Die Entwicklung des Ratinggeschäfts. Grundlagen und Merkmale der Ratingindustrie


Akademische Arbeit, 2006
18 Seiten, Note: 1

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Grundlage des Rating-Geschäftes: Die Globalen Finanzmärkte

3. Was ist ein Rating?

4. Arten von Ratings
4.1. Solicited und Unsolicited Ratings
4.2. Unternehmens- und Länderrating
4.3. Externes Rating vs. Internes Rating

5. Wie arbeiten Rating-Agenturen?

6. Quantitative und Qualitative Faktoren im Rating

7. Der Ratingprozess

8. Historische Entwicklung des Ratinggeschäftes
8.1. Qualitativ-strukturelle Veränderungen des Finanzmarktes
8.2. Disintermediation und Securitization
8.3. Kapitalmarktfinanzierung von Staaten
8.4. Diffusion amerikanischer Marktpraktiken und Standardisierung
8.5. Aufsichtsrechtliche Instrumentalisierung

9. Charakteristika der Ratingindustrie
9.1. Oligopol oder Duopol?
9.2. Marktaufsicht und Kontrolle
9.3. Die Marktführer der Ratingindustrie
9.4. Die Marktfunktion der Rating-Agenturen
9.5. Funktionen von Ratings

Literaturverzeichnis (inklusive weiterführender Literatur)

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Traditionell übernahmen die Banken die Rolle des Mittelsmannes zwischen Kapitalanlegern und Kapitalnachfragern auf dem Finanzmarkt. Die Entscheidung für eine Kreditvergabe und des damit zusammenhängenden Risikos wurden dabei von der jeweiligen Bank getragen. Mit der zunehmenden Globalisierung und Ausweitung der internationalen Finanzmärkte ab den 80er Jahren mussten die Banken diese Funktion als Mittelsmann in großem Ausmaß einbüßen, weil sich neben dem traditionellen Kreditgeschäft alternative Anlegeformen entwickelten. Immer mehr Kapitalgeber brachten ihr Geld nicht mehr zur Bank, sondern investierten als Anleger auf dem Kapitalmarkt in Fonds oder Aktien. Im Zuge dieser Entwicklungen passten sich natürlich auch die Banken den neuen internationalen Bedingungen an. Von ihrem Hang zu eher risikoscheuen Geschäfte kam es zu einem Wandel hin zu risikofreudigen Investitionen. Dies brachte die Banken natürlich auch in einen Interessenkonflikt zwischen ihrem Eigeninteresse der größtmöglichen Sicherheit und riskanten Investitionsstrategien. Die Kapitalanleger, die vorher davon ausgehen konnten, dass Banken im eigenen Interesse nur überschaubare Risiken eingehen würden, konnten sich nun nicht mehr darauf verlassen, da sich die Situation auf dem Kapitalmarkt durch das Auftauchen global dominierender Investmentfonds grundlegend verändert hatte. (vgl. Willke (2001) 161 – 162)

Im Zuge dieser Internationalisierung traten die Rating-Agenturen auf den Plan. Dazu Willke: „Sie bilden die oberste, einflussreichste und problematischste Ebene der Finanzdienstleistungshierarchie.“ (zit. Willke (2001) 163)

In der folgenden Arbeit soll nun der Begriff des Ratings geklärt werden und die Arbeit und historische Entwicklung der Rating-Agenturen näher untersucht werden.

2. Die Grundlage des Rating-Geschäftes: Die Globalen Finanzmärkte

Als Definition von Globalisierung möchte ich mich an folgender orientieren: „Globalisierung sei hier definiert als der wachsende Anteil grenzüberschreitend verlaufender privatwirtschaftlicher Transaktionen an der gesamten Wirtschaftstätigkeit.“ (zit. Schirm (2004) 67) Bevor hier näher auf das Rating-Geschäft eingegangen werden soll, muss kurz auch das Phänomen der „Globalisierten Finanzmärkte“ charakterisiert werden, welches Grundlage für die Bedeutung der Rating-Agenturen ist. „The globalization of the financial markets also has served to expand the role of credit ratings to countries other than the United States (…)” (zit. U.S. Seccurities and Exchange Commission (2003) 5) Grundsätzlich lässt sich kein bestimmtes Datum feststellen, ab wann man von den so genannten Globalisierten Finanzmärkten sprechen kann. Grundlage für die Entwicklung war das Ende des Bretton-Wood-Systems, welches ein relativ restriktives Finanzsystem darstellte. Anfang der 70er Jahre nahm dann auch das Volumen internationaler Anlage- und Kreditgeschäfte zu. David Balaam findet vor allem die Entwicklung von internationaler Finanzierung zu globaler Finanzierung von großer Bedeutung: „(…) Global finance, on the other hand, refers to a system of financial relationships with no real center in any state. Global financial markets, which transcend national borders, are the form and substance of the global financial structure. Global finance goes on twenty-four hours a day. (…)” (zit. Balaam (1999) 159)

Durch die äußert attraktiven Anlagemöglichkeiten wuchs das Interesse von Anlegern an einem besseren Zugang zu den Märkten. Durch die zunehmende Kapitalmobilität und dem Engagement nationaler Anleger an den globalen Märkten wurden diese zu wichtigen Akteuren in diesem Bereich. (vgl. Schirm (2004) 72-81) „Unter der Entwicklung globaler Märkte ist der Prozess wachsender globaler Mobilität und Verflechtung privater wirtschaftlicher Aktivitäten zu verstehen, d.h. eine Verflechtung von Märkten, die auf mehrere Staaten simultan wirken kann.“ (zit. Schirm (2004) 69)

3. Was ist ein Rating?

Der Begriff Rating (auch genannte: credit rating oder bond rating) bezeichnet auf der einen Seite die angewendete Methode der Finanzanalyse, aber auch das Verfahren und die einzelnen Schritte der Beurteilung. Andererseits bezeichnet der Begriff auch das Ergebnis des Prozesses. Übersetzt man das Wort Rating so bedeutet es „Einschätzung“, „Beurteilung“ oder auch „Einstufung“. Dazu Moody’s1: „Ratings sind weder Empfehlungen zum Kauf oder Verkauf eines bestimmten Wertpapiers, noch stellen sie eine Garantie dafür dar, dass es nicht zu einem Zahlungsverzug oder Zahlungsausfall kommt.“ (zit. Moodys.de 2005)

Bei einem Rating handelt es sich, wie Rating-Agenturen auch immer ausdrücklich betonen, um eine bloße Meinung (opinions) bezüglich der Kreditnehmerqualitäten und nicht um eine Kauf- oder Verkaufsempfehlung der Rating-Agenturen. Ein Rating enthält somit keine Handlungsanweisung, sondern nur das Maß für die wahrscheinliche Ausfallswahrscheinlichkeit eines Unternehmens oder Staates. Unterschieden werden können Emissionsratings, welche sich auf Finanztitel beziehen und die so genannten Emittentenratings. Die bewerteten Finanztitel sind Anleihen (auch als Bonds bezeichnet) mit einer festgelegten Laufzeit und Tilgung. Anleihen dienen als Instrumente der Fremdfinanzierung. Emittenten können Industrieunternehmen, Banken, Versicherungen aber auch Staaten und Gebietskörperschaften wie Bund, Städte und Gemeinden sein. (vgl. Stiller (2005) 9; Gras (2003), 1-9)

Ausgedrückt wird das Ratingurteil letztlich in einem Ratingsymbol. Die Bewertungsskalen fallen bei Agenturen unterschiedlich aus. Jedem Ratingsymbol ist jedoch eine allgemeine Definition zugeordnet.

Die folgende Tabelle zeigt die Ratings für langfristige Verbindlichkeiten der beiden führenden Rating-Agenturen Moody’s und Standard & Poor’s:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Gras (2003), 9

Die daneben von mir angebrachten Eigenschaften der jeweiligen Rating-Stufe sind der Webseite von Moody’s Deutschland zu entnehmen . (vgl. Moody’s.de 2005)

„Rating ist ein global anerkanntes vergleichendes Instrument, welches nicht nur quantitative, sondern auch qualitative Daten nutzt, insbesondere Einschätzungen der Wettbewerbslage, der Ertragskraft, der Finanzstruktur, der Vermögenswerte, der Managementqualität und der strategischen Ausrichtung einer Organisation.“ (zit. Willke (2001) 164)

4. Arten von Ratings

4.1. Solicited und Unsolicited Ratings

Allgemein kann man zuerst zwischen „Solicited“ und „Unsolicited“ Ratings unterschieden. Ein „solicited“ Rating liegt vor, wenn das zu bewertende Unternehmen eine Rating-Agentur mit der Durchführung eines Ratings selbst beauftragt. „Unsolicited“ Rating wiederum bezeichnet ein Rating, das ohne einen Auftrag eines Unternehmens erstellt wird. Allgemein wird bei der Durchführung eines „unsolicited“ Ratings eine geringere Qualität der Rating-Daten vermutet, da dieses nur auf öffentlich zugängigen Informationen beruhen kann.

4.2. Unternehmens- und Länderrating

Zielgruppe der Ratings sind grundsätzlich einmal alle Unternehmen, unabhängig von ihrer Größe, Branche oder Umsatz. In der Praxis werden aber nicht nur Unternehmen bewertet, sondern auch Länder, Emittenten, Fonds, Aktien und auch private Debitoren . (vgl. Stiller (2005) 10) Wichtig ist auch die Unterscheidung zwischen Unternehmensratings und Länderratings. Unternehmensratings gestalten sich generell einfacher als Länderratings. Vor allem die Asienkrise hat bewiesen, wie schwierig sich Länderratings gestalten können. Länderratings hängen viel mehr von dem Willen der Länder ab, die eigenen Schulden zurückzuzahlen, wie auch von der Möglichkeit überhaupt zahlen zu können. Politik kann hier genauso wichtig sein wie die Ökonomie. (vgl. The Economist (1999) 1-2)

4.3. Externes Rating vs. Internes Rating

Externe Ratings werden durch unabhängige Agenturen wie z.B. Moody’s erstellt. Von einem internen Rating hingegen spricht man, wenn ein Kreditinstitut einen Kunden im Rahmen einer Kreditwürdigkeitsprüfung mit einem hausinternen Verfahren bewertet und sich somit ein Urteil über dessen Bonität verschafft. Mit der Bonität wird die Zahlungsfähigkeit des Kunden bezeichnet. Ziel dieses internen Ratings ist die Einteilung des Kunden in Risikoklassen für die Kreditvergabe. (vgl. Stiller (2005) 15-20)

5. Wie arbeiten Rating-Agenturen?

Rating-Agenturen sind grundsätzlich einmal Finanzdienstleistungsunternehmen, welche sich auf die Kreditwürdigkeit von Schuldnern und Schuldtiteln mittels Ratings spezialisiert haben. Bei den Rating-Agenturen handelt es sich um privatwirtschaftliche Akteure, die eine zentrale Koordinationsfunktion zwischen Kapitalangebot und –nachfrage auf dem Kapitalmarkt einnehmen. Rating-Agenturen sind dabei neben transnationalen Unternehmen bedeutende private Akteure, die den globalen Handel und die globalen Finanzmärkte entscheidend prägen und mitgestalten.

Rating-Agenturen teilen den Risiken eindeutig definierte Kategorien zu. Die einzelnen Bonitätskriterien werden dabei mit Buchstaben bezeichnet. Jeder Anleger kann dadurch auf den ersten Blick feststellen, welches Risiko er eingeht und wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass der Emittent seinen Zinsverpflichtungen nachkommen und z.B. die Anleihe zum Fälligkeitstermin zurückzahlen kann. Diesem Rating unterziehen sich die Emittenten freiwillig, um ihre Chancen auf dem Kapitalmarkt zu erhöhen.

6. Quantitative und Qualitative Faktoren im Rating

Anhand der Quantitativen Faktoren kann eine Aussage über die gegenwärtige Vermögens-, Finanz- und Ertragslage eines Unternehmens vorgenommen werden. Dabei werden die Kennzahlen zur Vermögenslage, die Art und Zusammensetzung des Vermögens und die Dauer der Vermögensbindung untersucht. Weiters werden die Kennzahlen der Eigen- und Fremdkapitalfinanzierung eines Unternehmens untersucht und somit bewertet, ob es seinen Zahlungsverpflichtungen nachkommen kann. Die Kennzahlen der Ertragslage wiederum gewähren Einblick in die Fähigkeit des Unternehmens, Gewinne zu erzielen und die zukünftige Leistungsfähigkeit sicherzustellen. Alle diese benötigten Informationen werden aus den Jahresabschlüssen, der Finanzbuchhaltung sowie den Planungsunterlagen des Unternehmens entnommen.2

Neben diesen Quantitativen Faktoren spielen aber auch Qualitative Faktoren im Rating eine Rolle. Dabei handelt es sich mehr um zukunftsgerichtete Komponenten. Während quantitative Faktoren eines Unternehmens relativ leicht zu ermitteln sind, lassen sich diese Faktoren nicht durch Zahlen ausdrücken. Aus diesem Grunde werden sie mit Hilfe von Fragenkatalogen erhoben. Dabei hängt die Anzahl und Qualität der Fragen von der Größe des zu bewertenden Unternehmens ab. Die qualitative Analyse beinhaltet regelmäßig eine Einschätzung des Unternehmensumfeldes, z.B. Wachstumsaussichten der Branche, Kapitalintensität und Entwicklung der Nachfrage. Im Anschluss daran erfolgt die Unternehmensanalyse. Regelmäßig überprüfte Bereiche sind dabei:

[...]


1 Rating-Agentur

2 Im Einzelnen sind dies: Jahresabschlüsse, Bilanzen der letzten Jahre, Investitionsplanung, Umsatz-, Kosten- und Ertragsplanung, Liquiditätsvorschau, Unterlagen der Kreditsicherheiten, wichtige Verträge, wie z.B. Gesellschaftsvertrag.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Die Entwicklung des Ratinggeschäfts. Grundlagen und Merkmale der Ratingindustrie
Hochschule
Universität Salzburg
Veranstaltung
SE Internationale Organisationen und Regime
Note
1
Autor
Jahr
2006
Seiten
18
Katalognummer
V284092
ISBN (eBook)
9783656835363
ISBN (Buch)
9783656835417
Dateigröße
793 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
entwicklung, ratinggeschäfts, grundlagen, merkmale, ratingindustrie
Arbeit zitieren
Eva Stöckl (Autor), 2006, Die Entwicklung des Ratinggeschäfts. Grundlagen und Merkmale der Ratingindustrie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/284092

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