Burnout. Grundlagen und Prävention im Krankenhaus

Forschungsfrage: Welche Präventionsarbeit kann die Führungsebene der Pflege im klinischen Bereich zum Thema Burnout leisten?


Hausarbeit, 2014
16 Seiten, Note: 2
Hubert Fernerberg (Autor)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Grundlagen
2.1. Fallbeispiel Burnout
2.2. Geschichte und Definition
2.3. Symptome
2.4. Verlauf
2.4.1. Warnsymptome der Anfangsphase:
2.4.2. Reduziertes Engagement
2.4.3. Emotionale Reaktionen
2.4.4. Abbau
2.4.5. Verflachung
2.4.6. Psychosomatische Reaktionen
2.4.7. Verzweiflung
2.5. Ursachen
2.6. Burnout und Stress
2.7. Wer ist Burn-out gefährdet?

3. Prävention
3.1. Work-Life-Balance
3.2. Burn-out-Prävention
3.3. Burn-out-Prävention im Krankenhaus

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Krankenhäuser müssen sich zunehmend Kriterien der Wirtschaftlichkeit und damit neuen Managementstrukturen anpassen. Diese Entwicklungen wurden durch die Einführung des Vergütungssystems nach diagnosebezogenen Fallgruppen, Diagnosis Related Groups (kurz DRG), begünstigt. Wachsende Fallzahlen und kürzere Verweildauern von Patienten gehen besonders für das Pflegepersonal mit Leistungsverdichtung und zunehmendem Leistungsdruck einher. Zu den ursprünglichen Aufgaben in der Pflege sind neue kommunikative und dokumentarische Tätigkeiten hinzugekommen, wobei bisherige Tätigkeiten nicht ersetzt, sondern durch neue Anforderungen erweitert wurden. Die Arbeit wird immer komplexer und der Stress steigt. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bezeichnet Stress als die größte Gesundheitsgefahr dieses Jahrhunderts. Laut einer Studie der AOK im Jahre 2011 haben sich die Ausfälle wegen Burn-out seit 1999 in zwölf Jahren um 80 Prozent zugenommen. In einer andern Studie der Krankenkasse gaben 2009 ein Drittel der Befragten starke psychische Belastungen und sogar zwei Drittel klagten über allgemeine psychische und psychosomatische Symptome. Die gesamte Wirtschaft wird in Mitleidenschaft gezogen, wenn Erkrankte mehrerer Monate oder ein ganzes Jahr ausfallen oder nie wieder arbeitsfähig sind und frühverrentet werden. Die gesamte Existenz einer Person steht auf dem Spiel und das Umfeld, wie Familie, Unternehmen und Gesellschaft sind ebenfalls stark beeinträchtigt (vgl. Pilz-Kusch 2012; S.15). Ich habe mich für das Thema Burn-out entschieden, weil eine gute Kollegin von mir daran erkrankt ist. Ich stellte mir die Frage, was ich für meine späteren Mitarbeiter an präventiven Maßnahmen organisieren kann, wenn ich mein Studium beendet habe und zum Beispiel als Stations- oder Pflegedienstleitung arbeiten werde. Meine zentrale Fragestellung in dieser Semesterarbeit lautet: „Welche Präventionsarbeit kann die Führungsebene der Pflege im klinischen Bereich zum Thema Burnout leisten?“ Ich werde im ersten Teil dieser Hausarbeit auf die Grundlagen des Burn-out eingehen. Diese beinhalten ein Fallbeispiel, die Geschichte und Definition, Symptome, Verlauf, Ursachen, welche Personen begünstigt sind, an Burn-out zu erkranken und der Zusammenhang zum Stress wird erläutert. Der zweite Teil beinhaltet die Burn-out-Prävention, die Work-Life-Balance, die allgemeine Definition von Burn-out-Prävention und zuletzt die möglichen präventiven Maßnahmen im klinischen Bereich. Die Literatur zum Thema Burn-out ist sehr groß und vielfältig. Es gibt viele Experten mit unterschiedlichen Ansichten. Bei den Grundlagen habe ich mich hauptsächlich an den deutschen Burn-out-Forscher Matthias Burisch gehalten. Er wird in der vielseitigen Literatur sehr oft erwähnt und gilt als Vorreiter des Burn-outs in Deutschland. In der Prävention schien mir Irmgard Hofmann am klarsten strukturiert.

2. Grundlagen

2.1. Fallbeispiel Burnout

Schwester Anna A. ist im 8. Jahr berufstätig. Im Krankenhaus gehört sie zum Team einer gynäkologischen Station. Sie hat Familie, die Kinder sind ein und drei Jahre alt. Am Anfang ging ihr alles leicht von der Hand. Sie war stets engagiert und konnte bei Problemen wie Personalmangel immer kontaktiert werden. Das Koordinieren von Haushalt und Station hat sie mit Schwung gemeistert. Seit einem halben Jahr fällt ihr Vieles schwerer, es kostet sie Kraft, zum Dienst zu gehen. Gegen Feierabend denkt die mit Grauen an die vor ihr liegende Hausarbeit. Die Kolleginnen bemerken, dass sie weniger lacht, weniger freundlich mit Patienten umgeht und ihr ab und zu Fehler unterlaufen. Ihr Mann bemängelt ihre schlechte Laune. Wenn er ihr Hilfe anbietet, lehnt sie ab: „ich schaffe das schon!“ Auf Station erledigt sie nur das Nötigste, was sie viel Kraft kostet, und lebt stets auf die freien Tage zu. Morgens ist sie nicht ausgeschlafen und möchte am liebsten im Bett bleiben. Nach einer verschleppten Erkältung muss sie krankheitsbedingt fehlen. Manchmal ist sie so niedergeschlagen, dass sie sich fragt, ob das Ganze noch einen Sinn hat (vgl. Ekert/ Ekert 2005; S.299).

2.2. Geschichte und Definition

Der Begriff Burn-out kommt aus dem englischen Raum und kann mit Ausbrennen übersetzt werden. Ein großes Problem in der Burn-out-Forschung ist, dass es bis heute keine allgemeine Definition gibt. Es gibt viele Definitionsversuche von unterschiedlichen Experten. Die bekanntesten Definitionen haben Herbert Freudenberger und Christina Maslach verfasst (vgl. Burisch 2010; S.14). Bereits in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts wurde der Begriff in Zusammenhang mit dem Profisport thematisiert. Der deutschstämmige amerikanische Psychoanalytiker Herbert Freudenberger gilt als Entdecker des Burn-outs im sozialen Bereich (vgl. Killmer 1999; S. 20). Im Jahre 1974 analysierte er bei hoch motivierten Sozialarbeitern in alternativen Organisationen, dass sie auffällig oft etwa ein Jahr nach Arbeitsaufnahme psychisch geradezu zusammenbrachen (vgl. Litzcke/ Schuh 2010; S. 157). Freudenberger sprach von der „Krankheit des Überengagements“ und meinte damit die Erschöpfung und Frustration aufgrund unrealistischer Erwartungen, welche fremd- wie selbstverursacht sind (vgl. Allenspach/ Brechbühler 2005; S. 102). Die Definition, die in der Wissenschaft anerkannt ist, hat 1976 die amerikanische Sozialpsychologin Christina Maslach verfasst (vgl. Burisch 2010; S.14).

„ Burnout ist ein Syndrom emotionaler Erschöpfung, Depersonalisation und persönlicher Leistungseinbußen, das bei Individuen auftreten kann, die in irgendeiner Art mit Menschen arbeiten. Es ist eine Reaktion auf die chronische emotionale Belastung, sich andauernd mit Menschen zu beschäftigen, besonderes, wenn diese in Not sind oder Probleme haben“ (Maslach 1982a in Burisch 2010; S. 17).

Burn-out ist ein Begriff der Alltagssprache und fungierte oft als Schlagwort für eine Reihe von Missempfindungen. Erst ab Mitte der 80er Jahre konnte sich berufsbezogenes Burn-out als ernst zu nehmendes wissenschaftliches Thema etablieren. Auch in Deutschland gewinnt es seitdem als soziales Problem im Dienstleistungsbereich zunehmend an Bedeutung. Burn-out wird als eine negative psychologische Erfahrung beschrieben (vgl. Killmer 1999; S. 21). Laut der ICD-10 (International Classification of Disease) ist Burn-out ein Zustand der totalen Erschöpfung. Dieser internationale Diagnoseschlüssel zur Klassifikation von Krankheiten bezeichnet Burn-out als Rahmen- oder Zusatzdiagnose (Schlüssel= Z.73.0), die nicht näher beleuchtet wird. Wenn Mediziner Burn-out behandeln, wird zur Abrechnung stets zur Diagnose Depression ausgewichen (vgl. Hedderich 2009; S. 10). Der renommierte deutsche Burn-out-Forscher Matthias Burisch bezeichnet den Begriff Burn-out als ein „fuzzy Set“, eine „randunscharfe Menge“, den zu definieren der Aufgabe gleichkomme, die Grenzen einer großen Wolke beschreiben zu wollen (vgl. Hedderich 2009; S. 12). Maslach und Leiter beschreiben die Veränderungen, welche mit Burn-out einhergehen mit folgenden Worten:

„… eine Erosion der Werte, der Würde, des Geistes und des Willens – eine Erosion der menschlichen Seele. Es ist ein Leiden, das sich schrittweise und ständig ausbreitet und Menschen in eine Abwärtsspirale zieht, aus der das Entkommen schwer ist“ (Maslach/ Leiter 1997 in Burisch 2010; S.20).

Das Ausbrennen kann jeden treffen, es ist ein schleichender Prozess der sich meist über Jahre entwickelt (vgl. Pilz-Kusch 2012; S. 17).

2.3. Symptome

Insgesamt konnten mehr als 130 Symptome festgestellt werden (vgl. Hedderich 2009; S.25). Schon das viel verwandte Wort „Burn-out-Syndrom“ kennzeichnet die Problematik, die sich auch hier wieder findet. Ein Syndrom definiert sich durch das gemeinsame Auftreten von einzelnen, für sich alleinstehen nicht charakteristischen Symptomen und wird als Symptomkomplex beschrieben. Das heißt, dass jedes einzelne Symptom auch bei anderen Krankheiten oder Syndromen auftreten kann. Erst durch das gemeinsame Auftreten in einem bestimmten Ausprägungsbild ergibt sich ein Störungsbild und man kann auf dieses Syndrom schließen (vgl. Reuter 2004; S.2070). Alle Experten sind sich einig, dass Burn-out eine Folge von Überlastung ist. Sie wird gekennzeichnet durch:

Körperliche Erschöpfung,

Emotionale Erschöpfung,

Zynisch-abwertende Haltung gegenüber dem Hilfesuchenden ( Dehumanisierung).

Gefühl, der beruflichen Aufgabe nicht mehr gewachsen zu sein (vgl. Ekert/ Ekert 2005; S. 300).

Burisch stellt fest, dass das Symptombild in den vielen von ihm betrachteten Studien sehr vielschichtig ist, anderseits aber überraschend einheitlich (vgl. Burisch 2010; S. 24).

[...]

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Burnout. Grundlagen und Prävention im Krankenhaus
Untertitel
Forschungsfrage: Welche Präventionsarbeit kann die Führungsebene der Pflege im klinischen Bereich zum Thema Burnout leisten?
Hochschule
Katholische Stiftungsfachhochschule München
Note
2
Autor
Jahr
2014
Seiten
16
Katalognummer
V283810
ISBN (eBook)
9783656837435
ISBN (Buch)
9783656837442
Dateigröße
443 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Burnout, Pflegemanagement, Prävention, Pflege, Krankenhaus
Arbeit zitieren
Hubert Fernerberg (Autor), 2014, Burnout. Grundlagen und Prävention im Krankenhaus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/283810

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