Heimat in der Fremde

Österreich und Deutschland im Exilfilm


Seminararbeit, 2014

17 Seiten, Note: 2


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

„Heimat in der Fremde“

Österreich und Deutschland im Exilfilm

SE Zeitgeschichte als Filmgeschichte: Von Wien nach Hollywood

Vorwort

Klischees und Stereotype

Deutschland

Österreich

Österreich und Deutschland im Film

The Emperor Waltz

Confessions of a Nazi Spy

Casablanca

Zusammenfassung

Quellenverzeichnis

Zitierte Werke

Filme

Vorwort

Dass Fritz Lang und Billy Wilder „eigentlich Österreicher“ waren und Max Ophüls „eigentlich Deutscher“ war ist alles andere als ein Geheimnis. Dass viele von den Nationalsozialisten vertriebene Filmschaffende in Paris, London und Hollywood landeten ist Vielen ebenfalls bekannt. Dass die wenigsten von ihnen ein solcher Erfolg beschieden war wie den drei oben genannten ist meist weniger bekannt.

Den durch den Nationalsozialismus in die Emigration gezwungenen Filmschaffenden gehörten auch Personen an deren Arbeit am Film mit weniger öffentlicher Anerkennung und weniger Ruhm verbunden war als jene der Regisseure, Schauspieler und Autoren. Wie ihre zum Teil schon in Deutschland berühmten Kolleginnen und Kollegen waren aber auch sie von der nationalsozialistischen Politik direkt betroffen und wanderten in großer Zahl aus.

Dass diese Filmschaffenden das amerikanische Kino zum Teil stark geprägt haben ist unbestreitbar. Ziel dieser Arbeit soll aber sein ob und in welcher Weise sich deren Herkunft auf die Repräsentation jener Länder aus denen sie vertrieben wurden auswirkt. Zu diesem Zweck wurden drei Hollywoodfilme die unter reger Beteiligung deutschsprachiger Exilfilmschaffender entstanden - und der Einfachheit halber als „Exilfilme“ bezeichnet werden - im Hinblick auf die Darstellung Deutschlands, Österreichs so wie deren Bewohnerinnen und Bewohner analysiert.

Klischees und Stereotype

Um Stereotype als solche zu erkennen muss man sie kennen. Ohne sich darüber im Klaren zu sein was das amerikanische Publikum als genuin „deutsche“ oder „österreichische“ Attribute versteht ist das Destillieren dieser aus im Kino vorkommenden Figuren nicht möglich, da unklar bleiben muss ob deren Verhaltensweisen Alleinstellungsmerkmale der Charaktere sind oder sie als zu einer sozialen, nationalen, ethnischen Gruppe gehörig kennzeichnen sollen. Es ist also zunächst zu klären was das zeitgenössische, amerikanische, Publikum mit Deutschland und Österreich verbindet.

Deutschland

„The Germans are [...] a people, among whom the spirit of revolt and fidelity, of independence and servility, has never changed since the days of Tacitus.“1

Das Deutschen- und Deutschlandbild in den USA vor dem Ersten Weltkrieg ist neben der Identifikation mit vermeintlichen Charakterzügen der historischen Germanen noch von der Wahrnehmung des Gegensatzes der Universitätskultur des 19. Jahrhunderts - dem Land der Dichter und Denker - und der ländlichen Wirtshausseligkeit - Bier, Wurst und Sauerkraut - geprägt2, ein Bild das auch im modernen amerikanischen Unterhaltungsfilm fortlebt.3 Deutschland scheint als eine Nation und weniger als ein aus mehreren Ländern bestehender Staat wahrgenommen worden zu sein. Die Stereotype ähneln jenen der Engländer, die Wurstessen, Biertrinken, fehlenden Humor genauso als „typisch“ Deutsch empfinden wie Organisationstalent, Effizienz und Fleiß.4

Der „Große Krieg“ ändert die Wahrnehmung der positiv konnotierten Stereotype des Deutschen schlagartig. Mit dem Kriegseintritt der Vereinigten Staaten kam eine ungeheure anti-deutsche Propagandamaschinerie ins Rollen. Deutschland begann zunehmend mit Militarismus und Gewalt in Verbindung gebracht zu werden, als imperialistische Macht die sich in Europa auszubreiten versuchte.

Mit dem aufkommen des Nationalsozialismus begann sich die Wahrnehmung ein weiteres Mal zu wandeln. Der Militarismus der Nationasozialisten, die Massenveranstaltungen und Franz Stanzel, National Stereotypes in Literature. In: Waldemar Zacharasiewicz (Hg.), Images of Central European Travelogues by North American Writers. (Tübingen 1995) 20.

Sabine Sielke, Elisabeth Schäfer-Wünsche, „How German Is It?“ Projektionen des 'Deutschen' in der amerikanischen Kultur. In: Burghard König (Hg.), Deutschlandbilder im Spiegel anderer Nationen (Hamburg 2003) 160.

Inken Heeb, Deutschlandbilder im amerikanischen Spielfilm 1946 bis 1993. (Diss. 1997) 145. Louise Northcutt, Investigating the Stereotypes: Germany. In: Thirdyearabroad.com, 5.6.2013, online unter <http://www.thirdyearabroad.com/germany/item/1507-investigating-german-stereotypes.html> (18. Dezember 2013). das faschistische Pathos beeinflussten die Wahrnehmung von Deutschland nachhaltig.

Dies lag insbesondere daran, dass die Nazis die Interpretationshoheit darüber was Deutsch sei und was nicht für sich beanspruchten.

Ein neues Klischee entstand. Jenes des sadistischen SS-Offiziers, der die Kultiviertheit des Bürgerlichen aus dem 19. Jahrhundert, mit einem zur Schau gestellten Militarismus und der Grausamkeit so wie des Sadismus von Filmbösewichten zu vereinen suchte.

Ö sterreich

So es eine von Deutschland unterschiedene Österreichwahrnehmung in den USA gab war sie vor allem von der Habsburgermonarchie, dem Vielvölkerstaat und barockem Prunk geprägt. Wobei die Monarchie vor allem ästhetische Bedürfnisse angesprochen zu haben und weniger als reale Staatsform wahrgenommen worden zu sein scheint.5 Der Adel scheint die Amerikaner in einer besonderen Weise zu erheitern. Das prominenteste Beispiel eines Österreichers der mit diesem Image kokettierte ist wohl Erich von Stroheim, der von sich behauptete blaublütiger k.u.k. Offizier gewesen zu sein.6 Der preußischen Korrektheit wurde die wiener Gemütlichkeit7 gegenübergestellt. Der Klischeeösterreicher verbringt seine Zeit am liebsten biedermeierhaft in Kaffeehäusern bei einer Melange und einem Stück Sachertorte und bewegt sich im Dreivierteltakt fort. In der Tat scheint Österreich durch eine märchenhaft verträumte Brille wahrgenommen worden zu sein.

Bei aller Identifikation des Österreichischen mit Mozart, Sisi und Sigmund Freud zählen ein bis zur Fortschrittsfeindlichkeit überspitzter Konservativismus, schlechte Laune und Faulheit ebenso zu den österreichischen Stereotypen. Darüber hinaus muss zwischen der Wahrnehmung Wiens und den restlichen Bundesländern unterschieden werden weil alles was außerhalb der Hauptstadt liegt mit Gebirge und Lederhosen assoziiert zu werden scheint.

Österreich und Deutschland im Film

Die Darstellungen Deutschlands vor und nach dem Kriegseintritt der USA unterscheiden sich dramatisch. Während Deutschland und Deutsche im amerikanischen Film vor dem Zweiten Weltkrieg unterrepräsentiert sind, nehmen Filme mit deutschen Charakteren oder Matthias Paul Winterer, Das Österreichbild im US-amerikanischen Anti-Nazi-Film bis 1945. (Diplomarbeit 2013) 46.

Richard A. Bermann alias Arnold Höllriegel, Hollywood - Wien und zurück, Feuilletons und Reportagen. (Wien 1999) 186.

Jan-Christoph Horak, Schauplatz Wien, Wien im Anti-Nazi Film Hollywoods. In: Christian Cargnelli und Michael Omasta (Hg.), Aufbruch ins Ungewisse, Österreichische Filmschaffende in der Emigration vor 1945. (Wien 1993) 199. mit Bezug zu Deutschland mit dem Aufkommen des Genres des Anti-Nazi Films deutlich zu, dann allerdings mit eindeutigen Konnotationen.

Österreich hingegen taucht in amerikanischen Filmen vor dem Zweiten Weltkrieg immer wieder auf. The Wedding March (1928), Viennese Nights (1930), Mayerling (1936)8, The Great Waltz (1938) und The Smiling Lieutenant (1931) sind nur einige Beispiele für amerikanische Filme die in Österreich spielen. Was all diese Filme gemeinsam haben ist die kitschige, jedoch im Großen und Ganzen positive Repräsentation der österreichisch- ungarischen Monarchie.

The Emperor Waltz

Billy Wilders Emperor Waltz nimmt in der Analyse von österreichischen Klischees insofern eine besondere Rolle ein da er zum Einen nicht nur im Kaiserreich Österreich spielt und österreichische Klischees aufs Korn nimmt sondern weil zum Anderen mit Billy Wilder ein prominenter Österreicher hinter dem Film steckt. Für Wilder war The Emperor Waltz eine Reaktion auf das Österreich das er bei einem Besuch nach dem Krieg vorfand. Der Film war eine Art Rückblick auf seine Kindheit und war als Ehrerbietung an Ernst Lubitsch gedacht, was Wilder zufolge misslang.9

Oberflächlich betrachtet handelt es sich bei The Emperor Waltz um eine Musikkomödie unter vielen, mit der einzigen Besonderheit, dass sie zur Zeit der Habsburgermonarchie spielt. Die Handlung des gewitzten Vertreters Virgil Smith, der dem österreichischen Kaiser Franz-Josef ein Grammophon verkaufen will und sich dabei in die Gräfin Augusta von Stoltzenberg-Stoltzenberg verliebt könnte genauso gut aus einer Operette stammen. Zu einer Analyse von österreichischen Klischees und Stereotypen eignet sich der Film insofern als dass mit diesen nicht nur ganz unverhohlen gespielt wird sondern auch durch weniger offensichtliche, unterschwellige Anspielungen die auch die zum Zeitpunkt des Filmdrehs kurz zurückliegende Vergangenheit - der Film kam 1948 in die Kinos - reflektieren.

Die adeligen Damen, die die Geschichte von Virgil Smith und Augusta von Stoltzenberg- Stoltzenberg erzählen, machen es sehr offensichtlich was sie von einer Verbindung zweier Menschen unterschiedlichen Standes halten.

Isabella: Who is he?

Elderly nobleman: The most vulgar, impossible, obnoxious, ill-mannered... Princess Bitotska: In one word, he's an American!10 Winterer, Österreichbild 45ff.

Charlotte Chandler, Nobody's Perfect: Billy Wilder, A Personal Biography. (New York 2002) 131ff. The Emperor Waltz, USA 1948, R: Billy Wilder, zitiert nach: <http://www.imdb.com/title/tt0040317/trivia?

In Rückblenden erzählen sie einander sodann die Geschichte wie sich Smith und die Gräfin zum ersten Mal trafen. Während der Vertreter den Kaiserpalast aufsucht um dem Kaiser sein Grammophon zu verkaufen folgen Augusta von Stoltzenberg-Stoltzenberg und ihr Vater einer Ladung des Kaisers, der eine geeignete Partnerin für seinen Hund nobler Abstammung sucht, denn auch die Abstammung Scheherezades, der Hündin von Augusta, lässt sich über Generationen hinweg zurückverfolgen und ist nach Meinung der österreichischen Adeligen „rein“.

Es ist offensichtlich, dass sich in dieser humoristischen und an sich lediglich als Auslöser für die Haupthandlung fungierenden Nebenhandlung ein Diskurs über Rassismus und Abstammung wiederfindet, der am Ende des Filmes sogar, als klar wird, dass die Welpen die Scheherezade gebiert nicht Abkömmlinge des „adeligen“ Hundes sondern des amerikanischen „Mischlings“ von Smith sind, in eine Abhandlung über die Tötung „unreinen Lebens“ übergeht. General von Stoltzenberg-Stoltzenberg, überzeugt das zu tun was die Obrigkeit, der Kaiser, von ihm verlangt befiehlt das Ersäufen von drei Welpen weil sie aus einer „Mischlingsverbindung“ hervorgegangen sind. Diese Episode kann zweifelsohne als Anspielung auf die zu dem Zeitpunkt nur 3 Jahre zurückliegende österreichische Vergangenheit interpretiert werden und widerspricht dem, durchaus auch von den Alliierten unterstützten, Tenor von Österreich als dem ersten Opfer der Nationalsozialisten insofern als er die Österreicher nicht als passive Dulder sondern als aktive Teilnehmer an der Vernichtung „lebensunwerten Lebens“ darstellt. Außer sich vor Zorn rettet Smith die Welpen und konfrontiert den Kaiser mit den Dingen die seine Untergebenen in seinem Namen tun, sie würden Lebewesen töten weil sie für ihn „not pure enough“ sind. Hierdurch suggeriert Wilder eine Kontinuität von der fortschrittsfeindlichen, obrigkeitshörigen österreichischen Lebensart zu dem was darauf folgen würde. Die Tatsache, dass Franz Josef die Welpen ins Herz schließt kann aber auch als nostalgische Referenz auf das monarchistische Österreich gelesen werden. Der Kaiser garantiert das Leben jener, die die ihm nachfolgende Generation - verkörpert durch den General von Stoltzenberg-Stoltzenberg - ohne zu zögern vernichten würde. Dies, so wie die bereits genannte Erklärung Wilders über die Entstehung des Filmes, lassen zumindest eine ambivalente Haltung des Regisseurs gegenüber des „alten Österreich“ vermuten, denn an anderen Stellen ist die Repräsentation Österreichs, wenn auch durch die humoristische Blume, alles andere als schmeichelhaft, und dies weniger in der Darstellung als in der Art und Weise wie davon gesprochen wird.

[...]

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Heimat in der Fremde
Untertitel
Österreich und Deutschland im Exilfilm
Hochschule
Universität Wien  (Institut für Zeitgeschichte)
Veranstaltung
SE Zeitgeschichte als Filmgeschichte: Von Wien nach Hollywood
Note
2
Autor
Jahr
2014
Seiten
17
Katalognummer
V279307
ISBN (eBook)
9783656720386
ISBN (Buch)
9783656722557
Dateigröße
551 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Exilfilm, Filmgeschichte, Österreich, Deutschland, Klischees, Anti-Nazi Film
Arbeit zitieren
Clemens Ableidinger (Autor), 2014, Heimat in der Fremde, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/279307

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