Kekes '"Ought Implies Can" and Two Kinds of Morality. Ist seine Kritik überzeugend?


Hausarbeit, 2011

12 Seiten, Note: 1,5


Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2.Hauptteil
2.1 inhaltliche Widergabe und Analyse des Aufsatzes “ ’Ought Implies Can’ and Two Kinds of Morality“, verfasst von John Kekes
2.2 Kritische Betrachtung des Aufsatzes

3. Schluss

4. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Das “Sollen impliziert Können“ -Prinzip besagt: Es kann nur dann der Fall sein, dass eine Person moralisch verpflichtet ist eine Handlung auszuführen, wenn die Person diese Handlung auch ausführen kann.

Dies bedeutet, dass der Akteur sowohl psychisch und physisch, als auch zeitlich und örtlich dazu in der Lage sein muss..

Dieses Prinzip dient folglich dazu zu erkennen, ob im Ausführen oder im Unterlassen einer Handlung eine moralische Verpflichtung besteht und stellt somit Gebote und Verbote auf den Prüfstand.

John Kekes setzt sich in seinem Aufsatz “’Ought implies Can’ and Two Kinds of Morality“, welcher 1984 in “The Philosophical Quaterly” erschien, mit diesem Thema kritisch auseinander. Zu Beginn erweitert er das Prinzip wie folgt: „ … a person is morally obliged to do something only if it is in his power to do it or not to do it. If someone is obliged, then it is appropriate to approve of his doing it and disapprove of his not doing it.”1

Diese Formulierung ermöglicht es John Kekes eine Schwachstelle an dem “Sollen impliziert Können“-Prinzip aufzuzeigen. In seinem Aufsatz versucht er Schritt für Schritt zu verdeutlichen warum das Prinzip fehlerhaft ist und in diesem Zusammenhang definiert er ein neues Instrumentarium, “choice-morality“2 und “ character-morality“3, welches er dazu benutzt um klar zu beweisen, dass das Prinzip fehlerhaft ist.

In meiner Arbeit werde ich zunächst auf die Sichtweise und Argumentation des Autors eingehen und anschließend diese kritisch betrachten.

2. Hauptteil

2.1. inhaltliche Widergabe und Analyse des Aufsatzes “ ’Ought Implies Can’ and Two Kinds of Morality“, verfasst von John Kekes

Zu Anfang seines Aufsatzes benennt John Kekes “Ought implies can“ als “Das Prinzip“4 und definiert es wie folgt: Eine Person könne nur zu einer Handlung verpflichtet sein, wenn diese in der Lage sei sie auszuführen oder zu unterlassen. Und auch nur dann könne man diese Person moralisch bewerten.5 Kekes kritisiert in diesem Zusammenhang, dass die Begrifflichkeit “zu etwas in der Lage sein“ nur schwer zu fassen sei, da hierunter nicht nur allgemeine Dinge fielen, die logisch und physisch unmöglich seien, sondern auch ein breites Spektrum individueller, oft kontroverser physischer und geistiger Begrenzungen.

Am Beispiel von “Sophie’s Choice“6 und am Beispiel eines geisteskranken Sadisten versucht Kekes zu belegen, dass das Prinzip keine logische und konzeptionelle Notwendigkeit ausdrückt. Im ersten Fall ist eine jüdische Mutter zu schwach eine Entscheidung zu fällen, die eines ihrer beiden Kinder vor dem Konzentrationslager und damit vor dem sicheren Tod gerettet hätte. Im Beispiel des Sadisten wiederum quält dieser seine Opfer zu Tode, um persönlichen Lustgewinn zu erzielen, hat jedoch eine genetische Veranlagung zu dieser Grausamkeit.

In beiden Fällen dürften wir, gemäß des Prinzips, das Verhalten dieser Personen nicht moralisch bewerten, da diese nicht in der Lage waren anders zu handeln. Doch Kekes bringt hervor, dass eine vernünftige Person jedoch darauf hinweisen würde, dass freundliche und charakterstarke Menschen moralisch gesehen offensichtlich besser seien als schwache und grausame, unabhängig von den Umständen, durch die sie in diese Situation geraten seien.7 Denn offensichtlich hätten wir eine Vorstellung davon, was gut und böse sei, was sich in dem hohen Ansehen von Tugenden und der Verurteilung von Lastern zeige. Schwäche und Grausamkeit sollten daher moralisch abgelehnt werden, wobei wir bei Fehlverhalten, das nicht auf bewusster Wahl, sondern Folge einer persönlichen Disposition sei, mildernde Umstände bei der Beurteilung ihres Handelns gewähren sollten.

Da aber das Prinzip generell davon ausginge, dass in solchem Fall moralische Missbilligung unangebracht sei, wird nach Ansicht von Kekes deutlich, dass das Prinzip fehlerhaft ist.8

Um die Auseinandersetzung über die Grenzen der Moralität transparenter zu machen führt Kekes zunächst ein neues Bewertungsinstrumentarium ein: “Choice-morality“ betone das moralische Handeln und den Charakter als Resultat einer Kette von Entscheidungen. “Character-morality“ ginge hingegen im Gegensatz dazu von einem tugendhaften Leitbild aus, das allen Handlungen zu Grunde liege und folglich zu moralisch lobenswerten Ergebnissen führe.9

In einem zweiten Schritt unterteilt er das Prinzip in eine starke und in eine schwache Version.10 Er überträgt die “choice -morality“ auf die starke Version des Prinzips, welches hier die Aufgabe habe den Rahmen festzulegen, innerhalb dessen eine Person moralisch wählen und damit auch moralisch beurteilt werden könne. Der schwachen Version des Prinzips ordnet er die “charakter-morality“ zu, da das Prinzip hier nur die Grundlage für mögliche mildernde Umstände bei der Bewertung von moralischem Handeln sei.

Da es bei der Auseinandersetzung um das Prinzip darum geht, wie wir Menschen moralisch bewerten sollten, schlussfolgert Kekes, dass es sich damit um ein moralisches Prinzip handle,11 In einem dritten Schritt untersucht er daher, ob es sich um ein bedeutendes moralisches Prinzip handelt. Dabei setzt er “bedeutend“ mit der starken Version des Prinzips gleich und nimmt seiner Analyse vorweg, dass seiner Meinung nach die “charakter-morality“ und somit nur die schwache Version des Prinzips zum Tragen komme. Jedoch habe dies zur Folge, dass es sich bei dem Prinzip um ein unwichtiges moralisches Prinzip handle:

„ In each case, I think, character-morality has it far more nearly right. Consequently, I do not think that The Principle is important; its strong version is mistaken, while its weak version plays only a minor role.”12

[...]


1 Kekes, John: ’Ought implies Can’ and Two Kinds of Morality. In: The Philosophical Quartely, Vol. 34, No. 137 ( Okt. 1984),S 459.

2 Ebd. S461

3 Ebd. S 461

4 Kekes, John: ’Ought implies Can’ and Two Kinds of Morality. In: The Philosophical Quartely, Vol. 34, No. 137 ( Okt. 1984),S 459.

5 Ebd. S 459

6 Ebd S 459

7 Ebd S 460

8 Ebd S 461

9 Kekes, John: ’Ought implies Can’ and Two Kinds of Morality. In: The Philosophical Quartely, Vol. 34, No. 137 ( Okt. 1984),S 461

10 Ebd. S 462

11 Ebd. S 462

12 Ebd, S 463

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Kekes '"Ought Implies Can" and Two Kinds of Morality. Ist seine Kritik überzeugend?
Hochschule
Universität Mannheim
Note
1,5
Autor
Jahr
2011
Seiten
12
Katalognummer
V285269
ISBN (eBook)
9783656857457
ISBN (Buch)
9783656857464
Dateigröße
391 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
John Kekes, Sollen impliziert Können, Ought implies can
Arbeit zitieren
Svenja Bucher (Autor:in), 2011, Kekes '"Ought Implies Can" and Two Kinds of Morality. Ist seine Kritik überzeugend?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/285269

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