Chancen der Mediennutzung bei Kindern


Akademische Arbeit, 2006
28 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung... 3

2 Bildungsfernsehen: Förderung der Wissensvermittlung?... 3

3 Medien als Alltagshilfe? Medien und ihre Funktionen... 6

3.1 Funktionen nach Ploetz... 6

3.2 Funktion nach Theunert, Lenssen und Schorb (1995)... 8

4 Medien zur Bewältigung von Entwicklungsaufgaben.. 11

5 Positive Auswirkungen von Computerspielen... 12

6 Neues Lernen mit Laptops.. 14

6.1 Exkurs: Pro und contra Computereinsatz in der Schule... 16

6.1.1 Abwägung der Argumente... 20

7 Zusammenfassung der Chancen des Medienkonsums... 20

8 Literaturverzeichnis (inkl. weiterführender Literatur)... 22

1 Einleitung

Die Forschung zum Thema der Chancen der Mediennutzung geht davon aus, dass Kinder und Jugendliche nicht vor Medien geschützt werden müssen oder sollten. Groebel betont den Aspekt, dass Medien zu unserem Alltag dazugehören und der Umgang mit ihnen geübt werden muss. Er vergleicht die Medien mit Straßen und der Elektrizität in der Aussage, dass beide gefährlich sein können. Dennoch benutzen wir sie zu persönlichen und gesellschaftlichen Zwecken. (vgl. Groebel J., 1998, auf http://mediaculturw-online.de/fileadmin/bibliothek/groebel_mediensozialisation.pdf#search=%22groebel%20mediensozialisation%22 , 21.09.2006)

Bei einer sinnvollen Nutzung bieten Medien Informationen jeder Art, Spiel, Unterhaltung, Vergnügen, Entspannung und globale Kommunikationsmöglichkeiten oder erlauben die genaue Dokumentation von Ereignissen und Meinungen. (vgl. Tulodziecki, 1998, S. 535)

EEinige mögliche Chancen der Mediennutzung sollen im Folgenden dargestellt werden. Begonnen wird mit einer möglichen Wissenserweiterung durch Medien, in diesem Fall durch das Fernsehen. Anschließend wird der Frage nachgegangen, ob Medien eine Alltagshilfe sein können und welche Funktionen sie für den Nutzer erfüllen können. Auch soll geklärt werden, ob Medien helfen können, Entwicklungs­aufgaben zu lösen. Darauf folgen mögliche Chancen durch die Nutzung von Computerspielen. Als letzten Punkt wird ein Blick auf das Lernen mit Medien geworfen und gefragt, inwieweit das Lernen durch die Nutzung von Medien gefördert werden kann.

2 Bildungsfernsehen: Förderung der Wissensvermittlung?

Einige Eltern rechtfertigen einen hohen Fernsehkonsum ihrer Kinder damit, dass das Fernsehen die Wissensvermittlung fördern kann. Zwei klassische Beispiele für Kindersendungen mit diesem erklärten Ziel werden hier vorgestellt.

Die Sendung Sesamstraße wurde in den USA entwickelt. Es sollte eine Sendung geschaffen werden, mit der Kinder allgemeines Wissen erwerben konnten. Genauer war das damalige Ziel, Bildungsdefizite bestimmter Gruppen der US-amerikanischen Gesellschaft zu reduzieren. (vgl. Winterhoff-Spurk, 2004, S. 91)

DDie erste Sendung in Amerika erfolgte 1969. Nachdem die erste Sendeperiode vorbei war, wurde ein Test mit rund 1.000 Vorschulkindern durchgeführt. Die Kontrollgruppe ergab sich aus Kindern, die die Sendung nicht gesehen hatten. Dabei zeigten sich folgende kurzfristige bis mittelfristige Effekte:

- Die Kinder, die die meisten Folgen gesehen hatten, wiesen den größten Lernfortschritt bei den Tests auf.

- Die stärksten Effekte waren bei den Dreijährigen zu erkennen.

- Die Fähigkeiten, die im Programm behandelt wurden, verbesserten sich. Das Wortverständnis nahm bei den 3-5 Jährigen am deutlichsten zu.

- Kinder aus Familien ethnischer Minderheiten zeigten anschließend mehr Stolz auf ihre Herkunft und weiße Kinder mehr Toleranz gegenüber anderen ethnischen Gruppen.

- Die Sendung verwirklichte ihre Ziele auch ohne Intervention von Erwachs­enen. Die Effekte verstärkten sich aber, wenn erwachsene Bezugspersonen mit den Kindern über die Inhalte sprachen.

(vgl. Winterhoff-Spurk, 2004, S. 92)

Zeitgleich zur deutschen Erstausstrahlung im Jahr 1972 wurden von dem Hans-Bredow-Institut ebenfalls Begleitstudien durchgeführt. Auch diese Untersuchungen kamen zu dem Ergebnis, dass Kinder, die die Sendung regelmäßig sehen, besser abstrakt denken, verallgemeinern und Handlungsabläufe rekonstruieren können, als die Kinder aus der Vergleichsgruppe. (vgl. ebd., S. 93) In den deutschen Sendungen wurde zudem verstärkt Gewicht auf die Entwicklung von Sozialverhalten und sozialem Lernen gelegt. (vgl. Paus-Haase, 1995, S. 184) Kinder, die ein Jahr lang die Sesamstraße sahen, orientierten sich stärker an den Wünschen, Verhaltensweisen und Zielen ihrer Interaktionspartner und sie lernten früher in Konflikten die Position anderer einzunehmen und sich gegebenenfalls auch mal anzupassen. Den Kindern waren soziale Regeln somit früher bewusst, wenn sie die Sesamstraße sahen. (vgl. Winterhoff-Spurk, 2004, S. 93)

Diese Entwicklungsvorsprünge verlieren sich jedoch im Verlauf der nächsten Jahre wieder. Kinder aus sozial benachteiligten Schichten profitierten von der Sendung wie gehofft. Allerdings taten dies auch die Kinder aus anderen Schichten, und zwar im verstärkten Maße. (vgl. Winterhoff-Spurk, 2004, S. 93) Somit profitierten diejenigen Kinder zusätzlich, die ohnehin über bessere Bildungsvoraussetzungen verfügten. (vgl. Paus-Haase, 1995, S. 188) Das eigentliche Ziel, Bildungsunterschiede zu verringern, wurde somit im Grunde verfehlt. Die Begründung wurde darin vermutet, dass sich in den höheren sozialen Schichten die Eltern stärker mit den Kindern über die Inhalte der Sendungen verständigten, was zu einem stärkeren Lernzuwachs führte. (vgl. Winterhoff-Spurk, 2004, S. 93) Die so genannte „Bildungsschere“ öffnete sich somit weiter, Fernsehen konnte keine Bildungsunterschiede ausgleichen. (vgl. Paus-Haase, 1995, S. 188)

Der Einfluss derartiger Sendungen muss also – ebenso in der Frage medialer Gewalt – immer im Zusammenhang mit dem kindlichen Lebensumfeld gesehen werden. Bildungsdefizite in der Gesellschaft können durch Medienkonsum nicht behoben werden. (vgl. Winterhoff-Spurk, 2004, S. 94)

Neben solchen Lernsendungen für Zuschauer aus dem Vorschulalter gibt es spezielle Nachrichten für Kinder, welche besonders für die Altersstufe der Grund-schule aber auch darüber hinaus, geeignet sind. Beispielhaft wird hier die Sendung Logo des ZDF genannt. 1988 begann die erste Ausstrahlung, 1989 wurde sie regelmäßiger Bestandteil des Nachmittagsprogramms. Auch hier wurden Begleituntersuchungen durchgeführt. Kinder der Klassenstufen vier bis neun wurden zu zwei Zeitpunkten befragt, und ein Wissenszuwachs zwischen der Erst- und Zweitbefragung konnte festgestellt werden. Dabei profitierten Hauptschüler am stärksten von der Sendung, gefolgt von Realschülern und Gymnasiasten. Jüngere profitierten zudem stärker als Ältere und Mädchen mehr als Jungen. Trotz dieser Feststellung ergaben sich auch hier Unterschiede aus den familiären Kontexten und der Schichtzugehörigkeit. Kinder aus Familien, in denen regelmäßig und bewusst Nachrichten gesehen wurden, nutzten Logo intensiver und konnten stärker davon profitieren. (vgl. Winterhoff-Spurk, 2004, S. 95)

Fazit

Sicher bietet das Fernsehen auch Informationen und Wissenswertes an und somit eine entsprechende Wissensvermittlung. Zu bedenken ist aber, dass Kinder oft allein fernsehen und das Gespräch mit den Eltern über das Gesehene entfällt. Zudem dürfte die Zeit, die mit der Rezeption pädagogisch wertvoller Sendungen verbracht wird, relativ gering sein, da der Anteil des diesbezüglichen Programms eher gering ist. Auch ist kaum zu vermuten, dass Kinder selbständig ausschließlich ein pädagogisch wertvolles Programm wählen. Das Problem verstärkt sich auch in diesem Zusammenhang, wenn eigene Fernsehgeräte im Kinderzimmer zur Verfügung stehen. Dennoch gibt es spezielle Kinderprogramme, die für Kinder empfehlenswert sind, weil sie Lerninhalte angemessen präsentieren und überhaupt didaktische und pädagogische Überlegungen berücksichtigen.

3 Medien als Alltagshilfe? Medien und ihre Funktionen

Der Rezipient kann, wie bereits im Abschnitt der Wirkungsforschung erwähnt, nicht nur als passives Opfer der Mediennutzung gesehen werden. Sie erfolgt vielmehr aus verschiedenen persönlichen Motiven und ist zunächst für den Einzelnen ein sinnvolles, konstruktives Angebot. Dabei wird ein Medium meistens multifunktional genutzt. (vgl. Vollbrecht, 2003, S. 14) Es ist demnach eine Funktionsvielfalt der Medien gegeben, wobei sich die jeweiligen Funktionen nicht einzelnen Medien zuordnen lassen. Sie sind immer abhängig vom Nutzer und der jeweiligen Situation. (vgl. ebd., S. 15)

Nach Ploetz (1999) lassen sich im Hinblick auf die kindliche Mediennutzung emotionale und kognitive Funktionen, Funktionen der Selbstfindung und Identifikation sowie soziale und innerfamiliäre Funktionen unterscheiden. Diese werden im folgenden Abschnitt erläutert.

3.1 Funktionen nach Ploetz

Emotionale Funktionen

- Unterhaltung und Beseitigung von Langeweile: Ein besonders häufiger Grund, oft aus Mangel an Alternativen. Auch wird das Fernsehen zur Ablenkung genutzt. (vgl. Ploetz, 1999, S. 29)

- Erzeugung und Steuerung von Emotionen und Stimmungen: Zum Ausgleich der eigenen Stimmungslage. (vgl. Ploetz, 1999, S. 29)

- Kompensation von Erlebnisdefiziten: Medien gewährleisten ein risikoloses Teilhaben an spannenden Situationen und erzeugen so eine angenehme Erregung. (vgl. ebd., S. 30)

- Kompensation emotionaler Defizite: Es können emotionale Bindungen mit Medienfiguren entstehen oder sogar eine Identifikation mit ihnen. Dies kann zum Abbau von Ängsten oder Unsicherheiten führen. (vgl. ebd.)

- Ablenkung oder Flucht aus dem Alltag: Bei negativen Erlebnissen, schlechtem Familienklima oder hohen Alltagsanforderungen können Kinder versuchen, dieses durch Medienkonsum zu kompensieren. (vgl. ebd.)

[...]

Ende der Leseprobe aus 28 Seiten

Details

Titel
Chancen der Mediennutzung bei Kindern
Note
1,0
Autor
Jahr
2006
Seiten
28
Katalognummer
V280601
ISBN (eBook)
9783656738152
ISBN (Buch)
9783668137523
Dateigröße
495 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
chancen, mediennutzung, kindern
Arbeit zitieren
Inga Baumhoer (Autor), 2006, Chancen der Mediennutzung bei Kindern, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/280601

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