Invasion eines Diktators? Georg W. Bushs Gründe zum Eintritt in den 2. Golfkrieg 1990-1991


Essay, 2012
6 Seiten, Note: 1,5

Leseprobe

Einleitung

Am 02.08.1990 greift Irak Kuwait an. Schnell zeigt sich, dass dieser Krieg sich nicht allein zwischen diesen beiden Staaten zutragen wird. Noch am gleichen Tag schaltet sich der UN-Sicherheitsrat, vor allen Dingen auf Bestreben der USA, ein. Dies führt zu einem Krieg, der zwar nur 40 Tage und 100 Stunden andauert, dessen Ausmaße jedoch vorher so nicht erwartet wurden. Die Opferzahlen auf irakischer Seite kann man nur schätzen, sie liegen höchstwahrscheinlich bei einer Anzahl zwischen 25.000 und 75.000 gefallenen Soldaten. Die Kriegskosten für die Vereinigten Staaten wurden auf 61,1 Milliarden US-Dollar überschlagen.

In diesem Essay möchte ich zunächst einen kurzen Überblick des Kriegsverlaufs präsentieren, bei dem ich keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebe, da dies das Ausmaß dieses Essays überschreiten würde. Im zweiten Abschnitt des Essays werde ich mich mit der Rede George H. W. Bushs vom 16.01.1991 auseinandersetzen und seine Gründe für den Eintritt in diesen Krieg benennen. Im Anschluss daran werde ich mit Zuhilfenahme einer Definition der Diktatur diskutieren, ob der zur Kriegszeit amtierende US-Präsident George W. Bush während dieses Zeitabschnittes als Diktator tituliert werden kann.

Kriegsverlauf

Am 02.08.1990 überfallen irakische Truppen das kleine Emirat Kuwait und besetzen es innerhalb eines Tages. Gründe für den irakischen Einmarsch in Kuwait existieren verschiedene. Zum einen sah Saddam Hussein Kuwait als historischen Teil des Iraks an, als seine 19. Provinz, welche im Zuge des ersten Weltkrieges willkürlich durch die Briten abgetrennt worden sei. Zudem war der Irak nach dem ersten Golfkrieg bei Kuwait hoch verschuldet, doch Kuwait wollte die Schulden nicht erlassen. Eine Eroberung des Emirats schien sehr lukrativ, denn die Schulden gebe es somit nicht mehr und Kuwaits enorme finanzielle Rücklagen und Ölreserven würden so direkt in den Besitz des Iraks übergehen. Doch der direkte Streit, der dem Einmarsch vorangegangen war, war eine Streitigkeit um neu entdeckte Ölreserven, welche genau unter der irakisch-kuwaitischen Grenze verliefen und somit von beiden Staaten für sich beansprucht wurden. Um diesen Konflikt zu lösen wurden unter saudi-arabischer Vermittlung Verhandlungen geführt, die jedoch ohne Ergebnis am 01.08.1990 abgebrochen wurden. Der Einmarsch der irakischen Truppen in Kuwait geschah in der anschließenden Nacht (Beate Mittmann, Peter Priskil, 1992).

Noch am gleichen Tag fordert der UN-Sicherheitsrat mittels der Resolution 660, auf Bestreben der USA, den sofortigen und bedingungslosen Truppenrückzug des Iraks und verhängte kurz darauf einige wirtschaftliche Sanktionen gegen den Irak, unter anderem verabschiedet in der Resolution 661. Auf diese Sanktionen werde ich jedoch in einem späteren Abschnitt noch ausführlicher eingehen. Entgegen der Resolution 660 annektiert der Irak Kuwait am 08.08, doch bereits am 09.08.1990 verabschiedete der UN-Sicherheitsrat die Resolution 662, in welcher er die Annexion Kuwaits durch den Irak für null und nichtig erklärt und stellt dem Irak letztendlich am 29.11.1990, ausgedrückt in der Resolution 678 ein Ultimatum für den endgültigen Truppenrückzug aus Kuwait bis zum 15.01.1991. In dieser Resolution verdeutlicht er ebenfalls, dass er alle notwenigen Mittel die Resolution 660 zu unterstützen und durchzuführen für rechtens erklärt. Des Weiteren bildeten die Vereinigten Staaten unter der Führung des US-Außenministers James Barker ein vereinigtes Militärbündnis, dem sich insgesamt 34 Länder anschlossen und welches sich aus über 600.000 Soldaten zusammensetzte, die jedoch zu rund 75% aus amerikanischen Männern bestanden. Da bis zum 15.01.91 die irakischen Truppen nicht restlos aus Kuwait abgezogen waren, setzt sich nun der UN-Sicherheitsrat als Ziel, durch die von ihm aufgestellte Kriegsallianz Kuwait zu befreien und den alten Zustand wiederherzustellen. Am 16.01.1991 beginnen nun die massiven Lustangriffe der alliierten Streitkräfte gegen den Irak. Durch diese wird unteranderem die Trinkwasserversorgung des Iraks zerstört und ebenso die Kläranlagen, was dazu führt, dass das Abwasser direkt in den Fluss Tigris fließt, eine der wenigen Wasserversorgungen, die den Irakern noch bleibt und es somit dazu kommt, dass epidemische Krankheiten verbreitet werden. Am 15.02.1991 ist Saddam Hussein bereit sich aus Kuwait zurückzuziehen, jedoch knüpft er an seinen Rückzug einige Bedingungen, wie zum Beispiel die Aufhebung des Handelsembargos gegen den Irak oder aber auch die Bedingung, dass die Alliierten für all die Schäden aufkommen solle, die sie durch die Bombardierung im Irak verursacht hatte. Doch da zu diesem Zeitpunkt bereits fast alle irakischen Truppen zerschlagen waren, lehnten die Alliierten es ab die irakischen Bedingungen zu erfüllen und so ging das kriegerische Geschehen weiter (Beate Mittmann, Peter Priskil, 1992). Nachdem in etwa 110.000 Angriffe geflogen und 85.000 Tonnen Bombenlast seitens der Alliierten abgeworfen worden waren, beginnen die USA am 24.02.1991 den Bodenkrieg. Bereits am 26.02.1991 beginnt der Irak sich offiziell aus Kuwait zurückzuziehen, wobei die irakischen Soldaten bei ihrem Verlassen einige Ölfelder Kuwaits anzünden und Sperrriegel an Ölterminals öffnen, so dass große Massen an Öl in den Persischen Golf fließen. Auf dem Weg Richtung Basra, eine Stadt im Süden des Iraks, werden die irakischen Truppen und einige Zivilisten, die sich unter ihnen befinden, erneut bombardiert. Dieses Szenario wird heute als „Highway of death“ bezeichnet. Am 27.02.1991 wird schließlich Kuwait City befreit und bereits am folgenden Tag erklärt George Bush die Waffenruhe. Der Waffenstillstand und somit das offizielle Kriegsende tritt am 12.04.1991 in Kraft.

George H. W. Bushs Rede vom 16.01.1990

Am 25.07.1990, bevor der Irak mit dem Einmarsch in Kuwait beginnt, lädt Saddam Hussein die amerikanische Botschafterin April Glaspie zu einem Gespräch nach Bagdad ein. Aus diesem Dialog geht hervor, dass die US Regierung die Krise zwischen dem Irak und Kuwait als innerarabischen Konflikt ansehe und es Saddam Hussein überließe, diese Probleme auf seine Art und Weise zu lösen. Doch warum ließ die USA Saddam Hussein so ins offene Messer laufen?

In einer Rede vom 16.01.1991 versucht George Bush zu vermitteln, dass der Golfkrieg sich moralisch rechtfertigen lässt. Hierzu benennt er drei Kriegsziele.

Erstens solle Saddam Hussein Kuwait verlassen, eine legitime Regierung Kuwaits solle wieder an ihren Platz gestellt werden und Kuwait solle befreit werde. Natürlich ist klar, dass die Freiheit der kuwaitischen Bürger und deren Selbstbestimmung löbliche Ziele sind, doch kann man das irakische Volk kollektiv für einen politischen Führer bestrafen, der andersdenkende gewaltsam unterdrückt? Wer die Befreiung Kuwaits als eine moralische Rechtfertigung ansieht Krieg gegen den Irak zu führen, der hätte noch viel vor sich, denn er müsste noch einige andere unterdrückte Länder gewaltsam befreien.

[...]

Ende der Leseprobe aus 6 Seiten

Details

Titel
Invasion eines Diktators? Georg W. Bushs Gründe zum Eintritt in den 2. Golfkrieg 1990-1991
Hochschule
Universität Mannheim
Note
1,5
Autor
Jahr
2012
Seiten
6
Katalognummer
V285268
ISBN (eBook)
9783656856252
ISBN (Buch)
9783656856269
Dateigröße
475 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
2.Golfkrieg, 1.Irakkrieg, Diktatoren, George H. W. Bush, Irak, Kuwait
Arbeit zitieren
Svenja Bucher (Autor), 2012, Invasion eines Diktators? Georg W. Bushs Gründe zum Eintritt in den 2. Golfkrieg 1990-1991, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/285268

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