Schulentwicklung. Maßnahmen zur Unterstützung von Berliner Schulen während der Schulstrukturreform

Ein Praktikum im Referat I A der Senatsverwaltung zum Bereich „Unterstützung und koordinierende Beratung der Schulen und regionalen Schulaufsichten“


Praktikumsbericht / -arbeit, 2010

8 Seiten, Note: 2,0

Frida Bliesweiler (Autor)


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Kontext und Situation des Unterstützungssystems

3 Erfolge des „Qualifizierungs- und Unterstützungsprogramms“

4 Erfahrungen über den Untersuchungsbereich hinaus

5 Schlussfolgerungen und Ausblick

1 Einleitung

Ziel der Praxiserkundung ist es, Umsetzungsmöglichkeiten von Schulentwicklung kennenzulernen und dessen Transfermöglichkeiten auf die eigene Praxis einzuschätzen. Dahinter steht die Idee, angehenden Schulleitern eine Gelegenheit anzubieten, Prozesse der Qualitätsentwicklung von Schule näher zu erkunden.

Unter „Schulentwicklung“ werden hier Maßnahmen verstanden, die zur Verbesserung der Schulqualität auf der Ebene des Unterrichts, der Schulkultur und der Personalentwicklung beitra- gen. Schulentwicklung ist ein zielgerichteter und reflexiver Prozess, der von innen gesteuert wird, aber auch durch externe Unterstützung und Beratung begleitet werden kann.1 Von innen gesteuer- te Qualitätsprozesse sind mir als Lehrer mehr vertraut als externe Prozesse, sodass ich mir von diesem Praktikum erhoffte, v. a. Maßnahmen der externen Unterstützung und Beratung eingehen- der kennenlernen zu können.

Daher hatte ich mich erfolgreich um einen Praktikumsplatz im Referat I A der Senatsverwaltung bemüht, das sich mit der „Unterstützung und koordinierende[n] Beratung der Schulen und regionalen Schulaufsichten“ befasst. Ich erhielt einen Praktikumsplatz bei Frau Birka Schmittke, die zum einen für die „prozessbegleitende Schulberatung“ und zum anderen für „Qualifizierungsmaßnahmen für die neue Schulstruktur“ verantwortlich ist.

In ausführlicher Absprache mit Frau Schmittke und orientiert an meinen Interessen wurde der Praktikumsschwerpunkt auf den Bereich „Unterstützungssysteme für Berliner Schulen“ gelegt. Daraus ging die Untersuchungsfrage hervor, inwiefern Schulen im Zuge der Berliner Schulstrukturreform mit Unterstützungssystemen begleitet werden und welche Erfolge mit Blick auf eine Schulentwicklung bereits verzeichnet werden konnten. Da die Reform eine Fülle an Veränderungen vorsieht, beschränke ich mich im Rahmen dieses Berichts schwerpunktmäßig auf die exemplarische Betrachtung eines Unterstützungssystems, das eigens für den Übergang von den weiterführenden Schulen 2 zu den Integrierten Sekundarschulen konzipiert worden ist.

Dafür werde ich zunächst den Kontext und die Situation jenes Unterstützungssystems be- schreiben und im Anschluss daran sich abzeichnende Erfolge des Unterstützungssystems ablei- ten. Im vorletzten Punkt skizziere ich zusätzliche Unterstützungssysteme, die lediglich für ein spe- zielles Klientel (wie z. B. Schulleitern) bereitstehen und für mich von unmittelbarem Interesse sind. Im Schlusswort gilt es dann zu reflektieren, welcher Transfer auf meine eigene Praxis denkbar ist.

2 Kontext und Situation des Unterstützungssystems

Dass eine Reform vonnöten ist, wird am häufigsten mit der Vielzahl unbefriedigender Ergebnisse bei Vergleichsarbeiten, niedriger Schulabschlüsse sowie mit der „veränderten Schülerschaft“ begründet.3 Daraus wurde geschlussfolgert, dass v. a. eine effektive und präventive Kompensation gesellschaftlicher Benachteiligung erforderlich sei, um mit verbesserten Bildungsergebnissen die Chance auf gesellschaftliche Teilhabe zu erhöhen. Diese Kompensation soll mit einer Schulstrukturreform geebnet werden, welche u. a. die Zusammenfassung der Haupt-, Real-, verbundenen Haupt- und Real- sowie der Gesamtschulen zur Integrierten Sekundarschule vorsieht.4 Damit sollen z. B. Hauptschüler von dem Stigma des „Restschülers“ befreit werden.

Dieser Reform wohnt die Überzeugung inne, dass die Integrierte Sekundarschule helfen kann, den Schülern5 unabhängig von der sozialen Herkunft zu bestmöglichen Abschlüssen zu verhelfen. Unerlässlich sei dafür insbesondere die individuelle Förderung der jeweiligen Begabungen.6

Um dieses Vorhaben zu realisieren, werden allen Schulen fünf Unterstützungssysteme bereitgestellt, die wie folgt betitelt werden:

1. Schulaufsicht
2. Regionale Fortbildung
3. Landesprojekte
4. Schulpsychologie
5. Qualifizierungs- und Unterstützungsprogramm

Das letztgenannte Unterstützungssystem ist für den zugrunde liegenden Untersuchungsschwerpunkt am bedeutsamsten, da dieses explizit auf die Beratung und Unterstützung der Integrierten Sekundarschulen abzielt. Daher wird dieses System nachstehend näher betrachtet.

Dieses fakultative Unterstützungssystem baut auf fünf Säulen 7 auf, die einander bedingen und miteinander verzahnt zu betrachten sind, soll Schulentwicklung systematisch und auf hohem Quali- tätsniveau betrieben werden. Diese Säulen stellen gleichzeitig die Pfeiler der Schulstruktur dar.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten8

Damit das System mit seinen fünf Säulen wertschätzende Akzeptanz erfahren und die Unterstüt zung gelingen kann, wurde in eine Reihe von Gelingensmaßnahmen auf verschiedenen Kanälen investiert. Beispielhaft seien hier vier Maßnahmen auf vier verschiedenen Kanälen vorgestellt:

1) Die Schulaufsicht wurde explizit zum „Qualifizierungs- und Unterstützungsprogramm“ ge- schult, um versiert reagieren und direkte Auskünfte geben zu können, wenn Anfragen zur Re- form und dem Unterstützungssystem eingehen.
2) Jede Schule kann über das System „Regionale Fortbildung“ individuell schulinterne Fortbil- dungen für das gesamte Kollegium beantragen, die über jenes Unterstützungssystem finanziert werden. Das vereinfacht die Organisation und macht Fortbildungen im Team möglich, was dem Charakter der Schulstrukturreform gerecht wird.
3) In einem mehrtägigen Auftaktworkshop und mehreren Qualifizierungsveranstaltungen wurden die Schulleitungen über die Unterstützungsangebote informiert, Gelingensbausteine bespro- chen, Erwartungen und Fragen diskutiert sowie Vereinbarungen zur Prozesssteuerung inner- halb der jeweiligen Region getroffen.
4) Lehrer, die sich für die Beratung der Sekundarschulen interessieren, wurden hinzugezogen und in Workshops zu „Multiplikatoren der Unterrichtsfächer“ - auch Unterrichtsberater genannt - ausgebildet. Diese Qualifizierung soll die Multiplikatoren befähigen, die Lehrkräfte der Sekundarschulen auf die veränderten inhaltlichen, pädagogischen und didaktisch-methodischen Anforderungen vorzubereiten.9

Insgesamt wurden viele Maßnahmen initiiert, um die Schulen auf die Schulstrukturreform vorzube- reiten, begleitende Unterstützungsmöglichkeiten für die Schulen publik zu machen und um Sicher- heit zu vermitteln. So ist mit Blick auf die Untersuchungsfrage zu konstatieren, dass Personal aus verschiedenen Bereichen qualifiziert worden ist, das während der Reform unterstützend tätig ist.

3 Erfolge des „Qualifizierungs- und Unterstützungsprogramms“

Da die Schulstrukturreform erst im Schuljahr 2010/11 in Kraft tritt, liegen derzeit keine qualitativen Ergebnisse zum Unterstützungssystem „Qualifizierungs- und Unterstützungsprogramm“ vor, aus denen mit Blick auf eine Schulentwicklung Erfolge und Grenzen abgeleitet werden könnten. Dennoch lässt sich eine erste Bilanz ziehen, da aus den Vorbereitungen der Schulen, die bereits seit einem Jahr laufen, quantitative Daten ermittelt worden sind.

Ein Erfolg besteht darin, dass es gelungen ist, allen Schulleitungen dieselben Ausgangsvor- aussetzungen zu vermitteln, da diese vollzählig an den vorbereitenden Informationsveranstaltun- gen teilgenommen haben, obwohl sie keinen obligatorischen Charakter hatten. Das spiegelt die Neugierde der Berliner Schulleitungen sowie die Bereitschaft wider, sich der neuen Schulstruktur zu öffnen. „Keine Berliner Schule hat sich wegen der Neuerungen quer gestellt“, erklärte mir Frau

Schmittke übereinstimmend in einem Gespräch. Diese Haltung der Schulleitungen ist eine wichtige Voraussetzung für gelingende Schulentwicklung.

Gleichzeitig kann aus der hohen Anzahl derer, die weitere Angebote genutzt haben, das Interesse am Unterstützungssystem geschlussfolgert werden: So bot das LISUM eine fakultative „Basisqualifizierung“ in drei Modulen an, in denen die Schulleitungen über mehrere Monate für das Changemanagement und die pädagogischen Innovationen qualifiziert wurden. Diese Module hatten bspw. die Steuerung der Veränderungsprozesse oder die Umsetzung der sog. Neuen Lernkultur zum Inhalt. Anwesend waren rund 300 Teilnehmer!

Da manche Schulleitungen zum Zeitpunkt der „Basisqualifizierung“ verhindert waren, wurde die Nachfrage nach einer Wiederholungsveranstaltung laut, der auch nachgekommen werden soll. Das bestätigt um ein weiteres Mal die offene Grundhaltung gegenüber der Schulstrukturreform, die eine systematische Schulentwicklung zum Ziel hat. Der einheitliche Input, der über die Basisquali- fizierung an den Großteil der Berliner Schulleitungen herangetragen worden ist, ist ebenfalls eine förderliche Voraussetzung für das Gelingen von flächendeckender Schulentwicklung.

Ähnliche Aussagen lassen sich für einige Berliner Lehrer treffen. So nahmen an der LISUM- Qualifizierung zum Unterrichtsberater 70 Lehrerkräfte teil, in der bspw. die Rolle des Multiplikators definiert oder die Individualisierung des Lernens thematisiert worden sind. Diese Anzahl an Freiwil- ligen sei beachtlich, so Frau Schmittke, und ließe die Vermutung zu, dass die Schulstrukturreform als Rahmen für Schulentwicklung verstanden und das Unterstützungssystem als Hilfsmittel genutzt wird.

Allerdings sind auch Grenzen offenkundig geworden: Wie bereits erwähnt, haben die Schulen nun die Chance, schulinterne Fortbildungen einzufordern, die jede Schule individuell auswählen kann. Das macht die Vergleichbarkeit und die Vereinheitlichung des qualitativen Fortbildungsni- veaus schwierig. Noch existiert kein Controllingsystem, das die Qualität der Fortbildungen transpa- rent, messbar und öffentlich macht, was zur Folge hat, dass die Schulen unterschiedlich gut ge- schult werden. Als Lösungsansatz wäre es denkbar, so Frau Schmittke, dass ein Evaluationsportal online etabliert wird, in dem die Fortbildungsteilnehmer die jeweilige Fortbildung (und den Referen- ten) qualitativ bewerten. Diese Bewertungen können dann von allen anderen Schulen eingesehen werden.

Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass von einer erwartungsvollen Grundhaltung bei den meisten Lehrern und Schulleitern gegenüber der Schulstrukturreform ausgegangen wer- den kann, wie die hohen Teilnehmerzahlen bei den Qualifizierungsveranstaltungen vermuten las- sen. Darüber hinaus ist die Tatsache, dass die Veranstaltungen so gut besucht wurden, insofern ein Erfolg, als dass über jene Veranstaltungen das verstärkte Potenzial auf systematische Schul- entwicklung angesichts der veränderten Schülerschaft gezielt ins Bewusstsein gehoben werden konnte.

[...]


1 Vgl. Bildungsserver Berlin-Brandenburg (Hg.): Schulqualität. In: http://bildungsserver.berlin-brandenburg.de/schulentwicklung0.html, 30. Juli 2010.

2 Gymnasien ausgenommen

3 Vgl. GEW Berlin (Hg.): Zöllners Schustrukturkonzeption [sic!]. In: http://www.gew-berlin.de/blz/17996.htm, 1.8.2010.

4 Vgl. Arnz, Siegfried: Reform der Schulstruktur in Berlin. In: http://www.berlin.de/sen/bildung/bildungspolitik/schulreform/, 30. Juli 2010.

5 Zugunsten des Leseflusses wird in diesem Bericht ausschließlich die maskuline Form verwendet. Impliziert sind aber selbstverständlich auch alle Schülerinnen. Selbiges gilt für Lehrerinnen.

6 Vgl. Senatsverwaltung für Bildung, Forschung und Wissenschaft (Hg.): Qualifizierungs- und Unterstützungsprogramm. In: Persönliche Power-Point- Präsentation von Frau Schmittke.

7 Vgl. Senatsverwaltung für Bildung, Forschung und Wissenschaft (Hg.): Schulreform. In: http://www.berlin.de/sen/bildung/bildungspolitik/schulreform/, 2.8. 2010.

8 Zum Dualen Lernen liegt eine Handreichung vor, die online eingesehen werden kann. Siehe: Senatsverwaltung für Bildung, Forschung und Wissenschaft (Hg.): Duales Lernen in der Integrierten Sekundarschule. In: http://www.berlin.de/imperia/md/content/sen- bildung/bildungspolitik/schulreform/duales_lernen_handreichung.pdf?start&ts=1275479436&file=duales_lernen_handreichung.pdf, 3.8.2010.

9 Vgl. Senatsverwaltung für Bildung, Forschung und Wissenschaft (Hg.): R:/1A/1A_SB/Qualifizierung/Zuarbeit für Pressekonferenz Senator. In: Persönliche Unterlagen von Frau Schmittke.

Ende der Leseprobe aus 8 Seiten

Details

Titel
Schulentwicklung. Maßnahmen zur Unterstützung von Berliner Schulen während der Schulstrukturreform
Untertitel
Ein Praktikum im Referat I A der Senatsverwaltung zum Bereich „Unterstützung und koordinierende Beratung der Schulen und regionalen Schulaufsichten“
Hochschule
Freie Universität Berlin
Note
2,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
8
Katalognummer
V278340
ISBN (eBook)
9783656721000
ISBN (Buch)
9783656722090
Dateigröße
466 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Unterrichtsqualität, Praktikum, Praktikumsbericht, Senatsverwahltung, Berlin, Schulentwicklung, Praxiserkundung, Aufbaustudium, Lehramt, Schulstrukturreform, Unterstützungssysteme, Schulaufsicht, Schulkultur, Personalentwicklung, Beratung, Teamarbeit
Arbeit zitieren
Frida Bliesweiler (Autor), 2010, Schulentwicklung. Maßnahmen zur Unterstützung von Berliner Schulen während der Schulstrukturreform, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/278340

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Schulentwicklung. Maßnahmen zur Unterstützung von Berliner Schulen während der Schulstrukturreform



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden