Leistungsbewertung und Noten im Kunstunterricht


Hausarbeit, 2012
17 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Beurteilen und Bewerten im Kunstunterricht

1.Historische Entwicklung der Leistungsbewertung
1.1. Leistungsbewertung vs. Leistungsbeurteilung
1.2. Geschichte der Zifferzensur - Traditionelle Leistungsbewertung
1.2.1. Funktion der Ziffernzensur
1.2.2. Einwände gegen Ziffernzensuren
1.3. Gütekriterien für die Leistungsbewertung

2.Notengebung im Kunstunterricht
2.1. Künstlerische Beurteilungsnormen gestern und heute
2.2. Klassische Bewertungsmethoden im Überblick
2.2.1. Ästhetisches Urteil / Evidenzurteil
2.2.2. Die Wertestation
2.2.3. Beurteilung im offenen Unterricht

3.Fazit

Literaturverzeichnis

Zusammenfassung

Die folgende Arbeit beschäftigt sich im Rahmen der allgemeinen psychologischen Aspekte der Kunst mit der Beurteilung und Bewertung im Kunstunterricht.

Beurteilen und Bewerten im Kunstunterricht

Durch die Veränderung der Unterrichtsformen und -methoden haben sich viele verschiedene Konzepte zur Gestaltung des Unterrichts entwickelt. Projektorientiertes Unterrichten, Freiarbeit, handlungsorientierter Unterricht oder offener Unterricht sind bekannte Methoden, die immer mehr Zuspruch finden. Auch im Kunstunterricht kommt es immer mehr zu Veränderungen. Anleitung zu selbstständigen Lernen ist ein bedeutendes Ziel der aktuellen Lernmethoden.

Bei all den Veränderungen der Methoden, was passiert mit der Leistungsbewertung? Kann sich Leistungsbewertung an moderne Umstrukturierung anpassen? Entspricht dabei das traditionelle Leistungssystem noch dem was heute erwartet wird?

Die zunehmende Heterogenität innerhalb der Schule bedingt eine Individualisierung der Lernangebote und daher auch der Leistungsbewertung. Wie kann also die geforderte Individualisierung auf die kommende Leistungsbewertung übertragen werden? Besonders im Kunstunterricht entsteht die Frage, ob es dort genauso möglich ist, die Bewertung zu verändern und an diese Vielfalt anzupassen. Entlang dieser Leitfragen möchte ich meine Ausarbeitung strukturieren und genauer auf die Problematik, insbesondere im Kunstunterricht, eingehen. Ich betrachte hierbei die aktuell praktizierte Urteilsfindung und Bewertung. Ich beschränke mich auf verschiedene vorliegende Literaturen (siehe Literaturverzeichnis), ohne eine eigene Forscherarbeit zu vollziehen. Im Anschluss an die Arbeit werde ich zu den gegebenen Methoden und Untersuchungen Stellung nehmen, um mich für bestehende Probleme zu sensibilisieren. Ich möchte eine Position vertreten mit der ich als angehende Lehrerin bestehen kann und mit der sich mir neue Wege zur Betrachtung der Leistungsbewertung eröffnen.

Meine Arbeit gliedert sich in folgende Teile. Im ersten Kapitel werde ich den geschichtlichen Hintergrund der Beurteilung und Bewertung im Kunstunterricht skizzieren. Ich werde mich dabei auf die bedeutendsten Veränderungsstufen beschränken. Ich beginne mit dem traditionellen Bewertungssystem und gehe dabei auf die historische Entwicklung der Zifferzensur ein, als auch auf die kritische Hinterfragung allgemeiner Kunstbewertung vom 19. Jahrhundert bis heute. Im zweiten Kapitel gehe ich auf die verschiedenen Methoden der Beurteilung ein. Ich werde diesen theoretischen Teil anhand der bekanntesten Methodenbesipiele darstellen, Vor- und Nachteile aufführen und im Anschluss analysieren.

Aufgrund der Komplexität des Themengebietes kann die Arbeit nicht auf alle Aspekte der Leistungsbewertung im Kunstunterricht eingehen. Um eine bessere Lesbarkeit zu gewähren, wird im Folgenden für die Bezeichnung der Schülerinnen und Schüler durchgängig die männliche Form verwendet.

1.Historische Entwicklung der Leistungsbewertung

Grundlage dieses Teils ist die Bestandsaufnahme der aktuellen Informationen zur Leistungsbewertung aus gegebenen Literaturen (siehe Literaturverzeichnis). Betrachtet werden die Geschichte der Ziffernzensur, welche Aufschluss über die Wurzeln des Benotungssystems geben soll, die Funktion derselben und die Klärung der Begriffsbenutzung von Leistungsbewertung und Leistungsbeurteilung. Ich beginne von hinten mit der Klärung der Begrifflichkeit, da diese für eine fortlaufende Arbeit auschlaggebend ist.

1.1. Leistungsbewertung vs. Leistungsbeurteilung

Leistungsbewertung und Leistungsbeurteilung werden im Zusammenhang mit schulischer Leistungsbewertung meistens synonym genannt. In der Literatur herrscht kein eindeutiges Verständnis über die Begrifflichkeiten.

Der Begriff Leistungsbewertung bedeutet nach Bohl (2004) eine „konkrete und detaillierte Einordnung einer beschriebenen Leistung in einen Maßstab“ (S. 60f.). Jäger (2004) beschreibt den Begriff der Bewertung folgendermaßen: „Bewertung bezeichnet das Zumessen eines Wertes oder einer Bedeutung zu einer Sache, Person oder Institution“(S.26), sowie: „man versteht darunter das Beziffern eines Verhaltens relativ zu einer Norm. Dieses Beziffern kann in Form von Zahlen oder mit Hilfe von Beschreibungen unternommen werden“(S.101).

Schaut man sich das Wort „Bewertung“ genauer an, so erkennt man, dass der Hauptbestandteil des Wortes, das Wort „Wertung“ ist. Die Sucheingabe bei Dudenonline ergibt unter dem Begriff „Wertung“ folgende Synonyme: Einschätzung, Würdigung u.a. „Den Wert von etwas einschätzen“ (ebd.). Dementsprechend kann man sagen, dass das Wort „bewerten“ im Kontext zum Unterricht eine Art Würdigungsfunktion innehat. Es lässt sich daher anhand dieser Informationen feststellen, dass der Begriff „Leistungsbewertung“ die Einschätzung des Wertes einer Leistung anhand einer Ziffer zur Würdigung aussagt.

Leistungsbeurteilung wird nach Peez (2008) wie folgt definiert: „ Im Wort „Beurteilung“ klingt die eingehende, gewissenhaft abwägende Begründung für eine Meinungsäußerung durch; mit „Beurteilung“ ist der Prozess der Urteilsfindung gemeint“ (S.11). Eine andere Sichtweise zur Beurteilung besitzt Jäger (2004). Er beschreibt den Begriff wie folgt: „Beurteilung als die Abgabe eines Urteils, also das Resultat des Beurteilens. „Sie wird schriftlich und/oder mündlich festgehalten. Beurteilen bezieht sich auf den Vorgang oder Prozess, an dessen Ende eine Beurteilung steht“ (ebd. S.26 / S. 39).

Dem Wort Beurteilung liegt nach Dudenonline das Wort „Urteil“ zugrunde. Unter dem Verb „beurteilen“ erhält man außerdem folgende Erklärungen: „ jemandes Arbeit, Leistung beurteilen; jemanden nach seinem Äußeren beurteilen“(vgl. Dudenonline). Die Leistungsbeurteilung bezieht sich demnach auf eine Leistung, die über einen längeren Zeitraum entstanden ist. Der Arbeitsprozess, der damit verbunden ist, wird somit Teil der Beurteilung. Ebenso wie bei der Bewertung kann aber bei der Beurteilung auch eine Note für die Leistung vergeben werden.

Zusammenfassend wird ein großer Unterschied deutlich. Das bedeutendste Merkmal, dass die Bezeichnung voneinander trennt ist, dass bei der Leistungsbewertung der Entstehungsprozess einer Arbeit nicht miteinbezogen wird. Bei der Leistungsbeurteilung hingegen fließt der Prozess in die Notengebung mit ein. Im Folgenden der Arbeit werden beide Begriffe Verwendung finden. Aufgrund der genannten Unklarheiten kann allerdings nicht immer eindeutige Passung gegeben werden. In Zitaten meiner Arbeit werde ich dennoch Ausdruck des Zitierens übernehmen.

1.2. Geschichte der Zifferzensur - Traditionelle Leistungsbewertung

Um Schülerleistungen vergleichbar zu messen, gibt es die Möglichkeit Leistungen in Schulnoten auszudrücken. Die Einschätzung des Lernerfolgs erfolgt in diesem Fall über die Vergabe einer Zifferzensur. Mit dieser Methode kann die Schulleistung der gesamten Klasse, sowie die einzelnen Leistungen der Schüler untereinander verglichen werden. Diese Art der Leistung ist seit dem 16. Jahrhundert Bestandteil der Schulen. „Zeugnisse und Prüfungen machten Vergleichbarkeit möglich“ (vgl. Dohse 1974, S.42).

Ratzki (2003) ist der Meinung, dass der Grundgedanke der Zensurvergabe aus der Aufklärung stammt. Nicht die Geburt, sondern die Leistung soll über sie soziale Stellung entscheiden (vgl. Ratzki 2003). Nach Winter (2004) diente die Zensur der Einschätzung der Tüchtigkeit der Schüler. In einer hierarchisch aufgebauten Gesellschaft ging es darum, den Schülern einen Rang zuzuordnen, wobei der Bezugspunkt das Militär war (vgl. Dohse 1974). Die gegenwärtige Leistungsbewertung entstand 1968 aus Gründen der Vereinheitlichung. Die Notenskala von eins bis sechs, anhand der man ein Leistungsspektrum von sehr gut bis ungenügend hatte, war und ist somit bis heute sehr bedeutend (ebd.). Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Leistungsbeurteilung anhand der Ziffernzensur gesellschaftlichen und pädagogischen Nutzen haben sollte. Insofern stellen Noten eine Basis für die weitere Förderung des Schülers dar. In der gegenwärtigen Leistungsbeurteilung werden die im Unterricht erworbenen Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten in den Beurteilungsbereichen „Schriftliche Arbeiten“ und „Sonstige Leistungen im Unterricht“ bewertet (vgl. § 48 des Schulgesetzt des Landes Nordrhein-Westfalen). Nach Winter (2004) ist durch die Beibehaltung der Notenskala die Notengebung in der pädagogischen Praxis erschwert worden und bis heute als großes Hemmnis zur leistungsfördernden Notengebung zu sehen. Die Noten als Werkzeug zur Leistungsbeurteilung haben immer unmittelbare Auswirkungen auf die schulische aber auch berufliche Entwicklung (ebd. Winter 2004).

Neben den Ziffernzensuren werden gegenwärtig auch Kopfnoten vergeben, die sich auf das Verhalten der Schüler innerhalb der gesamten Schule beziehen. Mit Hilfe der Kopfnoten sollen die Schüler und deren Eltern über die allgemeinen Beobachtungen der Fachlehrer über den betreffenden Schüler informiert werden (vgl. Schröter 1981 ,S.164). Schröter (1981) hält es für sinnvoll die Kopfnoten um weitere hilfreiche Empfehlungen und Hinweise zu ergänzen, um eine gute Basis für Lehrer-Eltern- oder Lehrer-Schülergespräche herzustellen. An dieser stelle möchte ich nicht weiter auf die Kopfnoten eingehen, da die Verwendung der Kopfnoten von Bundesland zu Bundeland variiert. Trotz der Unterschiede, sind die Kopfnoten im geschichtlichen Ablauf und in der gegenwärtigen Leistungsbewertung ein bedeutender Aspekt, der auf jeden Fall erwähnt werden muss.

1.2.1. Funktion der Ziffernzensur

Welche Bedeutung haben Noten im Einzelnen? Welche Bedeutung haben Noten für Schüler, Lehrer und Eltern? Spiegeln die Noten wirklich die reale Leistung des Schülers wieder? Es ist offensichtlich, dass jedem Lehrer im Schulalltag auch Fehler unterlaufen. Wie kann der Prozess der Notengebung so gestaltet werden, dass auch die Subjektivität des Lehrers vermindert werden kann und die Noten auch im Sinne von pädagogischen Maßnahmen sinnvoll gestaltet werden können? Geht man der Frage nach der Bedeutung und Funktion von Ziffernzensuren nach, findet man in der Literatur konkrete Anhaltspunkte. Zum einen gibt es eine Vielzahl von gesetzlich verankerten Zielsetzungen (gesellschaftliche Funktionen), hierzu gehören die Auslese-, Kontrolle- und Berechtigungsfunktion. Zugänge zu bestimmten Institutionen können durch die Zifferzensur verwehrt oder eröffnet werden. Zum anderen gibt es weitere wichtige pädagogische Funktionen:

Rückmeldefunktion ( für Lehrer und Schüler)

Berichtsfunktion (für Eltern)

Anreizfunktion (gute Noten als Anreiz für gute Leistung)

Disziplinierungsfunktion

Sozialisierungsfunktion (Schüler lernen unterschiedliche Leistungsnormen kennen)

Klassifizierungsfunktion (Grundlage für Förderung und Selektion)

Selektionsfunktion

Zuteilungsfunktion (Harzt-IV vs. Numerus Clausus)

Chancenausgleichsfunktion

(vgl. Wild 2001)

Peez (2008) hebt die Motivations-, Selektions- und Sozialisationsfunktion hervor (S.11 ff).

Die aufgeführten Funktionen sind meines Erachtens nach nachvollziehbar und sinnvoll gegliedert. Sie geben aber trotz ihrer Klarheit Anlass zur Kritik auf die ich im Folgenden beispielhaft auch im Sinne meiner Ausarbeitung, im Bezug auf die Bewertung im Kunstunterricht, eingehen werde.

Da die Motivationsfunktion im Bezug auf den Kunstunterricht äußert wichtig ist, werde ich an dieser Stelle etwas genauere Ausführungen zu dieser Funktion machen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Leistungsbewertung und Noten im Kunstunterricht
Hochschule
Universität Siegen
Autor
Jahr
2012
Seiten
17
Katalognummer
V283950
ISBN (eBook)
9783656836254
ISBN (Buch)
9783656836261
Dateigröße
616 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Schlagworte
leistungsbewertung, noten, kunstunterricht
Arbeit zitieren
Katharina Janke (Autor), 2012, Leistungsbewertung und Noten im Kunstunterricht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/283950

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Leistungsbewertung und Noten im Kunstunterricht


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden