Von der Premiere bis ins Free-TV. Die Vermarktungskette der Filmindustrie


Seminararbeit, 2012
18 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einführung
1.1 Relevanz des Themas und Problemstellung
1.2 Zielsetzung
1.3 Gang der Untersuchung und Aufbau der Arbeit

2 Grundlagen der Filmindustrie
2.1 Beteiligte Akteure
2.2 Rahmenbedingungen

3 Die Vermarktungskette der Filmindustrie
3.1 Absatzmärkte
3.2 Derzeitige Lage der Filmindustrie
3.3 Besonderheiten im Marketing
3.4 Ausblick auf zukünftige Trends
3.5 Implikationen für Unternehmen

4 Fazit
4.1 Erkenntnisse und Grenzen der Arbeit
4.2 Ausblick

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einführung

1.1 Relevanz des Themas und Problemstellung

Die Filmindustrie wird wie die gesamte Medienbranche stark durch technologische Veränderungen wie die Digitalisierung und ein verändertes Mediennutzungsverhalten der Rezipienten beeinflusst. Während sich die Verwertung von Spielfilmen1 bis in die 90er Jahre nahezu auf Kino, Video und TV beschränkte, sind seitdem eine Vielzahl an Absatzkanälen hinzugekommen. Besonders prägnant ist dabei eine starke Verlagerung vom Kino in den Home Entertainment Bereich2 sowie der Einfluss des Internets.3

Die Vermarktungskette der Filmindustrie ist darüber hinaus durch komplexe, branchenspezifische Markt- und Wertschöpfungsstrukturen geprägt. Diese bestehen zum einen aufgrund der Eigenschaften des Films als zugleich kulturelles, unterhaltendes, wirtschaftliches und durch Singularität bestimmtes Gut und zum anderen durch historisch gewachsene Marktstrukturen und die Marktmacht einzelner weniger Anbieter.4

Die Relevanz des Themas ergibt sich aus der Vielzahl an Einflüssen auf die Branche und den damit einhergehenden Veränderungen. Die Chancen und Risiken sind dabei je Akteur im Markt unterschiedlich. Eine die gesamte Branche betreffende Problematik sind illegale Filmkopien, welche vor allem im Internet Verbreitung finden.5

1.2 Zielsetzung

Das Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, die Vermarktungskette der Filmwirtschaft vor dem Hintergrund aktueller Veränderungen und Trends darzustellen. Unter Vermarktungskette werden dabei die zeitlich aufeinander folgenden Absatzmärkte Kino, DVD6 /Blu-ray, Internetvertrieb, Pay-TV und Free-TV sowie das Merchandising7 verstanden. Es sollen die jeweiligen Besonderheiten des Absatzkanals sowie die sich durch Veränderungen ergebenden Implikationen aufgezeigt werden. Der Fokus liegt dabei insbesondere auf den Marketingaspekten und wird exemplarisch am Beispiel der Filmveröffentlichung erläutert. Im Rahmen dieser Arbeit soll primär eine Darstellung der Lage in Deutschland erfolgen. Die internationalen Verflechtungen und Einflüsse in der Branche werden dabei entsprechend berücksichtigt.

1.3 Gang der Untersuchung und Aufbau der Arbeit

Als Basis für die Analyse erfolgt in Kapitel 2 zunächst eine Darstellung der Grundlagen der Filmindustrie. Den Kern dieser Arbeit stellt das Kapitel 3 dar. Hier findet zunächst eine Darstellung der einzelnen Absatzmärkte statt, an die sich die Betrachtung der derzeitigen Lage mit Hinblick auf Veränderungen und Trends anschließt. Darauf basierend werden die Besonderheiten des Marketings geschildert sowie eine Entwicklung zukünftiger Trends antizipiert. Abschließend werden Implikationen für betroffene Unternehmen abgeleitet. In Kapitel 4 findet der Praxistransfer im Rahmen des Student Consulting statt und in Kapitel 5 erfolgt das Fazit.

2 Grundlagen der Filmindustrie

2.1 Beteiligte Akteure

Die Filmindustrie gliedert sich in die drei wesentlichen Bereiche Filmproduktion, Filmverleih und Rechtehandel sowie die Filmverwertung. Entlang dieser Wertkette finden sich eine Vielzahl von nationalen und internationalen Unternehmen wieder.8 Im Jahr 2010 wurden in deutschen Kinos 394 Spielfilme erstaufgeführt. Davon wurden ca. 30 % in Deutschland hergestellt und erzielten einen Anteil von 15,6 % am Gesamtumsatz. Der Anteil an US-amerikanischen Produktionen lag bei ca. 38 % aller Filme und erwirtschaftete 75,5 % des Gesamtumsatzes.9 Knapp 70 % des Gesamtumsatzes entfiel dabei auf die sogenannten US-Major Studios (Warner, Fox, Walt Disney, Sony, Paramount und Universal), welche 139 Filme (35 %) präsentierten.10 Dies zeigt den großen Einfluss der US-amerikanischen Filmindustrie auf dem deutschen Markt und die marktbeherrschende Stellung von 6 Unternehmen.11 Im Folgenden werden nun die 3 Teilbereiche der Filmindustrie näher erläutert.

Die Filmproduktion umfasst sämtliche Tätigkeiten zur Erstellung und dem Verkauf von Spielfilmen, welche aufgrund der Einmaligkeit meistens in Form von Projekten durchgeführt werden. Sie wird in die 3 Phasen Vorbereitung (Pre-Production), Produktion (Principal Photography) und Nachbereitung (Post-Production) gegliedert. Die Vorbereitung umfasst alle vor Drehbeginn notwendigen Schritte wie z. B. Drehbuchentwicklung, Projektplanung, Kalkulation und Rollenbesetzung. In der Nachbearbeitungsphase findet mittels Arbeiten wie Schnitt, Vertonung, Trickarbeiten, etc. die Fertigstellung des Films statt.12 Im Anschluss werden die Rechte an den Verleih- und Rechtehandel weiterverkauft. Die Produktion ist gekennzeichnet durch hohe Investitionen bei einer gleichzeitig unsicheren Gewinnerwartung.13

Zwischen Filmproduktion und Kinobetreibern fungiert der Filmverleih als Intermediär. Er erwirbt die Verwertungsrechte und distribuiert Filme gegen eine Erlösbeteiligung an die Kinos. Der Verleih übernimmt darüber hinaus das Marketing und die Planung von Erscheinungsterminen der einzelnen Filme. Bei ausländischen Produktionen organisiert das Verleihunternehmen zudem die Synchronisation der Filme. Während der Verleih auf die Verwertung im Kino spezialisiert ist, deckt der Rechtehandel alle übrigen Absatzmärkte ab. Dazu zählen insbesondere der Bereich Home Entertainment, der Vertrieb an TV-Sender sowie die Vermarktung von Nebenverwertungsrechten für das Merchandising. Der Handel mit diesen Rechten kann dabei durch ein oder mehrere Rechtehändler, aber auch durch das Verleihunternehmen durchgeführt werden. Größere Produktionsunternehmen und insbesondere die US-Major Studios sind oft stark vertikal integriert und wickeln den Filmverleih und Rechtehandel über eigene Tochterunternehmen ab.14

Am Ende der Wertschöpfungskette stehen die filmverwertenden Unternehmen. Hier wird zwischen der Kinoverwertung und allen weiteren Absatzmärkten, den sogenannten Ancillary Markets, unterschieden. Der Kinomarkt setzt sich aus kleineren Kinos und Multiplex Einrichtungen mit mehr als 6 Leinwänden zusammen. Die Besucherzahlen teilen sich mit steigender Tendenz zugunsten von Multiplexen zu gleichen Teilen auf die beiden auf.15 Neben der Verwertung des Spielfilms im Home Entertainment oder Fernsehen umfassen die Ancillary Markets alle Möglichkeiten der weiteren Verwertung für Videospiele, Spielzeuge, Textilien, Kosmetik usw.16

2.2 Rahmenbedingungen

Die Filmindustrie wurde besonders in den vergangenen Jahren durch den technologischen Fortschritt geprägt. Es findet sowohl in der Produktion, als auch in der Distribution an die Kinos, eine Umstellung vom konventionellen 35mm System zu digitalen Varianten statt. So wurde im Jahr 2008 beispielsweise erstmals eine Digitalkamera entwickelt, welche dieselbe Qualität wie das 35mm System liefert. Heute ist bereits die Hälfte aller Kinosäle mit digitalen Filmprojektoren ausgestattet. Für die Produzenten ergeben sich hier Kosteneinsparungen und neue Möglichkeiten, wie etwa schnellere Kamerabewegungen. Der Filmverleih wird durch diese Entwicklung ebenfalls entlastet, da die Distribution und Vervielfältigung des digitalen Filmmaterials deutlich einfacher ist. Für Kinobetreiber bedeutet die Umrüstung von analogen zu digitalen Projektoren jedoch hohe Investitionskosten bei geringem Mehrwert, da der Zuschauer kaum Unterschiede in der Bildqualität bemerkt. Aus diesem Grund findet hier eine Unterstützung von staatlicher Seite und durch den Filmverleih statt.17 Darauf aufbauend konnte sich auch wieder die 3D-Technik in neuer, verbesserter Form in den Kinos etablieren. Bei der Vorführung von 3D-Filmen war es den Kinos zudem möglich einen erhöhten Ticketpreis zu verlangen, sodass in diesem Fall ein entsprechender Mehrwert generiert werden konnte. Ein deutlicher Anstieg der Kinobesuche im Jahr 2009 wird ebenfalls der 3D-Technik zugesprochen.18

Mit der zunehmenden Verfügbarkeit von digitalen Filmen und der Entwicklung des Internets hat sich das Problem von illegalen Raubkopien für die Filmbranche verschärft. Da sich das reine Betrachten von Filmen auf entsprechenden Internetseiten in einer Grauzone bewegt, ist es für die Branche umso schwieriger dem entgegenzutreten. Darüber hinaus wehrt sich die Internetgemeinde erfolgreich gegen Gesetzesinitiativen der Filmindustrie, die das Sperren entsprechender Seiten ermöglichen sollen. Es ist davon auszugehen, dass sich das Problem durch den voranschreitenden Ausbau des Internets weiter zuspitzen wird, sodass hier für die Filmwirtschaft großer Handlungsdruck besteht.19

Eine weitere relevante Rahmenbedingung sind die Filmförderungsanstalten, welche die Produktion von deutschen Filmen subventionieren. Ziel der Subventionen ist die Qualitätssteigerung deutscher Filme. Aufgrund der hohen Produktionskosten und des geringen Interesses an deutschen Filmen im Ausland, wäre ein Großteil deutscher Produktionen ohne die Filmförderung nicht möglich. Für die deutsche Filmindustrie ist sie daher ein äußerst wichtiger Faktor. Die Finanzierung findet zum Teil aus Zwangsabgaben der Branchenmitglieder und aus Steuergeldern statt. Ist eine Filmproduktion erfolgreich, muss ein Teil der Fördergelder zurückgezahlt werden.20

3 Die Vermarktungskette der Filmindustrie

3.1 Absatzmärkte

Die erste Station in der Vermarktungskette ist das Kino. Betrachtet man die Historie, war das Kino bis in die 60er Jahre die einzige Möglichkeit Filme zu konsumieren. Substitute tauchten mit dem Fernsehen, Videos, DVDs und schließlich dem Internet auf. Heute beläuft sich der Umsatz der Kinos noch etwa auf die Hälfte des Home Entertainment Bereichs.21 Die Deutschen sind darüber hinaus nicht kinoaffin. Mit 1,55 Besuchen pro Einwohner im Jahr 2010 liegt Deutschland deutlich hinter Nachbarländern wie z. B. Frankreich (3,18) oder Großbritannien (2,73).22 In den vergangenen 10 Jahren sank die Zahl der Besucher um ca. 25 %.23 Da sich der Erfolg eines Films an den Kinokassen unmittelbar auf die Ancillary Markets auswirkt, hat der Absatzkanal Kino eine zentrale Bedeutung für den Gesamterfolg.24

Mit der Einführung der DVD im Jahr 1999 wurde die Videokassette substituiert und der Home Entertainment Bereich konnte die Umsätze durch die neue Technologie mehr als verdoppeln. Die DVD ist zeitlich gesehen die zweite Station der Vermarktungskette und generiert fast die Hälfte des Gesamtumsatzes der Filmindustrie. Mittelfristig ist zu erwarten, dass die DVD durch die Blu-ray Disc abgelöst wird. Der Großteil der Umsätze wird durch den Verkauf von DVDs erwirtschaftet, nur ca. 15 % entfallen auf den Verleih durch Videotheken. Neben dem Spielfilm enthalten DVDs oft zusätzliches Material wie Interviews, Hintergrundberichte oder entfallene Szenen, um damit einen weiteren Kaufanreiz zu bieten. In manchen Fällen werden außerdem eine normale und eine erweiterte (Premium) Version der DVD angeboten, was zur Abschöpfung von Zahlungsbereitschaft dient. Um den Erfolg im Kino nicht zu beeinträchtigen, wird ein Film für gewöhnlich erst einige Monate nach Kinostart im Home Entertainment veröffentlicht.25

Zwischen dem klassischen Verkauf und Verleih von DVDs und dem Internetvertrieb bestehen starke Interdependenzen und Überschneidungen. Der Verkauf von DVDs durch Online Shops und der Verleih durch Internetvideotheken haben in den vergangenen Jahren an Bedeutung gewonnen, sollen hier jedoch nicht näher thematisiert werden. Von größerer Relevanz für die Filmindustrie ist die Zunahme der Nutzung der rein elektronischen Vertriebsformen. Dabei unterscheidet man den Verkauf oder auch Electronic sell through genannt, bei dem der Konsument den Film als Download mit unlimitierter Nutzungsdauer erwirbt und den Verleih mit beschränkter Nutzungsdauer. Beim Verleih wird zwischen Video on Demand (VoD) (Mehrfachbetrachtung innerhalb eines Zeitraums möglich) und Pay per View (PpV) (Mehrfachbetrachtung nur gegen Aufpreis möglich) unterschieden. Der Umsatz in diesem Bereich hat sich von 2009 auf 2010 mehr als verdoppelt und wird zukünftig immens an Bedeutung gewinnen. Das Angebot ist jedoch bedingt durch das bestehende Rechte- und Lizenzsystem lückenhaft und nicht alle in Videotheken erhältliche Filme sind auch bei den VoD Anbietern erhältlich.26

Die letzte Stufe der Vermarktung sind das Pay- und Free-TV. Auch über diese Kanäle kann die Filmindustrie große Einnahmen erzielen. Der Vertrieb an TV-Sender wird ebenfalls mittels zeitlich beschränkter Lizenzen und Rechte abgewickelt. Der Zeitraum zwischen Kinostart und Free-TV Premiere wird wie bei den anderen Absatzkanälen zeitlich so angepasst, dass die optimale Abschöpfung aller Kanäle erfolgt. Die Fernsehbranche befindet sich wie der gesamte Mediensektor in einem Konvergenzprozess und wird langfristig enger mit dem Internet verknüpft sein. Eine mittelfristige Auswirkung auf die Filmbranche lässt sich daraus jedoch nicht antizipieren.27

Das Merchandising umfasst die Vermarktung von anderen Konsumgütern oder Dienstleistungen unter Verwendung von Name, Logo, Figuren o.ä. des Spielfilms. Dazu zählen unter anderem die Filmmusik, Bücher, Magazine, Videospiele, Bekleidung, Spielzeug, Vergnügungsparks (Bsp. Disneyland) und Kosmetika. Die Produkte partizipieren dabei vom Markenimage des Films und erzielen somit höhere Preise und höhere Absatzmengen. Durch das Lizenzgeschäft erhält der Rechtehändler vom Lizenznehmer entweder eine Erlösbeteiligung oder einen einmaligen Betrag. Das Merchandising kann zeitlich entlang der gesamten Vermarktungskette stattfinden. Beispielsweise erschien das Computerspiel für den Film „Avatar“ schon vor dem eigentlichen Kinostart und generierte so zusätzliche Werbeeffekte.28

3.2 Derzeitige Lage der Filmindustrie

Wie bereits in den vorangegangen Kapiteln angedeutet, wird die Filmwirtschaft stark von technologischen Veränderungen beeinflusst. Dies sind zum einen neue digitale und 3D-Techniken, welche für Filmproduktion und -verleih vor allem von Vorteil sind, für Kinobetreiber aber zunächst hohe Investitionen bedeuten.29

Ein bedeutendes und geschäftsschädigendes Problem für die gesamte Branche sind die kostenlos verfügbaren Raubkopien im Internet. Aufgrund des unzureichenden Angebots an PpV oder VoD Möglichkeiten wird die vorhandene Zahlungsbereitschaft der Konsumenten nicht ausgenutzt, sondern die Nutzung der kostenlos verfügbaren Angebote verstärkt.30

Die Produktion deutscher Kinofilme hat sich von 2001 bis 2009 nahezu verdoppelt, sodass sich für die deutsche Produktionsbranche insgesamt ein positiver Trend abzeichnen lässt. Sie steht dennoch vor mehreren Problemen. Zum einen das in Deutschland geringe Interesse am Kino und die Vorliebe für US-amerikanische Blockbuster-Produktionen sowie das fehlende Interesse an deutschen Filmen im Ausland. Dies hat zur Folge, dass für den deutschen Film keine ausreichende Nachfrage besteht und dieser zurzeit nur durch Subventionen erhalten bleiben kann.31

Das Oligopol der US-Major Studios und den zugrunde liegenden Kapitalkreislauf scheint derzeit weder die deutsche noch eine andere Filmindustrie durchbrechen zu können. Selbst in Ländern mit hoher Affinität zum Kino und dem heimischen Film wie Frankreich, liegt der Anteil inländischer Produktionen weit unter 50 %. Die Marktmacht der US-Majors hat sich seit ihrer Gründung Anfang des 20. Jahrhunderts immer weiter ausgebaut. Die Gründe dafür liegen in einer hohen Konzentration der Industrie in Los Angeles/Hollywood und der Pionierarbeit im Bereich Blockbuster-Kino und Vermarktung von „Stars“. Heute stehen den Studios immense Summen zur Produktion und Vermarktung von Spielfilmen zur Verfügung, welche kein anderer Marktteilnehmer aufbringen kann. Gleichzeitig führen die hohen Ausgaben zu noch höheren Rückflüssen vom gesamten Weltmarkt, sodass sich der Kapitalkreislauf zugunsten der US-Majors schließt.32

3.3 Besonderheiten im Marketing

Dass das Marketing für den Erfolg eines Films von hoher Bedeutung ist, ist allein durch den Erfolg der US-Majors evident. Im Gegensatz zu anderen Produkten und Dienstleistungen gibt es bei der Vermarktung von Spielfilmen eine Vielzahl an Besonderheiten.

Beim Film handelt es sich um ein immaterielles Gut, dessen Qualität der Konsument nicht vor der Rezeption beurteilen kann, den Ticketpreis jedoch unwiderruflich zahlen muss, wenn er sich dafür entscheidet. Aus diesem Grund ist der potentielle Kinobesucher bestrebt, die Unsicherheit so weit wie möglich zu minimieren. Dies geschieht durch Informationsbeschaffung in den Medien und in einem nicht unwesentlichen Maße über Mundpropaganda.33 Die kurze Periode der Kinoverwertung sowie ein steigendes Angebot von Filmen, machen es der Werbung zudem schwieriger zum Konsumenten durchzudringen.34 Im Folgenden wird das Marketing aus Sicht der 4 Handlungsfelder Produkt-, Preis-, Distributions- und Kommunikationspolitik erläutert.

Aus Perspektive der Produktpolitik unterscheidet man zwischen Low-Budget Produktionen und der Blockbuster-Strategie. Letztere werden mit hohem Investitionsvolumen vermarktet und produziert und haben tendenziell eine am Mainstream orientierte Ausrichtung hinsichtlich Handlung, Genre und der Darsteller des Films. Die Blockbuster-Strategie zielt ebenfalls auf ein möglichst erfolgreiches Eröffnungswochenende ab, da dies zu wirksamer Mundpropaganda, Presseberichten und der Verdrängung von Konkurrenzfilmen führt.35 Darüber hinaus kann durch Variation und Innovation die Unsicherheit der Konsumenten abgebaut bzw. ihr Interesse vergrößert werden. Unter Variation fallen beispielsweise Sequels36 von erfolgreichen Kinofilmen, welche durch ihre bereits vorhandene Bekanntheit weniger stark beworben werden müssen. Innovationen sind z. B. Technologien wie 3D, welche die Neugierde der Rezipienten weckt.37

[...]


1 Im Rahmen dieser Arbeit werden die Begriffe Film, Spielfilm und Kinofilm synonym zueinander verwendet. Dabei sind stets Kinofilme gemeint, welche als „… im Kino aufgeführte Spiel[filme], die länger als 59 Minuten sind“ definiert werden; Spitzenorganisation der Filmwirtschaft (2011), S.10.

2 Unter dem Begriff Home Entertainment werden im Rahmen dieser Arbeit der Vertrieb des Films durch den Verkauf und Verleih als DVDs oder Blu-ray Disc sowie der Internetvertrieb verstanden.

3 Vgl. Wirtz (2011), S. 298-301, 306-308.

4 Vgl. o. V. (2012), S. 16-17; Wirtz (2011), S. 289, 294-297.

5 Vgl. Gläser (2010), S. 211; Wirtz (2011), S. 313-314.

6 Die Abkürzung DVD steht für Digital Versatile Disc.

7 Der Begriff Merchandising wird in Kapitel 3.1 näher erläutert.

8 Vgl. Wirtz (2011), S. 289-294.

9 Vgl. Spitzenorganisation der Filmwirtschaft (2011), S. 24, 29.

10 Vgl. o. V. (2012), S. 17.

11 Vgl. Gläser (2010), S. 211; Wirtz (2011), S. 294.

12 Vgl. Wendling (2008), S. 12 ff.

13 Vgl. Wendling (2008), S. 13; Wirtz (2011), S. 295.

14 Vgl. Hahn, Schierse (2004), 39-52; Wirtz (2011), S. 294-299, 324-325.

15 Vgl. Spitzenorganisation der Filmwirtschaft (2011), S. 31; Wirtz (2011), S. 299-300, 316-317.

16 Vgl. Wirtz (2011), S. 314-317.

17 Vgl. Reuter (2012), S. 70.

18 Vgl. Spitzenorganisation der Filmwirtschaft (2011), S. 43; Wirtz (2011), S. 306-307.

19 Vgl. Gläser (2010), S. 215; Voß, Stötzel, Hohensee (2012), S. 56.

20 Vgl. Olbermann (2012), S. 26; Wirtz (2011), S. 309-310; Zwirner (2012), S. 11-12, 60-64.

21 Vgl. Spitzenorganisation der Filmwirtschaft (2011), S. 32, 51; Wirtz (2011), S. 289, 298.

22 Eigene Berechnung der Werte; vgl. Spitzenorganisation der Filmwirtschaft (2011), S. 89; Eurostat (2011), S. 2.

23 Vgl. Spitzenorganisation der Filmwirtschaft (2011), S. 32.

24 Vgl. Wirtz (2011), S. 344-352.

25 Vgl. Jacobshagen (2008), S. 323-331; Wirtz (2011), S. 299-302, 314-316, 347.

26 Vgl. Gajic, A. (2012), S. 10-12; Spitzenorganisation der Filmwirtschaft (2011), S. 51; Wirtz (2011), S. 302, 307.

27 Vgl. Hahn, Schierse (2004), 51-55; Wirtz (2011), S. 299-300, 346-347, 394-395.

28 Vgl. Wirtz (2011), S. 315-316, 356.

29 Vgl. Kapitel 2.2.

30 Vgl. Kapitel 2.2 und 3.1.

31 Vgl. Olbermann (2012), S. 26; Zwirner (2012), S. 11; Kapitel 2.1, 2.2, 3.1.

32 Vgl. Mossig (2006), S. 61-67; Kapitel 2.1.

33 Vgl. Iversen (2009), S. 180-185.

34 Vgl. Hahn, Schierse (2004), S. 75.

35 Vgl. Iversen (2009), S. 185; Wirtz (2011), S. 344-345.

36 Aus dem Englischen für „Fortsetzungen“ von Filmen.

37 Vgl Wirtz (2011), S. 308-309, 345-346.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Von der Premiere bis ins Free-TV. Die Vermarktungskette der Filmindustrie
Hochschule
FOM Essen, Hochschule für Oekonomie & Management gemeinnützige GmbH, Hochschulleitung Essen früher Fachhochschule
Note
2,3
Autor
Jahr
2012
Seiten
18
Katalognummer
V282850
ISBN (eBook)
9783656823100
ISBN (Buch)
9783656823094
Dateigröße
424 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
BWL, Marketing, Filmindustrie, Vermarktungskette, Kino, Video on Demand, Filmwirtschaft, Kinobranche, Medienbranche, Mediensektor, Verwertungskette, Film, Fernsehen, Kinofilm, TV, DVD, Blu-Ray, FOM
Arbeit zitieren
Henning Sieloff (Autor), 2012, Von der Premiere bis ins Free-TV. Die Vermarktungskette der Filmindustrie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/282850

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