Erziehung nach Auschwitz. Intention und Realität


Hausarbeit, 2014
15 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Konzept der Erziehung nach Auschwitz
2.1. Methodische Vorgehensweise – Die „Wendung aufs Subjekt“
2.2. Kritik an dem Konzept der Erziehung nach Auschwitz

3. Ziele einer Erziehung über Auschwitz
3.1. Demokratiepädagogische Zielstellungen
3.2. Gedenkpädagogische Zielstellungen
3.3. Kindzentrierte, pädagogische Zielstellungen

4. Gedänkstättenpädagogik - Ein Beitrag zur politischen Bildung

5. Resumée

6. Literatur

„Es ist geschehen, also kann es wieder geschehen. Das ist der Kern dessen, was wir zu sagen haben.“

Auschwitz-Überlebender Primo Levi

1. Einleitung

Die vorliegende Hausarbeit hat den Essay „Erziehung nach Auschwitz“, der im April 1966 als Vortrag im Hessischen Rundfunk gesendet wurde und zudem in: Theodor W. Adorno

„Erziehung zur Mündigkeit“ im Jahre 1971 publiziert wurde als Bearbeitungsgrundlage und wird versuchen der Frage nachzugehen, wie sich in einer demokratischen Gesellschaft eine Wiederholung von Auschwitz verhindern lässt und wie sich Erziehung und Bildung demnach gestalten soll. Mit mehr als einer Million Opfern ist „Auschwitz“ die größte Vernichtungsstätte der Nationalsozialisten. Als Ort der organisierten Vernichtung von Juden, Sinti und Roma und anderer als „minderwertig“ angesehenen Personengruppen, steht der Name „Auschwitz“ als Synonym für Unmenschlichkeit, Destruktivität und Barbarei. Unter dem Eindruck dieser Verbechen beginnt Adorno seinen Vortrag mit folgenden Sätzen: „Die Forderung, dass Auschwitz nicht noch einmal sei, ist die allererste an Erziehung. Sie geht so sehr jeglicher anderen voran, dass ich weder glaube, sie begründen zu müssen noch zu sollen. Ich kann nicht verstehen, dass man mit ihr bis heute so wenig sich abgegeben hat. Sie zu begründen hätte etwas Ungeheuerliches angesichts des Ungeheuerlichen, das sich zutrug. […] Kulturkritik findet sich der letzten Stufe der Dialektik von Kultur und Barbarei gegenüber: nach Auschwitz ein Gedicht zu schreiben, ist barbarisch, und das frisst auch die Erkenntnis an, die ausspricht, warum es unmöglich ward, heute Gedichte zu schreiben“ (Adorno T.W., 1998, S. 674).

Die These, dass im Kontext der Erziehung, die Verhinderung einer Wiederholung von Auschwitz oberste Priorität habe soll, soll hier durch eine knappe, differenzierte schriftliche Auseinandersetzung mit dem Text „Erziehung nach Auschwitz“ erfolgen. Folglich wird dabei die negative Pädagogik nach Adorno näher beleuchtet werden.

Die Untersuchung dieser These erforderte zum einen eine intensive Auseinandersetzung mit dem Essay „Erziehung nach Auschwitz“ und dessen Entstehungskontext, sowie die Erarbeitung eines umfangreichen Überblicks über Zielstellungen der pädagogischen Auseinandersetzung mit dem Holocaust und die heutige Berarbeitung durch die Soziale Arbeit und deren Akteure im Bereich der Gedenkstättenpädagogik.

Die Forderung und Förderung einer Pädagogik, die Fremdenfeindlichkeit und Gewalt vorbeugt und dabei zugleich demokratisches Denken und Handeln stärkt ist ein unabdingbares Handlungsfeld der Sozialen Arbeit, denn unvergessen sind die Geschehnisse in Hoyerswerda, Rostock-Lichtenhagen, Solingen und in anderen deutschen Städten.

2. Konzept der Erziehung nach Auschwitz

Theodor W. Adorno, der 1903 geboren wurde und im Jahre 1969 gestorben ist, lehrte in Frankfurt die Psychologie und Soziologie und war Direktor des Instituts für Sozialforschung an der Johann-Wolfgang-Goethe Universität.

Die Werke Minima Moralia und die negative Dialektik sind bedeutende Werke Adornos, der einer der Hauptvertreter der Frankfurter Schule war. Aufgrund seiner jüdischen Herkunft siedelte Adorno Die Erfahrungen und Eindrücke, die Adorno seit 1933 in Deutschland machen konnte, beeinflussten seine Werke zunehmend. Im Jahr 1938 siedelte er nach Amerika über und emigrierte somit aus dem Nazideutschland. Adorno und Horkheimer begannen im Jahr 1942 mit dem Schreiben der „Dialektik der Aufklärung“, die jedoch aufgrund der Geschehnisse in Deutschland zu Hitler Zeiten zu einer Kritik der Aufklärung avancierte. „Die Erkenntnis, warum die Menschheit, anstatt in einen wahrhaft menschlichen Zustand einzutreten, in eine neue Art von Barbarei versinkt“( Horkheimer M./Adorno T.W., 1987, S. 11). Dies zu erklären, setzte das Buch mit der dialektischen These einer Verschränkung von Vernunft und Mythos, von Natur und Rationalität ein. Die Vernunftkritik erfolgte aus einer katastrophischen Perspektive“(Schweppenhäuser G., 1996, S. 39 ff.). Angesichts der Geschehnisse und des Massenmordes an den Juden in Deutschland und der danach folgenden Gesellschaft nach Auschwitz sei der Fortschrittsoptimismus bezüglich der Aufklärung obsolet.

2.1. Methodische Vorgehensweise – Die „Wendung aufs Subjekt“

Um dem entgegen zu wirken, kann man das Konzept der Erziehung nach Auschwitz durch Adornono in zwei Bereiche eingeteilt sehen. Einmal in die Erziehung der frühen Kindheit und zum anderen in die allgemeine Aufklärung.

Dort sieht er das geistige, kulturelle und gesellschaftliche Klima verankert, welches eine Wiederholung von Auschwitz unmöglich machen soll.

Er begründet die Aufforderung „Auschwitz soll nicht mehr sein“ damit, dass seiner Meinung nach die unfassbaren Vorgänge in dieser Zeit zu wenig behandelt und bewusst gemacht wurden sind. Somit waren viele Texte Adornos von einer Angst motiviert, die den langsam in der BRD der 60er Jahre fortschreitenden Prozess des Vergessens thematisierte und aufzudecken versuchte. Er bezeichnete diesen Prozess als den des „leeren und kalten Vergessen“(Vgl. Young J. E., 2002).„Ein zeremonielles Erinnern hat gleich einem Krebsherd sich ausgebreitet, bei dem der eine Experte des Gedenkens den anderen mit der Größe seines Denkmals und der Anzahl der Toten, deren Namen darauf platz finden sollen, zu übertrumpfen sucht“(Tiedemann, R.,1997, S. 15). Die fehlende Bewusstmachung und das später einsetzende Vergessen dieser ungeheuerlichen Ereignisse führt dazu, dass eine Wiederholung von Auschwitz nicht ausgeschlossen werden könne. Das Unfassbare der Geschehnisse in Nazideutschland sind nach Adorno nicht bis zum letzten Inneren der Menschen und der Gesellschaft vorgedrungen. Doch genau da setzt seine Forderung an. Solange sich kein Mensch dem Bewusstseins- bzw. Unbewusstseinszustand gegenüber der Geschehnisse und des Leidens der Menschen in Auschwitz klar wird, kann keine, aber auch gar keine Debatte über die Relevanz von Erziehungzielen geführt werden. Für ihn steht fest, dass sich erst nach der intensiven Bearbeitung und Auseinandersetzung mit dieser unfassbaren „Barberei“ andere Erziehungsinhalte aneinander reihen können. Solange dieser Zustand besteht, sieht er die drohende Gefahr eines Rückfalles in die eben benannte Barberei – quasi das Unvermögen von Emphatie, da sich durch fehlende Nähe, Liebe, Respekt und Wärme sich nicht die Fähigkeit herausgebildet hat, sich in jemanden oder in die Lage jemand anderes hineinzuversetzen. Es gilt also bei der Erziehung Werte wir Emphatie und Wärme zu fördern, um den Heranwachsenden Möglichkeiten und Raum für (selbst-)reflektierendes Denken und Handeln zu ermöglichen. Nur durch die Möglichkeit sich selber kritisch zu sehen und seine eigenen Handlungen selbstbestimmt zu steuern, wird der Mensch zu einer autonomen Persönlichkeit, die in der Lage ist nicht gedankenlos zu handeln oder sich der Mehrheit unkritisch anzuschließen.

Adorno fordert nicht nur Emphatie für den Einzelnen, sondern auch für die Geschehnisse in Ausschwitz oder vergleichbaren Verbrechen.

Man muß sich bewusst machen, dass man neben den Tätern, auch Opfer und Zuschauer gesamtheitlich betrachten muss, um derartige Geschehnisse wirklich begreifen zu können. Zu den Zuschauern gehören sowohl die Helfer der Nazis, wie auch die Helfer der Opfer, sowie Widerständler und Mitläufer. Um Auschwitz bzw. den Holocoust zu begreifen, müsste ein Kind/ Jugendlicher in der Lage sein, sich in alle der drei benannten Rollen hinein zu versetzen um tatsächlich die Geschehnisse zu reflektieren, um am Ende dieses Verbrechen als Teil unserer Welt und nicht verganger Tage zu verstehen. Wahrscheinlich sind uns in jeglichen Lebenslagen die jeweils unterschiedlichen Rollen wie die des Täters, des Opfers oder des Zuschauers gegenwärtig und auch bekannt. Zur vollständigen Verinnerlichung und Annahme der Erziehung nach Auschwitz gehört somit das Wissen um Strukturen, Mechanismen und Umstände, die diese Menschen zu Mördern haben werden lassen. Wenn dies begriffen ist, lässt sich dieses Wissen und emphatische Grundverständnis auch auf heutige Menschen bzw. Aggressoren transformieren. Zusammenfassend bezeichnet Adorno diese Forderungen an die Erziehung als „Wendung auf das Subjekt“. Die Wendung auf das Subjekt resultiert aus Adornos radikaler Gesellschaftskritik und wird von ihm folgendermaßen begründet: „die Möglichkeiten, die objektiven gesellschaftlichen Voraussetzungen, die zu Ausschwitz führten zu verändern, sind aufs Äußerste beschränkt. Deshalb „sind Versuche, der Wiederholung entgegenzuarbeiten, notwendig auf die subjektive Seite abgedrängt. ( T.W. Adorno, 1971, S. 89).

Kritisch bleibt zu betrachten, inwieweit Kinder in ihrer frühen Kindheit tatsächlich mit allen Punkten der Strategie konfrontiert werden können. Auf der einen Seite betont Adorno, dass Kinder schon sehr früh zum selbstkritischen Denken und Handeln erzogen werden sollen, da sich bereits in dieser frühkindlichen Phase Charakterzüge herausprägen und verfestigen. Auf der anderen Seite bleibt es fraglich, ob die tatsächliche Konfrontation und Auseinandersetzung mit derartiger Gewalt und den Ausmaßen der Greueltaten von Nöten ist? Im nächsten Abschnitt soll also geklärt werden, welche Kritik an dem Konzept der Erziehung nach Auschwitz geübt werden kann und inwieweit aufgeworfene Fragen zur pädagogischen Theorie und Praxis nicht bearbeitet wurden sind.

[...]

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Erziehung nach Auschwitz. Intention und Realität
Hochschule
Ernst-Abbe-Hochschule Jena, ehem. Fachhochschule Jena
Note
1,0
Autor
Jahr
2014
Seiten
15
Katalognummer
V282810
ISBN (eBook)
9783656819165
ISBN (Buch)
9783656838562
Dateigröße
923 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
erziehung, auschwitz, intention, realität
Arbeit zitieren
Mandy Franke (Autor), 2014, Erziehung nach Auschwitz. Intention und Realität, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/282810

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