Der UNESCO Atlas der bedrohten Sprachen

Irisch - Geschichte, kulturelle Bedeutung und Zukunft der Sprache


Hausarbeit, 2013
15 Seiten, Note: 1

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. UNESCO
2.1 Funktionen, Aufgaben und Arbeitsweisen
2.2 UNESCO-Atlas der bedrohten Sprachen
2.3 Sprachen als immaterielles Kulturerbe ?

3. Irland
3.1 Die Sprache Irisch (Gaeilge)
3.2 Die irische Sprache als kulturelles Gedächtnis
3.3 Zukunft

4. Resümee

5. Bibliographie

1. Einleitung

ln der vorliegenden Arbeit möchte ich mich näher mit der UNESCO und ihrer Liste der bedrohten Sprachen am Beispiel der Sprache Irisch beschäftigen. Die irische Sprache wird im Verzeichnis „UNESCO Interactive Atlas of the World's Language in Danger" geführt, wobei in diesem Verzeichnis fünf Unterschiede in der Höhe des Bedrohungsgrades gemacht werden (vulnerable, definitely endangered, severely endangered, critically endangered, extinct). (vgl. Weblink: UNESCO Interactive Atlas of the World's Language in Danger) Die irische Sprache wird hier als „definitiv gefährdet" aufgelistet, was in Zahlen bedeutet, dass die Sprache in einem Land mit über viereinhalb Millionen Einwohnerinnen nur noch von etwa 44.000 Menschen gesprochen wird. Unter „definitiv gefährdet" versteht die UNESCO, dass Kinder die Sprache nicht mehr als ihre Muttersprache lernen. Die Menschen, die diese Sprache noch im alltäglichen Gebrauch verwenden, leben geballt in speziellen Regionen von Irland, die als Gaeltacht-Gebiete bekannt sind. Dazu zählen vier Gebiete im Westen, davon zwei in Donegal County und je eines in den Galway und Kerry Counties. Acht weitere kleine Ortschaften in den Mayo, Cork und Waterford Counties sowie in Nordirland. In Nordirland ist die irische Sprache als Erstsprache erlischt, sie wird aber teilweise noch alsZweitsprache studiert. (vgl. Weblink: Unesco/Atlas)

Obwohl Irisch (irisch: Gaeilge) von nur etwa 1 % der Bevölkerung gesprochen wird, wird die Sprache als Amtssprache der Republik Irland, sowie von der Europäischen Union als eine der 23 Amtssprachen geführt. Der Vollständigkeit halber muss gesagt werden, dass die Insel zum größten Teil aus der Republik Irland besteht, und zu einem kleineren Teil aus Nordirland, der politisch gesehen zu der konstitutionell-parlamentarischen Monarchie des Vereinigten Königreichs zählt. (vgl. Weblink: Europäische Kommission, vgl. Máirtín Ó Murchú in: Mac Eoin, Gearóid 1993: 471)

Ich möchte in dieser Arbeit der Frage nachgehen, welche Bedeutung die Sprache für die Identität der Menschen hat bzw. was es für ihre Identität bedeutet, wenn die Sprache, die die Mythen und Legenden erzählt, die Geschichte der Menschen und der Landschaft, irgendwann vollkommen erlischt. Ich möchte auch dem Prozess nachspüren, der durch die Eintragung der gefährdeten Sprache in den UNESCO-Atlas für bedrohte Sprachen einhergeht und mich mit der Diskrepanz beschäftigen, die in Bezug auf die Sprache Irisch im dortigen Land herrscht.

2. UNESCO

UNESCO ist die Abkürzung für United Nations Educational, Scientific and Cultural Organisations. Ihr Ziel ist es, durch Förderung der internationalen Zusammenarbeit in den Bereichen Bildung, Wissenschaft, Kultur und Kommunikation/Information zur Wahrung des Friedens und der Sicherheit beizutragen. Denn „ein ausschließlich auf politischen und wirtschaftlichen Abmachungen von Regierungen beruhender Friede kann die einmütige, dauernde und aufrichtige Zustimmung der Völker der Welt nicht finden. Friede muss - wenn er nicht scheitern soll - in der geistigen und moralischen Solidarität der Menschheit verankert werden." (Weblink: Österreichische UNESCO-Kommission) Die UNESCO, die 1945 mit 37 Staaten gegründet wurde, ist eine rechtlich eigenständige Sonderorganisation der Vereinten Nationen und umfasst heute insgesamt 195 Mitgliedstaaten.(vgl. Weblink: Österreichische UNESCO-Kommission; Verfassung der UNESCO 16. November 1945)

2.1 Funktionen, Aufgaben und Arbeitsweisen

Primäres Ziel der UNESCO ist, einen Beitrag zu Wahrung des Friedens und der Sicherheit zu leisten, indem die Zusammenarbeit zwischen den Völkern in den Bereichen Bildung, Wissenschaft, Kultur und Kommunikation gefördert wird, „um in der ganzen Welt die Achtung vor Recht und Gerechtigkeit, vor den Menschenrechten und Grundfreiheiten zu stärken, die den Völkern der Welt ohne Unterschied der Rasse, des Geschlechts, der Sprache oder Religion durch die Charta der Vereinten Nationen bestätigt worden sind.'' (Artikel I.1 der UNESCO-Verfassung) Zu ihren Hauptprogrammen zählen „Bildung für alle - ein Leben lang", „Wissenschaften im Dienst der Entwicklung", „Kulturelle Entwicklung: Erbe und Vielfalt" sowie „Aufbau von Wissensgesellschaften". Sie ist Drehscheibe für internationale Zusammenarbeit und beschäftigt sich mit der Lösung globaler Probleme. Programme werden alle zwei Jahre erarbeitet und bei der Umsetzung sind weltweit Regierungen, die nationalen UNESCO-Kommissionen sowie Bildungseinrichtungen als Netzwerk der UNESCO-Schulen und UNESCO-Lehrstühle im universitären Bereich beteiligt. Bei einer Generalkonferenz, die ebenfalls alle zwei Jahre stattfindet und bei der Entscheidungen getroffen werden, wird jeder Mitgliedstaat mit je einer Stimme vertreten. (vgl. Weblink: Österreichische UNESCO-Kommission)

Anhand von Auswahlkriterien, die gewisse Qualitätsstandards sichern sollen, wird entschieden, ob z.B. ein Bauwerk, eine antike Stätte in die Welterbe-Liste eingetragen wird. Dabei sind zwei Kriterien relevant: das Kriterium des „außerordentlichen universalen Werts" (outstanding universal value) und der „Authentizität". Grundlage dafür bildet die „Convention concerning the Protection of the World Cultural and Natural Heritage" der UNESCO von 1972. Erst 2003 wurde der Welterbe-Konvention das UNESCO-Übereinkommen zur Erhaltung von immateriellem Kulturerbe hinzugefügt, bei dem es um tradierte Wissensbestände und Kommunikationsformen geht. (vgl. Meyer-Rath 2007: 147-148)

2.2 UNESCO-Atlas der bedrohten Sprachen

Wie bereits erwähnt, wird die irische Sprache im UNESCO-Atlas der bedrohten Sprachen als „definitiv gefährdet" gelistet. Laut Webseite der UNESCO ist es das Ziel des Atlas „to raise awareness about language endangerment and the need to safeguard the world's linguistic diversity among policy-makers, speaker communities and the general public, and to be a tool to monitor the status of endangered languages and the trends in linguistic diversity at the global level." (Weblink: UNESCO.org). Laut Christopher Moseley, dem australischen Chefredakteur des UNESCO-Sprachatlas, ist der Grund des Sprachensterbens ein „komplexes Zusammenspiel von politischen, sozialen und kulturellen Einflüssen" und dass die „Behauptung, die ehemaligen Kolonialsprachen Französisch, Englisch oder Spanisch vertrieben die Minderheits- und Regionalsprachen, zu kurz greife". (Weblink: Deutsche UNESCO-Kommission). An dieser Stelle möchte ich gerne erwähnen, dass Irland ebenfalls von der Kolonialmacht England kolonialisiert wurde und im Zuge dessen die Sprache der Iren verbannt und durch die englische Sprache ersetzt wurde (mehr dazu unter Punkt 3). (vgl. Beckett 1997)

Ob eine Sprache als bedroht und schützenswert eingestuft wird, entscheidet die UNESCO nach eigenen Kriterien, wie z.B. der Zahl der Sprecherinnen und die Art und Qualität der Dokumentationen und ob und in welchen Lebensbereichen die Sprache noch genutzt wird. Ausschlaggebend ist jedenfalls das Kriterium, dass die Sprecherinnen ihre Sprache wertschätzen. „Jede Sprache repräsentiert eine Welt von Gedanken mit ihren eigenen Metaphern, Sprichwörtern und Mentalitäten, mit eigenem Vokabular, Klangsystem und Grammatik. (..) Die Präsenz einer Sprache in den Medien und in kulturellen Ausdrucksformen wie Gedichten, Liedern und Sprichwörtern beeinflusst ebenfalls den Lebendigkeitsgrad einer Sprache. Bei transnationalen Sprachen zeigt sich, dass auch ökonomische Faktoren, nationale Sprachpolitik und soziale Aspekte großen Einfluss aufdie Existenz einerSprache haben."(Weblink: Deutsche UNESCO-Kommission)

2.3 Sprachen als immaterielles Kulturerbe ?

2003 wurde das UNESCO Übereinkommen zur Erhaltung des immateriellen Kulturerbes beschlossen. Dieses stellt eine von sieben UNESCO-Konventionen im Bereich Kultur dar. Zu seinen Hauptzielen zählen neben „der Erhaltung des immateriellem Kulturerbes, die Sicherung des Respekts vor dem immateriellen Kulturerbe von Gemeinschaften, Gruppen und Einzelpersonen, die Schaffung von Bewusstsein für und die Anerkennung der Bedeutung immateriellen Kulturerbes auf lokaler, nationaler und internationaler Ebene sowie die Unterstützung internationaler Zusammenarbeit." (Weblink UNESCO-Kommission) Um in das Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufgenommen zu werden, bedarf es einer Bewerbung. Hierbei können sich „Gemeinschaften, Gruppen und gegebenenfalls Einzelpersonen, die immaterielles Kulturerbe tradieren" darum bemühen, für die Aufnahme von „Praktiken, Darstellungen, Ausdrucksformen, Wissen und Fertigkeiten" in das Verzeichnis aufgenommen zu werden. Dazu bedarf es neben dem Aufnahmeformular und der Einverständniserklärung aller eingebundener Personen auch zwei Empfehlungsschreiben von wissenschaftlichen Expertinnen. (Weblink: Österreichische UNESCO- Kommission)

Zum immateriellen Kulturerbe zählen nicht nur Praktiken, Darstellungen, Ausdrucksformen, Wissen und Fertigkeiten, sondern auch „Instrumente, Objekte und kulturelle Räume, die mit dem jeweiligen immateriellen Kulturerbe in Zusammenhang stehen". Zu den fünf Bereichen des immateriellen Kulturerbes zählen mündlich überlieferte Traditionen und Ausdrucksformen, einschließlich der Sprache als Trägerin des immateriellen Kulturerbes, darstellende Künste, gesellschaftliche Praktiken, Rituale und Feste, Wissen und Praktiken in Bezug auf die Natur und das Universum sowie traditionelle Handwerkstechniken. (Weblink: UNESCO-Kommission, vgl. Meyer-Rath 2007: 158, vgl. Camp 2006)

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Details

Titel
Der UNESCO Atlas der bedrohten Sprachen
Untertitel
Irisch - Geschichte, kulturelle Bedeutung und Zukunft der Sprache
Hochschule
Universität Wien
Note
1
Autor
Jahr
2013
Seiten
15
Katalognummer
V281311
ISBN (eBook)
9783656835639
ISBN (Buch)
9783656835646
Dateigröße
438 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
unesco, atlas, sprachen, irisch, geschichte, bedeutung, zukunft, sprache
Arbeit zitieren
Brigitte Winklbauer (Autor), 2013, Der UNESCO Atlas der bedrohten Sprachen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/281311

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