulus Niavis als Unterrichtslektüre in der neunten Klasse Autor und literaturhistorischer Hintergrund

Paul Schneevogel (um 1460 - nach 1514) war ein Schulrektor und Pronotar, der zweiundzwanzig Werke auf Neulatein - alle mit didaktischer Absicht - geschrieben hat.1 Eines davon war dem Zwickauer Pfarrer Stephan Gulden gewidmet. Es beschäftigte sich mit dem damals vieldiskutierten, wenn auch nicht gerade eben erst plötzlich aufgetretenen Thema des Bergbaus im Erzgebirge und der Richtigkeit seiner Ausführung. Denn im Erzgebirge wurde schon seit dem 12. Jahrhundert, auf deutschem Gebiet zumindest seit dem 10. Jahrhundert Bergbau betrieben.2 Doch der Aufschwung des Bergbaus im Erzgebirge, der zeitlich auch mit dem Verschwinden großer Teile der Wüstungen - der Aufgabe von Siedlungen -zusammenfiel,3 begann erst in den 1450er Jahren. 1471 wurde beim Schneeberg Silber gefunden - es wurde bis 1511 abgebaut.

Auf welche Vorbilder konnte sich Niavis bei der Verfassung stützen? Nicht auf wissenschaftliche Literatur zum Bergbau oder Darstellungen der Technik: Das „ludicium lovis" wurde noch vor vielen anderen Werken verfasst, die sich mit dem Bergbau auseinandersetzten, wovon eine große Zahl vom Erzgebirgsbergbau inspiriert wurde: Ulrich Rülein von Calw (ca. 1465-1523) hat ab etwa 1500 Druckschriften dazu auf Deutsch geschrieben, Georg Agricola 1556 ein Standardwerk zum Bergbau und Lazarus Ercker 1574 ein Buch über Metalle verfasst.4

Er thematisierte damit als einer der ersten, wohl sogar als Erster, den Bergbau auf deutschsprachigem Gebiet in literarischer Form. Aus der Antike sind allerdings mehrere kurze Textpassagen erhalten, die Aussagen zum (damaligen) Bergbau in Südeuropa machten:5 Die Erde als Hort von Metallen erwähnte Vergil, Lukrez und Plinius der Ältere.6 Haben Cicero, Statius Silvanus und Seneca das Eingreifen des Menschen in die Natur im Sinne einer Bemächtigung gutgeheißen,7 so meldeten Lukrez und Vitruv bereits Bedenken wegen der gesundheitlichen Schäden der Bergarbeiter an.8 Ovid und Plinius lassen erkennen, dass sie den Bergbau insgesamt ablehnen.9

Erwähnt sei, dass die indirekte Kritik an der exzessiven Umgestaltung der Natur unter Umständen die kirchlichen Autoritäten hätte reizen können, weil Niavis in unmittelbarer Nachbarschaft zum von der katholischen Kirche abtrünnig gewordenen Böhmen aufgewachsen war und sich mit der im Christentum verbreiteten „Providentia Lehre", die die Menschen zum alleinigen Vertrauen auf die Allmacht Gottes in Fragen der Natur verwies, anscheinend nicht zufrieden geben wollte.

Das kleine Libell beinhaltet mehrere Reden vor Gericht die von einer auktorial erzählten Rahmenhandlung flankiert werden. Niavis hätte die Reden unterschiedlich gestalten können:

1) Zum Einen gab es die Tradition des antiken Streitgedichtes,
2) zum Anderen die der antiken Gerichtsrede (genus iudicale) und der antiken politische Rede (genus deliberativum),
3) zum Dritten die scholarische Disputation,
4) zum Vierten die neue Form des Pamphlets (ars dictandi), die auf aktuelle Themen Bezug nahm.

Zu 1) Der Tradition des antiken Streitgedichtes entsprechend lässt er allegorische Figuren auftreten: Schon die Griechen bevorzugten Allegorien in Streitgesprächen: Im „Agon" und in der „Synkrisis“ wurden allegorische Figuren eingesetzt, um Gegensatzpaare wie Lob und Tadel oder Vor- und Nachteil zu vergleichen, um festzustellen, wer vor wem einen Vorrang habe.10 Allegorische Figuren treten auch in Fabeln auf, wie der äsopischen Fabel, die vom Streit zwischen Frühling und Winter berichtet.11 Die dialogische Struktur ist bereits bei Sokrates zum ersten Mal verwendet worden, und war für Fabeln, sermones und controversiae normal. Da allerdings wenige römische Streitgedichte, sogenannte comparationes, bekannt sind,12 - die, wenn sie von Stoikern geschrieben worden wären, dann allerdings wohl auch von allegorischen Figuren hätten strotzen müssen13 - hätte sich Niavis wohl auf die mittelalterliche Streitgedichts-Kultur verlassen müssen, und wie dort üblich, übernimmt er höchstens die Form, aber nicht den Inhalt antiker Streitgedichte.14 Zu 2) Eine Gerichtsrede wollte vor allem sachlogisch überzeugen (delectare/ conciliare), wohingegen eine politische Rede eher bewegen (movere/flectere/concitare) wollte. Sie war im genus sublime geschrieben, währenddessen das genus medium für eine politische Rede ausreichte. In dieser Hinsicht erinnert das „ludicium lovis" eher an eine politische als an eine Gerichtsrede.

Zu 3) Wie in einer scholastischen Disputation, die sich seit dem 13. Jahrhundert vor allem auch mit Thomas von Aquin entwickelt hatte, wird auch hier eine Quaestio diskutiert, ohne dass sie allerdings ausformuliert genannt würde.15 Zwar ist das Schema der Disputation von These - Einwand (Problem und In-Frage-Stellung) und Antwort (Auflösung des Einwandes) ist bei Niavis nicht eingehalten worden.16 Auch hatte eine universitäre Disputation die Wahrheitsfindung zum Ziel, nicht (nur) eine moralische Entscheidung. Dialektische Grundprinzipien könnte man allerding in der Urteilsbekanntgabe der Fortuna entdecken, was nicht verwunderlich ist, da die Dialektik neben Grammatik und Rhetorik zum Trivium gehörte und vom 11. Jahrhundert an an den Universitäten besonders bevorzugt behandelt wurde. Auch in der Schule gab es Übungen, in denen man über ein Thema disputierte und stritt.17

Zu 4) Wie ein Pamphlet behandelt es ein aktuelles Thema und will erfreuen (delectare) und bewegen (movere), ist aber nicht polemisch-satirisch.

Eignung des Textes als Unterrichtslektüre in der neunten Klasse- Lerndidaktische Ziele und mögliche Textstellen

Der Text eignet sich als Lektüre für das dritte Lernjahr.

- Denn sprachlich kann festgestellt werden, dass die die Sätze meist kurz sind (Parataxen), die Wörter aber nicht nach einem klaren Schema geordnet sind, so dass hier höchstwahrscheinlich Umstellungen nötig sein werden. Der Wortschatz ist schwierig, weil er ungewöhnliche Worte enthält, deren Bedeutung teilweise auch im Deutschen wenig geläufig sein dürfte.

- Inhaltlich kann man viele Bezüge zur Europa-Unterrichtseinheit herstellen.18 Auch könnte man mit der Thematik, die man mit der Diskussion über den Klimawandel, den Klagen über das Abholzen der Wälder und der Diskussion um Energielieferanten wie Atomkraftwerke nicht nur an den Geographie, sondern auch den Geschichts- und Sozialkundeunterricht anknüpfen.

Den ganzen Text des Judicium lovis"- vierzehn etwa 35-zeilige Seiten - zu lesen würde schon ohne Übersetzung etwa eineinhalb Stunden dauern, deshalb ist eine Auswahl nötig. Die Vorrede scheint kaum in den Unterricht sinnvoll einbringbar zu sein: Hier schreibt Niavis, dass die Geschichte ursprünglich nicht von ihm, sondern von einem jungen Hochschulabsolventen stamme, der sie ins Lateinische übersetzt haben wollte. Die folgende Einleitung bietet idyllische und ausführliche Naturbeschreibungen und die Beschreibung des Ortes des Gerichts. Darauf folgt

1) die Rede Merkurs
2) die Rede des Menschen, gefolgt von einem Kommentar des Bacchus
3) die Rede der Penaten, unterbrochen von der Rede der Ceres
4) Dialog zwischen Merkur und Penaten
5) Dialog zwischen Erde und Mensch
6) Kommentare der Wassernymphen, Penaten und des Fauns
7) der Brief des Jupiter an die Fortuna
8) FortunasBrief anJupiter
9) zwei Schlusssätze

Insgesamt ist also kann man den Hauptteil in drei Teile gliedern:

1) Längere, teils durch längere Kommentare unterbrochene Reden der Ankläger und des Angeklagten 2) Dialoge, zuerst zwischen den Stellvertretern, dann zwischen den Streitenden und weitere Kommentare der Ankläger und 3) das Urteil.

Will man inhaltlich vorgehen und dem Schüler

1. spezielle Motive und damit Ursachen für die Zerstörung der Natur durch den Menschen präsentieren, kann man diese den Reden Merkurs, des Menschen und der Penaten entnehmen.

2. die konkreten Wirkungen des Bergbaus verdeutlichen, die relativ kurzen Aussagen des Bacchus (Vernachlässigen des Anbaus des Weines), der Ceres (Zerstörung der Getreidefelder), der Wassernymphen (Verschmutzung der Gewässer), der Faune (Zerstörung der Wälder) und des Menschen (Beeinträchtigung der Gesundheit am Beispiel der Bildung von Schwielen an den Händen) verwenden,

3. die Schönheit der Natur vorführen, die ausführlichen Beschreibungen der Natur in derEinleitung übersetzen lassen.

Will man dagegen bestimmte grammatikalische Phänomene, wie z. B. Ablativus Absolutus einüben, bietet der ganze Text dafür wenige Beispiele.19 Will man

- das Adjektiv und seine Steigerungen,20
- Indefinitpronomen,21
- den Ablativus loci und temporis,22
- den Genitivus obiectivus,23
- Gerundialkonstruktionen,24
- den relativen Satzanschluss,
- AcI und NcI,25
- das P.P.A.,26
- Participium coniunctum27

einüben, bieten sich die im Anhang befindliche Ausschnitte an, die Ausschnitte aus der Rede Merkurs, der des Menschen und das vollständige Urteil des Prozesses enthält. Sie sind allerdings eher nach inhaltlichen als nach grammatikalischen Gesichtspunkten ausgesucht worden. Hyperbata wurden weitgehend beibehalten, da sie teils sinnvoll erklärt werden können. Die Veränderung der Anordnung der Worte in der Produktion eines Filtertextes würde sich anbieten.

Auf die Verhaltensebene bezogen können die Schülerinnen und Schüler hier lernen, dass in der Antike Götter mit der Natur verbunden waren, wie sie verbunden waren und welche Götter das waren. Sie lernen den Unterschied zwischen der Providentia-Lehre und der Lehre der Verantwortlichkeit des Menschen für eine nachhaltige Entwicklung. Sie können über den Einfluss des Bergbaus auf die Umwelt lernen.

Stilistische und inhaltliche Analyse und Interpretation der gewählten Textstellen Eine analytische und deklarative Kompetenz kann durch das Erkennen und Nennen von grammatikalischen Strukturen und Stilmitteln aufgebaut werden. Es folgt hier ein Beispiel für eine Feststellung und Interpretation der Stilmittel.

Spezifika der Merkur-Rede

Merkur beginnt seinen Bericht („referre") mit einer Bewertung der Folgen des seiner Meinung nach zu verurteilenden Handelns: Magnos dolores, o lupiter, magnam iniuriam intolerandam ac paene incredibilem iniquitatem ad te refero. Durch die bewertenden Adjektive „magnus" und „incredibilis" wirkt dieser Eingangssatz emotional und emphatisch, fast wie eine Exclamatio. Dies unterstützt auch die Apostrophe an Jupiter. Dennoch wird nicht, etwa durch die Verwendung von Superlativen, übertrieben. Die Wiederaufnahme des Adjektivs nach Art eines Polyptoton wirkt fast wie eine Correctio. Der Inhalt der folgenden Rede - die Erläuterung der Umweltzerstörung - wird durch eine Umschreibung angekündigt, die dreiteilig ist - „dolores - iniuriam- iniquitatem" -, also einen Trikolon darstellt, der durch Alliteration des „i" der letzten beiden Teile hervorsticht. Multi dei contempti sunt et cultum fere omnium numinum abiectum est. Die allgemeine, weil durch eine Passivkonstruktion verdeutlichte Anklage der Pietätslosigkeit fällt durch ihre Unbestimmtheit auf, wie auch durch die wiederholte Verwendung eines einschränkenden Adverbs „fere", dass stilistisch an das „paene" des vorigen Satzes anknüpft. Vides lacrimantem mortalium nutricem, quae sua liberalitate semper suppeditat ea, quae ad usum hominum vitamque sustentationem requiruntur. Die Leistungen der Erde, die metonymisch bzw. synekdochisch als „Ernäherin der Menschen" bezeichnet wird, werden durch die Alliteration des „s", die das einschlägige Verb lautlich umgibt, hervorgehoben. Die Menschen sind auch syntaktisch durch die Einfügung der Genitive „mortalium" und „hominum" mitten in den Akkusativblöcken von ihr umgeben und gleichsam eingeklammert. Et hominis causa solius procreantur. Der Zusatz soll die exzeptionelle Sorge der Erde den Menschen gegenüber verdeutlichen, für die allein sie die Lebensgrundlagen zur Verfügung stelle: nur der Mensch gruppiert sich auch syntaktisch um den Grund: „hominis causa solius". Homo ea non contentus est bonitate, matri aperit viscera: Perforit ventrem eius, laedit tandem. Einhergehend mit einer Stilisierung des Menschheit, die mit dem kollektiven Singular charakterisiert wird, wird die Anklage bildlich als Gewaltakt dargestellt, der Eingriffe an der anthropomorph dargestellten

Erde macht, die in einer Metapher, die zugleich Allegorie ist, wie mit einem menschlichen Körper ausgestattet gedacht wird.28 Innúmeras ¡am videres foveas metalli fodinae non modo ubi fortis utilitatis quippiam inveniunt, sed etiam ubi nullum ipsi ullius me tali vestigium cernunt. Die hyperbatonartige Stellung des „innummeras" (vgl. Satz: „Vides lacrimantem (...) nutricem"), alliterationshaft dramatisiert durch das „iam" stellt die außergewöhnliche Menge der Berggruben heraus. Da der im Original verwendete Polyptoton „quippiam" und „cuiuspiam" wegen der mangelnden Gewöhnung der Kinder an das unbekannte und nur durch eine Angabe verständliche Wort erkannt werden kann, scheint es u. U. besser zu sein, die beiden Ausdrücke durch bekannte Indefinitpronomen zu ersetzen. Sunt equidem argenti cupiditate usque adeo inflammati, ut omnia soleant subire atque adeo gravissima pericula.29 Die hyperbatonartige Stellung des "omnia" soll deutlich machen, dass die Menschen aus Gier ausnahmslos alle Gefahren auf sich nehmen. Ñeque in die quiescunt; neque in nocte. In einem Parallelismus und einer Ellipse bzw. abgebrochenen Satz, der Anapher des „neque" und der antithetischen Gegenüberstellung des Tages und der Nacht wird das „omnia" des (im Original allerdings nicht unmittelbar) vorangehenden Satzes erläutert und drastisch auf das Zeitliche hin ausgedehnt. Diese Antithese zwischen Tag und Nacht ist gebräuchlich und bildet eine Sentenz.30 Cernis enim, o Jupiter, terram, quae tuo iussu esse debet et solida, et tantae firmitatis immobilis semper maneat semperque suum locum retineat. Korrellierend zu dem früher genannten „vides (...) nutricem" wird jetzt mit den Synonymen „cernis (...) terram" Jupiter direkt angesprochen, diesmal sogar von einer Apostrophe begleitet. Wiederum in einem Trikolon (solida - firmitatis immobilis maneat - locum retineat) wird das Ideal einer idealen Unveränderlichkeit der Erde beschworen, deren Zustand „fest" und vor allem „unbeweglich" sein solle. Die Synonyme „maneat" und „retineat" werden durch die Wiederholung des Adverbs „semper" begleitet. Es sei sogar Jupiters Befehl, wie durch die redundante Formulierung „tuo iussu" neben „debet" betont wird. Sed nulla te movent vulnera ullae passiones ad humanitatem incitant. In einer Apostrophe wendet sich Merkur an den Menschen, indem ihm asyndetisch in einem Atemzug zwei Vorwürfe gemacht werden, die syntaktisch chiastisch angeordnet sind und durch die durch einen Hyperbaton von „nulla vulnera" (im Gegensatz zur Anordnung von „ullae passiones", ebenfalls ein Nominativ, in einem Block) das Ausmaß der Verachtung des Menschen betonen sollen. Diese stolze und aggressive, vielleicht nur herausfordernde Behauptung wählt Merkur, nicht die Möglichkeit in einer Obsecratio den Menschen flehentlich zu einem Verhaltenswandel zu bewegen.

Spezifika der Rede des Menschen

In terrae regionibus apertum est nullam sibi sufficere. Ein parataktischer Satz, der wieder ein ausschließendes Indefinitpronomen „nullus" enthält und mit einer Alliteration, die das wichtige Wort des sich zufrieden Gebens klanglich vorbereitet. Praeterea ab te, lupiter optime, omnia sic ordinata, ut una sit aliis praesidio in fructibus forte ad usum pertinentibus humanum. Mit einer Apostrophe, die im Gegensatz zu den Apostrophen Merkurs durch den Superlativ des Adverbs „bonus" begleitet wird, wird die zweite These als Voraussetzung aufgestellt: Das ausschließende Indefinitpronomen „omnia" wird durch eine Alliteration hervorgehoben. Die chiastische Stellung von „in fructibus pertinentibus" und „ad usum humanum" kann als Illustration des „forte" interpretiert werden, und auch als Niederschlag der gegenseitigen Angewiesenheit aufeinander, auf das das „praesidium" verweist. Terra autem abdit atque occultat intima sua, ut novercae officium potius quam genitricis habere videatur. Mit einer Alliteration wird die fast redundante Wiederholung der Tatsache des Verbergens eingeleitet; das „atque" verbindet zwei Synonyme, die man auch als Hendiadyoin deuten kann („abdit atwue occultat") und zwei parataktische Sätze, die chiastisch angeordnet sind. Nunc vero quid nos mortales in hunc laborem impellit? Nec omittam iustissimum propositum nostrum commodissimumque, quo inducimur ad divinum humanumque cultum, ostendamque divinis non esse prohibitum legibus. Mit einem prosaischen „nunc vero" wird in einer Subiectio nach den Gründen für die Umweltzerstörung gefragt, wobei tautologisch bzw. pleonastisch das „mortales" nach „nos" angefügt wird und die Arbeit eher neutral als wertend mit dem Wort „labor" bezeichnet wird. Die zwei durch das „que" eng verbundenen Hauptsätze (omittam...ostendam) sind syntaktisch parallel aufgebaut, sodass es wie eine geordnete Aufzählung wirkt. Durch das einleitende „nec" unterstellt der Sprecher den Zuhörern, sie hätten gedacht, er würde auf die Aufführung des folgenden Grundes verzichten. Die Superlative sind nicht zufällig zur Verdeutlichung gewählt, die Häufung der Präposition „in" in Verbindung mit den Verben „pellere" und „ducere" soll die Ausweglosigkeit des menschlichen Handelns, die gleichsam gezwungenermaßen zum „divinum humanumque cultum"

hineingestoßen werden, verdeutlichen. Diese Junktur wurde laut Latin Library A/? von anderen Autoren nur teilweise, aber nie in der Verbindung von „divinus" mit „humanus" verwendet. Verwendete schon beispielsweise Origines die Junktur „divinus cultus", so hat Thomas von Aquin sie sogar mit demselben Verb verbunden: „debet homines inducere ad divinum cultum".31 Da Niavis nicht das Synonym „religio" verwendet, könnte zudem darauf hinweisen, dass Niavis Thomas von Aquin gelesen hat. An commodius sit aliquid, precor, quem quo alter alteri est et praesidio?" Mit einer rhetorischen Frage endet der Argumentationsstrang. Die Wiederholung und Voransetzung des Adjektivs „commodus" verdeutlicht die utilitaristische Ethik des Menschen, die über dreihundert Jahre später von Jeremy Bentham und John Stuart Mill vertreten und verteidigt worden ist. „Verum enim vero ad laborandum genitus sit homo atque hunc globum terrarum tuendum. Die Penaten streichen die Notwendigkeit des Menschen zu arbeiten heraus und das Land zu schützen. Ob die implizite Aussage, nicht das Meer zu schützen gewollt ist oder nicht bleibt offen. Um die Gültigkeit der Aussage zu bekräftigen wird das „Verum" an die Spitze des Satzes gestellt und durch das folgende ähnlich klingende „vero" in einem Polyptoton klanglich wiederholt. Potestne tanta hominum esse communicatio, quo alterius alter praesidio uteretur, si nullum aes nullaque haberetur pecunia?" Die Hyperbata der rhetorischen Frage zwingen den Zuhörer bzw. Leser dazu, die Wörter in ungewöhnlich hohem Maße zu verbinden und in die Satzstruktur Eingriffe vorzunehmen. Er handelt damit analog zu den Menschen, die untereinander eine besonders große „tanta" Kommunikation aufbauen. Das Geld wird pleonastisch mit „aes" und „pecunia" bezeichnet, „pecunia" steht nach dem weniger expliziten „aes" final in Spitzenstellung, und ist auch lautlich durch Anfangsbuchstaben mit „praesidium" und dem einleitenden „potest" auf eine Ebene mit diesen zentralen Wörtern des Satzes gestellt. Die Dramatik wird durch polyptotonartige Wiederholung des Indefinitpronomens hervorgehoben.

Spezifika des Urteils

Fortuna mortalium regina salutem plurimam dicit. Die Identität der Fortuna und zugleich ihre Bedeutung für das menschliche Leben wird in einer Apposition herausgestellt. Ihre herzliche und enge Verbindung zu Jupiter wird durch den Superlativ des Adverbs „multi" deutlich. Scribis de mortalium labore. Parataktisch greift Fortuna die Ursache des Prozesses auf und setzt sie zur Betonung an das Satzende. Nihilo miror - talem enim habent naturae condicionem. Sie wundere sich nicht und artikuliert das mit einem Ablativ, der entweder als Ablativ mensurae oder Ablativ pretii interpretiert werden kann, also zeigen könnte, dass auch sie in utilitaristischen, materiellen Kategorien denkt anstatt vielleicht noch objektiver das einfache „non" zu verwenden. Erklärend fügt sie als Grund die final gesetzte „condicio" des Menschen an, die - an den Anfang gesetzt - eben „talem", so beschaffen sei.32 Um diese „condicio humana" zu definieren sagt sie: Homines debent montes transfodere, metallifodinas perficere, agros colere, studere mercaturae terraque offendere, scientiam abicere, Plutonem perturbare ac tandem in rivulis aquarum venas metalli inquirere; Corpus vero eius a terra conglutinari, per vapores suffocari; Vino inebriari, fame subici et quod optimum sit ignorare multa praeterea alia pericula hominibus esse propria. Durch diese größtenteils asyndetische Reihung vermittelt Fortuna den Eindruck, nicht unterbrochen werden zu wollen sowie konzise Aussagen zu machen, die wie Regeln auswendig gelernt werden können. Das Durchbohren der Berge sei zur Metallgewinnung unumgänglich, das Bebauen der Felder sei Voraussetzung für den Handel. Dass der Mensch dabei gegen Grundprinzipien verstößt, wird in einer Durchbrechung des Asyndetons mit einem engen „que" als damit zwingend folgend dargestellt. Er beschädige die Erde, vernachlässige die Wissenschaft und störe sogar die Toten in der Erde - mit einem „ac" eng verbunden, aber doch eher zu der ersten Notwendigkeit der Menschen, die steinigen Berge zu durchbohren, nennt Fortuna abschließend - „tandem" tritt auch oft in der Bedeutung „kurz" am Ende von Aufzählungen auf - die Notwendigkeit im Wasser nach Metalladern zu suchen. Die für den Körper schmerzlichen Folgen führen zu einem wieder mit der Erde vereinten und von ihr dominierten Zustand, wie die Präfixe „con", „sub" und „in" und die vom „Leim" und dem „Feuer, Opfer" herleitbaren Verben „conglutinare" und „suffocare" implizit aussagen. Mögen die Menschen auch Stein, Erde und Wasser benutzt haben - das Feuer und die Erde wird sie besiegen. Überfluss an bewusstseinsverändernden Dingen - hier ist der Wein genannt - wird sie in Sicherheit wiegen und freudetrunken machen. Das ist eine Formulierung die Niavis keinen Klassikern entnommen haben kann, da „inebriare" ein mittellateinisches Wort ist. Danach werden sie vom Hunger gequält werden und anderes erleiden, von dem er, wie Fortuna sadistisch oder ironisch bemerkt, nichts wissen kann. Vale. " Mit einer im Gegensatz zum Synonym „Ave" wie eine Antithese wirkende Abschiedsformel lässt sie den Leser moralisch nur zum Teil gestärkt zurück. Epistola haec ad lovem missa lectaque et diis et hominibus iustissimam esse sententiam lupiter affirmavit. Nur ein Satz beschreibt den Umgang mit Fortunas Urteil. Jupiter als oberster Richter bekräftigt seine Meinung, es sei äußerst gerecht. Sollte er gemeint haben, es sei für Götter und Menschen sehr gerecht, dann macht er damit geltend, dass es für alle anderen Teilnehmer - Erde, Penaten, Faune und Wassernymphen beispielsweise nicht unbedingt gerecht sein muss. Sollte der Brief dagegen von Göttern und Menschen gelesen worden sein, beiden, wie das „et...et" betont, dann macht das nur deutlich, dass auch die Menschen von dem Urteil wissen und dementsprechend handeln können.

Mögliche Thematisierungen der kulturellen Vorstellungen

Neben analytischer und deklarativer Kompetenz muss auch die prozedurale Kompetenz gestärkt werden. Es gilt also, Informationen aus dem Text auf andere Situationen bzw. Materialien wie Texet und Illustrationen zu übertragen: Ein Transfer ist von den Schülern zu leisten. Welche Informationen sich dafür anbieten, soll im Folgenden angeführt werden.

Richten muss man sich dabei vor allem am Lehrplan, aber auch in geringerem Maß an der Vorgabe der DAV-Matrix von 1971, die vorgeschrieben hat, dass Informationen zu Literatur, Gesellschaft und Philosophie gegeben werden sollen.

Unterschiedliche Methoden können gewählt werden: Neben der Möglichkeit der Illustration durch Bilder und Tabellen bietet sich auch die Einprägung durch die szenische Aufführung in Form eines Theaterstückes an, zumal die Kostümfarben durch den Text vorgegeben werden.33

Auf den Text projezierbare Metainformationen zu Europa

Eingeschoben sei, dass in Hinblick auf die Lerneinheit die Schüler mit der Frage konfrontiert werden sollten, inwieweit der gelesene Text speziell für Europa wichtige oder typische Informationen enthalten kann. Vom Lehrer kann dabei zum einen auf die zeitliche und örtliche Nähe des Lebens des Autors mit dem Entwicklungsprozess Europas hingewiesen werden, denn

- Niavis wurde in der Stadt und in der Zeit geboren, in der die älteste noch heute gültige Grenze Europas, nämlich zwischen Böhmen und Sachsen, festgelegt worden ist, im Vertrag von Eger 1459.

- Er wurde außerdem in der Regierungszeit und in dem Herrschaftsgebiet des Mannes geboren, der 1462 den ersten europäischen Föderationsvertrag mit 21 Artikeln ausgearbeitet hat, dem böhmischen König Georg Podiebrad (reg. 1458-1471).

Zum Zweiten kann der Lehrer auf die zentrale Stellung des Silberhandels in Antike und in Früher Neuzeit und auf die wiederentstehende Wichtigkeit des böhmisch-sächsischen Bergbaus für die wirtschaftliche Entwicklung Europas hinweisen, denn

- Der Silberhandel war die Grundlage des Reichtums der Fugger, die nach ihrem Einstieg in den Bergbau 1484 ihr Monopol für Kupfer und Silber in Europa ausbauten.

- Der Silberbergbau am Schneeberg soll 2013 nach über fünfhundertjähriger Pause wieder aufgenommen werden. Man will in die Silberproduktion einsteigen, die in Europa quantitativ derzeit von Polen angeführt wird.34

- Der Silberbergbau wurde auch in der Antike erstmals in der Türkei und später vor allem in Griechenland, deren Philosophen die ältesten Grundlagen für die europäische Verfassung geboten hatten, begonnen.35

Dem Text entnehmbare Informationen und mögliche Erweiterungen

Wandel der Naturvorstellungen

Wie sich die Vorstellungen von der Natur verändert haben, können die Schüler herausfinden. Im Text wird die Natur zunächst mit Eigenschaften versehen, die wir auch heute als ihr eigen betrachten würden. Sie wird nämlich als verletzlich dargestellt: matri aperit viscera, perforit ventrem eius laedit tandem, ein Zustand, der durch Fortunas Schicksalsspruch selbst gerächt werden wird.36 Sie muss von dem Menschen geschützt werden, natus ad hunc globum terrarum tuendum. Die Menschen können nichts gegen ihre Natur, naturae condicionem, tun. Der Akt der Umweltzerstörung wird als ein gotteslästerlicher Prozess dargestellt, denn die Natur wird als göttlich beseelt begriffen, was man auch aus der Beschwerde Merkurs, multi dei contempti sunt et cultum fere omnium numinum abiectum est, schließen kann.

Hier fällt die große Diskrepanz zwischen Naturdefinitionen damals und heute auf. Die Natur wird heute nicht mehr als göttlich oder beseelt gesehen, außer von Anhängern der Gaia- Hypothese,37 eine Entwicklung, die vom Christentum, das sich damit gegen den animistischen Glauben dersogenannten Heiden positioniert hat, ausgegangen ist.38

Die im natus ad hunc globum terrarum tuendum ausgedrückte Verpflichtung des Menschen zum Naturschutz ist ebenfalls auf politischer Ebene erst in der Frühen Neuzeit für Europa wichtig und unabhängig vom religiösen Glauben festgesetzt worden. In der Antike war dagegen eher die gegenteilige Meinung verbreitet, dass die Erde für den Menschen gemacht worden sei, was sich hier in Merkurs Aussage et hominis causa solius procreantur niederschlägt. Neben dieser Auffassung existierten laut Günter E. Thüry auch die der Naturliebe wie sie von den Pythagoreern praktiziert worden ist und die der Naturfurcht.39

Auf die gewandelte Vorstellung von der Lebensumwelt des Menschen als geographischer Einheit insgesamt kann anhand der ursprünglichen Bedeutung von globus terrarum, „Erdkreis", aufmerksam gemacht werden. Nicht das Universum oder eine Erdkugel, sondern ein lediglich durch seine von einer Mitte ausgehender Kreis bildet in der Vorstellungswelt vieler in der Antike und des Mittelalters eine mögliche Form der Lebensumwelt, für die der Mensch verantwortlich gemacht werden kann. Nach Belieben können auch andere Erdvorstellungen, beispielsweise die des Nikolaus Cusanus, der die Erde als „lucidus stella" charakterisiert hatte, und die Welt als potentiell unendliches Universum gesehen hatte, angeführt werden.40

Gründe für den Umweltschutz und Prinzipien des Umweltschutzes

Eine Verpflichtung zum Umweltschutz wird nur von Merkur postuliert, letztendlich aber mit Fortunas Urteil negiert. Als Gründe für den Umweltschutz nennt Merkur die Verpflichtung des Menschen zur Götterverehrung, cultus numinum, und implizit auch das der Ahnenverehrung, Plutonem perturbare. Auch sollten die sichtbaren Veränderungen der

Natur, das Weinen und die Wunden der Erde, zu passiones und humanitas, zu Gefühlen beim Menschen führen. Diese Argumentation unterscheidet sich fundamental von der heutigen wissenschaftlichen, die aus utilitaristischen Gründen heraus argumentiert und vor einer Ressourcenknappheit warnt.

Dennoch finden sich viele Begrifflichkeiten und Gedanken, die auch heute noch relevant sind:41

1) Der englische Begriff der „sustainable society", der „nachhaltigen Gesellschaft" wird heute im Gegensatz zu einem Modell der „science society" konstruiert.42 Sustentatio heißt hier auch Versorgung. Eine Gesellschaft, die für die Zukunft vorsorgt, ist heute das Ideal, damals gab es das Paradigma einer Erde, die für die Zukunft und die Menschen vorsorgt.

2) Der Gedanke der Suffizienz wird hier mit dem Wort contentus umschrieben, und der Mensch projiziert den Begriff des sich ausreichenden Sichzufriedengebens nicht auf sich, sondern auf die Erde, die nicht alles in suffizientem, ausreichenden Maße zur Verfügung stelle - womit er sich selbst als nicht suffizient zeigt. Hier wird sufficere also nicht im Bezug auf die Selbstsuffizienz verwendet.

3) Der Begriff der Humanität hat sich aus dem Lateinischen humanitas entwickelt, hat in der Antike aber noch alle menschlichen Eigenschaften bezeichnet. Niavis gebraucht den humanistischen Menschlichkeitsbegriff, der nur eine bestimmte Menge von moralisch guten Eigenschaften beinhaltet. Heute hat er eher im sozialen zwischenmenschlichen Bereich Schlagwortcharakter.

4) Das divinis non esse prohibitum legibus könnte zu der Frage führen, wie der Umweltschutz gesetzlich verankert ist und war. Gab es in der Antike wohl keine Gesetze, die direkt zum Schutz der Umwelt geschrieben worden sind, so gab es seit dem Mittelalter sogenannte Bergregale, Bergrechte und Berggesetze, die die Erlaubnis zum Abbau auf bestimmte Personen begrenzte.43 Erst nach 1668 und vermehrt nach ca. 1850 wurden von europäischen Staaten Naturschutzgesetze erlassen.44 Heute konkurrieren Landesnaturschutzgesetze mit Bundesschutzgesetzen und der EU-Gesetzgebung.45 Dennoch fehlt vielen weltweit operierenden Organisationen die Festsetzung eines ökologischen Mindeststandards, wie beispielsweise derWelthandelsorganisation WTO.46

Gründe und Folgen der Umweltzerstörung

Die Gründe der Umweltzerstörung, so kann man dem Text entnehmen, liegen in der Zerstörung der Wälder, Flüsse und des Ackerlandes durch den Untertagebau. Doch selbst das Urteil der Fortuna zeigt, dass sie nicht unumgänglich sein müssen, wenn die Menschen gegen ihre Natur „verstoßen" würden. Antike Menschen hätten dagegen auch eine fatalistische Einstellung zeigen können, wenn sie die Natur als in einem Kreislauf gefangen und die Welt als einem Verfall zustrebend definiert hätten, wie es viele Griechen und auch Horaz beispielsweise getan haben. Niavis lässt Merkur die Gier der Menschen, cupiditas, als Ursache der Umweltzerstörung anführen, wohingegen der Mensch die Verpflichtung der Erde, ihm nützlich zu sein anführt und mit einem Mangel und einer Verpflichtung zur gegenseitigen Aushilfe, praesidium, in Verbindung bringt.47 Die Rolle des Handels und der Notwendigkeiten der Götterverehrung wird indirekt ebenso angeführt, das Argument aber nicht weiter in Richtung Lebensqualität weitergeführt.48 Ein weitere Ursache der Umweltzerstörung führt Merkur an, das Unnützsein von Bergwerken, non modo quippiam utilitas inveniunt, das heute wohl selten Anstoß als Umwelt zerstörender Umstand erregt. Ob die Ressourcen heute zufällig oder nach langem Suchen gefunden wurden, wie der Mensch implizit erwähnt, ist heute von geringer Bedeutung für die moralische Rechtfertigung des Abbaus von Metallen, in fructibus forte ad usum pertinentibus humanum, oder für die Bewertung als umweltschädliche Maßnahme oder nicht.49 In heute fatalistisch wirkender Weise erklärt Fortuna das umweltzerstörerische Handeln des Menschen als „natürlich", habent naturae condicionem.

Die Folgen werden von Fortuna zunächst auf den menschlichen Körper bezogen und vor allem als durch heiße Luft, vapores, hervorgerufen charakterisiert, die u.a. in einem unwissenden Glückszustand verhungern würden. Eine Diskussion der Folgen der Erderwärmung und der einzelnen umweltzerstörenden Maßnahmen als Reaktion auf diese sehr allgemeine Aussage in Gang zu bringen böte sich an. Auf den Silberbergbau speziell bezogen aber sollte bekannt gemacht werden, dass Silber eine Ressource ist, die, wie Erdgas und Erdöl ebenso, wenn sie im gegenwärtigen Maße abgebaut wird, wohl in wenigen hundert Jahren nicht mehr abbaubar sein wird, weil dann alle Silbervorkommen erschöpft sein werden.50 Als Folgen eines Silbermangels, der durch mangelnde Recyclingmöglichkeiten einsetzen würde, könnten die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten von Silber bekannt gemacht werden.51 Um auf die Veränderungen der Luft mit Bezug zur Landschaft Sachsen Bezug zu nehmen könnte die Tatsache, dass sich in Sachsen um 1850 Freiburger Hütten erstmals über sauren Regen beklagt haben, erwähnt werden.52

Ob das die gerechte Strafe für ein Unrecht, iniuria, und ein Ungleichgewicht, iniquitas, wie Merkur es ausdrückte, ist, kann diskutiert werden.

Fachterminologie zum Bergbau

Um die heutige Fachterminologie des Bergbaus wie „Glück auf", „Zeche" bekannt zu machen und mit der lateinischen der Frühen Neuzeit zu vergleichen, bietet sich das Aufgreifen der Begriffe für eine Grube, „fovea" und „metalli fodina" und, sollte man andere Textausschnitte als hier wählen, noch weitere an. Kontrastiv könnte man den Kindern vermitteln, dass man heute je nach abgebautem Material unterschiedliche Ausdrücke für Tagebaue verwendet: Neben dem des „Großtagebaus" für Braunkohle, Erze und Minerale gibt es den der „Brüche" für festes Gestein, den der „Stiche" für teigige Gesteine und den der „Gruben" für Kiesgruben und Sandgruben. Insofern wäre hier die Übersetzung als „Bruch" oder „Großtagebau" inhaltlich sinnvoller. Darüber hinaus könnte man die Entwicklung des Seigerprozesses erläutern, der es ermöglichte, Silber aus bisher wertlosen Kupfererzen zu gewinnen. Gewisse neue Techniken dagegen, die durch die von Tieren betriebenen Göppelwerke und die tieferen Schächte infolge von Verbesserungen der Wasser- und Pumpförderungswerke in der frühen Neuzeit entstanden sind nennt Niavis in den gewählten Textstellen nicht.53

Zusammenfassend ist hier gezeigt worden, dass das Werk Ähnlichkeiten mit dem Streitgedicht, der scholastischen Disputation und dem Pamphlet aufweist und inhaltlich an einige wenige Aussagen lateinisch-antiker Autoren anknüpft. Ein Umweltbewusstsein hat sich wohl aus ästhetischen und religiösen Gründen entwickelt. Der Umgang mit der Umwelt heute unterscheidet sich stark von dem in der Vergangenheit. Anhand der Lektüre können nicht nur grammatikalische Phänomene eingeübt werden, sondern kann auch durch das Verständnis der ursprünglichen Bedeutung von Begriffen aus der aktuellen Umweltdiskussion ein tieferes Verständnis erlangt werden.

Quellenverzeichnis:

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- Spier, Fred: Big History and the future of humanity. New York 2010.
- Wenig, Gerhard: Paul Schneevogels (Paulus Niavis') Beziehungen zum Bergbau, in: Sächsisch-böhmische Beziehungen im 16. Jahrhundert, hrsg. v. Friedrich Naumann. Chemnitz 2001, S. 76-100.
- Wilsdorf, Helmut: Bergleute und Hüttenmänner im Altertum bis zum Ausgang der römischen Republik. Ihre wirtschaftliche, soziale und juristische Lage. Berlin 1952.
Informationsquellen zu Umweltschutz und Bergbau in Europa:
- „Rat für Nachhaltige Entwicklung" der deutschen Bundesregierung, von (der) dem Bundeskanzler(in) ernannt: www.dialog-nachhaltigkeit.de
- Bildungsservice des Bundesumweltministeriums, http://www.bundesumweltministerium.de/bildungsservice/aktuell/6807.php
- Die europäischen Umweltschutzorganisationen wie Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Global 2000 in Österreich und Pro Natura in der Schweiz, die in der Internationalen Nicht-Regierungsorganisation der „Friends of the Earth" zusammengeschlossen sind: www.foeeurope.org
- The Intergovernmental Forum on Mining, Minerals, Metals and Sustainable Development: www.globaldialogue.info/wn e.htm
- Das UN Department of Economic and Social Affairs, Division for Sustainable Development, CSD:
http://www.un.org/esa/dsd/susdevtopics/sdt mini voutube.shtml
- Deutsches Bergbau-Museum Bochum http://www.bergbaumuseum.de/web/tiki- index.php?page=montandok
- Gesellschaft für Steinkohleabbau Deutschland: http://www.gvst.de/site/steinkohle/bergwerke.htm
- Costa, Silvana, Malcolm Scoble, 2006, An interdisciplinarv approach to integrating sustainabilitv into mining engineering education and research, Journal of Cleaner Production, Volume 14, Issues 3-4, Pages 366-373.
- Sachs, J. D., and A. M. Warner.,2001. "The Curse of Natural Resources." European Economic Review 45, 847-59.
- Whitmore, Andv, 2006, The emperors new clothes: Sustainable mining?, Journal of Cleaner Production, Volume 14, Issues 3-4, Pages 309-314.
- World Ressources Institute, 2003, Mining and critical ecosvstems: mapping the risks, Washington, DC. http://pdf.wri.org/mining critical ecosvstems full.pdf
- Zur Lage der Welt 2009. Ein Planet vor der Überhitzung. Intelligente Politik gegen ein destabilisiertes Klima, hrsg. v. Worldwatch Institute. Münster 2009, S. 296-316.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[...]


1 Werke:

1 Sammlungen von Stilregeln (Elegantiae latinítatís; Colores rhetoricae disciplinae);

2 Gesprächsbüchlein (Latina idiomata) für den Lateinunterricht;

3 Briefe;

4 Jupiters Gerichtssitzung im Tal der Lieblichkeit; „ludicium lovis in valle amoenitatis habitum, ad quod mortalis homo a terra tractus propter montifodinas in monte niveo aliisque multis perfectas ac demum parricidii accusatus", das dem Zwickauer Pfarrer Stephan Gulden gewidmet ist.

5 Historia occisorum in Culm (Erzählung über das Aufspüren von Räubern);

6 Tractatulus excerptus libello Maulfett;

7 Declamatio de conceptione intemeratae virginis Mariae.

Laut Wenig, Bergbau, S. 80.

2 Herlitzius, CA. S. 22.

3 Brauer, S. 14.

4 Auch im Ausland wurden wohl die meisten Werke erst im 16. Jahrhundert verfasst, wie beispielsweise das 1540 vom italienischen BaumeisterVannocci Birringuccigeschriebene„De la pirotechnica".

5 Aristoteles und Theophrast sind die ersten, die sich nachweislich mit der Naturbeobachtung und auch mit Metallen auseinandergesetzt haben. Über Metalle schrieben auch schon Galenos und Oreibasios aus Pergamon. Herlitzius, Agricola, S. 72f.

6 Vergil, Aeneis 12, 777f: „tuque optima ferrum Terra tene (...)"; Lukrez, 2, 1153ff: „sed genuit tellus eadem quae nunc alit exse."; Plinius der Ä., de rerum nat. 3,138: "Haec est Italia diis sacra (...) metallorum omnium fertilitate nullis cedit terris; sed interdictum id vetere consulto patrum Italiae parci iubentium."

7 Cicero, nat. deor. 2, 152ff: "Terrenorum item commodorum omnis est in homine dominatus: nos campis, nos montibus fruimur, nostri sunt amnes, nostri lacus, nos fruges serimus, nos arbores; nos aquarum inductionibus terris fecunditatem damus, nos flumina arcemus, derigimus, avertimus; nostris denique manibus in rerum natura quasi alteram naturam efficere conamur."; Stat. Silv. 2,2; 52-59: "ubi nunc nemora ardua cernis, hic nec terra fuit: domuit possessor, et illum formantem rupes expugnantemque secuta gaudet humus. nunc cerne iugum discentia saxa intrantesque domos iussumque recedere montem." Seneca epist. 122,19: "Ideo, Lucili, tenenda nobis uia est quam natura praescripsit, nec ab illa declinandum: illam sequentibus omnia facilia, expedita sunt, contra illam nitentibus non alia uita est quam contra aquam remigantibus. Vale."

8 1) Lucrez 6,810-815: "nonne vides etiam terra quoque sulpur in ipsa gigniet et taetro concrescere odore bitumen, denique ubi argenti venas aurique secuntur, terrai penitus scrutantes abdita ferro, qualis expiret Scaptensula subter odores? quidve mali fit ut exalent aurata metalla! quas hominum reddunt facies qualisque colores! nonne vides audisve perire in tempore parvo quam soleant et quam vitai copia desit, quos opere in tali cohibet vis magna necessis? hos igitur tellus omnis exaestuat aestus expiratque foras in apertum promptaque caeli." 2) Vitruv, 8,6,11 zu Bleivergiftungen.

9 1) Plin. Nat. 2, 158f: "et tamen quae summa patitur atque extrema cute tolerabilia videantur: penetramus in viscera, auri argentique venas et aeris ac plumbi metalla fodientes, gemmas etiam et quosdam parvulos quaerimus lapides scrobibus in profundum actis. viscera eius extrahimus, ut digito gesteturgemma, quo petitur. quot manus atteruntur, ut unus niteat articulus! si ulli essent inferi, iam profecto illos avaritiae atque luxuriae cuniculi refodissent. et miramur, si eadem ad noxam genuit aliqua! [159] ferae enim, credo, custodiunt illam arcentque sacrilegas manus. non inter serpentes fodimus et venas auri tractamus cum veneni radicibus? placatiore tamen dea ob haec, quod omnes hi opulentiae exitus ad scelera caedesque et bella tendunt, quodque sanguine nostro rigamus insepultisque ossibus tegimus, quibus tamen velut exprobrato furore tandem ipsa se obducit et scelera quoque mortalium occultat. Inter crimina ingrati animi et hoc duxerim quod naturam eius ignoramus."

2) Ovid met. 1,138:

"poscebatur humus, sed itum est in viscera terrae, quasque recondiderat Stygiisque admoverat umbris, effodiuntur opes, inritamenta malorum."

10 Kollmann, Streitgespräch, S. 14, die auf Froleyks, Walter Johannes: Der Agon Logon in der antiken Literatur, 1973. Diss. verweist.

11 Ob allegorische Figuren auch in den Eklogen, den „Streitgedichten der bukolischen Dichtung" auftraten wurde von mir nicht herauszufinden versucht.

12 Darunter eines zwischen einem Bäcker und einem Koch im „Judicium coci etpistoris iudice Vulcano" von Vespa, siehe Kollmann, Streitgedicht, S. 18.

13 Anhänger der Stoa sollen gerne allegorische Darstellungen verwendet haben, wie Walther 1920 meinte Kollmann, Streitgespräch, S. 16­18.

14 Die Streitgedichts-Kultur hat sich wiederum von antiken Vorbildern inspirieren lassen, bspw. war die des Streites von Magen und Gliedern von Menenius Agrippa Vorbild für den „Dialogus membrorum". „Das älteste mittellateinische Streitgedicht, das in der Eklogentradition steht,ist „Conflictus Veris et Hiemis", das von dem beliebten Streit zwischen Winter und Frühling berichtet, und ist offensichtlich der dritten Ekloge Vergils nachgeformt. Auch der Dichterwettkampf von Naso, der älteste nachgewiesene Sängerkrieg, über einen Lobgesang auf Karl dem Großen wurde in Eklogenform verfasst und steht auch in der Gesamtheit des Gedichts in antiker Tradition. Zwar bedienen sich mittellateinische Streitgedichte an antiken Formen eines Streitgedichts, jedoch behandeln die mittellateinischen Streitgedichte inhaltlich gesehen sehr wenig antike Stoffe. WALTHER weist daraufhin, dass die meisten Motive auf volkstümliche Stoffe zurückzuführen sind. Vor allem der dialogische Charakter des Streitgedichts, so WALTHER, trägt zu einer geringen Verwendung von antiken Stoffen bei. Es gibt hierbei jedoch auch Varianten vom verwandten Disput zwischen Jugend und Alter. Das Streitgedicht „Altercato yemis et estatis" vereinigt den Streit zwischen den Jahreszeiten und dem Alter bzw. den Generationen, indem die Personifizierungen von Winter als alt und die des Sommers als jung erscheinen. Auch der Streit zwischen Wasser und Wein, der „Dialogus inter Aquam et Vinum", ist sehr beliebt. WALTHER führt hierbei aber auch eine andere Variante an und zwar„Altercatio vini et cerevisiae", der Streit zwischen Wein und Bier. Dieses Streitmotiv wird bevorzugt in der Vagantenpoesie verwendet und wird meistens mit einer für das Mittelalter typischen Traumschilderung eingeleitet. Auch eine wichtige Kategorie ist der Streit der Blumen, wie zum Beispiel das Streitgedicht von Sedulius Scotus mit „Certamen Rosae Liliique". Auch eines der bekanntesten und beliebtesten Streitgedichten „De Phyllide et Flora" behandelt dieses Problem, in dem zwei Frauen, die jeweils einen Kleriker und einen Miles lieben, über dieses Thema diskutieren. Daneben gibt es noch den weit verbreiteten Kampf zwischen Tugend und Laster. Es gibt zahlreiche Streitgedichte, die dieses Thema behandeln, hier können jedoch nur einige aufgrund der Vielzahl exemplarisch angeführt werden. Es gibt aber auch ein Streitgedicht aus der Mitte des 12. Jahrhunderts in der „Kaiserchronik", in der ein Streitgespräch über Liebe und Religion geführt wird und das als das älteste Streitgespräch in der deutschsprachigen Literatur gilt. Der Streit der Jahreszeiten ist auch ein Thema des deutschen Streitgedichts. Das älteste vollständige Streitgedicht dieser Art ist von einem Dichter Namens Alcuin vermutlich aus der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts. Auffallend ist, dass in den meisten deutschsprachigen Streitgedichten zwischen Sommer und Winter und nicht, wie bei den mittellateinischen Streitgedichten, zwischen Frühling und Winter gestritten wird. WALTHER spricht sogar von einer „Disputationssucht" im Mittelalter.", zit. n. Kollmann, Streitgespräch, S. 18-27.

15 „Die Disputation ist vom Mittelalter bis weit ins 18.Jahrhundert eine Unterrichtsform, die im Charakter von Streitgesprächen Probleme erörtert und diskutiert, und schließlich sich institutionell so fest verankert, sodass sie neben der Lectio, der Vorlesung, als gleichberechtigte Unterrichtsform steht.", zit. n. Kollmann, Streitgespräch, S. 14. Die Disputatio sollte nicht dem Asianismus verpflichtet sein, was auch auf Niavis' Schrift zutrifft.

16 Miller, Larry: Disputatio(n). In: Lexikon des Mittelalters Ill (1989), 1116; Sp. 1116-1120.

17 Die Streitrede wurde als Mittel zurSchulübung in den Progymnasmata der Rhetorik genutzt.", zit. n. Kollmann, Streitgedicht, S. 24.

18 Die Unterrichtseinheit wird normalerweise nach den Themenblöcken „Macht und Politik" und „Liebe, Laster, Leidenschaft" behandelt. Die Kinder kennen folglich meist etwas von Caesar und Martial, evtl. auch schon von Nepos, Catull, Ovid, Curtius Rufus und Einhard.

19 Wobei es im Literaturunterricht in der Regel keine gute Idee ist, inhaltliche Aspekte sprachlichen nachzuordnen.

20 In der Rede des Jupiter: magnos, intolerandam, incredibilem, solius, innumeras, gravissima, solida, immobilis, iustissimum, commodissimum, divinus, commodius, potius

21 Multi, quippiam, ullius, nullum, omnia, aliquid

22 In die, in nocte, in terrae regionibus

23 Cupiditate argenti

24 Iniuriam intolerandam, ad laborandum, ad tuendum

25 Perspicuum est nullam sibi sufficere. Ostdendam divinis legibus non esse prohibitum. Homines debent montes transfodere (...) corpus conglutinari (...)

26 pertinentibus

27 In fructibus ad usum pertinentibus humanum

28 Auch Georg Agricola hat die Erzgänge mit Adern, Anlagen in der Erde mit einem Organismus verglichen, siehe Herlitzius, Agricola, S. 45.

29 Die enklitische Stellung des „equidem" ist von der Verfasserin dem klassischen Brauch gemäß hergestellt worden. Das Original lautet „Equidem sunt".

30 Man findet sie ebenso bei Cassius Felix (um 500 n.), dem Mönch Bernardus Claraevallensis um 1150 benutzt wie auch von dem Humanisten Antonio Bonfini um 1500 (Bernardus Claraeuallensis- Epistulae epist. : 310, vol. : 8, pag. : 230, linea : 8; Cassius Felix - De medicina ex Graecis logicae sectae auctoribus liber translatus LLA 721.1, cap.: 22, pag.: 39, linea: 3).

31 Thomas de Aquino - Summae theologiae prima secundae

quaestio: 102, articulus: 4, argumentum: 3, linea: 1. „Humanus cultus" laut Latin Library A nur Anonymus - Theodori Mopsuesteni Expositio in psalmos (epitome translationis) Cl. 0777 b (A), psalmus : 103, linea : 94 M. Tullius Cicero - De oratore liber : 1, par. : 33, pag. : 14, linea : 9; Concilium Uaticanum II 1962-1965 (Conc. oecum. et gener. eccl. cathol.) constitutio : Inter mirifica, par. : 14, pag. : 847, linea : 17

32 "Natura condicio" u.a. auch bei Laktanz, Tertullian, Augustinus, Beda Venerabilis, Gregorius Magnus und Petrus Damian, siehe: Lactantius - De opificio Dei Cl. 0087, cap. : 2, par. : 6, pag. : 8, linea : 11 [*]Tertullianus - De anima Cl. 0017, cap. : 21, linea : 40, Augustinus Hipponensis - Contra lulianum opus imperfectum Cl. 0356, lib. : 1, par. : 63, pag. CSEL : 59, linea : 1 [*], Beda Uenerabilis - In prouerbia Salomonis libri iii Cl. 1351, lib. : 3, cap. : 31, linea : 99 [*], Gregorius Magnus - Regula pastoralis Cl. 1712, pars : 2, cap. : 6, linea : 48 [*], Petrus Damiani - Epistulae CLXXXvol. : 2, epist. : 81, pag. : 422, linea : 10 [*]

33 Siehe Anhang.

34 Heeg, Thiemo: Millionen für den Bergbau. Sachsen im Silberrausch, SZ vom 11.1.2011, siehe Anhang.

35 The Silver Institute, Old World Silver, Internetseite: http://www.silverinstitute.org/old_world_silver.php

36 Eine ähnliche Metaphorikund Terminologie wurde in antiken indischen Texten verwandt: Im Atharva Veda, den Hymnen an die Erde steht: „Was ich von dir, o Erde, ausgrabe, lass es schnell nachwachsen. Lass mich, o Reinigende, weder deinen Lebensnerv durchtrennen noch dein Herz durchbohren.", siehe Grober, Nachhaltigkeit, S. 234- 236.

37 Siehe Anhang. Die Resilienz der Erde werde durch die Artenvielfalt verbessert: Gaia-Hypothese (Lovelock/Margulis): Es gäbe ein Prinzip, dass die Erde dazu bringt, lebensbegünstigende Situationen aufrechtzuerhalten.

38 White macht das Christentum für die folgenden Umweltkrisen verantwortlich. Brauer, Handbuch, S. 9. Einer der Wegbereiter der französischen Revolution und damit der Demokratie in Europa, Jean-Jacques Rousseau, hat die Natur als eine noch nicht durch den Menschen entweihte „reine, echte, erhabene Welt" gesehen. Diese und andere romantische Naturbetrachtungen von Goethe, Brehm, Darwin und Haeckel beispielsweise könnten mit den antiken Naturvorstellungen in idyllischen Hirtengedichten verglichen werden, siehe Reichholff, S. 145.

39 Brauer, Handbuch, S. 9.

40 Grober, Nachhaltigkeit, S. 64.

41 Viele Wörter wie Adaption, Mitigation (Maßnahmen, die durch die Reduktion derTreibhausgasemissionen und eine verstärkte Kohlendioxid-Versenkung darauf abzielen, den Klimawandel abzubremsen), Resilienz (Fähigkeit natürlicher oder menschlicher Systeme auch tiefgreifende Veränderungen intakt zu überstehen); Vulnerabilität kommen im Text nicht vor. Auch nicht das Wort Evolution, lat. Ausrollen einer Schriftrolle, das seit etwa 1670ern auch auf biologische Vorstellungen übertragen wurde, siehe Gruber, Nachhaltigkeit, S.77.

42 Kreibich, Bericht, S. 10. Auch die Begriffe „sustained yield", „rendement soutenu" leiten sich etymologisch von „sustentatio" ab, siehe Grober, Nachhaltigkeit, S. 212.

43 In Sachsen gab es ab 1460 ein Bergregal, das die Neuanlage von Zechen erleichterte, die Zechen gehörten Kaufleuten. In Sachsen standen der Montanindustrie der Amtmann, der Bergmeister und der Zehnter (Abgaben für den Fürsten) vor, ab 1542 wurden die Montanbeamten in einen eigenständigem Beamtenapparat zusammengefasst, deren Aufgaben in einer Landesbergordnung von 1589 zusammengefasst wurden. Pfister, Silber, Sp. 1-8. Constitutiones iures metallici, das erste böhmiscche Berggesetz 1300, Annaberger Bergordnung 1509, Grundsätze blieben bis zum allg. böhmischen Berggesetz von 1854 gültig. Maier, Bergbau, S.37.

44 Brauer, Handbuch, S. 50-55.

45 Das letztendliche Ziel allen menschlichen Handelns, das Glück im Diesseits und Jenseits, wird hier zwar nicht genannt, ist aber implizit bei heutigen Anführungen der Gründe für einen Umweltschutz enthalten und lässt sich auf Aristoteles zurückführen. Es wurde noch zweihundert Jahre nach Niavis von Leibniz und Spinoza aufgenommen. Eine Europa-weite Institution ist IMPEL, die über die Einhaltung der Richtlinien wacht. IMPEL = European Union Network for the Implementation and Enforcement of Environmental Law. Das 2011 gültige Gesetz stammt von 2008, das vor allem den Umgang mit Abfällen und anderen Stoffen regelt, die die Luft-, Boden- oder Wasserqualität beeinträchtigt, siehe „Richtlinie 2008/99 EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 19. November 2008 über den strafrechtlichen Schutz der Umwelt", http://eur-lex.europa.eu/LexUr¡Serv/LexUriServ.do?ur¡=0J:L:2008:328:0028:0037:DE:PDF, zuletzt aufgerufen am 14.8.2011. „Mining legislation in Germany consists of the Federal Mining Act of 1980 and a number of Mining Ordinances on technical and procedural issues, e.g. the Federal General Mining Ordinance of 1995, the Health and Safety Mining Ordinance of 1991, the Ordinance on the Environmental Impact Assessment of Mining Projects of 1990. These provisions set up a uniform mining law for all important mineral resources in the form of a comprehensive law covering all aspects of mining, including health and safety and environment, supervised byone single administration (one-stop shop).

This comprehensive system has been strengthened in the past 30 years several times with the transferring into national German legislation of new European legislation on concessions, environment and health and safety in the extractive industries, e.g. the transposition of the EU Environmental Impact Assessment Directive 85/337/EEC and the EU Mining Waste Directive 2006/21/EC for the mining sector within the procedures of mining law, rather than in general environmental law through anamendmentof the Federal Mining Act and an additional Ordinance.", laut: http://www.un.org/esa/dsd/dsd_aofw_ni/ni_pdfs/NationalReports/germany/mining.pdf, zuletzt aufgerufen am 15.8.2011

46 Kreibel, Bericht, S. 5.

47 Barbara Ward meinte, alle ethischen Systeme der Welt sagten, dass wir durch Mäßigung, durch Empathie, durch Gerechtigkeit leben, durch Aggression, Stolz, Habsucht, Gier aber sterben. Grober, Nachhaltigkeit, S. 238.

48 2011 werden die Mindeststandards für ein menschenwürdiges Leben in den Milleniumsentwicklungszielen („Millenium Developement Goals") beschrieben. Sie bilden die zentralen Bezugspunkte der deutschen Entwicklungspolitik, siehe: http://www.dialog- nachhaltigkeit.de/pdf/Entwurf_Fortschrittsbericht_2012.pdf, S. 301.

49 Bezieht sich Niavis' Aussage zudem aufden Silberbergbau am Schneeberg, so hat sich der Mensch hier geirrt, denn das Silber wurde nach einer gezielten Suche gefunden, siehe: Kugler, Silberfund, S. 2.

50 Spier, Big history, S. 197.

51 Wie die für die Computerindustrie, Münzherstellung, RFID und bleifreie Weichlote bspw..

52 Brauer, Handbuch, S.32.

53 Brauer, Handbuch, S. 19-23.

49 von 49 Seiten

Details

Titel
Das „Iudicium Iovis“ des Paulus Niavis als Unterrichtslektüre in der neunten Klasse
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Klassische Philologie)
Veranstaltung
Latein und Europa – Der Lateinlehrer als Allrounder und Dilettant
Note
2,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
49
Katalognummer
V276218
ISBN (Buch)
9783656707462
Dateigröße
7262 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Niavis, Bergbau, Nachhaltigkeit, sustainability, Umweltschutz, Übergangslektüre, Inkunabel
Arbeit zitieren
Anna Nießner (Autor), 2011, Das „Iudicium Iovis“ des Paulus Niavis als Unterrichtslektüre in der neunten Klasse, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/276218

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