Geschlechtsunterschiede in der Bindungsentwicklung


Hausarbeit, 2003

13 Seiten, Note: 2

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Vorwort

2. Die Geschichte der Bindungstheorie - Der frühe Werdegang von John Bowlby
2.1 Bowlbys Zeit in der Child Guidance Clinic und erste Ansätze der Bindungstheorie
2.2 Bowlbys erste empirische Studie über Bindungsbeziehungen
2.3 Bowlbys Zeit in der Tavistock Clinic

3. Die erste offizielle Darstellung der Bindungstheorie
3.1 Die Bindungstheorie

4. Geschlechtsbezogene Aspekte der Bindungsentwicklung - Einstellung der Eltern gegenüber den Kindern
4.1 Bindung des Sohnes
4.2 Bindung der Mutter
4.2.1 Der Vergleich von Mutter-Sohn und Mutter-Tochter-Paaren
4.2.2 Einschätzung mütterlicher Feinfühligkeit in Beobachtungssituationen durch eine Neun-Punkte-Ratingskala
4.2.3 Makroanalytischen Erhebungsmethoden um Verhaltensmuster zu erfassen
4.2.4 Geschlechtsunterschiede im emotionalen Ausdrucksverhalten
4.2.5 Herausbildung der Geschlechtsunterschiede
4.3 Auswirkung von Bindungserfahrung bei Jungen und Mädchen
4.3.1 Konfliktbewältigungsmuster bei Jungen und Mädchen

5. Ausblick und Perspektiven

6. Literaturverzeichnis

1. Vorwort

In folgender Arbeit soll auf die Geschlechtsunterschiede in der Bindungsentwicklung eingegangen werden. Nach einer Einleitung über die Bindungstheorie im Allgemeinen und einer Biographie über ihren Begründer John Bowlby , soll über die Bindung der beiden Elternteile und deren Einstellung und Umgang mit den unterschiedlichen Geschlechtern, über Vergleiche von Mutter- Tochter - und Mutter- Sohn- Paaren und auch über die unterschiedlichen Bindungserfahrungen von Jungen und Mädchen gesprochen werden. Außerdem wird die Feinfühligkeit von Müttern durch eine Neun - Punkte – Ratingskala eingeschätzt und es werden in diesem Referat auch makroanalytische Erhebungsmethoden vorgestellt, mit denen Verhaltensmuster erfasst werden können. Weiterhin soll beschrieben werden wie und wann sich die Geschlechtsunterschiede bei den Kindern herausbilden und die damit verbundenen Auswirkungen auf die Bindungserfahrung von Jungen und Mädchen aufgezeigt werden. Schließlich wird noch über die unterschiedlichen Konfliktbewältigungsmuster bei den Kindern gesprochen und es wird ein Ausblick und einige Perspektiven gegeben.

Die Wahl fiel auf das Thema der Geschlechtsunterschiede, da ich annahm, eine Menge Literatur und Informationen zu finden. Bei der Suche im Internet bestätigte sich diese Annahme nicht.

In nur drei Büchern konnte ich mich letztendlich über mein Thema informieren.

Das ist auch der Grund, warum sich die Quellenangaben ausschließlich auf diese Bücher beziehen.

Leider ist das Thema der Geschlechtsunterschiede in der Bindungsentwicklung bisher viel zu wenig betrachtet wurden und die meisten Studien werden als unzureichend eingestuft oder ergaben nichts genaueres.

Trotz alle dem habe ich während meiner Recherchen schließlich einige interessante Ergebnisse erhalten.

2. Die Geschichte der Bindungstheorie - Der frühe Werdegang von John Bowlby

Der 1907 geborene John Bowlby beschäftigte sich 1927, im dritten Jahr seines naturwissenschaftlichen Studiums an der Universität Cambridge, erstmals mit entwicklungspsychologischen Themen. Daraufhin entschied er sich eine ehrenamtliche Tätigkeit in zwei psychoanalytischen orientierten Kinderheimen für schwererziehbare Kinder und Jugendliche aufzunehmen.

Die Erfahrungen, die er dort mit einem extrem distanzierten und einem extrem anhänglichen Kind machte, hatten einen nachhaltigen Eindruck auf ihn, denn er sah in dem Verhalten der Kinder Auswirkungen früher Trennungen von den Eltern. Aufgrund dieser Einsichten entschloss er sich ein Jahr später, das Medizinstudium in London aufzunehmen, aber nun mit dem Ziel, Kinderpsychiater und Psychoanalytiker zu werden.

2.1 Bowlbys Zeit in der Child Guidance Clinic und erste Ansätze der Bindungstheorie

1933, nach dem Abschluss seines Psychiatriestudiums, bekam Bowlby eine Stellung bei der Londoner Child Guidance Clinic. Dort wurde sein Denken stark von der Zusammenarbeit mit zwei psychoanalytisch ausgebildeten Sozialarbeiterinnen beeinflusst, die seine Ansichten über die Bedeutung früher Familienerfahrungen teilten. „Er habe, so sagte er später, von ihnen viel mehr gelernt als von den Analytikern und Psychiatern, die ihn ausgebildet hatten.“1 Im Laufe seiner Arbeit an der Child Guidance Clinic wurde es Bowlby immer deutlicher, dass sich die Psychoanalyse viel zu sehr mit dem kindlichen Phantasieleben beschäftigte, ohne die Wirkung von tatsächlichen Familienereignissen zu berücksichtigen.

Diese Sichtweise brachte er in einem interessanten Artikel zum Ausdruck, der bereits einige zentrale Ideen der Bindungstheorie vorweg nimmt (Bowlby,1940). Darin unterstrich Bowlby die nachhaltigen Auswirkungen früher Eltern-Kind-Trennungen und empfahl beispielsweise, dass man es Müttern erlauben solle, kleine Kinder im Krankenhaus zu besuchen. Für Mütter, die mit Erziehungsproblemen Schwierigkeiten hatten, schlug er vor: „Eine wöchentliche Besprechung, in der ihre Probleme analytisch angegangen und zu ihrer eigenen Kindheit zurückverfolgt werden. Wenn man einer Mutter helfen kann, Zugang zu den Gefühlen zu bekommen, die sie als Kind hatte, um sie nun wieder zu erleben, und wenn sie dann entdeckt, dass diese Gefühle mit Toleranz und Verständnis akzeptiert werden, kann sie zunehmend auch gegenüber ihrem Kind mitfühlend und tolerant reagieren, wenn es ähnliche Gefühle zum Ausdruck bringt.“2

Diesem Zitat ist zu entnehmen, dass sich Bowlby schon von Anbeginn seiner beruflichen Laufbahn an mit der generationsübergreifenden Weitergabe von Bindungsbeziehungen beschäftigt hat.

2.2 Bowlbys erste empirische Studie über Bindungsbeziehungen

Bowlby wertete dann eine Reihe von Fallbeschreibungen aus, die aus einer Arbeit an der Child Guidance Clinic stammten. Dies führte zu seiner ersten empirischen Studie über „Fourty-four juvenile thieves, their characters and home lives“, die 1944 in überarbeiteter Form erschien. Einige der jugendlichen Diebe erwiesen sich als gefühllose Persönlichkeiten, was Bowlby mit ihren früheren Erfahrungen von mütterlicher Trennung und Ablehnung in Verbindung setzen konnte.

Während des zweiten Weltkrieges wurde seine Entwicklung als Forscher dann durch die Tätigkeit in der Armee gefördert, denn dort kam er mit mehreren Kollegen in Kontakt, die später den Kern der Tavistock Clinic und des „Institute for Human Relation“ bildeten.

Die Mitglieder dieser Gruppe waren im Zivilleben Psychiater, Analytiker und Psychologen, (unter anderem Eric Trist und Jock Sutherland) .

Bowlbys spezielle Aufgabe in dieser Zeit war die umfassende Überprüfung von Auswahlverfahren für Offiziere mit Hilfe von Fragebögen. Bowlby betrachtete diese Erfahrung als „eine Dissertation unter der Anleitung von Eric Trist und Jock Sutherland“.3

Unter ihrem Einfluss begann er auch den Artikel über die 44 jugendlichen Diebe neu zu bearbeiten, wobei er seine Schlussfolgerung nun nicht nur durch klinische Fallbeschreibungen, sondern auch durch statistische Bewertung begründen konnte.

2.3 Bowlbys Zeit in der Tavistock Clinic

Nach Ende des Krieges wurde Bowlby Leiter der Kinderabteilung an der Tavistock Clinic. Zu Bowlbys Bedauern wurde die meiste klinische Arbeit in seiner Abteilung von Therapeuten ausgeführt, die sich nicht besonders für das aktuelle Familienleben interessierten. Da er seine Forschungspläne dort nicht umsetzen konnte, gründete er eine eigene unabhängige Forschungsgruppe, in der Mary Ainsworth durch einen Zufall einige Jahre später seine Mitarbeiterin wurde.

[...]

1 Spangler / Zimmermann (Hrsg.) (1995) Die Bindungstheorie. Die Geschichte der Bindungstheorie. Stuttgart: Klett-Cotta-Verlag, S. 28

2 Spangler / Zimmermann (Hrsg.) (1995) Die Bindungstheorie. Stuttgart: Klett-Cotta-Verlag, S. 28

3 Spangler / Zimmermann (Hrsg.) (1995) Die Bindungstheorie. Stuttgart: Klett-Cotta-Verlag, S. 29

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Geschlechtsunterschiede in der Bindungsentwicklung
Hochschule
Universität Leipzig  (Pädagogische Psycholgie)
Note
2
Jahr
2003
Seiten
13
Katalognummer
V27700
ISBN (eBook)
9783638296779
ISBN (Buch)
9783640921317
Dateigröße
446 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Geschlechtsunterschiede, Bindungsentwicklung
Arbeit zitieren
Anonym, 2003, Geschlechtsunterschiede in der Bindungsentwicklung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/27700

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