Kriegsberichterstattung im Internet. Der Warblog als korrektives Element?

Am Beispiel des Irakkrieges (2003)


Studienarbeit, 2014
18 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Kriegsberichterstatung/Krisenberichterstattung

3. Problematiken der Kriegsberichterstattung: Gute Medien, böser Krieg?

4. Das Internet als Medium der Berichterstattung
4.1 Der Weblog
4.2 Milblogs/Warblogs am Beispiel des Irakkrieges
4.3 Problematik der Berichterstattung im Irakkrieg

5. Weblog und Konventionelle Kriegsberichterstattung im Vergleich

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„ Gute Medien - Böser Krieg?[ … ] ” lautet der Titel des 2007 im LIT Verlag erschienenen Sammelbandes von Thomas Roithner mit Beiträgen zu Kriegsberichterstattung und Friedensforschung. Eine Frage, die seit Jahrzehnten der Berichterstattung aus dem „Feld“ immer wieder neu gestellt wurde und auf die es nicht zuletzt immer häufiger die Antwort geben musste: „ Böse Medien - Böser Krieg! “. Lüge und Täuschung waren Dreh- und Angelpunkte der Berichterstattung und wurden mit Hilfe der „alten“ Medien1 zur Perfektion getrieben.

Die Wirkung des Internets auf die Meinungsbildung ist aufgrund seiner hohen In- formationsdichte und dynamischen Entwicklung noch nicht klar einzuschätzen (vgl. Beham 2007:50). Liegt in diesem, jedermann zugänglichen, Konvergenzme- dium die Lösung des Problems? Inwieweit ist das Internet den alten Medien in der Kriegsberichterstattung voraus? Kann eine freiere Berichterstattung im Internet erwartet werden? Diese Arbeit ist ein Versuch Antworten auf diese Fragen zu fin- den. Am Beispiel des Einsatzes von Mil-/Warblog im Irakkrieg 2003 soll exemp- larisch untersucht werden wie sich diese Art der Berichterstattung im Netzzeitalter gestaltet. Hinleitend dazu wird eingangs der Begriff Kriegsberichterstattung erläu- tert. Um einen Rahmen zu schaffen werden allgemeine Einblicke in geschichtli- che Hintergründe (Erster und Zweiter Weltkrieg/ Kosovo), die Entwicklung und problematische Elemente der „Nachrichten aus dem Feld“ gegeben. Im Hauptteil wird das Internet und speziell der Mil-/Warblog auf kommunikationstheoretischer Ebene unter die Lupe genommen. Hierzu erfolgt zunächst erneut eine Beschrei- bung der Begrifflichkeiten. Anhand von Beispielen aus Literatur soll untersucht werden inwieweit Warblogs korrektive Potenziale in der Kriegsberichterstattung aufweisen konnten. Anschließend werden die gewonnenen Erkenntnisse zusam- mengefasst und hinsichtlich ihrer Vorzüge und Problematiken reflektiert. Im Fa- zit werden die Ergebnisse resümiert und ein Ausblick gegeben.

2. Kriegsberichterstattung/Krisenberichterstattung

Krieg ist eine Nachricht mit anderen Mitteln. Mit dem ersten Kanonenschlag wird dem Angegriffenen eine Nachricht von Seiten des Angreifers mitgeteilt: „ Der Krieg beginnt. “ (Grimm/Capurro 2004:11). Bezieht man sich auf diese Aussage von Grimm und Capurro aus dem Jahre 2004, so ist der Krieg als eine alternative Art der Kommunikation zwischen zwei Kriegs-/ Konfliktparteien zu sehen. Hier- bei handelt es sich heute immer seltener um klassische Konflikte zwischen Natio- nen, sondern zunehmend um Spannungen zwischen kulturellen und ökonomi- schen Gegensätzen (Wiegerling 2004:43). Krieg ist auch eine Kommunikations- form, die besonders von Nachrichten/Informationen abhängig ist um adäquat ge- führt werden zu können. Zum Beispiel Nachrichten über Truppenbewegungen und andere strategische Informationen (vgl. Grimm/Capurro 2004:7). Da es sich hier- bei um Informationen aus und über den Krieg handelt könnte der Anschein ent- stehen, diese seien Teil der Kriegsberichterstattung. Im Regelfall unterstehen die- se Nachrichten jedoch strengster Geheimhaltung und sind nur wenigen zugäng- lich.

Um den Begriff Kriegsberichterstattung für diese Arbeit zu definieren muss daher darauf hingewiesen werden, dass die nicht öffentlich zugängliche (intermilitäri- sche) Kommunikation nicht als Teil dieses Begriffes verstanden wird2. Kriegsbe- richterstattung wird somit als mediale Berichterstattung vom Krieg an eine Öf- fentlichkeit definiert. Diese Öffentlichkeit kann einerseits Teil der Konfliktpartei- en sein, andererseits auch als außenstehende Öffentlichkeit fungieren, die gleich- sam Interesse an den Geschehnissen aufbringt (vgl. Grimm/Capurro 2004:7).

Hauptbestandteil der Kriegsberichterstattung ist folglich die journalistische Re- cherche zu politischen, militärischen und jeglichen anderen relevanten Kriegser- eignissen, sowie die Aufbereitung der gewonnen Informationen und deren (mas- sen-) mediale Präsentation. Als Krisenberichterstattung ließe sich die Berichter- stattung aus Gebieten bezeichnen in denen ein Krieg kurz bevorsteht, aber noch keine kriegerische Handlung stattgefunden hat, oder die Berichterstattung aus Ge- bieten in denen schwere Naturkatastrophen das geregelte Leben stark beeinflus- sen. Auch die Berichterstattung vom Ort terroristischer Handlungen würde im Zuge dieser Arbeit als Krisenberichterstattung kategorisiert. Kriegs- und Krisen- berichterstattung sind im Idealfall Aufgabe einer unabhängigen und kritischen Presse, die möglichst objektiv und reflektiert von Ereignissen berichten soll. An vielen Beispielen in der Historie lässt sich ernüchternd feststellen, dass dies nur selten der Fall war und bis heute ist.

3. Problematiken der Kriegsberichterstattung: Gute Medien böser Krieg?

„ In Kriegen haben Informationen einen unermesslichen Wert: Die Welt schaut auf einen Konfliktherd und ein Schlachtfeld [ … ] “ (Krempl 2004:25). Medien überbrücken die bestehende Distanz (Zeit und Ort) und nehmen als eine Art ver- längerter Sinnesorgane, jener Personen die sich ein Bild schaffen wollen, die Posi- tion der zentralen Vermittlungsinstanz ein. Vor allem in der westlichen Welt er- wartet der Rezipient eine schnelle und authentische Berichterstattung. Doch dies liegt oft nicht im Interesse aller am Krieg beteiligten Parteien. Vor allem Politiker, Militärführungen und Widerständler versuchen durch Einflussname auf die Medi- en ihre Positionen und Sichtweisen in den Vordergrund zu rücken (vlg. Krempl 2004:25). Die „wertvollen Informationen“ werden zum strategischen Element und somit anfällig für Halbwahrheit, Lüge und Täuschung. „ Kriegspolitik kann in Demokratien nur Erfolg haben, wenn dieöffentliche Meinung und die Wähler- schaft mitziehen “ (Krempl 2004:101). Nur wer den nötigen Rückhalt in den Medi- en erzielt kann seine Handlungen als legitimiert betrachten, denn wer wenn nicht sie liefern uns ein Bild von den vermeintlichen Umständen vor Ort. Faktisch han- delt es sich bei diesem Bild jedoch um ein medial konstruiertes und somit schwammiges, welches keine allgemeine Gültigkeit postulieren kann (Weber 2002:11ff.).3 Wie militärische und politische Akteure versuchen ohne aggressive Zensur Einfluss auf die Medien zu nehmen lässt sich besonders am Beispiel des „embedded journalism“ darlegen. Nach dem Mythos des durch die Presse verlo-ren gegangenen Vietnamkrieges4 wurde eine Form der kontrollierbaren Kriegsbe- richterstattung geschaffen, bei der eingebettete Journalisten mit dem Militär ver- meintlich kooperierten (vgl. Beham 2007:49). Dies ermöglichte einerseits den Journalisten spektakuläre Bilder und Berichte von der Front zu liefern, anderer- seits gab es den Militärs weitgehende Kontrolle über Inhalte und Umfang der Be- richterstattung, was nicht zuletzt daran lag dass der Journalist zum aktiven Teil der Armee wurde (vlg. Krempl 2004:26-27). Ein Los Angeles Times Reporter er- innert sich: „ Als ich die rauchigen Straßen durch die winzigen gläsernen Guck- löcher des Bradley scannte und >demontierte Iraker< suchte, wie die Panzerbe- satzung die Iraker nannte, nahm ich die Situation nicht bloßim Hinblick auf eine Story wahr. Ich suchte nach Zielen [ … ]. Da ich auf dem Platz eines Soldaten saß, hatte mich ein Offizier gebeten die Aufgabe eines Soldaten zu erledigen. “ (Zuc- chino 2003).5 Zensur, Propaganda und Manipulation wurden in verschiedenster Form genutzt um die Kontrolle über die Berichterstattung aus dem Krieg zu wah- ren. Folgende Beispiele sollen exemplarisch weitere Einblicke geben, in welchen Ausmaßen diese Beeinflussung in der Geschichte stattgefunden hat:

Der Erste und Zweite Weltkrieg: Nach den Anfängen einer noch weit- gehend unberührten Kriegsberichterstattung im Krimkrieg (vgl. Beham 2007: 39) war der Kriegsjournalist im Ersten Weltkrieg erstmals gezwun- gen seine Rolle als neutraler und kritischer Betrachter aufzugeben und in die eines patriotischen Beobachters zu schlüpfen (vgl. Lindner-Wirsching 2006:113). Er war Vermittler zwischen Heimat und Front, zusätzliche Waffe in der Hand des Militärs. Er sollte berichten, den Durchhaltewillen und die Kampfbereitschaft des Volkes stärken und gleichsam Material für die Geschichtsschreibung liefern (vgl. Lindner-Wirsching 2006:114-115). Erstmals wurde die Kriegspropaganda wissenschaftlich organisiert.

[...]


1 Film, Fernsehen, Rundfunk, Printmedien

2 Sofern geheime Informationen im Zuge einer journalistischen Recherche, oder auf anderem Wege öffentlich werden, werden diese ebenfalls Teil der Kriegsberichterstattung.

3 Nach dem konstruktivistischen Ansatz der Betrachtung von Wirklichkeit und Medienreali- täten. Siehe auch: Medienkultureller Konstruktivismus (Klaus Merten u.a.). Weber setzt sich in seinem Aufsatz kritisch mit dem deutschen Begriff des Konstruktivismus auseinander und weist auf eine parallele Betrachtung von willentlicher und unbewusster Konstruktion von Wirklichkeit hin. Mit der Bezeichnung einer „ prozessualen“ oder „empiri- schen Spielart des Konstruktivismus“(nämlich Medien konstruieren Wirklichkeit nicht weil dies immer schon so war, sondern immer mehr oder immer weniger) kehrt er dem ontologi- schen Konstruktivismus den Rücken zu und versucht eine neues Verständnis des Begriffes zu schaffen.

4 Der Vietnamkrieg galt als erster Fernseh- und Wohnzimmerkrieg und als erster Krieg im 20 Jahrhundert, der bei dem Journalisten in ihrer Berichterstattung mehr oder weniger frei waren (vgl. Beham 2007: 49).

5 David Zucchino (2003): The War. Up Close and Very Personal. Los Angeles Times vom 03.05.2003. In: (Krempl 2004: 27).

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Kriegsberichterstattung im Internet. Der Warblog als korrektives Element?
Untertitel
Am Beispiel des Irakkrieges (2003)
Hochschule
Universität Bremen  (Kulturwissenschaften)
Veranstaltung
Eigenstudium
Note
1,7
Autor
Jahr
2014
Seiten
18
Katalognummer
V282254
ISBN (eBook)
9783656770237
ISBN (Buch)
9783656769866
Dateigröße
568 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
kriegsberichterstattung, internet, warblog, element, beispiel, irakkrieges
Arbeit zitieren
Christoph Zang (Autor), 2014, Kriegsberichterstattung im Internet. Der Warblog als korrektives Element?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/282254

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