Subdelegierte Registratur Tirschenreuth von 1625

Transkription


Forschungsarbeit, 2014
23 Seiten

Leseprobe

Was ist die subdelegierte Registratur?

[1] Als Folge der verlorenen Schlacht am Weißen Berg wurden 1621 bayerische Räte nach Amberg abgeordnet. Sie richteten im kurfürstlichen Schloss eine eigene Kanzlei, die sog. "subdelegierte" oder "Schlosskanzlei" ein. Diese Kanzlei, über welche vor allem der Schriftwechsel mit den bayerischen Zentralbehörden und dem Herzog[2] in München abgewickelt wurde, stellte eine Art Nebenregierung dar, die sowohl die Tätigkeit der Amberger Regierungsbehörden als auch der oberpfälzischen Außenämter zu kontrollieren und mit Weisungen zu versehen hatte. Mit dem endgültigen Übergang der Oberpfalz an Bayern im Jahre 1628 endete die Tätigkeit der subdelegierten Räte in der Schlosskanzlei. Die subdelegierte Registratur von Tirschenreuth ist nur ein Fragment der Aktenlage.

Es ist jedoch für den Familienforscher das weitaus interessanteste Material, da es sich hier um die Personen handelt, die im Jahr 1625 getauft, getraut und beerdigt wurden.[3] Diese Quellengattung ist ebenfalls auch für folgende Pfarreien in mehr oder weniger großen Umfang erhalten geblieben: Amberg, Auerbach, Bärnau, Bruck, Eschenbach, Esling (Ensdorf), Freistadt, Grafenwöhr, Hohenfels, Kemnath, Kastl (Dekanat Kemnath), Mitterteich, Moosbach (Dekanat Leuchtenberg), Nabburg, Neukirchen, Neumarkt, Nittenau, Neuburg, Neukirchen, Neumarkt, Rieden, Rötz, Schnaittenbach, Schwarzhofen, Tännesberg, Tirschenreuth[4], Viechtach, Waldmünchen. Zu finden ist dieses Material im Staatsarchiv Amberg unter „subdelegierte Registratur“.[5]

Die hier erwähnten und in diesem Buch behandelten Dokumente sind hervorragend geeignet vorhandene Lücken in den Pfarrmatrikeln zu überbrücken. Für die Pfarrei Tirschenreuth liegen aus dieser Zeit nur einige Fragmente vor. Bei den Familienforschern, die in dem damaligen Gebiet der Oberen Pfalz als Territorium der Kurpfalz forschen, wird diese Quellengattung bisher noch nicht so häufig nachgefragt. Auch ich bin erst von meinem Forscherfreund, Herrn Heribert Haber aus Neufahrn i. NB, auf dieses Material im Staatarchiv Amberg hingewiesen worden, dem ich hiermit recht herzlich danken möchte[6].

Wer für Tirschenreuth diese Registratur erstellte ist unbekannt – auf jeden Fall hatte die Pfarrei dies auf Weisung der Schlosskanzlei zu erstellen. Ob die Registratur nach dem julianischen oder nach dem gregorianischen Kalender erstellt wurde ist ebenso ungewiß.

Der im Jahr 45 v. Chr. eingeführte julianische Kalender ist im Jahr 1582 durch die päpstliche Bulle „Inter gravissimas“ dekretiert worden und löste als sogenannter gregorianischer Kalender in den katholischen Gebieten den julianischen ab. Die protestantischen Länder dagegen stimmten dem vom Papst dekretierten Kalender zunächst nicht zu und setzen ihn erst im Laufe von Jahrhunderten nach und nach um.

Am 23. Dezember 1625 wurde auch in der Amberger Region der gregorianische Kalender offiziell eingeführt und 10 Tage übersprungen[7]. Die Subdelegierte Registratur für Tirschenreuth ist im Staatsarchiv Amberg unter der Signatur „Regierung Amberg – Subdelegierte Registratur 1625“ – zu finden.

Transkript:

Specification

Wieviel zum Eingang des Neuen

1625. Jahrs bei der Stadt Tir-

schenreuth Bürgerskinder, und dann

in diese Pfarr a Land gehörige

getauft.

Dann auch fürs ander, was für Per-

sonen, sowohl bei der Stadt, als a

Land an alten und jungen Personen

verstorben und im Gottesacker vor

dem Stadttor begraben worden.

Auch wie sie mit Namen und Zu-

namen geheißen und was in-

gleichen derselben Stand und

Hantierung gewesen.

Getaufte Kinder bei der

Stadt die erste Wochen

Michael Riedel, Grobgrünmacher,

[Er verarbeitete Grobgrün.

Das waren Stoffe mit groben und dicken Fäden]

ein Sohn Michael.

Matthes Schmid, Leineweber,

eine Tochter Catharina.

Dann ufm Land

Nichts

Folgen die Verstorbenen bei

der Stadt

Niclaß Gleißner, Bäcker

Simon Schirmer, Tuchmacher,

ein Sohn Ägidius

Barthel Steiner, Taglöhner,

eine Tochter Regina

Hochzeiten bei der Stadt

Nichts

Dann ufm Land

Nichts

Getaufte Kinder bei der Hochzeiten bei der

Stadt die ander Wochen vom Stadt

Samstag dem 8. Januar bis Johann Creüßnizer, sonst

wieder Samstags, den 15. dieses Giebsgung genannt, Handels-

Michael Spitzel, Lederer, eine mann zu Amberg

Tochter Amalia

Hans Liebmer, Tuchmacher, eine Thomas Trapp, Weißgerber,

Tochter Susanna des Rats

Heinrich Praunschmid, Handels-

mann, ein Sohn Johann Dann ufm Land

Matthes Nebmer, Tuch- Jacob Krauß von

macher, eine Tochter Anna Griesbach, unehrlich

Dann ufm Land

Nichts

Folgen die Verstorbenen

bei der Stadt

Martin Haußner, Metzger,

eine Tochter Elisabeth

Gregor Grüner, Ratsherrn-

knecht Hausfrau Elisabeth

Dann ufm Land

Nichts

Getaufte Kinder bei der

Stadt die dritte Wochen

von Samstags dem 15. Januar

bis wieder Samstag, den 22. dieses

Hans Meyer, Schuster, ein Hochzeiten bei der

Sohn Erhardus Stadt

Michael Haubmer, Lederer, Nichts

ein Sohn Nicolaus

Dann ufm Land Dann ufm Land

Nichts Nichts

Folgen die Verstorbenen

bei der Stadt

Einem fremden Soldaten, Leonhard

Hausmann, genannt, von Schlicht

bürtig, ein Sohn Georgius

Hans Stöckl s, Beck, des Rats,

Hausfrau Barbara

Georg Schel s, Metzger, ein

Sohn Laurentius

Michael Haubmer ein

Kindlein ungetauft, begraben

Dann ufm Land

Nichts

Getaufte Kinder bei der

Stadt die vierte Wochen

von Samstag dem 22. Januar

bis wieder Samstags, den 29.

Januar

Hans Jäger dem Älteren, Schmied,

eine Tochter Catharina

Dann ufm Land

Nichts

Folgen die Verstorbenen

bei der Stadt

Michael Haumber, Lederer,

ein Sohn Nicolaus

Martin Haußner, Metzger,

ein Sohn Johannes

Dann ufm Land

Nichts

Hochzeiten bei der Stadt

nichts

Dann ufm Land

Nichts

Melchior Beumel von Groß-

klenau

[...]


[1] Andreas Sichelstiel in der Bavaria Liste

[2] Maximilian I.

[3] Andreas Sichelstiel, a.a.O.

[4] diese Arbeit

[5] Andreas Sichelstiel, a.a.O.

[6] Andreas Sichelstiel, a.a.O.

[7] Andreas Sichelstiel, a.a.O.

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Subdelegierte Registratur Tirschenreuth von 1625
Untertitel
Transkription
Autor
Jahr
2014
Seiten
23
Katalognummer
V285272
ISBN (eBook)
9783656860983
ISBN (Buch)
9783656860990
Dateigröße
397 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
subdelegierte, registratur, tirschenreuth
Arbeit zitieren
Gerhard Reiss (Autor), 2014, Subdelegierte Registratur Tirschenreuth von 1625, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/285272

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